Nachdem Iggy Pop am 28. Oktober seine neue Single ›Frenzy‹ veröffentlicht hat, steht jetzt auch endlich der Veröffentlichungstermin für sein neues Album EVERY LOSER. Die Platte erscheint am 6. Januar 2023.
Iggy Pop über das Album und seinen Produzenten Andrew Watt: „Ich bin der Typ ohne Shirt, der rockt. Andrew und Gold Tooth verstehen das, und wir haben auf altmodische Weise zusammen eine Platte gemacht. Die Musiker sind Typen, die ich kenne, seit sie Kinder waren, und die Musik wird euch umhauen. Ich wünsche euch einen schönen Tag.“
Es war ein holpriger Weg und eine Erkrankung war dabei nur einer der Stolpersteine, doch Ozzy Osbournes neues, mit Stars gespicktes Album – sein 13. – ist da. Er hält große Stücke darauf und schielt damit sogar auf die Spitzenposition der Charts.
Ganz ehrlich: Ich dachte, sie würden alle sagen, ich solle mich ficken.“ Ozzy Osbournes fröhliches Kichern deutet an, dass er immer noch nicht wirklich glauben kann, dass die Namen Jeff Beck und Eric Clapton in den Credits zu PATIENT NUMBER 9, seinem neuen, 13. Soloalbum, neben seinem eigenen zu lesen sind. Es ist liebenswert, wie dieser 73-Jährige, selbst einer der bekanntesten und einflussreichsten Rockstars des Planeten, zu einem schwärmenden Fanboy wird, wenn die Sprache auf die überraschenden Cameos dieser beiden britischen Gitarrenlegenden kommt. Fast noch liebenswerter ist, dass die Einladung an Jimmy Page unbeantwortet blieb, weil der sich vielleicht ein neues Smartphone zugelegt hat. „Es lag nicht daran, dass er es nicht machen wollte“, besteht Ozzy, „aber er antwortete nie auf meine Nachricht. Also denke ich, dass er sich wohl ein neues Handy gekauft hat, denn ansonsten wäre er rangegangen.“ Es ist früher Nachmittag in Los Angeles, der Stadt, die John Michael Osbourne seit Ende der 70er die meiste Zeit sein Zuhause nennt. Damals hatte seine Managerin und Frau in spe, Sharon Arden, seinen kaum noch zu irgendeiner Wahrnehmung fähigen, alkohol- und kokainverseuchten Körper vom dreckigen Boden des in Dunkelheit gehüllten Hotelzimmers im Le Parc in Hollywood gekratzt und dem todessehnsüchtigen Sänger den Arschtritt verpasst, den er so dringend brauchte, um wieder aktiv in dem Geschäft zu werden, das ihn so völlig desillusioniert zurückgelassen hatte, lange, bevor seine entfremdeten, entnervten und ebenfalls erschöpften Partner bei Black Sabbath ihn rausgeworfen hatten. Ihr gemeinsamer Traum, den sie ein Jahrzehnt zuvor ersonnen hatten, war zur Enttäuschung geworden und letztendlich zu einem Alptraum mutiert.
