Black Country Communion zieht es ins Studio. Dort will die Band am Nachfolger von BCCIV arbeiten.
In einem Interview mit „Iron City Rocks“ hat sich Schlagzeuger Jason Bonham zu den Zukunftsplänen seiner Band Black Country Communion geäußert.
Wie Bonham verrät, werden er und seine Kollegen Glenn Hughes, Derek Sherinian und Joe Bonamassa im Januar ins Studio gehen, um an neuem Material zu arbeiten. „Dann können wir uns auf Live-Auftritte im nächsten Jahr fokussieren.“
Das kommende Album wird die insgesamt fünfte Studioplatte der 2009 gegründeten Supergroup sein. Zuletzt ist im vergangenen Jahr BCCIV erschienen.
The Chills sind zurück: Im September veröffentlicht die neuseeländische Indierock-Band ihr Album SNOW BOUND, mit ›Complex‹ ist jetzt die erste Single da.
In den 80ern und frühen 90ern gehörten die melodischen Chills zu den populärsten Indierock-Gruppen von Neuseeeland, zu ihren bekanntesten Songs zählen bis heute ›Pink Frost‹ oder ›Heavenly Pop Hit‹.
Die Band ging allerdings von Anfang an durch etliche Personalwechsel, bis Anfang der 90er vorerst Schluss war. Doch Songwriter Martin Phillipps, einziges konstantes Mitglied, kam im selben Jahrzehnt zurück und ist bis heute mit den Chills aktiv.
Am 14. September erscheint mit SNOW BOUND das erste Album seit 2015, mit der Single ›Complex‹ und ›Lord Of All I Survey‹ gibts ab sofort zwei erste Teaser.
Experimentierfreudig waren die Vorreiter Yawning Man aus den Staaten schon immer. Auch ihre neue LP strotzt vor hypnotischem Flair und Vielschichtigkeit.
Düstere Klänge, Desertrock und komplexe Songstrukturen verweben Yawning Man seit jeher zu einem Kaleidoskop intensivster Atmosphäre und beeinflussten schon in den späten 80ern Künstler wie Kyuss oder Josh Homme, obwohl sie erst 2005 zum ersten Mal ein Album rausbrachten.
Am 06. Juli dieses Jahres veröffentlicht die Band aus Kalifornien nun ihr sechstes Werk mit dem passenden Titel THE REVOLT AGAINST TIRED NOISES.
Schon heute gibt es bei CLASSIC ROCK exklusiv den Stream der gesamten neuen Platte zum Anhören:
Hier Yawning Man live erleben:
31.07 Wiesbaden, Schlachthof
04.08 Waldhausen, Lake On Fire Festival
07.08 Berlin, Toast Hawai
11.08 Döbriach, Sauzipf Rocks
24.08 Luzern, Sedel
Seit der Veröffentlichung ihrer ersten EP im Jahr 2008 hat sich bei DeWolff aus Geleen
in den Niederlanden einiges getan…
Vom Untergrund einer gerne mal als Schildbürgerort veräppelten Stadt hat sich das blutjunge Powertrio an die Spitze der Retrorock-Bewegung hochgearbeitet, an deren Aufstieg es selbst nicht unmaßgeblich beteiligt war. 2018 erscheint nun das sechste Album THRUST und markiert eine Schnittstelle in der Karriere der Band, an der sowohl erste Bilanzen gezogen werden können als auch mit auf Neuerungen fokussiertem Blick in eine helle Zukunft geschaut werden darf.
Die Brüder Pablo und Luca haben zusammen mit Orgelgenie Robin eine ursprünglich eher aussichtslos wirkende Nische mit ihrer unbändigen Spielfreude besetzt und sind inzwischen sogar in der Lage, von ihrer Leidenschaft zu leben. Im Interview mit CLASSIC ROCK plauderte ein gut aufgelegter Pablo Van de Poel über die neue Platte und den Lebensstil junger Rockbands, wegen dem sich ein Jim Morrison wohl im Grabe umdrehen würde…
Und, schon aufgeregt wegen dem baldigen Release von THRUST?
