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Start Blog Seite 660

Little Caesar – EIGHT

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Little Caesar Eight

Drive und Emotionen – die 90er-Hardrocker aus L.A. können es noch immer.

Es war der Soul in der Stimme von Frontmann Ron Young, der Little Caesar in den 90ern von all den anderen, vom Sleaze-Sound beeinflussten Hardrockern absetzte. Young schaffte es mit seinem nicht nur von Robert Plant, Paul Rodgers, Bon Scott & Co., sondern mindestens ebenso sehr von seiner Bewunderung für Sam Cooke, Otis Redding und Wilson Pickett gespeisten Gesang mehr Emotionen zu vermitteln als die Konkurrenz. Dass es für ihn und seine Band dennoch nie zum großen Durchbruch reichte, ist bis heute eine mittlere Tragödie. Denn der Mann hat es noch immer drauf. Und zwar richtig, wie er mit diesen durchgehend guten bis großartigen neuen Nummern beweist. Vom Party-Rocker ›Mama Tried‹ über die atmosphärische Power­ballade ›Time Enough For That‹ bis zur Southern-Hymne ›Morning‹ sorgt Young beim Hörer für wohlige Gänsehaut. Wer seinen Rock locker, aber druckvoll groovend, irgendwo in der Schnittmenge aus AC/DC, Bad Company und Lynyrd Skynyrd mag und noch dazu ein wenig Biker-Attitüde verknusen kann, ist hier goldrichtig.

7/10

Little Caesar
EIGHT
GOLDEN ROBOT/SOULFOOD

Philipp Fankhauser – I’LL BE AROUND

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Der Schweizer Blues­sänger und Musiker Fankhauser kommt mit seinem 13. Soloalbum –und einer echten Über­raschung. Es ist nämlich ein großer Wurf für alle Bluesfans geworden, die auch Affinität zu Soul und Blechgebläse haben. Aus der großartig relaxten Scheibe, die noch dazu kristallklar produziert ist, tropft notenweise Erfahrung, Gelassenheit und Können heraus. Die meisten Tracks wurden live eingespielt, oft nahm man einen der ersten Takes. Wir kriegen tollen Slow-Blues und R&B, als Bläsersektion konnte Fankhauser niemand Geringeren als die Truppe um Tom „Bones“ Malone gewinnen, den Trom­peter aus dem Film „Blues Brothers“, dazu gesellen sich noch drei Sängerinnen aus Alabama. Doch das alles wäre nichts ohne die Stimme des 53-jährigen Schweizers. Eine Mischung aus Joe Cocker (ohne Trunksucht) und Chris Rea (ohne Plüsch). Kein Song wurde künstlich in die Länge gezogen, jedes Solo bekommt den Platz den es braucht und die reiche stilistische Bandbreite macht wirklich Spaß. Ein Blindkauf für den Freund audiophiler Freuden aus der Blues-Ecke.

keine Wertung

Philipp Fankhauser
I’LL BE AROUND
MEMBRAN

Stone Temple Pilots – STONE TEMPLE PILOTS

Stone Temple Pilots

Ein Neuanfang.

Da muss man auch erst einmal drauf kommen – zwei Studioplatten hintereinander denselben Titel zu geben, in diesem Falle STONE TEMPLE PILOTS. Schon das 2010er- Werk, das letzte mit Original-Sänger Scott Weiland (verstarb im Dezember 2015), heißt wie die neue, die erste mit dem neuen Mann am Mikro, Jeff Gutt. Sein Name geistert schon seit einem guten Jahr in den einschlägigen Gazetten herum, bevor er im November 2017 offiziell als Nachfolger von Chester Bennington (nahm sich im vergangenen Juli das Leben) bekanntgegeben wurde. Es muss also ein Neuanfang her, der große Cut bleibt jedoch aus. Schlecht ist das verflixte siebte Album nicht. Nur ist es leider nicht sonderlich aufregend und innovativ, sondern eher ein wenig berechnend und bieder. Experimente? Fehlanzeige. Die Zeit von Über-Songs wie ›Interstate Love Song‹ oder ›Trippin’ On A Hole In A Paper Heart‹ ist in weite Ferne gerückt. Lediglich ›Good Shoes‹ (Neo-Psychedelic) und ›Reds & Blues‹ (akustische Lounge Musik) verweisen auf den Nervenkitzel der 90er. Das flotte ›Middle Of Nowhere‹ kommt gut aus dem Startblock, die erste Single ›Meadow‹ erinnert am ehesten an die Frühphase des Quartetts. Gutts Gesang ist nahe genug dran an dem Weilands, aber selbstständig genug, um nicht als Plagiat zu gelten. Im Midtempo/Balladen-Bereich scheint sich die Truppe derzeit am wohlsten zu finden, hier gelingen einige der besten Songs (›Thought She’d Be Mine‹, ›The Art Of Letting Go‹, ›Just A Little Lie‹). Ein paar Songs misslingen aber auch total (›Finest Hour‹ ist Malen nach Zahlen, ›Never Enough‹ verfügt über ein ödes Blues-Schema), das ruppige und eigentlich gute ›Roll Me Under‹ ist ein dreister Audioslave-Klau mit exakt identischer Gesangslinie (›Show Me How To Live‹). Solide, aber an alte Erfolge wird man damit nicht anknüpfen können.

