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Alter Bridge & Black Stone Cherry: München, Kesselhaus

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Alter_Bridge_Pressefoto_1_-_CMS_SourceEin einfaches Konzert wird zur 160 Minuten Doppel-Headliner-Show.

Lange vor Einlass erstreckt sich vor dem Münchner Kesselhaus eine ellenlange Schlange. Die Menschen, die eine Eintrittskarte für das restlos ausverkaufte Konzert von Black Stone Cherry und Alter Bridge ergattern konnten, stehen sich erwartungsvoll in der Kälte ihre Füße platt. Hier wird klar, dass die beiden Acts keine Geheimtipps mehr sind. Dennoch oder eben deshalb ist die Stimmung gleich darauf im Club unter dem gemischten Rock-Publikum ein wenig angespannt, was auch daran liegen mag, dass nur kaum hörbar Musik aus der Anlage schallt, um die knapp 2000 Fans für die Show aufzulockern.

Pünktlich wie die Südstaaten-Maurer betreten Black Stone Cherry um Punkt 20 Uhr die Bühne und müssen früh am Abend einen Kaltstart hinlegen. Mit dem stampfenden ›Change‹ geben sie die Marschrichtung vor. Bereits nach wenigen Takten wird klar, dass man hier nicht einfach Alter Bridge und Special Guest zu sehen bekommt. Die vier Southern Rocker aus Kentucky haben Bock und die Leute sind auch wegen ihnen gekommen. Dennoch kostet es das Quartett knapp die Hälfte ihres Sets, das Publikum bis in die hinteren Reihen in Stimmung zu bringen. Mit ›White Trash Millionaire‹ ist der Bann in der alten Industriehalle endlich gebrochen, und das textsichere, mitsingende Münchner Publikum bringt Sänger Chris Robertson bei ›Peace Is Free‹ beinahe in Verlegenheit. Selbstbewusst jamen sich Black Stone Cherry durch den Muddy Waters-Song ›Hoochie Coochie Man‹, covern ›Sweet Home Alabama‹ und geben mit ›Lonely Train‹ an Alter Bridge ab. Nach genau einer Stunde, wie es sich für eine gewöhnliche Vorband gehören würde, räumen sie anstandslos das Feld.

Alter Bridge übernehmen eine perfekt eingespielte Bühne. Mit ›Slip To The Void‹ eröffnen die Ex-Creed-Männer gemeinsam mit Myles Kennedy ihre 19 Songs starke Show. Mit erstaunlichen musikalischen Fähigkeiten und einer mächtigen Soundwand haben sie vom ersten Lied an das Publikum im Griff. Neben dem unglaublich fingerflinken Marc Tremonti ist eindeutig Kennedy der Star der Band. Er ist bei Leibe keine Rampensau, singt aber einfach so gut, dass er einem unsympathisch wäre, wenn er nicht auf so charmante Art schüchtern wirken würde. Wie zuvor bei Black Stone Cherry gehört auch hier der Balladen-Teil (bestehend aus Kennedys Solo-Akustik-Versionen von ›Wonderful Life‹ und ›Watch Over You‹) zu den Höhepunkten. Alter Bridge geben drei Zugaben. Nach ›Open Your Eyes‹ duellieren sich Kennedy und Tremonti in einem fünf minütigen Bombast-Gitarren-Solo, bevor sie mit ›Rise Today‹ eine erstklassige Live-Darbietung und einen gelungenen Konzertabend beenden.

Lenny Kravitz: Hamburg, O2 World

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Lenny_Kravitz_2011Der New Yorker betört die Frauen und gibt den bodenständigen Rocker.

Der US-amerikanische Sänger Raphael Saadiq hat mit seiner Band ganze Arbeit geleistet und das Publikum in der O2 World ordentlich in Stimmung gebracht, als Kravitz um 21.20 Uhr die Bühne betritt. In knallengen Hosen, weißem Felljäckchen und Sonnenbrille macht der 47-jährige Sänger dem Image eines Rockstars alle Ehre. Das Konzert beginnt mit einigen seiner größten Hits, fettem Sound und energiegeladenen Bewegungen. Eine stimmige Licht- und Dia-Show im Bühnenhintergrund begleitet den Sänger und seine siebenköpfige Band und lässt auch Zuschauer auf den entfernten Plätzen nah an den Superstar heran.

