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Kiss – Kreuzverhör

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Während MONSTER, der Nachfolger von SONIC BOOM, noch ein bisschen auf sich warten lässt, haben die Kollegen vom britischen CLASSIC ROCK ihre Leser zur Mitarbeit aufgefordert: „Was wolltet ihr schon immer von Kiss wissen?“, lautete die Fragestellung. Die Schminke-Rocker Gene Simmons, Paul Stanley, Eric Singer und Tommy Thayer ließen es sich natürlich nicht nehmen, persönlich die Einsendungen zu beantworten.

KISS2009_white2Warum spielt spielt ihr nicht mehr Material aus den 80er und 90er Jahren? Es gibt eine Menge toller Songs, die sich für große Arenen mehr als eignen würden.

Stanley: Ich bin der Überzeugung, dass es unbekannte Songs gibt, weil sie diesen Status verdienen. Ich kann mich an ein Konzert der Rolling Stones im Wiltern Theater in Los Angeles erinnern. Damals hieß es, dass sie an diesem Abend nur unbekannte Songs spielen würden. Nach 20 Minuten dachte ich: „Um Himmels willen, hört auf damit!“ Unbekannte Songs sind eben niemals so gut wie die bekannten Hits.

Thayer: Schwung und Energie sind in einer Setliste das Wichtigste. Daran orientiert sich alles. Wir haben bestimmte Songs schon gespielt – live oder im Proberaum. Man hört sofort, welcher sich für die Bühne eignet und welcher nicht. Du siehst sofort, ob eine Bindung zwischen der Band und den Fans besteht. Es ist keine bewusste Entscheidung, manche Songs nicht zu spielen. Es ist ein Bauchgefühl.

Stanley: Mich hat einmal jemand gefragt: „Warum spielt ihr nicht ›Just A Boy‹ von MUSIC FROM THE ELDER?“ (Kiss’ berüchtigtes Album von 1981 – Anm.d.R.) Nun, ich sage dir warum. Weil die Anzahl der Leute, die dieses Album gekauft hat, nicht einmal in einen Schuhkarton passen würde. Während wir zwei Leute glücklich machen, indem wir ›Just A Boy‹ spielen, würden sich 15.000 Leute nur fragend am Kopf kratzen.

Simmons: Es gibt viele Stücke, die die Fans unbedingt hören wollen, auch wenn du selbst schon das Gefühl hast, dass du sie nicht mehr hören kannst. Außerdem haben wir ein Problem: Nach über 200 Songs, die wir veröffentlicht haben, ist es sehr schwer, eine Setliste zu erstellen.

Welche 20 Songs soll man wählen?

Singer: Die Mehrheit entscheidet. Und ein Großteil der Leute, die zu einem Kiss-Konzert kommen, sind nicht zwangsläufig extreme Fans. Die meisten wollen einfach nur die Hits hören. Tommy, kommt dir auf der Bühne öfter der Gedanke: „Scheiße, ich spiele bei Kiss?“

Thayer: Der Gedanke kommt mir jeden Tag. Der Leadgitarrist einer der größten Bands des Planeten zu sein… das ist doch gar nicht mal so schlecht.

Stanley: Sagst du nicht manchmal: „Leck mich, ich spiele bei Kiss!“

Thayer: Ja, auch das gehört zum Spiel. Gene, du sagst immer, dass du keinen Alkohol trinkst und dass du ihn nicht magst. Warum singst du dann immer ›Cold Gin‹?

Simmons: Das hat Ace (Frehley – Anm.d.R.) geschrieben – und zwar in einer anderen Zeit. Ich habe aber auch schon Mörder in Filmen gespielt, auch wenn ich bis jetzt noch niemanden umgebracht habe.

Wie weit haben sich Kiss seit ihrer Zeit mit Ace und Peter entwickelt?

Simmons: Man darf nie unterschätzen, wie wichtig Teamarbeit ist. Diejenigen, mit denen du dich umgibst, können dir helfen, die Leiter nach oben zu klettern oder dich direkt in die Hölle stürzen. Du wirst aufgrund deiner Gesellschaft beurteilt. Und wenn das bedeutet, dass du zusammen mit Ace Frehley und Peter Criss in einer Band spielst, die du zwar liebst wie Brüder, die aber Alkoholiker und drogensüchtig werden… dann musst du das Geschwür einfach herausschneiden und weiterziehen.

KISS2009_PaulPaul, hast du jemals mit einem Mann geschlafen?

Stanley: Diese Frage wurde mir schon in den Anfangstagen von Kiss gestellt, weil mein Starchild-Charakter anfänglich eigentlich bisexuell sein sollte. Ich gebe zu, dass einige meiner Bühnenposen für Männer sicherlich ebenso erotisch sind wie für Frauen. Die nackte Brust und das alles. Aber was soll ich sagen? Ich bin glücklich verheiratet. Um ehrlich zu sein: Ich bin schon zum zweiten mal verheiratet. Ich habe ein Kind aus meiner ersten Ehe – Evan – und zwei – Colin und Sarah – aus meiner zweiten. Ende der Geschichte.

Habt ihr euch Ace Frehleys neues Album ANOMALY angehört? Was haltet ihr davon?

Stanley: Ich habe mir nicht die ganze Platte angehört. Und ich habe keine Lust, einen nervenden Wettkampf zu veranstalten. Wenn Ace zufrieden damit ist – und das ist er mit Sicherheit –, dann reicht das völlig. Alles, was ich sage, wird bis ins kleinste Detail seziert. Deswegen ist es nicht wichtig, was ich von dem Album halte. Es führt nur dazu, dass die Leute meine Aussage ins Extreme ziehen. Ich bin froh, dass er es gemacht hat und zufrieden damit ist.

Thayer: Ich habe einzelne Bruchstücke daraus gehört, und was ich gehört habe, klingt gut. Ace ist Ace, und es klang sehr nach Ace. Und es gibt viele Menschen, denen das Album gefällt.

Ist DocGhee immer noch euer Manager? Wie ich hörte, betreut er jetzt Guns N’ Roses?

Stanley: Das ist eine lustige Geschichte. Erst vor ein paar Wochen sagte ich zu Doc: „Es wäre nett gewesen, wenn du uns davon erzählt hättest.“ Doc antwortete: „Ich hatte damit nichts zu tun.“ So wie ich das verstanden habe, hat Axl einfach entschieden, dass Doc sein Manager ist. Das ist eine sehr einseitige Abmachung, da Doc Guns N’ Roses nicht betreut. Vielleicht tut er es eines Tages, aber momentan nicht. Und er ist auf jeden Fall noch unser Manager.

