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R.E.M.

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REM_REM_Promo_Pic_2011_ @ Anton CorbijnEs ist schon ungewöhnlich, dass ein Künstler überhaupt ein Interview zur Auflösung seiner Band gibt. Noch ungewöhnlicher ist es allerdings, wenn er da-bei so gute Laune hat wie Michael Stipe. Der – da liegt die Ironie – nie ein besonders entspannter, geschweige denn witziger Interview-Partner war. Eher im Gegenteil: Der Verfasser dieser Zeilen hat schon oft geschworen, sich diesen missmutigen, wortkargen und einsilbigen Menschen nie wieder anzutun. Nur um jedes Mal rückfällig zu werden.

Doch heute, im plüschigen Connaught Hotel im Londoner Stadtteil Mayfair, präsentiert sich der 51-Jährige so, wie man sich ihn immer gewünscht hätte: charmant, spritzig und offen. Was wahrscheinlich daran liegt, dass er mit der Best Of PART LIES, PART HEART, PART TRUTH, PART GARBAGE kein neues Album zu promoten hat. Und dass sich R.E.M. – nach 31 Jahren und 85 Millionen verkaufter Alben – am 21. September offiziell getrennt haben. „Es war an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen“, setzt das Männchen mit der Hornbrille, dem weißgrauen Bart und der frisch polierten Kopfhaut an. „Wir sind an den Punkt gekommen, da wir erkennen mussten, dass wir alles erreicht haben, dass es fortan nur noch bergab gehen kann und wir auch keine neuen Ideen mehr in uns haben. Da kam uns die Tatsache, dass unser Plattenvertrag auslief und wir mit COLLAPSE INTO NOW eines der besten Alben seit Jahren gemacht haben, sehr entgegen: Wir konnten auf einem Höhepunkt aufhören.“

Eine Entscheidung, die er schon drei Jahre mit sich rumträgt. Weshalb COLLAPSE INTO NOW vom März 2011 bereits etliche Indizien für die Trennung enthielt. „Es war so deutlich“, setzt Stipe mit einem breiten Grinsen an. „Ich meine, wir hatten zum ersten Mal ein Foto von uns auf dem Cover, auf dem ich auch noch eine winkende Bewegung mache. In dem Song ›All The Best‹ verabschiede ich mich von den Fans, und zum Finale singe ich ein Duett mit Patti Smith – noch offensichtlicher geht es kaum. Nur: Es scheint keiner kapiert zu haben. Ist das nicht traurig?“

Was eher eine rhetorische Frage ist. Denn traurig ist er selbst kein bisschen. Schließlich habe das Ganze ein solches Echo ausgelöst, wie er es sich nie hätte träumen lassen. Mit Kondolenzbekundungen und Danksagungen aus Politik und Showbiz – u.a. von befreundeten Künstlern wie Pearl Jam, Radiohead, Springsteen oder Coldplay. Zudem fühle er sich nun, da die Katze aus dem Sack ist, freier denn je und freue sich darauf, sein Leben, das über drei Dekaden von der Musik bestimmt war, in andere Bahnen zu lenken. „Es ist nicht so, als ob ich einen konkreten Plan hätte. Ich möchte erst einmal ein paar Monate durchschnaufen, mich treiben lassen und sehen, worauf ich Lust habe“, vergeht er sich an netter Unverbindlichkeit.

Dabei ist klar, wie die Zukunft der drei R.E.M.-Mitglieder aussehen dürfte: Gitarrist Peter Buck tourt gerade mit den Minus 5 bzw. Busenkumpel John Wesley Harding durch amerikanische Clubs und wird auch in Zukunft mit Künstlern aus der Portland/Seattle-Szene durch die Weltgeschichte tingeln. Bassist Mike Mills plant ein noch nicht näher spezifiziertes Solo-Album, während Stipe seine bisherigen Nebentätigkeiten zum Vollzeitjob machen dürfte: Fotografie, Videocollagen (siehe www.michaelstipe.com), Filmprojekte und Bronzestatuen von antiquierten technischen Gebrauchsgegenständen wie Polaroidkameras oder Anrufbeantworterkassetten.

