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CLASSIC ROCK präsentiert: Lieder am See

Seit 2011 findet dieses zauberhaft schöne Festival im Sommer direkt am Badestrand des großen Brombachsees in Spalt-Enderndorf in Mittelfranken statt und beglückt das Publikum mit hochkarätigen Acts aus dem Classic-Rock-Bereich. Auch 2023 geht es wieder hoch her und so teilen sich am 22. Juli ab 13:00 Uhr namhafte Künstler*innen die Bühne: Gesangswunder und Pianistin Beth Hart wird mit ihrer unverkennbaren, kraftvollen Stimme alle Anwesenden verzaubern. Jethro Tull um Gründer Ian Anderson haben ihr neues Album RÖKFLÖTE dabei, spielen natürlich aber auch die größten Songs ihrer Bandkarriere. Selbiges gilt für Uriah Heep: auch Mick Box und Co. haben 2023 ihr neues Album CHAOS & COLOUR veröffentlicht und damit Platz vier der deutschen Charts erobert.

In Enderndorf werden die sympathischen Briten sowohl neue Songs als auch frühe Hits wie ›Gypsy‹ oder ›Easy Livin’‹ zum Besten geben. Mit Sweet und Nazareth beehren außerdem zwei weitere Vertreter aus dem UK das idyllisch gelegene Festival. Sweet mit Originalmitglied Andy Scott werden die Bühne mit ihren großen Glam-Hits zum Beben bringen, Nazareth um Bassist Pete Agnew eine gute Portion Hard & Heavy abliefern. Austro-Flair versprühen Wolfgang Ambros & No. 1 am Brombachsee, auf der Biergartenbühne sorgt während der Umbaupausen die lokal bekannte Band Human Touch für musikalische Unterhaltung.

Alle weiteren Infos findet ihr hier: https://www.liederamsee.com/

Lieder am See, Festivalgelände Foto: Günter Distler

Arthur Brown: Im stillen Herzen des Feuers

Es donnert bedrohlich, als man Arthur Brown im virtuellen Raum
antrifft. Obwohl das Gewittergrollen zum Image der Kultfigur, des
legendären God Of Hellfire passt, ist der 80-jährige Ausnahme-künstler privat ganz anders, als es seine extrovertierten Bühnen-figuren vielleicht vermuten lassen. Die Ikone, die den Verlauf der Rockmusikhistorie mit ihrer eigentümlichen Mischung aus Poesie, Theater, Blues, Heavy Rock, Elektronik und Psychdelic geprägt und zahlreiche Künstler wie Alice Cooper oder Bruce Dickinson nachhaltig beeinflusst hat, gibt sich nachdenklich, nahbar und sehr freundlich – und gewährt im Gespräch über das neue Album LONG LONG ROAD interessante Einblicke in die Denkweise, das Leben und Privatleben eines künstlerischen Chamäleons.

Es donnert bedrohlich, als man Arthur Brown im virtuellen Raum antrifft. Obwohl das Gewittergrollen zum Image der Kultfigur, des legendären God of Hellfire passt, ist der 80-Jährige Ausnahmekünstler privat ganz anders, als es seine extrovertierten Bühnenfiguren vielleicht vermuten lassen. Die Ikone, die den Verlauf der Rockmusikhistorie mit ihrer eigentümlichen Mischung aus Poesie, Theater, Blues, Heavy Rock, Elektronik und Psychdelic geprägt und zahlreiche Künstler wie Alice Cooper oder Bruce Dickinson nachhaltig beeinflusst hat, gibt sich nachdenklich, nahbar und sehr freundlich und gewährt im Gespräch über das neue Album LONG LONG ROAD interessante Einblicke in die Denkweise, das Leben und Privatleben eines künstlerischen Chamäleons.

Wie nahm LONG LONG ROAD Gestalt an?

