0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Start Blog Seite 1313

The Cars

0

The_Cars_General_Shot_Band__2_COLOR_credit_Mark_SeligerKlassischer Neustart

Wie keine andere US-amerikanische Band schafften die Cars in den Siebzigern und Achtzigern den Brückenschlag zwischen New Wave und Stadionrock. Nach 24 Jahren Pause rollen sie nun wieder los…

Ric Ocasek war schon mehr als nur leicht genervt: Wann immer der schlaksige Schöpfer von Klassikern wie z.B. ›Drive‹, ›Magic‹ und ›Shake It Up‹ in den letzen 20 Jahren ein Interview gab, kam unweigerlich die Frage nach einer potenziellen Reunion seiner Band. Allein, es war dem Gründer, Sänger und Songschreiber der Cars lange Zeit nicht danach. Ganz im Gegensatz zu seinen einstigen Mitstreitern Benjamin Orr (Vocals, Bass), Elliott Easton (Gitarre), David Robinson (Drums) und Greg Hawkes (Keyboard). Die mussten war-ten – bis sie sich im Herbst 2009 alle miteinander in den Milbrook Studios in New York wiederfanden.

Es muss sich surreal angefühlt haben, doch Easton wiegelt ab: „Es war ein bisschen, wie wenn man mit alten Freunden oder Verwandten nach vielen Jahren wieder zusammensitzt. So nach 15 bis 20 Minuten Auftauphase macht jeder wieder genau die Bemerkungen oder Witzchen, die man schon früher von ihm kannte.“ Ein Umstand trübte die Wiedersehensfreude aber erheblich: Der Bassist und zweite Leadsänger fehlte – Benjamin Orr war 2000 an Krebs gestorben. „Das ist der einzige Aspekt, der wirklich schlimm ist an der ganzen Sache. Ich für meinen Teil vermisse ihn fürchterlich. Und mein Eindruck ist, dass es den anderen ähnlich geht.“

Wenn aber jetzt alles wieder so Friede-Freude-Eierkuchen ist, warum hat man sich denn dann einst auf dem Höhepunkt des kommerziellen Erfolgs getrennt? Eastons gewundene Antwort hört sich nach dem alten Problem an, dass junge Bands oft einfach an den gewaltigen Anforderungen zerbrechen, wenn sie sich plötzlich im Big Business bewähren müssen: „So eine Band ist ein zerbrechliches Gebilde. Im einen Moment ist es für alle noch eine tolle Sache dazuzugehören, am nächsten Morgen wachst du auf, und für keinen stimmt es mehr richtig. Plötzlich war das Stresslevel hoch und der Spaß weg. Und wir spielten alle definitiv nicht wegen des Geldes bei den Cars. Man hätte es der Musik sofort angehört, wenn wir nicht mehr mit Leidenschaft bei der Sache gewesen wären. Im Rückblick finde ich, dass unser Split überhaupt nicht zwingend notwendig war! Eine kleine Auszeit hätte es auch getan.“

Stattdessen wurden es 24 Jahre – eine Zeit, in der Ric Ocasek mit eigenen Alben Erfolge feierte und sich auch als Produzent (u.a. für Weezer, No Doubt, Bad Religion) einen Namen machte. Easton „überwinterte“ unter anderem in der Band von Brian Wilson, bei Creedence Clearwater Revisited und startete dann 2006 mit Todd Rundgren eine Unternehmung, die ihm erheblichen Unmut von Seiten seines früheren Bandleaders einbrachte: Unter dem Namen New Cars gingen Easton, Hawkes und Rundgren mit alten Rundgren-Songs und Cars-Hits auf Tournee, veröffentlichten ein Live-Album – ohne allzu große Gegenliebe von Seiten des Publikums übrigens. „Stimmt. Und auch Ric war davon überhaupt nicht begeistert, aber sein Ärger war auch bald verflogen, nachdem wir die Sache wieder beerdigt hatten“, räumt Easton ein.

Ein Telefonat zwischen ihm und Ocasek habe dann den Neustart ins Rollen gebracht: „Ich rief eigentlich nur an, um mal wieder ein bisschen zu quatschen, und er erzählte mir, dass er diese neuen Songs geschrieben hatte und nicht recht wüsste, was er mit ihnen anfangen sollte. Da hab ich ihm gesagt: ‚Warum machen wir nicht einfach wieder eine Cars-Platte?‘“ Bei Ocasek hört sich das leicht anders an: „Ach, ich hatte irgendwie einfach die Schnauze voll von unserer Pause, ich wollte die Vergangenheit ruhen lassen. Ich hatte all diese schönen Songs fertig und dachte: ‚Warum hole ich nicht die anderen Jungs dazu? Wir probieren es einfach mal zu viert und sehen, was dabei herauskommt. Tja, dann fingen wir mit den Proben an – und es klang vom ersten Moment an einfach großartig!“

Allerdings war für das neue Baby namens MOVE LIKE THIS noch ein prominenter Geburtshelfer nötig, wenn auch weniger aus musikalischen Gründen. Jacknife Lee (The Hives, Snow Patrol) produzierte das Album, denn, so Ocasek: „Wäre nicht klug gewesen, wenn ich das übernommen hätte – da wäre die ganze versöhnliche Stimmung zwischen uns schnell wieder gekippt, wenn ich Greg, David oder Elliott hätte sagen müssen: ‚Spiel das noch mal anders, das klingt scheiße!‘ oder ‚Mach hiervon bitte etwas weniger‘! Es sind ja eh schon alle Songs von mir.“
Seit 6. Mai ist MOVE LIKE THIS nun in den Läden, erste Konzerte werden die Cars bis zum Erscheinen dieser Ausgabe von CLASSIC ROCK auch bereits gespielt haben. Und „indirekt“ wird auch Benjamin Orr mit von der Partie sein: „Bens Frau hat vor einiger Zeit sein ganzes Musikequipment verkloppt. David bekam das mit und hat sofort ein paar seiner Bässe gekauft. Die benutzten wir bei den Aufnahmen für das Album und auch live!“

Christian Stolberg

Das Universum des Rick O.
Cars-Chef Ric Ocasek lässt tief blicken: Im CLASSIC ROCK-Gespräch mit Marcel Anders erklärt der 62-Jährige, was gute Musik ist – und was nicht.

ANDY WARHOL

„Wir waren Freunde, da ich oft in seiner Fac­tory abgehangen bin. Irgendwann habe ich ihn ge­fragt, ob er Lust hätte, das Video zu ›Hello Again‹ zu drehen. Er war so begeistert, dass er gleich noch darin mitgespielt hat – als Barkee-per. Er hat seine ganzen skurrilen Freunde in diesen wahnwitzigen Klamotten zusammengetrommelt, seine Position hinter einem Tresen eingenommen – und sie während des ganzen Drehs nicht verlassen. Er hat da den ganzen Tag in seinem Tuxedo gestanden und war stolz wie Oscar. Es war wirklich ein seltsamer Anblick.“

JIMMY PAGE

„Natürlich ist er ein toller Gitarrist. Das will ich auch gar nicht bestrei-ten. Aber im Grunde hat er alles, was er macht, von irgendwelchen armen, alten Bluesjungs geklaut. Jimmy Page hat also lediglich eine fremde Kultur imitiert – und sich dafür als Held feiern lassen. Aber so ist das nun mal… “

