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Slash: Youtube-Doku „The Making of ORGY OF THE DAMNED“

Seht hier, wie Slashs jüngstes Soloalbum ORGY OF THE DAMNED entstanden ist.

Bei Youtube gibt es jetzt eine neue Doku-Reihe zu sehen, im Rahmen derer die Entstehungsgeschichte des jüngsten Slash-Solo-Albums ORGY OF THE DAMNED erzählt wird. Die sechste Soloplatte des Guns N‘ Roses-Gitarristen ist am 17. Mai erschienen und enthält Coverversionen berühmter Blues-Tracks, die Slash zusammen mit berühmten Kollegen wie Brian Johnson von AC/DC, Steven Tyler von Aerosmith, Iggy Pop, Billy Gibbons von ZZ Top, Paul Rodgers, Pop-Stern Demi Lovato und vielen mehr aufnahm.

In CLASSIC ROCK #130 sprachen wir in unserer großen Titelstory mit Slash über diese Blues-Orgie. Jetzt versandkostenfrei bestellen: CLASSIC ROCK #130

Video der Woche: Sweet mit ›Sweet F.A.‹

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Zum Ehrentag von Andy Scott von Sweet gibt es die Truppe heute bei einem nicht veröffentlichten Auftritt im Musikladen zu sehen.

Andy Scott von Sweet wird heute 75 Jahre alt. Wer an seine Band denkt, dem springen sofort Föhnfrisuren, Plateauschuhe und Glitzer vors innere Auge. Mit Riesenhits wie ›Ballroom Blitz‹ oder ›Little Willy‹ zogen die Briten gemeinen Spott auf sich und erzielten gleichzeitig größte Charterfolge.

Viele übersehen hierbei jedoch manchmal, dass Sweet auch ordentlich Gas geben konnten, wie sie beispielsweise auf ihrem Album SWEET FANNY ADAMS unter Beweis stellten. Den Titeltrack ›Sweet F.A.‹ gab die Gruppe 1974 auch in der deutschen Fernsehsendung Musikladen zum Besten, jedoch wurde die Aufzeichnung nie veröffentlicht.

Ob es an der irren Verzerrung, dem ewigen Solo, dem fast schon punkig anmutenden Hard-Rock-Riff oder dem Text des Songs lag? Dieser Auftritt war jedenfalls meilenweit entfernt von den zuckrigen Glamourboys, zu denen sie unter den Fittichen der Songwriter Nicky Chinn und Mike Chapman aufgrund kommerzieller Absichten gemacht worden waren.

Sweet mit ›Sweet F.A.‹

Dokken: Durch die Tragödie zum Triumph

Don Dokken sitzt in Plauderstimmung in seinem Wohnzimmer in einer umgebauten Kirche in Santa Fe. „Ich musste die ganzen Grundstücke rundherum mit kaufen, damit ich ohne Nachbarn bleiben kann. Ein ziemlich teurer Spaß.“, so der jetzt als Eremit lebende Künstler schmunzelnd über seinen Umzug von Los Angeles nach New Mexico. Von seiner alten Heimat hatte der Sänger und Songwriter die Schnauze voll. Zu viele Menschen, zu viel Verkehr, zu viel Dreck. Verarbeitet hat er seinen Abschied in HEAVEN COMES DOWN, dem sehnsüchtig erwarteten neuen Album von Dokken, um das sich das Gespräch an jenem Freitagabend drehen soll. Warum die gelungene Platte mit einem ziemlich krassen Leidensweg verbunden ist und unter widrigsten Umständen schließlich doch noch das Licht der Welt erblickte, erklärt ihr Schöpfer im Interview.

Vermisst du Los Angeles manchmal?

Ach weißt du, die Zeiten im Rainbow mit meinen Rockstar-Freunden und Mädchen, deren Hintern unter dem Minirock rausschaut, sind vorbei. Wir werden alle älter, unsere Ärsche sehen nicht mehr so gut aus. Manchmal kommen immer noch Frauen zu meinen Gigs, die sich anziehen wie früher, aber da denke ich mir nur: ‚Mädel, dafür bist inzwischen ein bisschen zu alt.‘ Du laufen mit ihren 60 immer noch mit Netzstrümpfen, auftoupierten Haaren und operierten Brüsten herum. Ich finde Menschen schöner, die natürlich aussehen. So wie du, dein Pony gefällt mir sehr gut! Meine Tochter trug ihr Haar früher auch so. Aber egal, ich möchte deine Zeit nicht vertrödeln. (lacht)

Dann lass uns doch über HEAVEN COMES DOWN sprechen, eine tolle Platte wie ich finde!

