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Start Blog Seite 1355

Toto: CH-Locarno, Piazza Grande

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steve_lukather_2009_a4Beschwingte Hymnen für laue Nächte.

Viele Daten gab’s nicht – und die wenigen Shows, bei denen es Toto noch einmal wissen wollten, fanden auch nicht in den üblichen Konzerthallen beziehungsweise Show-Metropolen statt. David Paich, Steve Lukather und Steve Porcaro sowie Schlagzeuger Simon Phillips, Bassist Nathan East und Sänger Joseph Williams wollten eine Tournee der besonderen Art durchziehen – so wie auch der Grund der Konzertreise ein besonderer ist. Der Erlös der Gigs kommt dem an ALS erkrankten ehemaligen Bassisten Mike Porcano zu Gute. Ein trauriger, wenngleich ehrenwerter Anlass, um die eigentlich längst aufgelöste Band noch einmal zu sehen.

Auch das Ambiente am heutigen Abend stimmt – ebenso wie das Vorprogramm. In Locarno am Lago Maggiore lässt es sich gut aushalten, das Wetter lädt auch zum Draußen-Rocken ein: Kein Wunder also, dass Toto hier Station machen wollten. Das Konzert findet im Rahmen des „Moon & Stars“-Festivals statt, bei dem zehn Tage lang jeden Abend andere Acts auf dem von wunderbaren klassischen Altbauten eingerahmten Piazza Grande auftreten. Von Stevie Wonder über Massive Attack oder Jamiroquai bis hin zu Pink reicht das Spektrum – am Toto-Abend – mit Earth, Wind & Fire als Vorprogramm – geht es sehr entspannt und familiär zu.

Warmer Applaus empfängt die Band, die sich auch ins Zeug legt, um den Erwartungen gerecht zu werden. Als Opener wählen Toto das kraftvolle ›Child’s Anthem‹, tauchen dann geschickt in ›Till The End‹ ein und schließen ›Afraid Of Love‹ an. Die Chemie zwischen den Musikern stimmt, man merkt ihnen zu jeder Sekunde an, dass sie die Zusammenkunft genießen und sich gerne auf das gemeinsame Abenteuer einlassen. Und sie beziehen auch ihre Kollegen und das Publikum mit ein: ›Georgy Porgy‹ wird zum Tribut an Earth, Wind & Fire – und damit auch zum zusätzlichen Anheizer für die Fans, die das natürlich jubelnd zur Kenntnis nehmen. Auch die Musiker kommen mehr und mehr in Schwung: Sie spielen sich frei, grooven sich tiefer und tiefer in die Songs ein (mit ›Pamela‹ als einen der Höhepunkte). Bei ›Africa‹ und ›Rosanna‹ drehen die Fans erwartungsgemäß durch, doch selbst aus etablier-ten Klassikern holen Toto noch Neues heraus: So bleibt ab und an sogar etwas Raum für zarte Improvisation, und am Ende (nach ›Home Of The Brave‹) geben Steve Lukather & Co. in ›Hold The Line‹ noch einmal zusätzlich Gas, um dem Locarno-Publikum (inkl. der Zaungäste an den Fenstern und Balkonen der umliegenden Häuser) einen fulminanten Konzertabschluss zu bescheren.

 

Willie Nelson: München, Circus Krone

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Willie_Nelson_2009Neue Frisur, neue Energie: Nelson rockt.

