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Lord Of The Lost: Mit Blut und Flitter zum Eurovision Songcontest

Wenn eine Metal-Band beim Eurovision Song Contest antritt, wirkt das wie ein Brennglas für streitbare Fragen der Rockmusik. Haben Rock’n’Roll oder Metal eine Chance im Mainstream? Und: Wie viel Mainstream verträgt alternative Musik, ohne die in ihrem Wesen verankerte Anti-Establishment-Attitüde zu verraten? Spannende Themen, die jetzt, wo die Hamburger Dark-Metaller von Lord Of The Lost mit ›Blood & Glitter‹ beim ESC in Liverpool antreten, heiß diskutiert werden. Für Frontmann Chris Harms ist die Sache klar: „Wir haben kein Problem mit Mainstream-Plattformen, solange wir – und das ist der Knackpunkt – authentisch sind. Wir bleiben unverbogen und haben beim ESC klar gemacht, dass wir nichts tun, das uns nicht passt. So können wir diese Veranstaltung mit alternativer Musik etwas bunter machen.“ Dabei macht der Sänger auch keinen Hehl daraus, dass sich Lord Of The Lost schon mehrmals beworben haben: „Wir versuchen es schon einige Jahre beim ESC. Lange hat es nicht funktioniert, weil sich Deutschland selbst ein Genre-Korsett gesteckt hatte, in das wir nicht passten. Mit unserer Glam-Optik hat sich das verändert, weil das nun gut im Kontext der Veranstaltung funktioniert.“ Inspiriert wurde der Titel des neuen Albums und der Single vom gleichnamigen Bildband des Fotografen Mick Rock, der alle Größen der Glam-Ära vor der Linse hatte. Harms dazu: „Ich habe Mick Rocks Bilder schon als Kleinkind in der Vinylsammlung meiner Eltern gesehen, ohne dass ich um ihn als Fotografen wusste. Wir hatten viele 70er-Platten, genau aus jener Glamrock Ära, die Rock ja maßgeblich abgelichtet hat. Anfang der 2000er erschien dann sein Bildband „Blood And Glitter“, wo ich all diese wunderbaren Fotos wiederentdeckte. Irgendwann fiel mir auf, was für einen großartigen Titel das abgeben würde, also schlug ich der Band vor, ein Album daraus zu machen. Eine Platte, die das Lebensgefühl der 70er widerspiegelt, ohne zwangsweise nach 70er Jahre zu klingen.“

Dass Lord Of The Lost mit einem absolut nicht kommerziell gedachten Album – die Platte wurde ohne Vorab-Single nur sechs Tage vor Release am 30.12.2022 angekündigt – nun beim Eurovision Songcontest mitmischen, ist nicht nur eine wundervolle Laune der Musiknatur, sondern transportiert gleichzeitig eine wichtige Botschaft, auch wenn Harms selbige nicht spezifisch benennen will: „Im Grunde sind wir die exotische Randerscheinung und die härteste Band dort. Anders möchte ich das gar nicht bewerten. Im Song selbst heißt es „we’re all from the same blood“, die Aussage steht für sich. Wir treten für Deutschland an, wobei ich mich gegen diesen „für meine Nation“-Gedanken ein wenig wehre. Ich bin froh, hier leben zu dürfen, aber ich werde dort nicht mit einer Deutschland-Flagge einlaufen. Vor allem treten wir für unsere Art von Musik an. Die Nationen beim ESC dienen als organisatorischer Rahmen, eigentlich ist dieser Wettbewerb für mich da, um Grenzen zu überwinden.“ Der Mangel an Nationalstolz und der Überfluss an extravaganten Outfits ist jüngst ex-AFD-Politikerin Frauke Petry sauer aufgestoßen, die in einem inzwischen gelöschten Tweet bezweifelte, dass „normale Deutsche von diesen pinken Herren“ vertreten werden wollen. Harms daraufhin: „Was sind überhaupt pinke Herren? Sie muss damit eine vermeintlich homosexuelle Orientierung bemängelt haben, alleine das lässt tief blicken und ist sehr traurig. Da kann ich nur sagen: ‚Liebe Frauke, lieber pinke Herren als braune Frauen.’“

Motörhead: Neues Video zum Cover von Metallicas ›Enter Sandman‹

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Vor 25 Jahren veröffentlichten Motörhead ihre Cover-Version des Metallica-Klassikers ›Enter Sandman‹. Jetzt gibt es dazu ein brandneues Video.