„Das sind Sachen, die komplett überholt sind. Also durch die Entwicklung der Digitalfotografie und der Technik sind sie zu Gegenständen der Vergangenheit geworden. Trotzdem können wir sie nicht wegwerfen, sondern stellen sie ins Regal und betrachten sie. Und ich habe eines der frühesten Metalle genommen, die wir aus der Erde ge-wonnen haben. Denn die Idee ist: Okay, die Welt kommt irgendwann zum Ende. Alles Plastik wird zerstört, alle vergänglichen Dinge verschwinden, alle digitalen Dateien ebenfalls. Aber dieser Klumpen Bronze, der Objekte aus dem späten 20. Jahrhundert verkörpert, ist immer noch da. Das finde ich interessant.“ Wobei er seine Exponate jedoch nicht zum Kauf anbietet, weil er ja eh genug verdient habe und seine Rücklagen bis ans Ende aller Tage reichen. „Ich habe nicht vor, mich in fünf oder zehn Jahren hinzustellen und eine Reunion-Tour mit R.E.M. anzukündigen. Soweit wird es nie kommen.“ Ein Mann, ein Wort!

Kevin Kostner & Modern West: Offenbach, Capitol

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kevin-costner live 2Schauspielern kann Costner, aber auch mehr? Zumindest geht er in der Rolle des Frontmanns auf.

Es gibt wohl keinen Zuschauer im Capitol, der nicht genau wüsste, wer da breitbeinig im Look eines Westernhelden die Bühne betritt. Kevin Costner, der nach dem ersten Song ›Red River‹ dem Publikum in kumpelhafter Plauderlaune erzählen wird, dass er seinen Kinnbart trägt, weil er gerade einen neuen Kinofilm dreht, geht trotzdem auf Nummer sicher: Kein Ende nehmen will der in hastigen Sequen-zen gefertigte Zusammenschnitt von rund zehnminütiger Dauer mit sämtlichen Hol-lywood-Produktionen Costners.

In zahllosen Rollen flimmert der 56 Jahre alte US-Schauspieler über die Leinwand: Ewig ließen sich die Szenen genießen, säße man im Kino oder zuhause auf der Couch. Doch passt der filmische Quer-schnitt wie bei der Oscar-Verleihung fürs Lebenswerk eines in die Jahre gekommenen Superstars, der zuletzt nur in zweitklassigen Filmen agierte, eigentlich nicht in den Rahmen eines Konzerts. Costner frönt in der perfekt einstudierten Rolle des Musikers, wie er beiläufig bemerkt, ei-nem langjährigen Hobby.

Der Kalifornier weiß, was er sich und den zum Teil von weit her angereisten Fans schuldig ist, wenn er im milden Scheinwerferlicht leger in Cowboystiefeln, Jeans, Hemd, Weste und Schal den charmant abgeklärten Country-Interpreten mimt. Wacker bahnt sich der Frauenliebling mit umgehängter Akustikgitarre, die er allerdings in rund 90 Minuten nur zeitweise spielen wird und die wie ein Requisit anmutet, seinen Weg zum Mikrofon. Trotz seiner sechs Mann starken Formation Modern West im Rücken klingt Costners sonorer Gesang allenfalls passabel.

Um etwaige Unpässlichkeiten des weltberühmten Chefs aufzufangen, befinden sich die Gitarristen Teddy Morgan und John Coinman (letzterer verfasst auf Costners drei Alben auch nahezu sämtliche Songs) permanent als mehrstimmige Harmoniesänger im Einsatz. Professionell tönt der Country-Rock-Verschnitt schon, doch authentisches Nashville-Flair sucht man vergebens. Egal! Telly „Kojak“ Savalas’ ›Some Broken Hearts Never Mend‹ war ja auch nur Surrogat, funktionierte aber trotzdem an der Ladentheke.

