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Laura Cox: Nicht unterzukriegen

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Seit ihrem ersten Videoauftritt auf YouTube im Jahr 2008 hat sich Laura Cox zu einem echten Social-Media-Star entwickelt. Glaubt man den „offiziellen“ Zahlen, so verzeichnete die Künstlerin allein in den ersten zehn Jahren ihrer Karriere mehr als 60 Millionen Internet-Aufrufe, mit 250.000 Abonnenten und 150.000 Likes auf ihrer Facebook-Seite. Diese Erfolge setzen mittlerweile jedoch auch eine regel-mäßige Bühnenpräsenz voraus, will die Musikerin nicht – siehe Titel ihres neuen Albums! – sang- und klanglos untergehen.

Laura, der Titel HEAD ABOVE WATER weist offenbar auf die Entstehungsgeschichte der Scheibe hin, oder?
Ja, das stimmt. Nach dem Ende meiner letzten Tour brauchte ich dringend eine Pause, um Kraft zu tanken und neue Ideen zu entwickeln. Deshalb fuhr ich zum Durchschnaufen und Surfen an die portugiesische Atlantikküste. Ich nahm auch eine Gitarre und ein kleines Aufnahmegerät mit und sammelte dort bereits erste Songideen. Als während des Lockdowns halb Frankreich unter Quarantäne gestellt wurde und mein Geburtstag unmittelbar bevorstand, den ich auf keinen Fall eingeschlossen und allein in meiner Wohnung in Paris verbringen wollte, bin ich erneut nach Portugal gefahren und habe dort die letzten Stücke für die neue Platte geschrieben. Insofern hat der Albumtitel für mich eine doppelte Bedeutung, einerseits als Surferin mit Affinität zu Wasser und Wellen, andererseits als Musikerin, die sich nicht unterkriegen lässt.

Was auf deiner ersten großen Tournee vermutlich nicht ganz einfach war.
Ich habe meine Lektion gelernt und verstanden, dass man sich als Gitarristin und Leadsängerin auf Tournee anders verhalten muss, als es die üblichen Rock’n’Roll-Klischees besagen. Wenn man zehn Tage am Stück das volle Programm singen und spielen will, kann man nicht jeden Abend Party machen.

Sondern?
Nach Konzertende brav mit Wärmflasche und Kamillentee ins Bett gehen! Man kommt von der Bühne, ist durchgeschwitzt und möchte am Merchandise-Stand den Fans Autogramme geben. Doch dort ist es kalt und zugig, und viele Leute husten. So etwas kann nicht ohne gesundheitliche Folgen bleiben. Ich musste mein Verhalten also an das einer alten Oma anpassen.

Man könnte auch sagen: an das einer professionellen Musikerin!
Vermutlich ist es beides, professionell, aber auch ein wenig langweilig.

Langweilig ist dein neues Album dagegen in keiner Weise. HEAD ABOVE WATER dokumentiert sogar eine erstaunliche Entwicklung als Songschreiberin. Ist dies allein auf dein fortschreitendes Alter zurückzuführen?
Nein, nicht nur. Der größte Unterschied zu meinen bisherigen beiden Platten war mein Entschluss, mir in mein Songwriting nicht mehr reinreden zu lassen. Früher wurden alle meine Idee von meinen Mitmusikern in die Mangel genommen, sodass vom Ursprung nur wenig übrigblieb. Diesmal habe ich alles allein geschrieben und mich nicht beirren lassen. Allerdings höre ich mittlerweile auch nicht mehr die gleichen Lieder wie noch vor zehn Jahren. Damals schwebten AC/DC, Guns N’ Roses, Mark Knopfler und Lynyrd Skynyrd über allem. Jetzt sind auch frischere Produktionen von Tyler Bryant & The Shakedown, Blackberry Smoke, den Blues Pills oder Joe Bonamassa hinzugekommen. Um ehrlich zu sein: Ich habe mich an den alten Klassikern ziemlich sattgehört.

Es fällt auf, dass du fast ausnahmslos amerikanische Vorbilder hast. Was ist mit der britischen Rock- und Bluesrock-Szene?
Mir gefällt der amerikanische Ansatz, diese Mischung aus Rock, Southern Rock, Bluegrass und Soul. Diese Mixtur unterschiedlicher Stile liegt mir einfach näher als die Musik der meisten UK-Gruppen.

