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Start Blog Seite 1171

Jethro Tull – AROUND THE WORLD LIVE

jethro tulEin Parforceritt über 35 Jahre durch die Geschichte der britischen Prog Rock-Legende.

Geschlagene sechseinhalb Stunden Bühnenmaterial von einer der wichtigsten Prog Rock-Bands der zurückliegenden 45 Jahre, beginnend im Sommer 1970 (Isle Of Wight, England) bis 2005 (Lugano, Schweiz): So umfassend wurden die Konzertaktivitäten von Jethro Tull nie zuvor in einem DVD-Package zusammengefasst. Hinzu kommen ausführliche (!!!) Linernotes – leider nur in Englisch – und zahlreiche Fotos aus dem Privatarchiv von Frontmann Ian Anderson. Toll die kraftstrotzende Version von ›Locomotive Breath‹ im Hilversum des Jahres 1999, spannend auch die 1996 im chilenischen Santiago festgehaltene Ära der ROOTS TO BRANCHES-Tournee. Für mich persönlich ist vor allem das 1976er-Konzert der Band in Tampa, Florida der absolute Höhepunkt von AROUND THE WORLD LIVE, als Jethro Tull soeben ihren Klassiker TOO OLD TO ROCK’N’ROLL: TOO YOUNG TO DIE veröffentlicht hatten und unter anderem eine der besten Kurzversionen aller Zeiten von ›Thick As A Brick‹ anstimmten. Anderson war der Bühnenmagier, der mit großer Gestik, tollem Flötenspiel und skurrilen Ansagen („it’s bloody hot here, isn’t it, but I suppose it will make your oranges grow“) die Massen in den Bann zog und seine Band zu Höchstleistungen anspornte. Selbst eingefleischte Die-Hard-Fans der Gruppe werden hier noch so manch Unveröffentlichtes entdecken. All das macht dieses gelungene 4-CD-Paket so lohnenswert.

Jane’s Addiction – Live In NYC

jane's addictionEine Orgie aus musikalischen und visuellen Wonnen.“ (Farrell)

Es gibt Bands, die sich nicht reformieren sollten, weil sie damit nur den eigenen Kultstatus zerstören. Wie Jane’s Addiction, die mit drögen Alben wie STRAYS (2003) und THE GREAT ESCAPE ARTIST (2011) viel Glanz verloren haben. Eben als Mitinitiatoren des Alternative-Rock, als Gründer des Lollapalooza-Festivals und als chaotisch-geniale Band, die mit NOTHING’S SHOCKING und RITUAL DE LO HABITUAL zwei echte Meilensteine aufgenommen hat. Die sind auch Dreh- und Angelpunkt der Show vom Sommer 2011, die alles andere als eine „audio-visuelle Orgie“ (Farrell) ist. Im Gegenteil: Das Ganze wirkt sachlich, steril und gesetzt. Mit einem ewig jugendlichen Perry Farrell, dem man die 54 kaum anmerkt, einem unterkühlten Dave Navarro, der seine Tattoos zur Schau stellt, und einer Songauswahl, die einem Best Of entspricht. Sprich: Keine Überraschungen.

Doobie Brothers – LIVE AT WOLF TRAP

doobie brothersPopmusik in Perfektion und auch nach 40 Jahren noch immer frisch.

Die Doobie Brothers waren Mitte der 70er der amerikanische Traum von perfekter Rockmusik: hymnische Refrains, mehrstimmige Gesänge, handzahme Gitarrenlicks, einschmeichelnde Soli, tanzbare Grooves und tadellose Produktionen – mit dieser Mischung soll die Band mehr als 40 Millionen Tonträger verkauft haben. Umbe-setzungen gab es im Laufe der Jahre verständlicherweise zahlreiche, zumal mittlerweile ein Teil der Ur- Mitglieder an Krankheit und Herzinfarkt gestorben ist. Dennoch: Im Juli 2004 zeigte sich die Popgruppe in prächtiger Spielfreude, stimmte im Nationalpark „Wolf Trap“ in Washington DC all ihre Klassiker an – von ›Rockin‘ Down The Highway‹ über ›Jesus Is Just Alright‹ bis zum stoisch marschierenden ›Long Train Runnin’‹ und ihrem Mega-Erfolg ›Listen To The Music‹. Das Konzert wurde bereits im Herbst 2004 auf den Markt geworfen, erscheint nun in neuer Aufmachung als DVD, CD und Blu-Ray. Der Sound ist grandios, absolut transparent und voller Details. Interessant sind auch die drei Bonustracks, die bei einem nicht erwähnten Open Air aufgezeichnet wurden und zwar klanglich mit dem „Wolf Trap“-Material nicht mithalten können, aber gerade deswegen umso authentischer wirken. Was soll man sagen: LIVE AT WOLF TRAP ist zwar nicht neu, aber immer noch sehenswert – auf Blu-ray allemal!

Beatsteaks – MUFFENSAUSEN

beatsteaksLampenfieber aus Berlin.

Ihrer noch immer nicht verflogenen Nervosität vor Shows haben die Beatsteaks ihr bislang größtes Film- und Tonpaket gewidmet, das auf den unglaublichen Umfang von fünfeinhalb Stunden Material kommt. Auf zwei DVDs und einer CD haben die Beatsteaks ihr MUFFENSAUSEN gepresst. Der Konzertfilm begleitet die Band 140 Minuten lang bei den Proben zu ihrer einmaligen TwoDrummerSummer-Tour und fünf unterschiedlichen Konzerten. Neben den größten Krachern der Berliner und kurzen Interview-Sequenzen zeigt MUFFENSAUSEN die gesamte Bandbreite ihres Live-Potenzials. Ob im kleinen Schweizer Club, den riesigen Festivals hierzulande (Area4, Highfield) oder ihren eigenen Headliner-Shows (Wuhlheide / Max-Schmeling-Halle) beweist eine Band, die auf dem Höhepunkt ihrer Spielfertigkeiten angekommen scheint, ihre Bühnen-Qualitäten. Die Bonus-DVD beinhaltet die Dokumentation „Fresse halten, Bass spielen“, in der aus der Perspektive von Bassist Torsten Scholz die gesamte Geschichte der Beatsteaks sympathisch, witzig und unterhaltsam erzählt wird. Dazu kommen noch knapp eine Stunde Material der bandeigenen Sendung BeatTV, zahlreiche Videoclips plus Making Ofs und eine 15 Songs umfassende Live-CD, die auch den neuen Song ›SaySaySay‹ beinhaltet. MUFFENSAUSEN bedeutet eine deutliche Steigerung zum 2008er Box-Set KANONEN AUF SPATZEN und das in dreierlei Hinsicht: inhaltlich, musikalisch und produktionstechnisch.

The Beatles – HELP!

beatlesErstmals auf Blu-ray: die rasante Bond-Parodie der Fab Four.

Für Freunde des anspruchsvollen Kunstfilms ist der zweite Beatles-Streifen mit seiner turbulenten Burleske um Ringos verhängnisvollen Ring, orientalische Fanatiker und einen verrückten Wissenschaftler naturgemäß keine Empfehlung. Für alle anderen gilt: immer noch ein Riesenspaß, auch nach ziemlich genau 48 Jahren. Nicht nur, weil Bild und Ton deutlich verbessert wurden und die Blu-ray zudem mit einstündigem Bonusmaterial lockt, darunter eine dreißigminütige Dokumentation. Sondern auch, weil HELP! genau jene Art von Abenteuerkomödie aus den Swinging Sixties darstellt, die einen noch so verregneten Sonntagnachmittag retten kann. Exotische Schauplätze? Vorhanden. Britischer Witz? Ebenso. Und über die Güte der Musik muss man ohnehin kein Wort verlieren. Für ältere Semester, die den Film noch aus Kino oder Fernsehen kennen, ist nur die fehlende deutsche Tonspur ein Makel, doch das Original mit Untertiteln hat natürlich auch seine Reize – und ist streckenweise nicht gar so albern wie die einstige Synchronfassung. Dafür gibt’s im Anhang originale Trailer, Radio-Spots und besagte Making-Of-Doku plus allerlei Interviews. Will heißen: die standesgemäße Aufarbeitung eines legendären Musikfilms.

Special: Rock Art – Seitensprünge (Teil 1)

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Als Musiker sind sie berühmt. Zahlreiche Stars haben allerdings künstlerische Seiten, die selbst ihren Bewunderern unbekannt sein dürften, da die Promis den Talenten oft im Geheimen frönen: Malerei, Fotografie, Bildhauerei, Schriftstellerei. Überraschungen sind garantiert.

