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Jethro Tull – AQUALUNG 40TH ANNIVERSARY EDITION

Jethro TullEine Ode auf die Armut: Jethro Tulls zeitlos-aktueller Meilenstein.

„Living In The Past“ war das Motto, das Chefideologe Ian Anderson und seine unübersichtliche Heerschar an Mi(e)tmusikern seit Jethro Tulls Gründung 1967 verinnerlicht hatten: Ob sie nun ihren Bandnamen einem im 17. Jahrhundert geborenen englischen Agronomen entliehen, auf dem Cover ihre Debüts als alte Männer posierten oder aber im authentischen Charles-Dickens-Outfit auf den Spuren der Music Hall wandelten: Stets haftete dem Quintett ein Hauch Altertümlichkeit an. Drei Werke mit zuweilen harscher Gesellschaftskritik, THIS WAS, STAND UP und BENEFIT, lagen schon hinter der Band, als in neuer Besetzung mit Keyboarder John Evan und Bassist Jeffrey Hammond im März 1971 jenes Album erschien, das mit über sieben Millionen Exemplaren als ihr bestverkauftes Werk gilt.

Zum Jubiläum gibt es AQUALUNG in der 40TH AN-NIVERSARY EDITION nun im originalen LP-Format von 1971 mit Klapp-Cover, neuer Abmischung, Doppel-CD voller Raritäten sowie 5.1.-Versionen auf DVD und Blu-ray mit zusätzlichen Überraschungen. Nicht zu vergessen: das 48-seitige Buch mit Fotos und Anekdoten rund um die Produktion, Tour-Broschüre, sämtlichen Texten und einem Tourneeplan der Jahre 1970/71.

Doch was unterscheidet AQUALUNG von formal und handwerklich ebenso ausgezeichneten Werken wie STAND UP, WAR CHILD oder TOO OLD TO ROCK’N’ROLL, TOO YOUNG TO DIE? Schon auf ihren früheren Alben überblendeten Jethro Tull Rock, Blues, Klassik, Folk, Vaudeville und Psychedelic. Das von Ian Anderson und Terry Ellis kristallklar produzierte AQUALUNG setzte auf mehr Akustikpassagen (›Cheap Day Re-turn‹, ›Wond’ring Aloud‹, ›Up To Me‹, ›Slipstream‹), brillierte aber auch mit einer Eingängigkeit, die den Zugang zu kommerziellen Radiosendern sicherte. Vor allem die mit Hard-Rock-Riffs verfeiner-ten Tracks ›Locomotive Breath‹, ›Hymn 43‹, ›Wind Up‹ sowie der Titelsong sorgten auf dem Höhepunkt der Progressive-Rock-Ära für massenhaften Zulauf. Nicht zuletzt waren und sind es aber Ander-sons zeitlos-aktuelle Themen, die Interesse wecken, sei es materielle Unterprivilegierung (›Cross-Eyed Ma- ry‹, ›Mother Goose‹) oder harsche Religionskritik (›My God‹, ›Wind Up‹), die vor allem in den USA für heftige Kontroversen sorgte.

Savatage – HALL OF THE MOUNTAIN KING / HANDFUL OF RAIN / POETS & MADMEN / LIVE IN JAPAN / GHOST IN THE RUINS

0207129ERE Savatage Mountain King Booklet-12s.inddWarum einfach, wenn es auch kompliziert geht: die Kunst des Konzeptwerks.

Savatages verwegen-verworrene Band-Biografie, mehrere Stilwechsel und der Tod eines wichtigen Gründungsmitglieds bo-ten im Laufe von 30 Jahren reichlich Stoff für die Legendenbildung. Nach SIRENS, THE DUN-GEONS ARE CALLING, EDGE OF THORNS, THE WAKE OF MAGELLAN und der Best-Of-Zusammenstellung STILL THE ORCHESTRA PLAYS erscheinen nun weitere Neuauflagen der Originalalben.

