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Israel Nash: Ein Hauch von Revolution

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Weit war sein Weg nicht. Israel Nash hatte zuvor einen Auftritt auf einem Festival in Dänemark, nun ist er in Berlin. Auf dem Programm steht ein Akustik-Set bei einem Fan-Event im angesagten Bezirk Neukölln. Im Interview geht es um seinen neuen Karriereabschnitt. Nash verlässt die Route, die er mit LIFTED und TOPAZ eingeschlagen hatte. Die kosmische Verbindung ist gekappt. Er besteht nicht mehr auf das, was er „Hippie Spiritual“ nennt. Die Musik ist direkter und leidenschaftlicher. Man muss sich nicht mehr CSN, Van Morrison oder Chris Bell als Orientierungspunkte vorstellen. Nash hat sich den Heartland-Rock ausgeguckt, einen Stil, der heute nicht mehr die ganz große Rolle spielt, anders als 1984, zum Zeitpunkt des Erscheinens von BORN IN THE U.S.A. Das ist Nash egal. Es zog ihn in diese Richtung, er konnte dem Drang nicht widerstehen. Es ist für ihn der Sound seiner Heimat im Bundesstaat Missouri, wo sich auch das Ozark-Hochland befindet.

Reden wir angesichts des Titels OZARKER zunächst über deine momentane Basis. Du bist in den USA ganz schön herumgekommen. Von Missouri ging es nach New York, heute bist du in Texas zu Hause. Ziehst du wieder um?
Nein, ich bin fest in Texas angekommen. Ich habe mir dort eine Ranch gekauft, der
Preis war erträglich. Mein Studio bef indet sich auf der Ranch, meine pensionierten Eltern und die meiner Frau leben auf dem Gelände. Ich werde nach der Tour aber wieder kurz nach Missouri fahren und den Journalisten meine Großmutter und Freunde vorstellen.

Durch sie sollen deine Kollegen eine Sicht auf den Ort und die Menschen erhalten.
Was werden sie dann erfahren?

Sie werden sehen, wie sich alles verändert hat. Es gibt keine Fabriken mehr, die Wirtschaft kommt nicht in die Gänge. Viele Menschen leben in kleinen Städten mit nicht mehr als tausend Einwohnern. Man kümmert sich nicht um sie, sieht sie als Hinterwäldler an. Aber sie haben alle ihre Geschichte zu erzählen. Ich bin quasi ihr Sprachrohr, weil ich mich dort auskenne.

Gib uns Beispiele in den neuen Liedern.
Der Titelsong handelt von meinem Urgroßvater. Er hatte nie viel Geld und war froh, als er im Ozark-Bergland einen Job auf einer Apfelplantage bekam. Das ist eine Geschichte aus meiner Familie, sie bringt mich zu meinen Ursprüngen zurück. Ich finde auch ›Lost In America‹ wichtig. Es geht um Leute, die im Vietnam-Krieg kämpften und danach an den Folgen litten, die bis heute ganze Familien belasten. Sie fühlen sich abgestellt, weil sie in der Provinz leben und keinen Ausweg sehen. Ich möchte ihnen Kraft geben.

Heartland-Rock ist das musikalische Vehikel dafür. Was interessiert dich jetzt daran, abgesehen davon, dass Missouri im Herzen Amerikas liegt?
Es ist gut, dass du danach fragst. Die Saat der Inspiration konzentriert sich nicht nur auf einen Punkt. Eine Spur führt zu Tom Petty, den ich sehr vermisse. Er war der erste Künstler, zu dem ich aufgeschaut habe. Das war in den frühen 90ern, zu Zeiten von INTO THE GREAT WIDE OPEN und WILDFLOWERS. Er ist für mich ein ähnlicher Fixpunkt wie ein Familienmitglied. Er ver- schwindet für mich nicht, begleitet mich ständig. Tom Petty hat mich dazu gebracht, mich in Gänze mit dem Heartland-Rock zu beschäftigen. Mit Bruce Springsteen, Bob Seger und John Mellencamp.

