Rückblende: Accept mit ›I’m A Rebel‹

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Rückblende: Accept mit ›I’m A Rebel‹

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Die Solinger Heavy-Metaller schnappten sich einen Glam-Rock-angehauchten Stampfer – einen lange verschollenen frühen AC/DC-Track aus der Feder von Malcolms und Angus’ Bruder Alex Young – und drückten ihm ihren ganz eigenen Stempel auf.

Als sich das Jahr 1979 dem Ende entgegen neigte, brauchten Accept einen Hit. Die Rabauken aus Solingen träumten davon, in die Fußstapfen der Scorpions zu treten und mit ihrem hochoktanigen Metal ebenfalls über die Landesgrenzen hinaus berühmt zu werden. Das Problem war nur, dass ihr selbstbetiteltes Debütalbum, das in jenem Jahr erschienen war, auf taube Ohren gestoßen war.

„Das war ganz sicher kein Über-Nacht-Erfolg“, sagt der langjährige Bassist Wolf Hoffmann. „Stilistisch war es so la la. Alle machten uns klar, dass man im Radio gespielt werden musste, um Erfolg zu haben.
Unser Label sagte: ‚Vielleicht solltet ihr einen Songwriter von außerhalb der Band hinzuziehen, denn ihr Jungs seid nicht besonders gut darin‘.“ Hoffmann und seine Bandkollegen waren pragmatisch genug, um über ihre Schatten zu springen und den Rat zu befolgen. Und es dauerte nicht lang, bis ihnen ein Prachtstück in den Schoß fiel. „Unser Verleger Rudi Holzhauer sagte: ‚Ich habe da einen Song, der zu euch passen könnte. Er ist eingängig, heavy und wurde für AC/DC geschrieben‘“, so Hoffmann.

Und dieser Song war ein ungestümer, Glam-Rock-angehauchter Stampfer namens ›I’m A Rebel‹, geschrieben von Alex Young, dem älteren Bruder von Angus und Malcolm und einstigen Mitglied der nicht nennenswert erfolgreichen Spät-60er-Band Grapefruit. AC/DC hatten drei Jahre zuvor ihre eigene Version davon aufgenommen, doch die erblickte nie das Licht der Öffentlichkeit. Die Wurzeln dieses „verschollenen“ AC/DC-Tracks gehen zurück auf eine spontane, hochprozentige Session in einem Hamburger Vorort. Holzhauer, der für den Musikverlag Schacht Music arbeitete, hatte kurz zuvor die damals noch so gut wie unbekannte australische Band unter seine Fittiche genommen. Als AC/DC am 15. September 1976 im Hamburger Club Fabrik auftraten, sah er sie sich an. „Nach dem Gig baten wir sie, einen Song für uns aufzunehmen“, sagte Holzhauer 2001 in einem Interview mit der Morgenpost.

Er kannte Alex Young, der damals in der Stadt lebte. Der Song, den er AC/DC aufzunehmen bat, war ›I’m A Rebel‹ – angesichts der verwandtschaftlichen Verbindung eine naheliegende Wahl. Am nächsten Abend tauchten Angus, Malcolm und Bon Scott im Studio Maschen auf. Holzhauer war dort, ebenso wie Tontechniker Jürgen Magnus und Alex Young. „Sie nahmen den Song in ein paar Stunden auf“, erinnerte sich Ersterer später. Die Details dieser Session bleiben nebulös, denn die meisten der Beteiligten sind mittlerweile verstorben. Doch die Band war offenbar nicht zufrieden mit dem Track, vielleicht weil er zu sehr nach Glam klang oder weil ihre besoffenen Heldentaten im Studio nüchtern und bei Tageslicht betrachtet weitaus weniger professionell klangen. Hoffmann verneint das. „Es war großartig“, sagt der Gitarrist über das Demo, das er gehört hat. „Es war ziemlich authentisch und klang exakt so, wie man es sich vorstellen würde – wie AC/DC eben.“

Drei Jahre nach jener Session hatten Accept keinerlei Probleme damit, dieses verlorene Juwel für ihr zweites Album zu covern, das letztlich ebenfalls I’M A REBEL betitelt wurde. „Wir waren ein bisschen skeptisch, weil wir zuvor noch nie einen Song von jemand anderem aufgenommen hatten – und das haben wir seither auch nie wieder getan. Aber uns war klar, dass die Nummer wirklich gut und sehr eingängig war, was uns vielleicht den Weg ins Radio ebnen würde. Und AC/DC waren damals ja auch nicht die Megaband, die sie heute sind. Es sollte kein großes Ding sein, es war einfach nur ein Song, den wir auf das Album packten.“ Accept nahmen ihre Version Ende 1979 mit Produzent Dirk Steffens auf und zunächst war auch Alex Young an den Sessions beteiligt. „Er kam ins Studio und wollte sich daran versuchen, uns zu produzieren“, so Hoffmann. „Wir verstanden uns aber nicht mit ihm. Ich erinnere mich, dass er ein bisschen aggressiv und arrogant war.“

›I’m A Rebel‹ von Accept erschien Anfang 1980 als erste Single des gleichnamigen Albums. Als Autor wurde „George Alexander“ genannt (ein Pseudonym für Alex Young). Die Glam-Rock-Energie knisterte genau wie auf dem ersten Demo von AC/DC, während Frontmann Udo Dirkschneider der Stimme von Bon Scott ebenfalls erstaunlich ähnlich klang. „Unsere Version war nicht annähernd so gut wie ihre“, sagt Hoffmann mit einem Lachen. „Mann, das waren AC/DC!“

Die ursprüngliche Aufnahme von ›I’m A Rebel‹ wurde nie veröffentlicht, doch ein Bootleg einer späteren Version des Songs zirkuliert seit Jahren im Internet. Auf der singt Alex Young, was einige AC/DC-Chronisten zu der Vermutung verleitet hat, dass Bon Scott auch auf dem Original nie gesungen hat . Hoffmann bestreitet das: „Es war Bon“, bekräftigt er. „Und ich sage dir, warum ich das weiß. Rudi Holzhauer, der uns den Song vorschlug, kam vor acht oder neun Jahren zu einer unserer Shows, bevor er starb. Ich fragte ihn, ob er das Original-Tonband noch hatte. Er hatte es auf seinem Handy. Also versammelten wir uns alle um sein iPhone und hörten uns die Fassung mit Bon Scotts Gesang an. Sie war großartig.“

›I’m A Rebel‹ geriet für Accept nie zu dem Durchbruch-Hit, den sie gebraucht hätten (der kam erst ein paar Jahre später mit dem Album RESTLESS AND WILD von 1982 und dessen unsterblicher Proto-Thrash-Hymne ›Fast As A Shark‹). Das ursprüngliche Demo von AC/DC bleibt bis heute ungehört und verstaubt im Archiv eines Hamburger Verlags. Angesichts der eisernen Kontrolle, die die Band über ihr Vermächtnis hat, wird es da wahrscheinlich auch bleiben.

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