Es ist eine wahre Freude, ihn heute so gut gelaunt zu erleben, vor allem wenn man bedenkt, dass er erst Mitte Juni eine Reihe schmerzhafter Operationen über sich ergehen lassen musste, von denen Sharon (heute natürlich Osbourne) offen zugab, dass sie „den Rest seines Lebens bestimmen“ würden. Später an jenem Nachmittag wird er seinen ersten öffentlichen Auftritt seit dieser invasiven Prozedur haben, bei dem renommierten Comic-Con-International-Wochenende in San Diego, gemeinsam mit „Spawn“-Schöpfer Todd McFarlane, dem Künstler, der auch das Artwork für PATIENT NUMBER 9 erschuf. Doch Ozzy sagt auch, dass ihm immer noch ein ausgedehntes Physiotherapieprogramm bevorstehe, fünf Tage die Woche, bevor er wieder irgendwelche Gedanken an eine Rückkehr auf die Bühne und den Beginn seiner oft umgeplanten und scheinbar verfluchten „No More Tears II“-Tournee hegen kann, die aktuell bis Juni 2023 laufen soll. „Ich werde langsam wieder“, verspricht er. „Es war in den letzten Jahren manchmal wirklich schwer, und ich bin noch nie in meinem Leben so lange flachgelegen, aber es wird ein- fach Zeit brauchen. Einer der Gründe, diese Platte zu machen, war, dass die Leute mich nicht vergessen sollen, und ich bin fest entschlossen, eines Tages wieder auf der Bühne zu stehen und mich bei den Fans zu bedanken. Wenn ich das nicht kann, kann ich es eben nicht, aber ich habe ein großes Verlangen danach. Es gibt nichts Besseres als einen guten Gig. Diese Heilung ist harte Arbeit, aber mental bin ich gerade bestens drauf, trotz all der negativen Energie in der Welt.“
Das äußerst unterhaltsame PATIENT NUMBER 9 ist ein beruhigend robustes, modernes Metalalbum und der Nachfolger des hochgelobten ORDINARY MAN von 2020, mit dem Ozzy in Großbritannien Platz drei und dort damit die höchste Chartposition seiner Solokarriere erreichte (in Deutschland war es Platz zwei, ebenfalls eine neue Bestmarke). Wie dieser Vorgänger wurde auch PATIENT NUMBER 9 mit seinen 13 Tracks von Andrew Watt betreut, mitgeschrieben und produziert, dem einstigen Gitarristen in der kurzlebigen Bluesrock-Supergroup California Breed mit Glenn Hughes und Jason Bonham und heute besser bekannt für seine Kollaborationen mit A-Listen- Popstars wie u. a. Post Malone, Miley Cyrus, Dua Lipa oder Justin Bieber. Ozzys jüngste Tochter Kelly hatte ihm den 31-jährigen Tausendsassa und gebürtigen New Yorker vorgestellt und er erinnert sich, wie sie sich auf Anhieb bestens verstanden. Er brachte nicht nur eine ansteckende, positive Energie und eine frische, moderne Vision in das Projekt ORDINARY MAN ein, sondern auch ein prall gefülltes Adressbuch. In den Credits der Platte standen etwa Elton John, Post Malone, Tom Morello, Slash und Duff McKagan. Und bei seiner zweiten Zusammenarbeit mit Ozzy hat er diese Starriege erstaunlicherweise noch mal übertroffen.
Auf PATIENT NUMBER 9 sind nicht nur die bereits er wähnten britischen Gitarrengötter zu hören, ebenso wie Ozzys langjähriger Begleiter Zakk Wylde, sondern auch Mike McCready von Pearl Jam, Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers, Robert Trujillo von Metallica, der verstorbene und schmerzlichst vermisste Foo-Fighters- Schlagzeuger Taylor Hawkins und, vielleicht am unerwartetsten, der einstige Black-Sabbath-Kollege Tony Iommi, dessen unverkennbare Riffs auf zwei wunderbar doomigen Stücken glänzen: dem als Single veröffentlichten ›Degradation Trip‹ sowie ›No Escape From Now‹. Zu den weiteren Highlights gehören das vor Hooks nur so strotzende ›Immortal‹ („geschrieben über einen Vampir“, wie Ozzy verrät), auf dem Gastgitarrist McCready sich seine lebenslangen Metalträume erfüllt, die feine Beatleseske Ballade ›A Thousand Shades‹, veredelt durch Jeff Becks überragenden Beitrag und einen treffenden Text („There’s a thousand different shades of darkness colouring our fate/The past is dead, the future’s haunted, what happened to today?“), sowie ›Mr. Darkness‹, das an Ozzys grandiose Wiederauferstehung 1980 mit BLIZZARD OF OZZ erinnert, während es sich mit den schrägen Fantasien aus Fanbriefen befasst. Zudem ist Platz für eine Hommage an die Beach Boys (eine unaufgeregte Interpretation des PET-SOUNDS-Klassikers ›God Only Knows‹) und bizarrerweise eine ziemlich willkürliche Würdigung von Jim Carreys frechem Superheldenstreifen „Die Maske“ von 1994 mit der wissenden Ejakulation „Somebody stop me!“ mitten im Song.
