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Start Blog Seite 214

Blues Boom: Led Zeppelin

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Jimmy Page erzählt uns, wie seine Liebe zum Blues das Feuer einer der größten Rockbands aller Zeiten entfachte.

”Der Blues ist furchteinflößend“, sagt Jimmy Page. „Er ist bedrohlich. Er sagt: ‚Ich komme dich holen …‘“ Und das tat er auch. Härter, heavier und haariger als alles, was vor ihnen gekommen war, erschütterten Led Zeppelin die Bluesszene, etablierten Robert Plant als echten Rockstar, Page als unantastbaren Gitarrengott und schenkten der Welt die furiose Rhythmussektion aus Schlagzeuger John Bonham und Bassist John Paul Jones.
„Der Blues … ich meine, er ist einfach unbestreitbar“, so Page. „Ein unleugbares Element von allem, was bei Led Zeppelin passierte. Hätte es in den 50ern nicht diese Bewegung in Chicago gegeben, mit all diesen Riffs, hätte man nie das bekommen, was dann später in all diesen anderen Bands zum Vorschein kam. Das gilt auf jeden Fall für mich und wie es mich bei Led Zeppelin beeinflusste. In dieser Zeit lernten alle Gitarristen von den Platten. Ich hatte das Glück, dass ich einen Blues-Sammler als Freund hatte, Dave Williams. Durch ihn wurde ich auf Künstler wie Elmore James aufmerksam. Sowas hätte man im Radio niemals gehört.“ Angesichts seiner Errungenschaften könnte man argumentieren, dass Page als Gitarrist niemandem irgendwas schuldig ist, doch diesen Gedanken tut er ab: „Ich verdanke es all diesen Leuten. Von ihnen habe ich gelernt. Mein Durchbruch war, als ich verstand, wie man die Bottleneck-Gitarre spielt. Das war der Punkt, an dem ich mit offenen Tunings anfing. Boom! Das war’s. Und so eröffnete sich mir diese ganze Welt. Ich versuchte gar nicht, Note um Note das nachzuspielen, was andere gemacht hatten.“ Stattdessen setzte Page selbst neue Maßstäbe. Die Bedeutung des ersten Led-Zeppelin-Albums kann man gar nicht hoch genug einschätzen. „Was das Material für das Debüt betrifft, wusste ich definitiv, dass ich da ›I Can’t Quit You Baby‹ und ›Dazed And
Confused‹ bringen wollte. Und das ist kein ‚Blues‘, ich weiß. Aber ist es eben doch! Wenn die Mundharmonika dieses Riff spielt, weißt du, dass es auf jeden Fall Blues ist. Ebenso ›Babe I’m Gonna Leave You‹. All diese Sachen. Ich könnte sie immer weiter auflisten. Alles an dem ersten Album war total beabsichtigt. Es sollte definitiv eine Bühne für den Blues sein. Aber der Led-Zeppelin-Charakter durfte auch nicht fehlen.“

Auf die Frage, inwiefern Zeppelin den Blues anders behandelten als etwa John Mayall und Eric Clapton drei Jahre zuvor, sammelt Page seine Gedanken. „Okay. Nun, da ist die Atmosphäre und die Stimmung, die auf Sachen wie Muddy Waters’ ›Standing Around Crying‹ entsteht. Das ist wie Howlin’ Wolf – wenn du Wolf hörst, spielt er keine Spielchen. Er sagt: ‚Ich jage dich – und ich werde dich mir schnappen!‘ Und deshalb liebe ich ihn. Sagen wir es also so: Ob es nun das erste Album war oder ›Since I’ve Been Loving You‹ oder ›Tea For One‹, wann immer Led Zeppelin den Blues spielen, tun sie das anders als alle anderen.“ War er der größte Bluesfan bei Zeppelin? „Nein, das würde ich nicht sagen. Wir hatten alle unsere Wurzeln, so viel steht fest. Jeder Einzelne von uns, da bin ich mir sicher, hatte in irgendeiner Form zuvor Blues gespielt. Ich würde sagen, Robert war ein Blues-Liebhaber, aber er interessierte sich sehr für den Country-Blues. Er war verdammt gut an der Mundharmonika. Er war es gewohnt, sie askustisch zu spielen, aber ich wollte ihn unbedingt dazu bringen, sie in einen Verstärker zu stöpseln. So entstanden Sachen wie ›When The Levee Breaks‹, das einem wirklich Angst einflößt mit dem, was da mit der Mundharmonika passiert.“
Killer-Track: ›Since I’ve Been Loving You‹