Von deinen amerikanischen Vorbildern hast du ab 2008 ja auch eine Reihe von Tracks gecovert und sie auf YouTube veröffentlicht. Der Beginn deiner ungewöhnlichen Karriere.
Ich hatte bis dahin vielen YouTubern zuge- schaut und fand, dass es auf der Plattform zu wenig Mädchen gibt, die Gitarre spielen.

Ein anderes Instrument kam für dich daher also nicht infrage?
Nein. Die Gitarre ist das Instrument der Rockmusik. Ganz am Anfang spielte ich vornehmlich Akustikgitarre und sang dazu. Doch mir ging schnell auf, dass ich eigentlich in einer Gruppe sein möchte. 2002 sah ich im Kino den Disney-Film „Freaky Friday“ mit Jamie Lee Curtis und Lindsay Lohan, die in einer Rockband spielt. Damals war YouTube erst seit Kurzem am Markt und bei Weitem noch nicht so bedeutend wie heute. Ich hatte also ziemlich viel Glück, rechtzeitig am Start
zu sein, und bekam deutlich mehr Klicks und Zuschauer als jemals erhofft.

Zuschauer, die dann bei deinen ersten Konzerten allerdings hohe Erwartungen hatten.
Für mich war das nicht einfach, denn ich war es noch nicht gewohnt, in einer Band zu sein und auf andere Musiker hören zu müssen. Mit echten Menschen zusammenzuspielen, ist nun einmal eine völlig andere Dimension, als nur mit Backing-Tracks zu arbeiten. Aber ich habe unglaublich viel daraus gelernt. Die meisten Gitarristen spielen zwei oder drei Jahre und stehen dann bereits auf der Bühne. Bei mir fand das alles erst sehr viel später statt. Natürlich war ich total nervös und auch ziemlich gestresst, da mich so viele Zuschauer schon von YouTube kannten. Zudem konnte ich nicht einschätzen, welche Erwartungen sie an mich hatten.

Wie groß war der Druck auf deinen Schultern?
Riesengroß! Mir ging durch den Kopf: Ich habe Millionen von Views auf meinen YouTube-Seiten. Was ist nun, wenn die Leute von mir enttäuscht sind? Es ist natürlich eine komplett andere Situation, als in seinem Zimmer zu sitzen, ein Solo zu lernen und dann vor der Kamera zu performen. Aber mit jeder weiteren Show wurde ich entspannter und konnte es genießen, in einer Band zu sein und mit den Zuschauern zu kommunizieren.

Allerdings nicht mehr barfuß, wie zu Beginn deiner Bühnenkarriere!
Das musste ich mir leider wieder abgewöhnen. Vor fünf Jahren habe ich es noch gemacht, doch dann erzählten mir immer wieder Leute, wie gefährlich es ist, weil man einen Strom- schlag bekommen kann. Also habe ich mir meine Schuhe wieder angezogen.

Frohe Ostern: Die besten Songs über Eier und „Eier“

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ac dc ballbreakerFür das Osterfest haben wir für euch aus den besten Songs über Eier und – nun ja – „Eier“ eine nicht ganz ernst gemeinte Feiertags-Playlist zusammengestellt.

Hier haben wir die passenden Ohrwürmer für dieses Wochenende und wünschen euch damit viel Spaß und Erfolg bei der Osternestsuche!

Johnny Cash mit ›Dirty Old Egg Suckin‘ Dog‹ bei seinem unvergesslichen Auftritt in der „Muppet Show“:

›I Am The Walrus‹ der Beatles-Klassiket hier in einer Live-Version von Oasis:

Jerry Lee Lewis mit ›Great Balls Of Fire‹ in einer historischen Aufzeichnung aus 1958:

Accept fabrizieren Eiersalat mit ›Balls To The Wall‹:

AC/DC mit ›Ballbreaker‹:

Die White Stripes servieren zu Ostern Gebackenes mit ›Ball And Biscuit‹:

Bei W.A.S.P. wurde es live 2000 mit ›Dirty Balls‹ schmutzig:

Und schließlich noch einmal AC/DC mit ›Play Ball‹:

Und für alle, die Ostern gar nicht mal so toll finden: ›Easter Is Cancelled‹ von The Darkness:

Den weißen Hasen gibt es nicht nur an Ostern oder bei Alice im Wunderland, sondern auch von Jefferson Airplane:

Jaja, aus dem Hause AC/DC gibt es nicht nur einen oder zwei Songs zum Thema Eier:

Video der Woche: Guns ‚N Roses ›Live And Let Die‹

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Unsere Glückwünsche gehen heute an Izzy Stradlin. Der ehemalige Gitarrist von Guns ‚N Roses feiert heute seinen 61. Geburtstag.