Ein Paradigmenwechsel steht 1987 an, als mit HALL OF THE MOUNTAIN KING das dritte von insgesamt neun Werken für das Label Atlantic und das erste mit gezeichnetem Cover-Artwork von Gary Smith erscheint. Fortan begibt sich das Ensemble unter die Fittiche von Produzent Paul O’Neill, der in den kommenden Jahren zum Mentor und Bandmitglied avanciert und maßgeblichen Anteil daran hat, dass das bislang bevorzugte Schwermetall-Stilgemisch rasch künstlerisch hochwertigerem Progressive Power Metal weicht. Wesentlich komplexer und mit Anleihen bei der Klassik spricht die Band aus Tampa, Florida, mit Hymnen wie ›24 Hours‹, ›Beyond The Doors Of The Dark‹ und ›White Witch‹ nun ein deutlich reiferes Publikum an. ›Prelude To Madness‹, das ›Mars, The Bringer Of War‹ von Gustav Holsts PLANETEN-Zyklus verarbeitet, sowie der Titelsong, angelehnt an Edvard Griegs ›In The Hall Of The Mountain King‹ aus der PEER GYNT SUITE, funktionieren fabelhaft als Metal-Classic-Hybriden.

Für HANDFUL OF RAIN aus dem Jahr 1994 teilen sich Keyboarder Jon Oliva, der seinen Sängerposten aufgrund von Stimmproblemen mittlerweile an Zachary Stevens abgetreten hat, und Paul O’Neill den Produzentensessel. Savatage, die nach dem fremdverschuldeten Unfalltod von Gitarrist Criss Oliva noch unter Schock stehen, widmen sich mit dem neuen Gitarristen Alex Skolnick eher nachdenklichen bis düsteren Themen. Etwa dem japanischen Diplomaten Chiune Sugihara (›Chance‹), der während des zweiten Weltkriegs Tausende jüdischer Flüchtlinge mit Ausreise-Visa vor dem sicheren Tod rettete. In ›Castles Burning‹ setzen sie dem 1992 von der Mafia liquidierten Politiker Giovanni Falcone ein Denkmal, mit ›Alone You Breathe‹ verabschieden sie sich schließlich von Criss Olivs.

POETS AND MADMEN, Savatages elftes und letztes Studioalbum und das erste für Nuclear Blast, basiert auf der Biografie des schwarz-afrikanischen Journalisten Kevin Carter, der leidenschaftlich gegen die Apartheid kämpfte und sich 1994 im Alter von 33 Jahren das Leben nahm. Erstmals seit STREETS: A ROCK OPERA übernimmt nach dem Ausscheiden von Zak Stevens wieder Jon Oliva den Gesang. Ebenfalls zum ersten Mal empfiehlt sich Gitarrist Chris Caffery, der den zu Megadeth übergewechselten Al Pitrelli auf hochwertigen Songs wie ›Man In The Mirror‹, ›Morphine Child‹ und der Sing-le-Auskopplung ›Commissar‹ ersetzt, die aber noch in Teilen von Pitrelli selbst eingespielt wurden. Zum Paket zählen auch zwei Konzertmitschnitte:

Mit der letzten Show ihrer HANDFUL OF RAIN-Tour, aufgezeichnet am 12. November 1994 in Kawasaki, präsentiert LIVE IN JAPAN Savatage auf dem kreativen Zenit mit einem ausgezeichneten Zak Stevens im Mittelpunkt. GHOST IN THE RUINS, das nur wenige Monate später im Dezember 1995 aufgelegt wird, trägt den programmatischen Untertitel A TRIBUTE TO CRISS OLIVA. Die ausschließlich in den USA mitgeschnittenen Songs stammen aus den Jahren 1987 bis 1990.

