Am 25. April haben Aerosmith auf ihren Social-Media-Kanälen ein Foto ihres Logos auf schwarzem Untergrund gepostet mit der Bildunterschrift: „May 1st 2023 10am, EST“. Um 16 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit werden Aerosmith am ersten Mai also etwas ankündigen. Aktuell spekulieren viele Fans, ob die Band ein neues Album oder neue Tourdaten veröffentlichen wird.
Nach ewigem Hin- und Her zwischen Roger Waters und der Stadt Frankfurt steht nun fest, dass Waters seinen geplanten Auftritt in der Festhalle spielen darf. Das zuständige Gericht, bei dem Waters einen Eilantrag gestellt hatte, hat entschieden, dass ein Verbot, wie es von der Stadt aufgrund „Waters anitsemitischer Aussagen“ gefordert wurde, nicht rechtens ist.
Die Symbole, die Waters verwendet, wurden vom Gericht zwar als „geschmacklos“ verurteilt, sein Schaffen sei jedoch von der Kunst- und Redefreiheit geschützt. Der Auftritt von Waters verherrliche oder relativiere nicht die Gräueltaten des Nationalsozialismus. Die Entscheidung, Waters auftreten zu lassen, wurde vom Internationalen Auschwitz Komitee sowie vom Zentralrat der Juden in Deutschland verurteilt.
Eine mit Schweiß getränkte Menge geht in die Knie, nur um Sekunden später im Rhythmus der ekstatischen Steigerung von Gitarre und Schlagzeug nach oben zu springen. Kadavar spielen an einem Montag im Backstage in München und die Stimmung blüht so auf, wie sie es sonst auch an Samstagen nur selten tut. Doch fangen wir von vorne an. Graveyard und Kadavar sind gerade gemeinsam auf Tournee. Mit dabei im Vorprogramm: Kadavars Label-Zöglinge Polymoon, die im Februar ihr zweites, von Drummer Tiger Bartelt produziertes, Album CHRYSALIS veröffentlicht haben. Aufgrund einer längeren Wartezeit am Eingangsbereich wegen Gästelistenunstimmigkeiten verpasst man die schillernde Neo-Psychedelic-Band leider um Haaresbreite und kann den Finnen danach nur noch am Merchtisch zu ihren wundervollen Outfits gratulieren. Während der Umbaupause trifft man ein, zwei Menschen, die im Gespräch verraten, dass ihnen die Vorband nicht so ganz zugesagt hat – auf verstärktes Nachhaken hin konnte kein wirklicher Grund angegeben werden. Ein Schelm, wer Böses denkt und unterstellt, dass die sich eher fluide präsentierende Band nicht konform mit so manchem Männlichkeitsverständnis im Publikum ging. Vielleicht ja aber auch wirklich nur ein simpler Fall von „Geschmäcker sind verschieden“. Die Klärung dieser Frage wird ein Mysterium bleiben.
Polymoon
Danach wird immerhin schnell deutlich, dass Graveyard dem Publikum ziemlich zusagt. Das schwedische Quartett genießt in Stoner-Kreisen Kult-Status und wird zurecht sehr gefeiert von den Münchnern. Die stampfenden Rhythmen und teils hypnotischen Retro-Klangwelten schwappen sofort auf die Menge über, im Takt zuckende Körper und verzückte Gesichter lassen sich von dieser Welle umspülen. Man merkt gleich, dass die Menschen sich heute einlassen wollen bzw. können auf das ihnen Dargebotene, dass sie eintauchen und die Musik spüren. Eine solche Stimmung gibt es beileibe nicht immer auf Konzerten, eher im Gegenteil: diese Form der ekstatischen Masseneuphorie ist zur Seltenheit geworden und kickt deswegen bei ihrem sporadischen Erscheinen gleich doppelt im Belohnungszentrum. Wunderbar auch die sehnsuchtsvoll kratzende Reibeisenstimme von Frontmann Joakim Nilsson, die sich in den flächigen Mix einflechtet und einen tief im Herzen berührt. Nach ausgiebigem Applaus und Gejohle nach Ende des Graveyard-Sets macht man sich innerlich bereit für den Headliner des Abends. Kadavar durfte man inzwischen schon einige Male live erleben, hat aber an jenem Tag das Gefühl, dass richtig was geht. Auf den neuen Shirts steht in MASTER-OF-REALITY-Ästhetik Lupus Lindemanns Parade-Spruch „Habt ihr Bock oder was?“ geschrieben und ja, die Leute haben Bock und zwar richtig.