DocHdl1OnPRSVR01tmpTarget„Because We Can“! Der Titel der Bon-Jovi-Welttournee 2013, die das Quintett zwischen dem 18. Mai und 22. Juni auch in vier deutsche Großstädte führt, hat für ein Bandmitglied doppelte Bedeutung: Der Schlagzeuger, der im Schatten des smarten Jon Bon Jovi trommelt, kann nämlich mehr, als nur den Takt bei den beliebten US-Mainstreamrockern vorgeben. Tico Torres malt seit Anfang der 90er Jahre und hat sein Betätigungsfeld seitdem als Bildender Künstler in die Bereiche Bronze, Keramik und Glas ausgedehnt. Seine Bilder, kräftig in der Farbgebung und mit organischer Textur, erinnern an den deutschen Expressionismus der 30er Jahre, aber auch an Edward Munch und den Briten Francis Bacon. Mit Pinsel, Messer oder einem anderen Gegenstand, der das Auftragen von Acrylfarbe ermöglicht, bearbeitet der Autodidakt die Leinwand solange, bis die Oberfläche eine deutlich spürbare Struktur bekommt. Seine im Allgemeinen gegenständlichen, zumeist mehrdeutigen Gemälde fordern von dem Betrachter eine eingehende Auseinandersetzung. Die Inspiration zu den um 12.000 US-Dollar teueren Originalen (Signierte, limitierte Drucke ab $ 500)  erhält „The Hitman“, so sein Spitzname, dessen erste Ausstellungen in New York und Miami 1994/5 bereits große Erfolge waren, meist von ganz alltäglichen Erfahrungen. „Es ist sehr wichtig, sich jenseits der Musik auch noch in anderen Bereichen zu betätigen“, wird Torres auf der Seite einer Galerie zitiert. „Songs gemeinschaftlich zu erarbeiten, ist etwas Kreatives, auf Tour sein nicht. Da herrscht Routine. Um als Bildender Künstler aktiv zu sein, brauche ich niemand anderen. Da muss ich alleine etwas kreieren. Das erfüllt mich und ermöglicht mir einen spirituellen Zugang zu meiner Person. Ich bin davon überzeugt, dank dieser Beschäftigung sogar zu einem besseren Menschen geworden zu sein, der dabei in allen Facetten der Kreativität hinzugewonnen hat!“

Roger Glover: Gemälde verstauben im Keller

01 Glover Gemälde 2Wenn Deep Purple demnächst Songs ihrer neuen CD NOW WHAT?! hierzulande live präsentieren, steht dort ein Mann auf der Bühne, über dessen bandexterne Leidenschaft nur Wenige Bescheid wissen: Roger Glover. Der 67-Jährige ist nicht nur Bassist der Hardrock-Legende sowie renommierter Produzent (Nazareth, Status Quo, Judas Priest, Rory Gallagher, Rainbow, Michael Schenker Group, Deep Purple), sondern auch ein „ausgezeichneter Maler und Graphiker von stimmungsvollen Landschaftsbildern, mystisch anmutenden Detailansichten von Städten und abstrakten Darstellungen emotionaler Zustände“ (ME/Sounds). Ab 1963 besuchte der Brite das Hornsey Art College in London. „Wie viel ich dort gelernt habe? Keine Ahnung!“, bekennt er auf seiner Webseite. „1965 habe ich das College bereits verlassen, um Profimusiker zu werden. Seitdem ist die Malerei eine Freizeit-beschäftigung, der ich nur noch sporadisch nachkomme und die für mich eine weitere Möglichkeit ist, mich künstlerisch auszudrücken. Ich male ausschließlich zu meinem ganz persönlichen Vergnügen, stelle meine Arbeiten nicht aus und verkaufe sie nicht. Hin und wieder spende ich eines der mal abstrakten, mal gegenständlichen Werke für einen wohltätigen Zweck. Der größte Teil verstaubt jedoch im Keller, da ich daheim meist nur eines aufhänge. Die einzige Möglichkeit, die Bilder zu sehen, bietet somit meine Homepage.“

Ron Wood: Kunststudium wegen Girls

Im Gegensatz zu Deep Purple haben The Rolling Stones, die im Sommer 2013 auf „50 And Counting“-Tournee sind, gleich zwei ausgebildete Künstler in ihren Reihen: Schlagzeuger Charlie Watts und Gitarrist Ron Wood. Ersterer (Jahrgang 1941) studierte an der Harrow School of Art. 1960 bekam er eine Festanstellung in einer Londoner Werbeagentur und veröffentlichte im Folgejahr „Ode To A High Flying Bird“, sein Kinderbuch über den legendären Jazz-Altsaxophonisten Charlie Parker. Bei den Stones zeichnete Charlie Watts als Graphiker unter anderem für die Coverrückseite von BETWEEN THE BUTTONS (1967) verantwortlich und designte zusammen mit Mick Jagger die Bühne für ihre Gastspielreisen „Tour Of Americas“ (1975) sowie „Steel Wheels/Urban Jungle Tour“ (1989/90).

Wood, Jahrgang 1947, besuchte auf Anraten von Lehrern das Londoner Ealing College Of Art. Seinen Eintritt in die Kunstwelt datiert er aufs Jahr 1959, als er im Alter von zwölf Jahren den Hauptpreis in einem Malwettbewerb der BBC-Sendung „Sketch Club“ gewann. Obgleich offensichtlich sein Talent der Grund für den Besuch der Kunstschule gewesen ist, waren es für ihn persönlich keinesfalls künstlerische Gründe. Wood: „Meine beiden Brüder studierten in Ealing. Dort wollte ich unbedingt auch hin, denn ich fand ihre Freundinnen – äußerst adrette Kunststudentinnen – super scharf!“ Dass Wood das zeichnerische Handwerk von Grund auf gelernt hat, ist in seinen Öl- und Acrylgemälden, Bleistift- und Pastellzeichnungen sowie Graphiken, die weltweit ausgestellt werden, unübersehbar. Häufig fertigt er Portraits von Zeitgenossen (seine Bandkollegen inklusive), anderen Musikern oder auch Pferden. Anfang der 80er Jahre begann Wood, mit Druckverfahren wie Holzschnitt, Radierung, Sieb- sowie Digitaldruck zu arbeiten und erwarb 1987 schließlich die dafür notwendigen Kenntnisse in einer Werkstatt für Druckgraphik. 2009 bildeten drei Gemälde von ihm die Vorlage für eine Modekollektion des Londoner Kaufhauses Liberty. 2011 wurde er vom Uhrenhersteller Bremont mit einer Kollektion von vierzehn handbemalten Zeitmessern beauftragt. Woods Werke sind unter anderem auf dem Cover der CD LIVE AT THE RITZ, im 56-seitigen Booklet von SLIDE ON THIS und auf seiner Homepage zu sehen, aber auch in Büchern wie seiner Autobiographie „The Works“ (Fontana Paperbacks, 1987), dem auf 2.500 handsignierte Exemplare limitierten Band „Every Picture Tells A Story“ (1987) und der Werkschau „Print Collection 1984 – 2003“. Angesichts der Auftragslage sowie Nachfrage nach seinen Kreationen verwundert es nicht, dass Wood gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“ erklärte: „Mir ist das Malen genauso wichtig wie die Musik!“

Jimi Hendrix: Unbekanntes Talent

Vieles wurde über den wegweisenden Gitarristen Jimi Hendrix geschrieben, doch so gut wie nichts darüber, dass er begeistert gemalt hat! James Marshall Hendrix zeigte jedoch bereits auf der Grundschule ein gutes Händchen für’s Zeichnen, wogegen ihn Musik damals noch gar nicht interessierte. Charles R. Cross schreibt in der offiziellen Biographie „Hinter den Spiegeln“ (Hannibal, € 24.90), dass Jimi in der dritten Klasse besonders gerne Autos zu Papier brachte. Einige Entwürfe schickte er gar an die Ford Motor Company. Derartige künstlerische Betätigung bereitete ihm dermaßen viel Spaß, dass er Briefe und Postkarten oft mit Illustrationen verzierte. Ein einschneidendes Erlebnis für seine künstlerische Entwicklung als Musiker und Maler war 1965 das Zusammentreffen mit Arthur Lee von der Band Love sowie die Bekanntschaft mit Drogen. Fortan bestanden seine Bilder, die zwischen zehn und dreißig Zentimeter groß sind, aus farbenprächtigen Figuren und Formen. Auffallend dabei: die Liebe zum Detail. Sie ist darauf zurückzuführen, dass Hendrix extrem kurzsichtig war und keine Brille trug. Meistens hatte er einen Zeichenblock dabei und hielt fünf, sechs Stifte in der einen Hand, während mit der anderen gezeichnet wurde. Zwischen der halluzinogenen Malerei und Musik besteht bei ihm übrigens ein direkter Zusammenhang: Hendrix’ Bestreben war, mit seinen Sounds Farben in Töne umzusetzen.