Jeffrey Dean Isbell, besser bekannt als Izzy Stradlin, gründete im März 1985 zusammen mit seinem Jugendfreund Axl Rose und den L.A. Guns Musikern Tracii Guns, Ole Beich und Rob Garndner Guns ‚N Roses. Die ersten Erfolge feierte die Band allerdings erst mit dem im Juni desselben Jahres finalisierten Line-up mit Slash, Duff McKagan und Steven Adler.

Stradlin spielte auf den ersten vier Alben der Gunners, doch im November 1991 wurde ihm der ganze Zirkus zu viel und er verließ die Band zwei Monate nach dem Erscheinen von USE YOUR ILLUSION I + II. „Als ich mit den Drogen aufhörte, sah ich mich um und stellte mir die Frage: ‚Ist das hier alles?‘ Ich war es leid. Ich musste da raus.“

›Live And Let Die‹ war die zweite Singleauskopplung aus USE YOUR ILLUSION I und das Video dazu das letzte, in dem Izzy zu sehen ist.

Pristine: Musik für Generationen

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Heidi Solheim, Sängerin und Hauptsongschreiberin der norwegischen Formation Pristine, ist eine sehr umtriebige Dame. Neben ihrem Hauptjob kümmert sie sich um weitere musikalische Belange, die abseits der Band eine große und besondere Rolle in ihrem Leben spielen – Heidi schreibt Lieder
für Kinder, geht mit diesen Alben auch auf Tour und absolviert ferner Musikreisen für ältere Generationen, womit sie im letzten Jahr begonnen hat.

Welche Erfahrungen hast du damit gemacht, für ein älteres Publikum zu spielen?
Es hat im letzten Jahr einen enormen Eindruck auf mich gemacht. Mir fehlen die Worte, um die Gedanken und Gefühle zu beschreiben, die einem durch den Körper und die Seele rasen, wenn man erlebt, dass ein Mensch, der an schwerer Demenz leidet und keine Sprache mehr hat, jedes Wort des Liedes, das man gerade spielt, mitsingt. Man erfährt wirklich am eigenen Leib, welchen enormen Wert und welche Wirkung Musik auf Menschen hat. Ein schöner und sehr kraftvoller Moment.

Auch für die Kleinen nimmst du Lieder auf. Seit 2014 sind drei Kindermusik-Langspielplatten entstanden.
Die letzte wurde gar für den norwegischen Grammy-Award 2021 nominiert. Es ist wirklich eine fantastische Sache, das zu erleben. Fun fact: Die Band, die auf THE LINES WE CROSS spielt, ist
dieselbe wie auf meinen Kindermusikalben. Lieder für Kinder zu komponieren und aufzunehmen ist eine der besten Sachen in meinem Leben! Der Grund, warum ich mit diesen Projekten begonnen habe, war, dass ich feststellte, dass die Musik, die es für Kinder als Zielgruppe bereits gab, nicht so ernst genommen wurde und dass die Produktionen und die Qualität oft schlecht sind. Es klingt oft gehetzt, computergeneriert und ohne echte Themen und Geschichten. Ich hatte das Gefühl, dass die Kinder unterschätzt wurden, und wollte meinen Teil dazu beitragen, dies zu ändern.

Kommen wir zu deiner neuen Platte mit Pristine, THE LINES WE CROSS. Es ist euer sechster Longplayer, der nach einigen Jahren bei Nuclear Blast nun wieder beim eigenen Label erscheint. Wie habt ihr die Jahre genutzt, die ihr wegen Corona nicht auf Tour gehen konntet?
Für mich persönlich sind es sogar zwei der produktivsten Jahre meines Lebens gewesen. Es
gelang mir, in diesen unberechenbaren und chaotischen Zeiten eine Art Frieden zu finden, und ich
habe eine Menge neuer Songs komponiert und Shows konzipiert während des Lockdowns. Was das Label angeht: Als unser Vertrag mit Nuclear Blast auslief und wir anfingen, über die möglichen zukünftigen Wege von Pristine zu sprechen, fühlte es sich wie ein natürlicher Schritt an, wieder zu unserem eigenen Label und unserem gut etablierten Team zurückzukehren.