Doch erst, als Lenny schließlich seine Brille abnimmt, das norddeutsche Publikum begrüßt und mit ›It Ain’t Over ‚til It’s Over‹ eine gefühl-volle Ballade anstimmt, springt der Funke ganz in den Saal über. Von nun an tanzen und singen (fast) alle mit, klatschen tosenden Beifall und folgen Lenny mit ihren Blicken, wenn der über die Bühne fegt. Für Lenny Kravitz selbst ist dieser Abend eine Art „Comeback“, wie der Sänger zwischen zwei Songs verrät. Denn vor 22 Jahren, als er gerade seine erste Platte aufgenommen hatte, sein Label noch unsicher war, wie es mit dem einerseits zu schwarzen und andererseits zu weißen Rockmusiker mit Rastalocken umgehen sollte, führte ihn eine EuropaTour nach Hamburg. Vor einem kleinen Publikum spielte Kravitz damals im Café Schöne Aussichten und erinnert sich noch gut an das Gefühl, mit seiner Musik hier anzukommen und verstanden zu werden.
Mehr als zwei Jahrzehnte später sind die Dreadlocks verschwunden, Kravitz ist Vater einer erwachsenen Tochter – und die Jahre sind nicht spurlos an ihm vorbei gegangen. Umso beeindruckender die Momente, in denen seine Coolness bricht und hinter der perfekten Rockstar-Maske ein Mann sichtbar wird, der das Rampenlicht genießt, jedoch weiß, dass all das „nur ein Spiel ist“: Es gehe letztlich da-rum, geliebt zu werden.

Besonders spektakulär kommt ›Black & White America‹ (der Titelsong der Tour und des neuen Albums) daher: Auf riesigen Leinwänden werden Kinder- und Familien-Fotos eingeblendet, die neben Lennys Texten viel über ihn erzählen. Z.B. wie es war, als Kind seiner schwarz-weißen Eltern (sein Vater Sy Kravitz ist ukrainisch-jüdischer Fernsehproduzent, seine Mutter Roxie Roker ba-hamesisch-afroamerikanische Schauspielerin) im Amerika zu Zeiten Martin Luther Kings aufzuwachsen.

Kravitz spielt gekonnt mit der Nähe zu seinem Publikum. Er versteht es noch immer, insbesondere seine weiblichen Fans mit seinem Charme (und den muskulösen, tätowierten Oberarmen!) zu verzaubern. Am Ende der Show taucht Lenny in die Menge ein und klatscht jeden ab, der es schafft, ihm auf seinem Rundgang durch die Halle nahe zu kommen. Wieder zurück auf der Bühne beendet der Weltstar in Begleitung seines Gitarristen Craig Ross einen unvergesslichen Abend mit einer akustischen Version von ›I Belong To You‹.

Masters Of Rock Antenne: Augsburg, Schwabenhalle

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Royal_Republic_Adam_Grahn_02Auch die dritte Auflage des Ein-Tages-Festivals glänzt mit grandioser Stimmung und hochkarätigen Bands.

Aller guten Dinge sind drei. Das dachte sich auch die Rock Antenne und lud am 8. Oktober zur dritten Runde ihres Ein-Tages-Festivals in die Augsburger Schwabenhalle. Da sich die Veranstaltung in den letzten beiden Jahren einen mehr als guten Ruf erspielt hat, muss der Radiosender sein Publikum nicht bitten. Trotz der für die meisten Rocker ungewöhnlich frühen Startzeit von 15 Uhr strömen schon beachtliche Massen in die Messehalle und freuen sich auf einen Tag voller guter Musik und Unterhaltung.

Den Anfang machen A Life Devided aus Bad Tölz. Obwohl die Halle schon gut gefüllt ist, haben die Bayern anfangs das typische Problem der Eröffnungsband: Die Leute blicken zwar interessiert zur Bühne, sind allerdings in ihren Reaktionen noch etwas verhalten. Doch die Mu-siker lassen sich davon nicht be-irren, was nach einer Weile schließlich goutiert wird.

