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Tarja Turunen

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A 261192Macht als klassische geschulte Sängerin Karriere im Metal und wird mit der Band Nightwish zur Ikone. Seit 2005 wandelt sie auf Solopfaden und bringt nun ihr zweites Album WHAT LIES BENEATH heraus.

Es zählt zu den Binsenweisheiten, dass große Künstler eine spezielle, elek­trisierende Aura besitzen. Die finnische Sängerin Tarja Turunen verfügt über solch eine Ausstrahlung – und zwar im Gigawattbereich. Jede Bewegung pure Eleganz, ihr Lächeln ein Sonnenstrahl und jeder ernste Blick lässt die Stirn runzeln. Dieses magische Charisma entfaltet nicht nur in der Lobby eines Londoner Hotels seine Wirkung auf die Anwesenden, sondern zieht auch auf den Bühnen der Welt alle Augen auf die Frontfrau.

Die Erfolgskurve der Finnin weist zunächst steil aufwärts. Mit Nightwish macht Tarja eine Blitzkarriere. Die finnische Metal-Band erobert nach ihrem Debütalbum ANGELS FALL FIRST aus dem Jahr 1997 mit jedem Schritt mehr Zuschauerherzen; das fünfte Studiowerk ONCE (2004) heimst Edelmetallauszeichnungen in ganz Europa ein – und zu Nightwish-Konzerten kommen bis zu 10.000 Fans. Tarja ist der umjubelte Star im Zentrum aller Aufmerksamkeit. Dabei handelt es sich bei der Finnin um eine Seiteneinsteigerin. Mit ihrer klassisch ausgebildeten Stimme macht sich Tarja nicht nur Freunde. Besonders die konservative und männlich dominierte Metal-Szene schmäht den sinfonischen Stil der Gruppe zunächst als Opernmetal.

Doch Nightwish machen aus dem Schimpfwort ihr Markenzeichen – und der Erfolg gibt ihnen recht. Am 21. Oktober 2005 erreicht die Sängerin beim triumphalen Abschlusskonzert der ONCE-Tournee den Gipfel ihrer Laufbahn. Umso härter fällt der Absturz aus. Am Tag danach wird Tarja mit einem öffentlichen Brief gefeuert, in dem sie sowie ihr Ehemann und Manager Marcelo Cabuli persönlich angegriffen werden. Die Finnin fühlt sich gedemütigt, und nach anfänglichem Schweigen entwickelt sich eine kurze aber heftige Schlammschlacht. „Ich blicke nicht zurück, weil da zu viel Schmerz auf mich lauert“, seufzt Tarja. „Aber natürlich bin ich dankbar für alles, was ich in diesen Jahren gelernt und erreicht habe.“

Was bleibt, ist zunächst die ungewöhnliche Liebe einer klassischen Sängerin zu Rock und Metal. „Ich bin inzwischen in der Rockmusik zuhause“, lacht die finnische Schönheit. „Darüber musste ich keine drei Sekunden nachdenken, als ich vor der Frage stand, wie meine Solokarriere aussehen sollte.“ Die Diva gibt zwar auch klassische Konzerte, doch die sind eher selten.

Nach ihrer unsanften Kündigung stellt sich Tarja in kürzester Zeit auf eigene Beine, sucht erfolgreich Musiker für eine eigene Band so-wie ein neues Label und bringt bereits im Jahr 2007 ihr erstes Soloalbum MY WINTER STORM heraus. Die Reaktionen fallen durchwachsen aus, aber bei jedem Konzert stehen mehr alte, aber auch neue Anhänger vor der Bühne. Die Magie der charmanten Frontfrau wirkt noch immer. „Ich wusste schon genau, was ich wollte, aber noch nicht, wie ich es bekomme“, lächelt Tarja. „Plötzlich war ich für alles alleine verantwortlich, und jeder erteilte mir gute Ratschläge.“ Mittlerweile vertraut sie lieber auf ihre eigenen Instinkte sowie auf ihre Band. Die enge Bindung zu ihren Musikern ist der Sängerin besonders wichtig. Der ehemalige Farmer Boys-Gitarrist Alexander Scholpp, Schlagzeuger Mike Terrana (Axel Rudi Pell), der von Apocalyptica zu Hevein abgewanderte Cellist Max Lilja sowie Schiller-Keyboarder Christian Kretschmar und Bassmann Doug Wimbish zählen zu Tarjas engsten Vertrauten. „Der Rückhalt und Zuspruch meiner Band haben mir den Mut gegeben, jetzt nur noch mein eigenes Ding durchzuziehen“, betont sie selbstsicher. „Mit meinem neuem Album habe ich endlich die richtige Mischung aus Rock, Metal, Klassik und Filmmusik gefunden, die mir von Anfang an vorschwebte.“