DEVO

„Die einzige Band aus unserer Zeit, von der ich behaupten kann, dass sie in Würde gealtert ist und außerdem immer noch tolle Mu- sik macht. Also kein Vergleich zu A Flock Of Seagulls, Billy Idol und Blondie.“

MUTT LANGE

„Eigentlich müsste ich ihm dankbar sein, weil seine Produktion maßgeblichen Anteil am Erfolg von HEARTBEAT CITY hatte, weil wirklich alles perfekt klang. Nur: Er war leider so unglaublich langsam und machte mich damit wahnsinnig. Manchmal hat er zwei Tage an etwas gebastelt, das sich dann genauso anhörte wie vorher.“

CAPTAIN BEEFHEART

„Ich bin großer Fan. Dabei stehe ich weniger auf TROUT MASK REPLICA, sein bekanntestes Album, als auf CLEAR SPOT. Ich finde, es unterstreicht seine Genialität erst richtig.“

SNOW PATROL

„Ich kenne die Jungs zwar nicht persönlich, aber ich mag ihre Platten, die ohne Zweifel zu den best produzierten Al- ben der jüngeren Rockmusik-Historie zählen. Weshalb wir uns auch für Jacknife Lee als Produzenten entschieden ha-ben. Wir haben ihn quasi dort abgeworben.“

TED NUGENT

„Ach bitte… Es ist doch einfach nicht zu glauben: Der Typ gebärdet sich wie ein gottverdammter Idiot, mit all seinen Waffen und den ganzen to-ten Tieren. Deshalb ist er auch der perfekte Sprecher für die Tea Party-Bewe­gung – da kann er den Redneck geben und bekommt für seinen Schwachsinn auch noch Applaus.“

WEEZER

„Ich mag die Jungs und ihre Musik. Was nicht heißt, dass sie pflegeleicht wären. Mit Rivers Cuomo zurecht zu kommen kann ziemlich schwierig sein. Warum? Weil er sich nichts sagen lässt. Und wer immer von sich behauptet, er hätte ein Weezer-Album produziert, der lügt: Das macht alles Rivers.“

LADY GAGA

„Ich würde wahnsinnig gerne ein Album mit ihr produzieren. Sie ist sehr kreativ, experimentiert oft und ist immer offen für neue Sa­-chen. Deshalb wäre es garantiert ein Heiden­spaß, ein paar schräge Songs mit ihr aufzunehmen.“

TODD RUNDGREN

„Mag sein, dass er ein toller Keyboarder ist. Aber seine Idee, vor ein paar Jahren als ,The New Cars’ zu touren, war einfach lächerlich. Das waren er und zwei Jungs aus der Band, die mit den alten Songs um die Häuser gezogen sind – und sich richtig zum Horst gemacht haben. Zwar für gu-tes Geld, aber auf Kosten ihrer Reputation.“

Queens Of The Stone Age / Josh Homme

0

Queens-of-the-stone-age-2Die Leiden des Josh H.

Vier Jahre nach dem letzten Studioalbum ERA VULGARIS lässt ein neuer QOTSA-Longplayer weiter auf sich warten. Stattdessen legt der Regent der Königinnen, JOSH HOMME, das 1998er- Debüt neu auf, geht auf Selbstfindungs-Tournee, betreibt gezielte Abrechnung mit seinem Ex-Label und preist die Vorzüge homoerotischer Männerfreundschaft.

Josh Homme ist neben Dave Grohl der wohl vielbeschäftigste Mann im Rock-Geschäft. Das Gründungsmitglied der Stoner-Pioniere Kyuss war soeben mit den Queens Of The Stone Age live im CLASSIC ROCK-Land unterwegs, promotet gerade die jüngst erschienene Neuauflage des Debüts QUEENS OF THE STONE AGE und legt zudem erste Hand an die Songs des neuen Studio­albums, das im Frühjahr 2012 auf den Markt kommen soll. Außerdem hat er bereits Ideen für ein zweites Werk der Supergroup Them Crooked Vultures in der Hinterhand. Dort tobt er sich gemeinsam mit Grohl und Led Zeppelin-Ikone John Paul Jones aus. Und all das, obwohl er gerade alles andere als schöne Monate hinter sich hat: Bei einer Routine-Knie-OP im Herbst vergangenen Jahres hörte sein Herz auf zu schlagen, er konnte gerade noch wiederbelebt werden, musste aber mehrere Wochen pausieren und erholte sich nur mühsam von dem Eingriff. Inzwischen ist der Familienvater aber wieder wohlauf und auf der Bühne anzutreffen…

Josh, warum eine Tour, auf der du ausschließlich Material vom ersten Queens Of The Stone Age-Album spielst?
Da gibt es eine nette kleine Vorgeschichte. Nämlich meine gesundheitlichen Probleme vom letzten Jahr. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich hatte eine harte Zeit, und es hat ewig gedauert, bis ich wieder gesund war. Ich lag fast drei Monate nur im Bett und musste all diese psychologischen Phasen durchlaufen. Ich hatte ständig irgendwelche wirren Gedanken. Wobei ich fast so weit war, dass ich keine Musik mehr machen wollte.

Wie bitte? Das haben wir jetzt aber schon falsch verstanden, oder?
Na ja, das Leben auf Tour gefällt mir weniger und weniger. Es gibt so viele andere Dinge, die ich im Grunde viel lieber tun würde. Richtiges Touren, also überall dort auftreten, wo man dich sehen will, ist eine extrem langwierige Sache. Was mir erst bewusst geworden ist, als ich im Krankenhaus lag. Und deshalb wollte ich damit aufhören – und mit der Musik. Ich hatte vor, mich mehr um meine Familie zu kümmern und endlich das erste Album wiederzuveröffentlichen. Denn das wollte ich schon lange machen, habe aber nie die Zeit dazu gefunden. Also bin ich ins Studio, um die Platte neu zu mastern, habe letztlich aber kaum etwas geändert. Sie hat das gewisse Etwas, ist nicht so laut wie andere Alben und auch nicht so fett produziert. Doch das Nostalgische an ihr machte mich nachdenklich. Ich sinnierte darüber nach, wo ich gerade stehe, wie ich dahin gelangen konnte, und dass ich schon vor dem Queens-Debüt überlegt hatte, komplett mit der Musik aufzuhören.

Du meinst nach dem Ende von Kyuss und den Screaming Trees, als du einfach müde und ausgepowert warst?
Stimmt. Ich war an einem ganz ähnlichen Punkt. Und wieder hat sich dieses Album als eine Art Heilmittel erwiesen. Ich stehe auf Zeichen, z.B. Schilder, Omen, solche Sachen eben. Ich denke, man muss der Welt einfach eine gewisse Aufmerksamkeit schenken, um seinen Platz darin zu erkennen. Und alle Hinweise, die ich damals wahrgenom­­men habe, gaben mir unmissverständlich zu verstehen: Komm ein biss­­chen runter, lass alles ruhiger an-gehen und beachte auch die kleinen, einfachen Dinge um dich herum.

Dieses Album war ein Teil davon – damals wie heute. Und so fing ich an, es zu Hause zu zu hören. Immer und immer wieder. Irgendwann meinten die anderen: „Wir wollen anfangen, neue Songs zu schreiben.“ Und ich darauf: „Sorry, Jungs, aber momentan fühle ich mich gerade ziemlich leer. Können wir nicht einfach ein bisschen touren? Und zwar mit dem ersten Album – also genau so, wie es ist?“

Was schon eine merkwürdige Frage war, wenn man bedenkt, was ich gerade über das Touren gesagt habe. Doch dann fingen wir an zu proben und waren so konzentriert bei der Sache, dass wir nebenbei auch schon an neuen Sachen gebastelt haben. Insofern ist das der Grund, warum wir jetzt erneut mit dem Debüt auf Tour gehen: um uns als Band wieder zusammenzufinden und frische Inspiration zu sammeln.