Mellencamp: Politik & Religion anstatt Familie & Freunde

Lange Tourneen lagen hinter ihm, als John Cougar Mellencamp 1988 zu Malen begann. Bestanden die Motive des Rock-/Folksängers anfangs noch aus Familie, Freunden und Landschaften, so ist sein Stil bei den großformatigen Exponaten auf Leinwand oder Holz mittlerweile in der Umsetzung ausgefeilter, farblich klarer – und thematisch dank Sujets wie Politik und Religion durchaus kontrovers. Mellencamp: „Ich bin kein Maler, sondern nur jemand, der sehr hartnäckig ist. Was ich angefangen habe, das bringe ich auch zu Ende!“

Marty Balin, Mitbegründer der kalifornischen Acidrock-Formation Jefferson Airplane und der noch erfolgreicheren Jefferson Starship, malt lieber Musikerkollegen, mit denen er während seiner jahrzehntelangen Karriere aufgetreten ist. Es sind legendäre Topstars, wie die Werkschau der in unterschiedlichen Techniken erstellten Bilder auf seiner Homepage zeigt: John Lennon, Page & Plant, Jimi Hendrix, Jim Morrison, Bob Dylan, Mick Jagger, Elton John, Kiss und Jerry Garcia – auch er ein begeisterter Maler.

Der Gitarrist und Sänger von The Grateful Dead hat bereits im Kindesalter zu zeichnen begonnen, studierte später am San Francisco Art Institute. Für ihn war die visuelle Kunst eine andere Form, seine Kreativität zu verwirklichen. Zwischen 1985 und 1995 schuf er rund 500 Werke, wobei er sowohl Wasserfarben, Gouache, Bleistift, Tinte, Airbrush, als auch digitale Medien wie die Möglichkeiten des PowerBook nutzte. Sein Bild „The Private Issue Jerry Garcia Road Trip“, ein himbeerroter Fuchs im Sprung, wurde von der Firma Private Issue Cards als Motiv einer Kreditkarte verwendet, um damit ein USA-weites Ernährungsprogramm zu unterstützen. Garcias Bandkollege Bill Kreutzmann, der 30 Jahre lang bei der Hippie-Jam-Band hinter dem Schlagzeug saß, ist bis heute als Bildender Künstler tätig. 2001 waren, in limitierter Auflage, seine digitalen Kreationen erstmals als Drucke zu erwerben.

Anderer Act, ebenfalls ein Drummer: Die künstlerischen Talente von Michael Cartellone, Schlagzeuger der Südstaatenrocker Lynyrd Skynyrd, entdeckten seine Eltern früh und förderten sie dementsprechend. Weil er schon als Knirps gut zeichnete, durfte der Junior das Cleveland Institute of Art besuchen. Zu Cartellones Arbeiten zählen neben einem Portrait des 1977 verstorbenen Lynyrd-Skynyrd-Sängers Ronnie van Zant sowie Charlie Chaplins vor allem seine „Road Series“, die das Tourneeleben abbilden. Dabei malt er nicht nur auf Leinwand, sondern – wie es sich für einen Drummer gehört -, auch auf Schlagzeugfelle!

Sein Kollege Shawn Crahan ist sowohl Percussionist der US-Metal-Band Slipknot, als auch Fotograf und Maler. In beiden Medien geht es ihm, der sich als Visionär versteht, um das Festhalten von Bewegung. Die Arbeiten des auf der Bühne mit einer Clownmaske auftretenden Musikers, die sich primär um den Tod drehen, beschreibt der Amerikaner als „sehr intensiv, sexuell und brutal“.

Justin Furstenfeld: Kunst als Selbsttherapie

04 Justin FurstenfeldDen Horror, den er aufgrund seiner manisch-depressiven Erkrankung durchlebte, hat Justin Furstenfeld in künstlerischer Betätigung kanalisiert. Der Sänger, Gitarrist und Songschreiber von Blue October setzt eigene Gemälde als Cover-Artworks ein (THE ANSWERS, HISTORY FOR SALE) und gestaltet zudem T-Shirts und Poster. Dieses Jahr ist die dritte, erweiterte Edition seines Buches „Crazy Making“ erschienen.

Raus aus den Charts, rein ins Atelier!

Wenn es mit der Karriere als Musiker nicht mehr läuft, ist es gut, ein Talent zu besitzen, das ein einträgliches Auskommen sichert. Was etwa bei Holly Johnson der Fall ist. Der Ex-Sänger von Frankie Goes To Hollywood lebt mittlerweile als erfolgreicher Maler vom Verkauf seiner bunten, sinnlichen, sehr figurativen Werke, die an Andy Warhol erinnern und in renommierten Kunstinstitutionen wie der Royal Academy Of Arts in London ausgestellt werden.

Was tun, wenn man als Musiker in den Hitparaden abgemeldet ist? Davon kann Barry Ryan ein Lied singen. Der stimmstarke Sänger münzte sein Hobby in ein profitables Geschäft um, als er nach der Blitzkarriere plötzlich außerhalb des Scheinwerferlichts stand. Auf den Geschmack gekommen war der Brite in den 60ern, als ein Fotograf Aufnahmen von ihm für das Cover von ›Eloise‹ schoss. Seit 1975 arbeitet der Autodidakt und Hasselblad-Benutzer als hoch bezahlter Werbe- und Portrait-Fotograf, dessen Schaffen sich an legendären Kollegen wie Man Ray und Richard Avedon orientiert und in der National Portrait Gallery (London) sowie im Museum Of Modern Art (New York) ausgestellt wird. Durch Auftraggeber wie Chanel & Co. kann sich Ryan („Ich verkaufe meine Arbeiten nicht. Das als Profi zu tun, halte ich für arrogant“) weiterhin einen luxuriösen Lebensstil leisten. Eines der Spezialgebiete des Autodidakten ist Erotische Fotografie. „Damit meine ich nicht das Ablichten von nackten Frauen. Das ist dumpf und langweilig. Als erotisch definiere ich eine sehr sinnliche Sichtweise. Unter diesem Aspekt konstruiere ich meine Bilder, bei denen mir oft eine Zeichnung als Ausgangspunkt dient.“

Lindenberg: Malen mit Likör

03 Udo Lindenberg beim Malen @ Tine AckeKunst kommt von Können. So lautet ein Sprichwort. Zutreffend ist es allerdings nicht in jedem Fall. Denn auch der Spaß an der Sache kann die Initialzündung liefern und in Folge maßgeblich sein. Das zeigen jedenfalls die fröhlichen Zeichnungen von Udo Lindenberg, die teilweise unter Zuhilfenahme von Likör als Farbe Wirklichkeit werden. Seit Silvester 1994 entstehen „die an Cartoonmalerei angelehnten harmlosen Skurrilitäten voller Banalhumor“ („Der Spiegel“) dieses unbekümmerten Amateurs „meist aus dem Nichts“. „Sie sollen“, so ihr Erschaffer, „vor allem amüsieren“. „Das Lindenwerk“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf, nummerierte/signierte Sonderausgabe, € 49.90) macht die zwischen 2.990 und 11.500 Euro teuren Originale seiner comicbunten „Malerei in Panikcolor“ selbst für den kleineren Geldbeutel erschwinglich – gemessen an sonstigen Preisen auf dem Kunstmarkt. Das Buch zeigt auf 308 Seiten, was dem wegweisenden Deutschrocker oft nachgesagt wird: „Udo kann weder singen, er kann auch nicht malen, aber beides tut er mit großer Begeisterung.“

Graham Nash: Momentaufnahmen

So etwas braucht Graham Nash nicht. Ihm genügt die Wirklichkeit wie sie ist. Der Sänger/Gitarrist/Songschreiber lässt sich vom „Surrealismus des Alltags“ (O-Ton) inspirieren, um dann „den Moment schlechthin“ – meist in schwarz-weiß – festzuhalten. Im Gespräch mit dem Hifi-Magazin „Stereo“ sagte Nash: „Die weltweit großartigsten Fotos haben viel mit großartigen Musikstücken gemeinsam. Sie vermitteln ein Gefühl, das du vorher nicht empfunden hast. Das ist Kunst für mich. Kunst verändert dich; sie gibt dir ein besseres Gefühl oder stört dich so sehr, dass du handelst, etwas veränderst.“ Seit seinem elften Lebensjahr ist der gebürtige Engländer der Fotografie verfallen. Er betreibt die Firma Nash Editions, das weltweit erste digitale Kunstdruckstudio, und gilt als international anerkannter Sammler von Fotos. Er verkaufte seine Kollektion 1990 für 2,17 Millionen Dollar. 150 Aufnahmen, die Graham Nash in den Jahren 1963 bis 2003 gemacht hat, enthält der Bildband „Eye To Eye“.

