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The Darkness

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The Darkness 2011 by Marianne Harris - chairPower-Pop-Rock mit einer gehörigen Portion Selbstironie und Augen­zwin­kern – das war das Erfolgsrezept von The Darkness in ihrer ersten Band­phase und vor allem auf ihrem Debütalbum PERMISSION TO LAND aus 2003. Leider Gottes verwässerte das Quartett diesen Ansatz auf dem zwei Jahre später erschienenen ONE WAY TICKET TO HELL… AND BACK, zerstritt sich gar und zog letztendlich angesichts der gesundheitlichen Probleme von Front­mann Justin Haw­kins die Not­bremse: 2006 checkte der Lockenkopf in eine Ent­zugs­klinik ein, um sich dem Alkohol und dem Kokain zu entwöhnen. Die zwischenzeit­lich ins Leben gerufenen Projekte bzw. Bands (Hot Leg von Justin Haw­kins sowie Stone Gods von Bruder Dan) erwiesen sich im Endeffekt nur als Zeitvertreib denn als wirkliche Karriere-Alternative.

Also standen alle Zeichen auf Reunion? Nicht ganz: Um den Weg für eine Wiedervereinigung von The Darkness frei zu machen, mussten Justin und Dan erst ihre Differenzen ausräumen. „Ich habe zuerst meine Freundschaft mit Justin wiederhergestellt, aber sobald das geschehen war, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis wir erneut zusammen Musik machen würden, denn das haben wir unser ganzes Leben lang getan. Und wenn wir schon wieder gemeinsam rocken sollten, warum dann nicht in The Darkness?“, erzählt Dan.

Inzwischen dürfte das dritte Studioalbum bereits im Kasten sein, auf den Markt soll es im ersten Quartal nächsten Jahres kommen. Und die Fans dürfen durchaus eine Rückkehr zum unbeschwerten Rock von PERMISSION TO LAND erwarten. Zumindest lässt sich das aus einem Statement von Sänger Justin Hawkins ableiten: „Musikalisch ging es uns darum, sicherzustellen, dass wir alle eine gute Zeit haben. Wir haben uns daran erinnert, warum die Band für uns anfangs so ein Hei­den­spaß war: Wir waren einfach nur vier Männer in einem Raum, die laute Musik gemacht haben.“

The Darkness mögen wieder ein Herz und eine Seele sein, das heißt jedoch nicht, dass sich einzelne Mitglieder nicht auch anderweitig betätigen dürfen. Justin etwa ist angeblich gerade dabei, mit Foo Fighters-Drummer Taylor Hawkins (Hauptsache, zwei Hawkins‘ in der Band, oder wie?) eine „Supergroup“ zu gründen – mit zwei Sängern: dem dänischen Liedermacher Mads Langer sowie Sue Whitehouse, die einst The Darkness managte und mit Justin verlobt war.

Megadeth

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Megadeth_TH1RT3EN_Promophoto_2011 (5)Dave Mustaine ist ein sehr abergläubischer Mensch. Schon vor einiger Zeit ließ der Sänger und Gitarrist verlauten, schwarze Magie habe sein Le-ben zerstört – und allein die Liebe zum Gi-tarrenspiel und die Unterstützung seiner Freunde hätte ihn gerettet. Doch während der Aufnahmen zu Megadeths neuem Al-bum TH1RT3EN schlug die dunkle Macht scheinbar erneut zu. „Es geschahen viele seltsame Dinge“, gibt Mustaine zu. „Sachen gingen verloren, einer meiner Mitarbeiter be­kam auf einmal Drogen-Probleme und verschwand. Außerdem mussten wir die Aufnahmen kurzzeitig unterbrechen, weil unser Produzent Johnny K plötzlich krank wurde. Es war wie verhext.“