Danke! Ich entwickel mich gerne weiter, doch das ist jetzt mein 13. Album und irgendwann, nach ein paar Jahrzehnten, wird es schwieriger, sich etwas Neues einfallen zu lassen. Einer der Gründe für unsere lange Abstinenz war unter anderem, dass jedes Label, mit dem wir zusammenarbeiteten, meinte: ‚Wir wollen eine Platte, die wie TOOTH & NAIL oder BACK FOR THE ATTACK klingt.‘ Diese Alben habe ich vor 40 Jahren gemacht, ich will das nicht reproduzieren. Ich bin keine 30 mehr, je älter man wird, desto klüger wird man hoffentlich, man nimmt etwas mehr spirituelle Weisheit in sich auf – da ändern sich natürlich auch die Texte, die man schreibt. Ich schickte den Plattenfirmen Demos und sie lehnten alle ab mit der Begründung, dass es nicht nach Dokken klinge. Viele Bands aus den 80ern, ich nenne keine Namen, fabrizieren denselben, alten Scheiß wie damals.

Das wirkt schnell unangenehm aus der Zeit gefallen…

Ich stimme dir zu. Und viele schreiben einen guten Song und der Rest der Platte besteht nur aus Füllmaterial. Das könnte ich nicht. Ich wollte aus jedem Track eine ganze Geschichte formen. Keine plumpen Liebeslieder, außer vielleicht ›I Remember‹, jedoch spreche ich da über Erinnerungen an die Liebe.

Was führte dann dazu, dass du dich doch noch kreativ ausleben konntest?

Vor fünf Jahren spielten wir auf Wacken und ich traf auf Thomas, den Veranstalter. Nachdem er uns spielen sah, gab er uns einen Plattendeal. Meine einzige Voraussetzung war, dass ich machen kann, was ich will und wann ich will. Ich kann nicht auf Knopfdruck schreiben, ich muss warten, bis mir das Universum Eingebungen schickt. Ich bin Krebs, wenn Vollmond ist, sprudeln die Ideen nur so aus mir heraus.

Und was hat dazu geführt, dass zwischen damals und der Veröffentlichung fünf Jahre vergangen sind?

Drei Tragödien. Nummer eins: Mein Gitarrist Jon konnte nicht mehr spielen, seine Hand schlief ständig ein. Er musste sich einer gefährlichen Operation unterziehen und brauchte danach ein Jahr Physiotherapie. Wie du vielleicht weißt, wurde auch ich operiert und es ging schief. Mein rechter Arm ist komplett im Eimer, ich kann ihn nicht mehr richtig bewegen und meiner Finger sind permanent gekrümmt.

Du hast den Arzt verklagt, richtig?

Oh ja! Die sagten immer: ‚Warte, das wird wieder besser.‘ Aber drei Jahre später ist mein Arm nun wie abgestorben. Das ist ziemlich hart. Ich liebe meine Gitarre mehr, als ich jemals irgendeine Frau geliebt habe. Und jetzt kann ich sie nicht mehr spielen. Die haben mein ganzes Leben versaut! Und dann erhalte ich einen Anruf und man sagte mir, dass mein Bassist Chris einen Radunfall hatte. Ich war in großer Sorge, sein rechter Armknochen war in sieben Teile zersplittert. Erst wollten sie ihm den Arm abnehmen, doch mithilfe einer neuartigen Therapie konnte er gerettet werden. Was für Pechvögel wir doch sind, oder? Dann hörte unser Drummer Mick auf, er war dem Touren körperlich nicht mehr gewachsen. Also drückten wir erst einmal auf Stopp, bis alle wieder halbwegs einsatzbereit waren. Eigentlich ist es ein Wunder, dass HEAVEN COMES DOWN nun erscheint.