Als nächstes stürmen Royal Republic die Bühne und liefern von Beginn an eine unglaubliche Show. Schon während des ersten Songs wecken sie auch den letzten Besucher auf, keiner bleibt nun mehr ruhig stehen, jeder wird von der unbändigen Spielwut und Power der Schweden angesteckt. Dabei schmettern sie einen Hit nach dem anderen. Vor allem ›Tommy-Gun‹ und ›Underwear‹ werden lauthals mitgesungen. Als die Band die Bühne verlässt, schreit das Publikum nach mehr, so dass die Musiker strahlend zurückkommen und mit ›We Are The Royal‹ noch einmal Gas geben. Doch danach ist leider wirklich Schluss. Schließlich warten noch mehr hochkarätige Acts auf ihren Auftritt.

Als nächstes steht eine Rock-Legende auf dem Programm: Jimi Jamison, der ehemalige Sänger der Band Survivor. Der 60-jährige Musiker ist bei bester Stimme, nur an seiner etwas statischen Performance merkt man, dass er eben nicht mehr der Jüngste ist. Das Publikum wird ein wenig verhaltener. Erst bei Hits wie ›Burning Heart‹ und ›I’m Always Here‹, der Titelmelodie der Serie „Baywatch“, singen tausende Kehlen wieder lautstark mit.

Und es geht weiter mit Classic Rock: Die altgedienten Recken von Bonfire sind schon 40 Jahre im Geschäft und wissen, wie man die Menge gleich für sich einnimmt. Die Stimmung kocht vom ersten Mo-ment an, die Ingolstädter geben al-les, was am Ende mit lautstarken Zugaberufen belohnt wird.

Auch die Stimmung bei Edguy ist von Anfang an prächtig. Die Musiker um den stimmgewaltigen Tobias Sammet haben sichtlich Spaß auf der Bühne, was die Menge noch mehr anheizt. Es wird getanzt, ge-bangt und gesprungen. Die Hessen liefern ein wahres Best-of-Set mit Hits wie ›Robin Hood‹, ›King Of Fools‹ oder ›Superheroes‹.

Mit den H-Blockx wechselt die Stilrichtung nun in den modernen Metal-Bereich. Die Reaktionen des Publikums sind recht unterschiedlich. Während die meisten zu alten Krachern wie ›Risin‘ High‹ oder ›Move‹ begeistert abgehen, senkt sich die Stimmung bei den neueren Songs immer wieder. Es ist ein Auf-und-Ab mit der Begeisterung, bis die Band durch die Zugaben ›Ring Of Fire‹, ›Celebrate Youth‹ und ›Leave Me Alone‹ noch einmal mächtig punkten kann.
Schandmaul müssen anfangs erst einmal mit Problemen kämpfen: Dudelsackspielerin Birgit steckt im Stau fest und stürmt erst beim dritten Lied auf die Bühne. Doch die anfänglichen Schwierigkeiten sind danach schnell vergessen und die Mittelalter-Folk-Rocker finden schnell wieder zu gewohnter Form. Das Publikum ist nach dem langen Tag zwar schon recht müde, macht aber die letzten Reserven locker und tanzt fröhlich mit.

Nach mehr als acht Stunden voller Musik ist das Festival schließlich am Ende und erneut ein voller Erfolg. 8000 glückliche Besucher verlassen das Augsburger Messegelände mü- de, aber strahlend und freuen sich sicher schon auf nächstes Jahr, wenn das Masters Of Rock Antenne in seine vierte Runde geht.

WE SING ROCK!

WeSingRockBundle_Packshot_2DRock-Geschichtsstunde mit hervorragender Song-Auswahl.