Dabei stand die Band sowieso schon un­-ter Zeitdruck: „Wir hatten nur zwei Monate Zeit. Aber wir sind alle schon lange genug im Geschäft, um das zu schaffen. Es war harte Arbeit. Es gab viele Nächte, in denen ich vor dem Computer einschlief und am nächsten Morgen Abdrücke von der Tatstatur im Gesicht hatte, weil ich darauf gelegen hatte.“ Mit dem Resultat ist Dave mehr als zufrieden. „Früher habe ich mir nach Albumaufnahmen oft gedacht: ‚Verdammt, warum haben wir diese oder jene Passage nicht an-ders eingespielt?‘ Doch bei TH1RT3EN ist das völlig anders. Wenn ich mir das Album anhöre, denke ich eher: ‚Super, dass wir das so gemacht haben. Das ist perfekt!‘“ Die namensgebende Zahl 13 selbst hat für Mustaine nichts mit Aberglauben zu tun. „Dies ist unser 13. Album, ich bin am 13. September geboren und habe mit 13 Jahren angefangen, Gitarre zu spielen. Der Name drängte sich irgendwie auf.“

TH1RT3EN ist auch das erste Album seit THE WORLD NEEDS A HERO (2001), auf dem Bassist und Megadeth-Gründungsmitglied Dave Ellefson wieder in die tiefen Saiten greift. „Ich bin sehr froh, dass Dave wieder mit an Bord ist“, betont Mustaine. „Er war schon immer ein grandioser Musiker und ist in den letzten Jahren noch besser geworden. Er ist eine große Bereicherung für das Album und die Band.“

Das Pech holte Mustaine jedoch im September ein. Er plagte sich mit schrecklichen Nackenschmerzen und ließ sich schließlich operieren. „Während der ‚Big Four‘-Tournee durch die USA hatte ich Bandscheibenvorfälle an drei Halswirbeln und musste des-wegen unters Messer. Ausgelöst wurden sie durch jahrlanges Headbangen. Aber ich er- hole mich gut und werde für unsere Gigs im nächsten Jahr wieder vollkommen fit sein.“

Van Halen

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David Lee Roth, Eddie Van Halen, Alex Van Halen, Wolfgang Van HalenSie verströmt den Geruch von Nebelmaschinen, malträtierten Gitarrensaiten und Bühnenschweiß: die wild brodelnde Gerüchteküche um Van Halen. Fest steht auf alle Fälle, dass die Hardrocker in Bälde ein neues Studioalbum auf die Welt loslassen. Angeblich haben Eddie & Co. dafür sogar bereits einen neuen Plattenvertrag mit Columbia Records geschlossen und damit ihrem langjährigen Label Warner Lebwohl gesagt. Dem Van Halen-News Desk zufolge ist an diesem Hörensagen durchaus was dran: So hätten zwar tatsächlich ernsthafte Vertragsgespräche stattgefunden, eine Einigung sei aber bislang noch nicht zustande gekommen.

Während die Verhandlungen weiter auf Hochtouren laufen, wartet der frische, aktuell noch namenlose Longplayer eigentlich nur noch darauf, dass er ins Presswerk darf. Denn die Albumaufnahmen haben Van Ha-len im Juli abgeschlossen, im August stand der Mix an, und im September rauschte das Werk durchs Mastering. Im Grunde fehlen also nur mehr das Artwork und eben ein Label in-klusive Vertrieb, das das Album auf die globalen Märkte bringt.
2012 ist es dann endlich soweit, und die Van Halen-Jünger dürfen sich die erste LP ihrer Lieblingskapelle seit 1998 reinziehen. Für Sänger David Lee Roth, der von Beginn der Vorbereitungen zur Nordamerikatournee 2007 an wieder als vollwertiges Bandmitglied mit an Bord weilt, ist es gar die erste Van Halen-Scheibe seit 1984 bzw. sage und schreibe 27 Jahren. Den 2006 zur Rock-Su-pergroup Chickenfoot abgewanderten Bassisten Michael Anthony ersetzt nun auch schon fünf Winter lang ein weiteres Fami-lienmitglied aus dem Hause Van Halen: Eddies Bruder, der nach Mozart benannte und gerade mal 20-jährige Wolfgang.