Ja, total. Wir haben diese Platte schon lange fertig, es wird also wirklich Zeit für die Veröffentlichung. Wir wollten ein passendes Label finden, das hat lange gedauert, wir hatten diverse Angebote, auch von größeren Labels. Aber da, wo wir jetzt sind, fühlen wir uns sehr wohl, weil das die richtige Heimat für Musikenthusiasten wie uns ist. Es war eine gute Entscheidung. Alleine in den letzten Wochen haben wir mehr Promo bekommen, als in den vergangenen zehn Jahren zusammen. (lacht) Das ist cool, denn manchmal nimmst du eine neue LP auf, steckst dein Herzblut hinein und am Ende fühlt es sich an, als hättest du das nur getan, um wieder auf Tour gehen zu können. ROUX-A-ROUX hatten wir über unser eigenes Label veröffentlicht und damit so viele Leute erreicht, wie es uns eben möglich war. Mit THRUST wollten wir einen Schritt weiter gehen.
DeWolff gibt es jetzt seit über zehn Jahren. Wie würdest du eure musikalische Entwicklung beschreiben?
Als wir anfingen, hörten wir nur Classic Rock, legten los und jammten. Was dabei rauskam, war eine Mischung aus all diesen Einflüssen, von den Doors bis zu Hendrix, und die Leute mochten das. Aber nach einer Weile entwickelten wir unseren eigenen Stil. DeWolff hören sich heute nach DeWolff an und nicht mehr nach einer Doors-Revival-Band, was viele Fans erst mal enttäuschte. Aber wir wollen eine Band von heute sein, auch wenn der Classic Rock in unsere DNA eingraviert ist. Die Entwicklung ist einfach dahingehend – vor allem zwischen unseren zwei jüngsten Platten – dass wir nicht mehr klingen, als wären wir eine Band aus den 70ern, weil wir auch sehr viele neue Einflüsse zulassen wie etwa die Alabama Shakes. All diese Elemente zusammen ergeben uns.
Wie beurteilst du diese Retro-Welle, von der ihr ja durchaus ein wichtiger Teil seid?
Ich finde es cool, dass die Leute sich von alter Musik inspirieren lassen. Wenn du etwas über den aktuellen Stand wissen willst, musst du immer die Geschichte kennen. Aber man sollte es sich nicht zum Ziel machen, die Kopie einer anderen Band zu sein. Was Black Sabbath so einzigartig machte, war ja eben, dass sie etwas Neues fabriziert haben. Daran sollte man merken, dass man seinen eigenen Weg finden muss. Was man sich von damals wirklich als Vorbild nehmen sollte, ist das tolle Songwriting.
Was macht denn den Sound von DeWolff einzigartig?
Dass wir so viele verschiedene Einflüsse haben, etwa auch alten Soul, und das zu etwas Neuem verweben. Außerdem versuchen wir, die besten Instrumentalisten zu sein, die wir eben sein können. Das ist wichtig, gleichzeitig steht aber der Song im Vordergrund, vor allem auf THRUST sollte jedes Lied eine gute Hook haben und nicht nur aus Solos und Jams bestehen.
Ihr seid jetzt textlich auch politisch unterwegs. Kommt man da als Band heute gar nicht mehr daran vorbei?
Eine Band besteht im Optimalfall aus Individuen mit unterschiedlichen Haltungen und schreibt über das, was sie beschäftigt. Eines Abends ging ich ins Bett und am nächsten Tag war Donald Trump Präsident. In der Bandprobe ging es gar nicht anders, als einen Song darüber zu schreiben. Da war eben nichts mit: „Mein Baby hat mich verlassen blabla.“ Das war ganz natürlich, wir haben nicht gedacht: So, die Zeiten rufen nach einem politischen Statement von uns, also los! (lacht)
Wer hatte die Idee zum sehr eindrücklichen Video für die Single ›Big Talk‹?
