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Nickelback: GET ROLLIN‘

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Mal wieder Hardrock für die Massen. Und warum auch nicht?

Wegen der unverschämten Eingängigkeit ihrer Rocksongs und der Tendenz zu schmalzigen Country- Balladen haben die Kanadier im Laufe der Jahr(zehnt)e einiges an Kritik und sogar Häme einstecken müssen. Frontmann Chad Kroeger wird sich deshalb wohl kaum in den Schlaf weinen, sondern eher müde lächeln. Speziell dann, wenn er auf seinen Kontostand schaut, oder auf die sich im Keller seines gigantischen Herrenhauses stapelnden Gold- und Platinauszeichnungen für über 50 Millionen verkaufte Alben.

Von letzteren dürften für GET ROLLIN’ nahezu sicher noch ein paar weitere dazukommen, macht der Vierer doch exakt so weiter, wie er es seit dem großen Durchbruch mit SILVER SIDE UP (2001) praktiziert: mit einem clever ausgewogenen Mix aus zackigen, mächtig groovenden Heavy-Tracks (›San Quentin‹, ›Vegas Bomb‹), ohrwurmverdächtigen Radio-Rockern (›High Time‹, ›Steel Still Rusts‹) und Breitwandschleichern à la ›Does Heaven Even Know You’re Missing?‹. Ja, es stimmt: Das Ganze wirkt auch hier streckenweise fast schon zynisch kalkuliert. Aber – verdammt! – es funktioniert! Der Fuß wippt unwillkürlich mit und die Refrains fräsen sich unwiderstehlich in die Gehirnwindungen. Kroeger weiß eben genau, was er tut.

7 von 10 Punkten

Nickelback
GET ROLLIN’
BMG RIGHTS/WARNER

Nickelback: Nehmen sich laut Chad Kroeger selbst nicht ernst

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Seit Jahrzehnten sind Nickelback Zielscheibe von Musikerwitzen und Memes in der Rock- und Metalszene. In einem jüngsten Interview mit WRIF sprach Frontmann Chad Kroeger über dieses Phänomen und legte eine überraschend selbstironische Attitüde an den Tag.

„Als wir die Textzeile „You look so much cuter with something in your mouth“ [2008] aufnahmen, habt ihr diesen Song im Radio gespielt. Ich finde, das ist zum totlachen und jeder, der denkt, dass wir diese Band komplett ernst nehmen, ist zum totlachen. Wir sind einfach nur vier Knalltüten, die sich fragen: „Könnt ihr euch vorstellen, dass sie das wirklich im Radio spielen?“ Und dann spielt ihr es im Radio!“, erklärte Chad Kroeger laut Metal Injection in besagtem Interview.

Weiter erklärt Kroeger: „Ich denke, dass diese Band Jahre lang falsch repräsentiert wurde. Wenn wir Fotos machen, machen wir meistens nur Quatsch. Da kommen all diese lustigen Bilder raus, wo wir uns einfach nur den Arsch ablachen. Am Ende ist es dann immer so. Der Fotograf sagt so etwas wie „Okay Jungs, jetzt nochmal ein bisschen Haltung“. Das machen wir und genau dieses Bild wird dann jedes Mal verwendet. Nach dem Motto: „Schau dir diese Idioten an, wie sie sich selbst zu ernst nehmen“ und das repräsentiert die Band einfach schrecklich falsch.“

Skid Row: Im Interview

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Sie sind zurück, mit einem neuen, bekannten Frontmann. Skid-Row-Gitarrist Dave „Snake“ Sabo sprach mit Classic Rock über ihr neues Album THE GANG’S ALL HERE, dem ersten mit Sänger Erik Grönwall, ehemals bei H.e.a.t.