6/10

Stone Temple Pilots
STONE TEMPLE PILOTS
RHINO/WARNER

Aktuelle Ausgabe: Das erwartet euch im neuen CLASSIC ROCK MAGAZIN

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Classic Rock 69

Die wahren 100 besten Alben der 90er

Wie ungerecht: Während die Rockmusik anderer Jahrzehnte – gewiss nicht immer zu Recht – maßlos glorifiziert wird, haben jene Klänge, die zwischen Mauerfall und Millenniums-Panik entstanden sind, mitunter ein Imageproblem. Warum eigentlich?

Fakt ist: Der „Wind Of Change“ prägte nicht nur die politische Großwetterlage, sondern erfasste auch die Rockwelt. Schichtwechsel war angesagt! Los Angeles war plötzlich out, Seattle in, und im Verregneten Königreich wurde das „Cool Britannia“ ausgerufen.

Großartige Rockmusik wurde aber auch weiterhin veröffentlicht. Den Beweis liefern unsere 100 besten Alben der 90er-Jahre – vom Megaseller bis zur Randgruppenbeschallung ist so ziemlich alles dabei.

Das neue Heft ist ab dem 22. März im Handel erhältlich. Hier könnt ihr euch schon jetzt die neue Ausgabe online und versandkostenfrei bestellen …

Joan Baez: Der letzte Friedensmarsch

Mensch, Pazifistin, Folk-Sängerin. So lautete vor langer Zeit eine Eigendefinition der großen Joan Baez. Und im Grunde trifft sie bis heute zu. Auch wenn sie nicht mehr auf jedem Marsch und bei jeder Demo anzutreffen ist, tritt sie immer noch für die Rechte derjenigen ein, die keine Stimme haben.

Auf ihren vielleicht letzten Album WHISTLE DOWN THE WIND, dem ersten seit zehn Jahren, schlägt das 77-jährige Mitglied der Rock And Roll Hall Of Fame dezidiert ru­­hi­ge Blues- und Country-Töne an, interpretiert Stücke von Tom Waits, Mary Chapin Carpenter oder Zoe Mulford mit ihrer hörbar tieferen Stimme nachdenklich und melancholisch.

Die Kritik und das Revoluzzertum, sie schwingen mittlerweile eben eher im Subtext mit. Und das sei ihr nach 60 Jahren an vorderster Front mehr als gegönnt. Wir trafen die große Sängerin zum Interview.

Blackberry Smoke 2018

Blackberry Smoke: Vom Umgang mit Licht und Leid

Anfangs lief es bei der Southern-Rock-Band entspannt ab. Nach Gründung im Jahr 2000 veröffentlichten Blackberry Smoke in den Nullerjahren gerade mal zwei Alben. Mittlerweile sind die Jungs aus Atlanta aktiver: Pro Jahr bringen sie es auf 200 Shows, FIND A LIGHT ist ihr drittes Album in vier Jahren. Sänger Charlie Starr und Schlagzeuger Brit Turner berichten, worauf es ihnen jetzt ankommt.