Was manche mit Mitte 20 tun, zieht Willie Nelson erst mit knapp 80 durch: Er säbelt seine Haare ab. Nicht vollständig, aber zumindest so weit, dass seine Mega-Zöpfe nun dahin sind. Jeder wird wohl mal erwachsen… Doch dem hohen Qualitätsniveau seiner Musik tut das selbstverständlich keinen Abbruch. Die Country-Legende ist, Haarbüschel hin oder her, in bester Verfassung. Er absolviert eine Tour nach der anderen, und auch wenn er in den Staaten deutlich mehr Fans zieht als in Europa, lässt er das CLASSIC ROCK-Territorium bei seinen Reisen dennoch nicht aus. Löblich, löblich. Abgesehen von seinem unermüdlichen Live-Fleiß hat Nelson jedoch inzwischen einen Gang zurückgeschaltet. Er ist nicht mehr der unbezähmbare Rebell früherer Tage, sondern besinnt sich verstärkt auf die ruhigeren Momente, so auch heute im Circus Krone-Bau. Den Fans ist das nur recht, denn sie sind mit ihm in die Jahre gekommen. Zudem: Eine Hymne bleibt eine Hymne. So büßen ›You Were Always On My Mind‹, ›On The Road Again‹ oder ›Beer For My Horses‹ heute nichts an ihrer Größe ein. Zumal Nelsons Markenzeichen, sein nasaler Gesang, die Stücke immer noch unverwechselbar macht.

 

Bon Jovi & Kid Rock: London, O2 Arena

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bon jovi04 live o2 - CMS SourceZwölf Abende à 20.000 Zuschauer à 85 Pfund: London wird zu Las Vegas.

Wie ist das wohl, ein Dutzend Abende lang in derselben Arena zu spielen und – welch Graus – womöglich sogar noch im selben Hotel, in derselben (Präsidenten-)Suite zu nächtigen und den ganzen Tag zur freien Verfügung zu haben? Klare Sache: Ein bisschen wie in Vegas, nur nicht so heiß und mit einem Hauch mehr Kultur. Insofern hat dieser UK-Abstecher während der laufenden Welttournee, den sie zwischen amerikanischen Footballstadien und asiatischen Giga-Hallen einschieben, etwas von einem Testlauf für die Glücksspielmetropole, wo sie in ein paar Jahren Barry Manilow und Engelbert ablösen könnten. Aber: Bis es soweit ist – und das muss man ihnen zu Gute halten – versuchen Jon Bon und seine Jungs das Beste aus der ungewohnten „inhouse band“-Situation zu machen. Mit einer Show, die bis ins letzte Detail durchkonzipiert ist, auf starke visuelle Effekte, eine grandiose Lichtshow, eine weite, offene Bühne sowie viel Kommunikation mit dem Publikum setzt. Zudem gibt es Masse zur Klasse:

Erschlagende 150 Minuten lang zelebrieren der Berufsjugendliche mit den schneeweißen Beißerchen, die selbst im Dunkeln glänzen, sein doppelbekinnter Co-Showmaster an der Gitarre sowie die übrigen Statisten (Keyboards, Drums, Backing-Vocals, Bass) die sitzende Masse mit den Highlights aus 24 Jahren Jersey-Power. Darunter Gassenhauer wie ›You Give Love A Bad Name‹, ›Blaze Of Glory‹, ›Bed Of Roses‹, ›Keep The Faith‹ und natürlich – zum großen Finale – ›Livin‘ On A Prayer‹. Songs, die wirklich jede Frisöse mitsingen kann, und das leider auch tut.

Wobei wir bei den drei elementaren Problemen des Abends wären: ein Publikum, das zwischen Fa-milienausflug und Fregattenball pendelt und somit perfekt in die Wüste von Nevada passen würde. Aber eben auch eine Band, die sich diesem Niveau ganz ungeniert anpasst. Die viel weichspült, sich zu filmreifen Posen und peinlichen Ansprachen hinreißen lässt und einfach viel zu viel Material von den letzten Alben THE CIRCLE, LOST HIGHWAY, CRUSH & Co. serviert. Das lässt sich dann wirklich nur mit Bier und Hot Dogs ertragen – aber wahrscheinlich sind Bon Jovi auch daran finanziell beteiligt. Klarer Sieger des Abends ist indessen Kid Rock, der eine tolle, fast einstündige Support-Show hinlegt, sich an sämtlichen Instrumenten vom Schlagzeug bis zum DJ-Pult versucht und so agil ist, dass ihm glatt die Jeans reißt – am Allerwertesten. Dass er keine Unterwäsche trägt, kriegt Jon Bon beim späteren Duett ›Bad Medicine‹ zwar nicht mit, aber Tico Torres dürfte seinen Spaß gehabt haben. Wie immer.