Nähe schafft Costner mit viel Geplauder, schelmischem Augenzwinkern und ins Publikum geworfenen Handküssen. Weniger über-zeugt das Repertoire: ›90 Miles An Hour‹, ›Indian Summer‹ oder ›Find That Girl‹ klingen wie halbfertig liegengebliebene Aufnahmen der Eagles aus den siebziger Jahren. Schlicht unter die Haut geht aber das düstere ›The Hero‹, Costners Analyse über US-Soldaten, die nach dem Kriegseinsatz traumatisiert sind. Leidenschaft flackert aber nur in den Augen von Geiger Bobby Yang, wenn er manisch den Bogen seiner Fiddle zückt.

Zwei flotte Zugaben noch, ›Saturday Night‹ und ›Superman 14‹, dann fangen die Roadies an, die Anlage wegzuräumen. Kevin Costner hat aber noch nicht genug Tuchfühlung mit dem Publikum verspürt. Mit Glas und Cham­pag­nerflasche im Anschlag stolpert der Hollywood-Beau auf der Bühne umher, singt mit bei der eingespielten Musik aus der Konserve, schreibt Autogramme auf CDs, Fotos, Eintrittskarten, Zettel und Unter-arme. Ein unwirkliches Schauspiel, das sich einbrennt, als wäre man unmittelbarer Zeuge bei einer Naturkatastrophe.

Alter Bridge & Black Stone Cherry: München, Kesselhaus

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Alter_Bridge_Pressefoto_1_-_CMS_SourceEin einfaches Konzert wird zur 160 Minuten Doppel-Headliner-Show.

Lange vor Einlass erstreckt sich vor dem Münchner Kesselhaus eine ellenlange Schlange. Die Menschen, die eine Eintrittskarte für das restlos ausverkaufte Konzert von Black Stone Cherry und Alter Bridge ergattern konnten, stehen sich erwartungsvoll in der Kälte ihre Füße platt. Hier wird klar, dass die beiden Acts keine Geheimtipps mehr sind. Dennoch oder eben deshalb ist die Stimmung gleich darauf im Club unter dem gemischten Rock-Publikum ein wenig angespannt, was auch daran liegen mag, dass nur kaum hörbar Musik aus der Anlage schallt, um die knapp 2000 Fans für die Show aufzulockern.

Pünktlich wie die Südstaaten-Maurer betreten Black Stone Cherry um Punkt 20 Uhr die Bühne und müssen früh am Abend einen Kaltstart hinlegen. Mit dem stampfenden ›Change‹ geben sie die Marschrichtung vor. Bereits nach wenigen Takten wird klar, dass man hier nicht einfach Alter Bridge und Special Guest zu sehen bekommt. Die vier Southern Rocker aus Kentucky haben Bock und die Leute sind auch wegen ihnen gekommen. Dennoch kostet es das Quartett knapp die Hälfte ihres Sets, das Publikum bis in die hinteren Reihen in Stimmung zu bringen. Mit ›White Trash Millionaire‹ ist der Bann in der alten Industriehalle endlich gebrochen, und das textsichere, mitsingende Münchner Publikum bringt Sänger Chris Robertson bei ›Peace Is Free‹ beinahe in Verlegenheit. Selbstbewusst jamen sich Black Stone Cherry durch den Muddy Waters-Song ›Hoochie Coochie Man‹, covern ›Sweet Home Alabama‹ und geben mit ›Lonely Train‹ an Alter Bridge ab. Nach genau einer Stunde, wie es sich für eine gewöhnliche Vorband gehören würde, räumen sie anstandslos das Feld.

Alter Bridge übernehmen eine perfekt eingespielte Bühne. Mit ›Slip To The Void‹ eröffnen die Ex-Creed-Männer gemeinsam mit Myles Kennedy ihre 19 Songs starke Show. Mit erstaunlichen musikalischen Fähigkeiten und einer mächtigen Soundwand haben sie vom ersten Lied an das Publikum im Griff. Neben dem unglaublich fingerflinken Marc Tremonti ist eindeutig Kennedy der Star der Band. Er ist bei Leibe keine Rampensau, singt aber einfach so gut, dass er einem unsympathisch wäre, wenn er nicht auf so charmante Art schüchtern wirken würde. Wie zuvor bei Black Stone Cherry gehört auch hier der Balladen-Teil (bestehend aus Kennedys Solo-Akustik-Versionen von ›Wonderful Life‹ und ›Watch Over You‹) zu den Höhepunkten. Alter Bridge geben drei Zugaben. Nach ›Open Your Eyes‹ duellieren sich Kennedy und Tremonti in einem fünf minütigen Bombast-Gitarren-Solo, bevor sie mit ›Rise Today‹ eine erstklassige Live-Darbietung und einen gelungenen Konzertabend beenden.