Und so seid ihr zur klassischen Rockband geworden, die konzeptionell geschlossene Album-Shows spielt, also den ganzen Abend damit verbringt, eine einzige Platte runterzuprügeln?
(lacht) Warum nicht? Ich habe gesehen, wie Cheap Trick das gemacht haben. Die sind mit ihren ersten drei Alben aufgetreten, haben an drei Abenden hintereinander je eine Platte komplett aufgeführt. Woran ich als Fan einen Heidenspaß hatte. Denn diese Alben waren so toll – und ich konnte jeden einzelnen Song mitsingen und wusste immer, was als Nächstes kommt. Obwohl: Was die Queens betrifft, kann es auch anmaßend sein, zu glauben, unser erstes Album ließe sich einfach so in einem Rutsch durchspielen. Denn manchmal bringen wir ein Stück daraus, und die wenigsten Leute im Publikum erkennen es. Aber egal: Das ist es, was wir hier und jetzt tun. Und bislang waren die Shows fantastisch. Genau wie das Publikum. Es ist eine ganz andere Stimmung, als sie normalerweise bei unseren Konzerten herrscht – obwohl es dieselben Leute sind.

Wenn du schon eine nostalgische Phase durchläufst: Wie kommt’s, dass du partout nichts mit der Kyuss-Reunion zu tun haben willst – und sei es nur als Spaßprojekt, um auf andere Gedanken zu kommen?
Auf keinen Fall! Ich glaube, was die meisten Leute nicht verstehen, ist, dass ich schon als 14-Jähriger bei Kyuss gespielt habe – und die Band auseinander gebrochen ist, als ich 21 war. Zwischen 14 und 21 verändert man sich als Mensch einfach sehr. Ich habe keine Lust, wieder Dinge zu machen, die ich mit 15 getan habe. Das ist nicht meine Art, selbst wenn ich Kyuss immer noch liebe. Aber ich will es genau so belassen, wie ich es in Erinnerung habe. Und wenn viele Leute es damals nicht gesehen haben, ist das ihr Pech. Ich mag es, wenn jemand sagt: „Kyuss sind legendär!“ Das bedeutet für mich: Der oder die hat uns nie erlebt – aber so sollte es auch bleiben, um diese Vorstellung nicht zu zerstören. Also: Ich bin wahnsinnig stolz auf Kyuss, aber ich muss nicht dafür sorgen, dass alle, die uns in den Neunzigern verpasst haben, jetzt noch mal einen lauwarmen Aufguss davon erleben. Daran möchte ich mich nicht beteiligen.

Und was hat dich veranlasst, mit Rekords Rekords dein eigenes Label zu starten? Bist du jetzt der große Plattenfirmen-Boss hinter einem monströsen Mahagoni-Schreibtisch?
Mein Büro existiert nur in meinem Kopf – und dort hat es goldene Wände, Multimillionen-Dollar-Kronleuchter und edle Ledermöbel. (lacht) Aber im Ernst: Ich habe das Label schon ewig, war aber immer so beschäftigt, dass ich nicht viel damit gemacht habe – bis halt auf die DESERT SESSIONS und die Eagles Of Death Metal-Alben. Insofern war der Name auch immer so etwas wie ein Qualitätsiegel. Sprich: Ich sehe Rekords Re­­kords als eine Art Gütesiegel, von dem die Leute ablesen können, dass sie etwas Besonderes in Händen halten. Wie zum Beispiel die Alben von Alain Johannes oder den Mini Man­sions. Die würden im heutigen Musikgeschäft geradezu untergehen, weil die Labels gar nicht mehr nach guten Songs suchen. Die schauen nur noch auf Facebook und MySpace und nehmen dann irgendwelche Leute mit wer weiß wie vielen Clicks unter Vertrag – selbst wenn die noch nie live gespielt haben. Das ist einfach krank.

Was das angeht, bist du also für den traditionellen, konservativen Weg. Bist du auch in politischer Hinsicht ein konservativer Mensch?
Sicher. Was soziale Fragen angeht, bin ich sehr liberal, aber ich denke nicht, dass die Regierung besser mit unserem Geld umzugehen weiß als wir selbst. Wenn die Regierung ein Unternehmen wäre, wäre es total pleite. Außerdem entwerfen sie im-mer neue Gesetze, ohne welche von den alten abzuschaffen. Im Grunde wünschte ich, die würden sich einfach aus meinem verdammten Leben heraushalten.

Denkst du darüber nach, dich der Tea Party-Bewegung anzuschließen, so wie Sarah Palin?
Ich glaube, ich bin sogar schlimmer als sie. Ich betrachte mich als gefallenen Liberalisten. In Amerika, dem Land der Freiheit, sind uns so gut wie alle Bürgerrechte weggenommen worden; die Leute rufen wegen jeder Kleinigkeit die Polizei. Wenn man eine Meinungsverschiedenheit mit einem Nachbarn hat, ruft der gleich die Cops, also eine dritte Partei, um zu vermitteln. Dadurch gibt man seine Kontrolle eigentlich an die kleine „Judge Judy“ ab (US-Gerichtssendung, ähnlich Barbara Salesch – Anm. d. Red.). An so etwas glaube ich nicht. Ich mag das so genannte „Establishment“ nicht.

Was geht dir sonst noch gegen den Strich?
Ich kann das heutige Schulsystem nicht ausstehen. Da lernst du ein bisschen was von allem – und schon sollst du ein Typ aus der Renaissance sein? Nein! Dann kannst du vielleicht Trivial Pursuit spielen, aber das war’s dann auch schon.

Besitzt du eigentlich eine Schusswaffe?
Klar. Ich besitze sogar sechs Waffen. Ich habe zum Beispiel ein klassisches Winchester Repetiergewehr – genau so eines, wie es die alten Cowboys hatten –, eine abgesägte Schrotflinte und eine 9mm Berretta Target, die einfach großartig ist.

Zu welcher würdest du greifen, wenn du einen Eindringling auf ­dei-nem Grundstück entdeckst?
Wahrscheinlich zu gar keiner. Man sagt: Wenn man selbst keine Waffe zieht, wird man auch nicht erschossen. Eigentlich. Ich komme aus der Wüste und bin mit Waffen groß geworden – ich wurde dazu erzogen, sie zu respektieren.

Glaubst du an Gott?
Absolut. Aber nicht an einen Mann mit einem schneeweißen Bart. Ich denke, wir leben in Symbiose mit der gesamten Welt und glaube, dass Gott alles ist, was wir nicht verstehen. Warum sind wir hier? Für mich ist die Antwort auf diese Frage, dass das egal ist – wir sind einfach hier. Ich versuche nicht zu verstehen, was man nicht verstehen kann.

