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Red Hot Chili Peppers: Köln, E-Werk

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red-hot-chili-peppers-ellen-von-unwerth-im-with-you-photo-shoot-promotional-photo-005Ziemlich chaotische Weltpremiere – was an den Umständen, aber eben auch an der Song-Auswahl liegt.

Klar, es kann und darf bei der Live-Darbietung von brandneuen Stücken etwas schief gehen – schließlich hat sie die Band eben noch nicht seit Jahren in allen erdenklichen Versionen an Auftrittorten von Vancouver bis Kasachstan performt. Doch die Red Hot Chili Peppers treiben es bei der Bühnenpremiere von I’M WITH YOU wirklich auf die Spitze: Statt die Neuzugänge in ein Programm mit Klassikern einzuweben (was Sicherheit geben, also nicht nur als Spaßgarant für die Fans, sondern auch als Auffangnetz für die Musiker fungieren würde), bringen die Kalifornier das komplette Album von Anfang bis Ende auf die Bretter – lediglich ›Even You Brutus?‹ fehlt –wahrscheinlich, weil diese Nummer, ei­­ne Art Mini-Oper, eben extrem komplex ist.

Aber auch der Rest birgt etliche Stolpersteine: Schon beim Opening-Song ›Monarchy Of Roses‹ liegt Neuzugang Josh Klinghoffer beim Background-Gesang dezent daneben, dann fällt das Mikro von Frontmann Anthony Kiedis aus, zwischen den Stücken gibt es längere, ungewollte Pausen. Die Band wirkt sichtlich verunsichert, führt offene Diskussionen und fügt schließlich kleine Lückenfüller an Klavier nebst Percussions zur Überbrückung ein. Was anfangs noch witzig wirkt – und von Flea mit Sprüchen wie „Ich glaube, ich hab meine Tage“ kommentiert wird. Bis sie ›Happiness Loves Company‹ gleich zwei Mal anstimmen – weil es technische Probleme gegeben hat. Und zwar nicht etwa auf der Bühne, sondern bei der Satelliten-Übertragung in ein paar hundert Kinos rund um den ganzen Globus, in die der Gig live übertragen wird. Das kommt davon, wenn man nicht einfach ein nettes Club-Konzert spielt, sondern in internationalen Marketing-Dimensionen denkt. Die Leidtragenden sind an diesem Abend eindeutig die Fans. Sie erleben zwar eine wunderbare Show mit malerischen Farben, netten LED-Screen-Animationen und einer Band, die optisch noch sehr passabel anmutet.

Aber: Mit ›Me & My‹ und ›Give It Away‹ lediglich zwei magere Nummern aus dem umfangreichen Backkatalog zu präsentieren, ist einfach zu wenig. Denn Satelliten-Übertragung, Album-Promotion & Co. schön und gut: Am Ende des Tages ist und bleibt ein Live-Gig nun mal ein Live-Gig – mit Fans, die jubeln und feiern wollen. Und wenn eine Band wie die Red Hot Chili Peppers kein ›Californication‹, kein ›Under The Bridge‹ und kein ›Higher Ground‹ ins Set integriert, sorgt das dann doch für einen etwas schalen Nachgeschmack.

Subway To Sally

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SVBWAY TO SALLY Presse 2Es sieht aus wie das „schwarze Album“ einer Band, die in den letzten 20 Jahren eine der unwahrscheinlichsten Musikrichtungen, mittelalterlichen Folk-Rock oder -Metal, in die obersten Chartsregionen geführt hat. Aber SCHWARZ IN SCHWARZ, das neue Subway To Sally-Werk, ist das genaue Gegenteil von Metallicas be­­rühmtem Album: eine Rückbesinnung auf alte Tugenden, eine Abkehr von der ewigen Suche nach mehr Erfolg – was keineswegs heißt, dass er sich nicht doch einstellt, be­­trachtet man die Güte der neuen Songs.

