Titelstory: Peter Gabriel – Erzengels Meisterwerk

Weltweiter Erfolg

Vier Alben und ebenso viele Tourneen binnen weniger Jahre – Peter Gabriel hat sich als Solokünstler etabliert und den Boden für das bereitet, was sein Meisterwerk und kommerzieller Durchbruch werden wird: das Album SO. Zwischen Aufnahme und Produktion findet der umtriebige Engländer außerdem noch Zeit, den Soundtrack zu Alan Parkers Film BIRDY abzuliefern, der sich sowohl aus neuen als auch instrumentalen Remix-Versionen von Stücken seiner vorangegangenen Arbeiten zusammensetzt.

Kein Zweifel: Der Brite brennt. Und läuft zu ungeahnter Hochform auf. Als glückliche Wahl erweist sich dabei die Kooperation mit Daniel Lanois, der im Studio als Co-Produzent des zukünftigen Welterfolges in Erscheinung tritt.

Lanois, der bereits mit Brian Eno gearbeitet und zuvor für U2 erfolgreich THE UNFORGETTABLE FIRE mit dem richtigen Sound versehen hatte, und der technikaffine und allem Neuen aufgeschlossene Gabriel schmieden, vor der Welt versteckt, eine wilde Legierung, die den Zeitgeist treffen und wie eine Bombe einschlagen wird. Überstrahlt wird SO schließlich von ›Sledgehammer‹, einer ebenso sexuell eindeutig-zweideutigen wie höchst eleganten Soul-Funk-Nummer, die wie nur wenige andere Songs das Lebensgefühl und den Sound der Dekade widerspiegelt. Klare, präzise Bläsereinsätze der Memphis Horns tragen die Nummer gefährlich brodelnd voran, das Intro ist der Komposition ›Chronic Blues‹ von John Coltrane nachempfunden, Anspruch und Kunst paaren sich mit Pop. An der Entstehung beteiligt ist eine Gruppe erlesener Gäste, so zum Beispiel Stewart Copeland von Police, Soul-Sängerin P.P. Arnold, Bill Laswell, Chic-Mastermind Nile Rodgers und auch Laurie Anderson.

Weltweit landet SO weit oben, meist sogar an der Spitze der Charts. Und auch die Songs ›Big Time‹ und das balladeske ›Don’t Give Up‹, das Gabriel im Duett mit Kate Bush einsingt, werden 1986 rund um den Globus zu Hits. Wieder spielt Gabriels visionäres Verständnis von Videokunst eine bedeutende, wegweisende Rolle dabei. Der in Zusammenarbeit mit Regisseur Stephen R. Johnson sowie externen Malern und Bildhauern gestaltete Clip zu ›Sledgehammer‹ etabliert nicht nur gänzlich neue Standards, sondern gewinnt neun MTV Video Music Awards und wird das meistgespielte Video des Music Channels überhaupt. Das Nachfolgevideo ›Big Time‹ setzt mit seinen komplexen Animationen und Spezialeffekten sogar noch einen oben drauf.

Der Erfolg von SO ist überwältigend, Gabriel fortan in aller Munde. Die nun reichlich fließenden Tantiemen investiert der in seiner kreativen Arbeit solcherart Bestätigte umgehend in eine spektakuläre Welttournee sowie seine verschiedenen WOMAD-Projekte. Zudem nutzt der Engländer die Gunst der Stunde, um sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen: In der Nähe der Ortschaft Bath baut sich der Visionär ein Tonstudio, das technisch neue Maßstäbe setzt, und hebt ganz nebenbei auch noch sein eigenes Plattenlabel Real World aus der Taufe. Erste Veröffentlichung ist der Soundtrack zu Martin Scorseses Film „Die letzte Versuchung Christi“. Von vielen Kritikern wird diese Filmmusik als Höhepunkt in Gabriels Schaffen innerhalb der Weltmusik betrachtet. Das Werk bringt dem Briten zudem einen Grammy Award ein.

Es folgen weitere mehr als nur interessante Alben, weitere sehenswerte Tourneen. Wird es irgendwann auch eine Reunion mit seinen alten Genesis-Gefährten geben? (Mehr dazu im Interview.) Was auch die Zukunft bringen wird: Der einstige Charterhouse-Schüler hat einen langen Weg zurückgelegt. Bis heute hat die Faszination für die Musik fremder Kulturen den Zauberer Gabriel nicht verlassen, und auch als Geschäftsmann (2005 kaufte er die britische Firma Solid State Logic, einen Hersteller von Audiomischpulten) ist er erfolgreich. Mit SO jedoch legte der Erzengel sein Meisterwerk ab.

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