Zum Teil sind diese Künstler noch dick im Geschäft. Das Genre gibt es, von Ausnahmen abgesehen, nicht mehr. Willst du etwas zurückbringen, das verloren gegangen ist?
Es fühlt sich so an, ja. Irgendwie hat sich vieles vereinzelt. Musiker arbeiten in der Nische und fühlen sich da wohl. Eine Zeit lang gab es mal diesen Oberbegriff namens Freak-Folk. Das war sehr trendy. Zeug von Leuten, die exzentrisch in der kleinen Ecke saßen und nicht entdeckt werden wollten. Das ist in Ordnung, aber es fehlt das Gegengewicht. Eine Energie, in den Mainstream zu wollen. Mit Geschichten, die von Menschen in der Mitte der Gesellschaft verstanden werden und trotzdem Anspruch haben. So wie im Heartland-Rock. Es fehlen einfach die Stimmen. Kritiker, die sich auch gegen das Establishment stellen. Heute sind alle gespalten, leben und denken in Lagern. Man erreichtdie Leute schwerer.

Nun kann man bei dir auch nicht sagen, dass du mit deinen letzten Platten voll ins Zentrum gegangen bist. Oft spürte man einen psychedelischen Country-Vibe, der sich speziell anfühlte.
Das hatte seinen Grund. Ich hatte die Nase voll von der Realität und was Trump aus ihr gemacht hat. Ich brauchte eine andere Welt und stand damit nicht allein da. Jetzt leben wir in anderen Zeiten. Es gab die Pandemie, es gibt Krieg und die Inflation. In so einer Situation müssen Künstler einen anderen Weg suchen, neue Verbindungen schaffen. Ich würde OZARKER mit BARN DOORS AND CONCRETE FLOORS aus dem Jahr 2011 vergleichen. Es ist eine Platte mit körperlichem Ansatz. Eine, in der wahre Umstände eine Rolle spielen, kein abstrakter Zustand. Wir mögen heute alle mit einem Mobiltelefon herumlaufen, das Ding ist für viele der beste Kumpel. Aber wir spüren weiter Liebe, Hoffnung, Leidenschaft, Wut, grundlegende Emotionen. Als Künstler sollte man das nicht außen vor lassen.

Wer hat dir bei den Aufnahmen zu OZARKER geholfen? Ein alter Haudegen?
Nein, ein vergleichsweise junger Bursche namens Kevin Ratterman. Er kommt aus Louisville in Kentucky, hat sich in Los Angeles eingerichtet und mit Ray LaMontagne, Joan Shelley, Andrew Bird und My Morning Jacket gearbeitet. Ich hatte von Freunden nur Gutes über ihn gehört. Er ist kein Gitarrist aber Jim James wollte, dass er genau dieses Instrument für ihn spielte. Jim ahnte, dass Kevin einer Sache besonderen Schwung geben kann. Für mich hat er 100.000 Dollar teures Equipment in den Van geladen und ist damit von L. A. nach Texas gefahren. Als alles aufgestellt war, haben wir neun Tage lang am Stück gearbeitet. Das lief wie am Schnürchen. Kevin wusste, wie man den Heartland-Sound aus dem Jahr 1987 in die Gegenwart holt, ohne dass es angestaubt klingt.

Wird es von dir weitere Musik in dieser Richtung geben?
Bei mir kann alles wiederkommen, was ich schon gemacht habe. Zuerst steht aber anderes an.

Was denn?
OZARKER ist die erste von vier Platten, die von mir in kurzem Abstand erscheinen werden. Sie sind konzeptionell und musikalisch durchgeplant. Eine davon heißt MOODS. Es ist ein Album mit viel Pedal-Steel-Sound. Mein Freund Eric Swanson liebt dieses Instrument, wir tragen uns schon lange mit dem Gedanken, eine Pedal-Steel-Platte zu machen. Jetzt ist es soweit. Es ist ein Ambient-Werk mit einem Stück, das 30 Minuten dauert und in alle möglichen Richtungen geht. Ein Einfluss aus Deutschland hat uns dabei geholfen.

