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Rückblende: UFO mit ›Profession Of Violence‹

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Dieser 40 Jahre alte Klassiker ist von mordlüsternden Kriminellen aus den Sechzigern inspiriert worden. Ebenfalls eine Hauptrolle in Sachen Kreativitätsbeflügelung spielten a) das entspannte Flair der Karibik und b) einige Liter „Carlsberg Special Brew“.

Obwohl man UFO eher für energiegeladene Songs wie ›Let It Roll‹, ›Too Hot To Handle‹ und ›Lights Out‹ kennt und liebt, hatte die Band schon immer eine sanfte Seite. Jedes ihrer Alben enthielt zumindest ein Lied in einer ruhigeren Gangart. ›Profession Of Violence‹ vom 1981er-Album THE WILD, THE WILLING AND THE INNOCENT ist dafür ein Beispiel erster Güte.

In UFO-Foren bitten die User die Band schon seit Längerem, Stücke wie diese wieder aufzugreifen. Und tatsächlich: Die Gruppe zieht in Erwägung, ›Profession Of Violence‹ wieder ins aktuelle Set aufzunehmen, wie Sänger Phil Mogg CLASSIC ROCK berichtet: „Wir haben erst kürzlich ›Try Me‹ (vom 1977er-Album LIGHTS OUT – Anm.d.Red.) gespielt und über ›Belladonna‹ (vom 1976er-Werk NO HEAVY PETTING – Anm.d.Red.) sowie ›Profession Of Violence‹ nachgedacht – wir wollen unserer Show etwas mehr ‚Farbe‘ verleihen, sie abwechslungsreicher gestalten.“

Die Entstehungsgeschichte von ›Profession Of Violence‹ beginnt mit dem Gitarrensolo, das die zweite Liedhälfte bestimmt. Geschrieben hat es Gitarrist Paul Chapman – und zwar beim Planschen in karibischen Gewässern, mit Blick auf das Inselparadies Montserrat, wo UFO seinerzeit ihr 1980er-Album NO PLACE TO RUN… aufnehmen. „Es ist das einzige Solo, das ich je geschrieben habe, ohne dass ein Lied dazu existierte“, erinnert sich Chapman. „Ich liebte es, mit meiner ‚Ovation‘-Akustikgitarre zum Strand runterzugehen, knietief im wunderbar kristallenen Wasser zu stehen und vor mich hin zu spielen. Ich stand dort stundenlang, obwohl meine Füße total verschrumpelten. Dieses Solo fiel mir bei einem meiner Beach-Besuche ein, und ich nahm es später mit meinem ‚Revox‘-Tonbandgerät auf.“ Die Idee bleibt zunächst liegen, doch schließlich spielt Chapman sie Phil Mogg vor. Dem fällt sofort eine Gesangsmelodie ein, danach entsteht der Rest des Tracks – er wird quasi „rückwärts“ komponiert.

Titel und Text folgen erst später – beide sind von John Pearsons Buch „The Profession Of Violence: The Rise And Fall Of The Kray Twins“ aus dem Jahr 1972 inspiriert, wie Schlagzeuger Andy Parker berichtet: „Ich brachte das Buch mit. Doch ich weiß nicht, ob ich es Phil dann geliehen habe oder er sich selbst ein Exemplar gekauft hat. Na, egal. Jedenfalls hat er sich oft Inspirationen für Texte aus Werken geholt, die er gerade gelesen hatte.“


Was Mogg bestätigt: „Ich mochte den Titel sofort – obwohl mir ›Profession Of Violence‹ ohne den Artikel ‚The‘ besser gefiel. Manchmal, wenn ich ein Buch lese, schreibe ich mir Zeilen daraus auf, um sie später für Songs zu verwenden. Oft vergesse ich sie dann, aber Jahre später kommen sie mir wieder in den Sinn, ich denke dann: ‚Oh, das passt!‘ Aber zurück zum Text von Text ›Profession Of Violence‹: Er deckt sich inhaltlich nicht 1:1 mit dem Buch, sondern hat einen anderen Dreh. Weggesperrt zu werden ist natürlich für niemanden toll. Aber vielleicht gewöhnst du dich daran, wenn du ein berüchtigter Ganove bist. Doch ›Profession Of Violence‹ sollte eher an diejenigen erinnern, die ‚vergessen‘ worden sind, u.a. von der Gesellschaft.“

Dieser Schmerz, den Mogg in seinen Zeilen transportieren wollte, wird musikalisch von einem Streich-Ensemble unterstrichen, das von keinem Geringeren als Cellist Paul Buckmaster arrangiert worden ist. Buckmaster hat sich unter anderem durch seine Zusammenarbeit mit David Bowie an SPACE ODDITY und den Rolling Stones an STICKY FINGERS einen Namen gemacht. Aber es ist sein Beitrag zum Lied ›Sixty Years On‹ von Elton John (von dessen gleichnamigen 1970er-Album), das Mogg dazu veranlasst, sich für Buckmaster zu entscheiden.

