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Eclipse – WIRED

Auf Hochglanz polierter Melodic Metal

Erik Mårtensson ist nicht nur ein kundiger Künstler mit dem richtigen Riecher für Hitpotenziale, sondern obendrein auch noch ein emsiges Kerlchen: Erst Anfang dieses Jahres veröffentlichte er zusammen mit Jeff Scott Soto und Robert Säll unter dem Signet W.E.T. die neue Platte RETRANSMISSION, jetzt, nur wenige Monate später, legt er mit seiner Kombo Eclipse einen weiteren Longplayer nach. In gewohnter Manier wird dem Hörer hier auf Hochglanz polierter, tanzbarer Melodic Metal bzw. AOR serviert – der Pandemie zum Trotz reiht sich auf WIRED ein Partyhit an den nächsten. Die Platte strotzt nur so vor Hooklines, die Synthies schneiden wie Laserschwerter durch die Luft, die Refrains sind stets groß und können schnell aus ganzem Herzen mitgeschmettert werden. Es geht um Leidenschaft, um Zusammenhalt, um den archetypischen Rock’n’Roller als ›Dying Breed‹, der allen Widrigkeiten zum Trotz an seinem Lebensgefühl festhält. Da ist es nur passend, dass in einem Song wie ›Twilight‹ eine Synthie-Version der „Europahymne“ in den Zwischenteil eingefädelt wird.

7 von 10 Punkten

Meilensteine: The Grande Ballroom feiert seine Eröffnung

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07.10.1966: Detroits legendärer Rockclub The Grande Ballroom öffnet seine Pforten.

Nach der British Beat Invasion stand um 1966 eine weitere Revolution in der Popkultur an. Vom Epizentrum San Francisco aus breitete sich das psychedelische Hippie-Trippy-Dippy-Flower-Power-Mantra einmal rund um den Globus aus. Neue Hotspots mussten her. Auch der 1966 von Highschool-Lehrer und Lokalradio-DJ Russ Gibb übernommene Grande Ballroom in der 8952 Grand River Avenue in Detroit, ursprünglich schon 1909 eröffnet, ab 1927 Dancehall und Hangout der berüchtigten Purple Gang (auch Sugar House Gang genannt, ein Crime Mob aus Bootleggers und Hijackern in der US-Prohibitionsära), zählte dazu.

Unter Gibbs Ägide ereignete sich dort die Geburtsstunde der hartkantigen Detroit-Szene mit innovativen Protagonisten wie MC5, The Stooges, James Gang, Frijid Pink, SRC, The Frost, Ursa Major, The Bob Seger System, Ted Nugent & The Amboy Dukes, Mitch Ryder & The Detroit Wheels sowie die zeitweilig ebenfalls dort stationierte Ur-Formation der Alice Cooper Band. Vor allem die von Vokalist Rob Tyner und der Doppel-Gitarrenspitze Wayne Kramer und Fred Sonic Smith angeführten MC5 verhalfen dem am 7. Oktober 1966 eröffneten Grande Ballroom zu Legendenstatus, entstand dort doch am 30./31. Oktober 1968 das famose Debütalbum KICK OUT THE JAMS. The Who wiederum feierten dort die US-Premiere ihrer Rockoper TOMMY.

Angezogen fühlten sich ebenso Alt-Blueser wie B.B. King oder John Lee Hooker als auch die zweite britische Division mit u. a. Cream, Led Zeppelin, Jeff Beck Group, The Move, Spooky Tooth oder Pink Floyd. „Es herrschte dort eine ureigene Atmosphäre mit ungeheurer Wertschätzung seitens des Publikums – selbst kleine Bands wurden wie Könige gefeiert, das half ungemein, nicht nur bei der lokalen Szenenbildung“, erinnert sich Alice Cooper. „Alle schauten vorbei. Auch Love, Blue Cheer, The Fugs und The Velvet Underground.“

Sechs Jahre lang entfaltete der zwar heute noch existierende, aber mittlerweile zur gespenstischen Ruine verfallene Grande Ballroom sich zum anarchischen Mikrokosmos sozialer Revolutionen und hedonistische Exzesse – bis zum Niedergang im Jahre 1972. Als Hauptverursacher lässt sich die Inflation der Stadt Detroit ausmachen, selbst das Label Motown zog nach Los Angeles um.