Bei einer Pedal-Steel-Platte? Inwiefern?
Wir haben viel von Eberhard Weber gehört. Den kennt man hier doch bestimmt, oder?

Durchaus. Besonders, wenn man den Kontrabass, Jazz und Veröffentlichungen auf dem ECM-Label liebt.
Genau. Er ist ein Musiker, der hilft, wenn man starre Grenzen sprengen will. Für mich ist das alles eine Art Revolution. Ich habe keine Lust mehr auf den üblichen Rhythmus mit einem Abstand von zwei bis drei Jahren zwischen Veröffentlichungen. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Ich kann problemlos ein Album über die Dauer von vier, fünf Monaten schreiben. Dann brauche ich noch mal zwei für die Aufnahmen in
meinem eigenen Studio. Erledigt. Labels haben für so etwas kein Geld mehr, außerdem ist es seit der Pandemie aus finanziellen Gründen schwerer, auf Tour zu gehen. Vielleicht erscheint eine Platte von mir mal nur digital. So kann ich womöglich andere Leute von mir überzeugen, sodass mein Wirkungskreis größer wird.

Spannend. Was steht sonst noch auf dem Plan?
Ich veröffentliche auch eine Platte mit Coverversionen von allen Liedern auf SWEETHEART OF THE RODEO. Einige werden das als albern oder anmaßend empfinden. Im Musikbusiness der alten Schule wird die komplette Übernahme eines anderen Albums als Beleidigung empfunden. Diesen Zweiflern sage ich: Beruhigt euch mal. Ich gebe damit keine große Erklärung ab. Ich bilde mir nicht ein, es besser als die Byrds zu können. Das wäre echt Humbug. Ich liebe diese Platte einfach und zolle ihr Respekt.

Interessanterweise wirst du zu Hause im eigenen Land als Musiker gar nicht so wahrgenommen. In Europa ist das anders. Deine ersten Alben erschienen auf einem Label in den Niederlanden, du warst gerade in Dänemark auf dem Tønder-Festival, in Deutschland gab es Plätze in den Charts. Hast du das Gefühl, dass man dich zu Hause übersieht?
Ja, dieses Gefühl habe ich leider. Ich finde, dass ich in den Staaten einer der besten Songschreiber bin. Diese Meinung traue ich mir zu. Die Reaktion in Europa hilft mir sehr. So habe ich Rückenwind und das Selbstbewusstsein, Sachen mit großer Leidenschaft zu machen. Ihr seid hier alle sehr gut zu mir. Ich weiß das zu schätzen

CLASSIC ROCK Adventskalender: Türchen 13

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Heute verbergen sich zwei Doppelalben in unserem Adventskalender. Wir verlosen zweimal TROUBLE IS… 25 der Kenny Wayne Shepherd Band. Die Neuaufnahmen seines Albums von 1997 sind CD enthalten, oben drauf kommt eine DVD . „Eines der coolsten Dinge bei der Neuaufnahme von Trouble Is… war, herauszufinden, wie zeitlos dieses Album wirklich ist“, sagt Shepherd. Na also, finden wir es heraus!

Jetzt teilnehmen und gewinnen:

[contact-form-7 id=“d925400″ title=“13 Advent Shepherd 2023″]

(Teilnahmeschluss ist der 12.01.2024)

Zu Weihnachten ein CLASSIC ROCK-Abo schenken…

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Fehlen noch ein paar Geschenkideen für Weihnachten? Wie wäre es denn mit einem Abonnement von CLASSIC ROCK für die Liebsten?

Jedes Jahr dasselbe! Weihnachten kommt schneller als erwartet und kurz vor Heiligabend steht man wieder da und weiß nicht, was man schenken soll.

Wie wäre es da denn dieses Mal mit einem Jahres-Abo von CLASSIC ROCK für die oder den rockinteressierte/n Liebste/n?

