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Can – THE LOST TAPES

canZufällig gefunden: Momentaufnahmen einer anderen Ära.

Zu was Abwrackkommandos alles gut sein können: Beim Zerlegen des Inner Space Studios in Weilerswist der Kraut-Rock-Pioniere Can werden fast zufällig rund dreißig Stunden Tonbandmaterial zutage gefördert: Proben, Experimente, Unfertiges wie Komplettes – Bassist, Elektronikfreak und Toningenieur Holger Czukay schnitt in alter Tradition stets mit, wenn Can mal wieder die Nacht zum Tage machten. THE LOST TAPES nennt sich das Füllhorn mit erstaunlichen Archivnovitäten der Jahre 1968 bis 1977. In jener Zeit machen Can diverse Metamorphosen durch – sowohl stilistisch, als auch personell: Aus monotonen Klangbildern in Überlänge mit spontaner Note entwickeln sich prägnant konzipierte Tanzflächenfüller mit Funkverzierung. Am Mikrofon lösen sich nacheinander der afroamerikanische Urvokalist Malcolm Mooney, der japanische Straßenmusiker Kenji „Damo“ Suzuki und schließlich Gitarrist Michael Karoli und gelegentlich Keyboarder Irmin Schmidt ab. THE LOST TAPES beinhaltet 30 Tracks in Form von Improvisiertem, Auftragsarbeiten für Kino und TV-Soundtracks, aber auch Konzertmitschnitte: Auftakt bildet das für Wolfgang Menges Medienparabel „Millionenspiel“ entstandene gleichnamige Stück. Auch fürs Fernsehen eingespielt wurden ›Midnight Men‹ für die TV-Serie „Eurogang“ sowie ›Dead Pigeon Suite‹ für einen von US-Kult-Regisseur Samuel Fuller inszenierten ARD-Tatort namens „Tote Taube auf Beethovenstraße“. ›Graublau‹, ein 16-minütiges Stimmungsbild, entstammt dem Kinofilm „Ein großer graublauer Vogel“. In den Live-Aufzeichnungen ›Spoon‹, ›Mushroom‹ und ›One More Saturday Night‹ präsentieren Can ihr Gespür für Improvisationen ohne Netz und doppelten Boden, wenn Keyboarder Irmin Schmidt und Schlagzeuger Jaki Liebezeit mit Czukay und Karoli in den Clinch gehen. Als Czukay schließlich seinen Bass zugunsten von Elektronik- und Weltempfänger-Spielereien aufgibt, rückt 1977 die ehemalige Rhythmustruppe der aufgelösten britischen Formation Traffic nach: Bassist Rosko Gee und Percussionist Rebop Kwaku Baah führen Can noch einmal auf neues, unbekanntes Terrain.

Blur – BLUR 21

blurEin wahres Wahnsinnspaket – 21 auf einen Streich: Blur legen Zeugnis ab.