„Endlich ein waschechtes Karaokespiel für Rocker!“, hallen Jubelschreie durchs CLASSIC ROCK-Land. Zu recht, denn konträr zu manch einer Mogelpackung mit Mutter Beimer-Rockfaktor hält WE SING ROCK!, was sein Titel verspricht. Begleitet von den jeweiligen Original-Videoclips, animieren immerhin 40 Kompositionen der Stromgitarren-Historie bis zu gleichzeitig vier Kehlen in acht Mehrspieler-Modi zum Blamieren, Amüsieren und Triumphieren vor dem heimischen Fernseher. Die auf drei Schwierigkeitsstufen erlebbare Rundreise beginnt mit Elvis Presley (›Suspicious Minds‹) sowie Creedence Clearwater Revival (›Proud Mary‹) in den sechziger Jahren, geht mit Free (›Al-right Now‹) und The Pretenders (›Brass In A Pocket‹) in die Siebziger über und setzt durch Beispiele von Tina Turner (›The Best‹), Alice Cooper (›Poison‹), Def Leppard (›Pour Some Sugar On Me‹), Robert Palmer (›Addicted To Love‹), Survi-vor (›Eye Of The Tiger‹), Europe (›The Final Countdown‹), Simple Minds (›Don’t You…‹) oder Whitesnake (›Here I Go Again ’87‹) Schwerpunkte in den achtziger Jahren. Die Neunziger-Auswahl fällt mit Eintagsfliegen (4 Non Blondes: ›What’s Up‹) und Totgehörtem (Sheryl Crow: ›All I Wanna Do‹) qualitativ und quantitativ ab. Dafür präsentiert sich das 21. Jahrhundert mit 30 Seconds To Mars (›Kings And Queens‹), Bloc Party (›The Prayer‹), Coldplay (›Violet Hill‹), My Chemi-caI Romance (›Welcome To The Black Parade‹), Paramore (›Ignorance‹), Franz Ferdinand (›Take Me Out‹) oder Kasabian (›Underdog‹) umso hochkarätiger.

Besonders benutzerfreundlich und keineswegs selbstverständlich: WE SING ROCK! spult Lieder nicht nur nach starr vorgegebenen Reihenfolgen ab, sondern passt sich durch individuell einstellbare Abfolgen an jede Spielergeneration und je-den Geschmack an. Novizen erwerben ein Komplettpaket mit zwei Logitech-Mikrofonen und bringen ihre Stimmbänder im integrierten „Gesangsunterricht“-Modus auf Temperatur. Erfahrene Goldkehlchen greifen hingegen auf Mikrofone zurück, die mit WE SING-Vorgängern oder Serien wie SING IT und ROCK BAND erworben wurden und streiten in besonders schwierigen Passagen um Sonderpunkte.

AC/DC – HIGH VOLTAGE-ROCK’N’ROLL: DIE ULTIMATIVE BILDBIOGRAFIE

ACDCBesser geht es nicht: die definitive AC/DC-Fibel zum Betrachten und Lesen.

Jimmy Page weiß, wovon er spricht, wenn er mit diversen weiteren Rocklegenden auf der ersten Umschlagseite verlauten lässt: „AC/DC verkörpern alles, worum es im Rock geht. Sie sind schonungslos und hart. Wenn du AC/DC hörst, bewegt sich was. Deine Beine zucken. Du wippst mit den Füßen. Es ist wirklich guter, solider Rock’n’Roll.“ Das ist der Auftakt für eine herrliche Zeitreise durch ein 224 Seiten starkes Buch, das einen ziemlich irreführenden Titel trägt: AC/DC – HIGH VOLTAGE-ROCK’N’ROLL: DIE ULTIMATIVE BILDBIOGRAFIE. Verwirrend deshalb, weil der renommierte Autor Phil Sutcliffe zwi-schen die mehr als 400 zum Großteil raren und unveröffentlichten Fotos aus vier Jahrzehnten auch ordentliche Texte von sich selbst und Kollegen wie Sylvie Simmons, Garth Cartwright und James McNair gepackt hat, die sich der Entwicklung der Band widmen. Und ja, es wird auch versucht zu ergründen, was in der Nacht vom 18. auf den 19. Februar 1980 am Londoner Ashley Court in jenem Renault 5 wirklich geschah, als Bon Scott an akuter Alkoholvergiftung starb. Es wird aber auch berichtet, dass Scott nicht der erste Frontmann von AC/DC war. Dave Evans erlitt das gleiche Schicksal wie einst Beatles-Drummer Pete Best: Er wurde kurz vor dem Durchbruch gefeuert. Dickes Lob gebührt der famosen Verpackung: Ein Open-Air-Foto prangt auf dem Buchcover, darauf zu sehen ist ein am Boden liegender Angus samt Gibson SG, montiert auf einer Drehscheibe. Fabelhaft!