Eine schöne Geschenkidee und obendrauf gibt es zu jedem abgeschlossenen Abonnement eine tolle Prämie! 

Hier können die Abonnements abgeschlossen werden. 


Duff McKagan: Ein paar Akkorde und die Wahrheit

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Es ist heiß als man sich den Weg an einigen Guns N‘ Roses-Fans vorbei in das luxuriöse Steigenberger Hotel in Frankfurt am Main bahnt und an eine der Türen der Hotelsuiten klopft, um mit Duff McKagan zu sprechen. Selbiger öffnet freundlich lächelnd und mit nassem Haar, in schwarzer Hose und zerschnittenem ELECTRIC RODEO-Shirt (seines Kumpels Shooter Jennings) und bietet einem zusätzlich zu dem Platz auf dem Sofa ein paar Snacks an. Der Grund für das Zusammentreffen mit McKagan an diesem Nachmittag heißt LIGHTHOUSE und markiert das dritte Soloalbum jenes Mannes, der als Bassist der gefährlichsten Band der Welt berühmt wurde. Doch die gefährlichen, die bedrohlichen und unzähmbaren Tage, liegen schon lange hinter ihm.

Heute ist Duff McKagan 59 Jahre alt, seit Jahrzehnten glücklich mit seiner Frau Susan verheiratet, stolzer Vater zweier Töchter und Singer/Songwriter von echtem Format. Auch ohne das Lob, das niemand Geringeres als Bob Dylan seinem Song ›Chip Away‹ vom letzten Album TENDERNESS (2019) zusprach, wird schnell deutlich, dass McKagans musikalische Fähigkeiten etwas ganz Besonderes sind. Mit LIGHTHOUSE, entstanden in seinem Studio in seinem Geburtsort Seattle, untermauert er seinen Status als Ausnahmekünstler erneut und gießt sein Innerstes in zehn Songs, die Geschichten entfalten, sozialkritische Echos lostreten, das Leben in all seinen Facetten reflektieren und mit ihrem unnachahmlichen, in seiner Simplizität an Tom Petty erinnernden, Erzählstil mitten ins Herz treffen. Im Interview erklärt McKagan, wie er an seinen Songs feilt, warum Punk nicht immer laut sein muss, welch wichtige Rolle seine Frau in seinem Leben spielt und warum er es manchmal immer noch nicht fassen kann, dass Iggy Pop höchstpersönlich das Outro von LIGHTHOUSE spricht:

Deine letzte Platte TENDERNESS wurde mit Lob überschüttet. Hat das dein Mindset beeinflusst, als du mit den Arbeiten für LIGHTHOUSE angefangen hast?

Die Songs, die Melodien und die Akkorde für TENDERNESS flogen mir irgendwie zu und auch die Kooperation mit Shooter Jennings und seiner Band fühlte sich komplett natürlich an. Nach dieser Erfahrung machte ich einfach weiter mit dem Songwriting. Ich habe meine Akustikgitarre immer bei mir, ich schreibe ständig neue Lieder. Außerdem fand ich in Seattle ein altes Gebäude, das wir in ein tolles Studio verwandelten. Der Vibe dort ist großartig. In meiner ersten Woche dort nahm ich zwei Songs auf, danach musste ich los. Doch unsere Tour mit Guns N‘ Roses wurde von der Pandemie unterbrochen, also flog ich mit meiner Familie zurück. Gegen Ende der Beschränkungen hatte ich 60 Lieder aufgenommen. Ich hatte also kein Problem mit dem Druck, den mein letztes Album vielleicht auslösen hätte können, sondern eher damit, ein erstes Album aus diesen 60 Songs zusammenzustellen. Immerhin wusste ich gleich, dass die Tracks ›Lighthouse‹ und ›I Just Don’t Know‹ den Anfang und das Ende markieren würden. Und dann ging es mir um die Themen, darum, wie man eine Geschichte zusammenflechtet. Iggy Pop bot an, ›Lighthouse‹ zu lesen und weißt du – das ist ziemlich gute Lyrik. (lacht) Aber um mal auf deine eigentliche Frage zu antworten: Ich verspürte überhaupt keinen Druck, ich mache diese Art von Musik jetzt schon seit 2007, als ich ›Wasted Heart‹ geschrieben habe. TENDERNESS war durch und durch schön, einfach positiv, vom Entstehungsprozess bis zu den Gigs. Und obwohl ich in dieser Positivität lebe, finde ich trotzdem Zugang zur Dunkelheit, weißt du? Es gibt keinen Winkel in der Dunkelheit, den ich nicht schon erforscht hätte. Deswegen ist es für mich besonders wichtig, in einer gewissen Leichtigkeit zu sein, mit Leichtigkeit zu leben. Mit meiner Frau, meinen Kindern, meiner Band – alles ist gut. Trotzdem bekomme ich natürlich mit, was abgeht. Während Covid passierten verrückte Dinge in der Gesellschaft und in der Politik, das blieb mir während meiner Zeit im Studio natürlich nicht verborgen. Das wird man wahrscheinlich auf den nächsten Alben merken, ich wollte nicht als erstes mit dem schweren Zeug um die Ecke kommen.