Der Titel bezieht sich auf verschiedene Gegebenheiten. Ich werde im Juni 80 und das ist durchaus ein langer Weg. Außerdem arbeite ich mit Rik Patten, der für den Großteil der Instrumentierung und Musik auf diesem Album zuständig ist, seit etwa 20 Jahren, was auch eine lange Zeit ist. Zudem nehme ich mit dem Sound auf der Platte Bezug auf meine Blueswurzeln. Da sind also all diese langen Wege. In dem Boxset, das es zum Album gibt, ist auch ein Buch enthalten, das diesen langen Weg als Baum darstellt. Bei einem Baum hast du die Wurzeln unter der Oberfläche. Der Boden besteht – so sehe ich das – aus den Medien, dem Radio, all diesen Geschichten und die Wurzeln zeigen, wo meine Entwicklung begann, wie meine Musik Form annahm, wo meine Einflüsse lagen. Als ich ein kleines Kind war, lebte ich in Whitby nahe der Küste, wo Dracula geschrieben wurde, und dort hörte ich all die Rhythmen des Meeres, der Möwen und des Windes. Die Hütehunde, die auf die Schafe aufpassten und das Stampfen der Pferde – all das ist Teil meiner Musik, genauso wie die Takte, welche die Dampflokomotiven damals vorgaben. Eine Mischung aus mechanischen und natürlichen Rhythmen. All das ist Teil der langen Straße, die mich bis hierhin geführt hat.

Erinnerst du dich auch noch an die erste Musik, die dich berührt hat?

Mein Vater war ein Pianist, er improvisierte viel. Er hatte einen alten Phonographen mit einer großen Metall-Nadel und da hörte ich erstmals wiederholt Musik. Klassische Musik von Peer Gynt und Dame Clara Butt [singt in hoher Opernstimme etwas vor]. Dann gab es die Syncopators aus Miami, eine Jazz-Kapelle. Hinzu kam das Radio und – weil es kurz nach dem Krieg war und immer noch Krisen im Suez-Kanal gab – Musik, die die Leute, die gerade woanders stationiert waren, nachhause schickten, So hörte man manchmal ein Stück von einer anderen Ecke der Welt, das nicht in englischer oder amerikanischer Tradition stand, das war sehr spannend.

Der Titeltrack des Albums ist sehr hoffnungsvoll, er handelt von menschlichen Entscheidungen und Liebe…

Wenn man sich die Traditionen und Erzählungen weltweit anschaut, wird dort oft eine Zyklizität der Zeit erwähnt. Es gibt immer Krieg, dann folgt eine Periode des Friedens, danach kommt der Kollaps und wieder Krieg. Wir befinden uns gerade an demselben Punkt. Man merkt, dass wir immer noch von denselben Mustern in unseren Köpfen und Herzen bestimmt werden, ansonsten könnte die Geschichte ja auch mal anders verlaufen. In ›Long, Long Road‹ singe ich ja „listen to the story of all our history, we need a new mind“. Wenn wir immer nur dieselben Lösungen und Grundpfeiler anwenden, dann bleibt alles gleich. Doch wenn wir uns ein neues Mindset zulegen, dann muss das in der breiten Masse geschehen. Ein Beispiel: Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in England für etwa sechs Monate eine Periode, als viele Menschen etwas von ihrem eigenen Besitz abgaben, um anderen zu helfen. So konnte das Land funktionieren. Aber nach nur einem halben Jahr kehrten die Leute wieder zu ihrer ursprünglichen Denkweise zurück, nach dem Motto: ‚Naja, warum sollte ich etwas von meiner Extraportion abgeben, ich will das behalten.‘ Ich denke, wo alles seinen Anfang nimmt, ist in der Schule, dort, wo du mit vielen anderen sozialisiert wirst und lernst, was wichtig ist, auch wenn du von deinem Elternhaus schon eine gewisse Prägung erfahren hast. Leider wissen wir, dass viele große Firmen mit ihrer PR heute schon sehr junge Menschen in den Fokus nehmen und ihnen den Konsumterror in das Hirn pflanzen. Am Ende sind wir alle gehirngewaschen. Wenn wir auf die Schulen blicken: Lernen wir den Kindern, gute Menschen zu sein oder lehren wir, wie sie mehr und mehr Geld verdienen können? Wenn wir die menschliche Seite außer Acht lassen, zerstören wir Natur und Kultur.