Gene, würdest du deine Tochter mit genauso vielen Männern schlafen lassen, wie du Frauen hattest?

Simmons: Das ist zwar arg doppelmoralisch, aber die Antwort lautet: nein. Das ist etwas, von dem in der Regel eher Männer träumen, aber Frauen vielleicht nicht. Doch wenn Sophie erst mal erwachsen ist, wird sie ihre eigenen Entscheidungen treffen. Einige davon werde ich mögen und manche nicht.

Habt ihr euch jemals einen Stunt oder Bühneneffekt ausgedacht, der einfach nicht umzusetzen war?

Stanley: Ich hatte mal die Idee, meinen Verstärker mit meiner Gitarre anzugreifen, wodurch der Verstärker bluten (Gelächter) und stöhnen (mehr Gelächter) sollte. Die Geräusche hätte man durch das Soundsystem hören sollen. Man hätte auf ihn eingehackt, und dann sollte Blut aus ihm strömen. Das war eine Idee, die nie umgesetzt wurde.

Thayer: Ich bildete mir mal ein, dass es cool wäre, wenn Laserstrahlen aus meiner Gitarre schießen würden. Ich habe erst neulich mit ein paar Special Effects-Leuten darüber gesprochen. Doch wie es aussieht, gibt es einige Gesetze, die festlegen, wohin Laser zeigen dürfen, da sie möglicherweise Leute blenden könnten. Deswegen wurde aus Sicherheitsgründen beschlossen, dass das nicht geht. Doch wir werden in Zukunft noch einige neue Tricks zeigen.

Neben den KISS ALIVE!-Alben – was sind für euch die besten Live-Rock-Alben?

Thayer: Puh, das ist eine verdammt schwere Frage.

Stanley: Ja, das ist schwer. Ich würde sagen LIVE AT LEEDS von The Who.

Thayer: Daran habe ich auch gerade gedacht. Ich hatte dieses Album schon als Kind. Es ist roh, männlich, großartig und greifbar. Außerdem ist Pete Towns-hend einer meiner Lieblingsgitarristen.

Stanley: Es ist ein echtes Livealbum. Du kannst die Verstärker surren hören. Ein beeindruckendes Album. RO-CKIN’ THE FILMORE von Humble Pie ist auch großartig, doch LIVE AT LEEDS verkörpert das wahre Livealbum.

Warum habt ihr keine neuen Charaktere entwickelt, sondern Tommy und Eric in das alte Make-Up von Ace und Peter gesteckt?

Simmons: Wir haben alles ausprobiert. Wir trugen Make-up und trugen kein Make-up. Wir haben The Fox, The Wizard und The Ankh getestet und letztendlich beschlossen, zurück zu unseren Wurzeln zu gehen. Wenn du dich als würdig erweist, die Krone und die Uniform zu tragen, dann solltest du es tun. Wenn nicht, dann nicht. Wir haben neue Charaktere getestet und sind am Ende zu den klassischen zurückgekehrt. So einfach ist das.

Eric, wärst du lieber ein neuer Kiss-Charakter geworden – ein Eichhörnchen oder so etwas?

Singer: Das ist mir nicht so wichtig. Ich empfinde das so, als würde ich eine Uniform anziehen und meinen Job machen. Ich bin ein großer Basketballfan – schau dir beispielsweise die L.A. Lakers an. Auch sie haben eine Uniform an: Sie ist lila und golden. Das Team hat sich über die Jahre verändert, aber sie waren und sind immer die Lakers. Sie sind das erfolgreichste US-amerikanische Basketballteam, und ihr Vermächtnis sind ihre Uniformen. Und so muss man auch Kiss betrachten. Das ist ein großartiger Job.

Tommy, wie war es für dich, zum ersten Mal die Kiss-Schminke aufzutragen?

Thayer: Ich hatte etwas mehr Übung (als Eric Singer), da mich mein Vater als Kind zu einem Kiss-Konzert mitnahm. Ich war damals vier Jahre alt. Ich habe mir das Kiss-Make-up ins Gesicht gemalt, wie alle anderen Kinder. Ich habe also vorher schon ein bisschen geübt.

Warst du schon immer Ace?

Thayer: Ja, weil ich Gitarrist war. Aus Spaß haben ein paar Freunde und ich schließlich Cold Gin gegründet, eine Art Kiss-Tribute-Band. Das war nichts Ernstes. Wir haben damit nicht unseren Lebensunterhalt verdient. Wir ha-ben es aus Spaß gemacht, da wir alle große Fans waren. Deshalb war ich im Schminken schon ein bisschen trainiert. Viele Leute wissen gar nicht, dass wir uns selbst schminken. Sie denken, das machen andere für uns. Wenn du Dutzende, ja Hunderte von Konzerten spielst, dann wirst du immer besser.

Eric, wie hat es sich für dich angefühlt, das erste Mal das Kitty Kat-Make-up aufzutragen?

Singer: Nun, das erste Mal hat mich Paul geschminkt. Ich hatte das ja noch nie gemacht. Es ist eine Prozedur, die man lernen muss. Es hat sich nur bei meiner ersten Show etwas seltsam an-gefühlt. Das war 2001 in Japan. Damals spielte ich mit Ace, Gene und Paul – wir hatten keine richtige Probe. Ich hatte also noch nie mit Kostüm und Make-up gespielt. Aus irgendeinem Grund haben wir das nicht geschafft. Ich kann mich noch erinnern, dass ich auf der Bühne stand und mich fühlte, als würde ich nicht in meinem Körper stecken. Ich habe Kiss seit ihren ersten Shows immer wieder live gesehen, und plötzlich saß ich da hinterm Schlagzeug… Es fühlte sich seltsam an – aber auf eine gute Weise. Doch für mich ist das nur eine Nebensache. Kiss stehen für Unterhaltung. Wir machen eine Show – und die muss weitergehen.

Tragt ihr eure volle Montur auch backstage, wenn ihr Groupies zu Gast habt? Und habt ihr schon einmal überlegt, die Marke Kiss zu einer geschmackvollen Porno-Marke zu machen?