Deep Purple: Neue Single 7 AND 7 IS von kommendem Coveralbum

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Am 26. November veröffentlichen Deep Purple ihr neues Album TURNING TO CRIME, den Nachfolger zu WHOOSH! von 2020 und gleichzeitig die erste Cover-Platte der Band.

Eine erste Single haben die Briten jetzt ausgekoppelt. 7 AND 7 IS ist im Original von Arthur Lee und gibt einen ersten Vorgeschmack auf die Cover-Arbeiten von Purple.

TURNING TO CRIME wird 12 Tracks enthalten, darunter Originale von Künstlern wie Fleetwood Mac, Cream oder Bob Dylan.

The Rolling Stones: Reaktion auf Leute, die Trennung der Band fordern

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In einem neuen Interview mit Apple Music 1 äußert sich Mick Jagger zu den Forderungen, dass die Rolling Stones sich nach dem Tod von Charlie Watts trennen sollen und ihr „No Filter“-Tour nicht ohne ihren Drummer fortsetzen.

Jagger dazu: „Manche Leute meinen ‚Oh, Charlie ist gestorben, ihr hättet die Tour absagen und euch zur Ruhe setzen sollen. Andere hingegen denken: ‚Das Ding mit den Stones ist, dass sie durch ihre Karriere hindurch eine gewisse Resilienz entwickelt haben.‘ Wir hatten Höhen und Tiefen, meistens Höhen, um ehrlich zu sein, aber eben auch Tiefen und Schwierigkeiten. Und das war vielleicht die schwierigste Zeit überhaupt für uns.“

Er und der Rest der Stones habe eben beschlossen, einfach weiterzumachen. „Ich fühle mich gut mit dieser Entscheidung. Ich weiß, dass Charlie es so gewollt hätte und das Publikum wollte es auch so.“

Werkschau: Der Albumguide zu REO Speedwagon

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REO Speedwagon Album GuideMit Powerballaden, die Geschichte schrieben, und noch einigem mehr wurden die Herren aus Illinois zu absoluten Giganten im goldenen Zeitalter des AOR.

In Großbritannien feierte die lauteste Band des Landes 1981 einen geschichtsträchtigen Triumph, als Motörhead mit NO SLEEP ’TIL HAMMERSMITH die Spitze der britischen Albumcharts erreichten. Doch auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans dominierte eine wesentlich feinere Form der Rockmusik. Es war der Zenit des Adult Oriented Rock, der Alben wie ESCAPE von Journey, 4 von Foreigner, PRECIOUS TIME von Pat Benatar und PARADISE THE­ATER von Styx auf den Thron der US-Charts steigen ließ. Doch kein Album war größer als HI INFIDELITY von REO Speedwagon, erschienen im November 1980, das satte 15 Wochen lang auf Platz 1 stand.

Für REO Speedwagon war dieser Erfolg keineswegs über Nacht gekommen. Die Band war schon 1967 in Champaign, Illinois gegründet worden und hatte ihren Namen dem alten Lieferwagen von Keyboarder Neal Doughty entliehen. Das Debütalbum – verwirrenderweise R.E.O. SPEEDWAGON betitelt – erschien 1971 und neben Doughty war damals nur noch Schlagzeuger Alan Gratzer von der Originalbesetzung übrig geblieben. Dazu kamen Gary Richrath an der Gitarre, Greg Philbin am Bass und Terry Luttrell als Frontmann. Die Line-up-Wechsel, die folgen sollten, waren noch konfuser.
Auf dem zweiten Album R.E.O./T.W.O. hatte Kevin Cronin als Sänger übernommen, doch nachdem er sich auf Tournee die Stimmbänder ruiniert hatte, wurde er für RIDIN’ THE STORM OUT (1973) durch Mike Murphy ersetzt. Erst nach zwei weiteren Platten mit Murphy, die beide floppten, kehrte Cronin zurück.

Und ab diesem Zeitpunkt waren es er und Richrath, die den alten Lieferwagen auf die Überholspur brachten. HI INFIDELITY wurde das Album, das ihre Karriere definieren sollte. Cronins ›Keep On Loving You‹ wurde zu einem Nr.-1-Hit und auch Richraths ›Take It On The Run‹ stürmte die Charts. Cronin gelang das Kunststück 1985 noch einmal mit ›Can’t Fight This Feeling‹, doch die guten Zeiten konnten nicht ewig währen. Nach Gratzers Ausstieg 1988 und Richraths Weggang ein Jahr darauf kamen keine Hits mehr. Das Line-up der Band ist seither unverändert mit Cronin, Doughty und Bassist Bruce Hall, der seit 1977 an Bord ist, ergänzt um Gitarrist Dave Amato und den Schlagzeuger mit dem passenden Na­­men Bryan Hitt.