Für viele mag das Erscheinen eines neuen Albums von Ozzy Osbourne anno 2022 eine Überraschung sein, vor allem angesichts des über weite Teile eher düsteren, oft liebenswert nostalgischen Tons des Vorgängers, nicht zuletzt auf dem nachdenklichen und sanften Titelstück ›Ordinary Man‹: „Don’t forget me as the colours fade, when the lights go down it’s just an empty stage“, lautete eine auffällige Textpassage, die eindeutig nach einem so würdevollen wie dankbaren Abschied eines abtretenden Nationalheiligtums klang. Immerhin bekräftigte Ozzy schon damals, dass er noch wesentlich mehr zu geben habe. Als ich ihn 2018 auf ein paar Shows der Frühlingstournee durch Mexiko und Chile begleitete, war die belebende Wirkung einer triumphalen Live-Performance auf sein körperliches und geistiges Wohlbefinden unübersehbar und die schiere Freude für alle Beobachtenden. Heute betont er, dass er nie ernsthaft in Erwägung gezogen hat, sich zur Ruhe zu setzen. Er deutet auch an, dass PATIENT NUMBER 9 schon früher erschienen wäre, wenn die Kleinigkeit einer globalen Pandemie nicht zur Absage von Aufnahmesessions geführt hätte, die nur Wochen nach dem Erscheinen von ORDINARY MAN am 21. Februar 2020, seinem am wohlwollendsten aufgenommenen Solowerk seit NO MORE TEARS von 1991, anberaumt waren.
„Diese Alben zu machen war das Einzige, was mich in diesen letzten vier Jahren über Wasser gehalten hat“, gibt er zu. „Es hielt mich davon ab, über mich selbst nachzudenken, denn ich konzentrierte mich auf die Platten. Andrew ist großartig, er ist wirklich clever, hat haufenweise Ideen und arbeitet sehr schnell, was perfekt für mich ist. Er ist sehr verständnisvoll und geduldig mit mir, denn bei der Arbeit an diesem Album musste ich mich manchmal alle fünf Minuten hinlegen, weil mein Hals so weh tat.“ Der weitere Weg für den alternden Fürst der Finsternis ist noch nicht ganz durchgeplant, doch er kann Kraft und spirituelle Inspiration für mögliche neue Abenteuer aus dem Feuer und dem furchtlosen Geist ziehen, die aus den Beiträgen der Maestros Beck, Clapton und Iommi auf seinem neuen Album strömen – drei Männer, die älter als er sind und weder sich selbst noch irgendjemandem sonst etwas beweisen müssen, wie Ozzy allzu bewusst ist. Er scherzt zwar, dass ihre Gastauftritte vielleicht aus reiner Langeweile zustande kamen – „Vergiss nicht, dass die alle wie ich auch zu Hause rumgesessen sind; alle sind verrückt geworden“ –, doch der aufrichtige Dank und Respekt ist in seiner Stimme zu hören, wenn er das Trio preist, das er als „Meister ihrer Kunst“ bezeichnet. „Tony und ich sind natürlich schon seit unserer Schulzeit befreundet, aber er kann mich immer noch überraschen“, gesteht Ozzy. „Zuerst dachte ich, er würde es nicht machen, aber Hut ab vor ihm. Man kann vieles über ihn sagen, aber Tony Iommi ist einfach der Beste, wenn es darum geht, Riffs aus dem Hut zu zaubern. ›No Escape From Now‹ wäre ein grandioser Sabbath-Track gewesen. Aber Sabbath sind Geschichte. Wir haben unsere Arbeit geleistet.“