HALL OF THE MOUNTAIN KING: 9
HANDFUL OF RAIN: 9
POETS & MADMEN: 9
LIVE IN JAPAN: 7
GHOST IN THE RUINS: 6

Sarah Lee Guthrie & Johnny Iron

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Sarah Lee Guthrie„Wir haben richtig hart gearbeitet“, stellt Sarah Lee Guthrie klar und bereitet damit allen möglichen Spekulationen, sie und Ehemann Johnny I­ri­on hätten sich seit ihrem letzten Studioalbum EXPLORATION von 2005 auf die faule Haut gelegt, ein Ende. Das Paar war live un-­ter­wegs (als Teil der „Guthrie Family Rides Again“ mit Sarahs Vater Arlo), hat das Kinder­album GO WAGGALOO aufgenommen, die Live-DVD FOLK SONG veröffentlicht, ihre beiden Töchter großgezogen und ist von South Carolina nach Berkshires in Massachussetts umgezogen. „Wir haben sogar ein Haus gebaut“, ergänzt die 32-Jährige. „Wir waren auch in South Carolina sehr kreativ, aber jetzt schweben wir in ganz anderen Sphären. Vor unserem Umzug hatten wir tatsächlich angefangen, eine Platte aufzunehmen, aber es machte einfach keinen Sinn.“ Klar, mit so vielen anderen Dingen auf der To-Do-Liste. Dieses Mal klappte es jedoch – und so steht nun BRIGHT EXAMPLES in den Plattenläden. Bei dessen Produktion wurde das Duo tatkräftig von den Mitgliedern der Folk-Band Vetiver unterstützt, allen voran Andy Cabic und Thom Monahan. „Ich bin durch Gary Louris von den Jayhawks auf Vetiver gestoßen“, erzählt Johnny Irion. „Ich habe mich in all ihre Alben verliebt und wollte unbedingt, dass wir mit Andy Cabic, seiner Band und Gary Louris Musik machen.“

Markéta Irglová

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Marketa's Band iPhone - 82Als gerade mal 23-Jährige hat Markéta Irglová schon einige Lorbeeren anhäufen können: Mit dem Low-Budget-Film „Once“ machten sie und Leinwandpartner Glen Hansard sich nicht nur einen Namen, das Soundtrack-Stück ›Falling Slowly‹ räumte 2007 sogar einen Oscar als „Bester Song“ ab. Zu- sam­men mit Musikerpartner Hansard formierte Irglová dann das Duo The Swell Season, veröffentlichte 2009 die Platte STRICT JOY und tourte durch die Welt. Danach stand erstmal eine Auszeit auf der Tagesordnung: „Ich bin in ein Haus in Irland gezogen, das lag am Meer, am Ende der Welt. Das war genau das Richtige für mich, denn auf der Swell Season-Tour hatte ich dauernd Menschen um mich. Alleine zu sein, war das, was ich brauchte.“ Bald langweilte sich die gebürtige Tschechin jedoch und fing an, Lieder zu schreiben. Was ihr fehlte, waren andere Musiker, die die Songs zum Leben er-weckten. Also beschloss sie, dass es Zeit war für einen Ortswechsel. „Ich überlegte, welche Städte ich mag und wo ich mich wohl fühlen würde – New York schien die Antwort auf diese Frage zu sein.“ Im Big Apple traf sie dann auch die Leute, die sie bei ihrem Solodebüt ANAR unterstützen: den Clubbesitzer Zohreh Shayesteh und den persischen Percussionisten Aida Shahghasemi. Das Material auf ANAR hat laut Irglová einen deutlich weiblicher Charakter als die Swell Season-Songs: „Ich mag Musik, die wohltuend und harmonisch ist, während Glen sehr leidenschaftlich, feurig und dynamisch sein kann. ANAR fehlt dieser maskuline As-pekt, aber das ist okay.“ Finden wir auch.

Bush – Der zweite Anlauf

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Zehn Jahre beschränkte sich Gavin Rossdale auf die Rolle des Tennis spielenden, Nachwuchs zeugenden Göttergatten von Pop-Ikone Gwen Stefani. Jetzt hat der Wahl-Kalifornier seine Post-Grunge-Kapelle Bush reformiert – und will an Alben wie 16 STONE, RAZORBLADE SUITCASE und THE SCIENCE OF THINGS anknüpfen, die sich in den 90er Jahren wie geschnitten Brot verkauften. CLASSIC ROCK traf den Exil-Briten in Los Angeles.

Bush 2011 (1)Gavin, warum ein Bush-Comeback? Ist es dir zuhause auf der Couch dann doch zu langweilig geworden?

(lacht) Eigentlich war ich in der Zeit aktiver denn je. Ich habe ein Solo-Album gemacht, in Filmen mitgewirkt und ständig live gespielt. Trotzdem meinen die Leute, ich hätte auf der faulen Haut gelegen. Einfach, weil sie mich immer auf irgendwelchen Fotos mit meiner Frau und meinen Kindern sehen und denken: Der genießt das süße Leben. Scheiße Mann, ich habe hart geschuftet. Und ich versuche schon seit acht Jahren, die Band zu reformieren.

Warum ist es nie soweit gekommen?