Ein Projekt mit Vorbildcharakter. Mit üppigem Inhalt wickelt die Quadratbox BLUR 21 den Werdegang der Brit-Pop-Pioniere Blur von der Wiege bis zum ersten Rücktritt ab: Sieben Studioalben mit jeweils einer Bonus-CD, vier weitere Scheiben mit Obskurem, Rarem und Unveröffentlichtem, drei DVDs mit Tonnen an Clips und Dokus, eine 7-Inch-Vinyl-Single namens ›Superman‹ sowie ein Buch mit Fotos und Interviews stecken in der Wundertüte. Inspiriert von Alternative Rock, Madchester und Shoegazing, starten Damon Albarn (Gesang, Keyboard), Graham Coxon (Gitarre, Gesang), Alex James, (Bass) und Dave Rowntree (Schlagzeug) 1991 mit LEISURE recht unentschlossen. Immerhin Platz 7 in den UK Charts – den Auskopplungen ›She’s So High‹, ›There’s No Other Way‹ und ›Bang‹ sei dank. Neu erfinden sich Blur zwei Jahre später mit MODERN LIFE IS RUBBISH – ein Hauch von The Kinks, The Small Faces und Pink Floyd in der Barrett-Ära umflort britische Schrulligkeiten wie ›Colin Zeal‹, ›Chemical World‹ und ›Pressure On Julian‹. Damon Albarn entwickelt als Texter genialische Züge, die an Ray Davies erinnern. Die Verkäufe bleiben dennoch überschaubar. PARKLIFE bringt den Durchbruch: Blur avancieren zu Popstars auch jenseits der britischen Insel. Vier catchy Hit-Singles ›Girls & Boys‹, ›End Of A Century‹, ›Parklife‹ und ›To The End‹ machen’s möglich. Ein Loblied auf den urbritischen Feiertag ›Bank Holiday‹ findet sich auch. Es kommt noch besser: Programmatisch THE GREAT ESCAPE betitelt, erobern sowohl Album wie Single ›Country House‹ in UK erstmals die begehrte Pole Position. Über ›Stereotypes‹ lassen Blur sich aus – und tönen definitiv nicht wie ein Klischee. Eine Band mit grenzenlosen Fähigkeiten, vor allem, wenn sie schrullige Persönlichkeiten wie ›Ernold Same‹, ›Dan Abnormal‹ und den ›Charmless Man‹ porträtiert. Nichts ist so langweilig wie der Erfolg von gestern, sagen sich Albarn und Co. 1997: BLUR operiert im Spannungsfeld Lo Fi und Noise Rock. ›Song 2‹ explodiert förmlich. ›M.O.R.‹ basiert auf David Bowies ›Boys Keeps Swinging‹. In Richtung Mott The Hoople nickt ›On Your Own‹. Als Beatles-Hommage erweist sich ›Beetlebum‹. 1999 stilisiert sich 13 zum Konzeptwerk rund um Liebe und Freundschaften: ›Tender‹ und ›No Distance Left To Run‹ thematisieren die verflossene Beziehung von Albarn zu Elastica-Sängerin Justine Frischman – bis dahin das Brit-Pop-Traumpaar.
Musikalisch ein Gemischtwarenladen aus Alt und Neu, überzeugt vor allem Elektroniker William Orbits Produktionsstil. Nicht zum Besten steht es um Blur 2003. Graham Coxon überwirft sich mit seinen Kollegen, kollaboriert bei THINK TANK nur auf vier Songs. Stilistisch ein Rundumschlag mit subversiven Seltsamkeiten wie ›Ambulance‹, ›Moroccan Peoples Revolutionary Bowls Club‹ und ›Battery In Your Leg‹, legt es vor allem das zähe Ringen von Blur um Kontinuität, Kameradschaft und Kreativität bloß. Als vorläufiger Karriereabschluss dennoch beachtlich.

LEISURE 6
MODERN LIFE IS RUBBISH 7
PARKLIFE 10
THE GREAT ESCAPE 10
BLUR 10
13 8
THINK TANK 7

 

The Rolling Stones – THE BRUSSELS AFFAIR 1973

Rolling-Stones-Brussels-AffairTanz der Teufel: klebrige Finger, Hauptstrassen-Exil und Ziegenkopfsuppe.