An anderer Stelle ist Jeff Becks Spiel auf PATIENT NUMBER 9 Osbournes wohl abgewägter Meinung nach „fucking genial“, und er lobt Claptons Akzente auf dem exzellenten ›One Of Those Days‹ als „fucking großartig“. Auf Letzterem heißt es im Refrain: „One of those days that I don’t believe in Jesus“, und Ozzy klingt mehr als schelmisch, wenn er prophezeit: „Das wird wohl Ärger bringen. Es ist kein ‚I am an Antichrist‘- Song“, stellt er klar. „Es geht darin einfach um diese Tage, an denen alles verdammt schief läuft und man bei dem Versuch durchdreht, alles geradebiegen zu wollen. Als Eric Clapton das zum ersten Mal hörte, sagte er: ‚Oh, ich weiß nicht, was ich von dem Text halten soll‘. Also versuchten wir, ihn mit Alternativen zu ersetzen. Eine war ‚One of those days where I don’t believe in Christmas‘, aber das klang nicht richtig. Den Glauben an Jesus zu verlieren, ergibt viel mehr Sinn, wenn die Welt den Bach runtergeht. Ich denke, der Song und das ganze Album sind sehr gut geworden. Aber ich bin auch noch nie ins Studio gegangen und habe gesagt: ‚Diesmal werde ich mal eine schlechte Platte machen‘. Die beste Platte ist immer die nächste. Aber natürlich empfinde ich auch tiefe Trauer, wenn ich sie höre, angesichts dessen, was mit Taylor Hawkins passiert ist. Ich traf ihn ein paar Mal. Beim ersten Mal stellte er sich vor, indem er sagte, Dave Grohl sei sein Boss. Er war wunderbar, so ein lieber Kerl. Tatsächlich arbeitete er mit mir in der Woche, bevor er wegfuhr [zu den Shows der Foo Fighters in Südamerika]. Es ist so traurig. Ich bin jetzt 73 und sagte neulich zu Sharon, dass so viele unserer Freunde jetzt sterben. Wenn man jung ist, stirbt vielleicht alle drei bis fünf Jahre jemand, den man kennt, aber wenn man seine 70er erreicht hat, scheint alle fünf Sekunden jemand abzutreten. Das wertvollste Geschenk, das wir alle jetzt noch haben, ist Zeit.“
Und die Zeit schreitet voran. Bald wird der Osbourne-Clan um zwei Mitglieder wachsen, denn sowohl sein Sohn Jack mit seiner Partnerin, der Modedesignerin Aree Gearhart, als auch seine Tochter Kelly mit ihrem Partner, dem Slipknot-Maskenträger Sid Wilson, erwarten Nachwuchs. „Kelly geht es bestens“, strahlt ihr Dad. „Dachte ich, dass Sid jemals Teil meiner Familie werden würde, als ich Slipknot 1999 auf ihre erste große Tournee mitnahm? Natürlich nicht, ich hatte keine fucking Ahnung. Aber Kelly kann lieben, wen sie will, und sie liebt ihn aufrichtig.“ Auf die Frage, worauf er sich 2022 sonst noch so freue, antwortet Ozzy sofort: „Meine Genesung“, und sagt, dass er sie im wahrsten Sinne des Wortes Schritt um Schritt angeht, Tag um Tag. Er und Sharon, bekräftigt er, seien bereit, ihre Siebensachen zu packen, die USA zu verlassen und nach England zurückzukehren. Und der Tag, an dem dieser Umzug tatsächlich passiert, mag nicht mehr in allzu ferner Zukunft liegen, denn das Familienanwesen im exklusiven Villenviertel Hancock Park in Los Angeles steht zum Verkauf. Falls jemand unter der CLASSIC-ROCK-Leserschaft mit tiefen Taschen Lust auf einen Tapetenwechsel haben sollte: Der Preis beträgt schlappe 18 Millionen Dollar. John Michael Osbourne hat seinerseits auch noch Träume: „Ich würde immer noch gerne Platz eins in Großbritannien erreichen. Und dieses Album hätte es verdient. Niemand dachte, dass Sabbath mit unserem letzten Album 13 auf Platz eins kommen würden, warum also nicht träumen? Ich habe mein Bestes gegeben und bin sehr glücklich damit. Jetzt müssen die Fans über das Schicksal entscheiden.“ Es kommt ein weiteres vertraut dreckiges Lachen aus der Osbourne-Residenz und er schließt fröhlich ab: „Was auch immer passiert, ich werde nicht zulassen, dass die Welt mich vergisst!“
Seit Richie Sambora 2013 bei Bon Jovi ausgestiegen ist, brodelt die Gerüchteküche regelmäßig wegen Reunion-Legenden hoch. Bei den jüngsten „Music Industry Trust Awards“ in London diese Woche wurde Sambora vom Nachrichtenportal Metro nach der Möglichkeit einer Reunion gefragt.