Lenny Kravitz: Hamburg, O2 World

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Lenny_Kravitz_2011Der New Yorker betört die Frauen und gibt den bodenständigen Rocker.

Der US-amerikanische Sänger Raphael Saadiq hat mit seiner Band ganze Arbeit geleistet und das Publikum in der O2 World ordentlich in Stimmung gebracht, als Kravitz um 21.20 Uhr die Bühne betritt. In knallengen Hosen, weißem Felljäckchen und Sonnenbrille macht der 47-jährige Sänger dem Image eines Rockstars alle Ehre. Das Konzert beginnt mit einigen seiner größten Hits, fettem Sound und energiegeladenen Bewegungen. Eine stimmige Licht- und Dia-Show im Bühnenhintergrund begleitet den Sänger und seine siebenköpfige Band und lässt auch Zuschauer auf den entfernten Plätzen nah an den Superstar heran.

Doch erst, als Lenny schließlich seine Brille abnimmt, das norddeutsche Publikum begrüßt und mit ›It Ain’t Over ‚til It’s Over‹ eine gefühl-volle Ballade anstimmt, springt der Funke ganz in den Saal über. Von nun an tanzen und singen (fast) alle mit, klatschen tosenden Beifall und folgen Lenny mit ihren Blicken, wenn der über die Bühne fegt. Für Lenny Kravitz selbst ist dieser Abend eine Art „Comeback“, wie der Sänger zwischen zwei Songs verrät. Denn vor 22 Jahren, als er gerade seine erste Platte aufgenommen hatte, sein Label noch unsicher war, wie es mit dem einerseits zu schwarzen und andererseits zu weißen Rockmusiker mit Rastalocken umgehen sollte, führte ihn eine EuropaTour nach Hamburg. Vor einem kleinen Publikum spielte Kravitz damals im Café Schöne Aussichten und erinnert sich noch gut an das Gefühl, mit seiner Musik hier anzukommen und verstanden zu werden.
Mehr als zwei Jahrzehnte später sind die Dreadlocks verschwunden, Kravitz ist Vater einer erwachsenen Tochter – und die Jahre sind nicht spurlos an ihm vorbei gegangen. Umso beeindruckender die Momente, in denen seine Coolness bricht und hinter der perfekten Rockstar-Maske ein Mann sichtbar wird, der das Rampenlicht genießt, jedoch weiß, dass all das „nur ein Spiel ist“: Es gehe letztlich da-rum, geliebt zu werden.

Besonders spektakulär kommt ›Black & White America‹ (der Titelsong der Tour und des neuen Albums) daher: Auf riesigen Leinwänden werden Kinder- und Familien-Fotos eingeblendet, die neben Lennys Texten viel über ihn erzählen. Z.B. wie es war, als Kind seiner schwarz-weißen Eltern (sein Vater Sy Kravitz ist ukrainisch-jüdischer Fernsehproduzent, seine Mutter Roxie Roker ba-hamesisch-afroamerikanische Schauspielerin) im Amerika zu Zeiten Martin Luther Kings aufzuwachsen.

Kravitz spielt gekonnt mit der Nähe zu seinem Publikum. Er versteht es noch immer, insbesondere seine weiblichen Fans mit seinem Charme (und den muskulösen, tätowierten Oberarmen!) zu verzaubern. Am Ende der Show taucht Lenny in die Menge ein und klatscht jeden ab, der es schafft, ihm auf seinem Rundgang durch die Halle nahe zu kommen. Wieder zurück auf der Bühne beendet der Weltstar in Begleitung seines Gitarristen Craig Ross einen unvergesslichen Abend mit einer akustischen Version von ›I Belong To You‹.

Masters Of Rock Antenne: Augsburg, Schwabenhalle

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Royal_Republic_Adam_Grahn_02Auch die dritte Auflage des Ein-Tages-Festivals glänzt mit grandioser Stimmung und hochkarätigen Bands.