Traurigerweise verstarb Gary Richrath am 13. September 2015. Zwei Tage später begann Cronin ein REO-Konzert mit einer Lobrede. Er erinnerte sich: „Ich spürte, dass Gary irgendwo da oben war, auf mich hinunter blickte und sagte: ‚Cronin, halt’s Maul und rocke diese Leute!‘“

Es war so passend wie lustig: eine gelungene Hommage von Cronin an den Mann, mit dem gemeinsam er so viel großartige Musik erschaffen hatte.

UNVERZICHTBAR

HI INFIDELITY
EPIC, 1980

REO Speedwagon Hi Infidelity
Mit mehr als zehn Millionen Verkäufen allein in den USA ist dies REOs größtes Album sowie ihr bestes. Und nicht nur das: Es ist zudem ein zeitloser Klassiker des AOR. Seinen Erfolg verdankte es zwei der wohl bittersten Liebeslieder, die je geschrieben wurden. In der lieblich klingenden Powerballade ›Keep On Loving You‹, eine millionenfach verkaufte Nr. 1 in den USA, verglich Cronin eine Ex-Freundin mit einer Schlange, „all coiled up and hissin‘“. Der andere große Hit ›Take It On The Run‹ lieferte mit seiner schönen Melodie ebenfalls ein emphatisches „Fuck you!“ ab. Weitere tolle Tracks wie der Rock‘n‘Roller ›Don‘t Let Him Go‹ waren hier auch zu finden, doch diese beiden so hintergründig gallenbitteren Songs definierten REO, und den AOR als solchen, einfach perfekt.

NINE LIVES
EPIC, 1979

Reo Speedwagon Nine Lives
Richrath gab für das neunte Album der Band den Ton mit einer einfachen Devise vor. „Gary fand, dass wir etwas mehr rocken sollten“, so Cronin. Der Gitarrist bekam seinen Willen: Auf dieser Platte waren sie wesentlich härter. Ein Ansatz, der zwar keine Hitsingles hervorbrachte, aber eine richtig heiße Rockscheibe. ›Heavy On Your Love‹ ist der dreckigste Song, den REO je aufnahmen. Das setzt sich fort in rifflastigen Stücken wie ›Only The Strong Sur­vive‹ und ›Take Me‹. Und am Ende gibt es schließlich noch ›Back On The Road Again‹, eine von Bassist Bru­ce Hall geschriebene und gesungene Hymne, veredelt durch Richraths furiose Gitarrenarbeit.

WUNDERBAR

LIVE: YOU GET WHAT YOU PAY FOR
EPIC, 1977

REO Speedwagon You Get Waht You Pay For
Als Cronin nach vier Jahren Pause 1976 zur Band zurückkehrte, stand der Titel des kommenden Albums – R.E.O. – für eine Wiedergeburt. Es floppte zwar, doch der Nach­folger, ein Live-Mitschnitt auf Doppel-LP, schlug besser ein. Dies war ihre erste richtig großartige Platte und ein prägendes Statement, das Cronin als wahre Stimme der Band etablierte. Unter reichlich Boogie-Rock – anfangs ihr bevorzugtes Territorium – war es sein ›Keep Pushin‘‹, das den Weg in die Zukunft wies. Auf ›Ridin‘ The Storm Out‹ hob ein grandioser Sänger einen guten Song auf ein ganz neues Niveau.

YOU CAN TUNE A PIANO, BUT YOU CAN’T TUNA FISH
EPIC, 1978

REO Speedwagon You Can Tune A Piano But You Can't Tuna Fish
Es war ein schlimmer Kater, der Cronin den Titel ihres ersten Top-30-Erfolgs eingab. Der Frontmann erklärte: „Joe Walsh hatte sein Album THE SMOKER YOU DRINK, THE PLAYER YOU GET genannt und damit die Türen für verrückte Plattentitel geöffnet.“ Tatsächlich gab es aber wenig zu lachen. REO brauchten unbedingt einen Hit und retteten so ihre Karriere. Die beiden Singles wurden zu Ever­greens: ›Roll With The Changes‹, eine beseelte Heavy-Rock-Nummer, sowie ›Time For Me To Fly‹, ein bittersüßer Abschied an Cronins erste Liebe.