Von außen betrachtet erscheint der Rauswurf von ZP Theart, der acht Jahre in der Band war, und der Einstieg von Erik Grönwall wie ein fliegender Wechsel. Wieviel Zeit ist tatsächlich vergangen?
(lacht) Erik lernte die Band tatsächlich erst vier Tage vor seinem ersten Gig mit uns kennen, am ersten Abend unseres Engagements mit den Scorpions in Las Vegas letzten Februar. Wir gaben ihm den Job dreieinhalb Wochen davor. Ich weiß, das klingt verrückt, aber da hatte er schon den Großteil seiner Parts für das Album aufgenommen.

Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein.
Ja, genau. Aber das Arbeitsethos dieses Kerls ist unglaublich. Er ist so kreativ.

Wie lange hatten Skid Row Erik schon auf dem Schirm gehabt?
Wir wussten schon länger von ihm. Wir hatten seine Audition [bei „Swedish Idol“] von 2009 mit ›18 And Life‹ mitbekommen, die sehr beeindruckend war. Und etwa zu der Zeit, als Rachel [Bolan, Bassist] und ich darüber nachdachten, unseren Sänger auszuwechseln, hörten wir seine zweite Version von ›18 And Life‹. Und da dachten wir: „Heilige Scheiße!“ Also schickten wir ihm ein paar Songs, zu denen er singen sollte, und sie kamen innerhalb von 24 Stunden zurück. Alle wussten sofort, dass das der Gamechanger war. Diese Darbietungen waren auf einem ganz anderen Level.

Wie war es, mit dem Grammy-prämierten Produzenten Nick Raskulinecz an THE GANG’S ALL HERE zu arbeiten?
Nick ist unglaublich. Er forderte uns dazu heraus, anders als sonst zu arbeiten. Er dekonstruierte jeden Song. Und weil er schon mit Rush, Alice In Chains, Halestorm, den Foo Fighters und Mastodon gearbeitet hatte, um
nur einige zu nennen, vertrauten wir ihm. Er brachte uns zur ursprünglichen Essenz von Skid Row zurück, und das funktionierte.

Wie meinst du das?
Nick sagte aus heiterem Himmel Sachen wie: „Okay, ich mag diesen Part sehr. Aber versucht beim nächsten, etwas in der Art der zweiten Strophe von ›Big Guns‹ [vom selbstbetitelten Debütalbum der Band] abzuliefern“. Das riss uns aus gewohnten Mustern heraus, wir öffneten uns vollständig und das klappte bestens.

Wurde das neue Album nicht mit dem Gesang von ZP Theart aufgenommen, bevor Erik einstieg?
Wir machten drei oder vier Songs mit ZP, bevor uns klar wurde, dass wir eine Veränderung brauchten. Er ist ein großartiger Sänger und ein wirklich guter Typ, es gab keinerlei Animositäten, aber wir entwickelten uns in
entgegengesetzte Richtungen.

Als ihr über einen anderen Sänger nachgedacht habt, kam da jemals der Name des ersten Skid-Row-Frontmanns, Sebastian Bach, auf?
Nein. Und du bist nicht der Erste, der diese Frage stellt. Aber er war zu keinem Zeitpunkt Teil unserer Überlegungen. Das haben wir schon sehr lange hinter uns.

Für dich besteht also keinerlei Chance, dass Sebastian jemals zu Skid Row zurückkehren könnte?
In dem Punkt sind wir uns absolut sicher. Wir sind mehr fokussiert darauf, mit Erik – oder wer auch immer es gewesen wäre – nach vorne zu blicken statt zurück.

Auf THE GANG’S ALL HERE gelingt es hervorragend, den klassischen Skid-Row-Sound einzufangen. Was wird Erik deiner Meinung nach in das nächste Album einbringen, bei dem er vollends involviert sein wird?
Ich sehe seine Energie und wie positiv er ist, also weiß ich, dass er beim Songwriting in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. H.e.a.t sind eine wirklich gute Band. Es geht immer darum, die bestmögliche Platte zu
machen, und nicht darum, welche Namen in den Credits stehen.