 

Harvestman: München, Kranhalle

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Steve-Von-Till-Foto2Erdig, aber dennoch betörend: Steve Von Till.

Nachdem im Januar bereits sein Neurosis-Bandkollege Scott Kelly in Deutschland auf Tour war, beehrt uns nun Steve Von Till mit seinem Einmann-Projekt Harvestman. Während Von Till mit seiner Hauptband immer darauf bedacht ist, in außergewöhnlichen Locations zu spielen, muss er sich heute mit der doch eher kargen Ausstattung der Kranhalle begnügen. Genügsam ist auch die Art des Künstlers zu reisen. Kein Hauch von Pomp, sondern er und sein Tourbegleiter, der nebenbei noch Merch verkauft, aufbaut und die Wäsche wäscht, reisen in einem PKW durchs Land, der bis zum Dach mit Equipment vollgestopft ist. Bevor er aber als Harvestman auf die Bühne geht, wärmen die Münchener Gordon’s Tsunami Week die Halle schon mal ein wenig vor. Ihr Postrock passt perfekt zum heutigen Programm, die sechsköpfige Band webt schöne, rein instrumentale Flächen zusammen und lässt ab und an auch mal eine Violine zum Einsatz kommen. Sehen auch die wenigen Zuschauer so, die mehr als nur Anstandsbeifall spenden.

Bei Steve von Till aka Harvestman sind nicht mehr so viele Personen, dafür umso mehr Effektgeräte auf der Bühne zu sehen, wovon eines beim Soundcheck den Geist aufgegeben hat: das Wah Wah-Pedal. Das stimmt den Künstler zwar nicht gerade glücklich, aber den gut 60 Fans wird das nicht auffallen. Seine klangliche Reise beginnt Harvestman stimmungvoll, getragen, betörend. Das Publikum hält inne, man kann die Atemzüge des Künstlers hören – so an-dächtig und still ist es. Die Stimmung wirkt konzentriert, leicht angespannt – aber genau das braucht Harvestman, um zur Höchstform aufzulaufen. Seine sehr tiefe, erdige, Cash-mäßige Stimme zieht die Be-sucher in den Bann, und seine Virtuosität an der Gitarre bzw. den Effektgeräten lassen den ein oder anderen Mund offen stehen. Erster Höhepunkt des Sets ist die Townes Van Zandt-Coverversion ›The Spider Song‹, die Von Till mit Märchenerzähler-Stimme vorträgt. Im Verlauf des Konzerts wechselt Steve Von Till fortwährend die Effekte auf seinen Boards, bringt neue Samples aus seinen Loopern hervor – und zwischendurch setzt der Neurosis-Frontmann auch einen E-Bow ein, den er lässig an einer Kette hängend am Gitarrengurt befestigt hat. Seine Konzentration unterbricht er nur für Sekunden, wenn er einen Schluck aus seiner Tasse nimmt. Er wirbelt seine traumhaft hübsche, hölzerne Telecaster-Gitarre in alle Richtungen und entlockt ihr die unglaublichsten Sounds – von dissonanten Noisewänden bis hin zu harmonischen Melodiefolgen; der Meister kombiniert am heutigen Abend alles. Klangcollagen der unterschiedlichsten Färbungen stehen im Einklang mit Songs wie ›Breathe‹, ›Amongst The Heather‹ oder auch dem tollen ›Night Of The Moon‹.

Nach einer eruptiven Phase, die fast schon an Throbbing Gristle erinnert und auf das nahende Konzertende hindeutet, zieht Steve Von Till aka Harvestman nach 90 Minuten wirklich den Stecker. Das Publikum braucht eine Sekunde, doch dann entlädt sich die Begeisterung. Dass das Wah Wah-Pedal nicht zum Einsatz gekommen ist, ist niemandem aufgefallen – außer vielleicht dem Künstler selbst.