Einem befreundeten Musiker haben Ed-die, Wolfgang und Schlagzeuger Alex Van Halen bereits einmal das komplette Album live vorgespielt. Mark Tremonti, seines Zeichens Gitarrist bei Creed und Alter Bridge, folgte der Einladung ins Studio und ließ sich zusammen mit einem mitgeschleiften Kumpel standesgemäß durchrocken. Tremonti zufolge klingt das Material wie eine Mi-schung VAN HALEN, VAN HALEN II und FAIR WARNING. In den Van Halen‘schen Live-Genuss werden kommendes Jahr auf jeden Fall auch einige Hardrocker aus Down Under kommen, sind doch für 2012 bereits einige Auftritte in Australien geplant.

Das letzte Wort: Andrew Eldritch (Sisters Of Mercy)

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Als Nonkonformist, grottenschlechter Cricket-Spieler und überzeugter Glatzenträger ist der Sänger der Sisters Of Mercy seinem zügellosen Lebensstil bis heute treu geblieben. Das unterstreicht unter anderem seine Abneigung gegenüber Rote Beete.

ROC160.load.eldritchAndrew Eldritch ist einer der prägendsten Künstler der Rockwelt, auch wenn er das meiste, das er da geprägt hat, verachtet. Dank solch düsterer Alben wie FIRST AND LAST AND ALWAYS (1985) und FLOODLAND (1987) wurden die Sisters Of Mercy zum Aushängeschild der Gothic-Bewegung – sehr zum Leidwesen von Eldritch. Ihrer Abneigung gegenüber der Musikindustrie folgend, hat die Band seit 1991 kein Album mehr produziert. Trotzdem gehen sie regelmäßig auf Tour und werden nächstes Jahr auch nach Deutschland kommen.

Wo wohnst du derzeit?
Ich bin ein unheimlich mobiler Mensch. Ich habe Zugang zu Autos und Häusern, aber zur Zeit halte ich mich in Leeds auf.

Hattest du eine glückliche Kindheit?
Ehrlich gesagt, hatte ich nicht viel von meiner Kindheit. Ich war weder glücklich noch unglücklich. Ich wuchs in der Gesellschaft von Büchern auf und verbrachte eine Menge Zeit in Bibliotheken, was ich für völlig normal hielt.

Welche Bands haben deinen Musikgeschmack beeinflusst?
Früher mochte ich Deep Purple und Hawkwind, bevor ich auf Gruppen wie Suicide aufmerksam wurde.

Was hörst du heutzutage?
Musik interessiert mich nicht mehr so sehr. Ich schaue mir lieber seltsame Filme an wie Takeshi Kitanos „Sonatine“ oder „Hana-Bi“. Und natürlich besitze ich jetzt ein Kindle. Das ist ein wundervolles Teil.

Wann hast du das letzte Mal folgende Phrase verwendet: „Wisst ihr denn nicht, wer ich bin?
Das war in Denver, Colorado. Dort wollten die mich nicht in diesen Club lassen. Fühlte ich mich schlecht, weil ich es sagte? Nicht wirklich. Schließlich spielten sie drinnen meine Platten, also hielt ich es für gerechtfertigt.

Welchen Promi hättest du nie auf einem Sisters-Of-Mercy-Konzert erwartet?
Wir ziehen nicht so viele Celebrities an. Wir sind nicht diese Art von Band. Einer der „Emmerdale“-Darsteller kam einmal vorbei. Ich weiß aber nicht, welcher, er spielt einen der Bauern. Ich habe mir die Sendung nie angesehen.

Wann und warum hast du dir den Kopf kahl geschoren?
Eine ganze Weile war ich Gottes Geschenk an die Haarspray-Industrie. Meine Haare hatten alle erdenklichen Farben unter dieser Sonne. Abrasiert habe ich sie mir schon vor vielen Jahren. Ich hatte ein Alter erreicht, in dem ich mich nicht darum sorgen wollte, sie zu behalten, aber auch nicht den Anzeichen ins Auge sehen wollte, dass sie mir ausfallen würden. Also dachte ich mir: Zur Hölle mit ihnen – und ab waren sie. Das war ziemlich befreiend.