Nachdem die Rolling Stones erst Exile On Main Street, danach Some Girls mit Unveröffentlichtem aus dem Archiv aufwerteten, gehört die jahrzehntelange Weigerung, Outtakes und Konzertmitschnitte zu veröffentlichen, offenbar der Vergangenheit an: Ab sofort lassen sich über www.stonesarchive.com Schätze aus der Asservaten-kammer ordern.
Den Auftakt macht ein über Jahrzehnte illegaler Mitschnitt, der unter diversen Titeln bei Stones-Aficionados heiß be-gehrt war. Das im Klang von Bob Clearmountain superb optimierte THE BRUSSELS AF- FAIR 1973 lässt sich als Download erwerben, darauf enthalten sind Auszüge zweier Shows vom Oktober 1973 aus dem Brüsseler ,,Foret Nationale“. In Hochform promoten die Sto-nes in erweiterter Besetzung mit Keyboarder Billy Preston sowie der Brass-Sektion Bob-by Keys (Saxofon), Trevor Law-rence (Saxofon) und Steve Madaio (Trompete, Posaune) den gerade veröffentlichten Long-player Goat’s Head Soup, der im Stones-Kanon stets zu unrecht ein stiefmütterliches Dasein fristet. Vor allem Sologitarrist Mick Taylor weiß zu überzeugen, der ja an diversen der komplexeren Songs von Sticky Fingers bis It’s Only Rock’n’Roll auch als Autor beteiligt war, ohne je angemessen Credit von Jagger/Ri- chards zu erhalten. Taylors absolut begnadetes Spiel erhebt Klassiker wie ›Jumping Jack Flash‹, ›Midnight Rambler‹ und ›You Can’t Always Get What You Want‹ zum Hochgenuss. Billy Preston brilliert auf der Ballade ›Angie‹, puren Soul gibt’s bei ›Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker)‹ auf die Ohren. Keith Richards’ Chuck-Berry-Riffs bei ›Star Star‹, ursprünglich auf ›Starfucker‹ getauft und das Reizthema Groupies im Visier, faszinieren auch heute noch. Einmal mehr den Teufel im Leib verspüren die Rolling Stones schließlich in ›Dancing With Mr. D‹.

Soundgarden – THE CLASSIC ALBUM SELECTION

soundgardenSoundgarden kompakt: vier Albumklassiker und ein Konzertmitschnitt.

Wenn sich ehemalige Rock-Olympioniken wiedervereinen, bleibt der wahre Trennungsanlass zumeist ebenso im Nebulösen wie der Grund für das neuerliche Durchstarten. Interne Streitigkeiten über kreative Ausrichtung, heißt es zumeist. Auch im Falle von Soundgarden lauten so die offiziellen Statements. Seit 2010 versuchen sich die Grunge-Pioniere aus Seattle wieder am Wir-Gefühl. Zeit also, um sich einen Rückblick mit der exklusiv nur in Europa erhältlichen 5-CD-Box THE CLASSIC ALBUM SELECTION im Mini-LP-Format mit Ausklappcover zu gestatten. Ausgeklammert bei der Werkschau bleiben sowohl der Erstling Ultramega OK! sowie diverse EPs und Singles für Sub Pop. Nicht mehr ganz so zügellos und ungestüm geben Soundgarden 1989 auf A&M ihren Major-Einstand: LOUDER THAN LOVE vereint Unausgegorenes mit Signifikantem wie ›Hands All Over‹ und ›Loud Love‹. Gitarrist Kim Thayils Black-Sabbath-Fixierung passt nahtlos zu Frontmann Chris Cornells Robert-Plant-Impressionen. Mit BAD-MOTORFINGER liefert das nach Hiro Yamamotos Ausscheiden nun durch Bassist Ben Shepherd und Schlagzeuger Matt Cameron komplettierte Quartett 1991 den ersten Klassiker: Durchweg hochwertige Songs meistern die schmale Gratwanderung, gleichzeitig experimentell und eingängig den Hörer in den Bann zu ziehen. ›Rusty Cage‹, ›Outshined‹, ›Room A Thousand Years Wide‹ und ›Jesus Christ Pose‹ avancieren dank Videoclips zu MTV-Favoriten. ›Face Pollution‹ hat Energie für zehn, ›Slaves & Bulldozers‹ kriecht in Zeitlupe ins Gehirn und ›Searching With My Good Eye Closed‹ gibt einen Vorgeschmack auf jenes Nachfolgewerk, das drei Jahre später den weltweiten Durchbruch markiert: SUPERUNKNOWN, raffiniert plakativ und facettenreich produziert von Michael Beinhorn, entwickelt sich dank Singleauskopplungen ›Black Hole Sun‹, ›Spoonman‹, ›The Day I Tried To Live‹, ›My Wave‹ und ›Fell On Black Days‹ zum Multiplatinsegen, der weit über den Grunge-Tellerrand hinausblickt. Ein Meilenstein im Doppelalbumformat, der auf hoher Note mit der Gänsehautballade ›Like Suicide‹ endet, parallel aber Soundgarden unter Erfolgsdruck und vor ein kaum lösbares Dilemma stellt: Was soll folgen? DOWN ON THE UPSIDE bemüht sich 1996 zwar redlich, doch kann in Sachen Verkaufszahlen nicht so recht mithalten. Ein wenig schwerfällig, doch nicht ohne Charme funktionieren ›Pretty Noose‹, ›Burden In My Hand‹ und ›Blow Up The Outside World‹. ›Ty Cobb‹ vereint Punkwurzeln mit Cowboy-Banjo. Aus gleicher Ära stammt der Konzertmitschnitt LIVE ON 1–5 mit Coverversionen von ›Helter Skelter‹ der Beatles und ›Search And Destroy‹ von den Stooges – 1996 an der Westküste aufgezeichnet, aber erst 2011 offiziell erschienen.