Pearl Jam: Berlin, Kindl-Bühne Wuhlheide

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Pearl Jam liveGewohnt experimentierfreudig und mit Spaß an der Sache, insgesamt aber vor allem emotional bewegend.

Schon beim Vorprogramm ist Eddie Vedder nicht zu bremsen. Er lässt Ben Harper und seinen Alternative-Kollegen zwar ein paar Minuten Zeit, das Publikum von deren Eigenkompositionen zu überzeugen, doch dann stürmt er selbst auf die Bühne. Gemeinsam mit Harper gibt der Pearl Jam-Fronter Queens ›Under Pressure‹ zum Besten. Wenig später kommt er mit seinen angestammten Band-Kollegen Jeff Ament, Mike Mc-Cready, Stone Gossard, Matt Cameron und Boom Gaspar zurück ins Rampenlicht. Und setzt gleich zum nächsten Tribut an: Mit ›Long Road‹ starten die Seattle-Rocker ins Set – und beweisen damit, dass bei ihnen nichts, aber auch gar nichts gesetzt ist. Zwischen BACKSPACER-Stoff (›Got Some‹) und TEN-Krachern (›Why Go‹) machen Pearl Jam keinen Unterschied, sie sehen sich als genreübergreifender Act. Das beweisen sie mit ihrem stilsicheren Mix aus ruhigen Momenten und Mega-Riffern wie ›Even Flow‹. Und auch weitere unerwartete Aktionen stehen auf dem Pearl Jam-Programm: Bei der ungezügelten Version von MC5s ›Kick Out The Jams‹ bekommt der Sechser Verstärkung von Peter Buck und Scott McCaughey (R.E.M.). Danach jedoch verzieht sich die Wut – und macht Platz für handfeste Trauer: Eddie Vedder gedenkt mit zitternder Stimme der Toten, die vor exakt zehn Jahren während des Roskilde-Gigs der Band im Gedränge ums Leben gekommen sind. Ausgelassenes Feiern zu ›Alive‹ und dem abschließenden ›Yellow Ledbetter‹ ist nach dieser Ansage zwar nicht mehr möglich – dafür aber gebührt der Band voller Respekt dafür, dass sie ihre Betroffenheit vor ihren Fans, am heutigen Abend sind es 18.000, so offen zeigen.

 

Anvil: München, 59:1

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1029893470Biergarten oder Metal? Klar: Metal.

München im Hochsommer, das bedeutet: Die Sonne scheint – und es herrscht Biergartenwetter. Noch dazu ist Fußball-Weltmeisterschaft. Alles in allem nicht gerade die besten Voraussetzungen für ein Old School Metal-Konzert in einem kleinen Club.

Dennoch: Durch die jüngst erschienene Dokumentation ANVIL – DIE GESCHICHTE EINER FREUNDSCHAFT werden heute doch einige neugierige neue Fans in das 59:1 gelockt, die überprüfen wollen, ob die tragische Geschichte der kanadischen Band wirklich stimmt. Ganz im Gegensatz dazu freuen sich die alten Fans, dass Sänger und Gitarrist Steve „Lips“ Kudlow, Schlagzeuger Robb Reiner und Bassist Glenn Five endlich mal wieder auf Tour kommen.

Die humoresken Höhepunkte der Film-Dokumentation bleiben heute zum Glück aus – genauso wie die tragischen Momente. Statt-dessen wird astreiner Thrash Metal der ganz alten Schule geboten, nicht nur von den Songs, sondern auch vom Stage Acting her. So springt Lips (und zwar gleich nachdem er auf die Bühne gekommen ist) runter in die Leute, um inmitten der gut 150 Fans das komplette Instrumental ›March Of The Crabs‹ unter tosendem Beifall durchzuspielen. Man sieht ihn inmitten der fliegenden Haarbüschel nicht mehr, aber bei seiner erneuten Rückkehr auf die Bühnenbretter hat er ein breites Grinsen auf den Lippen. Das Eis ist damit also gebrochen, und an spielerischen Fähigkeiten kann der bisherige Erfolgsmangel nun wirklich nicht liegen. Denn Anvil haben’s drauf und rocken ›666‹, ›Thumb Hang‹ und ›Forged In Fire‹ ohne große Mühe runter.