L.A. Guns live

L.A. Guns: Kugelsichere Reunion

Nach vier Alben und acht Jahren mit L.A. Guns ging Phil Lewis 1995 die Munition aus und er schloss sich Nikki Sixx an. 14 Jahre später hat er sich wieder mit seinem alten Weggefährten Tracii Guns zusammengetan. Friede auf Erden!

Außerdem im Heft: Ramones, Prince, The Dead Daisies, Rick Parfitt, Teil 2 der Serie: Frauen in der Rockmusik, Monster Magnet, Mick Ronson u.v.m.

Wie immer inklusive CD im Heft, u.a. mit Songs von Blackberry Smoke, The Dead Daisies, Broken Witt Rebels, Black River Delta, Laurence Jones u.v.m.

Das neue Heft ist ab dem 22. März im Handel erhältlich. Hier könnt ihr euch schon jetzt die neue Ausgabe online und versandkostenfrei bestellen …

The Florida Project

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The Florida Project

Die Tatsache, dass die sechsjährige Monnee (Brooklynn Prince) und ihre Mutter Halley (Bria Vinaite) nur einen Steinwurf entfernt von der verheißungsvoll glitzernden Disney World leben, ist das erste wenig subtile Bild, mit dem Re­­gisseur Sean Baker den Ton seines einfühlsamen wie bittersüßen Dramas setzt. Die Fallhöhe zwischen dem kunterbunten Kindertraum des ausladenden Vergnügungsparks samt seinen Versprechungen nie getrübter Freude und beruhigend steriler Künst­lichkeit sowie dem Alltag der am Existenzminimum kratzenden Rumpffamilie könnte größer nicht sein. Als kaum einzulösendes Versprechen und sirenengleiche Verlockung lungert Disney World in „The Florida Project“ im Hintergrund, während Baker in die Welt seiner kleinen Heldin eintaucht, die aller Armut zum Trotz eine glückliche Kindheit zu haben scheint. Nicht zuletzt, da es ihr gelingt, die ernüchternde Wirklichkeit außen vor zu lassen und sich ihr eigenes Zauberreich zu erschaffen. Denn während sich ihre alleinerziehende Mutter von einem Sozialamtsscheck zum nächsten hangelt und reichlich wenig Aussicht auf Besserung hat, streunt Monnee mit ihren Freunden durch ihr Zuhause, das Motel „Magic Castle“ des fürsorglichen Managers Bobby (großartig: Willem Dafoe). Zärtlich und empathisch ist der Blick, den Baker hier wagt und der mit Fokus auf die Kindheitserfahrung an der gesellschaftlichen Peri­pherie als eine Art Anti-Spielberg funktioniert. Zwischen dokumentarisch anmutenden Bildern und fröhlichem Humor, magischer Kinderfantasie und harter Realität schlägt Bakers wundervolles Drama als subversives Filmerlebnis in Bann, das vor allem auf der Kinoleinwand seinen vollen Zauber entfalten kann. Wieso genau „The Florida Project“ bei den diesjährigen Oscar-Nominierungen missachtet wurde bleibt vor diesem Hintergrund ein echtes Mysterium.

8/10

The Florida Project
Prokino/Start: 15.03.

Jimi Hendrix: Buddy Guy covert Klassiker ›Red House‹ bei TV-Auftritt

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Buddy Guy Jimi HendrixIn der jüngsten Ausgabe der US-Show „Jimmy Kimmel Live“ nahmen sich Buddy Guy und Billy Cox Jimi Hendrix`›Red House‹ vor.

Dabei teilten sich die beiden quasi die Rolle von Jimi Hendrix. Guy übernahm die Sologitarre, Cox, ehemals Mitglied von Hendrix‘ Band of Gypsys, den Gesang. ›Red House‹ stammt im Original vom ersten Album der Jimi Hendrix Experience, ARE YOU EXPERINCED? von 1967.

Mit ihrem Auftritt bewarben Blues-Ikone Guy und Kollegen das vergangene Woche veröffentlichte BOTH SIDES OF THE SKY, eine Sammlung mit großteils unveröffentlichten Hendrix-Aufnahmen aus den Jahren 1968 bis 1970. Mehr dazu gibt’s übrigens in der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK.

Buddy Guy mit ›Red House‹:

CLASSIC ROCK präsentiert: Mike Tramp & Band of Brothers live!

