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Meine erste Liebe: IN THE COURT OF THE CRIMSON KING von Steve Stevens

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Der Co-Songwriter, Gitarrist und Produzent von Billy Idol über einen Prog-Klassiker

Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal das Cover sah, das machte mir richtig Angst. Das war 1970, ich war zehn oder elf. Und als ich es mir dann anhörte, fand ich die Musik ebenso furchteinflößend! Doch IN THE COURT OF THE CRIMSON KING hatte großen Einfluss auf mich, der bis heute anhält. Jedes Mal, wenn ich mir die Platte anhöre, entdecke ich etwas Neues daran. Zum Beispiel wurde mir erst neulich bewusst, was für ein grandioser Schlagzeuger Michael Giles damals war. Absolut genial. Aber das gilt für alle Beteiligten auf diesem Album. Robert Fripps Gitarrenspiel hat mich massiv beeinflusst, seit ich es entdeckt habe. Bis heute inspiriert er alles, was ich tue, und ich empfinde noch immer Ehrfurcht vor ihm. Eines der Schlüsselcharakteristika der Platte ist, dass sie von alptraumhaft in absolut wunderschön umschlagen kann. Wie viele Werke fallen einem ein, auf denen etwas wie ›21st Century Schizoid Man‹ neben etwas wie ›Epitaph‹ und ›I Talk To The Wind‹ zu finden ist? Ich würde sagen, IN THE COURT war der wahre Anfang dessen, was wir heute als Progressive Rock bezeichnen. Alles Positive am Prog begann hier. Und ich bin immer wieder erstaunt, dass so etwas nach wie vor so frisch klingen kann.

John Diva & The Rockets Of Love: Einmal Dolce Vita, bitte!

Die Zeiten ändern sich. Und mit ihnen ändern sich auch die Menschen. Mag es vielen beim Durchhören des neuen Albums von John Diva & The Rockets Of Love vielleicht gar nicht auffallen, so war die Autorin dieses Textes doch mehr als erstaunt: auf THE BIG EASY finden sich keine hypersexuell aufgeladenen Texte mehr, kein „drip drip“ wie noch auf dem letzten AMERICAN AMADEUS. Und das, obwohl die bunt gewandete Truppe doch den Glam Metal der 80er Jahre hochleben lässt, die vielleicht hedonistischste und teilweise eben auch sexistischste Strömung innerhalb der Rockmusik. Um diesem – zufälligen oder absichtlichen – Sinneswandel nachzuspüren, haben wir bei Bandchef John Diva angerufen.

Ihr wart ja schon immer eine Band, die den Eskapismus feierte. Auf THE BIG EASY treibt ihr das auf die Spitze – warum?

Es liegt in den Genen von John Diva, immer auf der Sonnenseite zu wandeln. Gleichzeitig waren die letzten Jahre nicht leicht, vor allem für Musiker und Sunnyboys. Ich bin ein Optimist, doch im Grunde hatten wir eine harte Zeit hinter uns, als wir uns an dieses Album machten. Gleich zu Beginn meinte einer unserer Gitarristen: ‚Egal, wohin uns diese Platte führt, ich würde sie gerne THE BIG EASY nennen.‘ Ein Titel, der uns daran erinnerte, woher wir kommen, auch wenn wir vielleicht nie wieder dorthin gelangen können. THE BIG EASY ist unser Versuch, das bestmögliche Dolce-Vita-Album überhaupt abzuliefern.

Ihr habt diese Platte vom ersten Songwriting-Ton bis zum letzten Mastering in sechs Monaten fertig gestellt. Ganz schön fix!

Das kann man wahrscheinlich damit erklären, dass wir richtig danach gierten, unsere musikalische und kreative Energie in dieses Album zu stecken. Sobald dann die Idee stand, eine Sommer-Scheibe aufzunehmen, ging alles ganz schnell. THE BIG EASY ist von diesem Standpunkt her fast schon ein Konzeptalbum, ohne ein Konzeptalbum zu sein. Außerdem arbeiten wir bei John Diva & The Rockets Of Love grundsätzlich recht zügig – sobald die Maschine mal läuft, läuft sie gut. Wir haben drei Songwriter in der Band, alle waren höchst motiviert.

Könnt ihr eure Egos gut in Schach halten?