Wie fühlt es sich an, nach eineinhalb Jahren Zwangspause wieder auf der Bühne zu stehen?
Ich könnte nicht glücklicher sein. Die Isolation wirkte sich auf alle unterschiedlich aus. Für mich war es eine Achterbahnfahrt. In den ersten beiden Wochen genoss ich es, einfach nur zu entspannen, aber dann schadete es meiner Kreativität. Ich versuchte, zu schreiben, aber ich konnte es einfach nicht, obwohl es mir dann letztlich zum Glück doch wieder gelang. Bei unserer ersten Show im Februar fühlte es sich die ersten fünf Minuten unfassbar surreal an, doch dann kam alles wieder zurück. Gott sei Dank!

Ihr seid nun mit den Special Guests Winger und Phil X, dem aktuellen Gitarristen von Bon Jovi, unterwegs. Ihr kennt Kip Winger und Phil vermutlich recht gut, oder?
Phil ist phänomenal, und Kip ist ein wirklich toller Typ. Er ist ein Überlebenskünstler und natürlich ein überragender Musiker. Sie bringen ein starkes Gesamtpaket zu den Shows. Phil ist einer meiner absoluten Lieblingsgitarristen.

Es muss sehr aufregend sein, mit einem so starken Album zurückzukommen.
Dude, ich kann es nicht erwarten, dass die Leute uns mit Erik sehen. Das ist eine völlig neue, andere Maschine als früher. Da ist eine Energie, die über die Jahre vielleicht etwas verloren gegangen war, wenn auch nur ein
bisschen. Wir haben einen neuen Sänger, und er hat eine frischen, neuen Vibe in die Band gebracht. Ich bin begeistert von dem, was wir mit ihm erschaffen haben und was vor uns liegt.

Video der Woche: Nazareth ›This Flight Tonight‹

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Die Rockgemeinde trauert um einen ihrer charismatischsten Sänger. Am Dienstag ist Dan McCafferty, Sänger von Nazareth, im Alter von 76 Jahren verstorben. R.I.P.!

Das Leben schreibt oft die schönsten Geschichten. Der im schottischen Dunfermline geborene McCafferty verdingte sich in den 60er Jahren als Roadie für die Band Shadettes. Als deren Sänger sich kurz vor einem Konzert unerwartet verabschiedete, sprang McCafferty spontan für ihn ein und wechselte damit postwendend vom Verstärker Schleppen zum Mikrofon.

Anfang der 70er Jahre benannten sich die Shadettes in Nazareth um und schrieben unter diesem Namen Rockgeschichte. Neben ihrem unverkennbaren Sound war es vor allem McCaffertys raue Stimme, die sie von den anderen Hard-Rock-Bands abhob. Songs wie ›Dream On‹ und ›Love Hurts‹ machten sie weltweit bekannt.

In Deutschland schafften sie es allerdings mit einem anderen Song an die Spitze der Charts. 1973 veröffentlichten die Schotten ihr Album LOUD ‚N‘ PROUD. Eine der Singleauskopplungen war ›This Flight Tonight‹, ein Cover des Songs von Joni Mitchell. Sie machten aus der ruhigen Folkballade mit Hilfe von Produzent Roger Glover einen Hard-Rock-Kracher, der bis heute der erfolgreichste Song von Nazareth hierzulande ist.

2013 zog sich McCafferty aus gesundheitlichen Grünen von Nazareth zurück. In letzter Zeit kämpfte er mit den Folgen der Lungenkrankheit COPD. Am Dienstag, den 08.11.2022, starb McCafferty im Alter von 76 Jahren.