„Es sind nach dem BASTARD ein paar Dinge geschehen, die aus unserem Haufen wieder mehr eine Band gemacht ha­­ben“, erklärt Sänger Eric Fish. „Heute herrscht mehr Intimität, mehr Freundschaft unter uns. Ausschlaggebend war unter anderem unsere China-Reise. Da waren die ganzen Frauen auch mit dabei, wir verbrachten viel Zeit miteinander, ohne jeden Abend ein Konzert zu spielen. Dabei ist viel gesprochen worden – und diese Offenheit und Diskussionsfreude haben wir in die Produktion für dieses Album retten können.“

Diskussionen, die zu klaren Ergebnissen führten: „Es ist unser elftes Album, wir werden nicht jünger, also mussten wir neu festlegen, wer wir sind und was wir wollen. Heraus kam nicht etwa eine klare Zielvorgabe – mal wieder ein richtiges Subway To Sally-Album machen –, sondern vielmehr der Wille, es einfach fließen zu lassen und, ganz wichtig, nicht mehr darauf zu schielen, wie wir größer und erfolgreicher werden könnten.“ Der Fluch des Erfolges, den man nie erreicht hat: Subway To Sally sind beileibe keine kleine Band, aber Eric ist da ganz offen: „Wir sahen uns immer in Stadien spielen, weil wir glaubten, dass wir das verdient haben. Das war Gift für die Kreativität.“

SCHWARZ IN SCHWARZ klingt nicht nur extrem nach klassischen Subway To Sally (also ca. HOCHZEIT), es steckt auch extrem viel Subway To Sally drin, denn alle Songs entstanden in Kollaboration. Den einen Mann, der die Richtung vorgibt (zuletzt in der Regel Gitarrist Ingo Hampf), gibt es in dieser Form nicht mehr. „Ingo bleibt unser musikalischer Mastermind“, erklärt Eric, „aber seine Handschrift ist nicht mehr so dominant. Andererseits wäre es idiotisch, seine Kenntnisse an der Gitarre und was etwa Stimmsatz betrifft, nicht zu nutzen. Ingo ist aber niemand, dem man einfach einen Auftrag erteilen kann, so nach dem Motto ,Mach das mal schön!‘ Der muss schon Feuer fangen!“

Begeisterung und Harmonie, selten gehörte Worte zum Thema Bandchemie, trieben die Songs von SCHWARZ IN SCHWARZ zur Vollendung, so Eric. Dabei trafen sich immer wieder kleine Kreativgruppen aus zwei oder drei Musikern, um an Details zu tüfteln. Die Logistik der Aufnahmen ist deutlich komplexer als das Klischee des „Erst im Proberaum üben, dann ab ins Studio“. „Wir sind mittlerweile unsere eigenen Herren, haben eine eigene Plattenfirma“, erläutert Eric. „Es klingt vielleicht aufwendig, dieses Arbeiten in Kleingruppen und verschiedenen Studios, aber es war die effektivste Methode, dieses Album in der von uns vorgegebenen Zeit abzuschließen.“

Kristallisationspunkt des neuen bzw. alten Subway To Sally-Sounds, erklärt Eric, war der Opener ›Das schwarze Meer‹: „Damit hatten wir ein Statement und eine Richtlinie für die ganze Platte. Bei uns kommen ja meist die Texte zuerst, und der Text von ›Das schwarze Meer‹ beendete eben genau dieses Schielen nach Erfolg, sondern machte uns klar, dass wir wissen, wo wir hingehören: in die schwarze Szene. Der Song beschreibt, wie es ist, auf der Bühne zu stehen und auf diese Fans herunterzublicken.“

Was nun aber nicht bedeutet, dass alle Stücke auf SCHWARZ IN SCHWARZ der Verbrüderung frönen. Im Gegenteil: „Wir waren noch nie eine Schunkelband – und werden auch gewiss nie eine werden“, betont Eric. „Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, merkt sicher, dass es wenig Fröhliches zu besingen gibt, also tun wir es auch nicht. Sicher, die Liebe bleibt immer, aber wir sind erwachsene Menschen und sehen den ganzen Mist, der sich überall auftürmt. Das Album ist düster, düsterer sogar als unsere anderen Alben – und es war nicht immer einfach für mich, diese Worte zu singen. Bei ›Mir allein‹ etwa, dem Song über diesen wahnsinnigen Typen, der ein Kind entführt, einsperrt und missbraucht, habe ich mich erst gesträubt, das in der Ich-Perspektive zu singen. Aber anders hat es keine Kraft.“