Neben sozialkritischen Songs wie I Saw God On 10th St‹, klingt das Album wirklich recht hoffnungsvoll. Angesichts der ganzen Tragödien auf diesem Planeten: Woraus ziehst du die Kraft, positiv zu bleiben?

Ich lese sehr viel Geschichtliches, das ist mein Ding! Ich habe viele Freunde, die Historiker sind, ich bin ein echter Nerd! (lacht) Wenn du dich mit der Geschichte der Welt beschäftigst, siehst du, dass vieles von dem, was aktuell geschieht, schon viele Male vorher passiert ist.

Ein ewiger Kreislauf des Scheiterns…

Ja! Wird das Ganze davon besser? Nicht wirklich. Aber man merkt, dass große Teile der Menschheit sehr uninformiert sind. Solange es meiner Frau und meinen Mädchen gut geht, solange wir verstehen, dass das, was gerade geschieht, temporär ist, solange passt alles. Ich schaue keine Nachrichten. Zuhause vielleicht die „Morning News“, aber in Amerika bestehen die in der Regel aus dem Wetterbericht. Ich weiß natürlich trotzdem, was los ist auf der Welt, ich bin informiert.

Du hast jetzt schon mehrmals von deiner Frau gesprochen. Der Opener und Titeltrack von LIGHTHOUSE ist ihr gewidmet. Eine ziemlich romantische Geste, vor allem, wenn man bedenkt, dass ihr schon solange zusammen seid. Was ist euer Geheimnis?

Wir haben uns bei einem „Blind Date“ kennengelernt und ich hatte sofort das Gefühl, als wäre sie mir sehr vertraut. Ich habe viel Scheiße durchgemacht. Sie war ein Model, sie hat auch viel Scheiße durchgemacht. Wenn sie dabei war, kehrte ich automatisch meine beste Seite nach außen. Was nicht heißen soll, dass ich sonst ein Arschloch war. Selbst, als ich noch trank, war ich kein Vollidiot. Aber sie brachte das Beste in mir hervor. Seit diesem ersten Date verbrachten wir zwar viele Momente ohne einander, aber wir waren immer zusammen. Es gibt da kein wirkliches Geheimnis. Wir wurden junge Eltern, hatten unsere Babys – zu diesem Zeitpunkt kriselt es bei vielen, weil sie immer noch ihre Beziehung zueinander entziffern und ein kleines Kind versorgen müssen. Aber wir liebten es, diese Kleinen zu haben und seitdem gibt es zwischen uns keine großen Probleme, weißt du? Wir lieben einander, ich respektiere und schätze meine Frau enorm. Sie denkt an mich, sie packt mir kleine Aufmerksamkeiten in meine Reisetasche, wir passen aufeinander auf. Ich bin sehr dankbar. Wir sind seit 1996 zusammen. Ich liebe sie.