Wie gehst du damit um, wenn du auf der Straße erkannt wirst?
Das passiert nicht sehr oft, weil ich in der Öffentlichkeit ohne Sonnenbrille rumlaufe. Ich habe eine während meiner gesamten Karriere getragen. So bin ich schon an Leuten mit Tattoos von mir auf ihren Armen vorbeigelaufen, ohne auch nur im Ansatz erkannt zu werden.

Du sitzt gemeinsam mit Premierminister David Cameron, dem Me-dienmogul Rupert Murdoch und Wayne Hussey von The Mission auf einem Rettungsboot, das für nur drei Personen ausgelegt ist. Wen wirfst du über Bord?
Murdoch, weil er bei Cameron die Strippen zieht. Und der Andere ist für mich nicht von Bedeutung.

Wann hast du das letzte Mal illegale Drogen konsumiert?
(Betretenes Schweigen)

Dass du so genau nachdenken musst, dürfte dir nicht allzu oft passieren.
Ich wäge nur ab, ob ich es euch erzählen soll oder nicht. Und ich glaube, dass ich es nicht tun werde.

Was pisst dich im Leben an?
Die Republikaner in den Vereinigten Staaten, die Tories in England. Margaret Thatcher, der ich immer noch die Schuld an allem gebe. Jazz-Funk. Oh, und Rote Beete. Das geht doch nicht wirklich als Speise durch, oder?

Welchen Ratschlag würdest du dem 21-jährigen Andrew Eldritch geben?
Ich würde ihm raten, Mitglied dieser Band zu werden, in die er einzusteigen gedenkt. Er wird einiges bedauern, aber nur so kann er Dinge erleben, die ihm sonst verwehrt bleiben.

Wo wärst du heute, wenn der junge Eldritch nein gesagt hätte?
Das ist eine gute Frage. Ich bin wohl zu sehr Nonkonformist, um im Außenministerium zu arbeiten. Aber mit meinem akademischen Grad, glaube ich, könnte ich bei der BBC arbeiten.

Du bist jetzt 52. Wäre es nicht mal Zeit für einen anständigen Job?
Wahrscheinlich wäre es das. Aber ich bin von meiner zügellosen Vergangenheit zu sehr verdorben – von meiner zügellosen Gegenwart auch.

Hast du noch irgendwelche Ziele?
Ich wäre gerne Kapitän des englischen Cricket-Teams, aber leider bin ich grottenschlecht in diesem Spiel.

Glaubst du an Gott oder eine andere Form von höherer Macht?
Nein. Habe ich nie und werde ich wohl auch nie. Das könnte so eine genetische Sache sein, wie man auch als Linkshänder geboren werden kann. Kinder mit derartigen Ansichten zu indoktrinieren, grenzt an Kindesmisshandlung.

Hast du eine Vorstellung vom Sinn des Lebens?
Nein. Ich weiß, wie ein Baum aussieht, aber deshalb kenne ich noch nicht die Wälder. Ich denke, das ist unter den Leuten weit verbreitet. Sogar Philosophen haben unser ganzes Konzept von Realität angezweifelt.

Ryan Adams

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Ryan Adams 2011h @ David BlackÜber eine Dekade galt er als Prototyp des ebenso genialen wie exzessiven Musikers: Ein Mann, der dem Country-Rock eine überfällige Frischzellenkur verpasste und wegweisende Alben wie GOLD vorlegte. Nur, um zugleich starke Alkohol- und Drogenprobleme zu haben und oft indisponiert zu wirken. Das hat sich mittlerweile geändert: Zur neuen CD ASHES & FIRE präsentiert sich der 36-Jährige rundum geläutert. „Ich haste nicht mehr so durchs Leben und bin viel ausgeglichener“, setzt der Mann aus North Carolina beim Interview in London an. „Ich würde sagen, ich habe mich für das Licht entschieden.“ Was dramatisch klingt, aber nicht übertrieben ist: Das schmächtige Kerlchen mit der Strubbelfrisur wirkt so aufgeräumt und frisch wie selten zuvor. Eben nicht mehr das volltrunkene, narkotisierte Genie, das auf permanentem Konfrontationskurs ist, sondern ein charmanter, redseliger Gesprächspartner.