Tatsächlich wirkt ihr aktuelles zweites Album WHAT LIES BENEATH in allen Belangen ausgereifter, druckvoller und spannender als sein Vorgänger. „Ich habe mir neue Produzenten gesucht, die wirklich etwas von Rock und Metal verstehen“, gibt Tarja abschließend zu Protokoll. „Keiner redet mir jetzt mehr rein – und Weichspüler kann ich nicht brauchen!“ Ungewohnt angriffslustige Töne kommen da aus dem Mund der einst so schüchternen Finnin. Doch das vor wenigen Tagen erschienene Werk WHAT LIES BENEATH rechtfertigt ihr neues Selbstbewusstsein – von Anfang bis Ende.

 

Titelstory: Gary Moore (04.04.1952–06.02.2011)

Gary MooreUnd die Welt war um ein musikalisches Genie ärmer: Einer der einflussreichsten Gitarristen der vergangenen Jahrzehnte würde der Szene fortan fehlen. Gary Moore verstarb in der Nacht zum 6. Februar 2011 im südspanischen Urlaubsort Estepona in seinem Hotelzimmer. CLASSIC ROCK fragte damals nach den Gründen für das plötzliche Ableben des 58-jährigen Briten, bat Kollegen darum, ihre Trauer zum Ausdruck zu bringen, und ließ Gary Moore zudem in einem Interview aus dem Jahr 2009 noch einmal selbst zu Wort kommen. In unserer Rubrik „Lebenslinien“ sprach der Saitenkünstler über seine eigenen Idole und verriet Details der spannenden Begegnungen, die er in seiner Musikerkarriere erleben durfte.

Ein Beitrag aus CLASSIC ROCK #06

Der Schock saß tief: In der Nacht zum 6. Februar starb Gary Moore im Hotelzimmer eines Feriendomizils an der spanischen Costa Del Sol. Die Ursache für das Ableben des nordirischen Rockgitarristen ist zunächst unklar. Inzwischen geht man von einem natürlichen Tod nach einem Herzinfarkt aus – doch zwischenzeitlich gibt es Gerüchte, die besagen, dass der Musiker an seinem Erbrochenen erstickt sei, nachdem er am Abend zuvor in der Bar des Kempinski Hotels in Estepona größere Mengen Alkohol getrunken habe. Ein Hotelbediensteter erzählt nämlich, dass Moore und seine Freundin am Samstag ursprünglich im Restaurant des Hotels essen wollten, dann jedoch – weil das Lokal bereits geschlossen war – Sandwiches und eine Flasche Champagner in der Bar bestellten. Später am Abend soll das Paar ein paar Brandys getrunken und die Bar um 23.00 Uhr gut gelaunt verlassen haben. Am Sonntagmorgen gegen vier Uhr ruft Moores Freundin Hilfe – denn ihr Partner liegt leblos im Hotelzimmer. Die eilig herbeigerufenen Ärzte können bei dem Musiker jedoch nur noch den Tod feststellen.

Mit Gary Moore verlässt uns einer der wichtigsten und einflussreichsten Gitarristen der Rockgeschichte. Ein Musiker, der sich stilistisch nie endgültig festgelegt, sondern in den Bereichen Blues, Hard Rock, Fusion, aber auch in moderneren Spielweisen eine exzellente Figur gemacht hat. Moore spielte eine fesselnde Sologitarre und verfügte zudem über eine markante Stimme, die vor allem in seinen ruhigeren Stücken ihre volle Pracht entfaltet.