Ja, endlich! Wenn man sich das Genre mal ansieht, denkt man ja, dass es im Grunde nur um große Egos geht. Doch abseits der Bühne gehen wir respektvoll miteinander um und wir wissen, wenn einer eine Idee wirklich heiß und innig verteidigt, ist sie einen Versuch Wert. Manche der Tracks auf THE BIG EASY gäbe es vielleicht gar nicht, wenn einer von uns nicht dafür gekämpft hätte. Die erste Version von ›Wild At Heart klang beispielsweise zu sehr nach David Bowie, vor allem J.J. konnte sich das nicht im John-Diva-Kontext vorstellen. Doch dann schaltete sich Snake ein und meinte: ‚Stellen wir uns doch vor, wie die Idee in den 80ern mit Tico Torres an den Drums klingen würde.‘ Und am Ende waren alle zufrieden.

Was ist der Unterschied zwischen euch und Steel Panther?

Oberflächlich betrachtet mag es da einige Übereinstimmungen geben, aber im Grunde sind wir komplett unterschiedlich. Steel Panther machen eine Comedy-Show – sie liefern großartig hab, haben sich jedoch selbst ziemlich eingeschränkt. Irgendwie sind sie in einer Spirale aus immer mehr…

Pussy-Witzen gefangen?

Ganz genau. Wir hingegen sind eine sehr romantische Band, auch wenn unsere Outfits ein bisschen nach Bühnen-Clown aussehen. Bei uns geht es um Gefühle, die alle miteinander verbinden, die alle einschließen und respektieren. Wenn man heutzutage Glam Rock macht, braucht man kein Macho-Gehabe, das ist nicht mehr zeitgemäß.

Mir ist sofort aufgefallen, dass es auf THE BIG EASY sehr wenig Macho-Gehabe zu hören gibt, auch kein „drip, drip let me drown in your honey“ mehr. Warum?

Das war wahrscheinlich eine bewusste Entscheidung, die im Moment des Schöpfungsprozesses Sinn machte. Wir wollten keinen Schritt zurück machen und eine gute Linie finden.

Statt mehr heteronormativer Lyrics habt ihr einen Song wie Boys Don’t Play With Dolls aufs Album gepackt. Die Kernaussage des Tracks ist ja alles andere als machomäßig.

Letztens wurde ich gefragt, ob eine Band wie John Diva politisch sein kann. Eigentlich würde ich das verneinen, doch wenn man in Tracks wie Boys Don’t Play With Dolls zwischen den Zeilen liest, spürt man doch eine klare Botschaft, auch wenn wir eine Truppe voller heterosexueller, weißer Dudes sind.

Das zeigt, dass man bei aller Ehrerbietung an eine gewisse Zeit nicht alles hirnlos kopieren muss. Der Glam-Sound funktioniert auch gut mit anderen Texten.

(lacht) Klar ist John Diva irgendwie ein hypersexueller Charakter, aber als Künstler kannst du deine Botschaft selbst auswählen. Ich freue mich, dass du das so siehst und dass unsere Intention da draußen Anklang findet. Es tut gut, darüber zu sprechen. Wie oft fragt man eine Glamrock-Band schon nach ihren Texten? Im Grunde könnte der Track eine B-Seite sein, doch je nach eingenommener Perspektive könnte man auch sagen, dass er das Kernstück auf THE BIG EASY ist.

Back In The Days hingegen ist ein Nostalgie-Song. Woher der Drang, ein solches Lied zu schreiben?

Als ich ein Teenager war, liebte ich diese Art von Songs, was witzig ist, weil man als junger Mensch ja noch gar keine Nostalgie verspüren kann. Irgendwie wurde dieses Gefühl trotzdem transportiert und ich wollte schon immer an einen Punkt in meinem Leben gelangen, wo es mir möglich ist, so einen Track selbst zu schreiben. Und irgendwann war dieser Punkt mit zunehmendem Alter erreicht. (lacht) Ich komme immer wieder zurück auf großartige Songwriter wie Bruce Springsteen, ein großartiger Geschichtenerzähler. Ich wollte einen Text schreiben, den ich mir selbst abnehme und der für andere einen Anknüpfungspunkt liefert. So wird die eigene Fiktion zur Fiktion aller. Eine echte Herausforderung, das mit nur wenigen Zeilen zu schaffen.