Stanley: Das sind interessante Fragen. In unseren Anfangstagen haben wir auf dem Tampa Pop Festival gespielt, und als wir von der Bühne gingen, kam der Organisator des Festivals zu mir. Er sagte: „Komm mal mit.“ Ich folgte ihm also zu einem der Trailer. Ich wollte ihm schon sagen, dass ich keine Drogen nehme. Doch dann öffnete er die Tür, und ich sah, dass der Trailer ein fahrendes Bordell war. Er hatte all diese Frauen engagiert. Ich war ziemlich erleichtert. Ich war geschminkt, hatte meine Stiefel an – und schon war die Arbeit getan. Es war ein interessantes Gefühl, zuerst vor 30.000 Leuten zu spielen und dann in diesem intimen Raum voller Nutten zu sein.

Thayer: Während meiner ersten Tour mit Kiss habe ich es in voller Montur getan. Und ich bin stolz darauf! Außerdem hatte ich es auch schon anders…

Wie meinst du das? Du hattest also Sex mit Ace?!

Thayer: Ja, wenn die Damen Make-up trugen und ich nicht.

Stanley: Ich kann mich auch an einen Brief im „Playboy“ erinnern. Darin schrieb eine Frau, dass sie ihren Ehemann dazu brachte, im Bett mein Make-up zu tragen.

Was ist mit der anderen Frage, nämlich Kiss zu einer geschmackvollen Porno-Marke zu machen?

Stanley: Gibt’s überhaupt geschmackvolle Porno-Marken? Ich weiß nicht. Das hört sich mehr nach Genes Bereich an. Er kann alles geschmackvoll realisieren.

KISS2009_GeneGene, warst du derjenige, der eine Million Dollar für die erste Ausgabe des Batman-Comics gezahlt hat?

Simmons: Nein, aber das war ein guter Preis.

Würdest du eine Million Dollar für ein Comic-Heft ausgeben?

Simmons: Ja, als Investition. Der Wert von Popkultur steigt jedes Jahr – mehr als Immobilien – und ist auch weniger sprunghaft. In der Kunst werden berühmte Gemälde für 50 Millionen Dollar verkauft. Ich besitze jedes Original, das ich mit meiner Firma Simmons Comics jemals veröffentlicht habe. Ich mache die Verträge. Ich habe alle Seiten bei mir zu Hause im Keller.

Gene, stehst du immer noch zu deiner Aussage, dass Michael Jackson ein Kinderschänder war? Du sagtest, dass du ein Mitglied seiner Live-Band kennst, das kündigte, weil es sah, wie Kinder aus Jacksons Hotelzimmer kamen. Jennifer Batten, Jackos frühere Tourgitarristin, leugnet nun deine Behauptungen.

Simmons: Natürlich stehe ich zu meiner Aussage. Es war (Simmons nennt uns den Namen im Vertrauen), der die Jackson-Tour verlassen hat. Doch das hat nichts zu bedeuten. Fragt die Kinder. Würdest du jemandem 22 Millionen Dollar geben, damit dieser seine Anklage zurückzieht? Würdest du jemandem auch nur 3,5 Millionen Dollar geben? Nun, Jackson hat beides getan. Wir kennen die Details der anderen Abmachungen nicht. Es gab einige Promis, die seiner Trauerfeier ferngeblieben sind. Diana Ross war nicht da und Oprah Winfrey auch nicht. Als Oprah nach Michael gefragt wurde, sagte sie: „Dass er von so vielen beschuldigt wurde, gibt einem doch zu denken.“ Was hat ein Kind verdammt noch mal im Bett eines erwachsenen Mannes zu suchen? Die Beweise sind eindeutig.

Könnt ihr die Preise für Meet & Greets nicht heruntersetzen oder bei Konzerten einfach so eure Fans treffen?

Stanley: Nein. Es gibt keinen Grund, die Preise herunterzusetzen, denn es soll ein besonderes Ereignis für diejenigen sein, die es sich leisten können. Werden wir einfach so zu unseren Fans gehen und „Hallo!“ sagen? Nein. Wir reißen uns bei jeder Show zweieinhalb Stunden den Arsch auf – so kommunizieren wir mit unseren Fans. Für eine Band wie uns ist das einfach nicht machbar, da wir uns auf der Bühne völlig verausgaben und danach erst einmal eine wohlverdiente Pause brauchen.

Eric, welcher Schlagzeuger hat dich am meisten beeinflusst?

Singer: Ich würde sagen: Buddy Rich. Auch wenn ich einen anderen Stil habe und nicht versuche, ihn nachzuahmen. Aber ich kann mich erinnern, dass mein Vater mich mit auf eines seiner Konzerte genommen hat – ich erstarrte vor Ehrfurcht. Ich hatte einen Platz an der Seite und konnte genau sehen, was er mit seinen Armen und Beinen gemacht hat – wie er gespielt hat. Der Typ war ein Wunderkind. Er konnte keine Noten lesen. Er war einer der Menschen, die einfach auf die Bühne gehen und brillant spielen können.

Seid ihr wirklich der Meinung, dass jeder Musiker in Kiss ersetzbar ist? Wenn dem so ist: Gibt es einen festen Zeitpunkt, wann Paul Stanley und Gene Simmons in Rente gehen werden?

Stanley: Pläne können schiefgehen. Du glaubst daran, dass das, was du tust, richtig ist. Irgendwann erkennst du vielleicht, dass es doch falsch war. Also heute zu sagen, dass ich in drei Jahren aufhören werde… Ich kann nur sagen: Das wird zur richtigen Zeit geschehen. Wann das sein wird, kann ich nicht sagen. Ich bin mir sicher, dass es mehr als einen Menschen da draußen gibt, der das, was ich tue, genauso gut kann – wenn nicht noch besser – und dass dieser Jemand der Band etwas geben kann, was mir nicht möglich ist.

Vielleicht könnten ja Evan Stanley und Nick Simmons in eure Fußstapfen treten und die Tradition Kiss fortführen?

Stanley: Das wünsche ich keinem von beiden. Wer möchte schon Frank Sinatra Junior sein? Das ist kein Spaß.

Wäre Kiss genauso erfolgreich, wenn die Band in der heutigen Zeit gegründet worden wäre?

Stanley: Keine Ahnung. Zuerst müsstest du einen Weg finden, den Einfluss ungeschehen zu machen, den wir auf heutige Bands haben und hatten.

Thayer: Inklusive einiger Bands, die heute schon in der Rock’n’Roll Hall of Fame sind.