GOOD TROUBLE
EPIC, 1982

Reo Speedwagon Good Trouble
Kontext ist alles. GOOD TROUBLE, der Nachfolger von HI INFIDELITY, hielt dem Ver­gleich nie stand. Es fand zwei Millionen Käufer, ist aber bis heute das unterschätzte Album der Band. ›Keep The Fire Bur­nin‘‹, die erste Single und der einzige nennenswerte Hit, knistert vor Energie. Das Titelstück ist kein bisschen weniger heavy als alles auf NINE LIVES. Auf ›The Key‹ wird Cronin existenzialistisch und Doughty klimpert dahin, als sei er bei Lynyrd Sky­nyrd. Doch am besten ist ›I‘ll Follow You‹, die Geschichte einer geheimnisvollen Cajun-Schönheit, dargeboten mit dramatischer Intensität.

WHEELS ARE TURNIN’
EPIC, 1984

REO Speedwagon Wheels Are Turnin'
Das Vorspiel war nicht gut: ›I Do‘ Wanna Know‹, die erste Single, schaffte es nur auf Platz 29 in den USA und galt als Flop. Doch mit der zweiten Single landeten REO ihren größten Hit. ›Can‘t Fight This Feeling‹ war 1985 drei Wochen lang die Nr. 1 in den USA und gilt auch über 30 Jahre später als eine der größten Powerballaden aller Zeiten. Das Album hatte seine Schwächen, etwa das dürftige ›Break His Spell‹, doch mit dem Megahit sowie ›Live Every Moment‹ bewiesen Speedwa­gon einmal mehr, dass sie die Meister des hochwertigen Me­­lodic Rock waren.

ANHÖRBAR

RIDIN’ THE STORM OUT
EPIC, 1973

Reo Speedwagon Ridin' The Storm
Anfang der 70er steckten REO in einer Krise. Auf sechs Alben hatten sich drei Sänger die Klinke in die Hand gegeben. Es war eine turbulente Zeit, kristallisiert in einer Platte, die mit einem Frontmann begonnen und mit einem anderen fertiggestellt wurde. Cronin, dessen Stimme nach langer Tour Scha­den genommen hatte, wurde während der Aufnahmen gefeuert. Nachfolger Mike Murphy spielte neue Gesangsparts ein. Cronin: „Das Artwork war be­­reits fertig, also airbrushten sie mich raus und fügten Murphy ein.“ Er hatte nie die Klasse von Cronin, doch dies ist die beste REO-Platte jener Zeit.

LIFE AS WE KNOW IT
EPIC, 1987

REO Speedwagon Life As We Know It
Der Titel entbehrte nicht einer gewissen Ironie. Dies war das Ende einer Ära für REO, das letzte Album mit Richrath und Gratzer und das letzte, das in den USA die Top 40 erreichte. Einerseits war alles beim Alten. Die beiden besten Stücke, beides Top-20-Hits, bewiesen einmal mehr Cronins Klasse als Autor und Sänger: ›That Ain‘t Love‹, eine essenzielle AOR-Hymne der 80er, und ›In My Dreams‹, eine perfekt konstruierte Ballade. Doch ›One Too Many Girlfriends‹, in dem Cro­nin kaum verhüllt Beleidigun­gen gegen Richrath abfeuerte, legte die Risse innerhalb der Band of­­fen. Es sollten viele Jahre vergehen, bevor sie sich versöhnten.

FIND YOUR OWN WAY HOME
SPEEDWAGON RECORDINGS/MAILBOAT, 2007

REO Speedwagon Find Your Own Way Home
2015 sagte Cronin zu CLASSIC ROCK: „Ich schreibe immer noch ziemlich coole Sachen. Ich denke, wir werden irgendwann noch eine Platte machen.“ Doch seit dem letzten Album mit neuem Material sind zwölf Jah­re vergangen. FIND YOUR OWN WAY HOME schaffte es in den USA erst gar nicht in die Charts, doch die besten Stücke erinnern an frühe Glanztaten: ›Smilin‘ In The End‹ war eine räudige Rocknummer, während das Titelstück AOR mit einem Hauch von Nashville verband und ›I Needed To Fall‹ eine geniale neue Powerballade darstellte. Es wäre ein würdiges Ende für REO Speedwagon gewesen.