Wie ist die Platte dann letztendlich entstanden?

Wir fingen vor vier Jahren an, uns zusammenzusetzen. Wir gingen durch all meine Ideen und Demos, wählten Part für Part und hielten zudem neue Ideen fest. Durch Covid hatten wir ja viel Zeit und dann hatte Kevin Shirley auch noch Zeit, sie zu mixen. Das war super! Eigentlich hatte wir ja 14 Songs aufgenommen, doch die Plattenfirma kickte vier Songs, worüber ich gar nicht glücklich bin. Vor allem, weil das genau die Songs waren, auf denen ich noch Gitarre gespielt habe. Trotzdem kann ich sagen, dass es auf der Platte kein Füllmaterial gibt. Oder wie ich es nenne: keine B-Songs.

Deine Stimme klingt nach wie vor super!

Danke! Inzwischen ist meine Stimme wie ein altes Auto, ich habe gute und schlechte Tage. An den schlechten Tagen muss ich ruhen. Ich habe nicht mehr das Bedürfnis, diese hohen Töne aus den 80er Jahren zu treffen. Eine Stunde lang geht das vielleicht mal, aber das hab ich doch schon getan, ich muss niemandem mehr was beweisen. Meine aktuelle Range ist sehr angenehm für mich, da fühle ich mich wohl und ich muss auch nicht mit Autotune bescheißen.

Die neue Platte geht richtig stark los…

Mit ›Fugitive‹, genau! Jon schrieb den Song. Eigentlich hatte ich die kompletten Lyrics schon im Kasten, doch ein paar Monate später dachte ich mir: ‚Hm, das kann ich besser.‘ Ich hatte Jon oft erzählt, dass ich wohl so etwas wie ein „fugitive from life“ bin. Uns gefiel dieser Satz, also dichtete ich den Song nochmal um und sang ihn komplett neu ein.

Wovor genau fliehst du?

Oh, vor einigem, was in der Welt vor sich geht. HEAVEN COMES DOWN ist ja von einem Dokken-Song von TOOTH & NAIL abgeleitet. Schau dich doch um: Amerika ist in den Binsen, Griechenland brennt, Schießereien, Armut, Obdachlose, Arbeitslosigkeit und dieser Bastard Putin – ich habe Angst davor, was er noch alles lostreten könnte. Es kommt mir vor, als stünden wir vor der Apokalypse. Deswegen kommt auf dem Artwork ein Drache direkt aus der Hölle. Das ist meine Art, zu sagen: Das Ende ist vielleicht näher, als wir denken.

Deep Purple – „Die ganze Sache hätte auch mächtig schief gehen können“

Wenn sich eine Erzählung aus dem Rock’n’Roll-Universum ins kollektive Gedächtnis eingeschliffen hat, dann dürfte es wohl die berühmt-berüchtigte Entstehungsgeschichte von Deep Purples Meilenstein MACHINE HEAD sein. Ein Frank-Zappa-Konzert und ein Trottel mit einer Signalpistole, ein brennendes Casino in Montreux, Chaos und Rauchschwaden, die vom aufkommenden Wind über den Genfer See getragen werden…

Wer wissen möchte, was sich Ende 1971 genau zugetragen hat, muss nur der – mit einem der ikonischsten Riffs aller Zeiten vertonten – Geschichte in ›Smoke On The Water‹ lauschen. Zur Feier des 50. Jubiläums erscheint am 29. März (Corona-bedingt zwei Jahre zu spät) die MACHINE HEAD: SUPER DELUXE EDITION in verschiedenen Formaten mit Remixen von Franks Sohn Dweezil Zappa und weiteren Bonbons, wie einem bisher ungehörten Konzertmitschnitt aus dem Jahr 1971 aus Montreux. Im Interview erinnert sich Schlagzeug-Legende Ian Paice zurück an diesen mehr als wilden Ritt der Mk II-Besetzung und den Entstehungsprozess jenes Ausnahmealbums, das den Status von Deep Purple unwiderruflich in die Annalen der Rockhistorie schnitzte.

Welche Bedeutung hatte und hat MACHINE HEAD für Deep Purple?