Florence & The Machine

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Florence And The Machine 2011 @ Tom Beard„Ich schreibe keine E-Mails, habe immer noch einen Walkman und bewege mich am liebsten zu Fuß fort“, sagte Florence Welch einst in einem Interview. Klar, und am liebsten kommuniziert sie per Brieftauben! Die britische Sängerin mit den androgynen Gesichtszügen wirkt wie ein wundersames, aus der Zeit gefallenes Wesen. Aus dem Nichts tauchte die Kunst-Studentin vor drei Jahren in der britischen Popszene auf – und noch bevor das erste Album veröffentlicht war, nahm die Londonerin einen Brit Award als hoffnungsvolle Newcomerin entgegen. Das mit ihrer Band (als Florence & The Machine) eingespielte Debüt LUNGS schaffte es schließlich auf den Spitzenplatz der UK-Charts. Nach einem Auftritt bei den MTV Video Music Awards, der von knapp einer Milliarde TV-Zuschauern verfolgt wurde, war Florence Welch am nächsten Tag die meist gegoogelte Person weltweit. Plötzlich war die 25-Jährige, die heute noch bei ihrer Mutter lebt, in aller Munde.

Anfang dieses Jahres zog sie sich in die Abbey Road Studios zurück, wo mit Unterstützung von Produzent Paul Epworth (u.a. Adele) die Fortsetzung von LUNGS entstand. Während Welch auf ihrem Erstling das vorübergehende Ende einer Beziehung und Teenager-Probleme verarbeitete, geht es nun ums Erwachsenwerden: „Ich würde sa-gen, es ist ein Album von einer, die so langsam zu einer Frau heranwächst.“ Druckvolle Sounds dominieren die CD, die Texte sind reich an makabren Bildern. Die Vorab-Single ›What The Water Gave Me‹ – benannt nach einem Gemälde von Frida Kahlo –, in der der Suizid von Virginia Woolf thematisiert wird, liefert einen Eindruck davon. „Ich bin besessen vom Ertrinken. Diese überwältigende Kraft des Wassers fasziniert mich. Es ist wie das erste Mal verliebt zu sein“, sinniert Florence Welch.

Aufgewachsen mit dem Testosteron strotzenden Gitarrenrock, ließ sich Florence Welch für CEREMONIALS von starken Frauen wie Stevie Nicks, PJ Harvey und Kate Bush inspirieren. „Künstlerinnen sind bereit, ihre Verletzlichkeit zu zeigen. Das macht sie aus, diese Mischung aus Verletzlichkeit und Stärke.“ Das macht auch Florence Welch zu etwas Besonderem. Mit der Theatralik von Lady Gaga, der Mystik von Kate Bush, dem Eigensinn von Tori Amos und der Stimmgewalt von Adele trifft sie genau ins Schwarze.

Coldplay

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coldplay_Sarah Lee_Im Musikgeschäft hat Chris Martin (34, 2.v.l.) alles erreicht. Jetzt, mit seinem fünften Album MYLO XYLOTO, will der Brite unsere demokratischen Grundrechte retten. CLASSIC ROCK traf den radikalisierten Multimillionär in London.

Chris, was ist ein „Mylo Xyloto“?
Was immer du willst. (lacht) Wir fanden den Begriff allein deshalb toll, weil man ihn googeln kann, ohne eine Bedeutung zu finden. Und selbst wenn er jetzt ein bisschen dämlich wirkt: Eines Tages wird er hoffentlich auf einer Ebene mit Coca Cola, Google, YouTube und all diesen Sachen stehen, die vorher auch nichts bedeutet haben – bis jemand etwas erfunden hat. Wobei ich sagen muss, dass er ja auch zu unserem Bandnamen passt, zu Coldplay. Da wusste zunächst auch keiner, was er bedeutet.

Inwieweit handelt es sich um ein Konzeptalbum?
Zu etwa 73 Prozent. Wenn du eine durchge­hen­de Geschichte finden willst, gibt es die auch. Nämlich eine Art Parallelwelt, in der je-der überwacht wird und trotzdem versucht, so etwas wie Liebe und Geborgenheit zu finden.

George Orwell, die „Weiße Rose“-Bewegung und „The Wire“ lassen grüßen?
„The Wire“ ist eine der besten Serien, die es gibt. Sie ist unglaublich kreativ. Wobei wir von vielen verschiedenen Dingen beeinflusst sind – auch von „The Road“, dem Roman von Cor-mac McCarthy. Und was die Bewegung „Wei-ße Rose“ betrifft, so denke ich, dass jeder von Leuten angezogen wird, die ihre Lei­den­schaft offen zur Schau stellen. Da sind die Ge­schwis­ter Scholl einfach nur ein Beispiel.