Def Leppard: HIGH ‚N‘ DRY

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Keine Band war in den 80ern größer als Def Leppard. Mit zwei brillanten Alben, PYROMANIA (1983) und HYSTERIA (1987), hatten die Söhne Sheffields State-of-the-art-Stadionrock erschaffen, dessen erklärtes Ziel – das Knackige von AC/DC plus die Intelligenz von Queen – vom genialen Produzenten „Mutt“ Lange perfektioniert wurde. Beide Platten fanden jeweils mehr als zehn Millionen Käufer in den USA. Doch wenn es um reine Hardrock-Power, glühende Intensität und die schiere Gewalt der Riffs geht, kommt keines ihrer Alben an HIGH‘N‘DRY heran.

Ihr zweites Werk und ihr erstes mit Lange war ein Quantensprung vom Debüt ON THROUGH THE NIGHT, das auf der Höhe der NWOBHM-Welle erschienen war und entsprechend roh klang. HIGH‘N‘DRY hatte die besseren Songs, mehr Energie, mehr Atmosphäre und mehr Klasse. Die erste Seite war makellos: die unmittelbare Aggression von ›Let It Go‹ und ›Another Hit And Run‹, die Saufhymne des Titelstücks und die Powerballade ›Bringin‘ On The Heartbreak‹ gingen in das rauschende, gitarrenlastige Instrumental ›Switch 625‹ über. Auch auf Seite 2 waren grandiose Songs, vor allem der Kracher ›Mirror, Mirror (Look Into My Eyes)‹. HIGH‘N‘DRY war das erste großartige Album von Def Leppard, und analog zu POWERAGE von AC/DC ihr Kultklassiker. 

Zeitzeugen:
„Eine alle Sinne betäubende Fünf-Sterne-Sensation.“ (Sounds)

Flashback: Queen mit ›Keep Yourself Alive‹

Queen PressebildVor 49 Jahren brachten Queen ihre erste Single auf den Markt.

Heute vor 49 Jahren erschien Queens ›Keep Yourself Alive‹. Am 6. Juli 1973 veröffentlichte die Truppe diese Single, auf der B-Seite befand sich der Song ›Son And Daughter‹.

Schon 1971 hatten Mercury, May, Taylor und der damals erst jüngst hinzugekommene John Deacon eine Demoversion des Tracks mit Akustikgitarrenintro in den De Lane Lea Studios in London aufgenommen..

Die letztendliche Version von 1973 erschien dann eine Woche vor dem Release des ersten Studioalbums QUEEN I. Trotz vieler guter Kritiken in der Presse verkauften sich sowohl die Single als auch das Album eher mäßig.

Nick Mason: So sah es bei seiner Show in Stuttgart aus

Am 30. Juni gastierte Pink-Floyd-Mann mit seiner Show „A Saucerful Of Secrets“ in der Liederhalle in Stuttgart. Unser Fotograf Frank Witzelmaier war vor Ort und hat das Konzert für euch festgehalten.

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Guns N‘ Roses: Show in Glasgow abgesagt

Nachdem Guns N‘ Roses in den letzten Tagen zwei verkürzte Sets in London zum Besten gegeben hatten, wurde ihre heutige Show in Glasgow nun spontan abgesagt. Grund hierfür ist Frontmann Axl Rose, der Probleme mit den Stimmbändern hat. Ob das anstehende Konzert kommenden Freitag in München davon beeinflusst wird, ist bisher nicht klar.