Du warst wie üblich für das Gros der neuen Lieder zuständig.
Ich komponiere die Melodien, Akkorde, Texte und die meisten Riffs und treffe mich dann mit dem Rest der Band, um an den Arrangements, dem Ausdruck und der Ausrichtung des Sounds zu arbeiten. In vielerlei Hinsicht ist es für mich sowohl ein Prozess extremer Einsamkeit als auch ein Gefühl von Gemeinschaft. Es braucht im Vorfeld viel Zeit, um nach dem Kern der Stücke zu suchen, nach der Bedeutung und dem, was ich vermitteln möchte. Es ist eigentlich ein ziemlich anstrengender Prozess. Man muss tief graben und sich freiwillig auf Gefühle und Erfahrungen einlassen, die nicht immer besonders angenehm sind.

Dennoch klingt THE LINES WE CROSS ganz anders als die Vorgänger…
Was diese Platte von den anderen unterscheidet, ist die Nachbearbeitung, würde ich sagen. Wir haben viel mehr Instrumente und Schichten hinzugefügt, nachdem die Hauptaufnahmen abgeschlossen waren. Das lag auch an einer klaren Vision unseres Produzenten Ariel Joshua
Sivertsen. Ich kann gar nicht genug betonen, wie viel der Produzent zu einer Albumproduktion im
Allgemeinen beiträgt. Er kann einen mittelmäßigen Track wirklich in Gold verwandeln, aber auch einen fantastischen Song in Scheiße. Ariel hat die Lieder wirklich auf eine ganz andere Ebene gehoben. Er hat nicht nur einen Rock-, sondern auch einen Pop-Hintergrund, wodurch er unserer Musik eine interessante neue Note verliehen hat, mit der wir sehr zufrieden sind. ›Valencia‹ und ›Carnival‹ scheinen eine ganz neue Richtung für Pristine zu bedeuten. Innovativ, herausfordernd und erlebnisreich.



Gehören diese zwei Stücke in deiner Vorstellung zusammen?
Auf jeden Fall sind beide Tracks sehr unterschiedlich entstanden. ›Valencia‹ hatte eine lange
Reise. Ich habe es in der Hütte meiner Eltern weit oben im Norden Norwegens geschrieben, einem
Ort, der völlig abgeschieden vom Rest der Welt ist. Ich finde den Raum und die Stille, die mir diese Hütte bietet, sehr beruhigend und ertappe mich oft dabei, dass ich diese Einsamkeit in den frühen Phasen des Songwritings suche. Mit ›Carnival‹ wollten wir starke Kontraste schaffen, sowohl im Ausdruck als auch in der Wahl der Instrumente. Der vorsichtige Anfang und das epische Ende zum Beispiel. Das steht auch für die tiefere Bedeutung dahinter, die Selbsterkenntnis und die Akzeptanz, dass man die Liebe verloren hat. Wenn die Gruppe am Ende einsetzt, ist das fast symbolisch für den Weg nach vorne. Alles und nichts endet wirklich. Und in dem Moment, als die Streicher hinzukamen, war ich im Himmel!!!

Sad Sack In A Cadillac‹ repräsentiert ebenfalls ein neuen Sound für euch und erinnert an The White Stripes oder The Black Keys.
Wow! Ich liebe diesen Vergleich! Sowohl die White Stripes als auch die Black Keys gehören schon seit Langem zu den Favoriten von Pristine. Also vielen Dank!

The Loneliest Fortune‹ ist ein ziemlicher Ritt mit Einflüssen von Jethro Tull und Deep Purple und fast zehn Minuten lang. Als ihr damit angefangen habt, hattet ihr da schon diese Länge im Kopf?
Wir hatten tatsächlich eine gute Vorstellung davon, wohin der Song gehen sollte. Wir lieben es, in unseren Liedern Universen aufzubauen, und bei ›Loneliest Fortune‹ hatten wir das Gefühl, dass es Kontraste und Verschiebungen braucht, um die Bedeutung und die Geschichte wirklich zu unterstreichen. Das ist eigentlich mein Liebling auf THE LINES WE CROSS. Nach Jahren des Komponierens und anderer kreativer Arbeit wird es fantastisch sein, wieder Shows zu spielen! Ich denke, ich spreche für jede Live-Band auf der Welt, wenn ich sage, dass die Covid-Erfahrung uns wirklich zum Nachdenken darüber gebracht hat, was passieren würde, wenn die Musik aus unserem Leben verschwindet. Wir hatten „nur“ ein paar stille Jahre, doch obwohl es brutal war, habe ich das
Gefühl, dass wir auch viel gelernt haben. Für mich persönlich war Musik noch nie so wichtig wie jetzt, und ich glaube, der Hunger nach Auftritten ist bei jedem einzelnen von uns allen zu spüren. Sowohl bei den Musikern und den Crews als auch beim Publikum.