Wo stehen John Diva & The Rockets Of Love mit ihrer dritten Platte?

Wir versuchen, nicht darauf zurückzublicken, was wir durch die Pandemie verloren haben. Heute sind viele Bands froh, wenn sie die Hälfte der Leute von früher ziehen. Wir werden so viel spielen wie möglich, neue Fans gewinnen, für unsere alten Fans da sein. John Diva & The Rockets Of Love müssen wieder regelmäßig auf die Bühne, ohne funktioniert eine Rockband einfach nicht.

Titelstory: Mötley Crüe – Elendes Dreckspack!

mötley crüe comeback
Foto: Paul Brown

Das Parents Music Resource Center um Tipper Gore und Susan Baker führte in den 80er-Jahren vier Kategorien ein, um neu erscheinende Alben in der Pop- und Rockwelt zu kennzeichnen. „X“ stand für profane, sexuelle oder explizite Inhalte, „O“ für okkulte Referenzen, „D/A“ kennzeichnete Texte über Drogen und Alkohol, während ein „V“ gewaltverherrlichende Lyrics markierte. Mötley Crüe bemühten sich redlichst, alle davon auf ihre (geschätzt weltweit) 100 Millionen verkauften Platten zu kriegen.

Kurz vor Weihnachten im Jahr 1987. Ein Krankenwagen rast mit Blaulicht durch die Straßen von Los Angeles. Einer der beiden zuständigen Notärzte darin arbeitet unter Hochdruck. Die Schweißperlen laufen ihm über die Stirn, während er panisch und kraftvoll das Herz des jungen Mannes massiert, der tot unter seinen Händen liegt. „Gib’s auf, der ist hinüber“, meint der andere und sieht resigniert auf seine Uhr. Seit zwei Minuten kein Herzschlag mehr und trotzdem rammt sein Kollege dem zerlumpten Kerl eine Adrenalinspritze durch die abgemagerte Brust und mitten ins Herz.

Bei der zweiten Ladung erwacht der Patient wie durch ein Wunder wieder zum Leben, obwohl die Meldung seines Todes bereits durch die Medien jagt und tausende Fans in Tränen ausbrechen lässt. Als der Junkie im Krankenhaus schließlich zu sich kommt, reißt er sich die Schläuche aus Nase, Mund und Venen und verpisst sich wortlos. Zu Hause angekommen setzt sich Nikki Sixx den größten Schuss seiner „Karriere“ und wacht erst am nächsten Tag in seinem eigenen Blut wieder auf. Mit 29 Jahren hatte er den absoluten Tiefpunkt seines Lebens erreicht.

Besagte Szene stellt wohl eines der eindringlichsten Bilder des neuen Films „The Dirt“ über Mötley Crüe dar und mag vielleicht die am meisten erzählte Geschichte aus deren Dunstkreis sein, dabei ist sie nur eine von vielen krassen Stories, die Bassist Nikki Sixx, Sänger Vince Neil, Drummer Tommy Lee und Gitarrist Mick Mars während ihrer Glanzzeiten in den 80ern zu Tage förderten.

Viele Bands haben sich in den letzten Dekaden gegenseitig übertroffen an Skandalen, Exzess und Dekadenz. Mötley Crüe jedoch dürften das Rennen um den Titel des wildesten Kollektivs wahrscheinlich sogar mit einigen Koksnasenlängen Vorsprung ge­wonnen haben. Dies mag wiederum daran liegen, dass nur wenige Gruppen eine derartig exhibitionistische Ader besitzen wie die Crüe. Weder in Interviews, Liedtexten noch Dokumentationen haben diese vier Sonderlinge jemals ein Blatt vor den Mund genommen, das offene Ausleben ihrer diversen Pervertierungen war schon immer fester Bestandteil des Programms.

Den Höhepunkt ihres Seelenstriptease erreichte die Band im Jahr 2001, als ihre schonungslos ehrliche und um Aufmerksamkeit heischende Biographie mit dem passenden Titel „The Dirt“ erschien. In Zusammenarbeit mit Autor Neil Strauss wurde hier metertief im Dreck gegraben und alle medienwirksamen Leichen aus den Kellern der einzelnen Bandmitglieder geholt, um diese in einem abstoßenden und zugleich fesselnden Buch zu bündeln. 2019 folgte endlich die lang angekündigte und von Fans herbeigesehnte Verfilmung von „The Dirt“, nicht etwa im Kino, sondern auf der Streaming­-Plattform Netflix.