Ringo Starr: Frankfurt, Jahrhunderthalle

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Ringo StarrDieser Abend macht vor allem eines klar: Ringo und die Band sind viel zu jugendlich fürs Altenteil.

Die augenzwinkernde Drohung fruchtet: „Wenn ihr den Song nicht mitsingt, dann beende ich sofort das Konzert“, droht Ringo mit spitzbübischem Grinsen und kontert die vielen „Ringo“-Rufe mit einem stoischen „Yes, that’s my name!“. Starrs ironisch-knappe Kommentare klingen, als hätte er sie sich schon zu Zeiten einverleibt, als er noch als Schlagzeuger bei Rory Storm & The Hurricanes in den frühen sechziger Jahren agierte, bevor er als Ersatz-Beatle für den unglückseligen Pete Best auserkoren wurde. Jetzt, mit 71 Jahren, die man dem jugendlich schlanken Briten mit dunklem Haarschopf und Bart nicht an­­sieht, zehrt er noch immer vom Ruhm jener Jahre.

Angegraut präsentiert sich jedoch das schon vor Beginn reichlich ergriffene Publikum, das in den komplett bestuhlten Sitzreihen der nahezu ausverkauften Halle Platz genommen hat und hofft, mit zwei vollen Stunden Beatles-Nostalgie auf seine Kosten zu kommen. Ein Kessel Buntes gewissermaßen, ordentlich durchgerührt, mit Ringo Starr als eloquentem Gast- und Stichwortgeber, der charmant von einem zum anderen Kollegen überleitet und zwischendurch immer wieder mal auch noch das eine oder andere Späßchen macht: „This is a song I used to do with another band I was in“, kalauert er gleich zweimal.

Beim ersten Mal serviert er flott ›I Wanna Be Your Man‹, eine Komposition von Lennon/McCartney, die von den Rolling Stones 1963 als zweite Single veröffentlicht wurde. Das zweite Mal ist es das ungestüme ›Boys‹: „Das sang ich einst schon bei Rory Storm“, weiß Ringo im dunklen Glitzer-Sakko zu berichten. Besser präsentiert sich Ringo Starr, wenn er tatsächlich Ringo Starr interpretiert und niemanden sonst: Majestätisch melodiös mit ›It Don’t Come Easy‹ zum Auftakt, kraftvoll verrockt in ›Back Off Boogaloo‹, humorvoll verkitscht bei ›Photograph‹ und ganz schön wehmütig bei der brandneuen Komposition „The Other Side Of Liverpool“.

Nicht ganz so stark geraten weitere Beatles-Reminiszenzen: ›Yellow Submarine‹ atmet lediglich Bierzelt-Atmosphäre, ›Act Naturally‹ gerät zum clownesken Country-Kleinod und mit dem behäbig-tapsigen ›With A Little Help From My Friends‹ zum Finale dankt er nicht den Fab Four, sondern seinen sechs Kollegen, denen auch der famose Drummer Gregg Bissonette angehört. Mit Victory-Zeichen, einem Lächeln auf den Lippen und John Lennons ›Give Peace A Chance‹ verabschieden sich die Veteranen, die fürs Altenteil tatsächlich noch viel zu jugendlich wirken.

Hole In The Sky: NO-Bergen, Logen/Garage/USF Verftet

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Hole-in-the-Sky-Bergen-Metal-Fest-2012Fulminanter und doch trauriger Abschied: Norwegen hat fortan ein Top-Rock-Event weniger.