Neil Young: The Cadillac and the damage done

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Vor über 40 Jahren nahm Neil Young den Mund noch ziemlich voll, was seine eigene Mobilität betrifft. Im Song ›Motor City‹ vom Album RE·AC·TOR (1981) singt er: „My old car keeps breaking down, my new car ain’t from Japan, there’s already too many Datsuns in this town“. Damals beklagte er den Untergang der amerikanischen Autoindustrie und verurteilte die Fahrzeuge aus dem Land der aufgehenden Sonne. Diese versnobte Haltung hat er Jahre später abgelegt. 2008 gründete er eine Firma, die Autobesitzern bei der Umrüstung ihrer Benzinschlucker auf den Antrieb mit Strom oder Erdgas helfen soll. Mit diesem Unternehmen, LincVolt Technology, möchte er umweltfreundliche Technologien weiterentwickeln und Umbauten vornehmen.

Neil selbst ist ein Liebhaber großer Schlitten. Ein knallrotes Buick-Cabrio (Baujahr 1953), das speziell für Young ausgestattet worden war, wurde von einem Auktionshaus im Jahre 2017 für 400.000 Dollar im Auftrag des Songwriters versteigert. Einer seiner bevorzugten Wagen ist ein Lincoln Continental MK IV. Das Cabrio aus dem Jahr 1959 ist sicher eines der Traumautos aus dem James-Dean-Jahrzehnt. Ursprünglich wurde der Lincoln in der heimischen Young-Garage von einem wuchtigen 7,5-Liter-V8-Aggregat in Fahrt gebracht. Mit einem Verbrauch von mehr als 20 Litern sind solche Autos nicht gerade das, was man unter verantwortungsbewusstem Handeln an der Seite von Mutter Natur versteht. Deshalb hat der Rockmusiker mit seinem Mechaniker-Team dem Lincoln den Motor entrissen und ihn mit einem Hybridantrieb sowie Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien bestückt. Der Stromspeicher findet Platz im geräumigen Kofferraum. Zusätzlich zur Elektromaschine ist noch ein klassischer Verbrennungsmotor mit an Bord, der mit Bio-Sprit läuft. Der springt jedoch nur an, wenn die Kapazität der Akkus knapp wird, und fungiert als Generator, um das Auto zu bewegen.

Ob das der große Wurf ist? Vielleicht nicht ganz. Ganze 18 Prozent der Treibhausgasemissionen sind es alleine in Deutschland, die ausschließlich vom Straßenverkehr verursacht werden. Und der Strom, mit dem E-Autos fahren, muss ja irgendwo hergestellt werden. Weil unser Strom nur zu 38 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt, also noch immer hauptsächlich aus Kohle oder Atomkraft hergestellt wird, verlagern Elektroautos das Problem nur. Sie verschmutzen die Luft zwar nicht auf der Straße, dafür irgendwo außerhalb der Städte, wo die Kohlekraftwerke stehen. Außerdem sind für die Batterien einige Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Grafit nötig. Um sie abzubauen, werden Wälder gerodet und Tiere vertrieben, die Erde aufgerissen und Unmengen an Wasser verbraucht. Auch die Produktion der Wasserstoffautos ist noch nicht da angelangt, wo sie sein könnte. Bisher ist Südkorea der größte Markt für diese Form von Mobilität ohne spritfressenden Otto-Motor.

2021 lag das kleine asiatische Land vor riesigen Staaten wie den USA oder China. Dank der marktbeherrschenden Stellung von Hyundai und durch die gut ausgebaute Infrastruktur hat Korea einen Anteil von 55 Prozent am weltweiten Absatz (der sich allerdings nur auf wenige tausend Fahrzeuge im Jahr beläuft). Auch das hilft dem Klima jetzt auch nur bedingt – und es müsste hier auch viel mehr passieren. „Für mich sind Politiker alle gleich“, sagt Neil Young lakonisch – und ergänzt: „Die Leute müssten sich ein bisschen mehr um ein Bewusstsein für die Umwelt bemühen und sich den anderen, die alles korrumpieren wollen, widersetzen. Das große Problem mit der Nachhaltigkeit ist doch, dass sie für die meisten Menschen nicht selbstverständlich ist.“ Er versucht, als gutes Vorbild voranzugehen. Im Januar 2022 kündigte Young zudem auf seiner Internetseite an, dass er erst dann wieder auf Tour gehen wolle, wenn auch sein Tourbus elektrisch betrieben werden kann. Wann das sein wird, kann derzeit niemand verlässlich beantworten.