Weil Nigel (Pulsford, Gitarre – Anm.d.R.) keine Lust aufs Touren hatte. Und Dave (Parsons, Bass – Anm.d.R.) lange überlegt hat, ob er mitmachen soll. Um ehrlich zu sein, ärgere ich mich sehr darüber, dass ich die ganze Zeit auf sie gewartet habe. Ich hätte viel früher reagieren sollen. (Rossdale hat Pulsford und Parsons letztlich mit Chris Traynor und Corey Britz ersetzt – Anm.d.R.) Denn es war ein Riesenfehler, dass wir damals – 2002 – einfach aufgehört haben. Nur: Nach den Anschlägen von 9/11 war halt keine gute Zeit für eine Rockband namens „Bush“. Insofern war es nicht verkehrt, erst einmal eine Pause einzulegen. Aber ich hätte nie gedacht, dass sie zehn Jahre dauern würde. Denn ich habe mich immer nach der Band gesehnt. Ich bin oft mitten in der Nacht aufgewacht, war klitschnass geschwitzt und dachte: „Warum mache ich nicht mit Bush weiter? Mein Leben entgleitet mir – ich tue nicht das, was ich sollte.“ Und ich konnte nicht mal zur Tankstelle fahren, ohne dass jemand fragte: „Wollen Sie mit oder ohne Service – und wann kommt die Band wieder zusammen?“ Habe ich an einem Film gearbeitet, war es genauso. Und wenn ich mir irgendwo ein Sandwich geholt habe, hieß es: „Wollen Sie auch Kaffee dazu – und wann macht die Band weiter?“ So ging das die ganze Zeit. Es gab absolut gar kein Entkommen. Und jetzt versuchen wir es noch mal. Ich denke, unsere Chancen dürften nicht allzu schlecht stehen.

Glaubst du wirklich, dass du noch einmal an die 90er Jahre anknüpfen kannst, oder gibst du dich damit zufrieden, dass sich heute alles im kleineren Rahmen bzw. kleineren Dimensionen abspielt?

So viel kleiner ist der gar nicht. Wir haben eine Menge richtig guter Festivals gespielt – vor durchschnittlich 15.000 Zuschauern. Und unsere erste Solo-Show war vor 1000 Leuten. Mittlerweile liegen wir in den USA bei 3000 bis 6000. Womit ich sehr zufrieden bin, denn es steigert sich kontinuierlich. Und man muss das umsichtig angehen – und nicht alles auf einmal wollen. Mir ist es viel wichtiger, das richtige Album mit den richtigen Songs zu haben – und sie so gut wie möglich zu performen. Denn wir wollen ja nicht nur einmal groß absahnen und uns dann zur Ruhe setzen, sondern etwas Langfristiges aufbauen. Deshalb stelle ich mich auch nicht hin und sage: „Wir sind zurück. Erinnert euch gefälligst, wie populär wir mal waren. Wenn heute Abend nicht 20.000 Fans kommen und mir zujubeln, werde ich drei Tage heulend auf der Couch liegen.“ Eben dieser Ego-Quatsch. Da ist es viel wichtiger, seine Karten geschickt auszuspielen und es aufregend zu gestalten – für alle Beteiligten. Nach dem Motto: Buche bewusst kleine Hallen, sorge für Nachfrage und Begeisterung. Auf diese Weise haben wir in London drei Shows ausverkauft, die zwar alle nicht groß sind – so um die 1000 Zuschauer – aber doch für ein Medienecho sorgen, weil sämtliche Tickets in vier Minuten vergriffen waren. New York war in einer Minute ausverkauft, L.A. ebenfalls. Und das ist es, was du brauchst. Eben diese Hysterie, dass dich die Leute unbedingt sehen wollen und zugleich das Gefühl haben, dass du eigentlich in viel größere Hallen gehörst. Gleich riesige Locations zu buchen und vielleicht auf den Tickets sitzen zu bleiben, ist dagegen extrem gefährlich.

Und warum ein eigenes Label? Hat Interscope etwa kein Vertrauen mehr in dich und deine Ambitionen?