Neben dem niederländischen Roadburn-Festival ist das nor­­­­wegische Hole In The Sky ein In­­door-Event, das Freunde extremer und zugleich außergewöhnlicher Klänge bereits Monate im Voraus als Pflichtveranstaltung schwarz im Kalender angemarkert haben. In diesem Jahr ganz besonders, denn das Vier-Tage-Festival findet zum letzten Mal statt. Grund dafür ist der Umbau der zentralen Veranstaltungshalle USF Verftet. Folglich ist der Ansturm auf die 2.500 Tickets heftiger denn je.

Das speziellste Konzert findet direkt zum Auftakt statt, und zwar nicht wie gewöhnlich im kultig-abgeranzten Keller des Clubs „Ga­­ra­­ge“, sondern in edlem Ambiente. Wardruna laden zu einer ihrer ra­­ren Shows – und sie spielen da­­bei im „Logen“-Theater, einem alt-erwürdigen Bau mit Stuckdecken, schweren Samtvorhängen und gigantischen Lüstern. Hier hat bereits Edvard Grieg Konzerte gegeben. Heute nehmen hier 400 Metal-Fans Platz, um dem ersten Gig von Wardruna in ihrer Heimatstadt beizuwohnen. Der Kontrast wirkt bizarr: Nietenjacken, schwarz-weiße Band-Shirts mit krakeligen Schriftzügen, schwere Bikerboots – und das inmitten des Ambientes, das eigentlich nach Abendrobe, Pelzmänteln und Wein aus teuren Kristallgläsern schreit. Stattdessen gibt es Bier – und eine Band, die es sich zum Ziel gesetzt hat, ihre kulturellen Wurzeln möglichst authentisch zu vertonen. Mit klassischer Rockmusik hat das nichts zu tun – eher mit Schamanismus. Denn Wardruna haben sich der nordischen Folklore und den heimischen Traditionen mit Haut und Haaren verschrieben. Band-Chef Kvitrafn, der ehemals als Drummer bei den Finsterlingen Gorgoroth gewütet hat, ist durch jahrelange Studien zu einem Experten in Sa­­chen Runen geworden. Und so ist es nur konsequent, dass er alle Ver­­öffent­­lich­­ungen des Projekts als Teil des großen Ganzen be­­trachtet und jeder Platte jeweils acht Runen des älteren Futhark wid­­met bzw. widmen will, denn die Trilogie ist noch nicht vollendet. Zudem baut der Norweger auch seine Instrumente selbst, Steine, Wurzeln, Häute und Knochen sind also essenzielle Elemente einer jeden Wardruna-Show.

So auch heute. Und vor allem in Kom­bi­nation mit der introvertierten, konzentrierten Performance, bei der allein die Musik im Mittelpunkt steht, tragen solche Details dazu bei, die Show noch authentischer wirken zu lassen. Kvitrafn, der nicht nur von seinen beiden wichtigsten Kreativ-Partnern Lindy Fay Hella und Gaahl am Gesang unterstützt wird, sondern mit einer ganzen Musiker-Armada auf der Büh­­ne steht, ist Dreh- und Angelpunkt des Auftritts, wenngleich auch Gaahl durch seine düster-erhabene Aura zahlreiche bewundernd-ehrfürchtige Blicke des Auditoriums erntet. Nach rund der Hälfte des Sets löst sich auch merklich die Spannung – und zwar sowohl auf als auch vor der Bühne. Wardruna spielen sich befreit in den Rausch der Runen, und die Zuschauer trauen sich auch endlich, die Stille nach dem Ende eines Songs mit Applaus zu füllen. Ein denkwürdiger Abend, für die Lokalhelden ebenso wie für das Publikum.

Wacken Open Air: Wacken, Festival-Gelände

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wacken-2011-lineup-2-605x853Zwar spielen hier inzwischen auch Größen wie Ozzy, Priest & Co. – der Star ist aber immer noch das Festival.

