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Archie Bronson Outfit – WILD CRUSH

Archie Bronson OutfitBluesrock mit Hipster-Attitüde.

Lawrence Bell versteht was von Musik, das steht außer Frage. Der Mann hat schließlich das Label Domino Records gegründet und somit die Karrieren der Arctic Monkeys und Franz Ferdinands zu verantworten. Wenn so jemand einem Trio, dessen Show er zufällig in seinem Stamm-Pub mitbekommt, sofort begeistert einen Plattenvertrag aufdrängt, dann sollte wohl was dran sein. Was hat Bell so begeistert? Die Kombination aus zwei Dritteln bewährtem, verzerrt röhrendem und stampfendem Bluesrock und einem Drittel schrulliger Hipster-Artyness des Archie Bronson Outfit war’s. Auch auf ihrem vierten Album klingen die Londoner wie der Moment, an dem an der Ampel links von dir ein Auto hält, aus dem die Black Keys dröhnen und rechts eins, dessen Fahrer die Flaming Lips aufgedreht hat – und wie’s der Zufall so will, haben beide Songs den gleichen Beat und greifen ineinander. Das Ergebnis hat sowohl eine sonderbare Wucht als auch enormes Auf-den-Sack-geh-Potenzial.

Anathema – DISTANT SATELLITES

356101401994780Dank der Hilfe von Steven Wilson ein wahrer Ohrenschmaus!

Es scheint, als ob sich in der Rockmusik ein genereller Wandel vollzieht, Stück für Stück, beinahe unauffällig, aber dennoch mit eindeutigem Kurs: Die Grenzen extremer Musik sind endgültig erreicht, das neue Ziel ist die stilistische Mitte. Während die schwedischen Opeth ihre bitterbösen Death Metal-Attitüden gegen ein 70er-Jahre-Prog-Gewand getauscht haben, vollziehen Anathema aus Liverpool seit gut zehn Jahren eine Metamorphose zum poppigen Artrock. Und wie auch beim neuesten Opeth-Output hat auf DISTANT SATELLITES der Porcupine Tree-Chef Steven Wilson seine Finger im Spiel. Wilson hat Teile des Albums gemischt und dafür gesorgt, dass die Hinwendung zum Leichteren nicht zur Seichtigkeit degeneriert, sondern die prickelnde Spannung, die atmosphärische Dichte und die nicht in Worte zu kleidende Magie immer noch erhalten bleiben. Und so finden die Sänger Vincent und Daniel Cavanagh auch diesmal wieder einen Klangteppich vor, der in Phasen ein wenig an die Pink-Floyd-Ära von THE DIVISION BELL erinnert, Pop mit Prog mischt und mit der wunderbaren Lee Douglas ein weibliches Gegenstück präsentiert. Große Gefühle, große Musik, großes Kino!

Flood Of Red – THROW

51gJ8KJ1v0LMan erzählte sich bereits ganz wundersame Dinge über die britischen Progrocker Flood Of Red. Nicht wenige attestierten der sechsköpfigen Band ein ähnliches Klangtalent, wie man es seinerzeit bei den jungen Pink Floyd vorfinden konnte, und verglichen ihr 2009er Debütalbum LEAVING EVERYTHING BEHIND bereits mit Floyd in deren Prä-MEDDLE-Phase. Auf ihrem zweiten Album THROW, auf das die Öffent-lichkeit immerhin fünf Jahre warten musste, bewahrheitet sich jetzt dieser Mythos. Denn THROW besitzt alles, was den Prog-Rock-Fan beglückt die Augen verdrehen lässt: hymnische Gesänge, atmosphärische Sounds, magische Arrangements und zudem etwas, was man nicht lernen kann: Charisma. Mag sein, dass der Vergleich zu Pink Floyd zu hoch gegriffen war, zumal Flood Of Red phasenweise weitaus heftiger in Gitarre, Schlagzeug und Bass greifen als Gilmour, Waters & Co. Andererseits: Wir haben ja auch nicht mehr 1971 sondern 2014, und da zählen natürlich andere und modernere Ingredienzien. Glücklicherweise ist ihre Musik jedoch nicht ganz so düster wie das derbe Cover-Artwork vermuten lässt – Schmuserock würde man jedenfalls völlig anders illustrieren.