Stanley: Diese Frage ist sehr hypothetisch, da Kiss verdammt viel Einfluss auf die heutige Musiklandschaft hatten. Die Musikszene basiert zum größten Teil darauf, was Kiss gemacht haben. Wir leben in einer Zeit, in der es für Bands viel schwerer geworden ist, einzigartig zu sein. Sobald etwas im Entstehen ist, gibt’s schon nach kürzester Zeit eine Kopie davon. Es scheint fast so, als wäre die Welt zu klein. Sie wird immer homogener. Als wir anfingen, waren wir die einzigen Kiss. Zudem gab’s damals allgemein weniger Bands, und alle waren einzigartig.

Gene, man hat dich einmal beim Sex mit einem Groupie gefilmt. Für jemanden, der mit so vielen Frauen geschlafen hat wie du, wirkst du nicht gerade wie der große Casanova, den wir immer in dir gesehen haben.

Simmons: Okay. Und was ist die Frage?

Vielleicht: Warum haben wir nicht den Casanova gesehen, den wir erwartet haben?

Singer: Sagen wir mal so – und damit spreche ich nicht nur für Gene, sondern allgemein: Manchmal, wenn du es am wenigsten erwartest, wenn du dich mit einer Sache beschäftigst, abhängig von der Dynamik beider beteiligter Personen, manchmal führt das zu einem bedeutenderen Höhepunkt und einem bedeutend längeren Zeitraum…

Simmons: Ha-ha-ha-ha!

Singer: …und dazu, dass du ungewöhnliche Dinge tust, die den ganzen Mann erfordern. Ein anderes Mal läuft’s so ab: rein, raus, danke Madam! Manchmal ist man eben eher selbstsüchtig und möchte nur sich selbst befriedigen.

Simmons: So etwas habe ich nie gesagt.

The Rolling Stones – Verpackungskunst

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1978 haben die Rolling Stones ihr damals aktuelles Album SOME GIRLS in Las Vegas aufgeführt. Während die Altherren-Rocker gerade eine Live-DVD zu diesem legendären Konzert auf den Markt gebracht haben, hat CLASSIC ROCK das ausgefallene Cover der Platte unter die Lupe nehmen lassen: Grafik-Designer Storm Thorgerson (u.a. für Pink Floyd, Black Sabbath, The Mars Volta und Muse) kommentiert das Artwork, das Peter Corriston einst für SOME GIRLS anfertigte.

The Rolling Stones_Some Girls Session @ Helmut Newton  (5)Obwohl mich damals der Gebrauch von Fremdvorlagen und der nostalgische Aspekt, der ja wohl reiner Selbstzweck war, ein wenig irritierten: Ich mag das Cover von SOME GIRLS. Denn es ist humorvoll und selbstironisch, macht sich über die Rolling Stones ebenso lustig wie über andere Prominente und dieses ganze Glamour- und Paparazzi-Zeug. Der Grafiker Peter Corriston benutzte dafür Verkaufsanzeigen für Perücken, die Anfang der 60er Jahre in einem Magazin für schwarze Amerikaner erschienen waren und Afros sowie geglättete Haare feilboten. Er schnitt Fenster für die Gesichter aus, die er ihrerseits auf der Innenhülle platzierte, weshalb man durch Verschieben allerlei surreale Kombinationen aus berühmten Konterfeis und schrägen Perücken herstellen kann – nicht unähnlich dem Kinderspiel „Consequences“, bei dem man aus Pappkarten die lächerlichsten Figuren zusammensetzt. Albern, aber lustig.

Die schwarzen Textzeilen und Perücken bilden einen lebhaften Kontrast zu den hellroten Lippen und den alten, farblich verfremdeten Filmstar-Fotos, die Corriston unter die Stones-Porträts mischte. Er versuchte nicht einmal, diesen „Diebstahl“ irgendwie zu verschleiern, pflegte stattdessen einen verspielten Umgang mit dem alten Material. Der Humor ist das Wichtigste, und die Schiebebildchen sorgen für zusätzliches Spektakel.
Die schwarze und rote Farbe funktioniert meiner Meinung nach bestens, vor allem in Kombination mit Creme und gelegentlichem Weiß. Dennoch wuchs sich Corristons Original-Konzept mit den Fotos alter Filmstars zur Katastrophe aus, sobald es um die nötigen Urheberrechte ging. Viele Exemplare der Erstauflage mussten wieder zurückgezogen und ersetzt werden, weshalb die überlebenden Stücke heute echte Sammlerpreise erzielen. Die Stones hatten bereits bei STICKY FINGERS mit der Verpackungskunst experimentiert, Warhols Reißverschluss genießt heute Kultstatus. Ich bevorzuge allerdings SOME GIRLS.

Rolling Stones Some GirlsDie Small Faces hatten für OGDEN’S NUT GONE FLAKE ein rundes Cover gewählt, Led Zeppelins Artwork für ihr drittes Album kam mit einem beweglichen Rad, bei dem man verschiedene Bilder in die Cover-Ausschnitte drehen konnte. Später dann veröffentlichten Spiritualized ein im Dunkeln leuchtendes CD-Cover. Doch die große Frage lautet: Machen derartige Gimmicks überhaupt Sinn? Werden die erhöhten Herstellungskosten nicht einfach an den Plattenkäufer weiter gereicht? Sind komplex gestaltete Artworks also nur dazu da, den potenziellen Käufer einzulullen, oder sind sie tatsächlich innovative Kunststücke, die unterhaltsam sind und echten Mehrwert bieten?
Bei SOME GIRLS handelt es sich um ein vergleichsweise einfaches, nicht allzu teures Experiment, ganz im Gegensatz zu STICKY FINGERS. Ich erinnere mich, wie mich das runde Small-Faces-Cover re­gel­recht umblies, einfach, weil es rund war, oder wie mich ein Traffic-Album in Form eines Parallelogramms zum Staunen brachte. Weit weniger beeindruckt war ich hingegen von Plattenhüllen, die vorgaben, etwas anderes zu sein, etwa von Cheech & Chong oder Alice Cooper. Die eine sah aus wie eine Klobrille, was ich langweilig, sogar ziemlich schäbig fand.

Aber es kommt eben auf den Einzelfall an. Wenn eine Verpackung Spaß macht, einen zum Staunen bringt oder zusätzliche Informationen bietet, dann ist alles in Ordnung. Was ich allerdings nicht mag, ist krampfhaft origineller Kram, der nicht funktioniert, aber den Plattenkäufer zusätzliches Geld kostet. Ich denke recht häufig daran, dass eine Band wie Pink Floyd immer darauf bestand, dass die Zusatzkosten von der Plattenfirma getragen wurden und nicht von der Band oder dem Plattenkäufer. Oder habe ich das etwa nur geträumt?