Als Intro schallt ›All You Need Is Love‹ aus den Boxen, die Band stürmt die Bühne und dann ist da irgendwie nur noch pure Energie. Schon bevor die Saiten und Trommeln berührt werden, sprühen die Funken von Kadavar ins Publikum und vom Publikum zu Kadavar hoch. Dann die ersten Schläge auf die Drums, der erste Griff in Lindemanns SG und die Hölle (oder das Paradies. Wobei das ja im Grunde vielleicht auch dasselbe ist) bricht los. Magie entlädt sich, das Publikum dreht durch und die Band steht an diesem Abend absolut unter Strom. Bereits auf Social Media hat man gemerkt, dass die Tour gerade richtig gut läuft. Dass Kadavar schon nach den ersten Akkorden in München an einem Montag Feiertagsstimmung verbreiten, ist einmal mehr Beweis dafür, dass die Berliner mit zu dem Besten gehört, was die deutsche Rockmusiklandschaft aktuell zu bieten hat. Klassiker wie ›Black Sun‹, ›All Our Thoughts‹ oder ›Die Baby Die‹ sind sowieso, wie man in Bayern so schön sagt, eine „gemähte Wiese“, Tracks wie ›Last Living Dinosaur‹ – mit dem vielleicht effizienteste Riff ihrer Karriere – bringen jede*n im Backstage zum Tanzen und Headbangen. Egal was diese Truppe vorhat, heute funktioniert alles. Auch die neuerdings losgelassenen Synth-Wogen, die dem brandneuen Bandmitglied Jascha Kreft zu verdanken sind. Selbiger steht schräg hinter Lindemann auf einem kleinen Podest und unterstützt seine Mitmusiker mit einer zweiten Gitarre und Synthesizern, letztere verwandeln manche Teile des Sets zu floydesken Klangkaleidoskopen. Ansonsten toben vorne Lindemann und vor allem Bassist „Dragon“, der als einziger mit absoluter Bewegungsfreiheit die Bühne komplett für sich in Anspruch nehmen kann und darüber shuffelt wie ein wildgewordener Flamenco-Tänzer. In der Mitte wütet Drummer „Tiger“, der mit seinen langen Armen und seinem wunderbar eigentümlichen Schlagzeug-Stil wieder einmal aussieht wie ein wilder Kraken. Die Menge flippt aus, die Band liefert ab, der Raum ist mit Vibrations gefüllt. Was für ein Abriss!
Der einstige Marillion-Frontmann über einen Klassiker von Genesis und des 70er-Prog.
Ich stand schon früh auf Genesis. Die Vorgänger wie TRESPASS und FOXTROT hatte ich auch schon gehört, doch es war SELLING ENGLAND BY THE POUND, das meinen Weg als Sänger und Texter prägen sollte. Ich kaufte es mir während eines Familienurlaubs 1973, in dem Jahr, als es erschien. Es war das fünfte Album von Genesis und sie waren so richtig gut geworden. Keyboarder Tony Banks machte sich hier bemerkbar und setzte viel mehr Synthesizer ein. Steve Hacketts Beitrag an der Gitarre zu Songs wie ›Firth Of Fifth‹ war einfach grandios. Es gibt wenige bessere Arten, ein Album zu eröffnen, als wie mit ›Dancing With The Moonlit Knight‹ mit seinen König-Arthur-Vibes. Das war ein großer Einfluss für mich, als ich das Debüt von Marillion schrieb, SCRIPT FOR A JESTER‘S TEAR [1983]. Die Wortspiele auf ›The Battle Of Epping Forest‹ schlugen sich definitiv auch in meinen nieder. Ich liebte auch, dass das elfminütige ›Cinema Show‹ an T.S. Eliots Gedicht „The Waste Land“ von 1922 erinnerte. Und dann war da noch ›More Fool Me‹, ein wunderschönes Lied, gesungen von Phil Collins – damals noch der Schlagzeuger –, das sich als Messlatte für seine spätere Solokarriere erweisen sollte. Es ist einfach ein grandios hochwertig gemachtes, perfekt ausbalanciertes Album. Für mich ist SELLING ENGLAND das letzte großartige Album, das Genesis mit Peter Gabriel machten. Das Songwriting ist einfach wundervoll, und als Begleitung zu einem Sonntagnachmittag im alten England ist es unverzichtbar.
Am 19. Mai erscheint Luke Elliots neues Album LET ‚EM ALL TALK, am 17. Juni spielt der Künstler eine einzige Show in Hamburg in der Nochtwache. In seinem Schaffen vereint Elliot seine Einflüsse von John Coltrane, Duke Ellington und Dylan über The Cramps, Gun Club und Mink DeVille bis hin zu Filmen des Spaghetti-Western-Erfinders sowie Badlands, Pulp Fiction und Natural Born Killers .