Wie viel Gesellschaftskritik steckt dahinter?
Eine Menge! Wir leben in einer Zeit, in der die individuelle Freiheit mit Füßen getreten wird. In der die Regierungen sich nur um die In­te­res­sen der Wirtschaft kümmern. Dagegen müssen wir uns wehren. Und wir müssen uns auch privat wieder mehr auf das konzentrieren, was wichtig ist: Liebe, Glück und Harmonie.

Wähnst du dich da auf einer Mission?
Warum nicht? Ich hätte nichts dagegen, die Welt zu retten. Das ist definitiv besser, als von noch mehr Geld zu träumen – was eh schon zu viele tun.

Werkschau: Camel

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In den 1970er Jahren hatten Camel ihre Hochphase, die bis heute zahlreiche Musiker beeinflusst – und sie komponieren noch immer.

CAMELUnter Fachleuten und Musikern ist die britische Prog Rock-Band Camel Kult. Obwohl kommerziell weit weniger erfolgreich als Formationen wie Pink Floyd oder King Crimson, hat die Gruppe speziell Mitte der 1970er Jahre ein künstlerisch wertvolles Erbe hinterlassen. Den großen Einfluss, den Camel auf heutige Mu-siker haben, bestätigen aktuelle Interviews: Insbesondere die Progmetaller von Opeth und Symphony X sind enthusiastische Fans.

Die ersten Vorläufer von Camel gehen zurück bis 1964, als die Brüder Andrew und Ian Latimer gemeinsam mit Schulfreunden die Band The Phantom Four gründen und nach einer Umbesetzung (Ian verlässt die Gruppe) fortan unter Strange Brew firmieren. Schon dabei: Bassist Doug Ferguson und Schlagzeuger Andy Ward, gewissermaßen der Nukleus der Camel-Erstbesetzung. Über eine Anzeige im „Melody Maker“ lernt das Trio 1971 den Keyboarder Peter Bardens kennen, der 1964 als 19-Jähriger mit Mick Fleetwood gespielt hat und neben Van Morrison der Star bei Them war. Durch Bardens zieht jene Extraklasse bei Camel ein, die zwischen 1974 und 1977 mit den Alben MIRAGE, THE SNOW GOOSE, MOONMADNESS und RAIN DANCES zu vier Klassikern in Folge führt und die Gruppe gleich mehrfach hintereinander unter den Top 30 der wichtigsten europäischen Albumcharts platziert.

1978 verlässt Bardens die Gruppe wieder, mit dem Erstarken der Punk- und New Ro-mantics-Szene Englands verlieren Camel an öffentlicher Bedeutung. Innerhalb der Band kommt es zu Unstimmigkeiten, auch hervorgerufen durch die stärker werdende Alkohol- und Drogensucht von Andy Ward, die sogar Konzertabsagen nach sich zieht. In den 90ern emigriert Latimer in die USA und veröffentlicht mit DUST AND DREAMS das erste Album auf seinem eigenen Label. 1992 er-krankt er an der Blutkrankheit Polyzythämie, ist aber noch als Songschreiber/Produzent aktiv. 1996 erscheint das glänzende HAR­BOUR OF TEARS.

2002 wird die bis dato letzte Camel-Platte A NOD AND A WINK veröffentlicht, bereits im Januar war Bardens an Krebs gestorben. Latimers Blutkrankheit hat inzwischen auf sein Knochenmark übergegriffen, die unvermeidliche Rückenmarkstransplantation findet 2007 statt. 2010 erscheint die Konzert-DVD THE OPENING FAREWELL mit Aufnahmen aus 2003, laut Homepage arbeiten Latimer und Schlagzeuger Denis Clement zurzeit an einem neuen Studioalbum.