Ich muss allerdings gestehen, dass ich selbst ein paar derartige Kunstwerke kreiert habe, etwa Led Zeppelins IN THROUGH THE OUT DOOR, das in sechs verschiedenen Varianten erhältlich war, einen Stift mit unsichtbarer Tinte enthielt und in einer braunen Papiertüte verkauft wurde. Ganz schön „over the top“, oder? Und genau das war es auch, was Robert Plant damals dazu sagte. Aber er fügte auch hinzu, dass „over the top“ eben ein integraler Bestandteil des Rock’n’Roll sei.

Titelstory: David Bowie – Griff nach den Sternen

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Thin White Duke

Das Jahr 1971 ist ein Wendepunkt in David Bowies Karriere. Der Künstler ist trotz des Erfolgs von SPACE ODDITY am Boden. THE MAN WHO SOLD THE WORLD kann in kommerzieller Hinsicht nicht an das 1969er-Werk anschließen. Und der Ruhm von THE RISE AND FALL OF ZIGGY STARDUST AND THE SPIDERS FROM MARS ist noch nicht einmal zu erahnen. Doch Bowies Depression hält nicht lange an. Er beißt sich durch, bricht mit einigen Menschen in seinem näheren Umfeld, findet dafür aber auch Mitstreiter, die ihn in internationale Star-Sphären katapultieren. Der erste Schritt dahin: die Aufnahmen des 1971er-Albums HUNKY DORY.

David Bowie ist ein erledigter Fall. Als R&B-Mucker im schnieken Mod-Outfit hat er Mitte der sechziger Jahre nur marginale Spuren hinterlassen, sein Flirt mit dem skurrilen bis infantilen Hippie-Folk ist ebenfalls folgenlos geblieben. Mit dem Weltraum-Dramulett SPA-CE ODDITY liefert er zwar 1969 den Soundtrack zur Mondlandung, zweifelsfrei das Ereignis des Jahres, doch das dazugehörige Album bleibt zunächst ein Ladenhüter. Im heimischen England mag er dank der Single ›Space Oddity‹ zur zeitgenössischen Popstar-C-Prominenz gehören, in den für eine Weltkarriere so wichtigen USA bleibt er allerdings ein unbeschriebenes Blatt – die Yankees, beseelt vom Heldenmut ihrer Astronauten, können der tragischen Geschichte von Major Tom, der in den Weiten des Alls verlustig geht, nämlich nicht allzu viel abgewinnen. Doch es kommt noch schlimmer: Sein bereits fertig gestelltes Album THE MAN WHO SOLD THE WORLD schlummert noch immer in einer Schublade seiner Plattenfirma Mercury, die von David Bowie offenbar nicht mehr allzu viel erwartet. Der Release-Termin wird ständig verschoben.

Auftritt Tony Defries. Bowie hat seinen langjährigen Manager Ken Pitt gefeuert, der umtriebige Zigarrenraucher Defries soll seine Kar-riere nun endlich in Schwung bringen. Doch statt sich um seinen neuen Schützling wirklich zu kümmern, überwirft sich Defries erst einmal mit Tony Visconti. Bowie verliert mit ihm einen guten Freund – und einen fähigen Produzenten, der mit Marc Bolans T. Rex gerade vormacht, wie man massiv durchstartet. Mick Ronson, Bowies Gi-tarrist, scheint bereits kapituliert zu haben. Der kehrt nämlich einfach in seine Heimatstadt Hull zurück, wo er fortan als Gärtner ar-beiten will. Ronson hat genug von Londons Glitzerwelt und erklärt das Abenteuer Rockstar für beendet.

Dem Journalisten Steve Peacock wird Bowie später erzählen, dass auch er sich damals wie ein „ausgelaugter, desillusionierter Rocker“ fühlte. Im zarten Alter von 24 Jahren. Ans Aufgeben denkt er dennoch nicht, auch wenn er bisweilen selbst nicht mehr so recht daran glauben kann, den großen Durchbruch doch noch zu schaffen. Was Bowie zum Durchhalten bewegt, ist vor allem seine Freude an der Arbeit: „Ich mochte den Prozess, Songs zu schreiben und aufzunehmen, das machte nämlich jede Menge Spaß.“

Raus aus dem Genre-Käfig

Zudem geht etwas vor in Bowies Kopf: Hatte er bislang bestehende Spielarten kopiert oder adaptiert, findet er zunehmend seinen eigenen Stil. Sein neuer Song ›Changes‹ bringt diese neu gefundene, kreative Freiheit auf den Punkt: „turn and face the strange!“ Die damaligen Veränderungen erklärt er den Kollegen vom britischen CLASSIC ROCK: „In den frühen siebziger Jahren kamen viele Faktoren zusammen, die dazu führten, dass ich meine eigentlichen Pläne in die Tat umsetzen konnte. Ich hatte herausgefunden, dass ich mich mit einer Art Markentreue, mit einem fest umrissenen Stil eher schwer tat. Ich war kein R&B-Künstler und auch kein Folkie, und ich sah auch nicht mehr ein, warum ich unbedingt den Puristen mimen sollte. Ich liebte die Idee, meinen eigenen Stil zu kreieren, eine Mi-schung aus Little Richard und Jacques Brel mit den Velvet Underground als Begleitband. Wie würde das wohl klingen? Niemand tat etwas Vergleichbares, zumindest nicht auf diese Art und Weise.“

Auch wenn selbst große Plattenfirmen in den frühen Siebzigern dem gepflegten Experiment nicht grundsätzlich abgeneigt sind, so wohnt Bowies Gedankenspielen, musikalisch erst einmal umgesetzt, ein gewisses Risiko inne. Die britische Rockmusik des Jahres 1971 teilt sich – grob gesagt – in drei Kategorien ein: den Teenie-Markt, fest in der Hand von Bands wie Sweet und T. Rex, die Fraktion proletarisch hardrockender Acts der Marke The Who, Led Zeppelin und Deep Purple – sowie progressiver Rock à la Genesis und Pink Floyd, goutiert von einem eher studentischen Publikum und gerne mit dem Attribut „anspruchsvoll“ versehen. Bowies geplante Mixtur aus Rock’n’Roll, Chanson und Underground hat also eher das Zeug zur verwegenen Minderheitenbeschallung – der Mainstream tickt gerade anders.