Zudem präsentiert er sich rank, schlank und durchtrainiert – die Folgen einer Tinnitus-Erkrankung, die eine radikale Änderung seines Lebensstils verlangte und für eine fast dreijährige Musik-Abstinenz sorgte. Die hat Adams konsequent genutzt. Angefangen beim erfolgreichen Drogenentzug, über die Ehe mit US-Schauspielerin Mandy Moore bis zur Veröffentlichung zweier Gedichtbände, die dem einstigen enfant terrible höchstes Kritikerlob bescherten. „Die Literatur, die mir etwas bedeutet, ist der Beat Ge-neration-Kram von Ginsberg oder Ferlinghetti. Außerdem liebe ich Bukowski und den Schreibstil von Miller. Meine eigenen Sachen liegen irgendwo zwischen Ginsberg und Ogden – Leute, die mich regelrecht umgehauen haben.“

Auch musikalisch hat sich bei dem Grenzgänger zwischen Country, Folk und Rock, zu dessen Fans Elton John und Willie Nelson zählen, einiges getan: Er hat sich von seiner langjährigen Backingband, den Cardinals, getrennt – mit der er seit 2005 fünf Alben aufgenommen und zahllose Tourneen bestritten hat. „Das musste passieren – aus mehreren Gründen. Ab einem gewissen Punkt war ich nicht mehr ihr Freund, sondern ihr Boss. Auch, wenn ich das nicht wollte. Und es ist schwierig, mit Leuten zu arbeiten, die man so lange kennt, dass es keine Reibungen mehr gibt. Also hab ich meinen Hut genommen und das nie bereut.“

Eine Zufriedenheit und ein Selbstbewusstsein, die sich auch auf ASHES & FIRE niederschlagen. Sein achtes Solo-Album, produziert von Altmeister Glyn Johns (The Who, The Beatles, Bob Dylan), mit Gästen wie Norah Jones und Benmont Tench (The Heartbreakers) sowie elf Songs, die mit zum Besten zählen, was Adams in seiner 20-jährigen Karriere verbrochen hat. Nämlich gefühlvoller, tiefenentspannter 70s Rock zwischen Gram Parsons, Rolling Sto-nes und Fleetwood Mac – angereichert mit einem Schuss Americana und einem spannenden Kontrast aus eingängigen Melodien und grüblerischen, tiefgründigen Texten. In denen lässt er seine Ehe, sein Leben und seine Laufbahn Revue passieren, ist mal euphorisch und verliebt, mal nachdenklich und fast morbide, aber immer entwaffnend offen und ehrlich. „Ich denke, das Album ist real“, sinniert er grinsend. „Es ist hell und dunkel, gut und böse, Pfeffer und Salz, Essig und Öl. Es ist alles in einem. Und ich sage in all diesen Stücken die Wahrheit. Ich versuche, möglichst wenig poetisch zu sein, und das Ganze simpel und entspannt auf den Punkt zu bringen.“

Was, so betont er, seiner aktuellen Gefühlslage entspricht. Und sich auch nicht so schnell ändern soll. Deshalb beschränkt er sich in puncto Live-Darbietung auf ei- ne Handvoll Daten in Skandinavien und den USA, gibt nur wenige Interviews – und hat auch die ambitionierten Pläne seines Indie-Labels Pax Am deutlich zurückgeschraubt, weil er es leid ist, zuletzt 40.000 Alben seines schrulligen ORION-Projekts in Eigenregie zu verschicken – und sich anschließend mit den Beschwerden unzufriedener Kunden herumzuschlagen. „Manchen Leuten kann man es nicht recht machen“, stöhnt Adams. „Statt sich an mich zu wenden, weil sie ihre Platten nicht erhalten haben, beschweren sie sich auf Myspace oder in irgendwelchen Blogs. Damit will ich mich nicht mehr rumärgern.“

Weshalb er die fünf unveröffentlichten Alben, die noch in seinem Archiv schlummern, nun über eine große Plattenfirma abwickelt. „Das kostet die Leute zwar mehr, aber dafür bekommen sie die Sachen schneller – und ganz easy im Laden.“ Denn easy ist besser. Gerade für jemanden, dessen bisheriges Leben nicht wirklich leicht war.