Motor Sister: Mit der Muttermilch aufgesogen

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Den Namen Scott Ian verbinden wir mit Anthrax und S.O.D., klar. Mit Motor Sister hat der New Yorker seit Silvester 2013 außerdem eine waschechte Rock’n’Roll-Truppe am Start. Am 6. Mai erscheint mit GET OFF das zweite Album der Band.

Hi Scott! Mit Motor Sister wandelt ihr auf den Pfaden der kalifornischen Bluesrocker Mother Superior, deren ehemaliger Sänger Jim Wilson nun eurer Frontmann ist. Wie bist du zum ersten Mal auf Mother Superior aufmerksam geworden?
Durch meinen Kumpel Nils, der in Los Angeles als Fotograf arbeitet. Ich war damals in seinem Studio. Das muss 1996 oder 1997 gewesen sein. Dort habe ich die Band zum ersten Mal gehört und fand sie ziemlich cool. Ich fragte ihn, wer das sei, und er sagte mir, dass das Mother Superior aus Los Angeles sind. Er hat mir die CD gebrannt und ich wurde zum Fan.

Der erste und eigentlich einzige Gig von Motor Sister fand am 31. Dezember 2013 statt, also an deinem 50. Geburtstag. Wann hast du gemerkt, dass das keine einmalige Sache ist, sondern ein längerfristiges Projekt?
Das war irgendwie immer klar. Metal Blade Records fragte uns gleich nach der Show, ob wir ein Album rausbringen möchten, und natürlich wollten wir das. Als wir damit fertig waren, sprachen wir darüber, dass es großartig wäre, auch eigene Songs zu schreiben, statt bloß Stücke von Mother Superior zu covern. Das hat etwa 2017 oder 2018 angefangen. Da hat mir Jim die ersten Demos geschickt. Du arbeitest bei Motor Sister nicht nur mit Jim zusammen, sondern auch mit deiner Frau Pearl, die gemeinsam mit ihm singt.

Wie fühlt es sich für dich an, mit deiner Frau zusammenzuarbeiten?
Die Tatsache, dass wir gemeinsam in einer Band spielen und das tun, was wir am meisten lieben, ist großartig. Ich war immer mal mit ihrer Band Pearl auf Tour, ob als Gitarrist oder als Tourmanager. Aber das war etwas anderes, weil das ihr Ding war. Ich freue mich natürlich, wenn ich dort dabei sein kann, aber bei Motor Sister sind wir wirklich in derselben Band und das ist toll.

Wie sind Schlagzeuger John Tempesta und Bassist Joey Vera dazugestoßen?
Zuerst haben wir Jim gefragt, denn wenn er nicht gewollt hätte, hätten wir das Projekt abgeblasen. Danach habe ich John und Joey vorgeschlagen. Joey und Jim kannten sich sogar schon.

Was verbirgt sich hinter dem Albumtitel GET OFF?
Darauf ist Pearl gekommen. Ich weiß nicht, was genau sie gelesen hat, aber es handelt sich bei „Get off“ um einen Ausdruck, den Biker benutzen. Er bedeutet, dass man schnell vom Motorrad abspringt, bevor man
einen Unfall baut. Ich hatte noch nie davon gehört, aber inhaltlich ergibt es Sinn, denn auf der Platte geht es um eine Beziehung von Jim, aus der er ausgestiegen ist, bevor er größeren Schaden nehmen konnte.

Was habt ihr nach der Albumveröffentlichung vor?
Wir würden gerne auf Tour gehen, aber sind ja alle auch in anderen Bands, also ist das schwierig. Wir spielen eine Show in Los Angeles und auf ein paar Festivals, aber langfristig würde ich gerne überall hin, wenigstens einmal, damit die Leute uns sehen können. (Text: Timon Menge)