Als sein neues Werk HUNKY DORY im Dezember 1971 erscheint, setzt es sich zunächst einmal – wie erwartet – zwischen alle Stühle. Die Kritiker loben es, die Käufer üben vornehme Zurückhaltung. Die Teenies lieben eben zuallererst Lockenköpfchen Marc Bolan, den „gestandenen“ Rockfans hingegen ist Bowies Glam-Attitüde ein wenig suspekt – noch. Denn als ein halbes Jahr später THE RISE AND FALL OF ZIGGY STARDUST AND THE SPIDERS FROM MARS erscheint, kommt der „Glam“ endgültig im „Rock“ an, auch Roxy Musics zeitgleich veröffentlichtes Debütalbum trägt dazu bei, HUNKY DORY mit anderen Ohren zu hören. Kein Zweifel: Heute zählen vor allem ZIGGY STARDUST sowie die Berlin-Trilogie aus LOW, HEROES und LODGER zu den signifikantesten Werken Bo-wies der siebziger Jahre. Doch es war fraglos HUNKY DORY, mit dem Bowies künstlerische Emanzipation begann.

1971 lebt er im Erdgeschoss von Haddon Hall, einem viktorianischen Wohnhaus, vollgestopft mit Art-Deco-Lampen, orientalischen Teppichen und allerlei Krimskrams aus der Carnaby Street. Dank schwarzer Vorhänge dringt kaum noch Licht in Bowies Popstar-Bude, was einen Besucher zu der Bemerkung hinreißt, die Wohnung sehe aus wie „Draculas Wohnzimmer“. Das wichtigste Stück in Graf Bowies Gemächern ist allerdings ein riesiger antiker Konzertflügel – an dem sein Besitzer neuerdings viel lieber komponiert als an der zwölfsaitigen Harptone-Gitarre. Angie Bowie, Davids dama-lige Ehefrau, erklärt dazu dem britischen CLASSIC ROCK: „Er liebte den Flügel. Am Piano zu komponieren, eröffnete ihm zudem ganz neue Möglichkeiten, denn das Instrument korrespondiert eben mit völlig unterschiedlichen Stilen, von der Klassik bis zum Cabaret.“ Ganz neue Möglichkeiten erforscht David Bowie zu jener Zeit auch in seinem neuen Lieblingsclub, dem „Sombrero“, einer Schwulendisco in Kensington. Nach heutigen Maßstäben eine mä-ßig sensationelle Form des geselligen Beisam-menseins, ist das 1971 natürlich noch ganz anders: Die Schwulen-Clubs gelten als Orte höchster Verruchtheit – dort entdeckt zu werden, kann Karrieren beenden und Ächtung provozieren. Bowie indes ist überaus ange-tan von der sexuellen Freizügigkeit, die im „Sombrero“ herrscht, ebenso von den Frisuren und Make-ups seiner schillernden Gäste. Sowohl seine Musik als auch seine äußere Erscheinung spiegeln das alsbald wider, der Song ›Oh, You Pretty Things‹ etwa entspringt unmittelbar Bowies Beobachtungen in der Gay-Szene, und sein späteres Ziggy-Stardust-Outfit ist ebenfalls vom „Sombrero“ inspiriert.

Johnny Winter

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Johnny WinterJohnny Winter ist ein Blueser durch und durch. Nicht umsonst nannte er sein letztes Album schlichtweg I‘M A BLUESMAN (2004). Doch auch ein Ausnahmemusiker wie Winter hat klein angefangen und sich viel von seinen Idolen abgeschaut – zum Beispiel von B.B. King. „Als ich 17 Jahre alt war, sah ich mir zusammen mit meiner Band ein Konzert von B.B. an“, erinnert sich der ansonsten recht wortkarge Musiker lebhaft. „Ich wollte unbedingt, dass er mich spielen hört, da ich seine Musik liebte und ihm zeigen wollte, dass ich das auch kann. Also schickte ich meine Freunde zu ihm, um ihn danach zu fragen. B.B. hatte damals Steuerprobleme, und da wir die einzigen weißen Kids dort waren, dachte er erst, wir wären von der Steuerfahndung. Als er seinen Irrtum bemerkte, war er so erleichtert, dass er mich zu sich auf die Bühne holte, obwohl er nicht einmal wusste, ob ich spielen konnte.“

B.B. King war allerdings nur eines seiner vielen Idole. Einige von ihnen lässt er durch sein neues Album ROOTS wieder aufleben. Darauf interpretierte er elf Stücke seiner Helden neu, darunter Muddy Waters‘ Version von ›Got My Mojo Working‹, ›Bright Lights‹ von Jimmy Reed und Chuck Berrys ersten Hit ›Maybellene‹. Die Idee dazu hatte Gitarrist Paul Nelson, mit dem Winter schon auf I‘M A BLUESMAN zusammenarbeitete. „Das Konzept kam von Paul, und mir hat es auf Anhieb gefallen. Er hat die Platte auch pro-duziert.“ Da Johnny Winter selbst viel als Produzent unterwegs ist, fiel es ihm schwer, die Zügel aus der Hand zu geben: „Paul hat großartige Arbeit geleistet. Aber während der Endphase hätte ich manchmal ein bisschen mehr Mitspracherecht gewollt.“

Zur Unterstützung hat sich Johnny für jeden Song einen anderen Gastmusiker ins Studio geholt. Bei ›Done Some­body Wrong‹ wird er beispielsweise von Warren Haynes unterstützt. Susan Tedeschi leiht ihm bei ›Bright Lights, Big City‹ Gitarre und Stimme. Und sein Bruder Edgar Winter begleitet ihn auf ›Honky Tonk‹ mit dem Saxofon. Spricht man Winter darauf an, ob es als nächster Release wieder ein Album mit eigenen Songs ansteht, antwortet er gewohnt knapp: „Kann schon sein, dass das eines Tages passiert.“