Bryan Adams: Fotos von VIPs

05 Mick Jagger_Shot @ Bryan Adams„Exposed“ heißt die erste Monographie, die in Buchform Bryan Adams’ Arbeiten als Fotograf zeigt. Auf 304 Seiten sind Aufnahmen seiner Freunde und Bekannten in der Musik-, Mode- und Kunstszene (unter anderem Amy Wine-house, Michael Jackson, Morrissey) versammelt. Als Lichtbildkünstler hat sich der Kanadier längst einen international erstklassigen Namen erworben, erhielt zweimal den renommierten „Lead Award“ (im Bereich Portrait- beziehungsweise Modefotographie). Von Adams gemachte Fotos sind erschienen in Magazinen wie „Vogue“, „Interview“, „i-D“ und „Harper’s Bazaar“. Zudem ist er Mit-Herausgeber des „Zoo Magazine“, einer Zeitschrift für Fotografie, die er 2003 in Berlin gegründet hat. Präsentiert wurden Adams’ Arbeiten unter anderem in der National Portrait Gallery (London) und dem Haus der Kunst (München). Aktuell sind sie im NRW-Forum (Düsseldorf) ausgestellt. „Die ersten Fotos habe ich noch mit der kleinen Kamera meiner Eltern gemacht“, erinnert sich Bryan Adams an die Anfänge seiner Leidenschaft. „Die Motive auf meinem ersten Film, Mitte der 70er, sind Konzertfotos von den Beach Boys, meine Freundin im Badezimmer, meine Mutter, mein Klavier, einfach beiläufige Dinge – aber genau diese waren um mich herum.“

Patti Smith: Polaroid-Bilder

06 Patti Smith_Cover_1024x1024Anscheinend beiläufige Objekte sind es auch, die Patti Smith auf ganz eigene Weise ablichtet – bisweilen unscharf, aber trotz starker Lichtkontraste stets voller Tiefe. 70 ihrer Aufnahmen enthält der 96-seitige Bildband „Camera Solo“ (Yale University Press). Mit der Fotografie eingehend beschäftigt hat sich die amerikanische Sängerin/Poetin nach dem Tod ihres Mannes Fred „Sonic“ Smith im Jahr 1994. Bemerkenswert, dass für die „Godmother Of Punk“ eine Polaroid-Kamera (Modell Land 100 beziehungsweise 250) die erste Wahl war. Eine solche benutzte anfangs auch Robert Mapplethorpe – jener ab Mitte der 80er Jahre bekannte Fotograf, mit dem sie in New York zusammengelebt hatte.

Nick Rhodes: Experimente am Fernsehmonitor

Bilder, die er erst am Fernsehbildschirm verfremdet und dann mit einer Polaroid-Kamera SX-70 aufgenommen hat, stellt Nick Rhodes in dem Buch „interference.“ vor. „Ich bin sehr stolz auf die zweifellos höchst obskur und abstrakt aussehenden, experimentellen Fotos“, erklärt der Keyboarder von Duran Duran. „Für mich“, betont der Bewunderer der Fotografenlegende Man Ray, „ist diese Darstellungsform eine weitere Möglichkeit, etwas auszusagen, dass ich sonst nicht in Worte fassen kann.“

Lou Reed: Verbesserte Realität im Fokus

Bewusste Bewegungsunschärfe ist bisweilen ein Stilmittel, das Lou Reed in seinen Schwarzweiß-Portraits (Stückpreis: 2.750 Euro) von alten Menschen einsetzt;  bei Stadtansichten oder den ätherisch wirkenden Aufnahmen meist unberührter Landschaften spielt für ihn dagegen das Licht die entscheidende Rolle. Gerade letztere Fotos zeigen den allgemein als mürrisch bekannten, in der hektischen Großstadt New York lebenden Metallica-Kooperationspartner von einer ganz anderen Seite: als romantisch veranlagten, offensichtlich in sich ruhenden Beobachter von Naturschönheiten. Obwohl der Gitarrist/Sänger, angeregt von Andy Warhol (in dessen Factory Reed mit The Velvet Underground regelmäßig auftrat), schon seit den 60er Jahren fotografiert, war das bislang nur wenigen Kennern bekannt.  Im Vorwort zu einem seiner Bildbände schreibt der Wim-Wenders-Bewunderer, der sich der Photoshop-Bildbearbeitung verweigert: „Nichts sieht so aus wie es aussieht, wenn man es durch einen Fotoapparat sieht: Es verbessert die Realität für den einzelnen Zuschauer wie in einem Theater.“

Linda McCartney: Stars hautnah

Private Einblicke voller Intimität in das Leben diverser Popstars ermöglichen jene Fotos, die Linda McCartney (1941-1998) geschossen hat. Die erste Ehefrau von Paul McCartney und Keyboarderin der Wings kam durch Frechheit und Raffinesse zu ihrem ersten Fotografenjob. Als die Rolling Stones am 24. Juni 1966 in New York auf einem Schiff ihr neues Album vorstellten, schmuggelte sie sich an Bord und erhielt, weil sie als Einzige eine Kamera dabei hatte, von Mick Jagger persönlich die Erlaubnis, Bilder zu machen. Diese bescherten ihr den Durchbruch und in Folge war sie bei vielen VIPs ganz nah dran. Für Furore sorgten insbesondere ihre Portraits von Jimi Hendrix, Bob Dylan, Eric Clapton, Janis Joplin, The Who, The Doors, BB King, John Lennon und natürlich Paul McCartney. Mrs. McCartneys Fotoarbeiten (große Retrospektive im „Kunst Haus“/Wien vom 6.6.-6.10.2013) sind in neun Bildbänden, darunter „Linda’s Pictures“, „Photographs“, „Sixties: Portrait Of An Era“ und „Life In Photographs“ dokumentiert.

Andy Summers: Genau beobachtet

08 Andy SummersEin Blick für das Wesentliche zeichnet auch Andy Summers aus. Der Police-Gitarrist, der seit 1979 in Schwarzweiß fotografiert, widmete seinen ersten Bildband „I’ll Be Watching You: Inside The Police 1980-83“ (Taschen Verlag) dem Innenleben seiner Band. Anhand von 600 Aufnahmen auf 378 Seiten lässt er dank seiner Leica-Kamera den Betrachter nicht nur an Proben, Konzerten und Partys teilhaben, sondern zeigt auch Auftrittsorte und Menschen. Das alles ergänzt der Fan der Reportagefotografen Henri Cartier-Bresson und Robert Frank um Tagebucheinträge. Weniger spektakulär als sein Erstlingswerk ist indes „Throb“ (1983) ausgefallen. „Desire Walks The Streets“ (Nazraeli Press), sein dritter Bildband, dreht sich um Summers’ Reisen als Musiker zwischen 1983-2008. Die Bilder sind größtenteils dem Genre Straßenfotographie (eine Art Momentaufnahme/Milieustudie) zuzuordnen, das gleichfalls seine Vorbilder Bresson beziehungsweise Frank pfleg(t)en. „Fotografie ist eine weitere Möglichkeit, mich auszudrücken“, erklärt Andy Summers. „Dank ihr kann ich jenseits von Worten etwas mitteilen. Dazu kommt: Durch einen Kamerasucher erschließt sich eine andere Welt, sieht man Dinge in neuem Licht, neuen Perspektiven.“

Farin Urlaub: Optische Weltreise

Nicht als Musiker, sondern als Privatperson liebt Farin Urlaub das Unterwegssein. Er hat es sich zum Ziel gemacht, alle Länder weltweit zu bereisen. Immer im Gepäck: seine Kameras. Interessant: Als Sänger/Gitarrist der Ärzte spielt Farin Urlaub kraftvollen Punkpop, humorvolle Zweideutigkeiten inklusive. Als Fotograf mag es der Berliner, das zeigen die beiden Bildbände „Indien & Bhutan – Unterwegs 1“ und „Australien & Osttimor – Unterwegs 2“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf) anschaulich, „ästhetisch, zurückgenommen, ruhig“ („taz“). Unübersehbar: Urlaub ist „fasziniert von der überwältigenden Schönheit der Natur“ (Zitat). Seine beiden Buchveröffentlichungen machen deutlich, dass er sich vom Reise- zum Landschaftsfotograf entwickelt – der etwas komponiert, das er mit zwei Worten charakterisiert: „optische Weltmusik“.