UMZUG FÜR DEN ROCK-RUHM
Die musikalische Laufbahn von Robert William Gary Moore, der am 4. April 1952 im nordirischen Belfast zur Welt kam, beginnt 1963 mit seiner ersten Akustikgitarre, einer Framus mit Cello-Korpus. Das Instrument ist eigentlich zu groß für den Knirps und hat zudem Stahlsaiten, die der junge Gary kaum herunterdrücken kann. Mit 14 erhält er eine Original-Fender Telecaster und gründet kurz darauf seine erste Schulband. „Als Kind musste ich immer herhalten, wenn es darum ging, jemanden zu ärgern“, erzählte Moore, „doch mit der Gitarre trat etwas in mein Leben, das gut für mich war. Fortan spielte ich nicht mehr draußen, sondern saß zu Hause und übte.“ 1969, Moore ist noch keine 17 und gerade nach Dublin gezogen, stößt er zur Band Skid Row, bei der ein gewisser Phil Lynott singt. Nach der Veröffentlichung zweier Alben (SKID, 1970 und 34 HOURS, 1971) formiert Moore zunächst die eigene Gary Moore Band, folgt jedoch nach nur einer Scheibe (GRINDING STONE, 1973) dem Ruf seines ehemaligen Mitstreiters Lynott und geht zu Thin Lizzy.

Mitte der Siebziger holt ihn schließlich Jon Hiseman zu Colosseum II – ein Schritt, den er schnell bedauert: „Wir suchten mehr als anderthalb Jahre lang einen Keyboarder und einen Bassisten, veranstalteten unzählige Auditions und spielten immer die gleichen drei Songs. Als wir die Platte endlich aufnahmen, konnten Hiseman und ich diese drei verdammten Tracks nicht mehr hören“, erinnert sich Moore später. „Wir produzierten sie zwar trotzdem, doch keiner wollte sie hören. Es war generell eine miese Zeit damals: Ich besaß kein Geld, Jon gab mir immer nur so viel, dass ich mir das Ticket für die Fahrt zum Proberaum leisten konnte. Ich nahm also meine Les Paul unter den Arm und fuhr jeden Tag mit dem Bus zu Jon. Man muss sich das mal vorstellen: Das war schon in den Siebzigern, und ich hatte schließlich bereits in mehreren Bands gespielt. Und nun musste ich wieder ganz von vorne anfangen.“

Moore veröffentlicht dennoch drei Alben mit Colosseum II (STRANGE NEW FLESH, 1976; ELECTRIC SAVAGE, 1977; WAR DANCE, 1977), kehrt aber schließlich zu Thin Lizzy zurück, um mit Lynott das Album BLACK ROSE: A ROCK LEGEND (1979) einzuspielen.

Doch auch in dieser Phase, in der Alben entstehen, die heute als die be-sten der glorreichen Band gelten, läuft nicht alles glatt für Moore: „Thin Lizzy waren eine tolle Band, aber Phil hatte eben auch negative Seiten, mit all seinen Drogen und dem ganzen Scheiß.“ Noch während der Aufnahmen zum Lizzy-Opus unterschreibt Moore deshalb einen Solo-Plattenvertrag. BLACK ROSE und sein eigenes Album BACK ON THE STREETS mit dem legendären ›Parisienne Walkways‹ kommen fast zeitgleich auf den Markt. Anschließend gründet er die kurzlebige Formation G-Force und spielt auf zwei exzellenten Alben der Greg Lake Band (GREG LAKE, 1981 und MANOEUVRES, 1983), zudem erscheint das 1982er-Japan-Album GARY MOORE.

EIGENINITIATIVE ALS ERFOLGSPRINZIP
Anfang der Achtziger schließt Moore schließlich einen neuen Vertrag als Solokünstler ab und zwar mit Virgin Records. Als erste Produkte dieser mehr als 15 Jahre anhaltenden Kollaboration erscheinen CORRIDORS OF POWER (1982), die drei Live-Alben LIVE AT THE MARQUEE (1983), WE WANT MOORE! (1984) und ROCKIN’ EVERY NIGHT – LIVE IN JAPAN (1986), außerdem die Studiowerke VICTIMS OF THE FUTURE (1984) und DIRTY FINGERS (1984). Allerdings ist Moore mit den jeweiligen Sängern dieser Werke nicht zufrieden, sodass er nach der Zusammenarbeit mit Glenn Hughes (ehemals Deep Purple) auf dem 1985er-Werk RUN FOR COVER den Entschluss fasst, sich fortan selbst hinters Mikro zu stellen: „Es nervte immer, wenn ich es mit so genannten ‚großen Sängern‘ zu tun hatte. Ich wartete stundenlang im Studio auf sie. Als sie dann endlich da waren, hoffte ich, nun endlich die großartigsten Gesangseinlagen hören zu können. Doch dann hatten die Leute irgendwelche Wehwehchen und schafften gerade mal eine einzige Zeile.“