 

Unverzichtbar

camel - the snow gooseThe Snow Goose
decca, 1975

Ihr bedeutendstes Werk, das auf Drängen von Doug Ferguson zu-stande kommt. Durch die MIRA-GE-Nummer ›White Rider‹ inspiriert, verständigen sich die Musi-ker auf die Umsetzung einer No- velle. Bardens schlägt Hesses ›Siddharta‹ und ›Steppenwolf‹ vor. Als die Produktion startet, sind die Ideen aber wieder verworfen. Camel haben sich auf ›The Snow Goose‹ von Paul Gal-lico geeinigt. Es gibt jedoch juristische Probleme, da der überzeugte Nichtraucher Gallico sei-ne Zustimmung einer Band verweigert, die den Namen und das Logo eines Zigarettenherstellers verwendet. Daher erscheint das Album als MUSIC INSPIRED BY THE SNOW GOOSE.

camel - moonmadnessMoonmadness
decca, 1976

Für MOONMADNESS werden die Karten neu gemischt: Statt Produzent Hitchcock wird diesmal Rhett Davies verpflichtet, der die Band auf einen kommerziell noch erfolgreicheren Weg bringt. Das Album klingt moderner und zukunftsorientierter als sein Vor-gänger, auch aufgrund seiner wunderbaren Gesangsparts. Da- bei wäre das magischste Stück des Albums, die Klavierballade ›Spirit Of The Water‹, beinahe ein Instrumentalstück geblieben: Latimers Originalfassung, ohne Gesang, wird im Januar 1976 in den Londoner „Island Studios“ aufgenommen, nach hartnäckigem Drängen von Davies jedoch überarbeitet und schließlich als Gesangsversion veröffentlicht.

 

Wunderbar

camel - mirageMirage
decca, 1974

MIRAGE sorgt nicht nur aufgrund seines „Zigaretten-Co-vers“ für Aufsehen. Das Design führt in Amerika zu einem Dis-put zwischen Band und Platten-firma, die der US-Version ein anderes Layout verpasst. In Eu- ropa hingegen einigen sich Mu- siker und Tabakfirma auf eine Kooperation: Zur Erstauflage gibt es eine 5er Packung Camel-Zigaretten kostenlos dazu. Hö- hepunkt der Scheibe ist der fast dreizehnminütige Song ›Lady Fantasy‹, eine brillante Gemein-schaftsproduktion aller vier Bandmitglieder, mit faszinierendem Spannungsbogen, packender Atmosphäre und signifikantem Gitarrensolo.

camel - rain dancesRain Dances
decca, 1977

Aus der hektischen Produkti-onsphase für MOONMAD­NESS ziehen Camel ihre Konse­quen-zen und nehmen sich mehr Zeit. „RAIN DANCES ist in vielerlei Hin-sicht die Reaktion auf MOON-­MADNESS“, gibt Latimer zu. „Wir wollten prägnanteres Ma- terial und darüberhinaus auch in jazzigere Territorien vorstoßen.“ Bardens bezeichnet RAIN DAN­CES als „optimistisches Album im Vergleich zu den meisten Sa- chen, die zurzeit veröffentlicht werden. Wir dehnen uns stilistisch aus, von Jazz bis Klassik, dennoch ist die Scheibe weitaus zugänglicher als seine Vorgänger. Ich denke, es ist eine logische Weiterentwicklung.“

camel - dust and dreamsDust And Dreams
camel productions/insideout, 1992

DUST AND DREAMS ist ein atmosphärisch packendes Kon­zeptalbum, inspiriert von John Stein­becks Roman „Früchte des Zorns“, in dem sich der amerikanische Dichter mit den un­-wür­di­gen Lebens­ver­hält­nis­sen der Landarbeiter in den USA auseinandersetzt. Fans und Kenner bezeichnen das Album als partielle Rückbesinnung auf das SNOW GOOSE-Konzept, diesmal mit nur vier Gesangs-nummern und weiten Phasen reiner Instrumentalmusik. Hö- hepunkt der Scheibe mit ihren wunderbaren Keyboard-Arran-gements ist die Nummer ›Rose Of Sharon‹.

camel - harbour and dreamsHarbour Of Tears
camel productions, 1996

Auf dem 96er Konzeptalbum HARBOUR OF TEARS setzt La- timer stärker als zuletzt auf Folk-Elemente, lässt die Gastsängerin Mae McKenna traditionelle iri-sche Volksweisen singen und verwendet neben Harfe und Flö-te auch Rock-fremde Ins­tru­men-te wie Waldhorn oder Cello. Das Album trägt die typische Camel-Melancholie, die bereits auf MOONMADNESS oder RAJAZ zu finden ist, immer wieder un-terbrochen durch Latimers fantastisches Gitarrenspiel. Knapp die Hälfte der Stücke ist erneut instrumental, ohne dabei aber Längen oder gar Langeweile zu verursachen.