Guns N’ Roses: USE YOUR ILLUSION SUPER DELUXE EDITION

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Superlative, einst und jetzt

Als 1966 die beiden ersten Doppelalben erschienen – FREAK OUT! von The Mothers Of Invention und Bob Dylans BLONDE ON BLONDE –, ernteten diese Erstaunen und Respekt. 25 Jahre später sorgte am 17. September 1991 die US-Formation Guns N’ Roses für eine ebenso spektakuläre Neuauflage dieser Material-opulenz (wobei es zuvor schon diverse LP-Sets mit drei, vier oder gar mehr Platten gab). Nach dem phänomenalen Karrierestart mit dem Debüt APPETITE FOR DESTRUCTION (1987), das sich weltweit mehr als 30 Millionen Mal verkaufte, setzten Guns N’ Roses nach dem Wartezeitüberbrücker GN’R LIES (1988), nunmehr auf kreativem Höhepunkt angelangt, eine geradezu sensationelle Kampagne in Gang. Mit USE YOUR ILLUSION I & II wurden simultan zwei Doppelalben veröffentlicht, die allein in der ersten Woche astronomische
Verkäufe erzielten und allein in den USA bis heute jeweils mehr als sieben Millionen Exemplare absetzten. Eine regelrechte Lawine an Superlativen kam ins Rollen, ausgelöst durch die extrem erfolgreichen ausgekoppelten Eigenkompositionen und Coverversionen ›Don’t Cry‹, ›Live And Let Die‹, ›November Rain‹, ›You Could Be Mine‹, ›Knockin’ On Heaven’s Door‹, ›Yesterdays‹, ›Civil War‹ und ›Estranged‹. Zum verspäteten 30. Jubiläum öffnet sich abermals der magische PR-Zauberkasten inklusive der von Steven Wilson geremixten Update-Version von ›November Rain‹ mit Riesenorchester. Insgesamt neun verschiedene physische Formate beinhaltet die klangtechnisch restaurierte Neuauflage, darunter die SUPER DELUXE EDITION mit sieben CDs plus Blu-ray sowie das 12-LP-Set inklusive Blu-ray. Bei beiden Formaten dienen als Zusatz die zuvor unveröffentlichten Aufnahmen LIVE IN NEW YORK (RITZ THEATRE MAY 1991) und LIVE IN LAS VEGAS (THOMAS & MACK CENTER JANUARY 1992). Die Blu-ray enthält den kompletten Konzertmitschnitt LIVE IN NEW YORK. Beiden Formaten liegt ein 100-seitiges Hardcover-Buch mit zahlreichen Kostbarkeiten (u. a. Repliken, Lithos, Memorabilia) bei. Weitere Ausgaben sind ein 2CD-Set mit einem 24-seitigen Booklet, ein 2- und ein 4LP-Set sowie ein Single-CD -Remaster. Überarbeitetes Demo- bzw. Outtake-Bonusmaterial wäre schön gewesen, dann hätten die Albumzwillinge 2022 Doppel-Superlativstatus erreichen können.