RUN FOR COVER avanciert zum weltweiten Erfolgsalbum, speziell aufgrund der Songs ›Empty Rooms‹ und ›Out In The Fields‹. Letzteres Stück ist Moores finale Kooperation mit Phil Lynott, der am 4. Januar 1986 stirbt. Und sie beschert dem Gitarristen sogar einen Top-Ten-Hit. RUN FOR COVER stellt gemeinsam mit dem nachfolgenden Werk WILD FRONTIER (1987) Moores endgültigen Durchbruch als Rockgitarrist dar. Von WILD FRONTIER, einer Platte mit starken keltischen Einflüssen, erschienen gleich fünf Single-Auskopplungen, darunter ›Friday On My Mind‹, eine kraftvolle Version des Easybeats-Klassikers. „WILD FRONTIER ist ein tolles Album, und diese Ära war generell eine überaus ereignisreiche Zeit für mich: Mein erster Sohn wurde geboren, Phil Lynott schied aus dem Leben, und ich war kurz zuvor wieder in meiner Heimatstadt gewesen. Ein Auf und Ab. Alle diese Eindrücke spiegeln sich auf WILD FRONTIER wieder. Es hat auch die stärksten traditionellen Einflüsse aller meiner Veröffentlichungen, wie man vor allem in ›Over The Hills And Far Away‹ oder auch ›Johnny Boy‹ hört.“

Kissin’ Dynamite – ADDICTED TO METAL

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Kissin_Dynamite - AddictedToMetalWeniger Posen, mehr Rock’n’Roll: So könnte was aus Kissin’ Dynamite werden.

Vielleicht sind es die herausgeputzten Pressefotos, der exzessive Einsatz von Haarstyling und Leder, die die blutjungen Kissin’ Dynamite um eine seriösere Betrachtungsweise bringen. Im Unterbewusstsein schwingt immer der Verdacht eines auf Heavy Metal getrimmten Ablegers von Tokio Hotel mit – schlimmer könnte das Urteil für eine ambitionierte Band wohl kaum ausfallen. Sicherlich, der Vergleich mag nicht ganz fair sein, denn Kissin’ Dynamite haben eine völlig andere Geschichte, profundere Musikalität und präsentieren sich als Band, die künstlerisch etwas zu sagen hat. Und mehr noch: Sie entwickeln sich ganz erstaunlich weiter.

Ihre zweite Veröffentlichung ADDICTED TO METAL bietet – neben einem denkbar dämlichen Albumtitel – prima eingängige Rockmusik, deren Quelle irgendwo in den Achtzigern entspringt und an frühe Judas Priest, Accept oder Bon Jovi erinnert. Es sind vor allem die cleveren Refrains, die den Zuhörer immer wieder freudig anspringen und in dieser Güte keine Selbstverständlichkeit sind. Mein Tipp: weniger am Aussehen feilen, mehr rocken!

Karma To Burn – APPALACHIAN INCANTATION

330k2b-regWie im wortkargen Western: Das Stoner-Trio redet nicht viel, sondern lässt wie immer lieber die Musik sprechen.