Lemmy und Konsorten zollten in ihrer langen Karriere Künstlern oft mit grandiosen Cover-Versionen Tribut. Ihre Interpretation von Metallicas ›Enter Sandman‹ wurde erstmals 1998 auf der Compilation ECW EXTREME MUSIC veröffentlicht, einem Promotion-Album für den Extreme Wrestling Championship.

Zu den Feierlichkeiten des alljährlichen „Motörhead Day“ wird dieser Song nun auf einer Digital EP und 7“ Vinyl mit dem Titel ENTER SANDMAN COLLECTION wiederveröffentlicht. Die EP enthält außerdem Motörheads Live-Cover-Version von Bob Segers ›Rosalie‹, ihre Interpretation von ›God Save The Queen‹ – im Original von den Sex Pistols – und eine Live-Version des Covers von Hawkwinds ›Silver Machine‹. Als besonderen Bonus-Track gibt es noch ihren Song ›R.A.M.O.N.E.S.‹.

Parallel zur EP erschien auch ein brandneues animiertes Video zu ›Enter Sandman‹. Dort folgen wir einem kleinen Jungen in seine Albträume, in denen er vom bösen Sandmann verfolgt wird. Am Ende wird er von Motörheads Warpig gerettet:

Jetzt überall am Kiosk und hier online bestellbar: Metallica – das Sonderheft. Präsentiert von CLASSIC ROCK.

Saxon: Kleine Geschichtsstunde mit Biff Byford

Das Adjektiv emsig umschreibt das Arbeitsethos dieser britischen Metal-Urgesteine seit der Pandemie wohl am besten. Schließlich erscheint mit MORE INSPIRATIONS nun schon das dritte Langspielwerk in drei Jahren aus dem Hause Saxon und somit auch gleichzeitig der thematische Nachfolger des Coveralbums INSPIRATIONS aus dem Jahr 2021. Diesmal wurden wunderbare Klassiker von Kollegen wie Nazareth, Uriah Heep, Alice Cooper, Rainbow oder auch überraschende Perlen von Künstlern wie Stray Dog, Cream und den Animals saxonisiert. Was es mit der Songauswahl auf sich hat, erklärt Frontmann Biff Byford im Zoom-Interview:

INSPIRATIONS konnte man als klassisches Pandemie-Projekt bezeichnen. Was hat euch zum Nachfolger bewegt?

Die Freude, die wir daran hatten. Außerdem hielt die Pandemie weiter an, unser letztes Album CARPE DIEM war fertig und wir hatten etwas Zeit übrig. Es machte also Sinn, diese Lücke mit MORE INSPIRATIONS zu füllen.

Wie kam MORE INSPIRATIONS dann zustande?

Ähnlich wie INSPIRATIONS: alles ging ziemlich schnell, weil die Songwriting-Phase ja komplett wegfällt. Man arrangiert vielleicht mal hier und da etwas um, aber im Grunde geht es um die Performance dieser Songs, darum, sie etwas mehr nach Saxon klingen zu lassen und dabei möglichst nah am Original zu bleiben. Die Aufnahmen selbst dauerten nur etwa zwei Wochen. Die größte Herausforderung war es, die Keyboards mit Gitarren zu ersetzen – dadurch klingen viele der Songs jetzt ein bisschen mehr heavy, finde ich.

Die Coverversionen stellen deine Stimme in ein neues Licht. Was gibt es dir als Sänger, die Songs verschiedener Künstler zu singen?

Das ist eine Herausforderung, weil die Bandbreite so groß ist. Ich singe The Who, Alice Cooper – verschiedene Sänger mit unterschiedlichen Gesangsstilen. Da muss man sich einfach herantrauen, das Ganze mit seiner eigenen Stimme versuchen und möglichst viel Spaß haben.