Downtowm Mystic

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Downtown Mystic 2011bRobert Allan ist ein umsichtig agierender Mensch. Mit seinem Bandprojekt Downtown Mystic hat er in den Vereinigten Staaten von Amerika bereits zwei Alben herausgebracht, mit Longplayer Nummer drei names STANDING STILL hat er nun auch auf der anderen Seite des Atlantiks einen Plattenvertrag an Land gezogen. Die Roots Rock-Freunde dürfte das freuen, hat der Gitarrist doch eine Reihe an hochkarätigen Musikern um sich geschart: Schlagzeuger Steve Holley hat beispielsweise schon für Paul McCartney, Elton John und Ian Hunter die Felle bearbeitet; Paul Page (u.a. Engagements bei Dion und Ian Hunter) gilt als lebende Bassistenlegende; und Drummer Max Weinberg sowie Basser Garry Tallent spielen in der E Street Band von Bruce Springsteen – dass die was auf dem Kasten haben, ist eh klar. Die musikalische Richtung gibt dabei natürlich Robert Allen vor. Und so lassen sich auf STANDING STILL Referenzen zu Buffalo Springfield, den Byrds, Poco, den Beatles und den Rolling Stones erkennen. Obendrein ist der Zeremonienmeister ein großer Country-Fan: „Country hat den Rock‘n‘Roll stark geprägt. Egal ob Elvis Presley, Chuck Berry, Buddy Holly, die Everly Brothers oder die Skiffle-Manie in Großbritannien, die einen großen Einfluss auf die Beatles hatte – das Feeling dieser Musik ist zu einem großen Teil Country-Klängen zu verdanken.“ Damit dürfte klar sein, womit sich die europäischen Musikhörer vergnügen dürfen. Bleibt eigentlich nur noch zu klären, was es mit dem seltsamen Bandnamen auf sich hat. „Ich wollte einen Namen, der gleichzeitig für eine Gruppe stehen und mich persönlich repräsentieren kann“, erklärt Robert Allan. „Eines schicksalhaften Tages fuhr ich nach Boston und entdeckte ein kleines Schild, auf dem stand: ‚Next Stop: Downtown Mystic‘. Mir war sofort klar, dass es dieser Name sein musste: ‚Downtown‘ steht für meine Rock‘n‘Roll-Natur und ‚Mystic‘ für meine Vorstellungskraft. Es passte perfekt.“

Mötley Crüe

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Mötley Crüe (2)Mötley Crüe sind seit über 30 Jahren die unangefochtenen Chefs im Ring des 80s-Glam Rock. Nach neun Studioalben blicken die be-rühmt-berüchtigten Heiligen der Stadt der Engel mit ihrer bereits dritten Best-of-Platte wieder einmal auf ihr Lebenswerk zurück und bringen sich mit einer ausgiebigen Re-Release-Offensive zurück ins Rampenlicht. Nikki Sixx, Bassist und heimlicher Chef der Crüe-Meute, Radiomoderator, Band-Leader bei Sixx:A.M. und passionierter Fotograf, hat CLASSIC ROCK von weiteren Plänen berichtet und über Rockstars und La- dy Gaga philosophiert.

Wenn man einen Sampler kurz vor der Weihnachtszeit auf den Markt bringt, kommt man als Band nicht an der Frage nach der Motivation hinter dieser Veröffent-lichung herum. In den Augen von Nikki Sixx steckt aber vielmehr als reiner Geschäftssinn dahinter. „Ich liebe Greatest Hits-Alben. Sie bieten die Möglichkeit, eine CD mit allen großen Songs zu bekommen. Und ich mag sie auch, weil es ein fantastisches Gefühl ist, in einer Band zu sein, die ein Best-of herausbringen kann“, erklärt er durchaus stolz. Obendrein vergisst der legendäre Basser nicht, auf einen besonderen Kaufgrund hinzuweisen. „Wir suchen immer nach Material in unseren Archiven, das etwas Besonderes ist und von dem wir wissen, dass die Die Hard-Fans es wirklich lieben werden.“ Und so haben sie einen Mitschnitt der Crüe-Show in Toronto als Bonusmaterial zum Best-of gepackt.

Neben MÖTLEY CRÜE – THE GREATEST HITS wiederveröffentlichen die Herren Mars, Lee, Neil und Sixx erneut einen Großteil ihres Katalogs. „Je länger es eine Band gibt, um so mehr Sinn macht es, seinen Katalog neu zu veröffentlichen. So kann man seine Musik den alten Fans wieder ins Gedächtnis rufen und dem jün-geren Publikum das alte Material nahe bringen“, so Sixx. Der Backkatalog erscheint in verschiedenen Formaten von CD bis Vinyl. „Neben den vielen Fans, die nur noch downloaden, gibt es immer noch die traditionellen CD-Käufer. Aber auch eine starke Wiederbelebung des Vinyl-Marktes ist zu beobachten. Wir wollen, dass unsere Musik für jeden dieser Typen erhältlich ist.“

Außerdem berichtet Nikki Sixx, dass es von Mötley Crüe in naher Zukunft nicht nur neu Aufgewärmtes zu hören geben wird: Im kommenden Jahr soll ein neuer Longplayer entstehen. Noch sind die vier aber nicht ins Studio gegangen, denn bei der Produktion eines Albums gehen Crüe nach einem festen Schema vor. „Ich finde, dass die Aufnahmen wesentlich kürzer dauern dürfen als der Schreibprozess. Verbringt man zu viel Zeit im Studio, vergisst man nur, worum es bei den Songs wirklich geht. Ein Album sollte in einem Monat im Kasten sein“, so der Sixxtinische Plan zum perfekten Rock-Album. Derzeit befinden sie sich noch im Schreibprozess, an dem jeder von Mötley Crüe beteiligt ist, auch wenn Nikki und Mick Mars einen Großteil des Songwritings schultern werden. „Irgendwann setzt man sich dann zusammen und merkt: ‚Wow wir haben 30 Lieder, lasst sie uns mal anhören‘. Erst danach wählt man die Songs aus, die man dann im Studio aufnimmt.“ Noch weiß Sixx nicht, wann das Album erscheinen und welchen Namen es tragen wird. Er weiß aber sehr wohl, wie es sich anhören soll: „Ich wünsche mir ein aggressiv klingendes Album. Und ich liebe Songs, deren Me-lodien und Texte sich im Kopf festsetzen. Das funktioniert nur mit den richtigen Riffs. Mick und ich suchen deshalb immer nach großen und dreckigen Riffs.“

Bis es aber so weit ist und wir neues Material von Sixx und Co. zu hören bekommen, machen Mötley Crüe für einige ganz besondere Shows in Europa Halt. In Großbritannien findet im Dezember eine Mini-Tour gemeinsam mit Def Leppard und Steel Panther statt. „Das ist ein echt gutes Paket, denn die Leppard-Jungs sind tolle Kerle mit großartigen Songs. Und auch auf Steel Panther bin ich gespannt“, freut sich Sixx auf die insgesamt sechs Gigs. Nach Deutschland werden sie es aber erst schaffen, wenn sie ihr neues Album im Gepäck haben. „Es ist eben ein langer Weg von Los Angeles. Aber wir arbeiten hart daran, im nächsten Jahr nach Eu-ropa zu kommen und dort einen Haufen Konzerte zu spielen“, entschuldigt Nikki Sixx die seltenen Crüe-Gastspiele auf dem alten Kontinent.