David Sylvian: Kontra Anpassung

Was bringt Musiker eigentlich überhaupt dazu, sich in einem artfremden Kunstfeld zu betätigen? Eine mögliche Antwort darauf hat David Sylvian parat. Der sensible Ästhet arrangierte als Beuys’ Bewunderer schon zu seiner Japan-Zeit unter anderem Schnappschüsse mit der Polaroid-Kamera in einer speziellen Collagentechnik neu („Perspectives“, Opium-Verlag, London) und visualisierte in dem 20-minütigen Video „Steel Cathedrals“ sein Verständnis von Kunst und Musik. Heutzutage präsentiert Sylvian seine Vorstellungen des Dreiklangs Universalität-Spiritualität-menschliche-Existenz vorzugsweise in multimedialen Installationen aus Licht, Bildern (Fotos/Skulpturen) und Sound. Die eingangs gestellte Frage beantwortet der englische Sänger/Keyboarder/Gitarrist für sich folgendermaßen: „Künstler sind Menschen, die sich auf den kreativen Teil ihrer Person konzentrieren. Als solche ist es ihnen möglich, ihre Aufmerksamkeit auf verschiedene Kunstformen zu lenken. Je mehr man nämlich in einem Medium arbeitet, desto angepasster wird man auch in den Möglichkeiten seiner Ausdrucksformen!“

Nick Cave: Maler, Musiker, Literat

Sylvians Argumentation ist eine sinnvolle Erklärung dafür, warum sich zum Beispiel jemand wie Nick Cave (nach dem einjährigen Studium der Malerei an der Monash University/Australien) neben seinen musikalischen Aktivitäten literarisch betätigt. Der Sohn einer Bibliothekarin und eines Lehrers für englische Literatur veröffentliche 1989 den Roman „And The Ass Saw The Angel“ (deutsch: „Und die Eselin sah den Engel“). 1997 erschien die  Gedichtsammlung „King Ink II“, 2009 sein zweiter Roman („Der Tod des Bunny Munro“). Literarische Einflüsse in Caves Texten sind neben der Bibel primär Nabokov („Lolita“), Dostojewski („Die Brüder Karamasow“), Faulkner („Die Freistatt“), Dylan Thomas („Unter dem Milchwald“) und Bob Dylan.

Leonard Cohen: Zuerst Poet

09 Leonard CohenLeonard Cohen hat indes vor einer Laufbahn als Singer/Songwriter eine als Schriftsteller angestrebt. Der Kanadier engagierte sich stark im Debattierclub an der McGill University (Montreal) und ließ 1956, noch bevor er einen Uni-Abschluss hatte, seinen Gedichtband „Let Us Compare Mythologies“ (in einer Auflage von 500 Exemplaren) drucken. Der Nachfolger, „The Spice-Box Of Earth“ (1961), macht ihn über die Landesgrenzen hinaus populär. Zwischen 1963 und 1964 veröffentlichte Cohen die Romane „The Favourite Game“ („Das Lieblingsspiel“) und „Beautiful Losers“  („Schöne Verlierer“) sowie den Gedichtband „Flowers For Hitler“ („Blumen für Hitler“). Erst 1967 startete er dann seine musikalische Karriere. Weitere Buchtitel von ihm sind: „The Energy Of Slaves“ („Die Energie von Sklaven“, 1972), „Death Of A Lady’s Man“ („Letzte Prüfung“, 1978),  „Book Of Mercy“ („Wem sonst als Dir“, 1984),  „Stranger Music“ (1993)  und  „Book Of Longing“ („Buch der Sehnsüchte“, 2006).

Henry Rollins: Literatur als Stand-Up-Comedy

Wenngleich bei ihm die Texte ebenfalls im Mittelpunkt seiner Songs stehen, so hat Henry Rollins, im Vergleich zu Leonard Cohen, genau den umgekehrten Weg beschritten: Erst kam die musikalische Laufbahn und dann verlagerte sich für den Ex-Sänger der Hardcoreband Black Flag der Schwerpunkt. Mittlerweile macht Henry Rollins mehr durch seine, in dem ihm eigenen Witz verfassten literarischen Projekte Schlagzeilen, als durch seine Rollins Band. 1984 gründete der Amerikaner in Los Angeles den nach seinem Geburtsdatum benannten Verlag 2.13.61 und veröffentlicht über ihn seine zahlreichen Spoken-Word-Alben sowie Bücher (darunter die gelobten „Pissing In The Gene Pool“ und  „Black Coffee Blues“). Regelmäßig geht Henry Rollins auf Lese-Tour. Wie es ist, wenn der begeisterte Gewichtheber und strikte Drogengegner seine Novellen live präsentiert, ist auf der CD plus DVD SHOCK & AWE – THE SPOKEN WORD TOUR (Edel Germany) mitzuerleben. Das ist Stand-Up-Comedy in Vollendung: schnell, laut, witzig, ironisch, kurz: sehr unterhaltsam!

KLF: Million verbrannt, Ratgeber verfasst

Geistreicher Sarkasmus zeichnet den Schreibstil von „The Manual – How To Have A Number One – The Easy Way“ (deutsch: „The KLF: Das Handbuch – Der schnelle Weg zum Nummer 1 Hit“) aus. In dem Handbuch schildern Bill Drummond und Jimmy Cauty, die unter dem Bandnamen KLF zwischen 1988 und 1992 mit Stadium-House-/Rave-Sound internationale Erfolge feierten, wie dank Samples ein Nummer-Eins-Hit zu konstruieren ist. Nach der Auflösung ihres Musikprojektes sorgte das Duo (Cauty hatte bereits im Alter von 17 Jahren als Autodidakt eine Graphik der „Herr der Ringe“-Figur Gandalf gezeichnet, die als Poster zum Superseller wurde) unter dem Namen K Foundation in der Kunstszene für Furore. Spektakulärste Aktion: die Verbrennung von einer Million britischer Pfundnoten am 23. August 1994 auf einer schottischen Insel, festgehalten im Dokumentarfilm „Watch The K Foundation Burn A Million Quid“!

Pete Townshend: (Online-)Autor & Verleger

10 Pete Townsend @ Privatarchiv Pete TownshendIn erster Linie ist Pete Townshend natürlich als Gitarrist/Komponist des britischen Rockquartetts The Who populär. Erstaunlich, dass sein Zweitleben weitgehend unbekannt ist. Und das, obwohl er seit rund dreißig Jahren literarisch arbeitet, Artikel für Zeitungen und Magazine verfasst hat, Bücher bespricht, Essays schreibt. Ursprünglich wollte der Student am Ealing Art College Graphiker werden, entschied sich aber doch zum Werdegang des Rockmusikers. Schriftstellerisch trat Townshend erstmals im August 1970 in Erscheinung, als er der Musikzeitschrift „Melody Maker“ neun Monate lang die Kolumne „The Pete Townshend Page“ lieferte. Bis zum November 1977 publizierte das „Rolling Stone Magazine“ insgesamt drei von ihm verfasste Abhandlungen. Im gleichen Jahr gründete der Brite Eel Pie Publishing, das sich auf Kinder- sowie Musikbücher spezialisiert, und eröffnete in London die eigene Buchhandlung namens „Magic Bus“. In seinem Verlag veröffentlichte er das Buch „The Story Of Tommy“ über die Entstehung der berühmten Rock-Oper und ihrer Verfilmung. Mit seinem Background war er für den renommierten Verlag Faber And Faber 1983 erste Wahl als Lektor. 1985 brachte Townshend dort seine Kurzgeschichtensammlung „Horse’s Neck“ heraus. 2000 wurde eelpie.com gestartet und Townshend ging mit einer eigenen Webseite online. Auf seinem Blog veröffent-lichte er 2005/2006 die literarische Fortsetzungsgeschichte „The Boy Who Heard Music“, deren Grundzüge er bereits 1989 erstellt und 2005 in Buchform aufgelegt hatte. Sie erzählt im Rückblick, wie der fiktive Erzähler Ray High mit drei Freunden die Band Glass Household gründet, in den 80er Jahren als Popmusiker Erfolge feiert und sich das Quartett später musikalisch substanzielleren Sounds zuwendet. Zu 100 Prozent autobiographische Züge trägt Townshends 576 Seiten starkes Buch „Who I Am“ (Kiepenheuer & Witsch). In der „New York Times“ platzierte es sich auf Rang 5 der Bestsellerliste.