Gab es Songs, die du nicht machen konntest, weil deine Stimme nicht dazu passte?

Nein, tatsächlich sind alle drauf, die wir haben wollten. Wir probten die Lieder vor den Aufnahmen gemeinsam, so konnte ich einiges austesten und mich hineinfinden. Es ist wirklich nicht leicht, die Songs anderer zu singen, ich glaube, das unterschätzt man schnell. Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass diese Tracks mir nicht fremd sind, sondern mich ja schon eine lange Zeit begleiten. Das vereinfachte die Sache.

Das spannendste an solchen Projekten ist meiner Meinung nach die Songauswahl. Ich habe mir mal meine Favoriten rausgesucht und bin gespannt auf deine Geschichte dazu. Fangen wir mal mit dem Animals-Song an, was hat es damit auf sich?

Ich war ein Teenager, als ›We Gotta Get Out Of This Place‹ erschien. Die Single war ein großer Hit, lief im Radio und im Fernsehen, ich hatte sie auf Vinyl. Ich lernte gerade Gitarre und Bass spielen und das war das erste Riff, das ich auf dem Bass spielen konnte. Eigentlich wollte ich früher ja Gitarrist werden und nicht singen. Aber im Grunde ist ein Gitarrensolo dasselbe wie singen, nur über ein anderes Medium.

Ich liebe es, dass ihr The Faith Healer der Sensational Alex Harvey Band auf die Platte gepackt habt. So ein unterbewerteter Künstler!

Absolut! Ich hörte den Song zum ersten Mal, als ich Alex Harvey in der City Hall in Sheffield spielen sah. Er eröffnete das Set mit The Faith Healer, die Band, er selbst und die Show waren sehr theatralisch. Wenn man zu jung ist, um das live erlebt zu haben, sollte man sich einige Konzerte bei Youtube ansehen. Sie waren verkleidet, als Clowns und Piraten, ein Hauch Clockwork Orange – diese Band war ein großer Einfluss für mich persönlich.

Ein weiterer Song, der mich etwas verwundert hat, ist Chevroletvon ZZ Top…

Tatsächlich haben wir uns an der Version von Stray Dog orientiert. Komponiert wurde die Nummer von Snuffy Walden von Stray Dog und Billy Gibbons. Die Stray-Dog-Interpretation klingt, bei allem Respekt gegenüber ZZ Top, in meinen Ohren etwas rockiger, der Sound ist dichter. Ich mochte diese Band wirklich sehr, auch eine große Empfehlung!

Geschichtsstunde mit Biff Byford!

(lacht) Ja, so soll es schon auch ein bisschen sein. Wir wählen ja absichtlich nicht nur die offensichtlichen Songs aus. Wie beispielsweise Substitutevon The Who, da hätte man sich ja auch für Won’t Get Fooled Again oder My Generation entscheiden können. The Who haben mich ebenfalls stark beeinflusst, an ihnen bewundere ich vor allem, wie man Intellekt so geschickt mit Arbeiterklassenethos verbinden kann. Obendrauf sind die Texte fantastisch!

Auf INSPIRATIONS war die größte Überraschung das Cover von Totos Hold The Line, auf MORE INSPIRATIONS sticht Tales Of Brave Ulysses heraus, ein großartiges Cover meines Lieblingssongs von Cream!

Das freut mich, das ist auch einer meiner Favoriten. Das Original ist wunderbar poetisch, leicht psychedelisch, erinnert fast schon an King Crimson. Tatsächlich sind wir mit Saxon entspannter an das Lied herangegangen, als Cream es taten. Wir interpretieren den Track zurückgelehnter im Gegensatz zu den anderen Songs, die wir meistens eher schneller oder härter spielten. Das wichtige beim Covern ist für mich, dass du nicht versuchst, das Original zu schlagen – das geht gar nicht – sondern den Spirit der Vorlage mit deinen eigenen Mitteln zu interpretieren.

Arbeitet ihr schon wieder an einem neuen Album nach CARPE DIEM?