Der Gitarrist antwortete daraufhin: „Es wäre möglich, wir sind ein wenig im Gespräch“ und soll dabei wohl laut Angaben des Reporters ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen gehabt haben. Sambora könnte sich auch vorstellen, 2023 mit Bon Jovi beim Glastonbury Festival aufzutreten.
Samboras Wiedereinstieg von Bon Jovi wird nicht zum ersten Mal thematisiert, zuletzt gaben Sambora und Jon 2020 öffentliche Statements dazu ab. Jon Bon Jovi meinte damals: „Es vergeht nicht ein Tag, an dem ich mir nicht wünsche, dass Richie sein Leben im Griff hat und immer noch in der Band ist.“
„Zurück in die 80er Jahre“ lautet das Motto dieses Musical-Spektakels. Mit Augenzwinkern lässt diese Show die Klischees des vielleicht schrillsten Jahrzehnts der Musikgeschichte Revue passieren – mit Hits von Whitesnake, REO Speedwagon, Europe und vielen mehr.
Am 27. Januar 2023 erscheint das neue Album CHAOS AND COLOUR von Uriah Heep, die 25. Studioplatte aus dem Hause Heep. Als ersten Vorgeschmack hat die Band bereits eine erste Single mit dem Titel ›Save Me Tonight‹ inklusive Animations-Video veröffentlicht.
„›Save Me Tonight‹ ist an ein kraftvoller, melodischer, rockiger Track, den wir als erste Single gewählt haben und der auch gleichzeitig der Opener des Albums ist,” so Mick Box. “Es ist ein Song fürs Rock-Radio und wird sicher in unserer Setlist 2023 sein.”
Weiter erklärt er: “Der Album Titel reflektiert die chaotischen Lockdown Zeiten. In den die Touren gecancelt wurden, Business brach auseinander und alles das, was Chaos auslöste. Und das einzig Bunte, was man hatte, war die Musik, die vielen Menschen durch diese schwierige Zeit geholfen hat“.
Dan McCafferty, ehemaliger Sänger von Nazareth, ist am 8. November 2022 im Alter von 76 Jahren verstorben. Das teilte Bassist und Nazareth-Mann Pete Agnew damals auf Facebook mit.
Zusammen mit Agnew, Manny Charlton und Drummer Darrell Sweet gründete Dan McCafferty Nazareth im Jahr 1968 in Schottland. Mit seiner rauen, eigentümlichen Reibeisenstimme und seiner grandiosen Bühnenpräsenz wurde McCafferty zum Vorbild für viele Rocksänger. Mit ihrem dritten Album RAMANAZ gelang der Band 1973 der Durchbruch, international konnte die Truppe dann mit dem von ihrem Gitarristen Manny Charlton produzierten HAIR OF THE DOG (1975) landen.
2013 zog sich der Sänger aufgrund gesundheitlicher Beschwerden von der Band zurück, nachdem er mehrere Konzerte abbrechen musste. Cafferty hielt seine Kollegen jedoch dazu an, Nazareth weiterzuführen. 2022 starb er an den Folgen seiner chronischen Lungenkrankheit COPD.
Im Jahr 1971 sind sie zweifellos die Stars der Szene – schließlich haben sie innerhalb von zwei Jahren drei erfolgreiche Alben veröffentlicht. Doch erst mit ihrem vierten Album steigen Led Zeppelin schließlich zu Superstars auf: IV ist ein Ikonen-Album des Siebziger-Rock, die Songwriting- und Produktionsphase hat allerdings ihre Tücken…
Das Jahr 1970 neigt sich dem Ende zu, und mit ihm scheint auch eine Ära vorbei zu sein. Im April haben sich die Beatles aufgelöst, im September stirbt Jimi Hendrix, kurz darauf Janis Joplin. Und den Rolling Stones, zumindest die zweitgrößte Band der sechziger Jahre, sitzt die Steuerfahndung im Nacken, weshalb sie drauf und dran sind, die Koffer zu packen und nach Südfrankreich überzusiedeln. Die sechziger Jahre mochten, popmusikalisch betrachtet, eine einzige große Party gewesen sein – doch jetzt herrscht zunehmend Katerstimmung.
