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Laura Cox: Nicht unterzukriegen

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Laura Cox: Nicht unterzukriegen

Seit ihrem ersten Videoauftritt auf YouTube im Jahr 2008 hat sich Laura Cox zu einem echten Social-Media-Star entwickelt. Glaubt man den „offiziellen“ Zahlen, so verzeichnete die Künstlerin allein in den ersten zehn Jahren ihrer Karriere mehr als 60 Millionen Internet-Aufrufe, mit 250.000 Abonnenten und 150.000 Likes auf ihrer Facebook-Seite. Diese Erfolge setzen mittlerweile jedoch auch eine regel-mäßige Bühnenpräsenz voraus, will die Musikerin nicht – siehe Titel ihres neuen Albums! – sang- und klanglos untergehen.

Laura, der Titel HEAD ABOVE WATER weist offenbar auf die Entstehungsgeschichte der Scheibe hin, oder?
Ja, das stimmt. Nach dem Ende meiner letzten Tour brauchte ich dringend eine Pause, um Kraft zu tanken und neue Ideen zu entwickeln. Deshalb fuhr ich zum Durchschnaufen und Surfen an die portugiesische Atlantikküste. Ich nahm auch eine Gitarre und ein kleines Aufnahmegerät mit und sammelte dort bereits erste Songideen. Als während des Lockdowns halb Frankreich unter Quarantäne gestellt wurde und mein Geburtstag unmittelbar bevorstand, den ich auf keinen Fall eingeschlossen und allein in meiner Wohnung in Paris verbringen wollte, bin ich erneut nach Portugal gefahren und habe dort die letzten Stücke für die neue Platte geschrieben. Insofern hat der Albumtitel für mich eine doppelte Bedeutung, einerseits als Surferin mit Affinität zu Wasser und Wellen, andererseits als Musikerin, die sich nicht unterkriegen lässt.

Was auf deiner ersten großen Tournee vermutlich nicht ganz einfach war.
Ich habe meine Lektion gelernt und verstanden, dass man sich als Gitarristin und Leadsängerin auf Tournee anders verhalten muss, als es die üblichen Rock’n’Roll-Klischees besagen. Wenn man zehn Tage am Stück das volle Programm singen und spielen will, kann man nicht jeden Abend Party machen.

Sondern?
Nach Konzertende brav mit Wärmflasche und Kamillentee ins Bett gehen! Man kommt von der Bühne, ist durchgeschwitzt und möchte am Merchandise-Stand den Fans Autogramme geben. Doch dort ist es kalt und zugig, und viele Leute husten. So etwas kann nicht ohne gesundheitliche Folgen bleiben. Ich musste mein Verhalten also an das einer alten Oma anpassen.

Man könnte auch sagen: an das einer professionellen Musikerin!
Vermutlich ist es beides, professionell, aber auch ein wenig langweilig.

Langweilig ist dein neues Album dagegen in keiner Weise. HEAD ABOVE WATER dokumentiert sogar eine erstaunliche Entwicklung als Songschreiberin. Ist dies allein auf dein fortschreitendes Alter zurückzuführen?
Nein, nicht nur. Der größte Unterschied zu meinen bisherigen beiden Platten war mein Entschluss, mir in mein Songwriting nicht mehr reinreden zu lassen. Früher wurden alle meine Idee von meinen Mitmusikern in die Mangel genommen, sodass vom Ursprung nur wenig übrigblieb. Diesmal habe ich alles allein geschrieben und mich nicht beirren lassen. Allerdings höre ich mittlerweile auch nicht mehr die gleichen Lieder wie noch vor zehn Jahren. Damals schwebten AC/DC, Guns N’ Roses, Mark Knopfler und Lynyrd Skynyrd über allem. Jetzt sind auch frischere Produktionen von Tyler Bryant & The Shakedown, Blackberry Smoke, den Blues Pills oder Joe Bonamassa hinzugekommen. Um ehrlich zu sein: Ich habe mich an den alten Klassikern ziemlich sattgehört.

Es fällt auf, dass du fast ausnahmslos amerikanische Vorbilder hast. Was ist mit der britischen Rock- und Bluesrock-Szene?
Mir gefällt der amerikanische Ansatz, diese Mischung aus Rock, Southern Rock, Bluegrass und Soul. Diese Mixtur unterschiedlicher Stile liegt mir einfach näher als die Musik der meisten UK-Gruppen.

Von deinen amerikanischen Vorbildern hast du ab 2008 ja auch eine Reihe von Tracks gecovert und sie auf YouTube veröffentlicht. Der Beginn deiner ungewöhnlichen Karriere.
Ich hatte bis dahin vielen YouTubern zuge- schaut und fand, dass es auf der Plattform zu wenig Mädchen gibt, die Gitarre spielen.

Ein anderes Instrument kam für dich daher also nicht infrage?
Nein. Die Gitarre ist das Instrument der Rockmusik. Ganz am Anfang spielte ich vornehmlich Akustikgitarre und sang dazu. Doch mir ging schnell auf, dass ich eigentlich in einer Gruppe sein möchte. 2002 sah ich im Kino den Disney-Film „Freaky Friday“ mit Jamie Lee Curtis und Lindsay Lohan, die in einer Rockband spielt. Damals war YouTube erst seit Kurzem am Markt und bei Weitem noch nicht so bedeutend wie heute. Ich hatte also ziemlich viel Glück, rechtzeitig am Start
zu sein, und bekam deutlich mehr Klicks und Zuschauer als jemals erhofft.

Zuschauer, die dann bei deinen ersten Konzerten allerdings hohe Erwartungen hatten.
Für mich war das nicht einfach, denn ich war es noch nicht gewohnt, in einer Band zu sein und auf andere Musiker hören zu müssen. Mit echten Menschen zusammenzuspielen, ist nun einmal eine völlig andere Dimension, als nur mit Backing-Tracks zu arbeiten. Aber ich habe unglaublich viel daraus gelernt. Die meisten Gitarristen spielen zwei oder drei Jahre und stehen dann bereits auf der Bühne. Bei mir fand das alles erst sehr viel später statt. Natürlich war ich total nervös und auch ziemlich gestresst, da mich so viele Zuschauer schon von YouTube kannten. Zudem konnte ich nicht einschätzen, welche Erwartungen sie an mich hatten.

Wie groß war der Druck auf deinen Schultern?
Riesengroß! Mir ging durch den Kopf: Ich habe Millionen von Views auf meinen YouTube-Seiten. Was ist nun, wenn die Leute von mir enttäuscht sind? Es ist natürlich eine komplett andere Situation, als in seinem Zimmer zu sitzen, ein Solo zu lernen und dann vor der Kamera zu performen. Aber mit jeder weiteren Show wurde ich entspannter und konnte es genießen, in einer Band zu sein und mit den Zuschauern zu kommunizieren.

Allerdings nicht mehr barfuß, wie zu Beginn deiner Bühnenkarriere!
Das musste ich mir leider wieder abgewöhnen. Vor fünf Jahren habe ich es noch gemacht, doch dann erzählten mir immer wieder Leute, wie gefährlich es ist, weil man einen Strom- schlag bekommen kann. Also habe ich mir meine Schuhe wieder angezogen.

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