Und das in einem Song zum Ausdruck zu bringen, ist das romantische Ass im Ärmel eines Musikers.

(lacht) Das stimmt. Ich könnte den ganzen Tag solche Lieder schreiben, glaub mir. Für mich ist es so einfach, über dieses Thema zu schreiben. Fast schon zu einfach. Uns ist schon aufgefallen, dass es selten vorkommt, dass zwei Menschen so lange verheiratet sind wie wir beide. Dabei wird unsere Ehe von Jahr zu Jahr noch stärker.

In der Rockstar-Abteilung wahrscheinlich noch seltener…

Ich glaube schon, ja. Aber ich schwöre dir, aus dem Abteil sind wir schon lange raus. Wir hängen mit anderen Familien ab, mit den Eltern ehemaliger Klassenkameraden unserer Töchter. Und schau dir Alice Cooper an!

Ich habe erst kürzlich mit ihm gesprochen. Er und seine Frau sind auch schon ewig zusammen!

Sheryl und Alice sind super. Wusstest du, dass wir Nachbarn sind? Wir wohnen nebeneinander in Hawaii. Ein tolles Paar, die beiden!

Wie fühlt es sich eigentlich an, von Bob Dylan gelobt zu werden?

(lacht) Das ist schon was, oder? Ich weiß noch, dass es an einem Dienstagabend war. Plötzlich bekam ich ständig Nachrichten von Freunden auf der ganzen Welt. Sogar Axl meldete sich bei mir und meinte: ‚Dude, hast du das gesehen?‘ Für die Musik, die ich schreibe, ist das wohl die größte Ehre, die einem zuteil werden kann. Ich kenne ihn nicht persönlich, der Mann ist schließlich Bob Dylan. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Schau, dieses Tattoo habe ich mir eben erst stechen lassen, eine Zeile von meinem Lieblingsautor Cormac McCarthy. Dieser Typ hat mein Schreiben echt beeinflusst, ich kopiere ihn nicht, aber ich denke, man merkt es. Du schreibst ja selbst, du weißt wie es ist: So etwas macht dich besser. Cormac McCarthy und Mark Lanegan hatten beide großen Einfluss auf mich, deswegen widme ich den beiden diese Platte. Ich arbeite hart an den Texten, Lyrics sind mir sehr wichtig… Ich weiß gerade irgendwie nicht, wie ich auf die Bob-Dylan-Frage antworten soll.

Man spürt, dass dir Texte wichtig sind – die Botschaften, die Wortwahl. Ich finde, du hast einen sehr schönen, Petty-esken Erzählstil. Tom-Petty-Texte scheinen auf den ersten Blick einfach, doch sagen sie einfach alles. Und treffen direkt ins Herz..

Das hast du wundervoll gesagt. Susan und ich haben uns erst eine dreistündige Doku über Tom Petty angesehen und bis dahin wusste ich nicht, wie hart er wirklich an den Texten arbeitete, weil es bei ihm oft so klingt, als wäre ihm das gerade eingefallen. Ich selbst nehme mir auch viel Zeit für die Lyrics. Manchmal geht es dabei nur um ein einziges Wort, von dem ich denke: genau das ist es! Wie drücke ich aus, dass unser Schöpfer auf die Menschheit blickt und sagt: ‚Ihr seid am Arsch!‘? So kam ›I Saw God On 10th St‹ zustande…

Man hat sofort ein Bild im Kopf!

Genau, der Typ steht da ein bisschen die Straße hoch. Er lehnt an der Wand, schaut sich um und stellt fest:

We’re rotten to the core“!

Ganz genau. Manchmal schwirren mir ein paar Wörter und Reime durch das Hirn und ich bekomme es einfach nicht zusammen. Dann gehe ich mit meinem Hund spazieren und plötzlich habe ich des Rätsels Lösung, doch der Hund will weitergehen. Also hebe ich ihn hoch und wir machen uns schleunigst ins Studio auf, damit ich es nicht vergesse. So läuft das manchmal. (lacht)

Schon seltsam, dass diese Schönheit des Einfachen so viel Arbeit in Anspruch nehmen kann.