Aller guten Dinge sind drei. Das dachte sich auch die Rock Antenne und lud am 8. Oktober zur dritten Runde ihres Ein-Tages-Festivals in die Augsburger Schwabenhalle. Da sich die Veranstaltung in den letzten beiden Jahren einen mehr als guten Ruf erspielt hat, muss der Radiosender sein Publikum nicht bitten. Trotz der für die meisten Rocker ungewöhnlich frühen Startzeit von 15 Uhr strömen schon beachtliche Massen in die Messehalle und freuen sich auf einen Tag voller guter Musik und Unterhaltung.

Den Anfang machen A Life Devided aus Bad Tölz. Obwohl die Halle schon gut gefüllt ist, haben die Bayern anfangs das typische Problem der Eröffnungsband: Die Leute blicken zwar interessiert zur Bühne, sind allerdings in ihren Reaktionen noch etwas verhalten. Doch die Mu-siker lassen sich davon nicht be-irren, was nach einer Weile schließlich goutiert wird.

Als nächstes stürmen Royal Republic die Bühne und liefern von Beginn an eine unglaubliche Show. Schon während des ersten Songs wecken sie auch den letzten Besucher auf, keiner bleibt nun mehr ruhig stehen, jeder wird von der unbändigen Spielwut und Power der Schweden angesteckt. Dabei schmettern sie einen Hit nach dem anderen. Vor allem ›Tommy-Gun‹ und ›Underwear‹ werden lauthals mitgesungen. Als die Band die Bühne verlässt, schreit das Publikum nach mehr, so dass die Musiker strahlend zurückkommen und mit ›We Are The Royal‹ noch einmal Gas geben. Doch danach ist leider wirklich Schluss. Schließlich warten noch mehr hochkarätige Acts auf ihren Auftritt.

Als nächstes steht eine Rock-Legende auf dem Programm: Jimi Jamison, der ehemalige Sänger der Band Survivor. Der 60-jährige Musiker ist bei bester Stimme, nur an seiner etwas statischen Performance merkt man, dass er eben nicht mehr der Jüngste ist. Das Publikum wird ein wenig verhaltener. Erst bei Hits wie ›Burning Heart‹ und ›I’m Always Here‹, der Titelmelodie der Serie „Baywatch“, singen tausende Kehlen wieder lautstark mit.

Und es geht weiter mit Classic Rock: Die altgedienten Recken von Bonfire sind schon 40 Jahre im Geschäft und wissen, wie man die Menge gleich für sich einnimmt. Die Stimmung kocht vom ersten Mo-ment an, die Ingolstädter geben al-les, was am Ende mit lautstarken Zugaberufen belohnt wird.

Auch die Stimmung bei Edguy ist von Anfang an prächtig. Die Musiker um den stimmgewaltigen Tobias Sammet haben sichtlich Spaß auf der Bühne, was die Menge noch mehr anheizt. Es wird getanzt, ge-bangt und gesprungen. Die Hessen liefern ein wahres Best-of-Set mit Hits wie ›Robin Hood‹, ›King Of Fools‹ oder ›Superheroes‹.

Mit den H-Blockx wechselt die Stilrichtung nun in den modernen Metal-Bereich. Die Reaktionen des Publikums sind recht unterschiedlich. Während die meisten zu alten Krachern wie ›Risin‘ High‹ oder ›Move‹ begeistert abgehen, senkt sich die Stimmung bei den neueren Songs immer wieder. Es ist ein Auf-und-Ab mit der Begeisterung, bis die Band durch die Zugaben ›Ring Of Fire‹, ›Celebrate Youth‹ und ›Leave Me Alone‹ noch einmal mächtig punkten kann.
Schandmaul müssen anfangs erst einmal mit Problemen kämpfen: Dudelsackspielerin Birgit steckt im Stau fest und stürmt erst beim dritten Lied auf die Bühne. Doch die anfänglichen Schwierigkeiten sind danach schnell vergessen und die Mittelalter-Folk-Rocker finden schnell wieder zu gewohnter Form. Das Publikum ist nach dem langen Tag zwar schon recht müde, macht aber die letzten Reserven locker und tanzt fröhlich mit.