Ich bin da leider nicht sehr zuversichtlich, muss ich gestehen.

Wenn du du selbst bist und versuchst, dich im Inneren zu ändern und das praktizierst, was dir dabei hilft, nicht von Geiz und Geld regiert zu werden, dann werden diese Muster in dir selbst da sein, auch wenn es vielleicht keine Hoffnung mehr gibt. Das ist eine Änderung, die du vollziehen kannst und von der du nicht weißt, was sie bewirkt. Du kannst mit dir selbst im Reinen sein und weißt, dass du dich mit dir und deiner Umwelt auseinander gesetzt hast. Du kannst deinen Geist flexibler gestalten, dir deiner dunkleren Seite bewusst werden. So handhabe ich das und dann: wer weiß.

Das Artwork zeigt deinen ikonischen, brennenden Kopfschmuck, dein größter Hit drehte sich ebenfalls um dieses Element: Was bedeutet Feuer für dich?

Es hat viele Bedeutungen. Natürlich spendet es Licht und Wärme. Wenn ich Feuer betrachte, wie ich es als Kind tat, dann schaut man durch die Flammen und sieht sehr viel Bewegung, bis man irgendwann durch die ganze Bewegung hindurch das Herz des Feuers sieht. Selbiges ist weiß oder golden und steht still – und dann wird dein Geist plötzlich genauso still. Das funktioniert also wie ein Portal, eine spirituelle Kraft. Natürlich hat es auch eine dunklere Seite inne und eine reinigende Wirkung wie das von vielen als Höllenfeuer bezeichnete Feuer. Der Gott des Höllenfeuers ist ein Charakter des Albums [die Rede ist vom Debüt von The Crazy World Of Arthur Brown aus dem Jahr 1968. Anm. d. Red.], der nächste Song ist ›Come And Buy‹ und skizziert den Gegenspieler, das Licht, die Schönheit, all das.

Auch auf LONG LONG ROAD spielt das Feuer eine Rolle, zum Beispiel in ›Going Down‹, meinem Lieblingssong auf dem Album.

Ich interessierte mich sehr für Gospelmusik, als ich in Amerika war. Die Art, wie man Menschen direkt anspricht und sie so aufweckt – ich liebte die Energie, die dort freigesetzt wurde. Das wollte ich in dem Lied bündeln. Dann geht es auch darum, dass jemand einen dunklen Pfad wählt und nicht weiß, wie er davon wegkommen soll. Also ruft dieser jemand nach Hilfe. Das ist auch Teil der Gospel-Gottesdienste. Man preist nicht nur, man setzt sich auch mit den Dämonen auseinander.

Du bist ein sehr spiritueller Mensch. Wie sieht dein Konzept von Gott, von Gut und Böse aus?

Gott ist ein Wort, das wir benutzen. Jeder hat eine andere Sichtweise auf seine Bedeutung. Es ist schwer, hinter das Wort zu gelangen. Was steckt hinter der Erschaffung aller Dinge? Was steckt hinter Wandel? Wenn Gott ein erschaffendes Wesen ist, dann passiert alles in dem Wesen und alles ist daraus gemacht, doch man kann es nicht greifen oder sich in seiner Gänze vorstellen. Nur in Symbolen darstellen. Ich denke Gott ist Liebe, Gott ist alles, was wir sehen und nicht sehen können, eine nicht zu beschreibende Größe. Aber man kann Gott spüren und wissen, dass nichts außerhalb oder innerhalb deiner Seele ohne Gott existiert. Und gleichzeitig gibt es kein außen und innen, es geht nicht, dass ich hier bin und Gott dort drüben.

LONG LONG ROAD erscheint an deinem 80. Geburtstag. Bedeutet diese Zahl dir etwas?