Hattest du jemals ein Pro­blem mit Drogen?
Es war nie wirklich ein Problem. Ich habe es immer ge­­schafft, an welche ranzukommen. Bevor wir ›Feel Good Hit Of The Summer‹ (vom QOTSA- Album RATED R – Anm.d.Red.) veröffentlicht haben, hatte ich das Gefühl, ich würde mich selbst brandmarken. Aber dieses Lied war absolut keine Glorifizierung, auch wenn alle gleich gesagt haben: „Oh doch, das ist es!“ Es war manipulativ und lustig. Ich nehme mich selbst nicht allzu ernst, aber die Musik schon. Dieses Lied war eine perfekte Mischung aus beidem; zumindest für mich.

Zurück zu deiner Plattenfirma Rekords Rekords: Wen nimmst du als Nächstes unter Vertrag – deine Freunde von den Arctic Monkeys?
Eigentlich nehme ich niemanden unter Vertrag – ich lizenziere sie nur, und überlasse ihnen alle Rechte. Einfach, weil ich ihnen nicht antun will, was man mit mir gemacht hat. Und weil es mir nicht ums Geld geht. Ich will nur, dass diese Alben veröffentlicht werden – und Gehör finden. Genau das werden wir in Zukunft auch mit den Queens-Alben machen. Denn ich bin ja nicht mehr bei Universal. Was mich Jahre gekostet hat. Also: Keine Sklavenarbeit mehr für Jimmy Iovine (Gründer und Chef des Universal-Labels Interscope – Anm.d.R.). Er kann sich meinetwegen ganz auf „American Idol“ konzentrieren und sich selbst ins Knie ficken. Was er schon seit Jahren tut. (lacht)

Was erwartet uns beim nächsten Queens Of The Stone Age-Album – und wann fangt ihr damit an?
Sobald diese Tour vorbei ist – und wir noch fünf Festivals gespielt haben. Wir sind zum Beispiel Headliner auf der zweiten Bühne in Glastonbury. Und wir treten bei einigen kleineren Open Airs auf. Etwa in der Schweiz. Aber dann legen wir los. Ich denke, das Album wird in der ersten Hälfte des kommenden Jahres erscheinen.

Vorher wirst du noch zum zweiten Mal Vater…
Richtig. Mein zweites Kind ist gerade unterwegs. Und das ist das Beste, was es gibt. Ich habe kein größeres Ziel im Leben, als einfach der beste Daddy der Welt zu sein. Wobei ich mein Privatleben aber bewusst unter Verschluss halte, weil es für mich das Wichtigste ist. Und ich habe Angst, Fremde reinzulassen, da sie da nichts zu suchen haben. Denn das ist „meines“ – und nicht „unseres“.

Wie hat das Dasein als Vater dich als Person verändert?
Überhaupt nicht. Pepper Keenan (Sänger und Gitarrist bei Corrosion Of Conformity und Down – Anm. d. Red.) hat mir mal Folgendes gesagt: „Das ist der Fluch des Rock’n’Roll, Mann – du hast eine Tochter, und jetzt ist es Zeit, etwas zurückzugeben.“ Aber ganz ehrlich: Das ist das Beste überhaupt. Wenn ich ihr beibringen kann, dass sie kein Objekt sein muss, um et­­was wert zu sein, wenn ich ihr beibringen kann, gerne zu lernen, damit sie sich bei dem hervortun kann, was sie liebt, dann bin ich ein glücklicher Mann.

Was ist der beste Ratschlag, der dir jemals von jemand anderem gegeben wurde?
Mein Großvater hat immer gesagt: „Wenn du anders bist, wirst du mit Steinen beworfen. Also musst du eben lernen, Steine zu mögen.“

War die Entscheidung, Nick Oliveri bei den Queens rauszuwerfen, eine der schwierigsten, die du jemals treffen musstest?
Was da zwischen mir und Nick abgegangen ist, hatte nichts mit Musik zu tun. Ich habe die Wahr­­heit gesagt, und diese laut auszusprechen, war so schwer für mich, dass mich das hinterher für gut acht Monate aus der Bahn geworfen hat. Ich wollte nicht sagen, was vorgefallen war, weil ich befürchtete, es würde Nicks Ruf zerstören. Aber stattdessen kam ich wie ein irrer Egomane rüber. Nick ist irgendwie immer wieder darauf herum-geritten, was mich ziemlich verletzt hat. Also habe ich es letztendlich er-zählt. Nachdem ich es getan hatte, fühlte ich mich echt mies, weil das etwas ist, was man einem Freund nicht antun sollte.

Wieviel unternimmst du eigentlich dieser Tage noch mit deinem Buddy Dave Grohl – seht ihr euch regelmäßig?
Eigentlich kaum – weil wir beide wahnsinnig beschäftigt sind. Ich meine, wir haben in der Vergangenheit wirklich viel zusammen gemacht, sind mit unseren Motorrädern durch die Gegend gebrettert und haben gute Restaurants besucht. Aber jetzt, da er ein neues Album am Start hat und ich auf Tour bin, herrscht erst mal Funkstille. Deshalb wünsche ich mir manchmal auch, dass ich schwul wäre. Dann könnte ich nämlich die ganze Zeit Party machen und mit meinen Freunden abhängen.

Wirklich?
(lacht) Doch, das wäre bestimmt eine große Hilfe, um diesen ganzen Stress zu kompensieren, den das Arbeiten und Touren mit einer Rockband mit sich bringt. Eben im Sinne von: Einfach mal in eine andere Richtung gehen. Dabei kann man nur gewinnen. (lacht) Ich würde auch Leder-Hotpants und Federboa tragen.

Du wärest bestimmt eine imposante Erscheinung…
Meinst du? (prustet los) Na ja, jetzt muss ich erst mal zum nächsten Auftritt!

Marcel Anders & Paul Elliott

Death Cab For Cutie

0

Death Cab For Cutie 2011a @ Danny ClinchKinder des Grunge

Als Teenager war Ben Gibbard Zeitzeuge der Grunge-Explosion. Heute ist der 34-jährige ein erfolgreicher Sänger und Gitarrist, wohnt mit einem Hollywood-Star unter der Sonne Kaliforniens und singt die Nationalhymne bei Baseballspielen – wenn man ihn lässt.

Er ist das, was man einen gemachten Mann nennt: Mitte 30, mit dem gut gefüllten Bankkonto von mehreren Millionen verkaufter Alben, einem schicken Häuschen in Los Feliz, das er sich mit Filmstar-Gattin Zooey Deschanel („Per Anhalter durch die Galaxis“) teilt, regelmäßigen Soundtrack-Engagements zu Blockbustern wie „Twilight“ oder (aktuell) „Arthur“, sowie Auftritten bei den Heimspielen seines Lieblings-Baseballvereins, den San Francisco Giants, bei denen er die Nationalhymne schmettert. „Ich bin so glücklich wie nie zuvor in meinem Leben, und das gebe ich offen zu. Ich erlebe viele wunderbare Sachen, mit denen ich nie gerechnet hätte“, so der baumlange, blasse Schlacks in Karohemd und Jeans.