Nichtsdestotrotz tut sich etwas: Deep Purple haben mit IN ROCK ihren Stil signifikant verändert und einen großen Erfolg gelandet, Pink Floyd setzen mit ATOM HEART MOTHER eine weitere Wegmarke auf ihrem Karrierepfad von der Untergrund-Band zum Massenphänomen. Der Wachwechsel deutet sich an, ist aber noch nicht ganz vollzogen. Das Jahr 1970 als „popmusikalisches Vakuum“ zu bezeichnen, wäre sicher übertrieben – aber es ist zweifellos ein Jahr des Übergangs. Und keine Band der Welt verkörpert dieses „Hinübergleiten“ der sechziger in die siebziger Jahre besser als Led Zeppelin.
Ende 1968 gegründet, haben sie zwei Jahre später bereits drei Alben veröffentlicht, wobei Nummer zwei und drei sowohl in England als auch in den USA den Chart-Platz eins erreicht haben. Sie konnten zudem mehrere US-Tourneen absolvieren, gelten als die Band der Stunde – allerdings nur beim Publikum.
Die Musikpresse, in weiten Teilen dem kalifornischen Hippie-Ethos verhaftet, scheint Led Zeppelin zu hassen. Zu vordergründig, zu kommerziell, zu konstruiert, lauten die Vorwürfe, befeuert vom in der Tat recht großspurigen Auftreten der Band und ihres Managers Peter Grant. Jahre später bringt der amerikanische „Rolling Stone“ all diese Vorbehalte auf den Punkt: „Gib einem Engländer 50.000 Watt, einen Charter-Jet, ein bisschen Kokain und ein paar Groupies – und schon hält er sich für einen Gott.“ Die aufgeklärte Rock-Journaille der frühen Siebziger will aber keine Götter, sondern bodenständige Folk-Poeten und anspruchsvolle Singer/Songwriter. Rock’n’Roll, der laut ist und einfach nur Spaß macht, wirkt in diesem Umfeld irgendwie suspekt.
Led Zeppelin sind eitel genug, endlich auch die Kritiker überzeugen und ihr Image des Hypes, des substanzlosen Marketing-Erfolges, ablegen zu wollen. Wozu sie einen Trick anwenden, der Ahmet Ertegün, dem Chef ihrer Plattenfirma Atlantic Records, die Blässe ins Gesicht treibt. Als man im Herbst 1971 im New Yorker Atlantic-Hauptquartier zusammensitzt, geht es um die Veröffentlichung mit der Katalognummer 7208. Ertegün ist da, Jimmy Page, Peter Grant und natürlich ein paar Anwälte – denn Rock’n’Roll ist längst Big Business, da geht es nicht mehr ohne. Grant erklärt, was Sache ist: Das Artwork des neuen Albums soll, so will es Jimmy Page, ohne Titel auskommen – und ohne Bandnamen. Ertegün kann’s nicht fassen. Kein Name? Kein Titel? Das grenzt an kommerziellen Selbstmord.
Phil Carson, damals England-Chef von Atlantic, erzählt den Kollegen vom britischen CLASSIC ROCK: „Wir dachten, das sei komplett irre. Das Album wäre unverkäuflich. Doch Grant gab nicht nach und sagte: ‚Pass mal auf: Das Album würde sich selbst dann noch palettenweise verkaufen, wenn wir es in eine verfickte braune Papiertüte stecken!‘“ Der Manager, der in der Branche ohnehin den Ruf eines Berserkers genießt, bleibt standhaft. Er weigert sich, die Master-Tapes abzuliefern, bis diese Frage nicht in seinem Sinn geklärt wird. Carson lenkt schließlich ein und versucht, die US-Kollegen zu überzeugen. Denn Led Zeppelin sind damals bei Atlantic für immerhin 20 bis 25 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich.