LOUDER THAN LOVE 7
BADMOTORFINGER 9
SUPERUNKOWN 10
DOWN ON THE UPSIDE 8
LIVE ON 1–5 5

The Lovin’ Spoonful – ORIGINAL ALBUM CLASSICS

Lovin Spoonful,  theRein rhetorische Frage: Glaubst Du an Magie?

Sozialisiert im Folk-Zirkel von Greenwich Village, mochte sich das 1964 gegründete Quartett nicht so recht entscheiden, wem es nacheifern wollte: Sollte es Mississippi John Hurt sein, von dessen ›Coffee Song‹ der Bandname stammte? Oder doch Chuck Berry? In die en-gere Wahl kamen aber auch Beatles und Rolling Stones.
Zu welch erstaunlichem Elektizismus The Lovin’ Spoonful fähig waren, demonstrierte die Band um die beiden gegensätzlichen Charaktere John Sebastian und Zal Yanovsky schon mit dem Debüt DO YOU BELIEVE IN MAGIC: Rhythm & Blues, Folk, Country, Bluegrass, Beat und Pop tummelten sich in schöner Eintracht, fantasievoll arrangiert und produziert. Sebastians Kompositionen ›Did You Ever Have To Make Up Your Mind?‹ und ›Do You Believe In Magic?‹, jeweils mit rhetorischen Fragezeichen versehen, knackten in schwereloser Pop-Leichtigkeit mü-helos die US-Top-Ten. Geschmackvolle Traditionals von ›Sportin’ Life‹ bis ›Fishin’ Blues‹ atmeten Authentizität.

Ebenso abwechslungsreich geriet 1966 DAYDREAM: Erneut paaren sich zwei selbstverfasste Charthits, das seither unglaublich oft gecoverte ›Day-dream‹ sowie ›You Didn’t Ha- ve To Be So Nice‹, mit allerlei Stil-Adaptionen.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis es richtig knallen sollte. HUMS OF LOVIN’ SPOON-FUL erfüllte noch im gleichen Jahr sämtliche Kriterien eines Meilensteins: Stilistisch noch breiter gefächert als die beiden Vorgänger, gelangen so meisterhafte Pop-Perlen wie ›Summer In The City‹, ›Nash-ville Cats‹, ›Full Measure‹ und ›Rain On The Roof‹. New Orleans-Jazz mit Klarinette dominierte in ›Bes’ Friends‹, ›Voo-doo In My Basement‹ wühlte tief in den Sümpfen Louisianas, und ›Coconut Grove‹ er-blühte in einer Kombination aus ¾-Takt und sphärischer Moll-Melancholie.