Rückblende: Accept mit ›I’m A Rebel‹

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Die Solinger Heavy-Metaller schnappten sich einen Glam-Rock-angehauchten Stampfer – einen lange verschollenen frühen AC/DC-Track aus der Feder von Malcolms und Angus’ Bruder Alex Young – und drückten ihm ihren ganz eigenen Stempel auf.

Als sich das Jahr 1979 dem Ende entgegen neigte, brauchten Accept einen Hit. Die Rabauken aus Solingen träumten davon, in die Fußstapfen der Scorpions zu treten und mit ihrem hochoktanigen Metal ebenfalls über die Landesgrenzen hinaus berühmt zu werden. Das Problem war nur, dass ihr selbstbetiteltes Debütalbum, das in jenem Jahr erschienen war, auf taube Ohren gestoßen war.

„Das war ganz sicher kein Über-Nacht-Erfolg“, sagt der langjährige Gitarrist Wolf Hoffmann. „Stilistisch war es so la la. Alle machten uns klar, dass man im Radio gespielt werden musste, um Erfolg zu haben.bUnser Label sagte: ‚Vielleicht solltet ihr einen Songwriter von außerhalb der Band hinzuziehen, denn ihr Jungs seid nicht besonders gut darin‘.“ Hoffmann und seine Bandkollegen waren pragmatisch genug, um über ihre Schatten zu springen und den Rat zu befolgen. Und es dauerte nicht lang, bis ihnen ein Prachtstück in den Schoß fiel. „Unser Verleger Rudi Holzhauer sagte: ‚Ich habe da einen Song, der zu euch passen könnte. Er ist eingängig, heavy und wurde für AC/DC geschrieben‘“, so Hoffmann.

Und dieser Song war ein ungestümer, Glam-Rock-angehauchter Stampfer namens ›I’m A Rebel‹, geschrieben von Alex Young, dem älteren Bruder von Angus und Malcolm und einstigen Mitglied der nicht nennenswert erfolgreichen Spät-60er-Band Grapefruit. AC/DC hatten drei Jahre zuvor ihre eigene Version davon aufgenommen, doch die erblickte nie das Licht der Öffentlichkeit. Die Wurzeln dieses „verschollenen“ AC/DC-Tracks gehen zurück auf eine spontane, hochprozentige Session in einem Hamburger Vorort. Holzhauer, der für den Musikverlag Schacht Music arbeitete, hatte kurz zuvor die damals noch so gut wie unbekannte australische Band unter seine Fittiche genommen. Als AC/DC am 15. September 1976 im Hamburger Club Fabrik auftraten, sah er sie sich an. „Nach dem Gig baten wir sie, einen Song für uns aufzunehmen“, sagte Holzhauer 2001 in einem Interview mit der Morgenpost.

Er kannte Alex Young, der damals in der Stadt lebte. Der Song, den er AC/DC aufzunehmen bat, war ›I’m A Rebel‹ – angesichts der verwandtschaftlichen Verbindung eine naheliegende Wahl. Am nächsten Abend tauchten Angus, Malcolm und Bon Scott im Studio Maschen auf. Holzhauer war dort, ebenso wie Tontechniker Jürgen Magnus und Alex Young. „Sie nahmen den Song in ein paar Stunden auf“, erinnerte sich Ersterer später. Die Details dieser Session bleiben nebulös, denn die meisten der Beteiligten sind mittlerweile verstorben. Doch die Band war offenbar nicht zufrieden mit dem Track, vielleicht weil er zu sehr nach Glam klang oder weil ihre besoffenen Heldentaten im Studio nüchtern und bei Tageslicht betrachtet weitaus weniger professionell klangen. Hoffmann verneint das. „Es war großartig“, sagt der Gitarrist über das Demo, das er gehört hat. „Es war ziemlich authentisch und klang exakt so, wie man es sich vorstellen würde – wie AC/DC eben.“