Dick Brave & The Backbeats: Mannheim, Capitol

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o_o_05_Dick-Brave_Foto_MLKMit ganz viel Patina.

Wie das Leben so spielt: Sasha, 39 Jahre alter Ex-Teenstar, der sich trotz Ausnahmetalents als Entertainer schwer tat, den Schritt vom BRAVO-Pin-Up zum gereiften Künstler zu vollziehen, verzeichnete erstaunlich hohe Absatzzahlen, als er sich 2003 in einen kanadischen Rockabilly-Recken namens Dick Brave verwandelte. Mit tadellosem Hüftschwung, schiefer Schnute, ondulierter Haartolle und kanadisch-deutschem Akzent inszenierte er sich im Geiste von Elvis Presley. Unbegreiflicherweise ad acta legte Sasha die Kunstfigur allerdings schon ein Jahr später: Dick Brave verschwand bei einem Flugzeugabsturz in Kanada. Weil in den vergangenen Jahren Trittbrettfahrer wie The Baseballs und The Boss Hoss sogar im Ausland funktionierten, fand sich 2011 ein Dreh, das Alter Ego zu reanimieren. Eine TV-Doku illustriert die angebliche Suche, bei der sich ausgerechnet der nervige Moderatorengrünschnabel Klaas Heufer-Umlauf als Retter aufspielt. Da leistet der ausverkaufte Tourstart wesentlich kompetentere Überzeugungsarbeit. Und das, obwohl der perfekt im 50s-Look gekleidete Dick wegen grippalen Infekts eigentlich ungeeignet erscheint, ordentlich das Motto des ersten Songs zu vermitteln: Johnny Burnettes ›Rock Therapy‹. Dass das vom ersten Takt an auf Vollgas geeichte Spektakel dann doch gelingt, liegt an Unmengen bereitgestellten Tees, aber auch an der Energie, die die Musiker vom Stapel lassen. Wirkte das Konzept, neue wie alte Rockklassiker auf halbstarken Rockabilly zu trimmen, beim Start vor acht Jahren noch wie satirische Parodie, sorgt ausgerechnet Sashas Erfolglosigkeit für einen gewissen Echtheitseffekt. Außerdem darf das Quintett sich rühmen, hierzulande als erste verstanden zu haben, dass Patina nichts schlechtes sein muss. Gegenwart lässt sich eben nur schwer mystifizieren. Für stilistische Authentizität beim Comeback sorgen die Backbeats mit Gretsch-Gitarren-Twang, Fats-Domino-Piano, Stehbassläufen und Schlagzeugbumms. Perfekt in seiner Rolle als potenter Nierentisch-betörer und Leithengst geht der smarte Dick auf, wenn er der Damen­welt im tadellosen Vortrag feuchte Träume für den Nachhauseweg garantiert. Als ausbaufähig erweist sich das stringente Konzept auch dank Braves famoser Blues-Impressionen auf der Mundharmonika. Bleibt zu hoffen, dass der in Karriere-schritten eher unentschlossene Sasha nicht wieder vorzeitig die Reißleine zieht.

Toby Keith: München, Kesselhaus

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toby-keithMainstream-Country-Rock in der Hauptstadt Bayern – ein interessantes Experiment.

Es passiert nicht oft, dass sich ein amerikanischer Country-Superstar nach Europa verirrt. Wozu auch, wenn er auf der anderen Seite des Atlantiks bei jedem Auftritt zwischen 10.000 und 50.000 Zuschauer zählt, und hierzulande ihn nahezu niemand kennt – bis auf die verschwindend kleine Country Music–Fangemeinde. Klar, wenn man Willie Nelson heißt, der ebenfalls vor nicht allzu langer Zeit wieder mal Europa betourt hat, dann ist das Risiko gering. Denn „Old Willie“ ist eine Legende, und den kennt hier bei uns sogar so mancher Ottonormalverbraucher. Aber wer bitte schön ist Toby Keith?