Mark Oliver Everett: Musik rettet „Aal“

„Eines der besten Bücher, das je von einem zeitgenössischen Künstler geschrieben wurde.“ Dieses Zitat von Pete Townshend über die Autobiographie des Eels-Frontmannes Mark Oliver Everett ist auf der Umschlagsrückseite von „Glückstage in der Hölle: Wie die Musik mein Leben rettete“ (Kiepenheuer & Witsch) abgedruckt. Auf 217 Seiten schildert der Sohn eines depressiven Ausnahme-Quantenphysikers seine Schicksalsschläge (er findet den toten Vater, seine drogensüchtige Schwester bringt sich um, die Mutter stirbt an Krebs) mit trockenem Humor und süffisantem Sarkasmus. „Ergreifend“, urteilte der „Stern“.

Neil Young: Außergewöhnliche Autobiographie

Das vielseitige musikalische Schaffen von Neil Young wird gemeinhin kontrovers beurteilt. Natürlich spielt es in „Ein Hippie-Traum“ (Kiepenheuer & Witsch) die Hauptrolle und macht das Werk, gemäß dem Rezensenten der „L.A. Times“, deshalb zu „einer der ungewöhnlichsten Autobiographien eines Rockstars“ (die hier stellvertretend steht für die Vielzahl an selbstverfassten Musiker-Lebensgeschichten.) Auf 480 Seiten beschreibt der Sänger/Gitarrist, politische Aktivist, Philanthrop und Umweltschützer Neil Young seine Lebensgeschichte „bescheiden, ehrlich, lustig und sehr berührend“ („Wall Street Journal“).

Chuck Leavell: Geerdeter Keyboarder

Apropos Umweltschutz: Dafür engagiert sich auch Chuck Leavell. Der langjährige Rolling Stones-Tastenspezialist ist nicht nur Waldbesitzer (Charlane Plantation bei Macon/Georgia) und verdient mit Holzverwertung Geld, sondern zudem ein international renommierter Fachmann für nachhaltige Forstwirtschaft. Drei Werke zum Thema hat das ehemalige Mitglied der Allman Brothers bislang verfasst: „Forever Green: The History And Hope Of The American Forest“ (Longstreet Press), „Growing A Better America: Smart, Strong And Sustainable“ sowie das Kinderbuch „The Tree Farmer“ (beide Mercer Universal Press). Dass in seiner Autobiographie „Between Rock And A Home Place“ Umweltschutz auch eine große Rolle spielt, ist nur natürlich.

Neil Peart: Easy Rider

12 Neil PeartNeil Peart zeichnet als Autor bislang für fünf Bücher verantwortlich. Der Schlagzeuger der kanadischen Rockband Rush veröffentlichte „The Masked Rider: Cycling In West Africa“, das eine vierwöchige Fahrradtour durch Kamerun zum Inhalt hat. In dem selbsttherapeutischen „Ghost Rider: Travels On The Healing Road“ arbeitet Peart während einer Motorradreise durch Nordamerika den Tod seiner ersten Frau und der gemeinsamen Tochter auf. Für „Traveling Music: The Soundtrack Of My Life And Times“ war der Drummer im Auto unterwegs und reflektierte über sein Leben, seine Musik, Familie, Freunde. Während der Rush-Gastspielreise zum 30-jährigen Bestehen schilderte Peart die Tour entweder hinter seinem Schlagzeug oder auf einem seiner BMW-Motorräder sitzend für das Buch „Roadshow: Landscape With Drums, A Concert Tour By Motorcycle“. Dagegen dreht sich „Far And Away: A Prize Every Time“ um seine Reisen durch Nord- und Südamerika. Zuletzt verfasste Peart zusammen mit Science-Fiction-Autor Kevin J. Anderson die Story der aktuellen Rush-CD CLOCKWORK ANGELS für einen Roman gleichen Namens.

Brian May: zurück in die Zukunft

Mit außerirdischer Thematik, allerdings aus (populär)wissenschaftlicher Perspektive, beschäftigt sich Brian May. Der Gitarrist/Komponist von Queen trägt, was nur wenige wissen, gar einen Doktortitel für Astrophysik. Angesichts dieses fundierten Wissens hat er als einer von drei Autoren an zwei ebenso informativen wie verständlich-amüsant geschriebenen Büchern mitgearbeitet: „Bang!

Steve Earle: „Großartiger Country-Song in Buchform“

Elementares wie Sünde, Vergebung und Tod sind, so der „Kultur-Spiegel“, die Eckpunkte in „I’ll Never Get Out Of This World Alive“ (Karl Blessing Verlag), dem Debütroman von Steve Earle. Die 384 Seiten umfassende, fiktive Geschichte des weltoffenen, politisch engagierten, sozialkritischen Americana-Singer/Songwriters ist vergleichbar mit der „Langversion eines großartigen Country-Songs und kippt die fatalistischen Klischees des Genres mit einem guten Schuss Rock’n’Roll“ („Süddeutsche Zeitung“).

David Byrne: Meditation über’s Radfahren

In der literarischen Kaste fällt David Byrne aus dem Rahmen. Der Talking-Heads-Kopf hat ein Buch über die meditative Fortbewegung des Fahrradfahrens verfasst: „Bicycle Diaries“ (deutsch: „Ein Fahrrad, neun Metropolen“, Fischer Verlag). Auf 368 Seiten ist der gebürtige Schotte während der Klappradtouren in seinen Lieblingsstädten New York, London, Berlin, Buenos Aires zwischen Bars und Galerien, Musikern und Malern immer auf der Suche nach dem Hype, immer auf der Flucht. Vom Fahrrad aus schildert Byrne, der zudem „How Music Works“ (eine 358-seitige Analyse der Musik-Mechanismen) veröffentlicht hat, seine Sicht auf die Dinge des Lebens mit der ihm eigenen Mischung aus Witz, Neugier und Menschlichkeit.

Die ganze Geschichte des Universums“ (2006) und „Cosmic Tourist: 100 Sensationen im Universum“ (2009, ebenfalls Franckh-Kosmos Verlag). Zudem entwickelte Dr. May das erste Set an Weltraum-3-D-Karten (erhältlich über London Stereoscopic Company). Apropos Dreidimensionalität: Diese fasziniert ihn auch in der Fotografie. 2009 veröffentlichte May das reich bebilderte Buch „A Village Lost And Found“, in dem er 59 Aufnahmen des wegweisenden englischen 3-D-Fotografen T. R. Williams (1824-1871) eingehend analysiert und sich auf ihre Spurensuche macht.

Alice Cooper: Schockrocker gibt Golf-Tipps

Alice Cooper Golf Monster.inddDas Hobby ebenfalls in den Mittelpunkt seines Buches gestellt hat Alice Cooper. In „Golf Monster: Mein Leben zwischen Golf und Rock’n’Roll“ (Franckh-Kosmos) beschreibt der Schockrocker in jovialem Plauderton anhand vieler Anekdoten nicht nur das Auf und Ab seines bewegten Lebens, Depression und Alkoholsucht eingeschlossen, sondern gibt in elf Kapiteln auch 15 wertvolle Tipps für Golfer. (Cooper, der jeden Morgen um sieben Uhr auf dem Golfplatz ist, hat ein Handicap von 2). Dadurch entstand, laut welt.de, „eines der besten Golfbücher der vergangenen Jahre“.

Florian Weber: Sporti schreibt

Dritter im Bunde jener Musiker, die eine persönliche Vorliebe literarisch aufbereiten, ist Florian Weber. Der begeisterte Kicker und Schlagzeuger der Sportfreunde Stiller startete 2006 seine Autorentätigkeit  mit dem Fußballmusikroman „You’ll Never Walk Alone“ (Rowohlt), orientierte sich für sein neuestes Werk allerdings um: „Grimms Erben“ (Walde + Graf) verwebt zwei konstruierte Geschichten zu einer hintersinnigen Fabel. Über seine Intention verriet Weber im Interview der ARD-Sendung „Druckfrisch“, dass er beim Schreiben Melodien entstehen lassen und Klangwelten in Worte fassen möchte.

Mehr davon im nächsten Heft mit Bob Dylan, Paul McCartney, John Lennon und Captain Beefheart.

KRAUTROCK SPECIAL VOL.4 1973

Birth ControlDie Wunden des verheerenden Terroranschlags während der Sommerspiele 1972 in München waren noch lange nicht verheilt, als Bundeskanzler Willy Brandt im Juni 1973 den ersten offiziellen Staatsbesuch eines bundesdeutschen Regierungschefs in Israel unternahm. Die deutsche Presse war sich einig wie selten: Dieser Besuch war überfällig und es hätte wohl keinen Besseren als den Versöhnungskanzler Brandt geben können, um diesen wichtigen Schritt zu machen.