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Ab April geht Mike Tramp mit seiner Band Of Brothers ausgiebig auf Deutschland-Tournee. Der dänische Musiker kann es schon nicht mehr erwarten, wie er uns jetzt in einem kurzen Trailer mitteilt.

Der dänische Glam- und Hard Rocker Mike Tramp wurde in den 80er Jahren bekannt durch seine Band White Lion. Seit Ende der 90er ist der Künstler solo unterwegs und wird aktuell auf der Bühne von seiner Band Of Brothers unterstützt.

Schon bald kann man die Truppe live in Deutschland erleben. Dass Mike Tramp den Start seiner Tour schon gar nicht mehr erwarten kann, teilte er seinen Fans jüngst in einem kurzen Trailer auf Facebook mit:

Tourdaten von Mike Tramp:

12.04. Hamburg, Knust
15.04. Dortmund, Piano
17.04. Bonn, Harmonie
19.04. Viersen, Rockschicht
20.04. Reichenbach, Halle
21.04. Mörlenbach, Live Music Hall
24.04 Frankfurt, Nachtleben
25.04. Nürnberg, Der Cult
27.04. Regensburg, Eventhalle Airport
28.04. Burgrieden, Riffelhof
02.05. Augsburg, Spectrum
03.05. Isernhagen, Bluesgarage

Anvil: Lips im Interview – Mehr, einfach mehr! | ungekürzt

30 Interview-Minuten mit Lips Kudlow von Anvil gleichen einer lustigen Achterbahnfahrt. Vom Hundertsten hüpft man flugs zum Tausendsten – bespricht die neue Platte, erörtert die Funktionalität von Vibratoren – und zack: Die Zeit ist um und man wird gewahr, dass nur vier von 12 Fragen diskutiert wurden und die nächsten Journalisten schon in der Skype-Warteschleife hängen. Was tut man da? Ablenken und so unauffällig wie möglich weitermachen…

Hey Lips, du bist gerade wieder zurück von deiner Tour durch China und Australien, oder?
Jawohl, das ist richtig.

Hat’s Spaß gemacht?
Oh ja, es war wirklich großartig.

Habt ihr schon Songs vom neuen Album gespielt?
Oh nein, nein, nein! Sowas machen wir nicht. Sowas kannst du nicht machen!

Ich meine, so als Teaser vielleicht.
Nein, das war ja jetzt noch unsere ANVIL IS ANVIL-Tournee.

Ah okay, gehörte also noch zu eurem Release von 2016. Anvil ist wahrscheinlich eine der am härtesten arbeitenden Metalbands, die ich kenne. Ich folge euch auf Facebook und ihr smasht und poundet ja wirklich überall! (lacht)
Klar, dafür sind wir ja schließlich da! (lacht)

Andere sind da nicht so eifrig.
Ja, weil das faule Hunde sind! (lacht)

Und ihr anscheinend nicht…
Nein, wir sind bereit, hart zu arbeiten. Wir wollen das ja nicht anders.

Wird das anstrengend?
Anstrengend? Nein, Mann! Niemals. Wie soll man denn seinen eigenen Urlaub anstrengend finden? Was ich sagen will: Mein Leben ist ein einziger Urlaub. Ich komme gerade aus China und Australien und hatte einfach nur eine tolle Zeit.

Welche Teile der Welt behandeln euch am besten? Gibt es irgendwelche Orte, wo die richtigen Die-Hard Anvil Fans sitzen?
Nein, ich meine, die gibt es überall. Weißt du, was ich einfach auf der ganzen Welt sehe: Menschen sind Menschen, das ist tatsächlich ziemlich interessant. Und dabei ist die Sprache oder das Herkunftsland völlig egal. Die meisten Leute haben mehr gemeinsam, als nicht…

Das sind weise Worte!
Ja, weißt du, Metal-Leute. Leute, die Anvil mögen. Du kannst ein Fan aus Brasilien sein oder aus China. Und es gibt einfach so viele Gemeinsamkeiten zwischen diesen Leuten. Die sind sich einfach eher ähnlich, als dass sie unterschiedlich sind. Weißt du, was ich meine? Es macht einfach total viel Sinn! (lacht)

Heavy Metal verbindet also?
Ja klar und das macht ja auch Sinn. Es ist egal, wo du herkommst. Musik bringt die Leute zusammen, weil einfach ein verbindendes Element darin enthalten ist. Musik ist etwas, das Menschen aus verschiedenen Ländern dazu bringt, das gleiche zu mögen.