Inwiefern auch ästhetische Erwägungen eine Rolle spielen, ist fraglich. Aber als herzhaftes „Leckt uns!“ funktioniert der Trick ziemlich gut. Kein arroganter Journalist kann jetzt noch behaupten, Heerscharen von Rockfans seien irgendwie doof und würden eben alles kaufen, wo nur groß genug „Led Zeppelin“ draufsteht. Auf Nummer 7208 steht nämlich gar nichts – außer einem alten Waldschrat, der ein Bündel Reisig trägt. Auf einer vergilbten Fotografie, die an einer vermoderten Wand hängt. Und wer das Klappcover öffnet, sieht, dass die Wand zu einer Ruine gehört, wobei im Hintergrund bereits ein Hochhaus aus dem Boden gewachsen ist. Einfaches Landleben hier, betonierte Wohnwaben dort.
Richard Cole, einst Zeppelins Tourmanager, erzählt den britischen Kollegen, dass das Foto Robert Plants Idee gewesen sei: „Keiner von uns verstand, warum er ausgerechnet dieses verschissene Stück Müll auf dem Cover haben wollte.“ Begeisterung klingt anders.
Was hat es denn nun auf sich mit dem alten Mann und dem Hochhaus? Jimmy Page äußerte einst, die Band wolle ausdrücken, wie wichtig es wäre, die Schöpfung zu bewahren. Der alte Mann lebe erst in Harmonie mit der Natur, doch dann würde sein Haus platt gemacht, weshalb er fortan in den furchtbaren Vorstadt-Slums leben müsse. Ein frühes Öko-Statement also, kurz nach Alexandras ›Mein Freund, der Baum‹. John Bonham, von schlichterem Gemüt, hat die Sache jedoch aus einem anderen Blickwinkel betrachtet: Er hält es „für besser, in einem alten Haus zu leben als in einem Wohnblock“. Zweifellos richtig, solange sich die Tapete nicht von der Wand schält.
Zeppelin-Fan Jack White erzählte 2006 im CLASSIC ROCK, wie sehr ihn das Artwork einst beeindruckt hat: „Wenn die Leute über Jimmy Pages Genialität sprechen, vergessen sie oft genug seinen Hang zum Punk, seine Anti-Establishment-Attitüde. Ein Album ohne Titel, ohne Erklärungen zu veröffentlichen, war schon ziemlich gewagt. Für mich hat das mehr mit Punk zu tun, als wenn die Sex Pistols ihren Plattenvertrag vor dem Buckingham Palace unterschreiben.“
Doch als das Album, nennen wir es der Einfachheit halber LED ZEPPELIN IV, im November 1971 erscheint, passiert genau das, was Peter Grant zuvor prophezeit hat: Die Platte erreicht Chart-Platz eins in England, trotz fehlender Beschriftung. In den USA ist immerhin Rang zwei drin, angesichts der Tatsache, dass Led Zeps vorherige und nachfolgende Alben auch dort Platz eins schafften, geht ein halber Punkt also auch an Ahmet Ertegün, der seine Landsleute offenbar richtig eingeschätzt hat.
Am 11. November erscheint die Neuauflage von Guns N‘ Roses Zwillingsalben USE YOUR ILLUSION I+II. Zu Feier des Tages präsentiert CLASSIC ROCK am Abend des 10. Novembers in München und Hamburg im Cinemaxx ein exklusives Kino-Event für alle Gunners-Fans. Wir bringen die gefährlichste Band der Welt noch vor offizieller Veröffentlichung der Neuauflage für euch auf die große Leinwand!
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In den beiden Kinos haben die Gewinner*innen die Möglichkeit, sich den in USE YOUR ILLUSION I+II enthaltenen Konzertfilm „Guns N‘ Roses Live In New York“, der 1991 im Ritz Theatre in New York gedreht wurde, exklusiv vorab anzusehen. Für das von CLASSIC ROCK präsentierte Event verlosen wir pro Stadt 10×2 Freikarten.
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