Wenn wir zu dieser klassischen Periode zurückgehen, gibt es drei Platten, die unglaublich wichtig für uns waren: IN ROCK, MACHINE HEAD und MADE IN JAPAN. Diese drei zementierten Deep Purple in der kollektiven Wahrnehmung. Sie setzten die Marker dafür, was man von uns hören und erwarten konnte. Für die Band stellte MACHINE HEAD eine Brücke zu dem Teil der Welt her, den wir verloren hatten. Amerika. IN ROCK war aufgrund irgendeines vertraglichen Unsinns nie in den Staaten veröffentlicht worden, niemand wusste damals, wer eigentlich die Rechte an Deep Purple besaß, bis Warner Brothers irgendwann wieder einfiel, dass sie es waren. Als MACHINE HEAD erschien, kam das Album bei Warner Brothers raus und die taten dann etwas relativ Schlaues: Wir schickten ihnen die Platte und einer ihrer Produzenten liebte ›Smoke On The Water‹. Da der Song aber über fünf Minuten lang war, wurde er nirgendwo gespielt. Also beschloss er, eine auf drei Minuten gekürzte Version zu erstellen, damit die Radiosender die Single spielen würden. Er schickte diese „Radio-Edit“ an einen Sender, der sie spielte – und die Reaktionen waren großartig. Einen Monat später spielte jeder Rock-Radiosender in Amerika ›Smoke On The Water‹. Unser Name kam wieder ins Spiel, die Leute erinnerten sich an unsere letzte Single dort, ›Hush‹, und dachten sich: ‚Ach, Deep Purple gibt es immer noch. Ich mag ihren neuen Song!‘ Dieses Lied öffnete uns erneut die Tore zu dieser Welt und seitdem haben sie sich nicht mehr geschlossen.

MACHINE HEAD hat ja eine ziemlich wilde Entstehungsgeschichte …

Absolut und das Ganze hätte auch wirklich schief gehen können. Wir hatten ja nur drei Wochen, weil das die Zeit war, in der wir das „Mobile Studio“ der Rolling Stones ausleihen konnten. Als dann das Casino in Montreux niederbrannte, wo wir eigentlich aufnehmen wollten, hatten wir schon einen Tag verloren. Unser guter Freund Claude Nobs organisierte uns das „Palace Hotel“ als Alternative. Es stand über den Winter leer und hatte einen tollen Ballsaal, der wirklich gut klang. Zusammen mit unserem Tontechniker, Martin Birch, fingen wir an, dort aufzunehmen – mit dem „Da Da Daa“-Song, wie wir ihn nannten. Nach zwei Takes sahen wir schon das Blaulicht draußen. Die Polizei war gekommen und versuchte, ins Studio zu kommen, doch die Techniker hielten die Türen zu, bis wir den Take im Kasten hatten. Wir waren viel zu laut, die Polizisten erklärten uns, dass wir die ganze Stadt wachhielten. Also konnten wir auch nicht im „Palace Hotel“ bleiben. Es dauerte zwei weitere Tage, bis Claude uns das „Grand Hotel“ organisiert hatte. Wir benutzten die Matratzen des Hotels, um den Aufnahmeort einigermaßen schallisoliert zu bekommen und schafften den Rest des Albums in neun oder zehn Tagen.

Was nicht allzu viel Zeit ist…

Das stimmt, aber so waren wir voll bei der Sache und konzentrierten uns mit jeder Faser unseres Körpers darauf, diese Platte zu machen. Keine freien Tage, kein zu tief ins Glas schauen. Wir hatten schon viele Fragmente beisammen, doch die Songs kommen bei uns immer am Schluss. Wir geben Ian Gillan und Roger Glover Songstücke und sagen: ‚Macht was daraus, macht ganze Songs daraus, schreib einen Text dazu.‘ (lacht) Als wir fertig waren, hörten wir die Platte durch und merkten, dass sie um einen Song zu kurz war. Da fiel uns der „Da Da Daa“-Song wieder ein. Die Aufnahme gefiel uns, fehlten also nur noch die Lyrics. Wir dachten uns, es wäre doch mal was, eine Geschichte zu erzählen. Die ganze Montreux-Sache gab ja schließlich genug her. Ich erinnere mich daran, dass wir ins Hotel rannten, als das Casino abbrannte. Wir schauten in die Flammen und der Wind trug den Rauch langsam über den See herüber. Und Roger rief: ‚Schaut, Rauch auf dem Wasser!‘ Und Ian Gillan meinte: ‚Okay, das schreib ich mal auf.‘ Aber wie gesagt, die ganze Sache hätte auch mächtig schief gehen können. Wir hatten sehr wenig Zeit und mussten sehr oft umdisponieren.