Eigentlich hätte besagter Streifen schon vor etlichen Jahren erscheinen sollen: Bereits 2006 hatten Paramount und MTV Movies die Rechte daran gekauft, dann aber wenig später irgendwie die Lust an dem Projekt verloren. Nach weiterem, jahrelangem Hin­ und Her mischte sich schließlich Netflix in das Gezeter mit ein, bezahlte für die weltweiten Rechte, und der 2013 angeheuerte Regisseur Jeff Tremaine, der vor allem für die Produktion der „Jackass“­Reihe bekannt ist, konnte mit der Umsetzung seiner Visionen be ginnen. Nachdem „The Dirt“ über eine Dekade lang umhergeschoben wurde, ging der Dreh letztendlich schnell und bemerkenswerterweise ohne Drama in New Orleans vonstatten. Am 22. März wurde der Film endlich auf Netflix ausgestrahlt, inklusive eines Soundtracks mit vier komplett neuen Songs.

Grund genug für CLASSIC ROCK, den historischen Schauplatz der Geschehnisse aufzusuchen und nach Los Angeles zu fliegen, um gemeinsam mit Bandhirn Nikki Sixx (N) und Bandherz Tommy Lee (T) nochmal ganz genau hinzuschauen: Auf den Film, auf eine Band, deren An trieb sich vor allem aus einem hohen Maße an Dysfunktionalität speiste und auf unglaubliche, teils kranke, teils einfach nur ekelerregende Geschichten, die auch nach dem zehnten Mal noch spannend anzuhören sind. Um diesen Rückblick gebührend und in entspannter Atmosphäre zelebrieren zu können, lädt Nikki Sixx eigens in seine Villa im Westlake Village ein: Ein stattliches Anwesen innerhalb einer umzäunten Stadt in der Nähe von L.A., deren überdurchschnittlich gutbetuchte Bewohner dicke Autos fahren und an jeder Ecke ihre Golfcarts parken.

Nachdem man seinen Ausweis am Sicherheitstor abgegeben hat, wird man an der Haustür lautstark von zwei wuscheligen Golden Retrievern begrüßt, die auf die Namen Houdini und Leica hören und fröhlich bellend und sabbernd an einem hochspringen, während Hundepapa Sixx versucht, den euphorischen Tieren Manieren beizubringen.

Vielleicht aufgrund der erhöhten Lautstärke verpasst Nikki Sixx in diesem Moment, dass es sich bei der besuchenden Dame um „the journalist from Classic Rock Magazine Germany“ handelt – wahrscheinlich hatte er einen Mann in seinem Alter erwartet. Deswegen geht es in der Casa del Sixx erst mal eher leger und offenherzig zu, seine um einige Jahre (also um einige!) jüngere Frau Courtney kommt hereinspaziert, öffnet die Knöpfe ihrer Jeans und zeigt stolz den Bauch, in dem gerade ihr gemeinsames Baby heranwächst – Nikki wird mit 60 zum fünf
ten mal Papa.

Man steht daneben und versucht, sich so unauffällig wie möglich zu verhalten, vor allem als Sixx beginnt, freimütig, aber nicht bösartig über seine Bandkollegen zu sprechen. „Ich hoffe, dass Vince die Premiere des Films als Anlass nimmt, um ein wenig abzunehmen und sich besser anzuziehen. Irgendwie sitzen seine Klamotten einfach nie richtig, früher hat er halt angezogen, was wir ihm vorgesetzt haben.“

Gleich im Anschluss dreht sich der Themenschwerpunkt in Richtung Mick Mars und die Journalistenohren spitzen sich weiter. Selbiger hat seit der abgeschlossenen Reunion-­Tour, die im Jahr 2015 in Los Angeles besiegelt wurde, wohl nicht mehr allzu viel Lust auf Kontakt mit seinen Bandkollegen und verbringt die neugewonnene Zeit lieber mit seiner ebenfalls um einige (also einige!) Jahre jüngeren Frau, einer ehemaligen Miss Schweiz, im Ausland. Es klingt, als müsse man den an Spondylitis Ankylosans erkrankten Gitarristen eventuell so gar mit Hilfe eines Anwalts dazu bringen, seine wohl vertraglich festgelegten Presse­-Pflichten im Rahmen der anstehenden Filmveröffentlichung einzuhalten.

