De Wolff: „Jim Morrison würde uns für ziemliche Pussies halten“

DeWolff aus den NiederlandenSeit der Veröffentlichung ihrer ersten EP im Jahr 2008 hat sich bei DeWolff aus Geleen
in den Niederlanden einiges getan…

Vom Untergrund einer gerne mal als Schildbürgerort veräppelten Stadt hat sich das blutjunge Powertrio an die Spitze der Retrorock-Bewegung hochgearbeitet, an deren Aufstieg es selbst nicht unmaßgeblich beteiligt war. 2018 erscheint nun das sechste Album THRUST und markiert eine Schnittstelle in der Karriere der Band, an der sowohl erste Bilanzen gezogen werden können als auch mit auf Neuerungen fokussiertem Blick in eine helle Zukunft geschaut werden darf.

Die Brüder Pablo und Luca haben zusammen mit Orgelgenie Robin eine ursprünglich eher aussichtslos wirkende Nische mit ihrer unbändigen Spielfreude besetzt und sind inzwischen sogar in der Lage, von ihrer Leidenschaft zu leben. Im Interview mit CLASSIC ROCK plauderte ein gut aufgelegter Pablo Van de Poel über die neue Platte und den Lebensstil junger Rockbands, wegen dem sich ein Jim Morrison wohl im Grabe umdrehen würde…

Und, schon aufgeregt wegen dem baldigen Release von THRUST?
Ja, total. Wir haben diese Platte schon lange fertig, es wird also wirklich Zeit für die Veröffentlichung. Wir wollten ein passendes Label finden, das hat lange gedauert, wir hatten diverse Angebote, auch von größeren Labels. Aber da, wo wir jetzt sind, fühlen wir uns sehr wohl, weil das die richtige Heimat für Musikenthusiasten wie uns ist. Es war eine gute Entscheidung. Alleine in den letzten Wochen haben wir mehr Promo bekommen, als in den vergangenen zehn Jahren zusammen. (lacht) Das ist cool, denn manchmal nimmst du eine neue LP auf, steckst dein Herzblut hinein und am Ende fühlt es sich an, als hättest du das nur getan, um wieder auf Tour gehen zu können. ROUX-A-ROUX hatten wir über unser eigenes Label veröffentlicht und damit so viele Leute erreicht, wie es uns eben möglich war. Mit THRUST wollten wir einen Schritt weiter gehen.

DeWolff gibt es jetzt seit über zehn Jahren. Wie würdest du eure musikalische Entwicklung beschreiben?
Als wir anfingen, hörten wir nur Classic Rock, legten los und jammten. Was dabei rauskam, war eine Mischung aus all diesen Einflüssen, von den Doors bis zu Hendrix, und die Leute mochten das. Aber nach einer Weile entwickelten wir unseren eigenen Stil. DeWolff hören sich heute nach DeWolff an und nicht mehr nach einer Doors-Revival-Band, was viele Fans erst mal enttäuschte. Aber wir wollen eine Band von heute sein, auch wenn der Classic Rock in unsere DNA eingraviert ist. Die Entwicklung ist einfach dahingehend – vor allem zwischen unseren zwei jüngsten Platten – dass wir nicht mehr klingen, als wären wir eine Band aus den 70ern, weil wir auch sehr viele neue Einflüsse zulassen wie etwa die Alabama Shakes. All diese Elemente zusammen ergeben uns.

Wie beurteilst du diese Retro-Welle, von der ihr ja durchaus ein wichtiger Teil seid?
Ich finde es cool, dass die Leute sich von alter Musik inspirieren lassen. Wenn du etwas über den aktuellen Stand wissen willst, musst du immer die Geschichte kennen. Aber man sollte es sich nicht zum Ziel machen, die Kopie einer anderen Band zu sein. Was Black Sabbath so einzigartig machte, war ja eben, dass sie etwas Neues fabriziert haben. Daran sollte man merken, dass man seinen eigenen Weg finden muss. Was man sich von damals wirklich als Vorbild nehmen sollte, ist das tolle Songwriting.