Dem schreienden Unrecht der Nazi-Verbrecherbande widmeten sich auch Frumpy in ›Duty‹, einem Song über einen Deserteur, der von seinem eigenen Vater aus Angst verraten wird. Eine großartige Nummer mit ambitioniertem Text, der im krassen Widerspruch zur Kritik des Magazin „Sounds“ stand, das Frumpy noch im Jahr zuvor abqualifiziert hatte: „Es lebe die Langeweile.

Hoffentlich ist es Frumpy ernst mit dem am Ende der Platte geflüsterten ‚all will be changed’, denn eine totale musikalische Wandlung wäre wirklich angebracht.“ Nur zwölf Monate später wählte die gleiche Gazette Inga Rumpf zur „besten deutschen Sängerin“. Derlei Widersprüche waren an der Tagesordnung, sie zeigten die Ambivalenz, mit der deutsche Journalisten hiesige Bands beobachteten. Frumpy hatten es schwer, Rumpfs Nachfolgeband Atlantis dagegen etwas leichter, zumal die Mischung aus Soul, Funk und Rock der rauchigen Stimme der Hamburgerin wie auf den Leib geschneidert war. Doch auch Atlantis blieb überwiegend ein deutsches Phänomen, das im Ausland nur wenig Beachtung fand. Der Versuch, in Amerika ein Bein an Deck zu bekommen, scheiterte unter anderem an Ungereimtheiten zwischen der deutschen Plattenfirma und ihren amerikanischen Lizenzpartnern. Ulli Rützel, Hausproduzent und A&R-Scout der Phonogram sowie zuvor Produktmanager des „Ohr“- bzw. „Pilz“ Labels, erklärte frustriert: „Als Atlantis nach Amerika rübergingen, hatten wir mit den Amerikanern ausgemacht, dass sie 30.000 Platten pressen sollten; die haben aber nur 3.000 gepresst. Wie willst du das kontrollieren?“

Solche Probleme kannten Guru Guru nicht. Ihre rhythmischen Experimente und minutenlangen Improvisationen wurden im Ausland sowieso überwiegend als skurriler Krautrock belächelt, zumal die Band ihre Magie weniger auf Schallplatte als vielmehr in den Konzerten entfaltete. Zum Mittelpunkt ihrer feurigen Live-Performance entwickelte sich ab 1973 der ›Elektrolurch‹, ein schrilles Phantasiegebilde, bei dem Schlagzeuger Mani Neumeier mit selbstgebauter Maske und einer Nahkampfhose nach Art der Ringer um seine Percussion-Instrumente hüpfte wie ein Kannibale um den Feuerkessel, der voller Vorfreude seine Mahlzeit weichklopft. Dazu blies Neumeier mit einem Staubsauger überdimensionale Luftballons auf, schleppte Hühner auf die Bühne und scheuchte sie ins Publikum. Neumeier war die kreative Kraft hinter Guru Guru, er erfand die „Mani- Tom“, eine aufblasbare Trommel, die durch unterschiedlichen Luftgehalt in ihrer Tonhöhe variiert werden konnte.

Apropos Schlagzeug: In den ersten Monaten ihres Bestehens zählte zu den sieben Musikern der Berliner Formation Birth Control auch Schlagzeuger Hugo Egon Balder, der Ende der Achtziger als Fernsehmoderator der Striptease Show „Tutti Frutti“ wieder auftauchte. Balder verließ jedoch bereits nach wenigen Monaten Birth Control und wurde durch Bernd „Nossi“ Noske ersetzt. Mit ihrem provokativen Bandnamen bezogen die Musiker Stellung zu der von Papst Paul verkündeten Enzyklika humanae vitae, die u.a. Abtreibung strikt ablehnte. 1969 produzierte die Band ihr in einer Pillendose verpacktes Debütalbum und unterstützte anschließend Schlagersänger Michael Holm auf seiner Deutschlandtournee. Als das Zweitwerk OPERATION veröffentlicht wurde, weigerten sich Geschäfte, das Album in ihr Sortiment aufzunehmen, da die Plattenhülle den Papst zusammen mit einem babyfressenden Ungetüm zeigte. Die geänderte englische Fassung, auf der zwei riesige Kondome zu sehen waren, führte zu einem Streik der britischen Packerinnen. Die Tourneeplakate sorgten vor allem in der Schweiz für Aufsehen: Besorgte Moralhüter bildeten anlässlich einer Birth-Control-Konzertreise ein Kommitee, das vor dem Tourtross herfuhr, um die mit dem Plakat entweihten Bäume wieder zu säubern. Mit dem Song ›Gamma Ray‹ gelang Birth Control auf dem dritten Album HOODOO MAN ihr unbestrittener Klassiker. Der Anspruch der Band (Frenzel: „Wir legten bei den Kompositionen mehr Wert auf einen duften Rhythmus als früher“) kam bei Fans und Medien gleichermaßen gut an. Die Presse überschlug sich vor Begeisterung und empfand Birth Control als „explosivste deutsche Hard Rock Band“ (Oberpfälzer Nachrichten). Ähnlich turbulent wie die Anfangsjahre von Birth Control sah auch der Beginn von Curly Curve aus. Inspiriert von der Gebrauchsanleitung eines indischen Liebesringes gründeten der Berliner Sänger Heiner Pudelko (ab 1979 bei Interzone) und Bassist Kurt Herkenberg im Herbst 1968 eine Bluesband. Im Sommer 1969 stieß der spätere Atlantis/Lake-Gitarrist Alex Conti zur Gruppe, doch ohne festes Konzept löste sich diese Formation wenige Monate später wieder auf. Im Frühjahr formierte sich die zweite Curly-Curve-Besetzung, fiel aber ebenso erneut auseinander wie ein dritter Anlauf mit geänderten musikalischen Direktiven. Das vierte Line Up, das sich ab Frühjahr 1972 ohne Pudelko formierte, hatte schließlich den erhofften Erfolg: Curly Curve unterzeichneten einen Vertrag beim „Brain“-Label der Firma Metronome und produzierten im Juli 1973 in den „Dierks Studios“ ihr selbstbetiteltes Debütalbum. Darauf präsentierten die fünf Musiker einen kraftvollen, handwerklich sauber gespielten Bluesrock, dessen amerikanischer Einfluss unüberhörbar war. Selbst die für gewöhnlich härtesten Kritiker deutscher Rockmusik fanden Gefallen am schnörkellosen Boogierock der Berliner. „Zurück zum Rock ohne erklärte politische Ambitionen“, schrieb der „Sounds“- Journalist Hermann Haring in seiner Albumkritik, „Curly Curve saust unkompliziert und schnurstracks geradeaus los, spielt prächtigen Bluesrock und benötigt für die Zukunft nur noch einen kräftigen Schuss Schwärze in die Seele.“ Aufsehen erregte vor allem auch das knallbunte Coverartwork in Hochglanzverpackung, das die farbenprächtigen siebziger Jahre perfekt repräsentierte.

Inga RumpfZEITZEUGEN

Inga Rumpf

Inga Rumpf ist die deutsche Rocksängerin schlechthin. Anfangs mit der Folkband City Preachers, dann als mitglied von Frumpy sowie Atlantis und heute als Solokünstlerin unterwegs, hat sie die Rockmusik in deutschland wie keine Zweite geprägt. Aktuelle veröffentlichungen wie rAdiO lOve und WhiTe hOrses dokumentieren auch weiterhin ihre Bedeutung.

Inga, weshalb kam es zur Gründung von Frumpy und wie liefen die ersten Konzerte?