Joan Jett: „Rock’n’Roll und Girls– das ging früher gar nicht!“

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Nach fast sechs Jahrzehnten Karriere zeigt sich Rock-Ikone Joan Jett jetzt erstmals von ihrer akustischen Seite. CHANGE UP heißt ihr neues Album, auf dem sie zusammen mit ihrer Band The Blackhearts einige ihrer größten Hits unplugged spielt. Ein Filmprojekt brachte die allseits respektierte Rockerin, die schon Mitte der 70er mit The Runaways Geschichte schrieb, per Zufall auf die Idee. Hier spricht sie darüber …

Put another dime in the jukebox, baby!“ – allerdings nicht für den grandiosen und weltberühmten Cover-Hit ›I Love Rock’n’Roll‹, aus dem diese Zeile stammt, sondern für die Songs aus CHANGE UP, dem brandneuen
Akustikalbum, das Joan Jett jetzt vorlegt. Ohne elektrische Verstärkung hat man die unverwüstliche 63-Jährige bislang noch nie gehört. Und, große Überraschung: Ihr berühmtester Signature-Tune ist auf dem neuen Werk gar nicht enthalten …

Joan, nun mischst du seit bald 50 Jahren im Rockbiz mit – aber erst jetzt greifst du zur Akustikgitarre. Was inspirierte dich zu dieser Idee?
Das war indirekt meine Doku „Bad Reputation“. 2018 drehten wir einen Film über mein Leben, meine Karriere und die Blackhearts. Bei der Premiere bat man uns, im Kino aufzutreten und ein paar Songs zu performen. Das ging aus technischen Gründen aber nur akustisch. Erst war ich von dieser Vorstellung nicht begeistert, eher sehr skeptisch. Aber dann probierten wir es einfach aus und es klang deutlich besser als gedacht. Ich war überrascht, wie gut Songs wie ›Victim Of Circumstance‹, ›Crimson And Clover‹ oder ›You’re Too Possessive‹ funktionierten. Und das war der Ursprung für die Akustikplatte. Wir werden nun auch einige Akustikstücke in unsere Liveshows integrieren. Vielleicht wird es künftig ja auch mal komplette Unplugged-Konzerte geben.

MTV startete die gleichnamige Reihe bereits Anfang der 90er mit Aerosmith, Paul McCartney, R.E.M. und Pearl Jam …
… und ich gehörte zu den Ersten, bei denen sie anfragten. Aber für mich kam das nicht infrage, damals zumindest.

Warum eigentlich nicht?
Weil Rock’n’Roll für mich immer schon ein rein elektrisches Ding war. Ich stehe nun mal auf E-Gitarren. Das hat wohl auch mit meiner Vergangenheit zu tun.

Du meinst sicher deinen Gitarrenlehrer. Es heißt, er wollte dir in jungen Jahren nur Folksongs beibringen …
Genau! Er brachte mir auf der Akustikgitarre Lieder wie ›On Top Of Old Smokey‹ bei, ein harmloses Folk-Traditional. Rock’n’Roll zu spielen war für Girls damals ein totales Tabu, das gehörte sich nicht und war ausschließlich Jungs vorbehalten. Ich habe das nie verstanden. Aber später bekamen wir das dann auch bei
den Runaways zu spüren. Amerika reagierte sehr verhalten auf uns, und die Kritiker nahmen uns überhaupt nicht ernst. In Europa und Japan hingegen wurden wir umso mehr gefeiert. Aber Amerika war wohl noch nicht bereit für eine Rockband, die aus fünf selbstbewussten Girls bestand, ja, Amerika hatte Angst vor uns! Dabei wollte ich nur so sein wie die Rolling Stones und mich wild auf der Bühne austoben.

