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Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

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An diesem Freitag steht eine ganze Reihe an Neuveröffentlichungen in den CD- und Plattenregalen. Wir besprechen die neuen Alben der Simple Minds, Arctic Monkey, The New Roses, von Ugly Kid Joe, Stryper und Sahg.

Simple Minds: DIRECTION OF THE HEART

„Trotz des pandemiebedingten arbeitsprozessualen Flickenteppichs ist DIRECTION OF THE HEART ein stimmiges und tightes Album geworden, das zu den besseren Werken der Simple Minds gehört.“

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The New Roses: SWEET POISON

„Timmy Roughs raue und röchelnde Stimme erinnert leicht an bekannte Raspel-Röhren wie die von Spike von den Quireboys oder Steve Lee (RIP) von Gotthard, wirkt aber mit den starken Strukturen der neuen Songs dann doch unvergleichlich.“

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Sahg: BORN DEMON

„Der bedrohlich walzende Abschluss der Platte, ›Destroyer Of The Earth‹, liefert den perfekten Soundtrack zur vielleicht nahenden Apokalypse. Wenn die sich so anhört, geht die Welt wenigstens mit passender Begleitmusik unter.“

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Ugly Kid Joe: RAD WINGS OF DESTINY

„Auch wenn das etwas maue Kinks-Cover ›Lola‹ nicht wirklich hätte sein müssen, macht dieses abwechslungsreiche Album meist richtig Spaß.“

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Arctic Monkeys: THE CAR

„Die Gitarrenriffs, die auf dem Megaseller AM noch stilprägend waren, haben Piano und Streichern Platz gemacht.“

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Stryper: THE FINAL BATTLE

„Auf Manowar’schem Niveau prasseln christliche „Malen nach Zahlen“-Plattitüden inflationär aus den Boxen. Das macht alles keinen Spaß und wird nur durch die technisch tadellos dargebotene Instrumentierung vor dem Totalausfall gerettet.“

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Arctic Monkeys: THE CAR

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Orchester-Pop in Cinemascope

„Put your heavy metal to the test, there might be half a love song in it all for you.“ Mit dieser Zeile aus ›Mr. Schwartz‹ gibt Sänger Alex Turner die Richtung des neuen Albums vor und so machen die Arctic Monkeys musikalisch da weiter, wo sie mit TRANQUILITY BASE HOTEL & CASINO gelandet sind: Orchester-Pop im Cinemascope-Format. Die Gitarrenriffs, die auf dem Megaseller AM noch stilprägend waren, haben Piano und Streichern Platz gemacht. Überraschend auf THE CAR ist eine neue Funkyness, wenn Alex Turner zur Wah-
Wah-Gitarre greift wie bei ›I Ain’t Quite Where I Think I Am‹, was sofort an Blaxploitation-Soundtracks erinnert. Das filmische Element wird durch die Streicher betont, die immer wieder Dramatik ins Spiel bringen und bei ›Sculptures Of Anything Goes‹ durch verzerrte Gitarren kontrastiert werden. Bei allem Bühnendonner lässt Produzent James Ford, der bereits seit 2007 ein treuer Wegbereiter ist, viel Raum für Turners Stimme,
die sich voll entfalten kann und der wohl Crooner wie Frank Sinatra oder Bryan Ferry beerben will. Mit ›Hello You‹ hat er zudem ein echtes Songjuwel geschaffen. Konsequent verfolgen die Arctic Monkeys auch auf die Gefahr hin, alte Fans zu vergraulen, ihren Weg und eine Rückkehr zu den tanzbaren Indieriffs früherer Tage ist wohl
vorerst auszuschließen. (Tobias Wullert)

8 von 10 Punkten

Arctic Monkeys
THE CAR
DOMINO/GOODTOGO

Arctic Monkey

Ugly Kid Joe: RAD WINGS OF DESTINY

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Zurück zu den Anfängen

Für ihr erstes Langwerk seit sieben Jahren haben sich die Kalifornier mit einem alten Weggefährten zusammengetan: Mark Dodson. Der Londoner ist seit den 70ern als Produzent aktiv und betreute u. a. Joan Jett, Ozzy Osbourne, Anthrax, New Model Army und Judas Priest. 1992 saß er für AMERICA’S LEAST WANTED, den Erstling von Ugly Kid Joe, hinter den Reglern. Das Ergebnis der Kollaboration verkaufte sich millionenfach. Ob ein solcher Coup erneut gelingen kann, sei bezweifelt. Gut getan hat der Band dieser Trip in die eigene Vergangenheit aber offenbar allemal, klingt doch bereits das stürmisch eröffnende ›That Ain’t Livin’‹ schön lebendig und roh. Anhand des sich irgendwo zwischen Glam und Southern Rock einpendelnden ›Not Like The Other‹ und dem mit schönen Klavierparts angereicherten, nachdenklichen Schleicher ›Everything’s Changing‹ geht es dann erfreulich anders aber ebenso gut weiter. Mit ›Dead Friends Play‹ verneigen sich die Herren lyrisch vor verstorbenen Vorbildern wie Eddie Van Halen und Malcolm Young während ›Drinkin’ And Drivin’‹ nach den Black Crowes klingt. Und auch wenn das etwas maue Kinks-Cover ›Lola‹ nicht wirklich hätte sein müssen, macht dieses abwechslungsreiche Album meist richtig Spaß.