Doch bald krachte es im Gebälk: Zal Yanovsky musste als Kanadier aufgrund eines Drogenvergehens die USA verlassen. Mit Ersatzmann Jerry Yester entstand im „Sum-mer Of Love“ 1967 das noch annehmbare EVERYTHING PLAYING: ›Six O’Clock‹ funk-tionierte noch einmal in den Charts, ›Money‹, ›Try A Little Bit‹ und ›She’s Still A Mystery‹ versuchten sich passabel im Kopieren von Brit-Pop. Doch introspektiver Stil und unausgewogene Songauswahl verwehrten The Lovin’ Spoonful den endgültigen Aufstieg in die Oberliga. John Sebastians logische Entscheidung, solistisch tätig zu werden, bedeutete das künstlerische Aus.

REVELATION REVOLUTION ’69 entstand dann in Triobesetzung mit Schlagzeuger Joe Butler als Sänger. Besser als es die drastischen Zerfallserscheinungen vermuten ließen, fischten Nashville-Reminiszenzen wie ›Never Going Back‹, ›The Prophet‹ und ›Me About You‹ in den gleichen Gewässern wie The Flying Bur-rito Brothers, Poco und The Eagles. Echt skurril hingegen ist die mit Herzschlagfrequenz unterlegte Toncollage ›War Games‹.

DO YOU BELIEVE IN MAGIC?: 8
DAYDREAM: 8
HUMS OF LOVIN’ SPOONFUL: 10
EVERYTHING PLAYING: 6
REVELATION: REVOLUTION ’69: 7

Joy Division – SINGLES 1978–1980

joy disvisionNervöse Töne aus desolater Tristesse: Liebe wird uns auseinanderreißen.

Gerade einmal zwei Alben sowie nicht mal ein Dutzend Singles reichten der Post-Punk-Formation aus Manchester zur nachhaltigen Legendenbildung. Mögen auch der tragische Freitod des von Epilepsie geplagten Sängers Ian Curtis und Jahrzehnte später die Kinobiografie „Control“ nicht unwesentlich zur Mystifizierung beigetragen haben, so bleibt doch in erster Linie die fabelhafte künstlerische Hinterlassenschaft des Quartetts im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. In seinem Nachruf im „Melody Maker“ beschwor der britische Journalist Jon Savage 1980 noch das pessimistische Bild, dass Curtis mehr als tragische Figur denn als couragierter Künstler von der Nachwelt wahrgenommen werden würde. Savage zeichnete auch für die Zusammenstellung der 21 Tracks des auf 5.000 Stück limitierten Box-Sets SINGLES 1978 – 1980 verantwortlich. Eine chronologische Bestandsaufnahme, die von der Debüt-EP ›An Ideal For Living‹ vom Juni 1978 bis zu ›She’s Lost Control‹ vom September 1980 reicht.

In der No-Future-Ära der späten siebziger Jahre, in der sich Bandnachwuchs mehrheitlich mit drei wüsten Akkor-den zufrieden gab, erzeugten Joy Division in längst zu Klas-sikern avancierten Klangtrüm-merfeldern wie ›Transmission‹, ›Komakino‹ und ›Atmosphere‹ ein Stück künstlerische Un- sterblichkeit. Ohne ›Isolation‹, ›She’s Lost Control‹ und das absolute Glanzstück ›Love Will Tear Us Apart‹ als Mess-latte, wäre die britische Indie-Szene der vergangenen Jahrzehnte arm dran gewesen.

Journey – ORIGINAL ALBUM CLASSICS

journeyAller Anfang ist schwer: eine Reise ins Ungewisse.

Bevor Journey 1978 mit Vokalartist Steve Perry und dem Platin-Bestseller INFINITY dem amerikanischem Mainstream eine weitere Facette hinzufügten, hatten sie sich in einem weniger bekannten Vorleben waghalsigen Experimenten verschrieben. Auf den Weg zum Ex- portschlager machte sich das Quartett aus San Francisco be-reits 1973, als sich zwei ehemalige Santana-Mitglieder, Gitarrist Neal Schon und Key-boarder Gregg Rolie, mit Bassist Ross Valory und Rhythmus-gitarrist George Tickner sowie Schlagzeuger Prairie Prince von The Tubes auf progressiven Jazz und Rock als kleinsten gemeinsamen Nenner einigen konnten. Als das Debüt 1975 erschien, interagierten Schon, Rolie, Valory und Tickner jedoch mit der britischen Schlagzeuger-Koryphäe Aynsley Dun-bar: JOURNEY wurde von akademischen Jazz-Rock-Fusionen dominiert, etwa den Instrumentalsongs ›Kohoutek‹ und ›Topaz‹. Als Favorit für die Rock-Diskotheken taugte seinerzeit das von Rolie gesungene ›Mystery Mountain‹.