Absolut. Wobei man auch sagen muss, dass es immer besser wird, je öfter man es tut. Du kennst das ja bestimmt auch: Je mehr du schreibst, desto einfacher wird es. Du kommst in einen Flow. Genau das ist mir während Covid passiert und hat seitdem nicht mehr aufgehört. Deswegen habe ich ja meine Gitarre und mein Aufnahmeprogramm ständig bei mir.

Wann hat sich der Punk in dir um den nachdenklichen Songwriter erweitert? Oder trugst du beide schon immer in dir?

Ich hatte großes Glück, im Jahr 1977 13 Jahre alt zu sein. Ich hatte eine große Familie, wir hörten immer Musik und Punk Rock war ganz einfach die Wahrheit. Da gab es keine Songs über Drachen und Trolle, es ging um die Wahrheit. Meine Frau und ich haben eine Radiosendung namens „Three Chords And The Truth“. Die Musik, die ich schreibe, funktioniert genauso. Ich spiele ein paar Akkorde und versuche, die Wahrheit zu sagen. Das ist der Punk-Ethos. Dass ich jetzt nicht mehr die Scheiße aus allen Akkorden rausprügle, ist okay, das hab ich oft genug getan und tue es ja immer noch auf der Bühne, wie du gestern gesehen hast. Aber als Solokünstler muss ich keine laute Rockplatte mehr machen.

Vor kurzem hast du eine EP mit dem Titel THIS IS THE SONG veröffentlicht, auf der du dich mit dem Thema „mentale Gesundheit“ auseinandersetzt. Wie sehr hilft dir die Musik mit deinem eigenen Mindset?

Ich habe manchmal Panikattacken. Die kommen aus dem Nichts und verschwinden genauso plötzlich wieder. Heutzutage passiert das nicht mehr oft, aber vor einiger Zeit hatte ich mal wieder eine. Susan war nicht da, ich wusste nicht, was ich tun soll, also ging ich zu meiner Gitarre und spielte einfach drauf los. Plötzlich entstand ein Song und trug mich aus dieser Panikattacke hinaus – ›This Is The Song‹. Als ich den Track dann aufnahm, war ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich ihn veröffentlichen will. Das war so persönlich, fast schon ein bisschen seltsam. Aber ich mochte ihn gerne und ich denke, es ist notwendig, über mentale Gesundheit zu sprechen. Gerade in Amerika, da laufen Leute mit Knarren rum! Wir müssen darüber sprechen, weil es offensichtlich ist, dass es viele betrifft. Wenn diese Nummer auch nur einer Person helfen kann, dann war sie zu etwas gut.

Ich finde es toll, dass du damit rausgegangen bist. Und ich kann verstehen, wie heilend Musik manchmal wirken kann. Wenn es mir schlecht geht und ich ein paar Akkorde auf meiner SG spiele, wird es gleich besser…

Ja, das hat einfach etwas an sich. Nicht nur die Kraft der Musik, auch, dass man in dem Moment etwas aktiv gestaltet, dass man etwas tut, das einen irgendwie ablenkt. Eine magische Mixtur, die das Serotonin anhebt.

Du bist einer der größten Rockstars des Planeten. Gibt es trotzdem noch Momente, wo du dir denkst: ‚Verdammt, ich bin mit motherfucking Iggy Pop befreundet‘?

(lacht) Ständig! Das fuckt mich echt ein bisschen ab! Ich durfte eine Platte mit Iggy Pop machen, Shows mit ihm spielen, er steuert den Spoken Word Track auf LIGHTHOUSE bei. Was zur Hölle, oder? (lacht) Alle meine Freunde zuhause in Seattle, meine Punk-Kumpels von früher, drehen auch immer wieder durch deswegen. (lacht) Vor kurzem spielten wir auf dem Glastonbury. Wir fangen mit ›Live And Let Die‹ an, ich schaue hoch, Richtung Balkon, und da steht doch wirklich Paul McCartney und zeigt auf mich.