7 von 10 Punkten

Ugly Kid Joe
RAD WINGS OF DESTINY
METALVILLE/RTD

Ugly Kid Joe Rad Wings Of Destiny

Stryper: THE FINAL BATTLE

Die letzte Schlacht der Bienenkrieger?

Stryper zu rezensieren ist – frei nach RATT – ein „Dirty Job – aber irgendjemand muss ihn übernehmen“. Der Schreiber dieser Zeilen hatte wegen einer augenzwinkernden Kritik zu NO MORE HELL TO PAY (2013) sogar einen Stalker am Hals (kein Witz!). Also auf zu neuen Abenteuern mit Michael Sweet & Co.! Gleich im Opener, der passenderweise den Titel ›Transgression‹ trägt, begrüßt Sweet den mutigen Hörer mit einem 15 Sekunden langen, durch Mark und Bein schallenden Kreischen. Selbst Meistern des Fachs wie King Diamond oder Lizzy Borden dürfte dieses vokale Inferno die Schamesröte ins Gesicht treiben. In solchen Momenten fragt man sich ernsthaft, warum Michael derart übertreibt. Textlich schlägt der singende Gitarrist ohne Gnade in die von allen vorangegangenen Stryper-LPs gewohnte Kerbe. Auf Manowar’schem Niveau prasseln christliche „Malen nach Zahlen“-Plattitüden inflationär aus den Boxen. Das macht alles keinen Spaß und wird nur durch die technisch tadellos dargebotene Instrumentierung vor dem Totalausfall gerettet.

5 von 10 Punkten

Stryper
THE FINAL BATTLE
FRONTIERS/SOULFOOD

Simple Minds: DIRECTIONS OF THE HEART

Stimmig und tight

Im vergangenen Sommer standen für sie mehr als 80 Konzerte im Rahmen der „40 Years Of Hits“-Tour 2022 auf dem Plan. Allerdings können die Simple Minds im nächsten Jahr schon das 45. Jubiläum feiern, denn die Schulfreunde Jim Kerr (Gesang) und Charlie Burchill (Gitarre) fanden sich bereits 1978 unter dem heutigen Namen zusammen, den sie im Text des Bowie-Songs ›The Jean Genie‹ fanden. Nun erscheint mit DIRECTION OF THE HEART das 18. Studioalbum der Schotten. Und die neun „Elektro-Rock“-Songs mit „Wohlfühl-Charakter“ (Kerr) sind wieder allesamt kleine, echte Simple-Minds-Hymnen geworden. ›Vision Thing‹, eine Hommage an Kerrs Vater, wurde schon live präsentiert, bei ›Human Traffic‹ wirkte Russell Mael (Sparks) mit, ›The Walls Came Down‹ ist eine Coverversion des 83er-Hits von The Call. Highlight ist die treibende, melodische Nummer ›First You Jump‹. Der Titelsong ›Direction Of The Heart‹ ist interessanterweise nur auf der Deluxe Edition zu finden, die darüber hinaus lediglich einen weiteren Song bietet. Kerr und Burchill spielten die Tracks in ihrer Wahlheimat Sizilien ein. Bassist Ged Grimes, Schlagzeugerin Cherisse Osei und Sängerin Sarah Brown nahmen ihre Parts in London auf, Mael sowie Songwriter Gary Clark arbeiteten in ihren Homestudios. Alle Einzelteile wurden dann in den
Hamburger Chameleon Studios zum großen Ganzen zusammengefügt und von Andy Wright (u. a. Massive Attack) und Gavin Goldberg (u. a. Simply Red) produziert. Trotz des pandemiebedingten arbeitsprozessualen Flickenteppichs ist DIRECTION OF THE HEART ein stimmiges und tightes Album geworden, das zu den besseren
Werken der Simple Minds gehört.

7 von 10 Punkten

Simple Minds
DIRECTION OF THE HEART
BMG RIGHTS/WARNER

Sahg: BORN DEMON

Begleitmusik zur Apokalypse

Zum Trio mögen Sahg vielleicht geschrumpft sein, der Wucht ihres Sounds hat diese erneute Line-up-Veränderung jedoch keinen Abbruch getan. Auf ihrem sechsten Longplayer konzentriert sich das norwegische Heavy-Metal-Gespann wieder etwas mehr auf den Kern des Genres und zementiert zehn neue Tracks ohne große Spielereien oder überraschende Klangausflüge in ihren Katalog. Sahg haben ihr Soundspektrum filtriert und die Essenz auf BORN DEMON gebannt. Hier werden rasante Riffs, eingängige Melodien, eine große Portion Okkultismus, norwegische Dunkelheit und kundige Arrangements zu einer betörenden und gleichzeitig unheilvoll tönenden Mischung vereint. Gleich der galoppierende Opener ›Fall Into The Fire‹ mit großem Refrain stimmt auf den klassischen Grundtenor der Platte ein, der Titeltrack gebärt sich als fieses Doom-Monster mit ruhig-melodiösem Vers und mächtigem Choral am Ende, der bedrohlich walzende Abschluss der Platte, ›Destroyer Of The Earth‹, liefert den perfekten Soundtrack zur vielleicht nahenden Apokalypse. Wenn die sich so anhört, geht die Welt
wenigstens mit passender Begleitmusik unter.