Ohja, wir sind mittendrin im Songwriting. Ich muss einfach arbeiten, ich kann nicht deprimiert herumsitzen. Irgendwie hat uns Covid zu einer Aufnahme-Band gemacht, wir sind sehr diszipliniert und haben einen guten Lauf. Außerdem habe ich ein weiteres Heavy-Water-Album mit meinem Sohn fertig gestellt, das demnächst erscheint.

Ich finde es schön, dass ihr regelmäßig neues Material veröffentlicht. Leute wie Francis Rossi meinen ja, neue Platten veröffentlichen sei heutzutage komplett unrentabel…

Vielleicht ist das bei Quo anders, aber um das Publikum bei der Stange zu halten und um neue Fans zu gewinnen, muss man neue Songs veröffentlichen. Und diese Songs müssen stark sein, da sollte echt alles auf den Punkt sein. Man muss ja auch sagen, dass Platten aufnehmen heutzutage günstiger geworden ist. Vieles von der Produktion kann man durch den technischen Fortschritt selbst übernehmen, es gibt tolle junge Produzenten, mit denen man arbeiten kann. Vielleicht haben manche Künstler aber auch Versagensängste, wer weiß? Am Ende kann man nur das bestmögliche Album veröffentlichen, ob es den Fans dann gefällt, entscheiden die Fans immer noch selbst.

Rock & Roll Hall Of Fame: Kate Bush und Willie Nelson unter den Gewinnern

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Die Nominierten für die Aufnahme in die Rock & Roll Hall Of Fame waren auch 2023 wieder zahlreich und namenhaft. In diesem Jahr machten u.a. Kate Bush, Willie Nelson, Rage Against The Machine und Missy Elliott das Rennen.

Die Aufnahme in die legendäre Rock & Roll Hall Of Fame ist für jeden Künstler eine erstrebenswerte Ehre. Nominiert werden kann jeder, dessen erste Single mindestens 25 Jahre zurückliegt. Sieben der insgesamt 14 Nominierten, werden nun im November in die heiligen Hallen des Rock aufgenommen.

Zu den Gewinnern zählen Kate Bush, die im letzten Jahr durch den Einsatz ihres Songs ›Running Up That Hill‹ in der Erfolgsserie „Stranger Things“ große Erfolge feiern konnte, Country-Urgestein Willie Nelson, die Crossover-Pioniere Rage Against The Machine, Goldkelchen Sheryl Crow, die Soul-Gruppe The Spinners, der 2016 verstorbene George Michael und Hip-Hop-Queen Missy Elliott. Die ebenfalls nominierten Iron Maiden, The White Stripes, Joy Division/New Order und Soundgarden gingen leer aus.

John Sykes, Vorsitzender der Rock & Roll Hall Of Fame Foundation: „Die außergewöhnliche Gruppe der diesjährigen Auserwählten verkörpert die unterschiedlichen Sounds, die den Rock’n’Roll ausmachen. Wir fühlen uns geehrt, dass wir bei der Aufnahmezeremonie im November gleich zwei Meilensteine der Musikkultur mitfeiern können, nämlich den 90. Geburtstag von Willie Nelson und das 50-jährige Jubiläum des Hip Hop.“

Die Feierlichkeiten finden am 3. November im Barclay Center in Brooklyn in New York statt.

Blues Boom: Robert Johnson

Walter Trout über den Einfluss des Königs des Delta Blues und die Legende von der Sache mit der Weggabelung.

Robert Johnsons meisterhafte Gitarrentechnik ist legendär, und Eric Clapton beschrieb seinen fast unheimlichen Gesangsstil als „den mächtigsten Schrei, den man in der menschlichen Stimme wohl finden kann“. ›I Believe I’ll Dust My Broom‹, ›Sweet Home Chicago‹, ›Terraplane Blues‹, ›Love In Vain Blues‹, und ›Hellhound On My Trail‹ sind nur einige seiner Songs, die zu Classic-Rock-Standards wurden, gecovert von Led Zeppelin, Fleetwood Mac, den Rolling Stones, Clapton, Lucinda Williams und Larkin Poe, um nur einige zu nennen.