Auf alle Fälle hat es den Anschein, als ob sämtliche Buffalo Bill- und Billy The Kid-Fans aus Bayern anwesend sind. Denn jene kennen Toby Keiths Musik bereits seit dessen erstem Longplayer anno 1993. Satte 17 Studioscheiben und 61 Singles hat dieser Künstler bislang auf den Markt geschleudert. Aber ausschlaggebend sind die Verkaufszahlen in den USA, die sich auf bislang 30 Millionen Alben belaufen. Das sind Dimensionen, von denen bei uns die meisten Rockstars nur träumen können. Immerhin ist sich Mr. Keith nicht zu schade, in Europa in sehr viel kleineren Locations aufzutreten. Unseren Kontinent mit Country Musik erobern – das haben vor ihm schon viele versucht. Aber so richtig ist das nie gelungen. Warum? Vielleicht weil wir hier ja unsere eigene Volksmusik haben. Denn Country ist ja in Amerika auch nichts anderes.

Toby Keith hat einige wirklich gute Rock-Songs in seinem Repertoire, aber live ist das eine andere Sache. Denn im Verlaufe des Abends merkt man doch sehr deutlich, wo der Hase lang hoppelt. Und das ist eindeutig auf der Coun-tryschiene, welche lediglich mitunter durch das eine oder andere Rock’n’Roll-Riff angereichert wird. Wahrscheinlich soll das so sein, und die anwesenden Country-Verfechter sind absolut happy damit. Erst zum Schluss hin dreht der Cowboyhutträger noch mal so richtig auf, packt sein Mikro, schmeißt die Gitarre weg und geht auf Tuchfühlung mit dem Publikum ganz vorne am Bühnenrand – sofern es eben der Sicherheitsgraben erlaubt.

Die Setliste wird aus zeitlichen Gründen um einen Song verkürzt, denn um 22.30 Uhr muss hier Zapfenstreich sein. Nicht etwa, weil es die Stadtväter so wollen, sondern damit sich die Cowboy-Fangemeinde auf dem Heimweg nicht mit den 6.000 Fans von Volbeat in der Halle gegenüber in die Quere kommen. Immerhin hatte die kleine Anhängerschaft mal wieder Gelegenheit, ihren Kopfschmuck stolz zur Schau zu tragen. Für Toby Keith war es mit Sicherheit eine etwas andere Erfahrung. Mal sehen, ob er irgendwann wieder kommt. Erstmal ist er als „Best Touring Artist of The Year“ für einen Grammy Award nominiert – und das heißt sehr viel in den Vereinigten Staaten.

R.E.M.

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REM_REM_Promo_Pic_2011_ @ Anton CorbijnEs ist schon ungewöhnlich, dass ein Künstler überhaupt ein Interview zur Auflösung seiner Band gibt. Noch ungewöhnlicher ist es allerdings, wenn er da-bei so gute Laune hat wie Michael Stipe. Der – da liegt die Ironie – nie ein besonders entspannter, geschweige denn witziger Interview-Partner war. Eher im Gegenteil: Der Verfasser dieser Zeilen hat schon oft geschworen, sich diesen missmutigen, wortkargen und einsilbigen Menschen nie wieder anzutun. Nur um jedes Mal rückfällig zu werden.