Es hat sich langsam entwickelt und ist nach und nach zum Kult geworden: Das Wacken Open Air zieht am ersten Augustwochenende knapp 80.000 Menschen ins norddeutsche Hinterland. Der Grund für die Euphorie der Fans sind natürlich die Bands, aber eben auch das gesamte Drumherum, die Atmosphäre, das gemeinsame Feiern mit Gleichgesinnten.

In den vergangenen Jahren hat dieser Aspekt sogar noch zugenommen – seit auch die Mainstream-Medien erkannt haben, dass es sich eben nicht um eine Freak-Veranstaltung, sondern ein ernstzunehmendes Event handelt, das party- und auch zahlungskräftiges Klientel anzieht. Demzufolge ist auch das Publikum nicht mehr dasselbe, das es vor fünf Jahren war: Neben dem Nachwuchs, der seither dazugekommen ist, schlagen auch viele „Rock-Touristen“ ihre Zelten in Wacken auf, weil sie dieses spezielle Flair einmal hautnah erleben müssen. Zudem wird auch für sie einiges geboten: Das Wackinger-Dorf mit seinen mittelalterlich anmutenden Ständen beispielsweise ist größer denn je, zudem wird dort auch mehr Live-Sound als früher geboten.

Auf dem eigentlichen Festival-Areal, wo sich die vier Hauptbühnen befinden, bietet sich jedoch das gewohnte Bild. Viele alteingesessene Kuttenträger lassen sich ihren alljährigen Urlaub im Riff-Mekka nicht nehmen. Zumal in diesem Jahr Ozzy Osbourne aufspielt – und selbst wenn der Prince Of Darkness nicht mehr in der Topverfassung ist, so gibt er sich doch redlich Mühe und hat nach wie vor unsterbliche Hymnen im Ge­­päck – nicht nur Sabbath-Klassiker wie ›War Pigs‹ oder das finale ›Paranoid‹, die die Zehntausenden vor der Absperrung zum Kreischen und Grölen bringen, sondern auch die eigenen Hits. ›Mr. Crowley‹ ist und bleibt ein Dauerbrenner, ebenso wie ›Suicide Solution‹ oder ›Bark At The Moon‹. Selbst die Ballade ›Mama, I’m Coming Home‹ kommt bei den Fans an, auch Slayer-Patch- und Killernieten-Fetischisten haben ein Herz für den Song. Weniger lustig finden zumindest die Rocker in den Frontreihen Ozzys Schaumkanoneneinsatz, der – wie schon bei den Hallen-Gigs – sehr früh im Set eingesetzt wird. Und als wäre das noch nicht genug, schickt Osbourne später noch ein paar Eimerladungen Wasser hinterher.

Von derartigen Animationssperenzchen halten die Acts, die die Massen heute für Ozzy warm gespielt haben, nur wenig. Zu den „Animateuren“ zählen nämlich in diesem Jahr keine Geringeren als Helloween und Blind Guardian. Während die Norddeutschen es heute schwer haben, die Leute in Stimmung zu bringen, läuft es bei den Krefeldern rund. Kein Wunder, denn im Grunde gibt es kaum ein perfekteres Publikum für Guardian als die eingefleischten Riff-Liebhaber, die sich hier versammelt haben und anscheinend den kompletten Backkatalog im Kopf haben. Mehr Singalongs geht kaum – der Wacken-Hymnen-Orden geht in diesem Jahr eindeutig an Hansi Kürsch & Co.

Was durchaus etwas heißen will, denn immerhin gibt es 2011 etliche harte Konkurrenten im Rennen um diese Auszeichnung. Judas Priest sind ebenfalls am Start – wenngleich sie erst einen Tag später aufspielen, nämlich am Freitagabend. Und selbst wenn Rob Halford und seine Crew den Wechsel an der Gitarre erstaunlich gut überstanden haben und in der Tat ihre Leidenschaft für die Bühne noch einmal intensivieren konnten: Gegen die Sympathien, die Blind Guardian am Vortag entgegengeschlagen sind, kommen selbst sie nicht an – daran ändert auch die Mega-Gänsehaut-Version von ›Touch Of Evil‹ nichts.