https://youtube.com/watch?v=gg8gba_nu0o

Drei Jahre nach jener Session hatten Accept keinerlei Probleme damit, dieses verlorene Juwel für ihr zweites Album zu covern, das letztlich ebenfalls I’M A REBEL betitelt wurde. „Wir waren ein bisschen skeptisch, weil wir zuvor noch nie einen Song von jemand anderem aufgenommen hatten – und das haben wir seither auch nie wieder getan. Aber uns war klar, dass die Nummer wirklich gut und sehr eingängig war, was uns vielleicht den Weg ins Radio ebnen würde. Und AC/DC waren damals ja auch nicht die Megaband, die sie heute sind. Es sollte kein großes Ding sein, es war einfach nur ein Song, den wir auf das Album packten.“ Accept nahmen ihre Version Ende 1979 mit Produzent Dirk Steffens auf und zunächst war auch Alex Young an den Sessions beteiligt. „Er kam ins Studio und wollte sich daran versuchen, uns zu produzieren“, so Hoffmann. „Wir verstanden uns aber nicht mit ihm. Ich erinnere mich, dass er ein bisschen aggressiv und arrogant war.“

›I’m A Rebel‹ von Accept erschien Anfang 1980 als erste Single des gleichnamigen Albums. Als Autor wurde „George Alexander“ genannt (ein Pseudonym für Alex Young). Die Glam-Rock-Energie knisterte genau wie auf dem ersten Demo von AC/DC, während Frontmann Udo Dirkschneider der Stimme von Bon Scott ebenfalls erstaunlich ähnlich klang. „Unsere Version war nicht annähernd so gut wie ihre“, sagt Hoffmann mit einem Lachen. „Mann, das waren AC/DC!“

Die ursprüngliche Aufnahme von ›I’m A Rebel‹ wurde nie veröffentlicht, doch ein Bootleg einer späteren Version des Songs zirkuliert seit Jahren im Internet. Auf der singt Alex Young, was einige AC/DC-Chronisten zu der Vermutung verleitet hat, dass Bon Scott auch auf dem Original nie gesungen hat . Hoffmann bestreitet das: „Es war Bon“, bekräftigt er. „Und ich sage dir, warum ich das weiß. Rudi Holzhauer, der uns den Song vorschlug, kam vor acht oder neun Jahren zu einer unserer Shows, bevor er starb. Ich fragte ihn, ob er das Original-Tonband noch hatte. Er hatte es auf seinem Handy. Also versammelten wir uns alle um sein iPhone und hörten uns die Fassung mit Bon Scotts Gesang an. Sie war großartig.“

›I’m A Rebel‹ geriet für Accept nie zu dem Durchbruch-Hit, den sie gebraucht hätten (der kam erst ein paar Jahre später mit dem Album RESTLESS AND WILD von 1982 und dessen unsterblicher Proto-Thrash-Hymne ›Fast As A Shark‹). Das ursprüngliche Demo von AC/DC bleibt bis heute ungehört und verstaubt im Archiv eines Hamburger Verlags. Angesichts der eisernen Kontrolle, die die Band über ihr Vermächtnis hat, wird es da wahrscheinlich auch bleiben.

Flashback: Willkommen beim „California Jam“

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Am 6. April 1974 fand der legendäre „California Jam“ statt, ein Festival auf dem Ontario Motor Speed­way bei Los Angeles, das mit einem hochkarätigen Line-up (u.a. Deep Purple, Emerson, Lake & Palmer, Black Sabbath, Rare Earth, die Eagles und mehr) 250.000 Menschen anzog. Und die bekamen für ihre zehn Dollar Eintritt eine wahnwitzige Darbietung, in der Ritchie Blackmores Gitarrenspiel schlichtweg perfekt war, gekrönt von einer Zerstörungs­orgie auf der Bühne.

https://youtube.com/watch?v=URnQzst6Y1U

Die Band trat hier in einer neuen Inkarnation auf, dem sogenannten Mark-III-Line-up mit Frontmann David Coverdale und Bassist/Sänger Glenn Hughes anstelle von Ian Gillan respektive Roger Glover. BURN, das erste Album in dieser Aufstellung, war erst zwei Monate zu­­vor erschienen, und dieses neue Material dominierte die Setlist bei dieser Show.

Eine elektrisierende Version des Titelstücks eröffnete den Auftritt. Blackmore peitschte mit typischer Nonchalance durch die Riffs, Ian Paice trommelte mit beeindruckender Kraft, Jon Lord lieferte die Killer-Keyboards, während Coverdale und Hughes sich bei den Lead-Vocals abwechselten. Es war eine mächtige Chemie, ein Groove, der den neuen Songs innewohnte, vom kraftvollen Blues auf ›Mistreated‹ über Mark-II-Standards wie ›Smoke On The Water‹ bis zu einer Kombination aus beiden mit einer brillant improvisierten Version von ›You Fool No One‹.