In der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK sprechen wir mit Ian Paice, Ian Gillan und Simon McBride über das neue Deep-Purple-Album „=1“. Jetzt hier versandkostenfrei online bestellen: CLASSIC ROCK #131

Wie wirkt sich das auf das Mindset einer Band aus, wenn alle Pläne ständig wieder über den Haufen geworfen werden müssen?

Wenn man sich in so einer Situation komplett selbst überlassen wäre, wäre das sehr schwierig. Wir waren ja alle noch Kids, wir waren es gewohnt, dass jemand anderes unsere Angelegenheiten organisierte. Wir hatten großes Glück, dass der Veranstalter des „Montreux Jazz Festivals“, Claude Nobs, uns half. Nur durch ihn war es uns möglich, dieses Album aufzunehmen. Klar wäre MACHINE HEAD auch so irgendwann entstanden, aber erst nach der nächsten Tour. Und das wäre schade gewesen.

Habt ihr als Band damals gespürt, wie der Druck von Tag zu Tag stieg?

Ich denke, später in deiner Karriere, wenn du ein wenig mehr zu schätzen weißt, wie großartig dieses Geschenk des Erfolgs wirklich ist, bist du mehr darauf fokussiert, sicherzustellen, dass alles korrekt abläuft. Wenn das alles gerade erst losgeht und du so jung bist, ist dir die Ernsthaftigkeit der Situation gar nicht so bewusst. Deswegen verspürt man auch nicht viel Druck. Weißt du noch, als du ein Kind warst? Du stehst auf, spielst mit deinen Spielsachen, deine Mama macht was zu essen und dann gehst du ins Bett. Das war doch alles sehr einfach. (lacht) Je älter du wirst, desto komplizierter und komplexer wird alles. Selbiges gilt für deine Karriere. Wenn du mit Erfolg gesegnet bist, nimmst du mehr Anteil an allem, weil du weißt, wie schnell alles in die Brüche gehen kann.

Rückblende: Eagles – ›Life In The Fast Lane‹

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Ein Song, der auf einem Riff von Joe Walsh basiert und dessen Titel beschreibt, wie es war, zu dieser Zeit bei den Eagles zu sein.

Im Sommer 1976, als die Eagles ihr Album HOTEL CALIFORNIA aufnahmen, waren sie schon so weit über dem Regenbogen, dass sie Töpfe voller Gold scheißen konnten. Als Mitbegründer und Country-Musik-Missionar Bernie Leadon nach einem weiteren Streit über die „Richtung“ der Band abzog und sein Banjo mitnahm, gaben sich die Eagles nicht mehr als gesunde Gras- und Wein-Musikanten aus Laurel Canyon aus. Sie spielten nun das, was Sänger/Gitarrist Glenn Frey als „satanischen Country-Rock“ bezeichnete. Frey, ein James Dean verehrender Motown-Anhänger aus Detroit, war 1969 nach LA gekommen und spielte Chuck-Berry-Cover. Für Frey, wie auch für seinen Songschreiber-Kollegen Don Henley – einen Texaner mit markantem Kinn, der keinen Bock auf Rumgeeiere hatte – war die Country-Sache lediglich eine Eintrittskarte in die Welt der Eagles; genau das, was zufällig dort passierte, wo die Eagles schlüpften. Hätten sie sich in London statt in L.A. gegründet, wären sie eine Glam-Rock-Band gewesen, in der weder Bärte noch Denim erlaubt gewesen wären.