Und in solch einem Milieu bist du dann so etwas wie ein Szene-Botschafter?
Ja, am Ende läuft es wohl darauf hinaus. Aber ich würde mich echt einfach mal gerne mit einem Typen aus Nordkorea zusammensetzen und plaudern. Wäre toll, das würde mir gefallen.

Was hier ja mitschwingt, dass ihr einfach unfassbar viel live spielt. Verdient man heute als Musiker nur mehr so sein Geld?
Ja, nur noch so.

Wie laufen die Plattenverkäufe?
Naja, nicht gut. Heute läuft es einfach nicht mehr über Tonträger. Einen Schritt nach dem anderen. Du gehst raus, spielst den Gig und verkaufst die Band vor Ort an die Leute. So, dass sie sich ein Shirt kaufen, ein CD, einen Patch, ein Ticket oder ein Meet & Greet. Irgendwas eben. Dass sie einfach die Band unterstützen. Dazu ist die Musik inzwischen einfach geworden. Und es geht nur mehr so, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Ziemlich hartes Pflaster.
Ja klar, also zu Hause rumsitzen und auf Tantiemen warten. Äh, Tantiemen von was? Vom Streaming? Wie bei… wie heißt der Typ, der für Bon Jovi und Kiss geschrieben hat?

Du meinst Desmond Child?
Ja genau, Desmond Child. Er hat mal darüber gesprochen: Meine Songs werden sechs Millionen mal gespielt und ich kriege dafür 300 Kröten. 300 Kröten!! Das bedeutet es, heute Musik zu machen. Es ist zu verzichtbarem Süßkram für die Ohren geworden. Also musst du dich fragen: Worin besteht dein Verkaufsargument? Wie gut bist du live? Bringst du es live, wenn du vor einem Publikum stehst? Was für ein Entertainer bist du? Welche Energie vermittelst du den Leuten? Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Wenn du live scheiße bist, wirst du keine Shirts verkaufen und auch keine Folge-Gigs abkriegen.

Also ist harte Arbeit die einzige Lösung?
Ja, genau. Du musst hart arbeiten und die Zähne zusammenbeißen, bis sie knirschen. Weißt du, was ich meine? Es hört einfach nie auf, es ist endlos, du kannst nicht faul sein. Du musst an jeder Minute deiner Zukunft jetzt schon teilhaben. Ansonsten hast du keine! (lacht)

Und das tust du jetzt schon seit 40 Jahren…
Ja, das ist einfach Arbeitsethik. Das ist der Grund, warum ich hier bin. Ich bin hier, um Musik zu machen. Das ist der Inhalt meines Lebens, das soll ich machen und das will ich so oft machen wie möglich, weil die Zeit natürlich der wertvollste Faktor von allen ist. Wenn die Zeit vorbei ist… Du kannst Kohle haben ohne Ende, aber du kannst nicht Zeit haben ohne Ende.

Nochmal: Weise Worte!
Naja, sowas sagst du halt ab einem bestimmten Punkt im Leben. (lacht)

Klaro, ab einem gewissen Alter darf man sowas! (lacht) Wir haben ja schon kurz über ANVIL IS ANVIL von 2016 gesprochen, nur knapp ein Jahr später kommt jetzt schon POUNDING THE PAVEMENT raus. Da habt ihr euch ja nicht viel Zeit gelassen!
Naja, ich sehe das irgendwie anders. Früher, wenn du eine gewisse Eigendynamik am Start hattest – und genau das muss passieren – früher war das viel krasser. Ich meine, 81, 82, 83 haben wir Platten rausgebracht, alle nur circa ein Jahr voneinander entfernt. Also von dem her finde ich nicht, dass das besonders schnell ist.

Naja, verglichen zu anderen Bands schon ein guter Output.
Naja, wir holen halt viel verlorene Zeit auf. In gewisser Weise gibt es natürlich keine verlorene Zeit, weil wir ja nie aufgehört haben. Wir hauen seit 40 Jahren kontinuierlich Platten raus und das wird nie aufhören. Nicht, bis einer von uns geht. Und so sehen wir das eben.