Apropos wild austoben und selbstbewusst: Du sollst dem großen Chuck Berry mal eine verpasst haben!
Ja, unwissentlich. Das war vor einem Konzert in St. Louis, bei dem wir beide auftraten, wenn ich mich recht erinnere. Chuck und ich kamen eigentlich immer gut miteinander klar. Aber da gab es eine Situation: Ich stand mitten auf dem Parkplatz des Stadions, als mich plötzlich jemand von hinten packte und umarmte. Es war nicht mal ein sexueller Übergriff, eher ein Spaß, aber ich habe mich sofort losgerissen und instinktiv zugeschlagen, ohne zu sehen, wer das war. Es war Chuck Berry, und er war erstaunt. Und ich dann auch …

Zurück zur Musik: Warum fehlt denn nun ›I Love Rock’n’Roll‹, dein wichtigster Song, auf dem neuen Album?
Wir haben die Nummer natürlich auch akustisch aufgenommen, aber es war letztlich meine persönliche Entscheidung, sie nicht auf das Album zu packen. Ich liebe den Song und spiele ihn gerne, nach wie vor. Aber ich wollte den Fokus mal auf die anderen Lieder legen, nicht nur auf dieses eine, das man immer von mir erwartet. Das sind ja auch alles großartige Stücke, musikalisch wie textlich. Bei den Konzerten wird ›I Love
Rock’n’Roll‹ aber natürlich nicht fehlen.

The Runaways haben in den 70ern als erste All-Girl-Rockband Geschichte geschrieben, du wurdest für viele Musikerinnen zum Vorbild. 2010 erschien der Film „The Runaways“ mit Kristen Stewart („Twilight“) als Joan Jett. Fühltest du dich gut getroffen?
Ja, der Film beschreibt uns und die Zeit in den 70s wirklich gut und authentisch. Ich war Executive Producerin des Projektes und habe Kristen im Vorfeld öfter getroffen. Sie hat ihre Sache wirklich sehr gut gemacht. Ich war schwer beeindruckt von ihrer Arbeitsmoral und Disziplin. Sie hat auf jedes Detail geachtet, um authentisch rüberzukommen.

Wie etwa deine Kollegin Chrissie Hynde engagierst auch du dich seit einiger Zeit neben deiner Karriere aktiv bei PETA für den Tier-und Umweltschutz …
Das Thema liegt mir sehr am Herzen. Ich lebe seit Jahren vegetarisch und mein Ziel ist es, komplett vegan zu werden. Das ist gut für die Tiere und für die Umwelt. Ich liebe Tiere und unterstütze auch die Organisation Farm Sanctuary in Kalifornien und New York. Das sind Farmen, auf denen geschundene Tiere gerettet, gepflegt und aufgepäppelt werden. Ich war gerade dort zu Besuch, eine schöne Erfahrung. Besonders als ich auf meine Namensvetterin traf, Joan, das Hausschwein, mir zu Ehren benannt. (lacht) Zu Hause bin ich natürlich auch
aktiv, da halten mich Felicia und Cleopatra, meine beiden Katzen, auf Trab.

Kürzlich bist du nach langer Zeit und pandemiebedingter Pause wieder live aufgetreten bei einem Festival in Brookhaven bei Atlanta, Georgia …
Ja, endlich, die erste Show seit ewigen Zeiten. Es hat Spaß gemacht, aber der Gig wurde auch von der traurigen Nachricht von Taylor Hawkins’ Tod überschattet. Ich war schockiert, er war ein guter Freund. Wir sind mit den Foo Fighters mal durch Südamerika getourt, hatten viel Zeit miteinander verbracht, viel gelacht. Taylor war einfach wunderbar. Ich habe ihm beim Konzert dann meinen Song ›Fragile‹ gewidmet. Ein furchtbarer Verlust für alle, besonders natürlich für die Familie und die Band.

Macht einem so ein Schicksalsschlag die eigene Sterblichkeit wieder bewusster?

Ich denke eigentlich die ganze Zeit an den Tod, denn er gehört nun mal zum Leben. Erst durch den Tod bekommt das Leben eine Bedeutung. Ich will keine Angst vorm Tod haben. Aber keiner weiß, wie es am Ende
kommt …

Thunder: Wer rastet, der rostet…

… und rostig sind diese Männer noch lange nicht! Fast glaubt man es kaum, als einem das neue und – wieder
einmal – großartige Thunder-Album auf den Schreibtisch flattert, schließlich hatten Luke Morley, Danny
Bowes und Co. doch erst vor zwölf Monaten die letzte Studioplatte veröffentlicht. Um diesem Output-
Mysterium auf den Grund zu gehen, wurde also kurzerhand Hauptsongwriter Luke Morley angerufen, der
CLASSIC ROCK gut gelaunt die Hintergründe zu DOPAMINE erläuterte und zudem einen Erklärungsversuch
zu der Frage ablieferte, warum seine Band irgendwie immer besser wird.