Nun, da Mötley Crüe an einem Punkt angekommen sind, an dem sie mit Re-Releases und einer Greatest-Hits-Platte ihre eigene Bilanz ziehen, macht sich Nikki auch Gedanken zur Entwicklung der gesamten Rock-Szene. „Ich finde es echt cool, dass endlich junge Künstler die Musik weiterführen, die wir vor 30 Jahren geprägt haben. In den 90ern erschien viel langweiliges Zeug. Für eine Weile waren Rapper die einzigen Rockstars auf dem Planeten. Das war einfach nur traurig“, lobt Sixx das er-neute Aufleben von Glam und Hard Rock. Dabei lässt er es nicht aus, einige der Crüe-Nachkommen mit seiner Anerkennung zu adeln. „Ich kenne zwar nicht viele jüngere Bands, aber ich liebe die Rival Sons. Und mir gefällt die Richtung, in die Black Veil Brides gehen“, so Sixx.

Aber auch mahnende Worte findet die Rock‘n‘Roll-Stil-Ikone für die Rock-Brut, die manchmal die Musik auf Kosten von Image und Show vernachlässigt. „Bands können sich verkleiden und aufdonnern, aber sie dürfen nicht vergessen, die passende Musik zu machen“, warnt er. Ein perfektes Beispiel dafür ist für ihn Lady Gaga. „Ich mag sie. Ich wünschte, mehr verdammte Rockstars hätten so große Eier wie Lady Gaga.“

Vintage Trouble

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vintage-trouble-bomb-shelter-sessions-2696Hört man sich in der Rock-Szene nach dem nächsten großen Ding, nach dem neuen heißen Scheiß um, dann dürfte man unweigerlich auf eine Band stoßen: Vintage Trouble. Der Vierer aus L.A. wird derzeit dermaßen überhäuft mit Vorschußlorbeeren, dass alles zu spät ist. Ty Taylor (Gesang), Nalle Colt (Gitarre), Rick Barrio Dill (Bass) und Richard Danielson (Schlagzeug) stehen auf die Musik der 50er und 60er und vermengen diese Einflüsse zu einem schnieken Retro-Mix aus Rock‘n‘Roll, Blues und Soul. Zudem brennen die Kalifornier live ein Feuerwerk ab.
Ihr Sound und ihre Konzerte haben Vintage Trouble schon zwei beachtliche Geschäftsbeziehungen eingebracht: Als Manager haben sie Doc McGhee (u.a. Bon Jovi, Kiss und Guns N‘ Roses) an Land gezogen, ihre Shows veranstaltet ITB Worldwide (u.a. Aerosmith, Lenny Kravitz, Jamiroquai). Wie das zustande gekommen ist, erzählt Frontmann Taylor:
„In L.A. haben wir Kon­zert­rei­hen in vier verschiedenen Clubs und dabei pro Woche vor mehr als 1500 Menschen gespielt. Als neue Band hatten wir wirklich Schwein, aber wir haben das in kleinen Schritten geschafft: Wir fingen in einem kleinen Studio und mit ein paar Gigs an, dann lernten wir Doc McGhee kennen, der uns nach London schickte, um bei Jools Holland aufzutreten. Danach durften wir mit Brian May sowie Bon Jovi touren und konnten in Abbey Road aufnehmen. Ja, wir hatten einen schnellen Aufstieg, aber wir haben es richtig angepackt.“

Against Me!

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Against Me 2011 (1)Die Vorweihnachtszeit war schon immer eine beliebte Zeit für Wiederveröffentlichungen. Denn hier wird – meist von Labelseite aus – mit einfachen Mitteln nach weiteren Einnahmen gestrebt. Im Falle von Against Me!, deren 2010er Album WHITE CROSSES in der neuen Version WHITE CROSSES/BLACK CROSSES den Weg in die Läden gefunden hat, sieht der Fall ein wenig anders aus. Denn hier beschloss die Band selbst, ihrer Langspielplatte ein neues Gewand zu geben – allerdings nicht aus finanziellen Gründen, wie Bandchef Tom Gabel betont: „Wir trennten uns im Dezember 2010 von unserem Label Sire Records. Danach bekamen wir die Rechte am WHITE CROSSES-Material zurück. Hätten wir die Platte nicht selbst wiederveröffentlicht, könnte man sie gar nicht mehr kaufen. Wir haben hart an diesen Songs gearbeitet und sind stolz auf das Album. Wir wollten einfach nicht, dass es nach gerade einmal einem Jahr komplett verschwindet.“

Da die amerikanischen Punk-Rocker ihren Fans jedoch nicht nur einen Abklatsch des Originals anbieten wollten, haben sie sich etwas Besonderes ausgedacht. „Wir haben zusätzlich auch die Rechte an unveröffentlichten Songs zu-rückbekommen“, verrät Gabel. „WHITE CROSSES hatte zehn Songs, das Doppelalbum nun 28. Es befinden sich also 18 zusätzliche Lieder darauf, die ansonsten einfach in der Versenkung verschwunden wären.“ Neben den neuen Songs ›Bamboo Bones‹, ›Lehigh Acres‹, ›Bob Dylan Dream‹, ›One By One‹ und ›Bitter Divisions‹, die Against Me! als Bonus auf WHITE CROSSES gepackt haben, gibt es auf BLACK CROSSES alternative Versionen zu allen 14 Songs. Auf den meisten dieser Stücke ist auch noch Schlagzeuger Warren Oakes zu hören, der die Kapelle 2009 nach über zehn gemeinsamen Jahren verlassen hat. Nostalgisch wurde die Band deswegen jedoch nicht. „Warren ist seine eigenen Wege gegangen, und damit haben wir abgeschlossen. Er hatte auch nichts mit der Zusammenstellung von BLACK CROSSES zu tun. Er spielt eben auf einigen der Songs Schlagzeug – Ende. Unser neuer Schlagzeuger Jay Weinberg passt super in die Band und bringt frischen Wind in unsere Shows“, so Gabel.

Einen weiteren Schritt in Richtung Unabhängigkeit mach-ten Against Me! Mitte des Jahres: Sie gründeten ihre eigene Plattenfirma Total Tremble Music, deren erster Release nun WHITE CROSSES/BLACK CROSSES ist. „Ein eigenes Label zu haben ist sehr aufregend,“ schwärmt Gabel. „Ich bin ganz heiß darauf, viele Alben darüber rauszubringen.“