„Er sollte eigentlich den ‚Flash Gordon‘-Soundtrack komponieren, aber dann brachten die Verantwortlichen doch noch Queen dazu, den Job zu übernehmen. Daher hatte er plötzlich Zeit, mit uns zu arbeiten. Wir konnten noch nie gut mit Geld umgehen, deshalb kam ich auch gar nicht auf die Idee, ihn zu fragen, wieviel seine Arbeit denn kosten würde“, so Mogg. „Mit diesem Album häuften wir einen enormen Schuldenberg an. Das ‚Air Studio‘, in dem wir aufnahmen, lag z.B. nah am Oxford Circus, also im Herzen von London, und war dementsprechend teuer…“


Es wäre sinnvoller gewesen, ein preiswerteres Studio zu buchen und das Geld stattdessen in einen Produzenten zu investieren. Doch so sind UFO zwar in einem Nobel-Soundtempel, rennen jedoch wie kopflose Hühner durch den Aufnahmeraum. Niemand sagt ihnen, was passieren soll. Weder Mogg noch Parker können heute sagen, wieso niemand zur Unterstützung vor Ort ist. „Ich frage mich immer noch, wie zum Teufel die Leute bei Chrysalis auf die Idee kamen, uns dorthin zu schicken“, so Parker. „Warum nahmen wir in einem so kostspieligen Studio auf, wenn niemand die Zügel in der Hand behielt. Wir brauchten damals jemand, der sagte, was wir tun sollten. Steve Churchyard war der Studiotechniker, aber er produzierte schließlich das Album. Eben weil es gar keine andere Möglichkeit gab – wir wären allein sofort in den nächsten Pub gerannt.“

Einer Einschätzung und späten Erkenntnis, der Mogg nur beipflichten kann. „UFO sich selbst zu überlassen, war nie eine gute Idee. Die Schulden türmten sich, erst 2002 konnten wir sie schließlich komplett tilgen. Dennoch hatten wir bei den Aufnahmen eine gute Zeit – es gab keine Spannungen, zudem war das Studio mitten in der Stadt. Die Aufnahmen fühlten sich so an, als ob wir an einem typisch britischen Rock-Album arbeiten würden. Also so, wie es sein muss.“

Typisch ist auch das Chaos, das ausgerechnet bei der Aufnahme-Arbeit am Solo von ›Profession Of Violence‹ herrscht. Denn obwohl das Lied gerade diesem Part seine Entstehung verdankt, gibt es bei den Recordings ein Problem. Und zwar aufgrund „menschlichen Versagens“, wie Gitarrist Chapman rekapituliert. „An dem Tag, an dem das Solo auf dem Aufnahme-Plan stand, hatte ich gerade meine zehnsaitige rote ‚BC Rich‘-Gitarre bekommen. Die wollte ich unbedingt – denn auf Tour hatte ich gesehen, dass Joe Perry dieses irre Ding mit allem möglichen Schnickschnack spielte. Ich warf damals nur einen kurzen Blick darauf und sagte: ‚So was will ich auch!‘ Also stieg ich vor Beginn der Aufnahmen in ein Taxi, fuhr zu meinem Kumpel Kevin in die Denmark Street (berühmte „Musik“-Straße in London – Anm.d.Red.), besorgte mir das Teil, fuhr zurück zum Studio und stöpselte es ein. Das Erste, was ich aufnahm, war dieses Solo. Steve Churchyard und ich bastelten später nochmal daran herum. Am Ende des Parts hielt ich diese eine Note, wirbelte sie herum und legte etwas Hall darüber. Das Ganze klang so, als würde die Welt untergehen. Einfach fantastisch! Daraufhin sagte ich zu Steve: ‚Es wäre wirklich schrecklich, wenn das je gelöscht würde!‘ Nur um wenig später herauszufinden, dass er genau das getan hatte… Nach einigen Humpen ‚Carlsberg Special Brew‘ haben wir wohl aneinander vorbeigeredet.“

Out now: Die doppelte Ladung CLASSIC ROCK

Jetzt am Kiosk: die doppelte Ladung CLASSIC ROCK. Einmal mit der regulären Ausgabe, CLASSIC ROCK #119, mit großer Scorpions-Titelstory und einmal mit unserem Sonderheft, das auf 148 Seiten die ganze Geschichte von Metallica beleuchtet!