9 von 10 Punkten

Guns N’ Roses
USE YOUR ILLUSION SUPER DELUXE EDITION
GEFFEN/UNIVERSAL

use your illusion I und II super deluxe

Bruce Springsteen: ONLY THE STRONG SURVIVE

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Fantastische Coverversionen von teils vergessenen Soul-Klassikern

David Ruffin, Levi Stubbs, Diana Ross, Ben E. King: ein paar der größten Sänger aller Zeiten. Wer deren Lieder covert, ist entweder größenwahnsinnig – oder er ist Bruce Springsteen. Und mit 73 immer noch der kleine Junge, der seine Soul-Helden verehrt. In den 70ern hat Springsteen zusammen mit Little Steven Songs für Soulrocker Southside Johnny geschrieben. Ganz so direkt wie der wollte er seine Liebe zu dieser Musik nicht ausleben. Aber in seinen größten Werken (von NEBRASKA vielleicht mal abgesehen) steckten die überbordende Romantik, die verzweifelte Sehnsucht des Soul immer genauso sehr drin wie andererseits Bob Dylan, Chuck Berry oder Elvis. Und hier liegt auch der Unterschied zum Westküsten-Pop auf WESTERN STARS von 2019, der ihm ja nie so nah war wie zum Beispiel die Soul-Klassiker ›I Wish It Would Rain‹, ›7 Rooms Of Gloom‹, ›What Becomes Of The Brokenhearted‹, ›Someday We’ll Be Together‹ – oder auch heute weniger Bekanntes wie ›Soul Days‹ von Dobie Gray oder William Bells wundervolles ›I Forgot To Be Your Lover‹. Wer also meint, dass das hier das Album eines Künstlers ist, dem gerade nichts Eigenes ein- fällt und der aus Verlegenheit die Lieder von anderen spielt, der hat von Bruce Springsteen nie etwas verstanden. Ähnlich wie bei den Stones mit BLUE & LONESOME ist ONLY THE STRONG SURVIVE eine Rückversicherung, eine Rückkehr zu einem der Kraftzentren des eigenen Schaffens. Die Songvorlagen mit ihren Streichern, ihren Bläsern, ihren Background-Chören wurden nicht radikal umgestaltet, und es geht auch nicht darum, die eigenen Vorbilder zu übertrumpfen, das wäre unmöglich. Was zählt, ist die schiere Freude an diesen Liedern. Und dass man alles in sie hineinsteckt, was man hat. Um dann halt zu scheitern oder zu triumphieren. Und diese Aufnahmen hier sind eindeutig ein Triumph.

8 von 10 Punkte

Bruce Springsteen
ONLY THE STRONG SURVIVE
COLUMBIA/SONY

Bruce Springsteen Only The Strong Survive

Larkin Poe: BLOOD HARMONY

Familienbande

Nach zwei Jahren, einem Cover- und einem Live-Album, liefern Larkin Poe nun den Nachfolger zu SELF MADE MAN aus dem Jahr 2020 ab, beschäftigen sich darauf mit ihrer Heimat Georgia und beschwören flirrendes Südstaaten-Feeling herauf, das sie von jeglichen negativen Stereotypen entkoppeln. In ihrer Kindheit haben die talentierten Schwestern die Südstaaten offenbar als einen Ort der Gastfreundschaft erlebt. Diese Erfahrungen sowie ihre familiäre Verbundenheit gravieren Megan und Rebecca tief in ihren vom Blues getriebenen Roots Rock ein und zeigen auf BLOOD HARMONY einmal mehr, dass sie zurecht eine der großen Hoffnungen am Himmel junger Rock-Sternchen sind. Auf ihrem neuen Studioalbum integrieren die Schwestern viel Southern Rock á la Lynyrd Skynyrd wie in ›Georgia Off My Mind‹ oder ›Southern Comfort‹, kreieren jedoch auch mit ultra coolen, groovenden Songs wie der Single ›Bad Spell‹ – deren Vibe an Screaming Jay Hawkins ähnlich betiteltes ›I Put A Spell On You‹ erinnert – erneut ihren ganz eigenen, kraftvollen, traditionell verwurzelten und doch modern interpretierten Sound. Larkin Poe haben ihr Handwerk perfektioniert und hauchen ihm mit ihrer Authentizität ganz viel Seele in.

8 von 10 Punkten

Larkin Poe /BLOOD HARMONY/TRICKI WOO RECORDS/INDIGO

Larkin Poe_Blood Harmony_Albumcover