Nach mehr als acht Stunden voller Musik ist das Festival schließlich am Ende und erneut ein voller Erfolg. 8000 glückliche Besucher verlassen das Augsburger Messegelände mü- de, aber strahlend und freuen sich sicher schon auf nächstes Jahr, wenn das Masters Of Rock Antenne in seine vierte Runde geht.

WE SING ROCK!

WeSingRockBundle_Packshot_2DRock-Geschichtsstunde mit hervorragender Song-Auswahl.

„Endlich ein waschechtes Karaokespiel für Rocker!“, hallen Jubelschreie durchs CLASSIC ROCK-Land. Zu recht, denn konträr zu manch einer Mogelpackung mit Mutter Beimer-Rockfaktor hält WE SING ROCK!, was sein Titel verspricht. Begleitet von den jeweiligen Original-Videoclips, animieren immerhin 40 Kompositionen der Stromgitarren-Historie bis zu gleichzeitig vier Kehlen in acht Mehrspieler-Modi zum Blamieren, Amüsieren und Triumphieren vor dem heimischen Fernseher. Die auf drei Schwierigkeitsstufen erlebbare Rundreise beginnt mit Elvis Presley (›Suspicious Minds‹) sowie Creedence Clearwater Revival (›Proud Mary‹) in den sechziger Jahren, geht mit Free (›Al-right Now‹) und The Pretenders (›Brass In A Pocket‹) in die Siebziger über und setzt durch Beispiele von Tina Turner (›The Best‹), Alice Cooper (›Poison‹), Def Leppard (›Pour Some Sugar On Me‹), Robert Palmer (›Addicted To Love‹), Survi-vor (›Eye Of The Tiger‹), Europe (›The Final Countdown‹), Simple Minds (›Don’t You…‹) oder Whitesnake (›Here I Go Again ’87‹) Schwerpunkte in den achtziger Jahren. Die Neunziger-Auswahl fällt mit Eintagsfliegen (4 Non Blondes: ›What’s Up‹) und Totgehörtem (Sheryl Crow: ›All I Wanna Do‹) qualitativ und quantitativ ab. Dafür präsentiert sich das 21. Jahrhundert mit 30 Seconds To Mars (›Kings And Queens‹), Bloc Party (›The Prayer‹), Coldplay (›Violet Hill‹), My Chemi-caI Romance (›Welcome To The Black Parade‹), Paramore (›Ignorance‹), Franz Ferdinand (›Take Me Out‹) oder Kasabian (›Underdog‹) umso hochkarätiger.

Besonders benutzerfreundlich und keineswegs selbstverständlich: WE SING ROCK! spult Lieder nicht nur nach starr vorgegebenen Reihenfolgen ab, sondern passt sich durch individuell einstellbare Abfolgen an jede Spielergeneration und je-den Geschmack an. Novizen erwerben ein Komplettpaket mit zwei Logitech-Mikrofonen und bringen ihre Stimmbänder im integrierten „Gesangsunterricht“-Modus auf Temperatur. Erfahrene Goldkehlchen greifen hingegen auf Mikrofone zurück, die mit WE SING-Vorgängern oder Serien wie SING IT und ROCK BAND erworben wurden und streiten in besonders schwierigen Passagen um Sonderpunkte.

AC/DC – HIGH VOLTAGE-ROCK’N’ROLL: DIE ULTIMATIVE BILDBIOGRAFIE

ACDCBesser geht es nicht: die definitive AC/DC-Fibel zum Betrachten und Lesen.