Was sich – natürlich – auch in seiner Musik niederschlägt, nämlich auf dem siebten Album CODES AND KEYS. Ein Werk, bei dem Gibbards Quartett zum ersten Mal Keyboards, Klavier und Streicher einsetzt, sich an grenzenlos optimistischen Texten vergeht und den nerdigen Indie-Rock vergangener Tage mit Annäherungen an Brian Eno, Radiohead und Pink Floyd versieht. „Das Problem ist nur, dass uns viele Fans diese Entwicklung scheinbar nicht zugestehen. Sie wollen, dass wir für immer die kleine Studentenband aus Bellingham bleiben und vor 200 Leuten in irgendwelchen Bars spielen. Aber weißt du was: Darauf habe ich keine Lust mehr. Ich will von meiner Musik leben und in einem vernünftigen Bett schlafen können. Wer das als Ausverkauf erachtet, der soll gefälligst woanders hingehen.“

Eine Reaktion, die von einem wunden Punkt hinter der fast schon erschreckend netten Fassade des Sängers/Gitarristen zeugt. Aus gutem Grund: Death Cab For Cutie (ein Song der Bonzo Dog Doo-Dah Band von 1967) sind bereits seit sieben Jahren bei einem Major unter Vertrag, haben mit ihren letzten zwei Alben (zumindest in den USA) Gold und Platin eingeheimst, die Top Ten der Billboard-Charts geknackt und füllen längst Mehrzweckhallen nebst Amphitheater. Und doch: Ihr Publikum verfolgt diese Entwicklung mit Skepsis. Weshalb sich Gibbard lange bei und mit Nebenprojekten wie The Postal Service, All-Time Quarterback, Pinwheel und Dntel ausgetobt hat: „Prinzipiell spiele ich mit jedem, der mir eine spannende Alternative zu Death Cab aufzeigt – zumindest in der Zeit, in der wir als Band nicht aktiv sind. Und das ist sehr wichtig, um einfach mal auszubrechen, etwas komplett anderes zu machen, um dann mit frischen Ideen zurückzukehren.“

Wobei Gibbard für die Zukunft auch nichts gegen eine Kollaboration mit Gitarren-Koryphäen wie etwa Peter Buck (REM), The Edge (U2) oder Dough Martsch (Built To Spill) einzuwenden hätte. „Das sind die Helden meiner Jugend, die mich erst dazu gebracht haben, eine Gitarre in die Hand zu nehmen. Sie waren keine Shredder und auch keine fürchterlichen Poser wie Cinderella oder Poison, sondern richtige Musiker, die alles für den Song an sich getan haben, nicht nur für ihr Ego.“ Wozu Gibbard – als echtes Kind des Grunge – natürlich auch Alice In Chains, Pearl Jam, Soundgarden und Nirvana zählt. „Das waren die Bands, mit denen ich aufgewachsen bin und deren Konzerte ich mir als Teenager angeschaut habe. Was soll ich sagen? Sie waren toll, und ihre Platten haben bis heute nichts von ihrer früheren Faszination verloren. NEVERMIND höre ich immer noch gerne – es ist einfach ein umwerfendes Album. Unfassbar, dass es schon 20 Jahre alt ist. Aber hey: Ich hoffe, dass die Leute in Zukunft genauso über unsere Songs reden werden. Das ist mein größter Wunsch.“ Wie bescheiden…

Marcel Anders

Lake Of Tears

0

Lake of Tears 2010Schwere Zeiten

Die Welt, in der wir leben, ist ein dunkler Ort. So sehen das auch Lake Of Tears – meistens jedenfalls. Im CLASSIC ROCK-Interview verrät Bandkopf Daniel Brennare, warum das so ist und warum man Grenzen manchmal einfach überschreiten sollte.

Vier Jahre nach MOONS AND MUSHROOMS (2007) erblickt nun das neue Studioalbum ILLWILL von Lake Of Tears das Licht der Welt. Eine verdammt lange Zeit in einer Musikwelt, die so schnelllebig ist wie nie und in der Alben am Fließband produziert werden. Doch es gibt vor allem zwei Gründe, warum sich die Schweden so viel Zeit gelassen haben. Der erste ist ein rein künstlerischer. „MOONS AND MUSHROOMS entstand damals einfach viel zu überhastet“, erklärt Daniel. „Die Hälfte der Songs haben wir erst eine Woche vor den Aufnahmen fertiggestellt. Deswegen sind wir im Nachhinein sehr unzufrieden damit. Wir wollten uns dieses Mal richtig viel Zeit geben. Dadurch konnten wir uns auf Feinheiten konzentrieren, die einen Song erst lebendig machen. Songs sind wie guter Wein: Sie müssen reifen. Und das haben wir bei ILLWILL zugelassen.“

Der zweite Grund für die lange Abwesenheit der Band ist ein persönlicher. Vor drei Jahren erkrankte Daniel an Leukämie und musste sich zunächst auf seine Genesung konzentrieren. „Als ich die Diagnose erhielt, sagte mein Arzt, es bestünde eine 20-prozentige Chance, dass ich sterben werde“, schildert der Sänger den dramatischen Moment. „Das hat mich natürlich erst einmal aus der Bahn geworfen. Als ich im Krankenhaus lag, dachte ich viel nach – über das Leben und die Dinge, die mir wichtig sind. Diese Erfahrung hat sich natürlich auch auf das Album ausgewirkt.“

Schon der Titel, der übersetzt soviel wie Feindseligkeit bedeutet, deutet an, dass ILLWILL viel von den negativen Erfahrungen reflektiert, die die Band während der vergangenen Jahre gemacht hat. „Der Titel zeigt, wie schlecht und grausam die Welt sein kann. Sie schenkt dir das Leben, nimmt es dir aber auch wieder“, erklärt Daniel nachdenklich.

Das Album selbst ist typisch für die Schweden: Es klingt unverkennbar nach Lake Of Tears und ist doch wieder anders als seine Vorgänger. „Man muss sich immer weiterentwickeln und darf keine Angst davor haben, Grenzen zu überschreiten. Musik muss auch für einen selbst immer interessant bleiben“, beschreibt Daniel seine Herangehensweise ans Songwriting. „Wir haben in jüngster Zeit die alten Thrash- und Black Metal-Platten wiederentdeckt, die uns früher musikalisch erheblich beeinflusst haben. Dadurch ist das neue Album insgesamt härter und rauer geworden. Wir wollten schon lange etwas schnellere Songs schreiben, und jetzt war die Zeit reif dafür.“

Mit ›House Of The Setting Sun‹ befindet sich aber auch ein ruhiges Stück auf ILLWILL, das sich sehr am klassischen Siebziger-Rock orientiert. „Wir alle mögen Bands wie Pink Floyd, und das schon seit vielen Jahren“, erzählt Daniel. „Während der Songwriting-Phase tauchen ein paar Riffs auf, die in diese Richtung gingen. Und nachdem wir uns vorgenommen hatten, keinen Song zu verwerfen, nur weil er nicht ins Gesamtbild zu passen scheint, haben wir an dieser Idee weitergearbeitet. Und ich finde, dass es ein toller Song geworden ist.“
Haben die Schweden etwa vor, sich nun ganz und gar dem klassischen Rock zu verschreiben? „Wer weiß?“, grinst Daniel. „In unseren Köpfen spukt schon länger die Idee herum, dass wir mal ein richtig langsames Album aufnehmen könnten. Vielleicht wird das nächste oder übernächste voll von solchen Songs sein.“

Simone Bösch

Black Stone Cherry

0

BSC__9442_JL_EDIT_LRBlick zum Horizont

Aller guten Dinge sind drei. Mit ihrem Drittwerk BETWEEN THE DEVIL AND THE DEEP BLUE SEA wollen Black Stone Cherry nicht nur den Sprung nach ganz oben schaffen, sondern auch einigen Seelenballast loswerden, der sich in den vergangenen Monaten angesammelt hat.