8 von 10 Punkten

Sahg
BORN DEMON
DRAKKAR/SOULFOOD

Sahg Born Demon

The New Roses: SWEET POION

Liegt Wiesbaden in Amerika?

Erneut legen die Wiesbadener The New Roses ein Album vor, das amerikanischer rockt als so manche US-Scheibe. Abgesehen von Bob Seger oder Bon Jovi vielleicht, aber aus diesen Ecken hört man ja gerade eher weniger. Angefangen vom starken Auftakt ›My Kinda Crazy‹ über diverse Highway- und Harmonie-Hämmer und die obligatorische Powerschnulze bis hin zum abschließenden Mainstreamer ›The Veins Of This Town‹ klingt alles nach Stars & Stripes. Und wer meint, er hätte schon alle klassischen Rock-Riffs gehört, wird hier immer wieder überrascht. Irgendwie kommen einem die wirkungsvollen Akkorde zwar bekannt vor, aber man kann nicht genau sagen, woher. Timmy Roughs raue und röchelnde Stimme erinnert leicht an bekannte Raspel-Röhren wie die von Spike von den Quireboys oder Steve Lee (RIP) von Gotthard, wirkt aber mit den starken Strukturen der neuen Songs dann doch unvergleichlich. Und passt perfekt zu den einfachen, aber effektiven Kompositionen, von denen
The New Roses auf SWEET POISON gleich ganze elf auffahren. Alle dabei rockig, reizvoll und eingängig. Schmutzigen und schmissigen American-Rock bekommt derzeit kaum jemand so stark und stimmig hin wie diese deutsche Band aus Wiesbaden.

7 von 10 Punkten

The New Roses
SWEET POISON
NAPALM/UNIVERSAL

The New Roses Sweet Poison

Meat Loaf: BAT OUT OF HELL

Exzellente Hommage an die Eisenhower-Ära: Du nimmst mir das Wort aus dem Mund!

Zufälle gibt es! Als Meat Loaf erst auf der Theaterbühne, dann im 1974 verfilmten Rock-Grusical THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW die Rolle des ungestümen Motorrad-Lederrockers Eddie gab, ahnte er noch nicht, dass er wenige Jahre später mit einer zumindest musikalisch verwandten Satire Verkaufsrekorde brechen würde: Diffizil den Zeitgeist der Eisenhower-Ära in der amerikanischen Provinz beschwört und verklärt das seither weltweit über 34 Millionen Mal verkaufte und von Todd Rundgren stilecht in frei nach Produzentenlegende Phil Spectors gigantomanischem Wall-Of-Sound konzipierte Elaborat BAT OUT OF HELL. Aufgezeichnet in den Bearsville Studios von Woodstock mit illustren Gästen wie Rundgrens Formation Utopia, Edgar Winter am Saxofon, Vokalistin Ellen Foley sowie Pianist Roy Bittan und Schlagzeuger Max Weinberg, beides Mitglieder von Springsteens E Street Band.

Seinen Weg in die Verkaufsregale findet das angeblich schon seit 1972 von Meat Loaf und Komponist Jim Steinman in der Mache befindliche Werk, das immerhin zwei Sequels und eine Menge Gerichtsverfahren nach sich ziehen wird, erst fünf Jahre später. Im Punk-Revolutionsjahr floriert die gleichermaßen an Teenager-Melodramen wie ›Leader Of The Pack‹ des Girl-Trios The Shangri-La’s und Bruce Springsteens Meilenstein BORN TO RUN ausgerichtete Klangnostalgie von ›You Took The Words Right Out Of My Mouth‹, ›Paradise By The Dashboard Light‹ oder ›All Revved Up With No Place To Go‹ wie geschnitten Brot. Steinmans Faible für Richard Wagners opulente Schwelgereien verdanken ›Heaven Can Wait‹ und ›For Crying Out Loud‹ ihre Inspiration. Vor allem das jüngere Publikum in den USA amüsiert sich köstlich über jene Satire, die Amerikas verklemmte Sexualmoral, elitäres Gehabe der Reichen und grenzenlosen Patriotismus auf die Schippe nimmt. Doch nicht nur die Fifties-Hommage wirkt als Erfolgskatalysator. Firmiert doch das Konzept der „Fledermaus aus der Hölle“ in Highschool-Kreisen seinerzeit auch als urkomische „Entjungferungs-Operette“.