Wer? Wie? Heute bei einer großen Plattenfirma zu sein, ist etwa so, wie auf einem sinkenden Schiff zu stehen und zu sagen: „Ich unternehme eine Kreuzfahrt.“ Einfach, weil da kein Gas mehr im Tank ist – aber jede Menge Löcher im Rumpf. Und noch viel schlimmer: Es ist keine Besatzung mehr an Bord, obwohl es ein riesiges Schiff ist. Sprich: Das ist glatter Selbstmord. Es tut mir wahnsinnig leid um die Bands, die da noch unter Vertrag stehen. Sie unterschreiben diese „360-Grad-Deals“, mit denen man sie nach Strich und Faden verarscht. Die ganze Musikindustrie ist das Letzte. Also die Art, wie da mit Künstlern umgegangen wird, und wie viel Geld sie sich von ihnen einverleiben. Und das gilt für alle Labels. Interscope ist da noch das Beste. Denn wenn dich Jimmy (Iovine, Vorstandsvorsitzender von Interscope-Geffen-A&M – Anm.d.R.) liebt, ist das fantastisch. Das Problem ist nur, dass er besessen von Kollaborationen ist – weil er niemandem zutraut, etwas alleine zu machen. Meine zynische Reaktion darauf war: „Warum engagieren wir nicht den Typen, der ›Machine Gun‹ oder ›Glycerine‹ geschrieben hat? Den kenne ich, wir können ihn jederzeit haben, und er ist billig.“ Mann, das war eine echte Folter. Insofern ist es umso befreiender, es jetzt mit Zuma Rock Records alleine zu probieren. Und ich habe vor, es zu einem richtigen Künstler-Label auszubauen – mit coolen, fairen Deals.

Heißt das, du stellst deine Tennis-Karriere erst einmal zurück?

Ich fürchte schon… Dabei spiele ich regelmäßig bei Benefiz- und Promi-Turnieren. Meistens im Doppel mit Michael Chang, aber auch alleine. Und ich trainiere jeden Tag zwei Stunden mit dem Coach von Roger Federer, mit dem ich auch eng befreundet bin.

Also ist es gar nicht so schlecht, mit einer Fashion- und Lifestyle-Ikone verheiratet zu sein – und sei es nur, weil das für viele verschiedene sowie illustre Bekanntschaften sorgt?

Ich bin stolz auf sie – und auf mich, dass ich so eine attraktive, intelligente und erfolgreiche Frau habe. Ich meine, ich kann mich wirklich nicht beklagen. Und es ist nett, dass sie so viele unterschiedliche Gesichter hat. Das macht die Sache spannend. (lacht)

Deine älteste Tochter Daisy Lowe ist ähnlich Mode-affin wie deine Gattin Gwen Stefani und hat sich gerade für ein bekanntes Herrenmagazin entblättert. Wie denkst du darüber?

Wie jeder Vater: Ich war ziemlich sauer und verletzt, dass sie mir das erst später erzählt hat. Aber dann denke ich mir auch: Sollen doch alle sehen, wie sexy meine Tochter ist. Das ist ja auch gut für mein Ego. (lacht)

Paul Simon: Mainz, Zitadelle

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Paul_Simon_at_the_9-30_Club_(b)Eindrucksvolle Demonstration: 50 Wege, sein Publikum zu unterhalten.

These are the days of miracles and wonder”, stellt Paul Simon zum Auftakt in ›The Boy In The Bubble‹ mit glasklarer Stimme fest – und ein überwiegend mit seinem Helden gealtertes Publikum weiß genau, auf was der 69 Jahre alte Ho­­hepriester des Folk- und Ethno-Pop da unmittelbar an­­spielt: Künstler und Besucher sind gerade noch einer biblischen Sintflut entgangen, die keine Stunde vor Showbeginn die idyllisch gelegene Mainzer Zitadelle heimgesucht hat. Doch nun blinzeln die letzten Sonnenstrahlen wieder, als der Musiker samt Ensemble sein Lamento über Apartheid in Südafrika über die Bühnenrampe schickt.

Simon steckt auch heute in seinem ewigen Dilemma fest: Einerseits müsste er sein neues Album So Beautiful Or So What promoten. Aber da würde er es sich mit den vielen reiferen Herrschaften verscherzen, die sich in rund 50 Sitzreihen bequem gemacht haben. An die Simon & Garfunkel-Ära gibt es heute jedoch nur ein Zugeständnis – das zur Zugabe auf Akustikgitarre gezupfte ›Sounds Of Silence‹ –, immerhin dazu zeigt sich Paul Simon bereit. Aber es gibt kein ›The Boxer‹, kein ›Bridge Over Troubled Water‹ und auch keine ›Mrs. Robinson‹, obwohl die Ode aus dem Kinofilm „Die Reifeprüfung“ zum Kehraus in einer Swing-Version von Frank Sinatra ertönt. Doch über genügend Gassenhauerfaktor verfügt das aktuelle Repertoire ja ohnehin: ›Slip Slidin’ Away‹, ›Peace Like A River‹ oder ›Fifty Ways To Leave Your Lover‹ reihen sich zeitlos und ohne erkennbare Chronologie aneinander. Simon, unterstützt von Bassist Bakithi Kumalo aus Soweto und dem Kameruner Gitarristen Vincent Nguini, schweift mit Rhythmischem wie ›Diamonds On The Soles Of Her Shoes‹ und ›Gumboots‹ leichtfüßig durch die Townships.