SONDERBAR

NOT SO SILENT NIGHT… CHRISTMAS WITH REO SPEEDWAGON
SONY/LEGACY, 2009

Reo Speedwagon Not So Silent Night
Ein noch schlimmeres Weih­nachtsgeschenk als Socken. Es gibt durchaus großartige Fest­tagssongs von Rockbands – von Slade zu The Darkness –, doch REO hatten keinen. Stattdessen überarbeiteten sie einen Haufen Weihnachtsstandards und fügten noch eine entsetzliche Ver­sion von John & Yokos ›Happy Xmas (War Is Over)‹ hinzu. ›Winter Wonderland‹ spielten sie als Quo-esken Boogie-Shuf­fle, ›God Rest Ye, Merry Gentle­man‹ verpassten sie ein AOR-Facelift. Natürlich sollte die Sache nur ein Spaß sein, war aber leider alles andere als das.

Ginger Baker: Früchte des Zorns

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Ginger Baker liveMick Jagger ist ein „Schwachkopf“, Jack Bruce „ein Wichtigtuer“, Hawkwinds Musik klingt „verdammt grauenhaft“ und Gary Moore ist „ein ausgemachtes Weichei“. Rockstars? „Die meisten von ihnen sind verfluchte Idioten“. Sagt Ginger Baker, einer der größten Schlagzeuger aller Zeiten – und ein ziemlich ruppiger Geselle.

2010. Der legendäre Schlagzeuger liegt ausgestreckt auf dem Bett eines Londoner Hotelzimmers, als der Mann von CLASSIC ROCK den Raum betreten darf. „Wer bist du?“, stöhnt er genervt auf. Der Handschlag fällt flüchtig aus, denn Ginger Baker beklagt sich erst einmal lautstark bei seinem Presseagenten über das drohende Ungemach: „Muss ich noch so ein verdammtes Interview geben? Für welche Zeitung denn diesmal? Etwa die ‚Sunday Times’? Wofür soll das gut sein?“ Baker schnaubt. „Warum bin ich nicht im ‚Daily Mirror‘? Das wäre die Sorte Zeitung, die ich lese. Ein anständiges Revolverblatt.“

Der ruppigste Schlagzeuger der Welt richtet sich auf. Er leidet offensichtlich unter Schmerzen. Seit Jahren versucht er, die Arthritis in seinem Rücken, seiner Hüfte und seinen Knien mit Pillen, Salben, Schmerzmitteln und großen Dosen verschreibungspflichtiger Morphine in Schach zu halten. Ginger Baker ist mittlerweile auch ziemlich taub, und um sein Augenlicht war es auch schon mal besser bestellt. Kälte mag der 70-Jährige überhaupt nicht, weshalb er die Heizung voll aufgedreht hat. Ein zorniger alter Mann.

„Wo ist mein Tee?“, raunzt er seine leidgeprüfte Freundin Kudzai an. Die 27-Jährige aus Simbabwe hat er im Internet kennen gelernt, heute leben sie gemeinsam auf seiner Ranch in Südafrika. Ein Lakai erscheint mit dem Tee für „Mister Peter Baker“. Baker ist immer noch ungehalten. „Na also. Könnte mir vielleicht mal jemand den Aschenbecher rüberwerfen?“ Die Tochter seiner jungen Freundin gießt den Tee ein, während sich Baker eine Rothman’s anzündet. „Also los jetzt, sprich. Stell’ deine Fragen.“

Ich wünsche Ihnen auch einen schönen Nachmittag, Mister Baker. Die Schlagzeug-Legende ist aus ihrer Wahlheimat Tulbagh in der westlichen Kap-Provinz nach London zurückgekehrt, um die kürzlich erschienene Autobiografie „Hellraiser“ zu promoten: die Rückschau auf ein außergewöhnliches Leben, angefüllt mit verrückten Anekdoten über Heroinmissbrauch, soziale Störungen, Faustkämpfe und musikalische Eskapaden. Geschichten aus dem Soho der Nachkriegszeit, aus den „swinging sixties“ und späteren Jahren. Ein Buch wie ein Frontalzusammenstoß, und das ist wörtlich zu nehmen. Denn Baker macht sich bei jeder Gelegenheit Feinde. Freunde spielen indes kaum eine Rolle.

Baker ist aber auch in London, um einen Gig im „Jazz Café“ zu absolvieren. Ein früherer Kollege von Cream darf mitspielen: Eric Clapton. Der andere Kollege, Jack Bruce, muss draußen bleiben. Letzterer musste sich vor geraumer Zeit einer Lebertransplantation unterziehen. Hat ihm Baker wenigstens „Gute Besserung“ gewünscht? Natürlich nicht.