Nach erfolgreicher Live-Reunion und gefeierten Konzert-Auftritten kehren Karma To Burn mit dem Nachfolger zu ALMOST HEATHEN (2001) in Albumform zurück auf die dröhnende Stoner Rock-Bildfläche. Schön zu hören, dass sie auch im Studio-Segment nichts verlernt haben: Kyuss-Bassist Scott Reeder hat das Instrumental-Trio knackig und trocken in Szene gesetzt. Zudem fehlt auch auf APPALACHIAN INCANTATION der Gesangsdialog nicht: Das staubige Road Movie, das Karma To Burn mit ihrem Stoner-Score so eindringlich untermalen, lässt keine Wünsche offen – die Musik allein schafft es, sämtliche Spannungsbögen dieses dramaturgischen Pot-Plots zu tragen. Und auch wenn bei der Titelgebung weiterhin numerisches Spielen nach Zahlen ange­sagt ist, müssen doch Stücke wie der bretternde Opener› Fourty-Four‹ oder das punkige, mit Surf-Flair versehene ›Fourty-Six‹ besonders lobend erwähnt werden. Selbst wenn sich unter diesen Zahlenspielen wohl kaum jemand wirklich etwas vorstellen kann… Einen einzigen Gesangsgastauftritt gibt es dann übrigens doch noch: Bassist Rich Mullins hat Daniel Davies, den Sänger seiner Zweitband Year Long Disaster, für ›Waiting On The Western World‹ vors Mikro gezerrt, und der liefert auch in dieser Band-Konstellation ausgezeichnete Stimm­band-Arbeit inklusive mystischem Touch ab. In der raren, auf 2.000 Stück limitierten Erstauflage der Scheibe bekommen alle Die Hard-Desert Rocker neben sechs weiteren Instrumentals noch ein ganz besonderes Häppchen serviert. Das brodelnde Drogen Rock-Süppchen ›Two Times‹ wird nämlich von niemand Geringerem als dem ehemaligen Kyuss-Sänger und langjährigem Karma To Burn-Freund John Garcia gebührend gesangsveredelt. Bleibt abschließend also nur noch festzuhalten, dass Karma To Burn auch mit APPALACHIAN INCANTATION nichts von ihrer unnachahmlichen Anziehungskraft als eigentümliche Stoner-Sonderlinge verloren haben. Für eine reine Instrumental-Band dürfte daher das wohl größte Kompliment sein, dass es ihr gelungen ist, die Aufmerksamkeitsspanne auf der kompletten Albumlänge aufrecht zu er­halten. Applaus! Und den haben sich Karma To Burn redlich verdient. Erneut und wiederholt übrigens.

Hazy Malaze – CONNECTIONS

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hazy_malaze_cdGitarrist Neal Casal nutzt die Pause der Cardinals zur Reformierung seiner Ex-Band.

Es war nur eine Frage der Zeit: Zu viel Alkohol und Drogen sowie zu viele Albumveröffentlichungen und Tourneen hatten Ryan Adams, das Wunderkind des Americana, 2009 zum Rückzug gezwungen. Was auch das Aus für seine Backing-Band, die Cardinals, bedeutete. Deren Mitglieder versuchen sich nun an Nebenprojekten – wie Gitarrist Neal Casal, der Hazy Malaze wiederbelebt. Was aber zeitlich begrenzt sein dürfte. Denn obwohl das Trio handwerklich begabt ist und sämtliche Spielarten beherrscht: Wirklich originell ist ihr Songwriting nicht. Egal, ob dreckiger Garagenrock, elektrifizierter Blues, soulige Balladen, Westcoast-Sounds oder Power-Rock der siebziger Jahre – die zehn Songs bedienen sich zu sehr bei AC/DC, den Stones, Cream und Jackson Browne, um je über das Stadium der Bars und Jugendzentren hinauszukommen. Dort sorgen sie zwar mit Sicherheit für gute Unterhaltung, doch ob man das auch auf einem ganzen Album braucht, ist eine Frage, die angesichts viel kompositorischen Durchschnitts mit einem klaren Nein beantwortet werden muss.

Taylor Hawkins & The Coattail Riders – RED LIGHT FEVER

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Hawkins Taylor_cdCharmanter Glam-Ritt, der zu träumerischen Ausflügen an die nächste Bar verleitet.

Und zum zweiten Mal lädt uns der niedliche Drummer-Sunnyboy der Foo Fighters zu einem Ausritt mit seinen Recken ein. Dieser Trip macht a) Spaß und ist b) ungefähr so cool wie ein sonniges Schirmchengetränk an der Poolbar. Dessen Mix geht so: ein Schuss Slade, ein Schuss The Sweet, eine Maßeinheit Mott The Hoople, etwas ELO obendrauf – und dann alles mit Seventies-Songwriter-Sahne garnieren und mit einem Lächeln servieren! Da kann man ja gar nicht Nein sagen, auch wenn der Ausritt rein von der Spielzeit her doch nur ein kurzer Ausbruch aus dem grauen deutschen Alltags-Areal bleibt. Musikalisch allerdings umkreist Hawkins jedes Stadion, es könnte schließlich eine mögliche Spielstätte sein. Und selbst bei einem anfänglichen Foo-Feinfühler wie ›Hell To Pay‹ fällt er nicht vom Gaul. Der Mann hat’s drauf, das mit dem Reiten.