Wir alle drei. Wir standen etwas unter Zeitdruck, weil wir das Video fast vergessen hatten. (lacht) Da es darum geht, dass die Leute einfach alles schlucken, was man ihnen vorsetzt, ergab es Sinn, genau das sehr eindeutig zu verfilmen. Der Typ frisst alles, was man ihm hinstellt. Es wird dann ziemlich extrem, weil wir wollten, dass es recht cineastisch wirkt. Deshalb haben wir auch mit einer richtig guten Kamera gedreht, die beispielsweise für „Stranger Things“ benutzt wurde.
Wie ist es eigentlich so, mit seinem Bruder in einer Band zu spielen?
Oh, echt toll. Das ist jetzt total öde, aber Luca ist einfach der Beste und alles geschieht in perfekter Harmonie. Jeden Tag warte ich darauf, dass etwas Schlimmes passiert. So viel Glück kann man doch gar nicht haben, oder? (lacht)
Offensichtlich schon! Wie sieht denn euer Lebensstil so aus? Die Dreifaltigkeit aus Sex, Drugs und Rock’n’Roll?
Wir alle haben Freundinnen, ich bin verheiratet. Der Sex ist ziemlich gut, aber anders, als du jetzt wahrscheinlich meintest. (lacht) Wir nehmen keine Drogen, probieren nur selten mal was aus. Ansonsten machen wir gerne Party und spielen jeden Gig, als wäre er unser letzter. Bis man am nächsten Tag aufwacht und denkt: Fuck, heute geht’s ja weiter. (lacht) Trotzdem können wir immer spielen. Aber Jim Morrison würde uns für ziemliche Pussies halten.
Aber vielleicht möchtest du ja auch ein bisschen länger leben als er!
Auf jeden Fall! (lacht)
Zehn Jahre DeWolff. Was ist deine nachhaltigste Lektion aus dieser Zeit?
Das klingt wieder langweilig, aber: Mach kreativ gesehen immer, was du tun willst, und lass dich von niemandem abbringen, solange du es gerne tust. Das hat uns weitergebracht. Ich bin jedes Mal aufs Neue verblüfft darüber, was wir erreicht haben. Weißt du, in Holland machen sich die Leute über unseren Heimatort lustig. Wir hätten nie gedacht, dass wir es mal zu Bekanntheit bringen würden. Jetzt habe ich ein Interview mit dem Classic Rock-Magazin Deutschland, gehe bald wieder auf Tour, das ist doch der Wahnsinn. Man sollte immer seinem eigenen Instinkt folgen. Das ist es, was dich einzigartig macht.
Die Louvin Brothers aus Alabama waren brave Christenmenschen, die ihre Country-Music mit Gospel würzten – was später ihren Kollegen Bob Dylan nachhaltig inspirieren sollte…
SATAN IS REAL lautete der Titel ihres siebten Albums, was den Anhängern geisteswissenschaftlicher Aufklärung zwar ein spontanes „nein, ist er nicht“ auf die Lippen zaubern mag, aber darum geht es jetzt gerade mal nicht. Im Gegensatz zu profanen Tonträgerverpackungen haben theologische Grundsatzfragen in dieser Rubrik nämlich keinen Platz.
Dass der Höllenfürst, sofern real, wie eine verunglückte Kreuzung aus Oscar-Statue, Gabriele Krone-Schmalz und „Nosferatu“ Klaus Kinski aussieht, wagen wir allerdings zu bezweifeln. Zumal wir heute wissen, dass dieser konkrete Teufel seine Existenz roter, weißer und schwarzer Farbe sowie einer elektrischen Stichsäge zu verdanken hat. Ein reines Phantasieprodukt also.