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CLASSIC ROCK #119:

Mit Titelstory über die Scorpions: Diese Herren muss man nicht groß vorstellen: Mit über hundert Millionen verkauften Platten, mehr als 5.000 Konzerten und fast 60 Jahren Band-Historie sind die Scorpions eine der großen Konstanten der Rockmusik. Im Mai erscheint mit COLOURS OF ROCK der erste Schub einer umfassenden Retrospektive auf Vinyl. Im CLASSIC ROCK-Titelinterview verraten Rudolf Schenker, Klaus Meine und Matthias Jabs, wie das damals in den 60er-Jahren in Hannover alles angefangen hat, was es heißt, den Durchbruch in Amerika zu schaffen, und welche Ziele noch bleiben.

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CLASSIC ROCK präsentiert: Metallica – das Sonderheft!

Am 14. April erscheint mit 72 SEASONS das elfte Studioalbum dieser außergewöhnlichen Band. Grund genug, ihre beeindruckende Karriere mit zahlreichen Höhen und Tiefen ausführlich zu beleuchten. Auf 148 Seiten blickt CLASSIC ROCK detailliert auf die letzten 40 Jahre zurück, reist von den Anfängen der ehrgeizigen Jungmusiker bis zu ihren aktuellen Erfolgen. Alle Schaffensperioden werden betrachtet. Zeitzeugen und Wegbegleiter kommen ebenso zu Wort wie alle aktuellen und ehemaligen Bandmitglieder. Dabei sprechen sie schonungslos über Ängste, Zwänge, Dämonen, kreative und persönliche Krisen und interne Konflikte. Zusätzlich gibt es einen ausführli- chen Nachruf auf den Ausnahmebassisten Cliff Burton, die Entstehungsgeschichte des Thrash Metal, bombastische Tourstories und alles Wissenswerte zur neuen Platte 72 SEASONS.

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Leider abgesagt: Stewart Copeland live

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Leider müssen die beiden im Juli anstehenden Deutschland-Shows von Police-Drummer Stewart Copeland aus privaten Gründen abgesagt werden. Tickets werden in den Vorverkaufsstellen- in denen Sie gekauft wurden – erstattet.

20.07.2023          Bremen, Seebühne

22.07.2023          Frankfurt, Jahrhunderthalle

Neil Young & The Santa Monica Flyers: SOMEWHERE UNDER THE RAINBOW

Zwei Bootleg-Klassiker – jetzt offiziell erhältlich

Mit seiner „Official Bootleg Series“ tritt Neil Young in Konkurrenz zu Bob Dylan, nach dem Motto: „Mal sehen, wer mehr aus dem Keller zu holen hat!“ Neu zu haben sind nun zwei legendäre Live-Mitschnitte. SOMEWHERE UNDER THE RAINBOW dokumentiert eine Show, die Young im November 1973 im Londoner Rainbow mit Ben Keith, Nils Lofgren, Billy Talbot und Ralph Molina aka The Santa Monica Flyers spielte. Die Aufnahme kursiert in Fankreisen seit Jahren als inoffizielles Bootleg, nun erscheint sie mit Youngs Segen. Wie sich die Truppe mit größtmöglicher individueller Freiheit durch Standards wie ›Tonight’s The Night‹, ›Helpless‹ oder ›Cowgirl In The Sand‹ spielt, ist toll, doch der Sound ist schrottig, was die Aufnahme nur für echte Komplettisten interessant macht. Deutlich besser klingt HIGH FLYIN‘, eine nun ebenfalls offiziell erhältliche Sammlung aus Live- und Sessiontracks der Ducks. Neben Young waren Bob Mosley von Moby Grape, Jeff Blackburn und Johnny Craviotto Teil dieser Band, die sich im Sommer 1977 spontan für Shows rund um Santa Cruz verabredete und dabei Songs der Mitglieder, Coverversionen oder gemeinsam entwickelte Stücke wie das grandiose Westcoast-Surf-Instrumental ›Windward Passage‹ spielte.