Halestorm – HALESTORM

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cover with nameFrontfrauen-Sturm auf den Modern-Rock-Thron.

Auf Kuhglocke den ersten Song seines Debütalbums einzuzählen, ist für heutige Verhältnisse schon eine ziemlich coole Aktion. Aber auch der Röhren-Charme von Sängerin Elizabeth „Lzzy“ Hale auf ›It’s Not You‹ hat das gewisse Etwas der alten Hard Rock-Schule.

Was nicht bedeuten soll, dass Halestorm altbacken klingen. Nein, im Gegenteil, diese Band bringt frischen Wind in die Modern Rock-Szene. Lzzy versucht gar nicht erst, blödes Betroffenheitsgeheule im Gothen-Gewand an den Mann zu bringen, sondern beherrscht vom niedlichen Wimpern-Klappern bis hin zum energischen Aufstampfen so ziemlich alle Ausdrucksformen einer zeitgemäßen Rock-Frontfrau. Dazu gibt es wahlweise wunderschöne, energiegeladene oder schlicht sympathische Songs – und fertig ist das weiblich geführte und gefühlte Gegenstück zu Three Days Grace.

Zukünftige Duett-Zusammenarbeit? Durchaus denkbar und mehr als erwünscht! Und Apocalyptica könnten hier übrigens gerne auch mal ein Auge und/oder Ohr riskieren.

Steve Hackett – OUT OF THE TUNNEL’S MOUTH

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Hackett steve_CDDas gute Gewissen von Genesis beeindruckt seine Hörerschaft mit einem opulenten Spätwerk.

So, genau so versenkt man ein Album: OUT OF THE TUNNEL’S MOUTH gibt’s netzweise zwar schon seit vergangenem Oktober, erst jetzt aber haben sich ein Label und ein Vertrieb für das physische Produkt gefunden. Ein solches Schattendasein im Maschinenraum des Rock-Business ist für ehemalige Genesis-Mitglieder nichts Ungewöhnliches. Anthony Philipps, der hier auch mitmusiziert, geht es ähnlich, Leute wie John Silver oder Chris Stewart haben die Kurve gekriegt und arbeiten heute als TV-Produzent in London oder Landwirt in Spanien. Hackett hingegen hielt zwischen 1970 und 1977 die Gitarre, also während der ergiebigsten Schaffensphase der gerne als „gymnasial“ geschmähten Progrocker. Zwar stahlen ihm damals Schlagzeuger Phil Collins und Peter Gabriel am Mikrofon die Show, aber das Talent zur extrovertierten Bühnenshow ist vielleicht das Einzige, was dem Musiker Hackett fehlt.

Musikalisch hat er die Kollegen jedenfalls überragt und tut es noch heute, während sich Gabriel durch Cover-Versionen knödelt und Collins lieber Klangkleister für Disney-Musicals produziert. Hacketts hohe Ansprüche jedenfalls trieben ihn nach Trick Of The Tail aus der Band und sind hier in voller Pracht zu genießen – wenn man denn ein Liebhaber ausgereifter Rock-Etüden mit Hang zu Überlänge, Synthesizern und Ethno-Einsprengseln ist. Anders als bei dem berückenden SKetches Of Satie beschränkt sich unser Gitarrenheld diesmal nicht auf das Nachgniedeln klassischer Klavierstücke, sondern entrollt das gesamte Panorama seines Könnens. Im finalen Schlüsselstück ›Last Train To Istanbul‹ brandet hier und da sogar ein orientalisches Orchester auf, seufzt die Flöte, meckert die Sitar und klagt die Violine. An anderer Stelle kommt dann noch der alte Chris „Donnerdaumen“ Squire von Yes zum Einsatz. Ein Album alter Freunde für alte Freunde einer alten, längst untergegangen und doch eigentlich sehr freundlichen Musik.