Natürlich sind das bei Weitem nicht alle Bands, die auch das Wacken Open Air 2011 wieder zu einem besonderen Event gemacht haben. Denn ein Festival wie dieses ist nicht nur zum Abrocken bei den etablierten Acts wie den famosen Motörhead gedacht, sondern weckt bei vielen auch Entdeckergelüste. Und so werden wir eine Band wie Ghost im nächsten Jahr vielleicht auf einer größeren Bühne wiedersehen.

Fifa 12

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FIFA12Mit Realismus, Dynamik und Individualität zur Meisterschale.

Wie lässt sich nahezu perfekter Fußball optimieren? Der FIFA 12-Zauberbegriff lautet „Realismus“. Zum einen sorgt die „Player Impact Engine“ für noch dynamischeres Ball-, Pass-, Zweikampf- und Verletzungsverhalten, zum anderen hat die Intelligenz computergesteuerter Teamkameraden und gegnerischer Mannschaften zugenommen. Um Letzteren Herr zu werden, greifen Be­­nut­­zer auf neue Taktiken zurück: Die „Precision Dribbling“- und „Tactical Defending“-Mechaniken machen ih­­­ren Namen mit körpernäheren Ballführungen sowie exakteren Ge­­schwin­­dig­­keits­­kontrollen und umfangreicheren Abwehrtaktiken alle Ehre. FIFA 12 gewichtet Positionsspiel, Tacklings und Passdiebstähle ebenso hoch wie Angriffe und bietet das bislang ausgewogenste Verhältnis aus offensivem und defensivem Gameplay. Dank stärkerer Berücksichtigung von Spielergrößen, -staturen und -gesichtszügen unterscheiden sich Podolski, Hummels und Konsorten deutlicher voneinander: Die mit ihren realen Fähigkeiten ausgestatteten Dribbelkönige steuern sich völlig individuell und beziehen eigene sowie Mitspielerattribute in Entscheidungen ein. EAs Kick-Primus wirft traditionsgemäß mit konkurrenzlosen Li­­zenzen (über 500 Original-Mannschaften und 15.000 Spieler), edler Grafik-/Klangkulisse und für Anfänger wie Experten sauber konfigurierbarer Bedienung um sich. Auch eine frische Standard-Kameraperspektive, übersichtlichere Menüs und diffiziler gestaltete Zu­­schauer beweisen offene Ohren für Fankritik. Zahlreiche Modi, Editorfunktionen (u.a. las­­sen sich Spieler mit Fotos und Einmarsch-/Torhymnen mit Lieblingsliedern ausstatten) und Bezüge zu ak­­tuellen Ereignissen erhöhen die Dauermotivation zusätzlich: Hangelt die Lieblingsmannschaft aufgrund suboptimaler Spielerkonditionen in der Wirklichkeit am Tabellenende, trabt sie auch im überarbeiteten Karriere-Modus unmotiviert über virtuelles Grün.

Ob Spieler- oder Manager-Karriere, Kon­­solen-Turniere mit maximal sieben Freunden oder Online-Bolzereien mit bis zu 22 Rasen-Athleten: FIFA 12 schreibt authentische, herausfordernde Partien groß.

Steve Earle – I’LL NEVER GET OUT OF THIS WORLD ALIVE

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Earle, SteveEin Roman-Einstand nach Maß: Das Buch liest sich, als hätte der Country-Sänger schon Dutzende Bücher verfasst.