In der Tat hätte sich Frey in einer Glam-Rock-Band vielleicht wohler gefühlt – zumindest musikalisch. Er warf gerne Zigaretten in die Luft und fing sie mit dem Mund auf, ein Trick, den er von James Dean geklaut hatte. Er zog „Parallelen zwischen Rock’n’Roll und dem Leben eines Gesetzlosen“ und fügte hinzu: „Ich habe das Gefühl, dass ich ständig gegen das Gesetz verstoße“. Auch Henley interessierte sich weniger für Country-Musik als für Ruhm und Reichtum. Er mochte Soulmusik und schätzte Country, aber das war es nicht, was den Erfolg der Eagles begründete. Es war die schiere Strahlkraft von Frey und Henley. Glenn und Don. Und ihr Wunsch, in die gleiche 70er-Kategorie wie die Rolling Stones und Led Zep eingeordnet zu werden. All das wird in ›Life In The Fast Lane‹ deutlich, jenem Song, den die Eagles um ein kraftvolles Boogie-Riff von Leadons Ersatzmann Joe Walsh herum aufbauten.

Auf Wiedersehen, volkstümliche Banjos und Fideln, hallo Rock und Funk! Der 28-jährige Walsh, der bereits als Mitglied der James Gang und durch seinen monumentalen Solohit ›Rocky Mountain Way‹ von 1973 bekannt war, trug dazu bei, die Eagles zu einer authentischen Rockband zu machen. Laut Don Felder, dem anderen Hauptgitarristen der Eagles, war er das Leben auf jeder Party der Eagles, selbst an Tagen, an denen sie „verkatert waren oder eine Nebenhöhlenentzündung von schlechtem kubanischen Koks hatten,“

Walsh nahm gerne mal eine Kettensäge mit auf Tour, um Türen zu entfernen und Hotelsuiten in einen riesigen Partyraum zu verwandeln. Er verleibte sich gerne „Hog Rails“ ein: dicke weiße Linien aus Kokain, die er mit riesigen Screwdrivern – vierfach Wodka und frisch gepresster Orangensaft – ausglich. Er ließ seine Mietwagen an den ungewöhnlichsten Orten stehen und hinterließ Dampfschwaden aus Spaß und Zerstörung; all die Energie, die er auf der Bühne nicht verbrauchen konnte, fand ein Ventil abseits der Bühne. Eine Austrittswunde. Walsh liebte Wasserschlachten und Streiche mit Klebepistolen. Er mochte das, was eine Freundin seine „Kink-Szenen“ nannte: Soft-Core-Bondage, einvernehmlich und spaßig, wenn man fünf Tage am Stück wach war und dabei immer weiter versucht, high zu bleiben. „Monstering“ nannte Walsh das. Als Walsh eines Tages bei den Proben mit dem Riff von ›Life In The Fast Lane‹ aufwartete, rief Henley: „Was zum Teufel ist das? Wir müssen einen Song daraus machen!“

DEATH IN THE FAST LANE
Die Eagles trennten sich am Ende ihrer US-Tournee 1980, nachdem es auf der Bühne zu einem großen Streit gekommen war. Als sie das gefühlvolle ›Best Of My Love‹ spielten, schlich sich Glenn Frey an Don Felder heran und flüsterte ihm ins Ohr: „Fick dich. Wenn wir von der Bühne runter sind, trete ich dir in den Arsch!“ Felder, der getrunken hatte und die Nase gestrichen voll von diesem Scheiß, zischte zurück. „Nur noch drei Songs, bis ich dir in den Arsch trete, Kumpel. Mach dich bereit.“ Die letzte Nummer des Abends vor den Zugaben war ›Life In The Fast Line‹. Irgendwie schafften sie es, die Zugaben durchzuziehen, ohne sich gegenseitig anzugreifen. Der Gig endete, und die meisten Bandmitglieder machten sich auf den Weg zu den Limousinen am Backstage-Eingang. Außer Frey. Er sah zu, wie Felder eine alte Gitarre nahm und sie gegen eine Wand schmetterte. Frey starrte Felder an und sagte. „Typisch, dass du deine billigste Gitarre zertrümmerst.“ Felder dachte darüber nach und ging dann zu seiner Limousine, bevor noch mehr passieren konnte. Für die Eagles war es jetzt wirklich vorbei.

