Titelstory: Peter Gabriel – Erzengels Meisterwerk

Im Jahr 1963 wechselt der Schüler Peter Gabriel auf die renommierte Charterhouse School in Godalming und trifft dort zunächst auf Tony Banks. Während Tony auf dem Schulklavier klimpert, singt Peter dazu. Bald schon komponieren sie erste eigene Stücke. Ein Jahr nach ihnen kommt auch Mike Rutherford nach Charterhouse. Während Gabriel und Banks der Schulband The Garden Wall beitreten, gründet Rutherford mit einem Kumpel namens Anthony Phillips 1965 die Amateurband Anon. Rutherford mischt zu diesem Zeitpunkt noch bei einer anderen Gruppe mit, Climax. Im Sommer 1966 stehen die drei Bands anlässlich eines Schulfestes gemeinsam auf der Bühne und fusionieren zum Teil. Die Keimzelle dessen, was einmal Genesis werden soll, ist damit gelegt.

In den Osterferien des Folgejahres nehmen die Jungmannen einige Phillips/Rutherford-Kompositionen sowie ein Stück aus der Feder von Banks und Gabriel auf. Als Jonathan King, ein ehemaliger Charterhouse-Schüler und inzwischen ein einigermaßen erfolgreicher Musikproduzent, seine alte Lehranstalt besucht, nutzen sie die Chance und übergeben ihm ihr Demoband. King schlägt der Truppe, die zu dieser Zeit als New Anon firmiert, schließlich den Namen Genesis vor.

Am 2. Februar 1968 erscheint bei Decca Records die erste Single, ›The Silent Sun‹, doch noch hat die Gruppe ihren unverwechselbaren Sound nicht gefunden. Schlagwerker Chris Stewart wird auf Kings Wunsch durch einen gewissen John Silver ersetzt und ein Longplayer in Angriff genommen. In nur anderthalb Tagen wird das Debüt FROM GENESIS TO REVELATION aufgenommen. Verkauft werden gerade einmal 600 Exemplare, denn aufgrund seines Titels wird das Album von den Händlern – dumm gelaufen – unter religiöser Musik einsortiert. Noch läuft es nicht rund für die Band. Zudem kommt es zwischen den Musikern und ihrem Manager King, der sie musikalisch zu bevormunden sucht, zu immer größeren Differenzen. Man trennt sich von King, und auch Silver nimmt seinen Hut.

Die Saat geht auf

Nach etlichen Wirren kommt im Oktober 1970 Genesis’ zweites Album TRESPASS auf den Markt. Obwohl nicht wirklich erfolgreich, sind darauf schon alle Ingredienzien enthalten, die den zukünftigen Klang der Gruppe auszeichnen werden. Insbesondere Sänger Peter Gabriel findet seinen persönlichen Stil. Hört man sich TRESPASS heute an, ist man verblüfft, wie wenig es sich im Kern von Gabriels ersten Soloalben unterscheidet. Ein Song wie ›Looking For Someone‹ hätte auch auf CAR vertreten sein können.

Kurz nach den Aufnahmen zu TRESPASS verlässt Gitarrist Anthony Phillips die Gruppe. Und auch der neue Schlagzeuger John Mayhew, der mit dem musikalischen Niveau der Band nicht mithalten kann, muss seinen Koffer packen. Genesis geben im „Melody Maker“ eine Anzeige auf. Schnell findet man für den vakanten Posten an den Drums Ersatz: einen langhaarigen jungen Mann namens Phil Collins. Komplizierter gestaltet sich die Suche nach einem neuen Gitarristen, der, um den Weggang von Phillips kompensieren zu können, auch über Songschreiber-Qualitäten verfügt.

Kurzzeitig übernimmt Mick Bernard den Job, dann stößt Peter Gabriel im Dezember 1970 im „Melody Maker“ auf ein Inserat, das ein gewisser Steve Hackett aufgegeben hat. Der Genesis-Sänger setzt sich mit ihm in Verbindung und rät ihm, sich ›Stagnation‹ von TRESPASS anzuhören. Sollte der Song Hackett gefallen, könne er sich wieder melden. Schließlich wird der Gitarrist zum Vorspielen eingeladen – und überzeugt.

Nach einer gemeinsamen Tour mit Lindisfarne und Van der Graaf Generator – wie Genesis ebenfalls bei Charisma Records unter Vertrag – wird im August 1971 mit den beiden Neuzugängen Collins und Hackett NURSERY CRIME eingespielt. Das Schiff hat endlich volle Segel gesetzt. Zwar werden in dieser als klassisch bezeichneten Besetzung insgesamt nur vier Alben entstehen, doch sind es vier Alben, die wegweisend sind.

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