Plattensammler: Steve Hackett über seine fünf Lieblingsalben

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Plattensammler: Steve Hackett über seine fünf Lieblingsalben

Steve Hackett InterviewMit Genesis wurde er in den 70er Jahren berühmt, heute zählt er zu den größten Gitarristen seiner Generation. Hier verrät uns Steve Hackett seine fünf Lieblingsplatten.

Focus – MOVING WAVES

focus
Dieses Album vereint die unterschiedlichsten Genres miteinander, das gefällt mir ganz besonders daran. Focus haben es geschafft, Rock mit Jazz und klassischen Arrangements zu kombinieren, ohne Kompromisse einzugehen. Jeder einzelne Musiker versteht sein Handwerk, spielt technisch auf höchstem Niveau. Der Hit aus MOVING WAVES war ›Hocus Pocus‹. Darauf beweisen sie ihren Sinn für Humor. Das Zusammenspiel zwischen E- und Akustik-Gitarre hat uns alle damals sehr inspiriert. Ich habe schon immer Gitarristen bewundert, die beide Gitarrentypen gleichermaßen beherrschen. Thijs van Leer und Jan Akkerman eroberten die Welt von Europa aus, als die Musikszene größtenteils von englischen und amerikanischen Künstlern dominiert wurde.

Art Garfunkel – WATERMARK


Arts Album WATERMARK stand leider immer ungerechtfertigt im Schatten seines viel erfolgreicheren Debüts BREAKAWAY. Für mich ist WATERMARK das weitaus stärkere Werk. Es besitzt eine ungemein große Liebe zum Detail. Die meisten Songs entstanden zusammen mit Jimmy Webb, einem der größten Songwriter seiner Zeit. Zusammen bildeten sie ein ebenso starkes Team wie Art mit Paul Simon. Das Album brilliert mit herzerweichenden Liebesliedern voller Poesie und ist dabei ungemein abwechslungsreich. In einer Sekunde hört man Anleihen der Chieftains mit keltischen Elementen, und in der nächsten erscheint auf einmal ein Streichorchester. Heute ist das Album unglaublich schwer zu bekommen. Aber es lohnt sich, sich auf die Suche nach diesem romantischen Meisterwerk zu begeben.

Joe Bonamassa – THE BALLAD OF JOHN HENRY

joe bonamassa
Jedes Album von Joe Bonamassa ist gut, sein Gitarrenspiel immer großartig. Es ist nicht leicht, den Leuten in Sachen Blues etwas Neues zu bieten. Aber Joe schafft es, in mir das Feuer meiner Kindheit zu wecken, das ich empfand, als ich meinen damaligen Gitarrenhelden lauschte. Faszinierend an ihm ist auch, dass er technisch zwar unglaublich fit und versiert ist, dich aber nicht ständig nur durch Tempo zu beeindrucken versucht. Er hält sich selbst zurück und hat auch keine Angst davor, leise Töne zu spielen. Er ist ein Revolverheld mit Herz! Seine Salven sind stets brilliant, aber seine wahre Stärke ist seine Zurückhaltung, die den Zuhörer immer auf Spannung hält und neugierig macht. Ich weiß, dass Eric Clapton auch ein großer Fan von ihm ist. Bonamassa hat sicherlich eine große Zukunft vor sich.

The Beatles – SGT. PEPPER’S LONELY HEARTS CLUB BAND

beatles
Dieses Album hat viele Musiker maßgebend beeinflusst. Zum einen enthält es die ersten sanften progressiven Anleihen, zum anderen markiert es den Beginn der Weltmusik. Der psychedelische Aspekt wird durch die humorvollen und treffenden Texte abgemildert, von ›Being For The Benefit Of Mr Kite‹ bis ›She’s Leaving Home‹. Ich liebe es, wie in ›Mr Kite‹ recht flacher Humor mit einer Vielzahl atmosphärischer Klänge kombiniert wird. Es erinnert mich stark an einen Filmsoundtrack. Damals gingen sie damit ein Risiko ein, aber die Musikwelt war bereit für eine Veränderung und begrüßte sie sogar. Als ich bei Genesis spielte, sprachen wir andauernd davon, wie sehr wir dieses Album mochten – das hört man beispielsweise auf ›Supper’s Ready‹ .

Crosby, Stills, Nash & Young – DÉJÀ VU

deja vu
Meiner Meinung nach ihr bestes Album. Als Harmonie-Sänger waren sie einmalig. Ich bin ein großer Fan mehrstimmigen Gesangs. Diese Tradition begann mit den Everly Brothers, die den jungen Graham Nash schon als Kind beeinflussten. In DÉJÀ VU findet man sowohl englische als auch amerkanische Einflüsse, was das Album umso stärker macht. Nash brachte seine Erfahrungen mit den Hollies mit, Crosby seine mit den Byrds, die wiederum von den Beatles geprägt waren, hinzu kamen ihre keltischen Wurzeln und eine Prise kalifornischer Sonnenschein. Neil Young steuerte noch ein wenig Country bei, was dem Ganzen noch ein bisschen Würze verlieh. Sie waren einfach eine Horde talentierter Verrückter, die es schafften, lange genug auf der Stelle zu sitzen, um mitunter das Beste zu liefern, was es in den 60ern gab.

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