Das ist seltsam. Wenn du gerade im Flow des Lebens, des Musikmachens, der Beziehungsführung bist, dann denkst du oft gar nicht an das Alter. Und dann merke ich manchmal, dass mein Geist etwas langsamer arbeitet als früher, oder plötzlich eine kleine Pause zwischen Frage und Antwort ist, wo früher keine war. An guten Tage fühle ich mich ehrlich gesagt ziemlich jung. (lacht) Doch dann gibt es auch diese Tage, wo ich bemerke, dass mein Körper schmerzt oder krank wird. Dann wird mir bewusst, dass dieser Körper eines Tages nicht mehr hier sein wird und gleichzeitig bin ich überrascht, dass er nach 80 Jahren noch existiert. (lacht)

Ängstigt dich dieser Gedanke an den Tod?

Nein, das macht mir nichts aus. Wenn wir uns im Himmelreich mit unseren Liebsten wiederfinden, ist das schön, wenn man aufwacht und es gibt nichts, ist das okay oder wenn man gar nicht mehr aufwacht, ist das auch in Ordnung.

Du hast großen Einfluss genommen auf die Rockmusikgeschichte. Bis heute sind deine Werke abseits des Mainstream relevant, du agierst in einem eigens von dir geschaffenen Universum und kopierst dich nicht selbst. Woher kommt der kreative Hunger nach all der Zeit, warum denkst du dir nicht einfach: ‚Ach, ich bin jetzt 80 Jahre alt, leckt mich einfach!‘?

(lacht) Ich habe eine Neigung zum Geschichten erzählen. Das Gedächtnis speichert Dinge, die vor langer Zeit passiert sind, oft besser ab als Ereignisse, die kürzlich geschehen sind. Was mir wichtig ist: Der Genuss des Moments und die Möglichkeit, aus vorgegeben Strukturen auszubrechen. Und genau das tust du, wenn du dein Leben oder deinen Partner liebst. Sobald du das, was du tust, liebst, ist es etwas Neues und das hält dich frisch. Ein Song in unserer Stageshow enthält die Zeile „it’s a great game to find that you’re still going strong“. Darum geht es doch, um den eigenen Fokus und der sollte im Moment sein. Wörter sprudeln hervor, Noten kommen aus dir heraus. (lacht) Im Grunde ist das nichts anderes als ein Spiel, selbst wenn es um ernste Stücke geht. Und an dem jetzigen Punkt in meinem Leben habe ich das Glück, Claire gefunden zu haben. Sie ist meine Managerin, aber auch meine Partnerin. Wir sprechen über all diese Dinge, wir sorgen füreinander.

Wo wir wieder bei der Liebe wären!

(lacht) Ja genau.

Du bist also noch lange nicht müde?

Nein, solange man einen guten Weg hat, um die eigene Musik, die eigene Performance, den eigenen Alltag oder eben die eigene Beziehung zu gestalten, wird man nicht müde. Ich denke da an unseren Garten. Claire und ich lieben es, zu gärtnern. Ich wässere und schneide zu, Claire hat ein ausgeprägtes Pflanzenwissen und ein tolles Auge für Farbkompositionen.

Deine Stimme ist nach wie vor sehr kräftig: Wie hältst du dich fit?

Ich singe täglich, weil ich es gerne tue und weil man die Muskeln trainieren muss. Außerdem meditiere ich, was mir dabei hilft, meinen Körper auszuruhen und frisch zu halten. Dann mache ich noch diverse Übungen, um fit zu bleiben. Nicht, dass ich jetzt mit Gewichten hantiere, aber ich darf nicht rosten. Claire hört übrigens viel Musik auf TikTok und da gibt es viele gute Sänger und Sängerinnen. Das kitzelt meinen Ehrgeiz und ich versuche noch mehr, meine Stimme auch in Form zu halten. (lacht) Singen ist für mich einfach nach wie vor ein großes Vergnügen, genauso wie die Bühnenperformance. Das trainiert den ganzen Körper und die Momente auf der Bühne sind für mich von absoluter Freiheit geprägt. Alles ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort, eine wundervolle Erfahrung.