Just in dem Moment schneit Tommy Lee mit seiner um einige Jahre jüngeren (um einige Jahre!) und erst seit kurzem Angetrauten Brittany Furlan zur Tür herein, begrüßt alle Anwesenden mit jugendlichen Handschlägen, in der Linken eine Flasche mitgebrachten Rosés. Während Sixx sich mit zuckerfreiem Red Bull und mich mit Fijiwasser versorgt – Alkohol gibt es im Haus des trockenen Alkoholikers und Ex­Drogensüchtigen nicht viel – haut sich Lee um die Mittagszeit ein Gläschen Wein nach dem nächsten rein. La Dolce Vita eines unverbesserlichen Partyhengstes eben.

Als schließlich langsam klar wird, dass es sich bei der anwesenden Dame um die Journalistin („Oh Dude! You are the journalist?!“) handelt, wird in einem der vielen eher repräsentativen als wohnlichen Zimmer Platz genommen und zwar auf dem Teppich mit Leopardenmuster, weil die Stühle und Sofas wirklich so unmöglich repräsentativ um den mit orangenem Fell bezogenen Couchtisch herumstehen, dass man sich von dort aus nicht wirklich unterhalten kann. Man sitzt nun also am Boden mit einer Hälfte der berüchtigsten Rockband der Welt und lässt die mit Anekdoten gespickte Rückblende geschehen.

Und zwar von Anfang an, ab dem Jahr 1981, als ein räudiges Viererpack sich den Namen Mötley Crüe verpasste – mit den Umlauten ihres Lieblingsbieres „Löwenbräu“ oben drauf – und in ein abgeranztes Apartment in Westhollywood zog, um mit ihrer Musik, vor allem aber ihrem Auftreten, den unmittelbar be nachbarten Sunset Strip unumkehrbar auf den Kopf zu stellen. Kurz zuvor hatte Nikki mit seiner Band London Schluss gemacht, Tommys Suite 19 war die Luft ausgegangen, Vince Neil hatte Zoff mit seiner Cover­Truppe Rockandi und der Blues­vernarrte Mick Mars war sowieso gerade per Anzeige auf der Suche nach lauten, aggressiven Mitstreitern. In Kombination mit den richtigen Zufällen
– von denen lebt die Rockmusik schließlich – war die perfekte Basis für das De­büt TOO FAST FOR LOVE gelegt und ließ die Crue all das ins Unermessliche übertreiben, was die Kids schon bald durchdrehen lassen sollte: Punk­attitüde, harte Riffs, Sex und einen ganz eigenen Stil irgendwo zwischen Kosmetiksalon, Heavy Metal und Kloake. Sleaze eben.

Ihr sogenanntes „Mötley House“ – ein Kakerlaken­verseuchtes Loch nahe dem Whisky A GoGo – zog Kollegen wie David Lee Roth sowie eine Horde paarungswilliger Blondinen magisch an und mauserte sich schon bald zum Afterparty­-Zentrum des Strips: Sodom und Gomorrha, konzentriert auf zwei Zimmer, Küche, Bad. Hier wurde hemmungslos gefickt, geraucht und geschnupft, hier wurden Ohren an Tische genagelt und der völlig utopische Plan geschmiedet, bald als Stadionband brandschatzend und entjungfernd durch die Welt zu ziehen.

Wenn nicht gerade die Wohnung als Sündenspielplatz herhielt, wurde die Party in Tommy Lees Chevy­Van verlegt, der nicht nur seiner Band, sondern auch seiner damaligen Freundin treue Dienste erwies. Besagte Dame besaß ganz be­sondere Fähigkeiten. Fähigkeiten, die gleich zu Beginn des neuen Films mehr als bildgewaltig dargestellt werden.