Manche Fans wollen immer auf dem Laufenden sein, was ihre Idole angeht. Black Stone Cherry machen sich das zu Nutze. Sie verpacken daher auch auf ihrem neuen Album viel Persönliches in ihren Texten. Das hat zwei Vorteile. Erstens: Sie werden nicht gestalkt, schließlich sind eh alle Infos öffentlich. Und zweitens: Sie können negative Erfahrungen direkt aufarbeiten.

So ist z.B. der überlange Titel eine Anspielung auf vergangene Widrigkeiten – entlehnt aus der Seefahrer-Sprache. Bei Segelschiffen wird nämlich die Fuge zwischen zwei Planken der Außenhaut als „Devil“ bezeichnet. Wenn ein Matrose Reparaturen an dieser Stelle durchführen musste, befand er sich in einer gefährlichen Lage, um die ihn kein Kollege beneidete. „Als unser Gitarrist Ben Wells diesen Spruch zitierte, traf das bei uns allen einen Nerv“, berichtet Sänger und Gitarrist Chris Robertson. „Denn auch wir mussten im vergangenen Jahr vieles machen, das uns gar nicht passte.“ Zudem birgt dieser Satz das Dilemma, die Wahl zwischen zwei Alternativen zu haben, die beide nicht unbedingt vorteilhaft sind. Auch das kennt die Band zur Genüge. So freuten sich Chris, Ben, John-Fred Young (Drums) und Jon Lawhon (Bass) nach etlichen Monaten eigentlich darauf, wieder mehr Zeit mit ihren Lieben verbringen zu können. Doch funktioniert hat das nur bedingt „Es war zwar schön, wieder zu Hause zu sein. Aber eben auch ungewohnt. Zudem hatten wir nicht richtig frei, sondern absolvierten auch immer wieder einige Gigs in den Staaten. Das führte dazu, dass wir hin- und hergerissen waren zwischen den beiden Dingen, die wir am meisten lieben“, ergänzt Schlagzeuger Young.

Doch wer glaubt, das neue Album wäre eine Sammlung melancholischer Trauermärsche, irrt gewaltig. Bereits die erste Single ›White Trash Millionaire‹ zeigt, dass es für Black Stone Cherry kein Problem darstellt, komplexere Themen appetitlich zu verpacken. In besagtem Stück spiegelt sich nämlich ein Teil ihrer Lebensphilosophie wieder, wie John-Fred verrät: „Es geht darum, mit dem zufrieden zu sein, was man hat. Und in diesem Zusammenhang geht es uns auch darum, die Kultur der Südstaaten in ein positiveres Licht zu rücken. Denn aufgrund ihrer dunklen Vergangenheit wird sie von vielen zu Unrecht verurteilt.“ Ganz so ernsthaft, wie der Trommler das ausformuliert, ist der Song aber nicht gedacht, wie Chris relativierend hinzufügt: „Im Kern ist das Stück dennoch ein Sommerlied, das schlicht Spaß macht.“

Eine Gratwanderung, die nicht allen Bands gelingt. Doch die vier Kentuckians sind mutig – sie wagen den Balanceact auf ihrer dritten Scheibe gleich mehrmals. So hätte auch ›Can’t You See‹, ein Cover der Marshall Tucker Band, durchaus in die Hose gehen können. Doch Angst vor einem möglichen Versagen hatten Black Stone Cherry nicht – schließlich ist der Song bereits des Öfteren in ihrem Live-Repertoire gewesen. Auf Initiative ihres Labels hin trauten sie sich nun auch an eine Studioversion heran. „Wir steckten gerade mitten im Songwriting-Prozess, als diese Idee aufkam“, erinnert sich Young. „Also probierten wir ein bisschen rum. Die erste Variante klang beinahe wie das Original, aber letztlich wollten wir das Ganze ein bisschen härter haben.“ Härter ist zwar nicht zwangsläufig besser, aber im Fall von Black Stone Cherry gilt hier die Ausnahme von der Regel. Die Version behält die Seele des Originals, verleiht ihr aber zugleich mehr Kraft. Zudem fügt sich der Track so besser ins Gesamtbild von BETWEEN THE DEVIL AND THE DEEP BLUE SEA ein – denn alle Songs klingen jung und frisch.

Eine Tatsache, die auch Chris Robertson gefällt: „Nach dieser Platte würde es mich nicht einmal stören, wenn wir danach nie wieder ein Album aufnehmen könnten. Denn es ist uns gelungen, eine Scheibe einzuspielen, die all das in sich vereint, was Black Stone Cherry momentan ausmacht.“

Benedikt Mekelburg

Queensryche

0

Queensryche 2011bDie Chaos-Theorie

Worin bestehen die Unterschiede zwischen Geoff Tate und Bill Gates – sind sie nur durch die Gene bestimmt oder spielen die Erziehung, das Elternhaus und die Freunde der Jugend eine ebenso wichtige Rolle? Der QUEENSRÿCHE-Sänger geht auf DEDICATED TO CHAOS, dem neuen Studioalbum der Progressive-Metal-Ikonen aus Seattle, unter anderem dieser Frage nach.

Risikoscheu oder ängstlich waren Queensrÿche noch nie. Mehr als nur einmal in ihrer mittlerweile 30 Jahre andauernden Karriere brach die Progressive Metal-Band aus Seattle mit Konventionen, ließ sich trotz hochgesteckter Erwartungen nicht von ihrem eigenwilligen Weg abbringen oder machte das genaue Gegenteil von dem, was kommerziell vernünftig gewesen wäre. Speziell Frontmann Geoff Tate, einer der charismatischsten und ungewöhnlichsten Sänger dieser Szene, sucht permanent nach Herausforderungen, neuen Zielen, Inspirationen.

Vor vier Jahren hätte er sich aber fast übernommen: Queensrÿche hatten beschlossen, ein Album über die Kriegshistorie ihres Heimatlandes zu schreiben, also: Zweiter Weltkrieg, Vietnam, Irak, Afghanistan, eine lange Leidensgeschichte von Gewalt, Verlust und Zerstörung. „Es war das erste Mal, dass ich Texte schrieb, die nicht von mir selbst handeln, sondern von Soldaten“, erklärt er. „Damit betrat ich absolutes Neuland.“ Um wirklich tief in die Materie einzutauchen, führten er und seine Kollegen zahlreiche Gespräche mit Soldaten, ließen sich strategisch-politische Zusammenhänge erklären und versuchten so, die Hintergründe zu verstehen. Das, was Tate & Co dabei erfuhren, war zum Teil schockierend und offenbarte den Musikern die gesamte Brutalität der Gefechte. „Das Thema war unglaublich emotional für mich“, sagt Tate, der zwar selbst nie gedient hat, dessen Vater aber ein hochrangiger Soldat war. Er geriet an seine psychische Belastungsgrenze, musste deshalb mitten in den Vorbereitungen zu den AMERICAN SOLDIER-Aufnahmen eine Pause einlegen und seine „Batterien neu aufladen“.