Doch heute, im plüschigen Connaught Hotel im Londoner Stadtteil Mayfair, präsentiert sich der 51-Jährige so, wie man sich ihn immer gewünscht hätte: charmant, spritzig und offen. Was wahrscheinlich daran liegt, dass er mit der Best Of PART LIES, PART HEART, PART TRUTH, PART GARBAGE kein neues Album zu promoten hat. Und dass sich R.E.M. – nach 31 Jahren und 85 Millionen verkaufter Alben – am 21. September offiziell getrennt haben. „Es war an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen“, setzt das Männchen mit der Hornbrille, dem weißgrauen Bart und der frisch polierten Kopfhaut an. „Wir sind an den Punkt gekommen, da wir erkennen mussten, dass wir alles erreicht haben, dass es fortan nur noch bergab gehen kann und wir auch keine neuen Ideen mehr in uns haben. Da kam uns die Tatsache, dass unser Plattenvertrag auslief und wir mit COLLAPSE INTO NOW eines der besten Alben seit Jahren gemacht haben, sehr entgegen: Wir konnten auf einem Höhepunkt aufhören.“

Eine Entscheidung, die er schon drei Jahre mit sich rumträgt. Weshalb COLLAPSE INTO NOW vom März 2011 bereits etliche Indizien für die Trennung enthielt. „Es war so deutlich“, setzt Stipe mit einem breiten Grinsen an. „Ich meine, wir hatten zum ersten Mal ein Foto von uns auf dem Cover, auf dem ich auch noch eine winkende Bewegung mache. In dem Song ›All The Best‹ verabschiede ich mich von den Fans, und zum Finale singe ich ein Duett mit Patti Smith – noch offensichtlicher geht es kaum. Nur: Es scheint keiner kapiert zu haben. Ist das nicht traurig?“

Was eher eine rhetorische Frage ist. Denn traurig ist er selbst kein bisschen. Schließlich habe das Ganze ein solches Echo ausgelöst, wie er es sich nie hätte träumen lassen. Mit Kondolenzbekundungen und Danksagungen aus Politik und Showbiz – u.a. von befreundeten Künstlern wie Pearl Jam, Radiohead, Springsteen oder Coldplay. Zudem fühle er sich nun, da die Katze aus dem Sack ist, freier denn je und freue sich darauf, sein Leben, das über drei Dekaden von der Musik bestimmt war, in andere Bahnen zu lenken. „Es ist nicht so, als ob ich einen konkreten Plan hätte. Ich möchte erst einmal ein paar Monate durchschnaufen, mich treiben lassen und sehen, worauf ich Lust habe“, vergeht er sich an netter Unverbindlichkeit.

Dabei ist klar, wie die Zukunft der drei R.E.M.-Mitglieder aussehen dürfte: Gitarrist Peter Buck tourt gerade mit den Minus 5 bzw. Busenkumpel John Wesley Harding durch amerikanische Clubs und wird auch in Zukunft mit Künstlern aus der Portland/Seattle-Szene durch die Weltgeschichte tingeln. Bassist Mike Mills plant ein noch nicht näher spezifiziertes Solo-Album, während Stipe seine bisherigen Nebentätigkeiten zum Vollzeitjob machen dürfte: Fotografie, Videocollagen (siehe www.michaelstipe.com), Filmprojekte und Bronzestatuen von antiquierten technischen Gebrauchsgegenständen wie Polaroidkameras oder Anrufbeantworterkassetten.

„Das sind Sachen, die komplett überholt sind. Also durch die Entwicklung der Digitalfotografie und der Technik sind sie zu Gegenständen der Vergangenheit geworden. Trotzdem können wir sie nicht wegwerfen, sondern stellen sie ins Regal und betrachten sie. Und ich habe eines der frühesten Metalle genommen, die wir aus der Erde ge-wonnen haben. Denn die Idee ist: Okay, die Welt kommt irgendwann zum Ende. Alles Plastik wird zerstört, alle vergänglichen Dinge verschwinden, alle digitalen Dateien ebenfalls. Aber dieser Klumpen Bronze, der Objekte aus dem späten 20. Jahrhundert verkörpert, ist immer noch da. Das finde ich interessant.“ Wobei er seine Exponate jedoch nicht zum Kauf anbietet, weil er ja eh genug verdient habe und seine Rücklagen bis ans Ende aller Tage reichen. „Ich habe nicht vor, mich in fünf oder zehn Jahren hinzustellen und eine Reunion-Tour mit R.E.M. anzukündigen. Soweit wird es nie kommen.“ Ein Mann, ein Wort!