Ira, der Hobby-Heimwerker unter den beiden frommen Brüdern, hatte den Gehörnten – rund 3,70 Meter hoch – aus Sperrholz ausgesägt. Gemeinsam mit Bruder Charlie posierte man dann in einem Steinbruch. Ihre einladende bis aufdringliche Gestik kann bei distanzierteren Naturen allerdings Furcht vor Zwangsbekuschelung aufkeimen lassen. Ein paar Schritte weiter und man ist fällig. Dabei kennen wir uns doch gar nicht.
Viel unangenehmer: Die weißen Anzüge mögen zwar Unschuld suggerieren, aber so ganz sauber waren die Louvins dann leider doch nicht: Für das Höllenfeuer waren nämlich weder der Leibhaftige noch der diesbezüglich zu maßlosen Übertreibungen neigende Arthur Brown verantwortlich, sondern geschickt platzierte Altreifen, getränkt in Kerosin und anschließend entzündet. Was sicher einen diabolischen Gestank verursachte. Aber 1959 gehörte die rustikale Abfallentsorgung auch und gerade in den Steinbrüchen und Kiesgruben großer Industrienationen noch zur Folklore. „Hol mal das alte Sofa von der Ladefläche, das schmeißen wir noch mit drauf. Mein Gott, das stinkt ja teuflisch…“
Drei Alben aus der Sturm-und-Drang-Phase von Neil Young und Stephen Stills.
Im Nachhinein ließe sich das amerikanisch-kanadische Ensemble, 1966 in Los Angeles formiert, gewiss als Supergroup bezeichnen: Stephen Stills gründete mit David Crosby und Graham Nash 1968 ein wenig später weltberühmtes Trio und holte auch noch seinen Bandkumpel Neil Young dazu. Richie Furay, später auch bei Souther-Hillman-Furay aktiv, hob 1968 mit Jim Messina (Loggins And Messina) und Randy Meisner (Eagles) die Country-Rocker Poco aus der Taufe. Doch den mit Schlagzeuger Dewey Martin und Bassist Bruce Palmer komplettierten Buffalo Springfield blieb in ihrer etwa zweijährigen Existenz trotz drei wegweisender Alben und Top-Ten-Singles der große Durchbruch versagt.
Das Box-Set WHAT’S THAT SOUND? – COMPLETE ALBUMS COLLECTION vereint wahlweise auf fünf CDs oder Vinylscheiben die drei regulären Alben ohne Bonus. Kein Geringerer als der in Sachen Hi-Fi für seine Pingeligkeit berüchtigte Young übernahm die Aufsicht über das von den originalen Analog-Tapes aufbereitete Remastering. Auf dem selbstbetitelten Debüt von 1966, wie auch der Zweitling jeweils als komplette Mono- und Stereo-Version integriert, nahm die mit perfekt mehrstimmigen Gesangspassagen unterfütterte Fusion aus Pop, Folk, Beat, Rock, Soul und Country schon konkret Gestalt an: Young und Stills lieferten sich einen Wettbewerb, wer der bessere Songwriter sei: Sieben weitaus griffigere Kompositionen von Stills (u.a. ›Leave‹, ›Pay The Price‹, ›Go And Say Goodbye‹) standen gegen fünf eher introspektiv komplexe Arbeiten von Young, darunter ›Burned‹, ›Flying On The Ground Is Wrong‹ sowie die erste Single ›Nowadays Clancy Can’t Even Sing‹.