„Eric Clapton ist wahrscheinlich mein bester Freund“, erzählt Baker, „er und Stevie Winwood. Eric ist wie ein kleiner Bruder für mich. Ich bin sehr stolz auf ihn, denn er hat sich gut gemacht. Als ich ihn noch vor Cream erstmals traf, wusste ich nicht, dass er schon damals so viele Fans hatte. Ich sah zwar diese ‚Clapton-is-God‘-Graffitis, aber ich hatte keine Ahnung. Ich habe von den meisten Dingen keine Ahnung.“

Auf sein erstes Zusammentreffen mit Ginger Baker angesprochen, erinnerte sich einst Eric Clapton: „Er kam nach Oxford, um mich mit John Mayall’s Bluesbreakers zu hören. Er fragte mich, ob ich Lust auf eine gemeinsame Band hätte. Ich reagierte ziemlich eingeschüchtert, denn er war ein finsterer Geselle, dem ein gewisser Ruf vorauseilte.“ Laut Baker sagte Clapton Folgendes: „Ich kenne dich. Du bist nicht der harte Junge, für den du dich hältst.“ Der Gitarrist, mehr Softie als Kämpfer, war von Bakers Erscheinung jedenfalls schwer beeindruckt: „Er wirkte körperlich sehr stark, ein extrem drahtiger Typ mit roten Haaren. Er hatte immer diese seltsame Ausstrahlung, eine Mischung aus Unglauben und Misstrauen. Erst später bemerkte ich dann, dass er eigentlich ein schüchterner, sanfter Mann ist, nachdenklich und voller Mitgefühl.“

In besagter Nacht fuhr Baker mit Clapton von Oxford zurück nach London. Er raste wie ein Wahnsinniger, und als Clapton Jack Bruce als Bassisten vorschlug, hätte Baker seinen neuen Rover 3000 beinahe geschrottet. Seine spontane Antwort: ein humorloses Nein. Ein paar Tage später rief er Eric an und verkündete, mit Jack Bruce doch einverstanden zu sein.

Bevor sich Baker aus der Graham Bond Organisation und Clapton von John Mayall’s Bluesbreakers verabschiedeten, hatte der Trommler bereits mit Bruce die Bühne geteilt. Die Antipathie zwischen Baker und dem talentierten, klassisch ausgebildeten Bassisten aus Schottland ist sattsam bekannt und bestens dokumentiert. Basiert ihre Fehde, die nun schon seit Jahrzehnten andauert, womöglich auf klassischer Hassliebe? „Kein bisschen“, kontert Baker, „ich entdeckte Jack im Jahr 1962 und ich brachte ihn in all die Bands, in denen wir zusammen spielten – Cream inklusive. Ich war der Katalysator, doch als Graham Bond ihn zum Singen ermutigte, begannen seine Egoprobleme. Noch heute weigert er sich zu akzeptieren, dass ich mehr als nur ein Schlagzeuger bin. Er gibt zu, dass ich ein wundervoller Trommler bin, aber er weigert sich, mich als Musiker zu sehen, der auch Songs schreibt. Was auch für Pete Brown gilt (Texter für Cream, der damals auch mit seiner eigenen Band Battered Ornaments auftrat – Anm.d.Red.). Ich hatte ihn 1961 bei einer Show in St. Pancras kennen gelernt. Wenn’s darum geht, wie er zu Cream kam, spricht er immer nur von einem ‚Telefonanruf‘. Dass der von mir kam, verschweigt er.“

So wie es Baker sieht, hat die Achse Brown/­ Bruce immer versucht, seine und Claptons Ver­dienste klein zu reden. „Wir leisteten alle unsere Beiträge. Was mich wirklich anpisst, ist die Tatsache, dass meine Mitarbeit an ›Sunshine Of Your Love‹ und ›White Room‹ komplett geleugnet wird. Ich spielte bei beiden Songs tragende Rollen, dieser Bolero-Part in ›White Room‹ etwa ist auf meinem Mist gewachsen, aber ich wurde nie als Co-Komponist erwähnt. Und Jahre später drehte Jack dann förmlich durch, weil Eric ›White Room‹ in seinem Set spielte. Aber so ist er eben.“

Judas Priest: Richie Faulkner spricht über seine Herz-Op

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Am 28. September informierten Judas Priest die Öffentlichkeit darüber, dass ihre anstehende Tour aufgrund einer Herzerkrankung von Gitarrist Richie Faulkner verschoben werden müsste.