POUNDING THE PAVEMENT ist ja jetzt Nummer 17. Ihr habt das Album in Deutschland aufgenommen…
Ja, genau. Deutschland ist einfach der Mittelpunkt für Metal und für uns sowieso, weil unser Management, unser Label, das Produktionsteam und einfach alles dort ist. Sogar unsere Backline wird in Deutschland aufbewahrt, also macht es einfach 100 % Sinn, dass wir dort auch aufgenommen haben. Wir hatten unser Equipment einfach vor Ort. Und das andere Argument war natürlich, dass unser Produktionstyp sein Studio dort hat und sowas kriegst du hier bei uns nicht wirklich. Einen Experten, der ein Studio besitzt, in dem man auch leben kann.

Okay, das habt ihr also gemacht während der Aufnahmen. Ihr habt dort gelebt?
Ja genau. Da gibt es alles. Schlafzimmer, die ganze Geschichte. Das war, als würde man in seinem eigenen Haus aufnehmen. Einfach nur super bequem.

Wie lange seid ihr geblieben?
Einen Monat.

War also durchaus eine intensive Phase?
Ja, wir hatten alle Zeit der Welt, um eine Platte zu machen, die nicht völlig überproduziert ist. Wir waren circa nach 20 Tagen fertig, aber naja. Es war halt ein bisschen anders dieses Mal. Wir waren super vorbereitet, also konnte vieles einfach schnell abgehakt werden. Aber wir wollten ein bisschen extra Zeit einplanen für den Notfall. Das ist das ganze Geheimnis.

Man kann ja nie wissen…
Ja genau. Es kann immer zu Komplikationen kommen, oder? Es ist immer besser, zu viel Zeit einzuplanen als zu wenig.

Für das letzte Album hattet ihr ja schon Geld via Crowdfunding gesammelt, bei POUNDING THE PAVEMENT habt ihr’s genau so gemacht.
Ja genau, weil das letztes Mal echt gut geklappt hat.

Also sind eure Fans durchaus gewillt, euch finanziell zu unterstützen?
Total. Ich meine, das ist für mich gar keine Frage, weil es ja einfach auch Sinn macht. Dass deine Fans dein Produkt direkt von dir kaufen. Und wir tun das Ganze ja auch nicht unter irgendwelchen lächerlichen Bedingungen. Es wäre schön, von großen Dimensionen träumen zu können, aber wir reden ja hier nicht von Millionen von Fans, am Ende des Tages geht es halt um 1000 Die-Hard-Fans.

Naja, immer noch eine stattliche Anzahl. Ihr bietet ja auch nette Sachen an. Man kann Robbos Schuhe kaufen, diese weißen Stiefel, die sind echt cool. Die gefallen mir, aber leider sind sie mir zu groß.
(lacht) Ja, total viel Zeug, Mann! Einiges ist natürlich irgendwie nur als Spaß gedacht, aber andererseits vielleicht auch nicht, weil einige Leute darin wirklich einen Wert sehen. Weißt du… das sind einfach auch Sachen, die mal was wert sein werden.

Mir gefällt eure Auswahl an Verkaufsgegenständen ganz gut und wenn man so sein neues Album finanzieren kann, warum nicht?
Wir versuchen echt, vernünftig zu bleiben.

Ja, ihr führt euch jetzt nicht wie irgendwelche abgehobenen Rockstars auf, die ihre benutzten Taschentücher für viel Geld verkaufen oder so.(lacht)
Nein, ich gebe zum Beispiel eine Gitarrenstunde. Via Skype, das wird bestimmt interessant. Ich habe alle Vorrichtungen, um sowas durchzuführen, also sollte es kein Problem sein. Ich frage mich nur, wie das wohl sein wird.

Du solltest das aufnehmen und irgendwann mal auf Youtube zeigen!
Ja, das wäre lustig. Ich frage mich nur, was mich der Typ wohl fragen wird. Was ich spielen soll.So nach dem Motto: Ohje, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. (lacht) Aber was es auch sein wird, ich krieg das schon hin! (lacht)