Wünschenswert gewesen wären z.B. ›Mother And Child Re­­union‹, ›Take Me To The Mardi Gras‹ oder ›Me And Julio Down By The Schoolyard‹. Stattdessen serviert er den ein oder an­­deren Auszug aus dem aktuellen Werk. Und auch Oldies von ver­­ehrten Kollegen: ›Here Comes The Sun‹ von den Beatles widmet er George Harrison, und mit Junior Parkers ›Mystery Train‹ und Norman Pettys ›Wheels‹ gedenkt er seinen Wurzeln in den Fünfzigern. Besser aufgehoben ist Paul Simon bei sich selbst: ›Gone At Last‹ delektiert sich am Gospel, ›Kodachrome‹ richtet den Blick zurück in die eigene Kindheit, und ›Hearts And Bones‹ beschreibt die stürmische Kurzehe mit Schauspielerin Carrie Fisher. Mit die wohl wichtigste Botschaft hebt sich Simon bis fast zum Schluss auf: ›Still Crazy After All These Years‹ fühlt sich am Ende nicht nur der Künstler, sondern wohl auch ganz viele im Publikum.

Jex Thoth: München, Feierwerk

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Jex_Thoth_-_Tuska_2011_-_03Verzaubernd: von Black Sabbath zum Hexensabbat.

Es gibt zwei gute Gründe, sich die US-Okkult-Doomer Jex Thoth live anzuschauen: zum einen natürlich Frontfrau Jessica Thoth, die nicht nur eine sensationelle Stimme hat, sondern auch diesen gewissen irren Touch, der Entertainment der ganz speziellen Sorte garantiert. Zum anderen den Sound. Denn leider ist das, was es von der Band bisher auf Retorte zu kaufen gibt, abgesehen von der letzten EP WITNESS, mit einer übermäßig bescheidenen Produktion gesegnet. So ist denn schon der in Kurzfassung vorgetragene Opener ›Tauti‹ akustisch gleich mal eine halbe Offenbarung, roh, fett und drückend, selbst wenn La Thoth sich anfangs noch zurückhaltend in ihrem knappen Umhang und hinter den blonden Haaren versteckt. Musikalischer Höhepunkt der folgenden 50 Minuten sind die drei Songs der genannten WITNESS-EP, vor allem ›Mr. Rainbow‹ als Rausschmeißer sorgt für Gänsehaut im Publikum sowie Jubelschreie und Liebesbekundungen auf offener Szene. Optisch ist es durchgehend ein Fest: Die Herren in der Band schwitzen sich die Seele aus dem Leib, rocken, grooven und headbangen, was das Songmaterial hergibt, während Jessica mit gewohnt erratischer Gestik, Messer und qualmendem Holzkien die Fronthexe gibt – wobei sie es manchmal gar schafft, an Jim Morrison auf interessanten Drogen zu erinnern. Furios, magisch, einzigartig – das Ein­­zige, was noch fehlt, ist so langsam mal ein neues Album.

The Horrible Crowes

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The Horrible Crowes1Danny Clinch_20110628_171801Als ich alleine meines Weges ging, hörte ich zwei Krähen jammern. Die eine sagte zur anderen: ‚Wo sollen wir heute zu Abend essen?‘ ‚Dort hinter dieser alten Torfmauer müsste ein frisch niedergestreckter Ritter liegen – wie wär‘s damit?‘“ So beginnt – frei übersetzt – das schottische Gedicht „The Twa Corbies“, wonach Brian Fallon und Ian Perkins ihre Band benannt haben. The Horribles Crowes – das passt perfekt auf das Fe­der­vieh, das sich im weiteren Verlauf der Verse ausmalt, wie es sich am toten Edelmann labt. Fallon, hauptberuflich Frontmann bei den Punkrockern The Gaslight Anthem, und Perkins, Fallons ehemaliger Gitarrentechniker, waren fasziniert von den beiden Raben – und davon, dass jeder Mensch eine dunkle Seite hat. Diese stellen sie nun zur Schau: im Rahmen von The Horrible Crowes.