Viele dieser Coverversionen erhielten wesentlich mehr Aufmerksamkeit, als ihrem Schöpfer in seinem kurzen Leben je beschieden war. Johnson kam 1911 auf die Welt und starb mit 27, doch seine Originale wurden auf dem unverzichtbaren Sampler THE COMPLETE RECORDINGS von 1990 verewigt, dem „Ground Zero“ des aufgezeichneten Delta Blues.

„Robert Johnson war ein unglaublicher Gitarrist und Sänger“, sagt Walter Trout. „Auf diesen Stücken klingt er wie drei Typen, denn er spielt eine Basslinie, einen Rhythmus und Slide-Leads – und zwar alles gleichzeitig! Es gibt Leute, die das Note um Note nachspielen können, aber ihnen fehlt der Funke an Kreativität. Doch die Songs sind für mich der wahre Grund, warum er unter all diesen Jungs wie Blind Lemon Jefferson, Blind Willie McTell, Charley Patton und Blind Willie Johnson in seiner ganz eigenen Liga spielt. Sie sind universell, unsterblich und klassisch. Im gesamten Blueskanon befinden sich seine Stücke an der absoluten Spitze.

Mein Lieblingssong ist ›Love In Vain Blues‹. Der bringt mich zum Weinen, da kommen mir immer die Tränen. Auch ›Cross Road Blues‹ ist unglaublich, sowohl die Gitarre als auch der Gesang. Die ganze Geschichte über die Weggabelung, wo er dem Teufel seine Seele verkaufte … Wann immer man sich mit B.B. King unterhielt, sagte der stets: ‚Nein, das ist Bullshit. Der Blues ist wunderschön. Und Schönheit kommt nicht vom Teufel‘.“ Diese Songs trugen entscheidend zur Entstehung des Rock’n’Roll bei. Und das absolut Unfassbare, wenn man hört, wie Clapton, die Stones und all diese Leute diese grandiosen Songs spielen, ist, dass der Mann nie auch nur einen Cent daran verdient hat.

Insgesamt erhielt Johnson 38 Dollar, das waren seine gesamten Einkünfte aus diesen Songs. Hoffentlich bekommen wenigstens seine Nachfahren Tantiemen dafür. Er ist einer von vielen in der langen Reihe der Schöpfer des Blues, die bettelarm starben (angeblich vergiftet vom Ehemann einer seiner Geliebten). Das ist das wirklich Tragische an dieser Musik. Ihr weltweiter Einfluss ist monumental, doch die Typen, die sie erfanden, erhielten nie auch nur ansatzweise die Anerkennung, die ihnen zustand. Und sie starben, ohne zu wissen, dass ihre Musik ewig weiterleben werden würde.“
Killer-Track: ›Cross Road Blues‹

Video der Woche: Bob Seger mit ›Night Moves‹

Bob Seger wird heute 78 Jahre alt. Zum Geburtstag des amerikanischen Künstlers blicken wir heute auf seinen größten Hit ›Night Moves‹ vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1976. Eine grandiose Platte, deren Titelstück Seger zum Star in den USA machte. Inspiriert vom Film „American Graffiti“, Kris Kristoffersons ›Me And Bobby McGee‹ und Bruce Springsteens ›Jungleland‹, arbeitete er sechs Monate lang an diesem Song und wusste, dass er perfekt werden musste.

Werkschau: Bob Seger

In seiner mehr als 50-jährigen Karriere wurde Bob Seger vor allem durch Balladen zum wahren Meister seines Handwerks. Wir haben uns die Alben des Amerikaners nochmal ganz genau angehört.