Um dennoch die Vertragsmodalitäten ihrer Plattenfirma zu erfüllen, schob die Band eilig ein Übergangsalbum mit Coversongs ein, das 2007 erschienene TAKE COVER. Erst danach fühlte sich Tate wieder fit genug, um am Kriegsthema weiterzuarbeiten. AMERICAN SOLDIER erschien im Frühjahr 2009 und dürfte (neben Tates Seelenstriptease auf dem Klassiker OPERATION: MINDCRIME) das intensivste Werk seiner Musikerlaufbahn sein. Im Anschluss an die Veröffentlichung spielten Queensrÿche Shows in amerikanischen Militärbasen, zudem bereiste der Sänger im Sommer vergangenen Jahres den Irak. „Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gesehen, diese Erfahrungen haben mein Leben verändert“, betont er heute. War er seinerzeit geschockt? „Nun, zumindest rannte ich dort permanent mit weit aufgerissenen Augen herum.“

Einige dieser Eindrücke hängen ihm auch gut ein Jahr später noch nach. Zudem war Tate zeitlebens ein nachdenklicher Mensch – er hasst Oberflächlichkeit und Ignoranz, möchte dieser Welt mehr geben als nur Plattitüden, Lippenbekenntnisse oder halbgare Zeugnisse seiner überbordenden Kreativität. Deswegen schrieb er OPERATION: MINDCRIME und AMERICAN SOLDIER, und deswegen hat er nun auch das aktuelle Album DEDICATED TO CHAOS in Angriff genommen. „AMERICAN SOLDIER war ein politisches Werk, während sich die neue Platte mehr um soziale Fragen dreht“, erklärt der Queensrÿche-Frontmann den Ansatz des zwölften Studioalbums. Tate unternimmt darauf den Versuch, die kausalen Zusammenhänge bestimmter Handlungsmuster zu erklären, also gewissermaßen die Frage zu beantworten: Warum eigentlich machen wir Dinge so, wie wir sie machen?

„Man muss etwas von der Welt gesehen haben, um sie zu verstehen“, lautet Tates Credo. „Ich bin aufgrund meines Berufs in der glücklichen Lage, viel reisen und mir andere Kulturen anschauen zu können. Für dieses hautnahe Erleben gibt es keinen gleichwertigen Ersatz, da kann man noch so viele Bücher über ein fremdes Land gelesen haben. Wer in seinem Leben immer am gleichen Ort geblieben ist, wird diese Welt nie verstehen können.“

Und was genau hat er bis dato komplett durchdrungen in Bezug auf die Welt, die Menschen und auch sich selbst?

„Nun, eines wird mir im Laufe der Jahre immer klarer: Letztendlich prägt uns das Umfeld, in das wir
hineingeboren worden sind. Ich meine: Bill Gates hätte nie zu dem werden können, was er heute ist, wenn er als Teil einer sozialen Randgruppe aufgewachsen wäre. Gates startete sein Leben in einer privilegierten Schicht. Man muss das wissen, um seinen Erfolg erklären zu können. Sein Vater war wohlhabend, er genoss die beste Erziehung, die man sich vorstellen kann. Nur so konnte er sich zu dem entwickeln, was er heute ist. Ich dagegen stamme aus der Mittelklasse, ein Leben wie das, was Bill Gates heute führt, kann ich mir nicht einmal im Traum vorstellen. Zwischen ihm und mir bestehen riesige kulturelle Unterschiede, obwohl wir aus demselben Land beziehungsweise Kulturkreis stammen.“

Für Tate schließt sich damit automatisch die Frage an: Wenn sich schon er und der Chef von Microsoft derartig fremd sind, wie sollen dann Menschen aus Schwellenländern die Denk- und Verhaltensweisen der westlichen Hemisphäre überhaupt nur annähernd verstehen können?

Ein interessanter Ansatzpunkt, der möglicherweise zur Annäherung unterschiedlicher Gruppierungen führen könnte, wenn jemand die richtigen Erkenntnisse daraus gewinnt. Doch Lösungsmöglichkeiten bietet DEDICATED TO CHAOS bewusst nicht. „Nur das Leben selbst beantwortet die wichtigen Fragen unserer Existenz“, übt sich der Amerikaner in philosophischen Aussagen. Er, der viel vom Leben weiß, weit herumgekommen ist in der Welt, der staunend durch China und verstört durch den Nahen Osten reisen konnte, und der – obwohl bereits geschätzte 20 Millionen verkaufte Tonträger schwer – niemals selbstzufrieden geworden ist. Tate (beziehungsweise die gesamte Band) hätte sich auf den eingeheimsten Lorbeeren ausruhen können. Es wäre ein Leichtes gewesen, einfach den auf EMPIRE eingeschlagenen Weg fortzusetzen und damit sicherlich noch weit mehr Platten zu verkaufen. Doch darum geht es Tate nicht: „Musik ist nicht dazu da, sich irgendwo in einer Nische gemütlich einzurichten. Sie soll Grenzen aufbrechen, neue Horizonte öffnen – und sie darf nie berechenbar sein.“ Aus diesem Grund haben Queensrÿche ein weiteres Mal ihre Stilmittel verändert. Waren es auf AMERICAN SOLDIER vor allem die Interview-Einspielungen, die der Musik ihr kuscheliges Flair nahmen, änderte die Band diesmal vor allem musikalische Strukturen. „Es gibt kein Gesetz, das bestimmte Akkordfolgen vorschreibt“, erklärt er, „doch viele Muster schleifen sich bei einer Band, die so lange dabei ist wie wir, irgendwann automatisch ein. Daher war es an der Zeit, alles zu hinterfragen, neu zu bewerten und manchmal eben auch zu verändern.“ Und genau das haben Queensrÿche auf DEDICATED TO CHAOS getan. Neben allen sonstigen Veränderungen, versteht sich… “

Thorsten Zahn

Hammerfall

0

Hammerfall 2011aKurskorrekturen


Auf INFECTED herrscht wieder der Geist der frühen Tage, behauptet Bassist Fredrik Larsson. Tatsächlich werden sich Hammerfall auf alte Stärken besinnen müssen, um ihre Top-Position zu halten.

Die Zeiten haben sich im Musikbusiness grundlegend geändert – und mit ihnen auch die Philosophie und die Einstellung zur Arbeit: Als Hammerfall im Jahr 2009 ihr siebtes Studioalbum NO SACRIFICE, NO VICTORY veröffentlichten, stöhnten viele über den allzu glatten Sound der Scheibe (obwohl diese nichtsdestotrotz in hohe Charts-Regionen kletterte). Es schien, als hätte die Band all jene Qualitäten, die ihnen 1997 zum Durchbruch verholfen haben, komplett vergessen. Damals kam GLORY TO THE BRAVE in den Handel, eigentlich kein klassisches Debüt, sondern ein zum offiziellen Release aufgebretzeltes Demo. Produktionstechnisch kam die Platte kaum über Amateur-Niveau hinaus, überzeugte aber dennoch – und zwar dank ihrer unglaublichen Vitalität und Geradlinigkeit. Hammerfall agierten seinerzeit antizyklisch: Kein Mensch wollte Mitte der Neunziger traditionellen Heavy Metal hören. Doch die Schweden spielten ihn ohne Hemmungen – und rannten auch noch voller Inbrunst in veralteten Klamotten herum. „Es war absolut uncool, Heavy Metal zu mögen. Man tat gut daran, nicht zu erwähnen, dass man ihn sogar selbst spielt“, erinnert sich Bassist Fredrik Larsson, „Doch verdammt, wir trugen mit Stolz Nieten und Leder! Die Leute haben schnell kapiert, dass wir es ernst meinten und keine Comedy-Gruppe waren. Wir zogen unser Ding durch, weil das genau die Art Musik war, mit der wir aufgewachsen sind.“

Das ging lange Jahre gut, doch mit NO SACRIFICE, NO VICTORY gelangten Hammerfall vor zwei Jahren an einen Wendepunkt ihrer Karriere: Die Songs klangen zu durchschnittlich, die Produktion war perfekt, aber völlig leblos. „Schon die Alben vor NO SACRIFICE, NO VICTORY hörten sich viel zu überladen an“, sagt Larsson heute, obwohl er zu diesem Zeitpunkt nicht Teil der Band war. „Es gab viel zu viele Sound-Schichten, die einfach übereinander gestapelt wurden, sodass am Ende alles zu flach klang, viel zu geschliffen. Die Ecken und Kanten fehlten. Auf dem Debüt hatten wir noch das Problem, dass wir unser Temperament kaum zügeln konnten, doch je größer das Produktionsbudget wurde, umso mehr rückte ein möglichst perfektes Ergebnis in den Fokus.“ Man hört es Larsson an: Er, der auf dem Debüt zu hören ist und seit 2007 wieder bei Hammerfall rockt, weiß, dass es Zeit für eine Umkehr war.