Auf die Idee, zusammen Musik zu machen, kamen die beiden beim Abhängen nach Auftritten von The Gaslight Anthem. „Wir trinken beide keinen Alkohol und nehmen keine Drogen“, erzählt Fallon. „Wir haben auch kein After-Show-Ritual. Ich bin einfach müde nach einem Konzert und will keine Hände schütteln oder mit anderen Bands die Nacht durchsaufen. Das war nie mein Ding.“ Stattdessen verziehen sich Brian und Ian in den Tourbus und spielen sich gegenseitig ihre derzeitigen Lieblingsalben vor. Darunter z.B. Platten von PJ Harvey, Nick Cave, Tom Waits, The National und den Afghan Whigs – allesamt Bands bzw. Künstler, die „wirklich traurige und dunkle Soul-Musik machen“.

Fallon und Perkins tauchten so sehr in diesen Sound ein, dass sie irgendwann beschlossen, selbst solche Songs zu schreiben. Einfach so, ohne irgendwelche Hintergedanken oder einen Plan, daraus eine neue Band werden zu lassen. Als sie nach zwei Wochen bereits sechs Lieder komponiert hatten, war es Zeit, innezuhalten. „Da dachte ich mir: ‚Hmm, vielleicht sollte ich das gegenüber den Jungs mal erwähnen.‘ Sie mochten es, fanden aber, es traf nicht ganz den Vibe von The Gaslight Anthem. Wir haben in der Tat etwas sehr Besonderes mit Gaslight aufgebaut, und an diesem Sound wollen wir nicht zu sehr herumpfuschen.“

Dennoch hatte Fallons Hauptband nichts dagegen, dass sich ihr Sänger und Gitarrist ein bisschen austoben und seine anderen Songs mit Perkins aufnehmen wollte. „Es war schon immer mein Wunsch, ein Album zu machen, auf das ich Streicher-, Orgel-, Klavier-Parts oder was auch immer packen kann“, berichtet der 31-Jährige von seinen Träumen, die er nun verwirklicht hat.

Wild durcheinander geht es bei den Horrible Crowes – auf dem Debüt ELSIE stehen Harmonien im Stile der Girl-Groups aus den Sixties neben digitalen Beats, einer bodenständigen Instrumentierung und Fallons Vocals, mit denen er auch schon mal seine Stimmbänder strapaziert. Er selbst findet: „Radikal ist ein gutes Wort, um die Platte zu beschreiben. Die Horrible Crowes sind definitiv eigen, wir setzen schon auf Songstrukturen. Doch solche Musik hat wohl niemand von mir erwartet. Entweder man wird schwanger, wenn man sich die Platte anhört – oder man will ein Auto klauen.“

Passend zu dieser abgründigen Soul-Musik hat Fallon in den Texten sein Herzeleid aus drei gescheiterten Beziehungen in seiner Teenagerzeit verarbeitet. Diesen Schmerz hat der Punk‘n‘Roller bis vor Kurzem noch mit sich herumgetragen. „Während dieser Beziehungen dachte ich stets, ich würde den Rest meines Lebens mit dieser Person verbringen – doch dann sind sie immer abgehauen.“ Überwunden hat der aus New Jersey stammende Musiker sein Trauma bei einer intensiven Session mit seiner derzeitigen Frau: „Ich habe ihr diese Songs vorgespielt, und dabei ist meine Vergangenheit hochgekommen. Es war eine kathartische Erfahrung.“

Nachhören kann man den Seelen-Striptease auf ELSIE. Jetzt, da die Scheibe erschienen ist, ist Fallon aber schon wieder voll auf The Gaslight Anthem eingestellt. „Wir schreiben seit einigen Monaten an Material, das wir hoffentlich zum Jahresende aufnehmen werden. Unsere nächste Platte ist ziemlich wichtig, sie muss reinhauen. Im Gegensatz zu unserem aktuellen Album AMERICAN SLANG wird sie wohl wieder aufregender. Ich will einfach wieder spaßigen Rock‘n‘Roll spielen!“ Womit wir überhaupt kein Problem haben…