Wie ist es bitte möglich, dass ihr nur ein Jahr nach ALL THE RIGHT NOISES schon die nächste Platte herausbringt?
Eine verständliche Frage. (lacht) Nach dem letzten Album ist aufgrund der Pandemie nicht viel passiert, nach zwei Monaten Herumsitzen dachte ich mir also: „Da kann ich genauso gut weiterschreiben“.

Dann ist DOPAMINE auch noch ein Doppelalbum …
Das war nicht geplant, doch wir hatten sehr viel Material, haben alles aufgenommen und dann angefangen, zu kürzen. Normalerweise suchen wir uns die besten elf Songs raus, doch diesmal war die Qualität der Lieder durchgehend hoch, wir hatten ein paar interessante Stilmixe einfließen lassen, vieles erstmals ausprobiert, also dachten wir: „Scheiß drauf!!“

Auch auf DOPAMINE gibt es einiges an Sozialkritik zu hören. Erzähl mir doch etwas zum Titel des Albums.
Durch COVID bot sich mir eine gute Gelegenheit, um einen genauen Blick auf die Welt zu werfen. Diese Social-Media-Geschichte hat mich schon öfter beschäftigt, egal wohin du gehst, überall machen die Menschen Selfies von sich. Da habe ich mich gefragt, ob ihnen vielleicht irgendetwas fehlt. Das Cover-Artwork spiegelt diese Entwicklung wider. Man sieht zwei Mädels, die in einer Clubtoilette ein Selfie aufnehmen und dabei so von sich selbst eingenommen sind, dass ihnen das Einhorn hinter ihnen gar nicht auffällt. Dieses Gefühl, dass alle Menschen alles nur noch durch ihre Handys erleben, empfinde ich als sehr seltsam.

Wenn ich mir unsere aus den Fugen geratene Zeit so anschaue, verstehe ich, dass man sich in ein Paralleluniversum flüchten möchte …
Klar, aber auch wenn die Welt gerade ein riesiger Scheißhaufen ist, gibt es immer noch so viele wundervolle Dinge darin, die unsere Aufmerksamkeit verdienen. Ich glaube, dass es gefährlich ist, in einer virtuellen Welt zu leben. Je älter man wird, desto stärker wird einem bewusst, dass Zeit enorm wertvoll ist. Also sollte man sie besser nicht verschwenden.

Du bist wahrscheinlich sehr froh, ohne Smartphones aufgewachsen zu sein, oder?
Oh ja, darauf kannst du Gift nehmen! Wenn ich an meine Teenager-Zeit und an Bands wie Led Zeppelin zurückdenke: Die haben keine Interviews gegeben. Der einzige Zugang, den man zu ihnen hatte, waren ihre Alben und Gigs. Dieses ständige Posten von Mittagessen und Hunden, das ist doch saulangweilig. Das hat nur
dazu geführt, dass alle jetzt wissen, dass Musiker genauso langweilig sind wie andere Menschen. (lacht) Das Mysterium ging verloren.

Trotz der düsteren Vibes sind auch Gute-Laune-Hits auf DOPAMINE. Würdest du dich als Optimisten oder Pessimisten bezeichnen?
Als Realisten.


Das sagen eigentlich nur Pessimisten von sich, das weiß ich aus eigener Erfahrung!
Alle von uns oszillieren doch zwischen Glücksgefühlen und leicht depressiven Verstimmungen. Ich denke, man muss manchmal einfach gut zu sich sein, gewisse Dinge genießen. Es ist ja auch ein Track namens ›Big Pink Supermoon‹ auf dem Album. Der handelt davon, dass es nicht wichtig ist, wo du dich gerade befindest, sondern mit wem du unterwegs bist. Wir als Menschen brauchen soziale Interaktion.