Joe Henry – INVISIBLE HOUR

Henry, JoeDas Ass im Ärmel der US-Roots-Szene auf dem Zenit seines Schaffens.

Joe Henry ist tatsächlich ein Musiker mit vielen Gesichtern: In den 80ern tauchte er als Singer/Songwriter mit einer Antenne für den Zeitgeist auf der Bildfläche auf, ab Mitte der 90er verlegte er sich dann aufs experimentelle Frickeln, bevor er vor einigen Jahren sein Faible für jazzige Ausreißer entdeckte und bisweilen auf seinen eigenen Platten mehr musikalischer Direktor denn Protagonist war. Mit seinem nun erscheinenden 13. Album geht der Amerikaner den Weg konsequent weiter, den er mit REVERIE (2011) und Billy Braggs letztjährigem Roots-Werk TOOTH & NAIL (für das er seine Stammband und sich selbst als Produzent und Co-Autor zur Verfügung stellte) vorgezeichnet hatte. Auf INVISIBLE HOUR setzt der 53-jährige, mehrfach Grammy-prämierte Tausendsassa erneut auf einen wunderbar naturbelassenen, gefühlsechten Akustiksound im Dunstkreis von Folk und Country, wenngleich die Farbtupfer der Band dieses Mal ein wenig dezenter ausfallen und Henry seine eigene Per-formance wieder deutlicher in den Mittelpunkt rückt. Zwar streift er klanglich die frühen Groß-taten von Van Morrison genauso wie das Spätwerk Bob Dylans, in erster Linie aber ist dieser Songzyklus über Liebe und Ehe die Essenz von Joe Henrys eigenem Schaffen der letzten rund 30 Jahre. Eine bessere Singer/Songwriter-Platte wird man nur schwerlich finden – in diesem oder jedem anderen Jahr.

The Great Crusades – THIEVES OF CHICAGO

1000x100022Frischer Wind aus der Windy City.

Große Kreuzzüge haben diese Herren aus Illinois zwar noch keine gemacht, aber ihre 17-jährige Karriere führt sie nun schon zum 20. Mal nach Europa, wo sie zwar keine Ländereien, aber doch viele tausend Herzen erobert haben. Nun sind Brian Krumm und seine Herren beim achten Album angelangt, das sie vermutlich auch nicht aus der Nische des kultisch verehrten Indie-Acts herausholen wird. An der Musik wird’s nicht liegen: The Great Crusades vereinen immer noch genüsslich poltrigen Neo-Blues mit stimmlichen Anklängen an Tom Waits, der Inbrunst von Bruce Springsteen und der Gravitas eines Nick Cave, ohne dabei auf wohldosiertes Augenzwinkern zu verzichten. Man wird sie weiterhin lieben, und die große weite Welt wird das immer noch nicht kratzen. Den Eingeweihten wird das sicher nicht ganz Unrecht sein.

Marty Friedman – INFERNO

Friedman, MartyInstrumentalalbum mit nur drei Gesangsnummern: ziemlich anstrengend!

Fast zehn Jahre lang war der amerikanische Ausnahmegitarrist Marty Friedmann Mitglied der Thrash-metaller Megadeth und musste dort am eigenen Leib erfahren, wie mühselig Teamarbeit sein kann. Insbesondere dann, wenn der Gegenspieler Dave Mustaine heißt und nachweislich zu den unberechenbarsten Zeit-bomben dieser Szene gehört. Ob die Megadeth-Nachwehen so fürchterlich waren, dass Friedmann sich erst jetzt wieder mit einer neuen Solo (!)-Scheibe an die Öffentlichkeit wagt, man weiß es nicht. Fakt ist, dass Friedman auf INFERNO das macht, was er schon vor Megadeth am liebsten getan hat: Er mischt Metal mit Crossover und Jazz, dudelt abgedrehte Skalen, macht krude Akkord-strukturen zum Fundament seiner wieselflinken Solotöne. Als Gäste hat sich der 52-Jährige unter anderem Alexi Laiho (Children Of Bodom) und Jason Becker zu Hilfe geholt, und zusätzlich Danko Jones plus David Davidson (Revocation) den Gesang bei drei Vokalnummern der Scheibe übernehmen lassen. Vergleicht man nun die anstrengenden Instrumentalsongs mit den gelungenen Gesangsnummern, so muss man konstatieren: Ohne Sänger verkümmern Friedmanns unbestrittene Fingerfertigkeiten zum Selbstzweck. Der Mann sollte wieder exklusiv mit hauptamtlichem Frontmann arbeiten.