Als sich Stills’ Ohrwurm-Kommentar zu den Sunset-Strip-Unruhen 1966, ›For What It’s Worth‹, auf Rang 7 der US-Charts platzierte, wurde in der zweiten LP-Auflage das nur in Mono-Version existente ›Baby Don’t Scold Me‹ gegen den Hit ausgetauscht. Auf BUFFALO SPRINGFIELD AGAIN von 1967 gesellte sich Furay mit drei ausgezeichneten Kompositionen hinzu, Young lieferte Sternstunden (›Mr. Soul‹, ›Broken Arrow‹, ›Expecting To Fly‹) und Stills glänzte abermals facettenreich mit ›Everyday‹, ›Bluebird‹ ›Hung Upside Down‹ und ›Rock And Roll Woman‹. Auf dem von Neu-Mitglied Jim Messina produzierten LAST TIME AROUND (1968) konsolidierte sich nochmals eine bereits in Auflösung befindliche Band, die noch immer zu Famosem wie Furays ›Kind Woman‹, Messinas ›Carefree Country Day‹, Youngs ›I Am A Child‹ sowie Stills’ ›Special Care‹ und ›Uno Mondo‹ imstande war.
9/10
Buffalo Springfield
WHAT’S THAT SOUND? – COMPLETE ALBUMS COLLECTION
RHINO/WARNER
Zum Ehrentag von Andy Scott gibt es heute einen Clip von den jungen The Sweet bei einer Probeaufnahme für den Musikladen zu sehen.
Andy Scott wird heute 69 Jahre alt. Wenn man an seine Band denkt, hat man vor allem Föhnfrisuren, Plateauschuhe und Glitzer vor Augen. Mit eingängigen Hits wie ›Ballroom Blitz‹ oder ›Little Willy‹ zogen The Sweet sowohl gemeinen Spott als auch größte Charterfolge an.
Im ‚Video der Woche‘ gibt es die Glamourboys 1974 bei einer Probe für ihren Auftritt in der deutschen Fernsehsendung „Musikladen“ zu sehen. Die Truppe performte damals den Titeltrack ›Sweet F.A.‹ vom Album SWEET FANNY ADAMS, einem Frühwerk, auf dem die Band sich noch wild, verzerrt, laut, experimentierfreudig und mit fast schon punkig angehauchtem Hard Rock präsentierte.
Das, was The Sweet in diesem Video liefern, ist weit entfernt von dem Zuckerguss, der nur kurze Zeit später den Großteil ihrer Werke überziehen sollte.
In den siebziger Jahren waren sie eine der größten Bands des Planeten, mit Hits wie ›The Ballroom Blitz‹, ›Teenage Rampage‹, ›Block Buster‹, ›Fox On The Run‹ und ›Hell Raiser‹ regierten sie die Charts und trugen den Glam Rock in die große weite Welt. Zu Kritikerlieblingen wurden sie damit nie, doch auch 40 Jahre später haben Sweet eine äußerst treue Gefolgschaft, die ihnen volle Hallen beschert. Frontmann Andy Scott reflektiert über Langlebigkeit, Medienzynismus und die Zukunft.
Trotz aller möglichen Hindernisse, Höhen, Tiefen und Tragödien hat die Band nun über vier Jahrzehnte auf dem Buckel. Was ist euer Geheimnis für diese lange Karriere?
Das ist nicht wirklich ein Geheimnis, aber ich glaube, dass nur das Publikum bestimmt, ob eine Band lange existiert oder nicht. Mit der Zeit werden natürlich immer weniger Originalmitglieder der Bands aus den sechziger und siebziger Jahren übrig sein. Aber meiner Meinung nach ist das kein Problem. So lange Sweet immer noch wie Sweet klingen, wird das Touren durch verschiedene Länder, das Auftreten bei Konzerten und Festivals und das Veröffentlichen neuer Platten immer noch ein großer Teil unserer Zukunft sein.
Manche Medien bezeichnen eine Band, die länger keinen Mainstream-Hit mehr hatte, aber immer noch tourt und dankbaren Fans die Klassiker bringt, herablassend als „Nostalgie-Act“. Wieso glaubst du, dass es so eine negative Reaktion darauf gibt, vor Tausenden Menschen zu spielen und sie glücklich zu machen?
Ich habe schon länger keine Negativität seitens der Medien mehr mitbekommen, aber wenn es das immer noch gibt, ist es ihr Problem, nichts meins oder das des Publikums, das bei solchen Events eine gute Zeit hat – „nostalgisch“ oder nicht.