Was ebenfalls auffiel, war das völlig unterschiedliche Auf­treten der beiden Neuzugänge. Coverdale, da­­mals spindeldürr, war noch bescheiden. Hughes dagegen, extravagant in einem weißen Satin-Anzug ohne Hemd, war völlig zugekokst – verraten durch das deutlich hörbare Nasehochziehen ins Mikro bei seiner Einleitung zu ›Mistreated‹. Doch egal, wie großspurig Hughes auch gewirkt haben mag: Dies war Blackmores Band und seine Show. Die Power in ›Mis­treated‹, die delikaten De­­tails in ›Space Truckin‘ – bei ihm sah alles so leicht aus. Im Finale dann wurde er seinem unberechenbaren Ruf gerecht, als er Gitarren zertrümmerte, dabei die Linse einer der Kameras demolierte und seine Ver­stärker sprengte.

Gov’t Mule: Neues Album PEACE… LIKE A RIVER

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Am 16. Juni erscheint PEACE… LIKE A RIVER, das neue Album von Gov’t Mule. Der Nachfolger zu HEAVY LOAD BLUES von 2021 ist die 13. Studioplatte der Southern Rocker um Warren Haynes.

Selbiger zum neuen Werk: „PEACE… LIKE A RIVER ist von der Arrangement-Perspektive her sehr ambitioniert – viele Songs nehmen Umwege, die in der heutigen Pop-Musik-Welt nicht unbedingt gängig sind. Gleichzeitig ist das auch eine Platte, die sich um den Song dreht und stilistisch viele Bereiche abdeckt.“

Eine erste Single mit dem Titel ›Dreaming Out Loud‹:

Titelstory: Nirvana – Das letzte Jahr der Grunge-Legende

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NirvanaDas letzte Jahr der Grunge-Pioniere Nirvana ist gezeichnet von der körperlichen und seelischen Leidensgeschichte ihres Frontmanns Kurt Cobain, der an seinem Ruhm und der Welt als Ganzer zerbricht. Eine Schrotflinte beendet schließlich am 5. April 1994 nicht nur das Leben eines genialen Musikers, sondern auch die Existenz einer Band, die mit ihrem dritten Album IN UTERO gerade erst ein außergewöhnliches künstlerisches Zeichen gesetzt hatte.

Im Jahr 1993 sind Nirvana die größte Rockband Amerikas. Sie sprechen einer desillusionierten „Slacker“-Generation aus dem Herzen, die sich als Gegenentwurf zu einer von der konservativen Reagan-Ära gezeichneten Gesellschaft versteht. Sie sind die geistigen Anführer einer entfremdeten und frustrierten Jugend. Sie sind vom Underground kometenhaft in den Mainstream emporgestiegen. Sie haben den Grunge hoffähig gemacht, dessen Mix aus Punk und Metal Anfang der 90er als die Vitaminspritze bzw. der Tritt in die Weichteile fungiert, die die Rockmusik so dringend benötigt. Sie haben mit NEVERMIND zwei Jahre zuvor die Spitzenposition der US-Billboard-Charts erklommen und damit keinen Geringeren als Michael Jackson vom Thron gestoßen. Und vor der Veröffentlichung ihres dritten Studioalbums IN UTERO hält die Musikwelt förmlich den Atem an: Haben Kurt Cobain, Krist Novoselic und Dave Grohl nun ihre Seelen an den MTV-Mainstream verkauft? Oder haben sie ihren ursprünglichen Punk-Geist bewahrt?

Die Antwort erscheint am 13. September 1993 und ist eindeutig: Nirvana bleiben Nirvana, indem sie sich nicht darum scheren, welches Album sie – im Sinne bestmöglicher Eigenvermarktung – hätten machen sollen. Im Gegenteil: Nirvana wollen jene „Mode-Hörer“ loswerden, die sie mit NEVERMIND und vor allem ihrem unerwarteten Smash-Hit ›Smells Like Teen Spirit‹ gewonnen haben. „Das ist eine der positivsten Sachen beim neuen Album“, sagt Cobain damals. „Ich weiß, dass wir diese ganzen Randmillionen nicht mehr haben werden, die die Musik nicht genießen, sondern unsere Band nur aus einem einzigen Grund hören: Um dazu zu ficken.“

Und er weiß, dass das neue Album nicht annähernd so viele Einheiten verkaufen wird wie der Vorgänger. IN UTERO ist ein geplanter kommerzieller Rückschritt der Grunge-Ikonen wider Willen. Der künstlerische Ausdruck einer Band, die sich mit dem, was sie im popkulturellen Zeitgeist geworden ist, nicht wohl fühlt. Ein Album, das die Spreu vom Weizen trennen soll. Und es ist die Spreu, die Nirvana behalten wollen.