Echo & The Bunnymen – METEORITES

artworks-000075265141-av0e4d-originalZurück in die 80er. Aber mit Niveau.

Dass ihre glorreichen Jahre die ersten waren, etwa zwischen CROCODILES (1979) und OCEAN RAIN (1984), das wissen Ian McCulloch, die Stimme, und Will Sergeant, der Gitarrist, selbst nur zu gut. Im Spät-Britpop wiedervereinigt, kriegten die einstigen Bahnbrecher in Sachen Post-Wave-Atmosphären nur noch, naja, Spät-Britpop hin, mit zwischenzeitlich ordentlichen (WHAT ARE YOU GOING TO DO WITH YOUR LIFE von 1999 ist hinreißend), jedoch zunehmend nachlassenden Ergebnissen. Vollmundig – aber das war „Mac“ immer – versprechen sie nun, METEORITES sei ihre beste Platte seit Mitte der 80er. Die typische Übertreibung? Nicht mal. Denn Sergeant, der so profane Dinge wie Akkorde nie lernen wollte (McCulloch tat’s in der Bandpause, weswegen die Songs der Post-Reunion-Alben so konventionell waren), darf wieder massiv ins Lenkrad greifen. Ergebnis: Da sind sie wieder, die schrägen Töne, die transzendenten Stimmungen, der mit den Regeln spielende Pop – der OCEAN-RAIN-Sound, in der Tat. Abgeschwächt, klar, kein Neuland, sondern viel mehr eine Annäherung. Ein alter Hund lernt keine neuen Kunststücke, sagt man. Aber schön zu sehen, dass er die alten noch beherrscht.

Luther Dickinson – ROCK ’N ROLL BLUES

Dickinson, LutherRelaxt und unplugged: Dickinsons zweiter Alleingang.

Luther Dickinsons zweites Solowerk abseits der North Mississippi Allstars versprüht heimelig-ungezwungene „Wir spielen auf der Veranda“-Atmosphäre, wenn der inzwischen 41-jährige Spross des legendären Produzenten Jim Dickinson aus Memphis gemeinsam mit seiner herrlich entspannt groovenden Rhythmusgruppe Amy LaVere (Kontrabass) und Shardé Thomas (Schlagzeug) sein Musikerleben Revue passieren lässt. Nach dem unerwartet harschen, von einem Black-Flag-Konzertbesuch inspirierten Opener ›Vandalize‹ streift er lässig Americana (›Blood ’n Guts‹), Country-Blues (›Mojo, Mojo‹, eine Hommage an Mississippi-Blues-Veteran Othar Turner, den Großvater von Drummerin Shardé) und sogar John Fahey’sche Folk-Traditionen (›Stone’s Throw‹). Gewissermaßen ist diese stark autobiografisch gefärbte Platte das Album, auf das der sympathische Südstaatler seit einigen Jahren hingearbeitet hat. Schließlich hatte er sich mit dem ONWARD & UPWARD-Tribute für seinen 2009 verstorbenen Vater, seinem Grammy-nominierten Instrumental-Werk HAMBONE’S MEDITATIONS und dem Unplugged-Best-of-Album CROWEOLOGY der Black Crowes (deren Leadgitarrist er einige Jahre war) zuletzt ausgiebig mit akustischer Musik beschäftigt. Nie tat er das allerdings so vortrefflich wie auf ROCK’N’ROLL BLUES.