Frey formte ihn zu einem alten R&B-Stück – dem „One Chord“-Song – und kam auf den perfekten Titel, der aus einem Gespräch mit einem Drogendealer mit dem Spitznamen The Count stammte. Sie saßen in einem Auto und fuhren auf eine Autobahn in Los Angeles auf, als der Count zu Glenns Entsetzen das Gaspedal durchdrückte. „Was meinst du mit langsam?“, schrie der Count. „Das ist das Leben auf der Überholspur…“ Jahre später würde Felder zugeben: „Ich konnte mir den Song kaum anhören, als wir ihn aufnahmen, weil ich zu der Zeit oft high war und der Song mich krank machte.“ Er fügte hinzu: „Wir haben versucht, ein Bild zu malen, das erklärt, dass Kokain gar nicht so toll ist. Es macht dich kaputt.“ Die Fans sahen das anders und hielten den Song für eine Hymne.

„Was die Frage angeht, wer den Text geschrieben hat“, erklärt Felder. „Glenn schrieb die eine Hälfte und ich die andere. Wir haben immer die Sätze des anderen zu Ende gesprochen; wir hatten eine Art telepathische Verbindung.“ Der Text enthielt einige der bissigsten Couplets der Eagles: „There were lines on the mirror, lines on her face/She pretended not to notice, she was caught up in the race…“ Als das Album HOTEL CALIFORNIA schließlich im Dezember 1976 veröffentlicht wurde, konzentrierten sich die Kritiker verständlicherweise auf den Titelsong, der nach Ansicht des Rolling Stone „sowohl die besten als auch die schlechtesten Tendenzen des in Los Angeles angesiedelten Rock“ zeigte. Sie fügten hinzu, dass der Text von ›Life In The Fast Lane‹ „ein überzeugendes und wenig schmeichelhaftes Porträt des Milieus selbst darstellt“.

Auf der anschließenden Tournee der Eagles durch Chicago lud Walsh seine guten Freunde John Belushi und Dan Aykroyd in seine Suite im Astor Towers Hotel ein, wo die drei Amigos sich daran machten, das Apartment zu verwüsten, das sich als Privatwohnung des Besitzers herausstellte. „Wir mussten uns mit einem Anwalt und einem Bauführer abmelden“, erinnert sich Walsh. „Das war eine andere Zeit. Wir konnten tun, was wir wollten, und das taten wir auch.“ Oder wie Don Henley es ausdrückte: „Nun, Joe war und ist sein eigener Chef. Er war schon immer ein unabhängiges Wesen, auch als Mitglied der Gruppe.“ Ein Leben auf der Überholspur in der Tat.

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

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Heute gibt es wieder pünktlich zum Wochenende viele Neuheiten im Plattenladen, z.B. die neuen Alben von Johnny Cash, Nathaniel Rateliff & The Nightsweats, der Beatsteaks und von Robert Jon & The Wreck.

Johnny Cash: SONGWRITER

„Die elf bis dato unveröffentlichten und auf Demos von 1993 basierenden Lieder zeigen einmal mehr die Genialität der Country-Legende. Sohn John Carter Cash hat die verschollenen Schätze entdeckt und die Rohversionen zusammen mit Gästen, die teilweise noch selbst mit Cash musiziert haben, aufpoliert. Aber nicht auf Hochglanz, sondern eher matt und mit Patina.“

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Nathaniel Rateliff & The Nightsweats: SOUTH OF HERE

„Mit THE FUTURE von 2021 erlitt man sogar böse Schiffbruch. SOUTH OF HERE soll es jetzt wieder richten – und die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Denn die elf unter der Regie von Brad Cook (Bon Iver) in Texas aufgenommenen Tracks halten ein Füllhorn an interessanten Einfällen parat.“

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Beatsteaks: PLEASE

„Auch wachsen ihnen die Melodien endlich wieder aus jenen Ohren, die das Gespür für Hits wiederentdeckt haben. Hie und da scheppert es auch mal ordentlich, doch versucht die Gruppe glücklicherweise nicht verkrampft, die Energie der Jugend nachzubilden.“

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Robert Jon & The Wreck: RED MOON RISING

„Viel Zeit zum Atmen, Komponieren und Aufnehmen bleibt da eigentlich nicht, doch meistert die Truppe um den charismatischen Frontmann Robert Jon Burrison den scheinbaren Zeitmangel mit Bravour und liefert mit RED MOON RISING ein zeitlos schönes, uriges Southern-Rock-Werk mit Blues- und Jam-Anleihen.“