Nach einer erfolgreichen Operation meldet sich jetzt Faulkner persönlich zu Wort und legt einige Details über seinen Krankheitsverlauf offen. Auf der Bühne beim „Louder Than Life“-Festival habe er sich plötzlich verwirrt gefühlt und Schmerzen empfunden.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Faulkner ein Aortenaneurysma hatte, dazu eine Aortendissektion. Nach einer über zehnstündigen Notfall-OP ist Faulkner jetzt auf dem Weg der Besserung, den Aussagen seiner Doktoren zufolge schaffen es die meisten Menschen mit diesem Krankheitsbild nicht mehr lebendig ins Krankenhaus. Einige Teile in seiner Brust wurden durch Metallstücke ersetzt. „Ich bin jetzt wortwörtlich aus Metall gefertig“, scherzt der Gitarrist.

Eddie Van Halen: Das Interview von 1978

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Anlässlich der Veröffentlichung ihres ersten Albums sprach Steven Rosen mit dem jungen Gitarristen von Van Halen über seine Einflüsse, seine Hoffnungen und die Sache mit dem Fret-Tapping.

Es war irgendwann 1978. Ich sah mir mein Exemplar des ersten Albums von Van Halen an, als ich hörte, wie unter dem Fenster meines Gasthauses in Laurel Canyon der Motor eines Autos abgestellt wurde. Ich streckte den Kopf hinaus und sah herab auf ein mitgenommen aussehendes, unscheinbares Auto, das vor meiner Garage parkte. Ich war kurz davor, runterzugehen und dem Übeltäter zu sagen, er solle sein Fahrzeug bewegen. Ich wartete schließlich auf Eddie Van Halen, der vorbeikommen sollte, und wollte nicht, dass irgendein Idiot den Platz besetzt.

Ein paar Wochen zuvor hatte ich mich mit Ed im Whisky unterhalten, wo er mir von Michelle Myer vorgestellt worden war, einer guten Freundin von mir und Bookerin des Clubs. Nach fünf Minuten unseres Gesprächs bat er mich um einen Stift, weil er seine Telefonnummer aufschreiben wollte. Vor ein paar Stunden habe ich diesen Zettel gefunden, ihn angerufen und gefragt, ob er sich vielleicht irgendwann auf eine Unterhaltung treffen wollen würde. Er sagte: „Ich komme gleich vorbei“. Ich konnte nicht fassen, dass er noch am selben Tag vorbeischauen wollte.


Da ich kein richtiges Interview vorbereitet hatte, notierte ich mir nur ein paar Themen, die ich ansprechen wollte, und hoffte auf das Beste. Ich war eh schon nervös, als ich also dieses Auto auf meinem Parkplatz sah, drehte ich fast durch. Ich ging die Treppe runter und war bereit, dem Eindringling zu sagen, er müsse wegfahren oder ich würde sein Auto abschleppen lassen. Die Wagentür öffnete sich und Ed stieg aus. Ich lachte nervös und dachte: „Oh Scheiße, ich hätte fast Eddie Van Halens Auto abschleppen lassen“. Er begegnete mir auf halbem Weg die Treppe hinauf, wir schüttelten die Hände und umarmten einander. Jegliche Nervosität verflog. Er verhielt sich, als gäbe es keinen anderen Ort, an dem er Anfang 1978 lieber wäre als auf meiner zerknautschten Couch, mit einer Kippe im Mund und einer 66er Strat in der Hand, die er entdeckt hatte, sobald er den Raum betreten hatte.


Er sah sein Album auf dem Tisch und lächelte. Ich sagte, wie cool ich es von ihm fand, vorbeizukommen – er wohnte damals noch bei seinen Eltern in Pasadena, etwa 30 Minuten entfernt, wenn der Verkehr floss –, doch er zuckte nur mit den Schultern. Ich stellte den Kassettenrekorder auf der Couch zwischen uns, drückte auf „Record“ und begann mein erstes Interview mit diesem damals 23-jährigen Wunderkind, das die Welt erobern sollte.


War dein Vater Musiker?
Yeah. Er brachte uns schon sehr früh zur Musik. Er ließ Al [Bruder Alex] und mich für Konzertmusik am Klavier üben, klassisches Piano, als wir sieben und acht waren.