Als Americana-, Country- sowie Folk-Songwriter ist es Steve Earle schon gelungen, sich in unsere Herzen zu spie­­len bezie­­hungsweise zu singen – nun hat er sich auch hinein­­ge­­schrieben. Sein erster Roman dreht sich um Doc: einen Morphium-abhängigen Arzt, der seine Zulassung verloren hat, sich deswegen mit medizinischen Hilfstätigkeiten im Armenviertel der texanischen Stadt San Antonio durchschlagen muss und zu allem Überfluss auch noch von Hank Williams’ Geist verfolgt wird. Wobei: Eigentlich erscheint der Country-Haudegen dem Protagonisten Doc nur, wenn dieser sich einen ordentlichen Schuss verpasst hat. Am Hals hat er Williams, weil er ihm in dessen Todesnacht Morphium verabreicht und nicht gemerkt hat, dass sich Hank heimlich Hochprozentiges eingeflößt hatte. Abwechslung in Docs Leben bringt eines Tages Graciella – ein ausgestoßenes Mädchen, bei dem er eine Abtreibung vornimmt und das fortan bei ihm wohnt. Dem alten Hank gefällt es allerdings gar nicht, dass Doc so einen Narren an Graciella gefressen hat. Eine Situation, die Earle nicht treffender hätte umschreiben können als mit dem Titel eines Williams-Songs von 1952: ›I’ll Never Get Out Of This World Alive‹. Der „Nach­­wuchsautor“ überzeugt mit abgründigem Humor und einem untrüglichen Gespür für seine Figuren.

Queen – LIVE AT WEMBLEY STADIUM 25TH ANNIVERSARY EDITION

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Layout 1Das Jahr der Queen-Mega-Veröffentlichungen neigt sich dem Ende zu. Jetzt gibt’s noch ein Show-Spektakel der Superlative.

Mochten die Alben von Queen Mitte der Achtziger immer auch mehr in kühler Elektronik, verkitschtem Pathos und opulenter Extravaganz versinken – als spektakuläres Bühnenereignis verdiente das Londoner Quartett nach wie vor das Prädikat „be­­sonders wertvoll“. Neben dem legendärem Gig im Sommer 1976 vor mehr als 150.000 Zu­­schauern im Londoner Hyde Park oder der Show bei Live Aid 1985 (als absolutes Glanzlicht unter zahllosen Rocklegenden, wie Bob Geldof nach globalem Marathon nicht müde wurde zu betonen) dürften die beiden ausverkauften Shows vom 11. und 12. Juli 1986 im Wembley Stadium wohl zu Recht den Höhepunkt der Queen-Saga bilden. In aufgekratzter Spiellaune und mit einem auf „Macho Man“ getrimmten Freddie Mercury, der die Massen wie Oliver Crom­­well, Sir Francis Drake und Admiral Nelson in Personalunion dirigiert, brettert sich die erhabene Band durch die kompletten 28 Songs des zweiten Spieltags auf LIVE AT WEMBLEY STADIUM 25TH ANNIVERSARY EDITION. Vor allem die Songauswahl, eine Mixtur aus Bewährtem (›Sevens Seas Of Rhye‹, ›Tie Your Mother Down‹, ›Now I’m Here‹, ›Bohemian Rhapsody‹), seinerzeit Aktuellem (›One Vision‹, ›A Kind Of Magic‹, ›Radio Ga Ga‹, ›I Want To Break Free‹), famosen Rock’n’Roll-Oldies wie ›Hello, Mary Lou‹, ›Tutti Frutti‹ und ›(You’re So Square) Baby I Don’t Care‹ sowie Shirley Basseys Gassenhauer ›Big Spender‹, zündet famos. Voll zur Geltung kommt Mercurys gigantische Bühnenpersönlichkeit mit den ganz großen Gesten. Komplett überarbeitet wurde nicht nur das von Regisseur Gavin Taylor mittels 15 Kameraleuten und einem Helikopter für ex­­­klusive Luftaufnahmen gelieferte Bildmaterial, sondern auch der Stereo-Mix samt 5.1. Sound, der sich in der Limited Deluxe Version auch auf die beiden zu­­sätzlichen CDs ausweitet. Als Bonus fun­­gieren das bislang unveröffentlicht ge­­bliebene komplette Konzert vom verregneten Freitag, „The Magic Tour“, ein ak­­tuelles Feature mit Interviews von Brian May und Roger Taylor, „The Wembley Weekend“ von 2003 sowie „Rehearsal“, die heimlich gefilmten Proben für die „Magic“-Tour.