Unverzichtbar

LIVE BULLET (1976)


Als Seger in anderen Städten kaum Clubs füllen konnte, jubeltem ihm in der Detroiter Cobo Hall 12.000 Menschen zu. Dort entstand dieser Mitschnitt, der Stücke von BEAUTIFUL LOSER (1975) und ein paar frühere Highlights meisterhaft verband. ›Turn The Page‹ mit seinem eindringlichen Saxofon ist schlichtweg umwerfend. Es mag auf anderen Alben besser gespielte oder aufgenommene Versionen dieser Songs geben, aber die Beinahe-Hysterie dieser Homecoming-Show der Silver Bullet Band in ihrem intensiven, elektrisierenden Zenit wurde absolut perfekt eingefangen. Diese Platte ließ die Welt außerhalb von Detroit wissen, was sie da all die Jahre verpasst hatte, war aber auch so nett, sie endlich zu der Party einzuladen.

NIGHT MOVES (1976)

bob seger night moves
Beflügelt vom Erfolg von LIVE BULLET und der neuerlichen Unterstützung von Capitol Records, nahm Seger das Album auf, das seine Karriere definieren sollte. Die Silver Bullet Band verlieh ›Rock And Roll Never Forgets‹ und ›The Fire Down Below‹ Kraft, während die Rhythmussektion Muscle Shoals ›Mainstreet‹, die treffende Ode an die Stadt Ann Arbor, würdevoll begleitete. Das Titelstück verhalf Seger zu nationaler Berühmtheit in den USA und machte ihn zum Star. Inspiriert vom Film „American Graffiti“, Kris Kristoffersons ›Me And Bobby McGee‹ und Bruce Springsteens ›Jungleland‹, arbeitete er sechs Monate lang an diesem Song und wusste, dass er perfekt werden MUSSTE.

Wunderbar

BACK IN ‘72 (1973)

Bob Seger Back In 72
BACK IN ‘72 enthält zwei Songs, die erst als Coverversionen richtig bekannt wurden: ›Rosalie‹ wurde zwei Jahre später von Thin Lizzy eingespielt, während Metallica 1998 mit ›Turn The Page‹ einen Hit landeten. Allein das wäre schon den Preis wert, aber Neuinterpretationen von ›The Stealer‹ (Free), ›Midnight Rider‹ (Gregg Allman) und ›I‘ve Been Working‹ (Van Morrison) sind ebenfalls solide, während die selbstverfasste Ballade ›So I Wrote You A Song‹ deutlich in die richtige Richtung zeigt. Seger war jedoch unzufrieden mit dem Klang seiner Stimme und hat sich seither von diesem Album distanziert.

BEAUTIFUL LOSER (1975)

bob seger beautiful loser
Seger war sich hinsichtlich des wehklagenden Titelstücks nicht sicher, bis er es Glenn Frey vorspielte, der auf Segers Beinahe-Hit ›Ramblin‘ Gamblin‘ Man‹ von 1969 gesungen hatte. Er überzeugte ihn, auf diesem Weg zu bleiben, und gab ihm das Selbstvertrauen, mehr nachdenkliches Material aufzunehmen. Mit dem wunderschönen ›Jody Girl‹ sowie ›Travelin‘ Man‹, ›Momma‹, ›Sailing Nights‹ und ›Fine Memory‹ waren sechs der neun Albumtracks Balladen. Der Uptempo-Song ›Katmandu‹ und eine zackige Fassung von ›Nutbush City Limits‹ bildeten den Gegenpol dazu.

STRANGER IN TOWN (1978)

Bob Seger Stranger In Town
Der Titel bezieht sich auf Segers Zweifel über seinen neuen Ruhm, doch hier finden sich auch zwei seiner mutigsten Kompositionen: der Adrenalinrausch von ›Hollywood Nights‹ und die fast schon schmerzhafte Ballade ›We Got Tonight‹. Erstaunlich: ›Old Time Rock & Roll‹, jener denkwürdige Soundtrack zu Tom Cruises legendärer Tanzszene im Film „Lockere Geschäfte“ und – nach Patsy Clines ›Crazy‹ – die zweitmeistgespielte Single aller Zeiten in amerikanischen Jukeboxes, wurde noch schnell als nachträglicher Einfall zum Album hinzugefügt.