„Er hatte ein großes Problem damit, im Rampenlicht zu stehen, und gleichzeitig rannte er so schnell er konnte darauf zu“ (Cobain-Biograf Charles Cross)

Auch wenn die verbliebenen beiden Nirvana-Mitglieder Novoselic und Grohl über 20 Jahre nach NEVERMIND ihren Frieden mit diesem Album finden werden, zeigt die Veröffentlichung von IN UTERO, dass der Vorgänger, der mit etwa 30 Millionen verkauften Einheiten zu einem der erfolgreichsten Alben der Musikgeschichte avanciert ist, wie ein ungeliebtes Kind für Cobain und Co. war, das sie am liebsten ins Waisenheim gesteckt hätten. Weil es sie daran erinnerte, dass sie zur Gallionsfigur eines Systems geworden waren, gegen das sie sich eigentlich hatten auflehnen wollen. „Wir waren soziale Außenseiter und wurden plötzlich zu dieser riesigen Band“, erinnert sich Novoselic. Klar, dass sich das Schuldgefühl, die eigenen Werte verraten zu haben, auf dieses Album projizierte, das Cobain im Nachhinein als zu glatt und eindimensional bezeichnet. Er, der lebenslange Außenseiter, der nie wirklich in die Gesellschaft gepasst hat – ein internationaler Rockstar? DER internationale Rockstar?! Zu dessen Fans nun plötzlich jene zählten, von denen er sich von jeher abzusetzen versucht hat?

Im letzten Jahr der Jahrhundert-Band Nirvana wird klar: Der Mainstream-Erfolg von NEVERMIND hat die drei Musiker und vor allem den labilen Cobain nicht beflügelt, sondern irritiert. „Das alles war erschreckend und hat mir Angst gemacht“, sagt der manisch-depressive Sänger ein Dreivierteljahr vor seinem (Frei-)Tod, der im April 1994 die Musikwelt erschüttern wird. Mehrmals will er zwischen NEVERMIND und IN UTERO die Band auflösen, weil er den Erfolg und das Rampenlicht instinktiv verabscheut. Obwohl er, wie er selbst sagt, von jeher davon geträumt hat, ein kommerzieller Künstler zu werden – der ewige Widerspruch seines Lebens.

„Er hatte ein großes Problem damit, im Rampenlicht zu stehen, und gleichzeitig rannte er so schnell er konnte darauf zu“, beschreibt Cobain-Biograf und Musikjournalist Charles Cross die Zerrissenheit des sensiblen Nirvana-Frontmanns. Gespalten zwischen Narzissmus und Welthass, Genuss und Abscheu seiner eigenen Prominenz, trudelt Cobain im letzten Jahr seines Lebens und somit dem letzten Jahr Nirvanas immer tiefer in einen Schlund aus Verzweiflung, Drogen und Schmerz, den seine Ehe mit Hole-Sängerin Courtney Love und die Geburt ihrer beider Tochter Frances Bean Cobain zwar mildern, aber nie vollständig umkehren können. Immerhin: Mit IN UTERO und vor allem dessen Sound ist die von psychischem wie physischem Schmerz zerfressene Grunge-Ikone happy – endlich hätten sie es geschafft, das zu vertonen, was er von jeher in seinem Kopf gehört habe, sagt er.

So zufrieden das Trio mit seiner Rückkehr zu einem raueren und natürlicheren Sound ist, für den man als Produzent den Ex-Black-Flag-Sänger Steve Albini an Bord geholt hat (um dessen Indie-Kredibilität für den angestrebten Image-Wechsel zu nutzen, wie von einigen Seiten gemunkelt wird?), so unzufrieden zeigt sich mit dem Ergebnis zunächst ihr Label DGC (ein Sublabel von Geffen-Records), dessen Vertreter bewusst komplett vom Aufnahmeprozess ausgeschlossen wurden. Als das Label das fertige Album endlich zu hören bekommt, fallen Worte wie „unhörbar“ – man bezweifelt, dass das Mainstream-Radio Albinis rauen Sound spielen würde.