Als Vorgeschmack auf die kommende Platte gibt es jetzt die neue Single ›What It Is‹ zu hören:
Man sagt ja, „alles ist größer in Texas“. Trifft zumindest auf den mächtigen Sound der Texas Hippie Coalition zu. Ebenso auf Sänger Big Dad Ritch, der sowohl körperlich als auch stimmlich eine imposante Figur abgibt. Zur Bedeutung der Herkunft für seine Band sagt er, diese spiele eine Rolle „so groß wie Texas, mit Butter drauf“. THE NAME LIVES ON hat „Butter“ und Power. Das Rezept? „Keiner verrät die Geheimnisse, jetzt rollt das schöne Bohnenmaterial.“ Letzteres ist ein Zitat aus einem Werbespot für Dosenbohnen. Die Musik nimmt Big Dad Ritch ernst, aber sonst nicht alles. Auf die Klischeefrage, ob er eine Harley fährt, entgegnet er: „Eine gestohlene.“ Die neue Platte klingt echt nach Bikes und Booze. „Wir bevorzugen ‚Brewtal Biker‘, aber wir nennen es ‚Red Dirt Metal‘“, erklärt Rich. Gibt aber zu, dass Motorradfahrer einen großen Teil ihrer Crowd ausmachen: „Das Publikum reicht von 14 bis 74. Obwohl der Anteil der Biker sehr hoch ist, ist unsere Musik genreübergreifend. Man findet unsere CDs in Musikgeschäften oft in der Country-, Rock-, Metal- und sogar Americana-Abteilung.“ Dank ›Built For The Road‹ passt die Neue zudem gut ins Südstaaten-Regal. Der Song steht laut Rich für „Southern Fried Rock and Roll“. In diesem Zuge muss man natürlich kurz über den Tod von Gary Rossington sprechen. Lynyrd Skynyrd seien ein riesiger Einfluss für die Texas Hippie Coalition gewesen. Abgesehen davon kreuzten sich die Pfade auch. „Nachdem wir für sie als Support bei acht Shows eröffnet haben, fand ich, dass er der freundlichste und professionellste von allen war. Wir werden ihn schmerzlich vermissen.“
Aber auch der Metal kommt nicht zu kurz, so finden sich auch Spuren von Pantera. Findet auch der Sänger: „Ja, natürlich. Wir sind eine texanische Gruppe, die stark von Musikern wie Pantera, ZZ Top und Willie Nelson beeinflusst ist.“ Zur derzeitigen Pantera-Kontroverse mit Konzertabsagen in Deutschland gibt er sich diplomatisch: „Ich kann nur von der Enttäuschung sprechen, die die Pantera-Fans auf der anderen Seite des Teichs empfinden müssen. Ich hoffe, dass sie bald wieder in den Genuss von Pantera-Power-Metal kommen.“ Kurz weg von Power und Metal und hin zur balladesken und bewegenden Hymne ›I Teach Angels How To Fly‹, die einen ernsten Hintergrund hat. Es gehe um seelische Qualen, so Ritch, um „die Tatsache, dass so viele, und auch ich, mit psychischen Krankheiten zu kämpfen haben. Sie zu besiegen, ist schier unmöglich. Sie zu kontrollieren, bedeutet, ein Kommandant des Chaos zu sein“. Zum Albumtitel liefert er das perfekte Schlusswort: „Der Name ist Texas Hippie Coalition, THC – Band of Outlaws. Man sagt, dass der Tod dreimal kommt. Einmal, wenn du stirbst, einmal, wenn deine Seele deinen Körper verlässt, und dann noch mal, wenn das letzte Mal dein Name ausgesprochen wird. Ich hoffe, dass der Name Texas Hippie Coalition noch für Jahrhunderte ausgesprochen wird.“
Die britischen Psychedelic-Goth-Punker The Damned haben auch im 47. Jahr ihres Bestehens noch ausreichend Ideen, Spielfreude und vor allem jede Menge Verve. Fünf Jahre nach dem starken Vorläufer EVIL SPIRITS steht jetzt mit dem Wortspiel DARKADELIC, das auf die Gothic- und Psychedelic-Einflüsse verweist, das zwölfte Studioalbum auf dem Prüfstein. Mit fast identischer Mannschaft (lediglich Will Taylor sitzt für den 2019 ausgeschiedenen Pinch am Schlagzeug) geht das Quintett auf eine zwölf Songs starke Zeitreise. Das eröffnende ›The Invisible Man‹ kommt, wie zuletzt fast typisch für The Damned, gar nicht so stark aus den Startlöchern – was dann aber folgt, ist in einigen Belangen sogar noch stärker als das ohnehin schon ent- waffnende EVIL SPIRITS. Dave Vanian, Captain Sensible, Paul Gray, Monty Oxymoron und eben Taylor gelingt ein kurzweiliges und elegantes Alterswerk mit einigen schnellen Nummern, etwa ›Leader Of The Gang‹, ›Motorcycle Man‹, ›Girl I‘ll Stop At Nothing‹ und das annähernd hard-rockigen ›Beware Of The Clown‹, bei dem Vanians Gesang in voller Bariton-Blüte erleuchtet. Noch besser allerdings: das eingängige ›Bad Weather Girl‹, das ruhige ›Western Promise‹ mit seinem filmischem Flair, ›You‘re Gonna Realise‹ mit der angedeuteten Surf-Gitarre (Dick Dale lässt grüßen), das theatralische ›Roderick‹, und die beste Nummer der ganzen Platte: ›Wake The Dead‹.
Am 01. April spielten Samantha Fish und Jesse Dayton eine Show in Winterbach. Am 19. Mai erscheint das gemeinsame Album der beiden Künstler, es trägt den Titel DEATH WISH BLUES. Unser Fotograf Frank Witzelmaier war in Winterbach vor Ort und hat das Konzert für euch festgehalten.