THE DISTANCE (1982)

bob seger the distance
Nach dem allzu offensichtlich kommerziellen und von der Kritik verschmähten AGAINST THE WIND (Segers einzige Nr. 1 in den USA) zeigte er sich mit THE DISTANCE wieder in unleugbarer Topform. Dabei handelt es sich um ein lose formuliertes Konzeptalbum über Beziehungen, inspiriert von Woody Allens Film „Der Stadtneurotiker“. ›House Behind A House‹ ist die einzige echte Schwachstelle, mit ›Even Now‹ wird erfolgreich das Rezept von ›Hollywood Nights‹ wieder aufgegriffen, während ›Shame On The Moon‹, ›Coming Home‹ und ›Roll Me Away‹ allesamt brillant sind.

Anhörbar

RAMBLIN‘ GAMBLIN‘ MAN (1969)

bob seger ramblin gamblin man
Die Band versucht sich auf ›White Hall‹ und ›Gone‹ an Westcoast-Hippie-Psychedelik, die so unbeholfen klingt wie der ähnlich ungelenke Elektro-Folk von ›Train Man‹. Aber wo das Album funktioniert, funktioniert es wirklich gut. Der Titelsong mit seiner treibenden Orgel ist so immens kraftvoll, ›2 + 2 = ?‹ dagegen ist eines der besten Vietnam-Protestlieder, kein bisschen weniger wütend als ›Fortunate Son‹ von Creedence Clearwater Revival, und glänzt mit einer Basslinie, die Jahre später zur Inspiration für ›Seven Nation Army‹ von den White Stripes wurde.

MONGREL (1970)

bob seger mongrel
Segers erstes wirklich tolles Album mit seinem bizarren Cover erschien ein Jahr nach NOAH, seinem schlechtesten. Hier ist er aggressiv wie nie: ›Evil Edna‹, ›Highway Child‹ und ›Teachin‘ Blues‹ gehören zu seinen feurigsten Darbietungen. Der breitbeinige Garagenklassiker ›Lucifer‹ ist ein echtes Highlight, ebenso wie die verrückte Neuinterpretation von ›River Deep Mountain High‹. Rückblickend betrachtet war aber wohl ›Big River‹ am interessantesten, eine Midtempo-Ballade, die auf fast unheimliche Weise genau den Sound vorwegnimmt, der Seger später mit Songs wie ›Night Moves‹ soviel Erfolg bescheren sollte.

SEVEN (1973)

bob seger seven
Es erschien zwar als Soloalbum, doch auf der Rückseite wird erstmals – ganz klein, irgendwo neben dem Copyright – die Silver Bullet Band erwähnt. Es beginnt mit einem atemberaubenden Marsch durch ›Get Out Of Denver‹ im Stil von Chuck Berry. Autobiografisch war es allerdings nicht: „Albuquerque hat nicht gepasst“, scherzte er. Auf ›Need Ya‹ gibt er einen einwandfreien Rod Stewart zum Besten, ›Cross Of Gold‹ klingt wie ein vergessenes Juwel aus MC5s BACK IN THE USA, ›U.M.C. (Upper Middle Class)‹ zeigt seine Gabe für bissige Gesellschaftssatire, während ›20 Years From Now‹ einfach nur wunderschön ist.

Sonderbar

NOAH (1969)

bob seger noah
Diese Platte ist wohl eine der rätselhaftesten, die je von einem großen Act aufgenommen wurden. Seger hält sich im Hintergrund, während ein anderes Bandmitglied, der zuvor wie danach unbekannte Tom Neme, das meiste Material beisteuert und auf einer Reihe von seichten Pop-Garage-Belanglosigkeiten singt. Das Album ist eine Katastrophe, wobei das grauenhafte ›Cat‹ den absoluten Tiefpunkt darstellt: ein erschreckender Avantgarde-Hippie-Vortrag aus sechs Minuten metallischer Percussion und reichlich ziellosem Gegrunze.