 

Anhörbar

camel - a live recordA Live Record
decca, 1976

Die Tour zu THE SNOW GOOSE ist zunächst enttäuschend: Die Band spielt jeden Abend im ersten Teil der Show die gesamte Platte, doch die Reaktionen sind verhalten. Denn im Vergleich zu dem opulenten Sound des Al- bums fallen die ersten Büh­nen­ver­sionen ohne Orchester­ver­stärkung eher flachbrüstig aus. Latimer und Bardens überarbeiten die Arrangements, um die fehlenden Orchesterparts zu kompensieren, und testen das Material erneut: mit vollem Er- folg. So reift die Idee, zusammen mit dem London Symphony Or- chestra das gesamte Album als Konzert aufzuführen und für ein Live-Album aufzuzeichnen. Das Resultat: A LIVE RECORD.

camel - stationary travellerStationary Traveller
Brain Metronome, 1980

In den für Camel besonders kri-tischen Jahren kümmert sich An- dy Latimer quasi im Alleingang um die Geschicke seiner Band. STATIONARY TRAVELLER stellt gewissermaßen sein zweites So- loalbum dar – zwar mit zahlreichen Gastmusikern eingespielt, aber dennoch mit dem Camel-Logo versehen. Erzählt wird die Geschichte einer Flucht von Ost- nach Westberlin, dokumentiert in Songtiteln wie ›Refugee‹, ›Vo- pos‹ oder ›West Berlin‹. Auch wenn das Album einige Schwä-chen und Längen hat, kann es dank Latimers gewohnt grandioser Gitarrenarbeit gerade in den Instrumentalnummern mehr als überzeugen.

camel - a nod and a winkA Nod And A Wink
camel productions, 2002

Das bis dato letzte Studioalbum zeigt den Camel-Boss von seiner ruhigen, ungewöhnlich persönlichen Seite. Latimer erzählt von eigenen Kindheitserinnerungen, die klanglich mittels Vogel­zwit­schern und Geräuschen einer Dampflokomotive in Szene ge-setzt werden. Entgegen der Zu-­sam­men­setzung vieler früherer Alben gibt es auf A NOD AND A WINK nur einen einzigen Instru-men­talsong (›Squigely Fair‹), da-für aber so manchen Querver-weis auf aktuelle Tagesereignis-se und Parallelen zur eigenen Historie. Andy Latimer widmet die Scheibe seinem im Januar verstorbenen ehemaligen Band­kollegen Peter Bardens.

 

Sonderbar

camel - breathlessBreathless
decca, 1978

Das Album kann mit seiner Kom­bination aus Pop, Jazz und pro­gres­siver Musik nur wenige Hö- rer über­zeugen. Es erfreut sich zwar hoher Chartsnotierungen, dokumentiert aber einen inneren Zwist. Im Juli verlässt Peter Bar-dens aufgrund künstlerischer und persön­licher Unstimmigkei-ten die Band. Zeitzeugen berichten, dass der Streit mit Latimer hart, aber unvermeidlich war. „Peter und ich verstehen uns in kreativer Hinsicht sehr gut, die Pro­bleme beginnen immer erst, wenn es um die konkrete Aus­ar­beitung der Ideen geht“, er­klärt Latimer. „Im Studio verhindere ich permanent seine Beiträge, und er tut es mit meinen. So kann man auf Dauer nicht arbeiten.“

 

TRAUMSAMPLER

Lady Fantasy
Mirage

Rhayader Goes To Town
The Snow Goose

First Light
Rain Dances

Song Within A Song
Moonmadness

Spirit Of The Water
Moonmadness

Hopeless Anger
Dust And Dreams

Ice
A Nod And A Wink

Dunkirk
The Snow Goose

Lunar Sea
Moonmadness

Metrognome
Rain Dances

End Of The Line
Dust And Dreams

Harbour Of Tears
Harbour Of Tears

For Today
A Nod And A Wink

Watching The Bobbins
Harbour Of Tears

Supertwister
Mirage

Refugee
Stationary Traveller