Auch die Songs vom aktuellen Album THIS IS THIRTEEN kommen gut an, aber erst bei den letzten Tracks des Abends, ›Metal On Metal‹ und der Zugabe ›Jackhammer‹, klettert die Stimmung auf den Höhepunkt. Das anschließende Bad in der kleinen Fan-Menge inklusive Fotos, Autogrammen und Küsschen für die Frau haben die Kanadier in den letzten 30 Jahren perfektioniert. Fazit: Alle, die nicht in den Biergarten gegangen sind, haben heute definitiv die richtige Entscheidung getroffen.

 

Ozzy Osbourne: London, Roundhouse

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Ozzy live 3Der Weg von der nächstgelegenen Tube-Station zum Londoner Roundhouse führt über die Chalk Farm Road, und schon hier ist Ozzy Osbourne omnipräsent: T-Shirt-Läden säumen die mit jugendlichen Touristen verstopfte Straße, und nebst den obligatorischen Cannabisblättern und Che Guevera-Konterfeis ist auch der Fürst der Finsternis ein beliebtes Shirt-Motiv. Die Schlange vor dem altehrwürdigen Rundbau reicht bis um die nächste Straßenecke, und spätestens angesichts der Horde mit Ozzy-Masken verkleideter Fans aller Altersklassen müsste klar sein: Das wird ein Erlebnis.

Eröffnet wird der musikalische Teil des Abends von den Black Spiders, aber noch spielt die Musik hauptsächlich außerhalb des mit neuester Technik und wieselflinken Barfrauen ausgestatteten Saals. Auf der noch sonnenüberfluteten Terrasse fachsimpelt man beim ersten Bier über Ozzys Gitarren-Neuzugang Gus G. oder verabredet sich zum treppab stattfindenden Ozzy-Schreiwettbewerb, aber als die texanischen Retro-Metaller von The Sword sich anschicken, die ersten Riffs durch die Boxen zu brettern, zieht es die Meute vor die Bühne. Was da die nächste Dreiviertelstunde passiert, kommt zumindest musikalisch auch bestens an – einen so charismatischen Frontmann wie den Protagonisten des Abends können The Sword zwar nicht aufbieten, aber die allseits fliegenden Haare während – und der Ansturm verschwitzt-glücklicher Metalheads auf die Bar nach dem Konzert sprechen hier Bände. Die Betriebstemperatur für das folgende Klassiker-Set stimmt jedenfalls.

Dieses eröffnet der frenetisch in Empfang genommene und von den „Ozzy“-Sprechchören sichtlich angetane Godfather of Metal dann auch mit bewährter Kost: ›Bark At The Moon‹ reißt immer noch jeden mit, egal ob man 1983 schon headbangte oder wie der ein oder andere anwesende Fan noch flüssig war. Doch auch bei dem brandneuen ›Let Me Hear You Scream‹ lässt sich keiner zweimal bitten, selbst wenn zwischen den beiden Songs geschlagene 27 Jahre liegen. „I can’t fucking hear you!“, feuert Ozzy zwischen BLIZZARD OF OZ-Material wie ›Mr. Crowley‹ und alten Sabbath-Gassenhauern wie ›Iron Man‹ seine Fans an, aber angesichts des Geräuschpegels ist das schlicht gelogen: Das tosende Gebrüll quittiert er dann auch mit einem verschmitzten Grinsen. Stille kehrt erst ein, als Ozzy die Bühne für eine offenbar notwendige Verschnaufpause räumt und seinem neuen Mann an der Gitarre, Gus G., für eine beeindruckende Kostprobe seines Könnens das Rampenlicht überlässt. Der revanchiert sich dafür mit einem ellenlangen, gelinde gesagt spektakluären Solo inklusive Talkbox-Einlage, das wohl alle Zweifel an seiner Qualifikation ein für alle mal ausgeräumt haben dürfte. Und so tröpfeln die Fans am Ende des Abends sichtlich gerockt in die Camdener Nacht, den Rausschmeißer ›Paranoid‹ noch im Ohr. Wirklich ein Erlebnis.