Ende 1969 gab es bei den City Preachers Meinungsverschiedenheiten zwischen Udo Lindenberg und

Jean-Jacques Kravetz. Wir schätzten Jean-Jacques’ musikalisches Talent, deshalb blieb er bei uns und Udo musste gehen. Als Ersatz bestellte Jean-Jacques seinen Freund Carsten Bohn zum Vorspielen. Bassist Karl-Heinz Schott gab sein Okay und da wir auf dem Weg in eine neue musikalische Richtung waren, hatten wir jetzt das Fundament dafür. Leider passte nun die Sängerin Dagmar Krause nicht mehr in dieses Konzept. Ich nahm eine Auszeit, schrieb neue Songs, unter anderem ›Life Without Pain‹, ›Morning‹ und den Text zu ›How The Gipsy Was Born‹. Anfang 1970 rief Jean-Jacques an und lud mich zu einem Auftritt ein. Die drei hatten einen englischen Sänger, mit dem sie aber nicht zufrieden waren. Als ich sie hörte, wusste ich, dass wir gut zusammenpassten. Unser erster gemeinsamer Auftritt war im März 1970 in Megève, Frankreich, 14 Tage in einem Nachtclub. Anfangs mussten wir viel improvisieren und einige englische Popsongs ins Repertoire nehmen, da wir noch nicht genug eigenes Material hatten. Wir brauchten einen Bandnamen und entschieden uns für Frumpy, einen Songtitel der englischen Band Raven. Wir spielten zunächst Auftritte, die noch auf Verträgen der City Preachers basierten, das Publikum war über den neuen Stil zunächst irritiert. Irgendwann drehte sich der Wind und die Band zog neues Publikum an. Plötzlich waren wir ständig unterwegs und bekamen den ersehnten Plattenvertrag.

Weshalb wurde erst auf FRUMPY II mit Rainer Baumann ein Gitarrist hinzugezogen?

Irgendwann bekamen die langen Improvisationen Struktur und eine neue Klangfarbe musste her. Ich spielte zwar akustische Gitarre, aber eine E-Gitarre war intensiver. Es gab aber nicht so viele gute Gitarristen, die zu unserem Stil passten. In Rainer Baumanns Spiel fanden wir das Blues Element und seine offenheit für neue Wege. Leider war er rhythmisch nicht so stark, deshalb wechselten wir 1972 zu Thomas Kretschmer, der erfahrener und musikalisch reifer war.

Ins Ausland kamt ihr aber erst nach dem Übergang von Frumpy zu Atlantis.

Wir hatten auf deutschen Festivals englische Musiker so manches Mal an die Wand gespielt. Es kränkte uns, dass wir als Krautrocker bezeichnet wurden. Deshalb war für uns die kleine England-Tour sehr wichtig. Die Überfahrt auf der Fähre war für uns kostenlos, wir sollten dafür auftreten. Doch es war sehr stürmisch, Passagiere und Band wurden seekrank und der Auftritt wurde abgeblasen. Als Seemannstochter blieb ich natürlich munter an Deck. In England hatten wir zwei Auftritte, in Hereford mit Mott The Hoople und im Londoner „Speakeasy“, die beide sehr gut beim Publikum ankamen. Gage bekamen wir dafür nicht beziehungsweise ging alles für Fahrt und Unterkünfte drauf. Später gab es auch Auftritte in Skandinavien, Frankreich, Holland und der Schweiz.

Warum war nach drei Studioscheiben schon wieder Schluss mit Frumpy?

Von mir aus hätte Frumpy so weiter gehen können, aber es gab musikalische und persönliche Unstimmigkeiten. Vielleicht waren wir einfach nur erschöpft und hätten eine Auszeit gebraucht, um uns zu sammeln. Nach einer kurzen Schockphase entschieden Karl-Heinz Schott, Jean-Jacques und ich uns für ein weiteres Zusammenspiel, Carsten Bohn ging andere Wege. Atlantis war für mich ein Ausweg und Einstieg in die internationale Musikszene.

Diskografie

ATLANTIS

Atlantis (1973)
It’s Getting Better (1973)
Ooh, Baby (1974)
Atlantis Live (1975)
Get On Board (1975)
Best Of Atlantis (1976)
Top Of The Bill (1978)
Rock Heavies (1980)

GURU GURU

Ufo (1970)
Hinten (1971)
Känguru (1972)
Guru Guru (1973)
Don’t Call Us,
We Call You (1973)
Dance Of The Flames (1974)
Guru Guru Mani und seine Freunde (1975)
Tango Fango (1976)
Globetrotter (1977)
Guru Guru Live (1978)
Hey Du! (1979)
The Story Of Life (1980)

*(viele weitere Alben ab den 1980ern)

BIRTH CONTROL

Birth Control (1970)
Operation (1971)
Hoodoo Man (1972)
Rebirth (1974)
Live (1974)
Plastic People (1975)
Backdoor Possibilities (1976)
Increase (1977)
Titanic (1978)
Live 79 (1979)
Count On Dracula (1980)

*(viele weitere Alben ab den 1980ern)

CURLY CURVE

Curly Curve (1973)
Forgotten Tapes (1981)

THE NEW ROSES – Wachablösung

The New Roses 2013 @ Thomas Nägler (2)Spielfreude statt Kalkül, Leidenschaft statt Allüren: The New Roses atmen puren Rock’n’Roll, ihr Debüt WITHOUT A TRACE ist eine dementsprechend ehrliche Angelegenheit. Wir besuchten die Vollblutrocker beim Videodreh in ihrer Heimat Rüdesheim.

Ob das Zufall ist? Diese Zusammensetzung des Bandnamens aus Guns N’ Roses und The New Black? Passt jedenfalls, die Hessen schlagen in eine ähnliche Kerbe und bieten grundsoliden, schwitzenden, leidenschaftlichen Rock ohne Kompromisse. Schon vor der Veröffentlichung des Erstlings WITHOUT A TRACE kam der äußerst gut an, Deep Purple-Gründer Jon Lord outete sich als Fan des Sängers, die „Sons of Anarchy“-Macher wollten den Titelsong für den Soundtrack ihres Serienhits. Dass die New Roses statt der schillernden Großstadt oder der endlosen Weite des Highways das beschauliche Rheingau mit seinen Weinbergen und kleinen Wirtschaften als Basislager nutzen, ist für die sympathischen Jungs um Sänger Timmy Rough kein Problem. „Du spielst Rock’n’Roll, wenn du etwas verarbeiten musst oder ein bestimmtes Gefühl transportieren willst“, legt er während einer Drehpause dar. Wir sitzen in der antiquierten Kegelbahn des Landgasthofs, der heute als Kulisse für den Dreh zum Rocker ›She’s Gone‹ dient. „Wo du das tust, ist völlig egal ob auf der Route 66 in den Staaten oder der A66 hier in Hessen. Es kommt immer nur darauf an, was du fühlst. Wir können nicht nur die Akkorde greifen, wir leben es.“ Deshalb, so der Sänger, nimmt ihnen kaum noch jemand ab, tatsächlich aus Deutschland zu kommen.

In der Tat klingen die Riffs, Rhythmen und der wirklich eindrucksvolle Gesang viel eher nach Amerika mit all seinen einstigen Verheißungen. Auch die Inspiration stammt klar aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten neu gemischt und destilliert von einer Band, die heiß darauf ist, die Worte Rhein und Riff untrennbar miteinander zu verknüpfen. Es ist wohl an der Zeit für eine Wachablösung. „Ich werde nie vergessen, wie ich aus dem Zimmer meines Bruders SHAKE YOUR MONEY MAKER der Black Crowes geklaut habe“, plaudert der Sänger drauflos. „Das war eine ganz neue Welt für mich, die mein Leben vollständig veränderte.“ Mit Schlagzeuger Urban Berz teilt er diese Leidenschaft für bodenständigen Rock amerikanischer Prägung, der Rest der Band führt illustre Einflüsse von Jazz über Punk bis hin zu Metal auf. Kommen wir hier dem durchaus eigenständigen Sound der New Roses auf die Spur? Von Provinzrock findet sich auf dem Debüt nämlich keine Spur. Der Drummer schaltet sich in das Gespräch ein: „Wir sind keine Stadtband, aber auch keine absoluten Landeier. Wir wohnen nicht in der Großstadt, können sie aber schnell erreichen. Das macht es aus. Auf dem Land gab’s außer- dem schon immer mehr Rock’n’Roll.“

In ihrer Herangehensweise unterscheiden sich die Fünf indes keines- wegs von den großen Vorbildern AC/DC, Bruce Springsteen, Aerosmith, Metallica, The Black Crowes und wie sie alle heißen. Auch für The New Roses ist Rock mehr als Musik. „Wir wären traurig, wenn wir nicht auch ein Lebensgefühl vermitteln würden, und laden die Leute ein, das mit uns zu teilen. In Harmonie. Gute Laune und ein warmes Gefühl im Bauch das ist es, was Rock’n’Roll für uns ausmacht.“ Und wenn Timmy schmunzelnd anmerkt, dass sie alle zum richtigen Zeitpunkt das Falsche getan haben und deswegen beim Rock’n’Roll gelandet sind, ist das nicht nur charmant, sondern vor allem überzeugend. Lakonisch fügt er an: „Und jetzt ist es ohnehin zu spät für einen anderen Weg.“