Die hat das schwedische Quintett mit ihrer neuesten Veröffentlichung INFECTED offenbar vollzogen. Die Scheibe entstand überwiegend in Eigenregie, für den Mix ging es schließlich in die USA. „Wir haben all dieses tolle Studio-Equipment in unserem Proberaum stehen. Daher wäre es reinste Geldverschwendung, es nicht zu nutzen“, sagt Larsson, „außerdem kennt sich Pontus (Norgren, Gitarrist der Band, Anm.d.A.) bestens damit aus. Daher war die aktuelle Produktion überaus entspannt. Die einzige Unsicherheit bestand darin, dass wir nicht wussten, ob wir wirklich ein gutes Resultat abliefern können, das den Ansprüchen der Fans gerecht wird. Schließlich handelt sich um eine offizielle Veröffentlichung, nicht bloß um ein intern herumgereichtes Demo.“

INFECTED soll also eine Art Neubeginn sein, eine Abkehr vom Schlendrian, der sich in den zurückliegenden Jahren eingeschlichen hat. Jetzt, so Larsson, ist sich die Band endlich wieder ihrer eigentlichen Berufung bewusst. „Als ich vor vier Jahren zu Hammerfall zurückkehrte, waren die Jungs etwas zu bequem und selbstzufrieden. Sie dachten, sie könnten den Elan ihrer Jugend durch ihre gesammelten Erfahrungen wettmachen.“ Ein Irrtum, wie die Musiker heute wissen. Denn eine Metal-Band, die sich auf ihren Lorbeeren ausruht, verliert schnell den notwendigen Biss, wie auch Larsson bestätigt: „Diese Musik lebt immer noch von Begeisterung, vom Hunger und von unbedingter Leidenschaft.“

Matthias Mineur

Symphony X

0

Symphony XStarke Wehen

Mit ihrem jüngsten Album ICONOCLAST setzen SYMPHONY X mehr denn je auf Eigenständigkeit. Marktforscher hätten ihnen allerdings mehr Dringlichkeit empfohlen.

So groß wie in den zurückliegenden Monaten war die Chance einer Wachablösung wohl noch nie: Seitdem Schlagzeuger Mike Portnoy die Prog Metal-Fürsten Dream Theater mit Pauken und Trompeten verlassen und damit für Ratlosigkeit bei Plattenfirma, Management und Fans gesorgt hat, ist die Position des Szene-Olymps scheinbar unbesetzt. Die heißesten Anwärter auf eine legitime Thronfolge wären Symphony X, doch die denken gar nicht daran, in den Wettbewerb einzusteigen: „Ich habe unser Verhältnis zu Dream Theater noch nie als Konkurrenzsituation betrachtet“, erklärt Gitarrist Michael Romeo, „es gibt zwar sicherlich ein paar Ähnlichkeiten, aber insgesamt überwiegen die Unterschiede.“

Mittlerweile ist es ohnehin etwas zu spät, an der bisherigen Hierarchie zu kratzen – denn während das neue Symphony X-Opus ICONOCLAST ein ums andere Mal verschoben worden ist und erst jetzt, rund zehn Monate nach der ursprünglich geplanten Veröffentlichung, offiziell erscheint, haben Dream Theater bereits wieder Fahrt aufgenommen. Für Portnoy ist Mike Mangini gekommen, die Arbeiten am neuen Opus laufen bereits auf Hochtouren. „Für uns spielen all diese Überlegungen sowieso keine Rolle“, legt Romeo noch einmal nach. „Wenn wir auf Dream Theater schielen würden, müssten wir ja auch ein ähnliches Produkt abliefern. Doch davon kann bei ICONOCLAST ja keine Rede sein.“

Nun, das zumindest ist so eindeutig nicht. Symphony X zeigen sich anno 2011 durchaus auf Augenhöhe mit den Kollegen, kompositorisch und handwerklich sowieso. Was da an filigranen Fingerfertigkeiten und Virtuosität zu Tage tritt, hätte so oder ähnlich auch von den Herren Myung, Petrucci oder Rudess stammen können. Doch Romeo geht es um etwas ganz anderes: „Als ich anfing, die ersten Ideen für ICONOCLAST zu sammeln, fiel mir die Ähnlichkeit zu unserem Vorgängeralbum PARADISE LOST auf. Daher suchte ich nach einem neuen Ansatz, nach einer Idee, die sich von unseren bisherigen Scheiben abhebt. Es dauerte einige Zeit, bis ich das richtige Konzept gefunden hatte.“

Der Symphony X-Gitarrist charakterisiert das thematischen Zentrum von ICONOCLAST mit zwei Worten: mechanisch und künstlich. „Ich fing an zu experimentieren, den Song-Bruchstücken ein mechanisches Grundgerüst zu verpassen. Dann schickte ich ein paar Muster-Dateien zu meinen Bandkollegen und fragte sie nach ihrer Meinung. Ihre Reaktionen waren absolut positiv. Von da an war klar, dass die neuen Songs in diese Richtung gehen würden.“
Für Michael Romeo unterscheidet sich ICONOCLAST aber nicht nur in Sachen Grundidee von Scheiben wie eben PARADISE LOST (2007) oder THE ODYSSEY (2002), sondern zusätzlich auch in punkto Sound und Attitüde. „Wir probten die Songs vor dem Studiotermin absichtlich nicht allzu ausgiebig, um uns während der Aufnahmen noch Improvisationsmöglichkeiten offen zu halten. Wir wussten, dass wir den Stücken einen ganz eigenen Charakter verleihen müssen, einen Klang, der nicht so organisch ausfällt wie auf PARADISE LOST, sondern ein eher künstliches Flair hat. Man hört dies vielleicht nicht sofort, aber unterschwellig ist es stets vorhanden.“

Damit erklärt sich auch der Zeitverzug des Albums, obwohl Romeo bereits im Sommer 2009 mit dem Komponieren angefangen hatte: Es waren die langen Tage und Nächte im Studio, die letztendlich dazu führten, dass er das Veröffentlichungsdatum immer weiter nach hinten verschieben musste. Als verschwendete Zeit betrachtet Romeo die harte Songwriting- und Arrangement-Phase aber nicht: „Jeder Tag, ach, jede Stunde im Studio war es wert. Denn es geht mir ja nicht darum, eine andere Band zu übertrumpfen, sondern vielmehr unserer eigenen Geschichte etwas Neues hinzuzufügen. Und das wäre bei einem Schnellschuss kaum möglich gewesen.“

Matthias Mineur