Text: Fraser Lewry

Scorpions: COLOURS OF ROCK

Knallbuntes Vinyl sticht: erster Schub mit zwölf LP-Klassikern

2025werden die Hannoveraner Hardrock-Pioniere 60 Lenze zählen. Längst eine Institution, seit dem Durchbruch Ende der 70er auch weit über deutsche Landesgrenzen hinaus, blicken Gründer
und Rhythmusgitarrist Rudolf Schenker, Vokalist Klaus Meine, Sologitarrist Matthias Jabs, Bassist
Paweł Mąciwoda und Schlagzeuger Mikkey Dee jetzt schon mal mit einem Dutzend kunterbunter Vinylscheiben zurück auf die eigene künstlerische Entwicklung. Eigentlich sind es ja vom Debüt LONESOME CROW (1972) bis ROCK BELIEVER (2022) schon insgesamt 19 Studioalben. Konzertmitschnitte ausgenommen. Was bei COLOURS OF ROCK jetzt fehlt, wird aber bei der nächsten Etappe nachgereicht. Die Kollektion im 180-Gramm-Format beginnt beim selbstproduzierten Zweitling FLY TO THE RAINBOW (1974). Also just in dem Moment, als Rudolfs jüngerer Bruder Michael Schenker zur Londoner Truppe UFO wechselte und dessen Nachfolger Uli Jon Roth sowie Bassist Francis Buchholz, Schlagzeuger Jürgen Rosenthal und Keyboarder Achim Kirschning dazustießen – und die Scorpions beim Weltkonzern RCA Victor unterzeichneten. Alle typischen Ingredienzen – vom deftigen Riffrock bis zur sentimentalen Powerballade – waren schon in Ansätzen erkennbar. Zwei Lieder sang Rudolf, zwei weitere Hendrix-Aficionado und Co-Autor Roth. In den nächsten drei Jahren, mit minimalen Line-up- Veränderungen (erst trommelte Rudy Lenners, dann Herman Rarebell), loteten das Songwriter- Team Schenker/Meine sowie Uli Jon Roth ihre unterschiedlichen Ansätze auf vier weiteren Veröffentlichungen minutiös aus: Bei IN TRANCE (1975) stieg Produzent Dieter Dierks ein – und die deutsche Pop-Presse rückte die Scorpions in den Fokus. Ohne Keyboarder Kirschning entstanden mit kontroversen Cover-Bildern die schon ziemlich ausgefuchsten Werke VIRGIN KILLER (1976) – die erste Gold-LP in Japan – und TAKEN BY FORCE (1977). Zwar steigerten sich nach und nach die Absatzzahlen, doch erst die im japanischen Nakano Sun Plaza live aufgezeichneten TOKYO TAPES (Doppel-LP, Gatefold-Cover, 1978) landeten sachte hierzulande und auch anderswo in den Charts. Nach der Trennung von Uli Jon Roth, ersetzt zuerst durch den UFO-Abtrünnigen Michael Schenker, dann durch Ex-Jane-Gitarrist Matthias Jabs, folgte ein weiterer Label-Wechsel, zu Harvest/EMI. Mit dem abermals ziemlich pikant verpackten LOVEDRIVE (1979) vollzog sich die Wende: Erstmals eroberten die Scorpions die US-Charts, kassierten hier wie dort Gold. Ein Erfolgskurs vor allem in Übersee, der sich in konstanter Besetzung nicht nur mit ANIMAL MAGNETISM (1980), sondern auch mit BLACKOUT (1982), LOVE AT FIRST STING (1983), SAVAGE AMUSEMENT (1988) und dem zweitem Konzertmitschnitt WORLD WIDE LIVE (1985) konsequent fortsetzte. Im ersten Batch etwas
aus dem Rahmen fällt HUMANITY (HOUR 1) von 2007: ein konzeptionelles Spätwerk mit einer Storyline von Songwriter und Produzent Desmond Child und Futurist Liam Carl. Die Platten sind alle ausschließlich unter www.artofthealbum.store/pages/scorpions bestellbar.

9 von 10 Punkten

Scorpions
COLOURS OF ROCK
BMG RIGHTS MANAGEMENT

Klaus Meine, Rudi Schenker und Matthias Jabs im großen Titelstory-Interview in der aktuellen Ausagbe von CLASSIC ROCK. Jetzt hier versandkostenfrei bestellen!