Da waren’s nur noch Vier: LOOK INTO THE FUTURE verwirft 1976 ohne George Tickner den Progressiv-Touch zugunsten von virtuosem Rock-Pop: ›On A Saturday Night‹, ›She Makes Me (Feel Alright)‹ und ›Midnight Dreamer‹ funktionierten auf den FM-Stationen. Pompöser Kitsch im überlangen Titelsong, das Beatles-Cover ›It’s All Too Much‹, aber auch das geschwollene ›I’m Gonna Leave You‹ stellten allerdings unisono die Frage: Wohin soll die Reise eigentlich gehen?

Eine Antwort lieferte 1977 auch NEXT nicht. Der Rückfall in die Fusion-Gefilde gratwanderte arg unentschlossen zwischen Kunst und Kommerz. ›Spaceman‹ besaß Hitqualitäten. ›People‹ funktionierte mit Rolies verblüffender Lennon-Stimmimitation als verjazzte Reminiszenz an die Beatles. ›Hustler‹ kombinierte Wah-Wah- und Phaser-Gitarren à la Hendrix mit Deep Purples Drive in ›Speed King‹ und ›High-way Star‹.

JOURNEY: 5
LOOK INTO THE FUTURE: 6
NEXT: 7

R.E.M. – DOCUMENT 25th ANNIVERSARY EDITION

remÜbergangswerk: R.E.M auf dem Weg in die Oberliga.

Alle Zeichen stehen auf Veränderung. Als R.E.M. 1987 das fünfte Album DOCUMENT auf den Markt werfen, bricht für das Quartett aus Athens, Georgia, eine gänzlich neue Zeitrechnung an. In Co-Produktion mit Scott Litt, der die Band erstmalig betreut und die Zusammenarbeitet über die gesamte Phase der Erfolgsalben Green, Out Of Time, Automatic For The People, Monster und New Adventures In Hi-Fi fortsetzen wird, entsteht ein Übergangswerk mit eingebautem Zünder: Massenkompatible Arrangements, ein luftiges Klangbild und muskulöse Gitarrenriffs sorgen in den USA sowohl für das erste Platinalbum als auch für den ersten Top Ten-Hit in Form von ›The One I Love‹.

Weitere nicht minder hitverdächtige, jedoch nicht ganz so erfolgreiche Singleauskoppelungen folgen mit ›It’s The End Of The World As We Know It (And I Feel Fine)‹ und ›Finest Worksong‹. Doch auch die eindeutige politische Stellungnahme in ›Exhuming McCarthy‹, die Parallelen zwischen der Hatz von Kommunistenjäger Joe McCarthy in den fünfziger Jahren und der konservativen Reagan-Ära zieht, trägt ihren Teil zum Erfolg bei. Geschmackssicher ist die Wahl der einzigen Coverversion: ›Strange‹, stammt vom Debüt Pink Flag der britischen Post-Punk-Formation Wire und gilt als Meilenstein des britischen Post Punk. Zum Einsatz kommen bei der straffen Produktion bislang ungewohnte Instrumente: Auf ›King Of Birds‹ erklingt ein Dulcimer, auf ›Fireplace‹ ein Saxofon. Als Geburtstagsgeschenk koppelt die 25th ANNIVERSARY EDITION auf zwei CDs das digital aufgemöbelte Original mit einem Konzertmitschnitt vom 14. September 1987 aus dem holländischen Utrecht, erweitert um Booklet und neckische Sammelpostkarten.