T: Lustige Geschichte. Ich hatte damals diesen Minibus und diese Freundin. Sie konnte squirten (Squirting beschreibt die Fähigkeit einer Frau, beim Orgasmus Flüssigkeit abzusondern. Anm. der Redaktion) und ich war total besessen davon. Mein Van war innen mit Teppich ausgekleidet, du kannst dir also vorstellen, wie das Zeug da drin kleben blieb, weil wir ständig fickten und sie herumspritzte. Ich werde nie vergessen, wie ich mal meine Mutter abholte und sie auf dem Beifahrersitz schnupperte: „Tommy, es riecht so seltsam hier drin.“ (lacht) Ich wusste natürlich, was es war, aber meinte nur: „Ach, wirklich? Ich riech gar nix.“ Es stank ja nicht, aber es war irgendwie…

…Shrimpig?
N: Shrimpig sagst du? (lacht) Lass uns bei shrimpig bleiben.
T: (lacht) Nein, es roch eben nach Körperflüssigkeiten, nicht fischig. Ich kann es nicht so gut beschreiben, aber es war definitiv etwas beißend.

Vielleicht solltet ihr begleitend zum Film ein Parfüm mit diesem Geruch rausbringen.
N: (lacht) Das wäre eine tolle Marketingidee! Oh Mann, ich erinnere mich gerade daran, wie wir Tommys Schlagzeug in den Van luden, während Vince dieses Mädel auf dem Rücksitz bumste. Und wir nur so: Dude, wir müssen da jetzt rein!

Hattet ihr mal mit dem Gedanken gespielt, gleich einen Porno aus dem Film zu machen?
T: Naja, wir haben uns schon gefragt, wie die Altersbeschränkung ausfallen würde…
N: (lacht) Ich meine, die Anfangsszene, als dieses Mädchen das ganze Zeug durch die Luft schießt.

Kommen da wirklich diese Mengen an Flüssigkeit raus?
N: Jaja! Es gibt einige ganz besondere Frauen da draußen! (lacht) Ich habe gehört, man kann das sogar lernen. Mich würd’s trotzdem nerven. Jedes Mal die Laken wechseln, die Wände neu streichen und ständig dieser Geruch.“ (lacht)

Hollywood Vampires: Neues Live-Video zu ›People Who Died‹

Am 02. Juni erscheint das neue Live-Album der Hollywood Vampires mit dem Titel LIVE IN RIO. Heute haben die Vampire ein neues Video zum Song ›People Who Died‹ vom Album RISE (2019) für uns.

Der Clip wurde 2018 auf dem Hellfest in Frankreich aufgenommen und erscheint nun zum ersten Mal. ›People Who Died‹ stammt ursprünglich von der Jim Carroll Band.

 

John Fogerty: ›Lookin‘ Out My Back Door‹ mit Jimmy Fallon

In Jimmy Fallons „Tonight Show“ war nun zuletzt John Fogerty an der Reihe, um auf Kinderinstrumenten einen seiner Songs zu interpretieren. Zusammen mit der Begleitband The Roots performte der CCR-Kopf den Song ›Lookin‘ Out My Back Door‹. Seht hier den witzigen Auftritt der Kombo:

Undercover: Manfred Mann’s Earth Band mit ›Blinded By The Light‹

Erstmals aufgenommen von: Bruce Springsteen, 1973
Geschrieben von: Bruce Springsteen

Selbst bei einem Stück von einem hoch angesehen Songwriter kann ein Cover das Original übertreffen. Dies ist so ein Fall

In den 70ern konnte man kaum einen Stein werfen, ohne jemanden zu treffen, der ein Lied von Bruce Springsteen interpretierte. Alle, von Patti Smith und David Bowie bis zu den Pointer Sisters und Southside Johnny And The Asbury Jukes, plünderten seinen Katalog an veröffentlichten und unveröffentlichten Songs, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Und dann waren da noch Manfred Mann’s Earth Band, deren Cover von Springsteens Debütsingle ›Blinded By The Light‹ das damals kaum beachtete Original nicht nur meilenweit übertraf, sondern im Herbst 1976 auch die Spitze der Billboard-Charts erreichte – bis heute die einzige Nummer eins des Boss als Songwriter. ›Blinded By The Light‹ war nicht die erste Springsteen-Nummer, die sich die Earth Band aneignete (sie hatten auch schon sein ›Spirits In The Night‹ neu interpretiert), doch hier erteilten sie allen eine meisterhafte Lektion darin, wie man sich das Werk eines anderen zu eigen macht. Ironischerweise war Mann von ›Blinded By The Light‹ nicht allzu beeindruckt. „Ich machte eine Liste von drei oder vier Stücken, die ich für gute Singles hielt, und ›Blinded‹ stand an letzter Stelle“, sagte er 2005. „Und selbst als ich es dann endlich in Angriff nahm, konnte ich es noch nicht wirklich erkennen.“ Die Earth Band nahm eine siebenminütige Fassung auf, die Springsteens Original komplett umkrempelte und es wie einen völlig anderen Song wirken ließ. Die Verspieltheit des Originals verschwand dabei ebenso wie Clarence Clemons’ Soul-Revue-Saxofon.