Hat es dich in den siebziger Jahren jemals gestört, dass Kritiker eure Musik als Wegwerf-Bubblegum-Pop bezeichnet haben? Und empfindest du es als einen Akt von ausgleichender Gerechtigkeit, dass ihr immer noch da seid und eure Musik die Zeit überdauert hat?
Du hast absolut Recht – die Musik von Sweet hat die Zeit überdauert, also ist es sinnlos, sich mit Dingen zu befassen, über die man keine Kontrolle hat. Und wenn es Kritiker gibt, die das immer noch glauben sollten und die Band schlecht machen wollen, dann wünsche ich ihnen viel Glück, denn ich habe keinerlei Absicht, aufzuhören. Wir sollten noch einige Jahre dabei sein. Das einzige, was konstant ist in dieser Welt, ist die Veränderung.
Wenn du auf deine Karriere zurückblickst, was ist die eine Sache, die du gerne anders gemacht hättest?
Du kannst ein Spiegelei nicht wieder roh machen, also kannst du nichts ändern, außer du hast eine Zeitmaschine!
Können wir nach NEW YORK CONNECTION damit rechnen, in absehbarer Zeit komplett neues Material von Sweet zu hören?
Wir arbeiten gerade genau daran. Ich weiß nicht, ob ich noch einen großartigen Song in mir habe, aber ich will es absolut versuchen. Es kann sicher nicht schlimmer sein als einige Sachen, die ich in letzter Zeit gehört habe. Oder vielleicht doch?
Nachdem du schon so lange Musik machst, woher beziehst du heute noch Inspiration?
Meine Inspiration für die Live-Shows ist, dass so viele Leute kommen und sehen wollen, wie wir all die alten und auch die neuen Stücke spielen. Ich bin stolz darauf, eine Band zu haben, die nach den Regeln spielt, wenn es darum geht, die alten Stücke zu bringen. Das kann man falsch machen oder richtig machen, und das unterscheidet uns von anderen Bands.
In eurer Biografie auf der Website steht: „Sweet sind ein nationaler Schatz, britisch durch und durch“. Dabei wart ihr in Deutschland erfolgreicher und eure Musik wird weltweit geliebt. Wie wichtig ist in dieser zunehmend grenzenlosen Welt sich vermischender Kulturen und angleichender Geschmäcker nationale Identität für euch und wie haben sich die Tourneen durch die Welt darauf ausgewirkt?
Diese „Britishness“ ist uns wichtig, auch wenn Deutschland für uns einer der besten Märkte ist. Zum Glück gefällt unsere Musik einem großen Publikum, wir können Pop, Rock, Progressive sein – was auch immer es ist, es ist immer noch Sweet. Die Tatsache, dass wir Briten sind, hat mehr mit musikalischer Identität zu tun als mit Hurra-Patriotismus.
Und wieso glaubst du, dass das europäische Festland empfänglicher für Sweet war und ist als Großbritannien?
Wenn es eine Antwort auf diese Frage gäbe, würden es alle tun.
In welchen Ländern macht das Touren am meisten Spaß?
Wenn du auf Tour und weg von zu Hause bist, werden gewisse Dinge wichtig. Wenn man sich gut um die Band kümmert, mit guten Hotels, stressfreiem Reisen und guter Verpflegung, kann es überall Spaß machen. Aber wenn ich wirklich ehrlich sein soll, dann sind Deutschland – unsere zweite Heimat – und Australien die Länder, auf die meine Wahl fallen würde.
Was ist das Wichtigste, was du in einem bald halben Jahrhundert im Musikbusiness gelernt hast?
Nichts wird mich je wieder überraschen. Technologischer Fortschritt bedeutet nicht notwendigerweise eine Verbesserung, und manche Gitarren lassen sich immer noch nicht ordentlich stimmen.