So jung wart ihr?
Oh ja. Mein Bruder war glaube ich sechs, als er anfing, und ich begann, als ich etwa sieben war. Nun, dann beschlossen wir, ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten nach Südkalifornien zu ziehen, und da entdeckten wir dann den Rock’n’Roll – Dave Clark Five und die ganz frühen Sachen. Ich lieferte Zeitungen aus und kaufte mir ein Schlagzeug davon. Ursprünglich war ich der Trommler und mein Bruder
der Gitarrist.

Tatsächlich?
Während ich draußen die Zeitungen in die Einfahrten warf, übte er an meinem Schlagzeug. Er wurde besser als ich. Und ich sagte: „Okay, du spielst meine Trommeln und ich schnappe mir deine Gitarre“. Und so nahm es seinen Lauf. Ich würde sagen, ich fing eigentlich erst so richtig mit der Gitarre und der Leadgitarre an, als Cream erschienen und solche Sachen [Mitte der 60er] und die Heavy-Gitarren aufkamen.

Kannst du dich an deine erste Gitarre erinnern?
Oh yeah. (lacht) Eine Sears Teisco Del Rey, mit drei Pickups. Ich dachte, je mehr Pickups eine Gitarre hat, desto besser ist sie. Je mehr Hebel und so. Heute habe ich ein Exemplar einer Strat, mehr oder weniger Marke Eigenbau, mit nur einem Pickup und einem Lautstärkeregler. Ganz schlicht.

Kannst du deine Gitarre etwas detaillierter beschreiben?
Sie sieht aus wie eine Strat, aber da ist dieser Laden in San Dimas namens Charvel Guitars, wo sie Maßanfertigungen machen. Meine war nicht wirklich maßgefertigt, eher ein Hals vom Schrott und ein abgesägter Körper, der einfach so rumlag. Ich wollte experimentieren und meine eigene Gitarre bauen, um den Sound zu erzeugen, den ich wollte. Ich hatte schon immer eine Strat gewollt wegen des Vibrato-Hebels, weil ich diesen Effekt liebe. Also kaufte ich sie ihnen für 50 Dollar ab, den Hals für 90 Dollar, und setzte sie zusammen. Dann baute ich einen alten Humbucker-Pickup ein und einen Lautstärkeregler, malte sie nach meinen Vorstellung an, und sie ist der Wahnsinn. Das ist immer noch meine Hauptgitarre.

Die schwarz-weiß gestreifte?
Yeah. Die auf dem Albumcover. Nur ein Pickup und ein Lautstärkeregler. Keine Ton- oder schicken Phasenregler oder so.

Hast du davor eine Fender Strat gespielt?
Ja, aber ich konnte aus einer normalen Strat nicht den Sound herausholen, den ich wollte. Jemand erzählte mir von Charvel, von ihrem Holz – ihre Körper erzeugen einen viel besseren Klang und solche Sachen. Ich schaute mir das an und es ist wahr.

Der eine Lautstärkeregler und ein einziger Pickup reichen dir für all deine Anforderungen?
Yeah. Ich verwende ein paar Effekte, etwa einen MXR-Phasenshifter, einen Flanger und zwei Echoplexes, die den Sound ein bisschen modifizieren. Und zwei Univox-Echoboxen für das Ende meines Solos auf ›Eruption‹. Das ist kein Echoplex, sondern ein Univox. Alles, was ich verwende, ist von MXR – was
anderes kann ich mir nicht leisten – und auf ein Brett geschraubt. Aber was den Ton betrifft, drehe ich einfach alles zum Anschlag auf, und je nachdem, wie man zupft, bekommt man dann verschiedene Klänge und so. Mein Verstärker-Setup ist aber ziemlich clever.

Beschreibe es mir.
Ich habe sechs alte Marshalls, die neu aufgebaut wurden, mit größeren Röhren und Stromwandlern, damit sie viel lauter sind. Ich verwende sechs Topteile auf sechs Boxen. Und diese Dinger namens Spannungsgeneratoren. Dadurch kann ich 150 oder 160 Watt anlegen, und so kann ich die Spannung weiter aufdrehen, als es für diesen Verstärker vorgesehen wäre.

Das klingt umwerfend.
Die Röhren werden dadurch glühend heiß. Der Verstärker wird so überladen, dass ich den Sound erhalte, den ich so mag.

Benutzt du irgendwelche speziellen Einstellungen an den Verstärkern?
Ich drehe sie einfach ganz auf, und zwar alles: Präsenz, Mittle, Bass …

Verwendest du im Studio dasselbe Setup?
Ja, exakt dasselbe.