Jimmy Page weiß, wovon er spricht, wenn er mit diversen weiteren Rocklegenden auf der ersten Umschlagseite verlauten lässt: „AC/DC verkörpern alles, worum es im Rock geht. Sie sind schonungslos und hart. Wenn du AC/DC hörst, bewegt sich was. Deine Beine zucken. Du wippst mit den Füßen. Es ist wirklich guter, solider Rock’n’Roll.“ Das ist der Auftakt für eine herrliche Zeitreise durch ein 224 Seiten starkes Buch, das einen ziemlich irreführenden Titel trägt: AC/DC – HIGH VOLTAGE-ROCK’N’ROLL: DIE ULTIMATIVE BILDBIOGRAFIE. Verwirrend deshalb, weil der renommierte Autor Phil Sutcliffe zwi-schen die mehr als 400 zum Großteil raren und unveröffentlichten Fotos aus vier Jahrzehnten auch ordentliche Texte von sich selbst und Kollegen wie Sylvie Simmons, Garth Cartwright und James McNair gepackt hat, die sich der Entwicklung der Band widmen. Und ja, es wird auch versucht zu ergründen, was in der Nacht vom 18. auf den 19. Februar 1980 am Londoner Ashley Court in jenem Renault 5 wirklich geschah, als Bon Scott an akuter Alkoholvergiftung starb. Es wird aber auch berichtet, dass Scott nicht der erste Frontmann von AC/DC war. Dave Evans erlitt das gleiche Schicksal wie einst Beatles-Drummer Pete Best: Er wurde kurz vor dem Durchbruch gefeuert. Dickes Lob gebührt der famosen Verpackung: Ein Open-Air-Foto prangt auf dem Buchcover, darauf zu sehen ist ein am Boden liegender Angus samt Gibson SG, montiert auf einer Drehscheibe. Fabelhaft!

Florence & The Machine

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Florence And The Machine 2011 @ Tom Beard„Ich schreibe keine E-Mails, habe immer noch einen Walkman und bewege mich am liebsten zu Fuß fort“, sagte Florence Welch einst in einem Interview. Klar, und am liebsten kommuniziert sie per Brieftauben! Die britische Sängerin mit den androgynen Gesichtszügen wirkt wie ein wundersames, aus der Zeit gefallenes Wesen. Aus dem Nichts tauchte die Kunst-Studentin vor drei Jahren in der britischen Popszene auf – und noch bevor das erste Album veröffentlicht war, nahm die Londonerin einen Brit Award als hoffnungsvolle Newcomerin entgegen. Das mit ihrer Band (als Florence & The Machine) eingespielte Debüt LUNGS schaffte es schließlich auf den Spitzenplatz der UK-Charts. Nach einem Auftritt bei den MTV Video Music Awards, der von knapp einer Milliarde TV-Zuschauern verfolgt wurde, war Florence Welch am nächsten Tag die meist gegoogelte Person weltweit. Plötzlich war die 25-Jährige, die heute noch bei ihrer Mutter lebt, in aller Munde.

Anfang dieses Jahres zog sie sich in die Abbey Road Studios zurück, wo mit Unterstützung von Produzent Paul Epworth (u.a. Adele) die Fortsetzung von LUNGS entstand. Während Welch auf ihrem Erstling das vorübergehende Ende einer Beziehung und Teenager-Probleme verarbeitete, geht es nun ums Erwachsenwerden: „Ich würde sa-gen, es ist ein Album von einer, die so langsam zu einer Frau heranwächst.“ Druckvolle Sounds dominieren die CD, die Texte sind reich an makabren Bildern. Die Vorab-Single ›What The Water Gave Me‹ – benannt nach einem Gemälde von Frida Kahlo –, in der der Suizid von Virginia Woolf thematisiert wird, liefert einen Eindruck davon. „Ich bin besessen vom Ertrinken. Diese überwältigende Kraft des Wassers fasziniert mich. Es ist wie das erste Mal verliebt zu sein“, sinniert Florence Welch.

Aufgewachsen mit dem Testosteron strotzenden Gitarrenrock, ließ sich Florence Welch für CEREMONIALS von starken Frauen wie Stevie Nicks, PJ Harvey und Kate Bush inspirieren. „Künstlerinnen sind bereit, ihre Verletzlichkeit zu zeigen. Das macht sie aus, diese Mischung aus Verletzlichkeit und Stärke.“ Das macht auch Florence Welch zu etwas Besonderem. Mit der Theatralik von Lady Gaga, der Mystik von Kate Bush, dem Eigensinn von Tori Amos und der Stimmgewalt von Adele trifft sie genau ins Schwarze.