Was macht denn den Sound von DeWolff einzigartig?
Dass wir so viele verschiedene Einflüsse haben, etwa auch alten Soul, und das zu etwas Neuem verweben. Außerdem versuchen wir, die besten Instrumentalisten zu sein, die wir eben sein können. Das ist wichtig, gleichzeitig steht aber der Song im Vordergrund, vor allem auf THRUST sollte jedes Lied eine gute Hook haben und nicht nur aus Solos und Jams bestehen.

Ihr seid jetzt textlich auch politisch unterwegs. Kommt man da als Band heute gar nicht mehr daran vorbei?
Eine Band besteht im Optimalfall aus Individuen mit unterschiedlichen Haltungen und schreibt über das, was sie beschäftigt. Eines Abends ging ich ins Bett und am nächsten Tag war Donald Trump Präsident. In der Bandprobe ging es gar nicht anders, als einen Song da­­rüber zu schreiben. Da war eben nichts mit: „Mein Baby hat mich verlassen blabla.“ Das war ganz natürlich, wir haben nicht gedacht: So, die Zeiten rufen nach einem politischen Statement von uns, also los! (lacht)

Wer hatte die Idee zum sehr eindrücklichen Video für die Single ›Big Talk‹?
Wir alle drei. Wir standen etwas unter Zeitdruck, weil wir das Video fast vergessen hatten. (lacht) Da es darum geht, dass die Leute einfach alles schlucken, was man ihnen vorsetzt, ergab es Sinn, genau das sehr eindeutig zu verfilmen. Der Typ frisst alles, was man ihm hinstellt. Es wird dann ziemlich extrem, weil wir wollten, dass es recht cineastisch wirkt. Deshalb haben wir auch mit einer richtig guten Kamera gedreht, die beispielsweise für „Stranger Things“ benutzt wurde.

Wie ist es eigentlich so, mit seinem Bruder in einer Band zu spielen?
Oh, echt toll. Das ist jetzt total öde, aber Luca ist einfach der Beste und alles geschieht in perfekter Harmonie. Jeden Tag warte ich darauf, dass etwas Schlimmes passiert. So viel Glück kann man doch gar nicht haben, oder? (lacht)

Offensichtlich schon! Wie sieht denn euer Lebensstil so aus? Die Dreifaltigkeit aus Sex, Drugs und Rock’n’Roll?
Wir alle haben Freundinnen, ich bin verheiratet. Der Sex ist ziemlich gut, aber anders, als du jetzt wahrscheinlich meintest. (lacht) Wir nehmen keine Drogen, probieren nur selten mal was aus. Ansonsten machen wir gerne Party und spielen jeden Gig, als wäre er unser letzter. Bis man am nächsten Tag aufwacht und denkt: Fuck, heute geht’s ja weiter. (lacht) Trotzdem können wir immer spielen. Aber Jim Morrison würde uns für ziemliche Pussies halten.

Aber vielleicht möchtest du ja auch ein bisschen länger leben als er!
Auf jeden Fall! (lacht)

Zehn Jahre DeWolff. Was ist deine nachhaltigste Lektion aus dieser Zeit?
Das klingt wieder langweilig, aber: Mach kreativ gesehen immer, was du tun willst, und lass dich von niemandem abbringen, solange du es gerne tust. Das hat uns weitergebracht. Ich bin jedes Mal aufs Neue verblüfft darüber, was wir erreicht haben. Weißt du, in Holland machen sich die Leute über unseren Heimatort lustig. Wir hätten nie gedacht, dass wir es mal zu Be­­kanntheit bringen würden. Jetzt habe ich ein Interview mit dem Classic Rock-Magazin Deutschland, gehe bald wieder auf Tour, das ist doch der Wahnsinn. Man sollte immer seinem eigenen Instinkt folgen. Das ist es, was dich einzigartig macht.

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