SOMEWHERE UNDER THE RAINBOW: 4 von 10 Punkten

HIGH FLYIN‘: 8 von 10 Punkten

Mike Tramp: SONGS OF WHITE LION

Klassiker von White Lion – neu aufgenommen

Über den Sinn oder Unsinn von Veröffentlichung wie SONGS OF WHITE LION zu philosophieren, ist ungefähr so, wie Eulen nach Athen zu tragen. Im Fall von Mike Tramp ist diese LP nach REMEMBERING WHITE LION (1999) bereits die zweite Scheibe dieser Art. Da aktuell in den sozialen Medien beziehungsweise auf News-Seiten viel über Gerüchte zu einer etwaigen Reunion der White-Lion-Originalbesetzung (die Tramp übrigens dementiert und Vito Bratta erwartungsgemäß mit Schweigen quittiert) diskutiert wird, ist es aus geschäftlicher Sicht aber durchaus logisch, ein Produkt wie dieses auf den Markt zu bringen. Gesanglich liefern Mike am Mikro und seine fünfköpfige Studiogruppe an ihren Instrumenten eine mehr als ordentliche Performance ab. Bis auf das etwas träge Arrangement von ›Cry For Freedom‹ oder die melancholische Darbietung von ›Broken Heart‹ liegen die Interpretationen – natürlich ohne die Finesse der fehlenden Bratta-Soli – sehr nahe an den Originalen.

6 von 10 Punkten


Mike Tramp
SONGS OF WHITE LION
FRONTIERS/SOULFOOD

Andreas Kümmert: WORKING CLASS HERO

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Hochkarätiger Bluesrock. Oder rockiger Blues?

Drei Jahre nach dem gelungenen HARLEKIN DREAMS kommt uns der Sänger/Gitarrist mit dem noch überzeugenderen Nachfolger. Mit den 13 Tracks darauf setzt der Unterfranke die Messlatte für das, was für Genre-Künstler in diesem Lande möglich ist, locker ein, zwei Stufen höher. Das, äh, radiotaugliche ›Leave The Radio On‹, der schöne Slow- Blues ›I Don’t Know‹, der knackige Rocker ›In My Bones‹ oder der knarzige Stampfer ›Poor Boy Boogie‹ sind durch die Bank ohrwurmverdächtig und erreichen spielend den Standard hochklassiger US-Produktionen. ›Hard Times‹ und die emotionale Ballade ›Spaceship‹ sind zudem mit clever integrierten Americana-Elementen gewürzt und passen dennoch wunderbar zum Rest des Materials. Obendrein gibt es erstmals auf einem Kümmert-Album endlich seine Interpretation von ›Rocket Man‹ zu hören. Mit der soulig-bluesigen Coverversion des Elton-John- Klassikers ging seine Karriere 2013 so richtig los – als er sie in der Blind Audition zur dritten Staffel von „The Voice Of Germany“ sang.

7 von 10 Punkten

Andreas Kümmert/WORKING CLASS HERO/DRAKKAR/SOULFOOD

Graham Nash: NOW

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Engagiertes, liebevolles Spätwerk der CSN(Y)-Ikone

Graham Nash ist 81, erst im Januar ist sein früherer Freund und CSN(Y)-Bandkollege David Crosby gestorben – es ist also keine Banalität, wenn er im ersten Song seines ersten Albums mit neuen Liedern seit sieben Jahren singt: „Here I am, still living my life, right now.“ Die sägenden Gitarren unterstreichen den Trotz – den Umständen, dem Leben gegenüber –, der in den Lyrics drinsteckt. Der direkt folgende, fidele Folkrock von ›A Better Life‹ („Let’s make a better life, leave it for the kids“) holt einen dann ganz sanft rein in dieses zwar stellenweise kämpferische, aber insgesamt doch optimistische, teils richtiggehend heimelige Spätwerk. Wenn Nash im stampfenden Rocker ›Stand Up‹ davon singt, für die eigenen Überzeugungen einzustehen, klingt er zwar fast so angriffslustig wie Neil Young. Doch der Countryrock-Schieber ›Feels Like Home‹ erzählt um so gemütlicher vom Heimkommen zu den Liebsten („You’re everything I ever wanted, the answer to a prayer“). ›Buddy’s Back‹, eine Hommage an Buddy Holly mitsamt Surf-Gitarren-Rock’n’Roll, ist gleichzeitig ein Blick zurück auf die eigenen Anfänge („We started a band just to have some fun, and we created a sound as we sang as one“). Es endet mit einer Liebeserklärung, in Form einer zarten Klavierballade: „I know what I need to do, when it comes to you.“