 

Heaven & Hell: London, Victoria Park (High Voltage-Festival)

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Heaven And HellBeim ersten High Voltage-Festival in London gab es neben Gigs von ELP, ZZ Top, Black Label Society und vielen mehr auch einen traurigen Höhepunkt: die letzte Show von Heaven & Hell.

Ein Zeichen setzen, Respekt erweisen, noch ein letztes Mal Heaven & Hell wiederauferstehen lassen – das wollten die verbliebenen Bandmitglieder nach dem Tod von Ronnie James Dio tun. Ende Juli ist es soweit: Beim High Voltage-Festival, einem Event von CLASSIC ROCK, treten Tony Iommi, Geezer Butler und Vinny Appice noch einmal unter dem Banner von Heaven & Hell auf. Den Gesang übernimmt nicht ein Mann, sondern gleich zwei: Glenn Hughes (Black Sabbath, Deep Purple, Black Country Communion) und Jorn Lande (Masterplan). Die beiden teilen sich die Mikroarbeit auf – bei fünf Songs singt Lande, bei vier Hughes, und bei den beiden letzten Stücken verbeugen sie sich gemeinsam vor ihrem Freund bzw. Vorbild Ronnie James Dio. Es ist kein leichter Job, den das Duo heute übernimmt. Die Fußstapfen des begnadeten Sängers sind gigantisch und noch dazu sehr präsent, denn es ist noch kein Jahr her, dass Dio noch selbst auf der Bühne gestanden und uns die Heaven & Hell-Hymnen nahe gebracht hat. Mit dementsprechend vielen Emotionen ist die Show verbunden: für die Band wie für die Fans. Kein Wunder also, dass Geezer Butler eine Woche vor dem Gig noch gesagt hat, dass er sich ein wenig vor dem Konzert fürchtet. Die Songs mögen sich nicht verändert haben – die Situation aber sehr wohl. Doch Heaven & Hell schaffen es, sich nicht von ihren Gefühlen übermannen zu lassen und geben Dio ein würdiges letztes Geleit. Das Trio Butler, Iommi und Appice jagt den 17.000 Rockern, die in den Londoner Victoria Park gekommen sind, um gemeinsam mit den Musikern Abschied zu nehmen, einen Schauer nach dem anderen den Rücken hinunter. Auch Jorn Lande und Glenn Hughes sind hervorragend vorbereitet und liefern eine würdige Performance ab, die auch Ronnie berührt hätte. Speziell Jorn Lande kommt extrem kraftvoll und energisch rüber, was hervorragend zur Härte der Stücke passt, die er auf seine Liste hat. Zum Ende des Sets wartet zudem eine Überraschung auf die Fans: Phil Anselmo (Pantera, Down), der den gesamten Gig über am Bühnenrand ge­wartet hat, stürmt ganz zum Ende des Sets in Richtung Mikro und stimmt gemeinsam mit Lande und Hughes eine überschäumende Version von ›Neon Knights‹ an. Gänsehaut, wenngleich aus deutlich anderem Anlass, macht sich auch dann am gesam­ten Körper breit, als eine sichtliche gerührte Wendy Dio die Bühne betritt. Sie berichtet mit bebender Stimme, wie groß die Lücke ist, die ihr Mann hinterlassen hat – und wünscht sich, dass alle mithelfen, sein Andenken zu bewahren, indem sie den „Stand Up And Shout Cancer Fund“ unterstützen – eine Stiftung, die Erkrankten helfen und zudem auch weitere Forschungsstudien auf dem Gebiet ermöglichen soll, so dass uns keine weiteren Menschen zu früh durch den Krebs entrissen werden.