Manfred Mann & Co. ersetzten sie mit proggiger Großspurigkeit, von Frontmann Chris Thompsons funkelnder Gitarre bis zu Manns wirbelnden Keyboards und den Schichten himmlischer Vocals, die es auf ein ganz anderes Level hoben. Zudem stellten sie den Refrain gleich an den Anfang und fügten noch eine grandiose Coda mit Harmoniegesang hinzu. Die wichtigste Veränderung betraf hingegen den Text. Springsteen hatte so viele Worte wir möglich in seine Version gepackt und Dylan in seinen besten Zeiten nachahmen wollen, klang aber einfach nur wie ein Student englischer Literatur, der ein Wörterbuch verschluckt hatte. Mann und Thompson strichen ein paar der wortreicheren Strophen und räumten diesem packenden Refrain mehr Raum ein. Das gelang ihnen allerdings nicht ganz – wo Springsteen „cut loose like deuce“ gesungen und damit einen zweisitzigen Hot Rod gemeint hatte, sang Thompson „wrapped up like a deuce“, aber verstümmelte das letzte Wort so, dass es wie „douche“ (engl.: Intimdusche, aber auch Arschloch) klang. Ob deuce oder douche: Manfred Mann’s Earth Bands Cover war nicht nur größer, sondern unbestreitbar besser. Jegliche potenziellen Animositäten, die Springsteen darüber empfunden haben mag, schienen jedenfalls vergessen zu sein, als er 2005 eine Episode von „VH1 Storytellers“ aufnahm. Er sagte ›Blinded By The Light‹ an und erwähnte dabei Manfred Manns Fassung mit einem ironischen Kommentar: „In einer Version geht es um ein Auto, in der anderen um ein Hygieneprodukt für Frauen“, scherzte er. „Ratet mal, was die Kids lieber brüllten. (Text: Dave Elliott)

The Hives: Neues Album THE DEATH OF RANDY FITZSIMMONS

The Hives haben ihr neues Album THE DEATH OF RANDY FITZSIMMONS für den 11. August angekündigt. Eine neue Single namens Bogus Operandi gibt es jetzt schon zu hören. So wird man schon mal eingestimmt auf die erste neue Platte der Schweden in über zehn Jahren.

Frontmann Howlin‘ Pelle Almqvist über das neue Album: „Da gibt es keine Reife oder irgend so einen Bullshit zu hören, denn wer zur Hölle will im Rock’n’Roll schon erwachsen werden? Ich denke, an dem Punkt liegen die Leute immer falsch. „Das ist wie Rock’n’Roll, nur in erwachsen“ – das will doch niemand. Da nimmt man doch genau den ganzen guten Scheiß raus. Rock’n’Roll kann nicht groß werden, er ist ein ewiger Teenager und genau danach fühlt sich dieses Album an, weil es unsere Aufregung und Freude wiederspiegelt – das kann man nicht faken!“

Gordon Lightfoot: Künstler mit 84 gestorben

Gordon Lightfoot ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Der kanadaische Folk-Künstler und Songwriter starb, laut Angaben, in einem Krankenhaus in Toronto eines natürlichen Todes.

Zu Lightfoots bekanntesten Schöpfungen zählen Lieder wie ›If You Could Read My Mind (1970), ›Summer Side Of Life‹ (1971), ›Don Quixote‹ (1972), ›Summertime Dream‹ (1976), ›Shadows‹ (1982) und ›Salute‹ (1983). Seine Klassiker wurden von weltbekannten Musikern wie Elvis Presley, Neil Young, Eric Claption oder Bob Dylan.