8 von 10 Punkten

Graham Nash
NOW
BMG/WARNER

Metallica: 72 SEASONS

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In aller Härte vorgetragen, profund therapeutisch

Müsste man in nur zwei Worten zusammenfassen, was für einen Eindruck 72 SEASONS beim ersten Hören (und es gab vor Albumveröffentlichung tatsächlich nur einen Hördurchgang, in unserem Fall im Büro der Plattenfirma in London) hinterlassen hat, dann wäre das gar nicht mal so besonders schwierig. Keine Ballade! Wirklich, keine einzige. Nicht einmal ansatzweise oder in Gestalt einer Halbballade, die zum Beispiel sanft anfängt und dann brachial endet (oder umgekehrt). Nein, 72 SEASONS bedeutet: zwölf harte, schnelle Songs, mächtig ausgewalzt auf erneut knapp achtzig Minuten Spielzeit. Es ist ohne jeden Zweifel und ohne Abstriche ein Heavy-Metal-Album. Es kommt ohne Schnickschnack und Verblüffendes aus, allerdings heißt das auch: Wer sich Überraschungen erhofft oder erwartet, für die oder für den gibt es auf 72 SEASONS diesbezüglich kaum Befriedigung. Vom Gesamtklangbild her knüpft die erneut von Greg Fidelman produzierte Platte an die Vorgänger HARDWIRED … TO SELF-DESTRUCT (2016) und DEATH MAGNETIC (2008) an.

Auffälligster Unterschied speziell zum letzten Album: Kirk Hammett, der bei HARDWIRED sein Handy mit allen Songideen verbaselt hatte, bekommt nun wieder deutlich mehr Spielzeit, einige seiner Gitarrenriffs sind echte Kirk-Oberklasse. Man nehme nur seinen Beitrag zu ›If Darkness Had A Son‹, der stärksten der drei vorab veröffentlichten Singles – einer der unbestrittenen Albumhöhepunkte überhaupt. Auch Lars hat natürlich seine großen Momente. Auf ›You Must Burn!‹ trommelt er, als hinge sein Leben davon ab, auch ›Crown Of Barbed Wire‹ knallt hochenergetisch und mit aller Dynamik. Erfreulich bissig und räudig klingt auch ›Too Far Gone?‹, während ›Chasing Light‹ bei aller bereits angesprochenen Balladenlosigkeit einem introspektiven Stück am nächsten kommt. Vor allem hier berichtet James Hetfield von seinen problematischen bis traumatischen Kindheits- und Jugenderfahrungen, die der Platte ja gewissermaßen als konzeptionelles Gerüst dienen („72 Seasons“ sind die jeweils vier Jahreszeiten der ersten achtzehn Lebensjahre).

8 von 10 Punkten

Metallica
72 SEASONS
UNIVERSAL

Metallica – das Sonderheft: jetzt überall im Handel erhältlich oder hier versandkostenfrei online bestellbar.

Am 14. April erscheint mit 72 SEASONS nun das elfte Studioalbum dieser außergewöhnlichen Band. Grund genug, ihre beeindruckende Karriere mit zahlreichen Höhen und Tiefen ausführlich zu beleuchten. Auf 148 Seiten blickt CLASSIC ROCK detailliert auf die letzten 40 Jahre zurück, reist von den Anfängen der ehrgeizigen Jungmusiker bis zu ihren aktuellen Erfolgen. Alle Schaffensperioden werden betrachtet. Zeitzeugen und Wegbegleiter kommen ebenso zu Wort wie alle aktuellen und ehemaligen Bandmitglieder. Dabei sprechen sie schonungslos über Ängste, Zwänge, Dämonen, kreative und persönliche Krisen und interne Konflikte. Zusätzlich gibt es einen ausführlichen Nachruf auf den Ausnahmebassisten Cliff Burton, die Entstehungsgeschichte des Thrash Metal, bombastische Tourstories und alles Wissenswerte zur neuen Platte 72 SEASONS

Mit exklusiven Interviews mit Lars Ulrich, Kirk Hammett und Rob Trujillo!