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Robert Jon & The Wreck: RED MOON RISING

Keine Abnutzungserscheinungen bei den Southern-Rockern

Gäbe es eine Kategorie für die fleißigste und umtriebigste Band, würden Robert Jon & The Wreck auf einem der vorderen Ränge landen. Der Vorläufer RIDE INTO THE LIGHT ist gerade einmal neun Monate alt, das Quintett fast pausenlos auf Tour, und doch steht mit RED MOON RISING bereits das neunte Studioalbum in knapp dreizehn Jahren an. Dazu gesellen sich für die Südkalifornier aus Orange County zwei EPs, eine Raritäten-Zusammenstellung sowie drei Live-Mitschnitte. Viel Zeit zum Atmen, Komponieren und Aufnehmen bleibt da eigentlich nicht, doch meistert die Truppe um den charismatischen Frontmann Robert Jon Burrison den scheinbaren Zeitmangel mit Bravour und liefert mit RED MOON RISING ein zeitlos schönes, uriges Southern-Rock-Werk mit Blues- und Jam-Anleihen. Erstmals unterstützt von Kevin Shirley (Black Country Communion, Iron Maiden, Journey), sind die zwölf Tracks (inklusive zweier Bonus-Stücke) gar noch stärker geworden als zuletzt. Der Opener ›Stone Cold Killer‹ ist zwar noch wenig vielversprechend und gerät etwas beliebig, doch im Anschluss lässt die Truppe keine Frage unbeantwortet. ›Ballad Of A Broken Hearted Man‹ ist eine Melange aus Bon Jovi (›Wanted Dead Or Alive‹) und Molly Hatchet (›Fall Of The Peacemakers‹), der Titeltrack klingt funky. Danach wird es extrem entspannt,man könnte meinen, Blackberry Smoke hätten hier und da Pate gestanden (›Help Yourself‹, ›Hold On‹). Bei ›Worried Mind‹ hält der Country Einzug, ›Hate To See You Go‹ enthält Reminiszenzen an Little Feat.

8 von 10 Punkten

Robert Jon & The Wreck
RED MOON RISING
JOURNEYMAN/ROUGH TRADE

Beatsteaks: PLEASE

Frisch und unverbraucht – beste Platte der Band seit Jahren

Zurück ins Jahr 2004. In Berlin war Klaus Wowereit Bürgermeister, George W. Bush amerikanischer Präsident und MTV konnte aus Sternchen noch Stars zaubern. Womit wir bei den Beatsteaks sind. Die hatten schon einige Jahre hinter sich, als sie auf ihrem vierten Album SMACK SMASH erstmals ihr melodiöses Hit-Feuer auf gesamter Plattenläge entfachten. Im Frühjahr/Sommer 2004 kam keiner an ›Hand In Hand‹ und ›I Don’t Care As Long As You Sing‹ und den dazugehörigen Videos auf MTV vorbei. Es folgten große Festivals, weitere Platten, Rockstardasein. Nachdem die letzten zwei, drei Platten etwas unter dem Radar liefen, haben sie laut Eigenaussage nun „das beste neunte Album aller Zeiten“ aufgenommen. Ironischer Größenwahn, klar, aber man darf gratulieren. Der neue Produzent Olaf Opal sorgt für frischen Wind, das Sounddesign zeichnet sich durch einen wirklich großartig klingenden Raumklang aus. Auch wachsen ihnen die Melodien endlich wieder aus jenen Ohren, die das Gespür für Hits wiederentdeckt haben. Hie und da scheppert es auch mal ordentlich, doch versucht die Gruppe glücklicherweise nicht verkrampft, die Energie der Jugend nachzubilden. Der Fokus liegt auf Verfeinerung. Die Gitarren klingen manchmal sogar wie bei Johnny Marr, exemplarisch nachzuhören in der smoothen Ballade ›Love Like That‹, einem ihrer besten Stücke. Willkommen zurück!

8 von 10 Punkten

Beatsteaks
PLEASE
WARNER/BEAT RECORDS