Verdammt, Paul McCartney ist so cool!

Er ist so unglaublich cool! Und als er auf mich zeigte, dachte ich mir nur: ‚Bitte, versau das jetzt bloß nicht!‘ (lacht) Solche Dinge passieren manchmal in meinem Leben, ich habe schon viele Helden treffen dürfen. Was mir auffällt, wenn man die ganz Großen trifft – Jimmy Page, Brian May, Jeff Beck – sind das alles unfassbar nette Leute. Ich nehme also an, dass man es vielleicht nicht allzu lange in diesem Business macht, wenn man ein Vollidiot ist. (lacht)

Du hast 60 fertig aufgenommene Songs…

Ja. Und seit ich mit Guns N‘ Roses auf Tour bin, sind schon wieder 15 Ideen dazugekommen. Ich denke, bevor ich überhaupt mit LIGHTHOUSE auf Tour gehe, werde ich noch eine weitere Soloplatte veröffentlichen. Es gibt so viel Material und mein Management ist auch der Meinung, dass wir es herausbringen müssen. Worauf sollen wir auch warten? Darauf, dass ich 70 bin?

CLASSIC ROCK Adventskalender: Türchen 12

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Heute haben wir wieder eine tolle Kombi in unserem CLASSIC ROCK Adventskalender, die alle Fans von Glam und Sleaze Rock beglücken dürfte. Wir verlosen zweimal ein Skid-Row-Shirt der letzten „Gang’s All Here“-Tournee plus ein Gitarrenpick von Def Leppard. (Zur Verfügung gestellt von Promotör)

Jetzt teilnehmen und gewinnen:

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(Teilnahmeschluss ist der 12.01.2024)

CLASSIC ROCK Adventskalender: Türchen 11

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Heute im CLASSIC ROCK Adventskalender zu gewinnen: SIN von Vandenberg. Das jüngste Album der Niederländer verlosen wir gleich zweimal auf CD.

Jetzt mitmachen und gewinnen:

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(Teilnahmeschluss ist der 15.01.2024)

Video der Woche: Otis Redding feat. Eric Burdon & Chris Farlowe mit ›Shake‹

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Heute im Jahr 1967 kam Otis Redding bei einem tragischen Flugzeugunglück ums Leben. Im Gedenken an den „King Of Soul“ blicken wir deswegen heute in das Jahr 1966 zurück, als Redding zusammen mit seinen Musikerkollegen Eric Burdon und Chris Farlowe sowie einer energiegeladenen, tanzenden Meute im Fernsehen eine mehr als schwungvolle Performance des Songs ›Shake‹ aufs Parkett legte.

CLASSIC ROCK Adventskalender: Türchen 10

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Auf der kommenden „Let’s rock“-Tour von „Rock Meets Classic“ stehen Stars wie Tarja Turunen, John Helliwell & Jesse Siebenberg von Supertramp, Midge Ure, Robert Hart von Mannfred Mann’s Earthband, Paul Shortino von Quiet Riot und Russ Ballard auf der Bühne. (Mehr Infos unter www.rockmeetsclassic.de)

Termine:

10.04. Ludwigsburg, MHP Arena

11.04. Kempten, bigBOx

12.04. Passau, Dreiländerhalle

13.04. Regensburg, Donau-Arena

14.04. München, Olympiahalle

16.04. Oberhausen, Rudolf Weber-Arena

18.04. Ingolstadt, Saturn Arena

19.04. Frankfurt, myticket Jahrhunderthalle

20.04. Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherung

21.04. Würzburg, tectake Arena

Jetzt mitmachen und gewinnen:

[contact-form-7 id=“ce25d2a“ title=“10 Advent 2023 Rock Meets Classic“]

(Teilnahmeschluss ist der 15.01.2024)