Ein Song fällt ein wenig raus. ›Just A Grifter‹ klingt nach schummrigen Pariser Gassen …
Definitiv ein interessantes Lied. Textlich geht es um Boris Johnson, nicht mein Lieblingsmensch. Ich fand auch, dass die Akkordfolge einen Pariser Vibe hatten, und dachte mir, dass es cool wäre, eine Violine zu integrieren. Ich schickte Patrick Gale von den Mother’s Boys den Track und meinte: „Spiel einfach irgendwas mit deiner Fiedel drüber, denk nicht zu viel nach“. Und es war einfach perfekt. Als wir dann ins Studio gingen, versuchten wir es noch mit einem Akkordeon, was sofort super passte. Da sind nun zwei Instrumente zu hören, die wir noch nie zuvor benutzt haben.

Ich bin jetzt 30 und kannte eher die Hits von Thunder. Seit ich bei CLASSIC ROCK arbeite, habe ich angefangen, eure jüngeren Alben zu hören, und bin ehrlich begeistert. Wie macht ihr das, wo sich viele eurer Altersgenossen schwer tun, Musik zu fabrizieren, die sich mit ihrem Erbe messen kann?
Wahrscheinlich ist das Geheimnis einfach harte Arbeit. Das ist ein Handwerk, das man respektieren muss. Viele Bands mit langen Karrieren haben irgendwann aufgehört, sich allzu viel um ihre Alben zu kümmern. Die veröffentlichen eine Platte, damit sie einen Grund für eine Tour haben. Oder sie machen immer wieder dasselbe Album. Wir haben hingegen gerne das Gefühl, uns nach vorne zu bewegen, sind immer auf der
Suche nach neuen Wegen, um uns auszudrücken. Meine Lieblingsbands sind die Beatles, Led Zeppelin und Queen, weil sie nie auf der Stelle traten. Manchmal triffst du in diesem Prozess eben genau ins Schwarze, manchmal auch richtig daneben. Nur weil ich 61 Jahre alt bin, sehe ich nicht ein, dass ich keine guten Alben mehr machen kann. In mir ist immer noch ein 18-jähriger Teenager, der die letzte Platte überbieten will. Klar gibt es immer Menschen, die sagen, nur BACKSTREET SYMPHONY war super. Das ist definitiv ein sehr gutes Album für Jungs, die in ihren 20ern waren. Aber wir sind jetzt nun mal in unseren 60ern, wir müssen das in unserem Output reflektieren, ich kann nicht immer noch Songs darüber schreiben, wie ich Mädchen nachjage.

In jüngsten Interviews stelle ich gerne die Frage, was gutes Songwriting ausmacht. Was ist deine Antwort darauf?
Für mich ist das Wichtigste, dass man ehrlich mit sich selbst ist. Dabei ist es egal, ob man Musiker ist oder Maler oder Autor. Wenn du etwas mit Menschen teilst, sei ehrlich, denn das einzige an deiner Kunst ist schließlich deine persönliche Sicht auf die Welt. Gleichzeitig möchte man, dass sich andere damit identifizieren können. Das ist die Crux: Es ist eine persönliche Angelegenheit, aber andere sollen es mögen. Man sollte einfach die eigenen Gefühle ausdrücken und somit hoffentlich eine Brücke zu anderen Menschen bauen.

Werdet ihr mit DOPAMINE nun endlich ordentlich touren können?
Gute Frage, im Mai steht eine UK-Tour an, aber die Setlist zusammenzustellen wird eine Qual, weil wir quasi zwei Alben promoten. Außerdem werden viele im Publikum die Hits hören wollen, es wird also spannend, da eine gute Balance zu finden.

Dann hoffen wir, dass das alles nach Plan läuft.
Unbedingt, ich muss außerdem dringend wieder nach Deutschland, es ist schon zu lange her, dass ich das letzte Mal wirklich gutes Bier getrunken habe.