Was hält die nahe Zukunft für dich bereit?

Ein neues Album ist schon aufgenommen. Außerdem steht eine Tour an mit einer tollen, kreativen Multimedia-Show, wo die Visuals auf die Musik abgestimmt sind. Sehr dramatisch und theatralisch. Ein paar Termine in Deutschland sind auch geplant.

Video der Woche: Jeff Beck & Eric Clapton ›Moon River‹

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Jeff Beck, der leider am 10. Januar diesen Jahres überraschend verstarb, wäre heute 79 Jahre alt geworden. Wir erheben uns Glas und stoßen auf einen der größten Gitarristen der Rockwelt an.

Die Beziehung zwischen Jeff Beck und Eric Clapton war anfangs ziemlich schwierig. Clapton war nicht glücklich, dass Beck sein Nachfolger bei den Yardbirds wurde. Beck erinnerte sich in einem Interview mit CLASSIC ROCK an diese Zeit:

„Ich weiß, dass er nicht begeistert war, als ich seinen Posten bei den Yardbirds übernahm. Anfangs dachten nämlich alle, dass mit seinem Ausstieg das Ende der Band besiegelt wäre. Doch schon bei meinem ersten Gig mit ihnen im Marquee Club lief alles super, und ich bekam am Ende fetten Applaus. Da war klar, dass die Yardbirds noch lange nicht tot waren.

Zwei Monate nach diesem Auftritt starteten wir plötzlich in den USA durch. Eric war natürlich tierisch wütend darüber. Er hatte sich immer gewünscht, dort zu spielen – wie wir alle. Es war unser größter Traum, der heilige Gral, wenn man so will. Jeder von uns hatte nur ein Ziel: nach Amerika zu fahren und dort all die großartigen Bluesmusiker live zu sehen. Und nun flogen wir hin und hatten schon in der ersten Woche die Gelegenheit, Howlin’ Wolf in Chicago zu bewundern. Logisch, dass sich Eric darüber total ärgerte. Aber wenig später gingen auch Cream durch die Decke – und er zeigte allen, dass er es genauso drauf hatte.

Heute ist er ein völlig anderer Mensch als damals. Viel entspannter und auch glücklicher. Ich glaube, er hat erkannt, dass man mit Neid oder ähnlichem nicht weiterkommt. Man muss sich nicht in den Vordergrund drängen, um erfolgreich zu sein. Das hat er bewiesen. Und er konnte den Menschen mit seiner Musik so viel Freude bereiten. Dass er dafür heute gelobt und verehrt wird, ist mehr als verdient.“

Doch mit der Zeit, lernte Clapton Jeff Beck zu schätzen. ›Moon River‹ nahmen die beiden kurz vor Becks Tod zusammen auf. Mit diesem Song und dem wunderschönen Video dazu zollt Clapton seinem verstorbenen Freund Tribut:

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

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Freitag ist Plattentag. Zum Start ins Wochenende stehen heute die brandneuen Alben von Eloy, Pyramaze, Vintage Trouble udn Tommy Stinson’s Cowboys In The Campfire in den Ladenregalen.

Tommy Stinson’s Cowboys In The Campfire: WRONGER

„Hier geht’s – der augenzwinkernde Bandname deutet es an – ganz relaxt und zumeist unplugged ans Lagerfeuer, wenn er mit viel Seele Country- und Folk-Versatzstücke für sein musikalisches Universum adaptiert.“

Hier geht’s zur Review…

Vintage Trouble: HEAVY HYMNAL

„Da treffen Faces und Humble Pie auf Curtis Mayfield & The Impressions und Smokey Robinson & The Miracles, aber eben auch auf Delaney, Bonnie & Friends und Sly & The Family Stone.“

Hier geht’s zur Review…

Eloy: ECHOES FROM THE PAST

„Auf Eloys Musik muss man sich einlassen (wollen), in sie eintauchen. Die „Gnade der frühen Geburt“ (vor 1980) ist dabei sicherlich kein Nachteil, aber nicht zwingend notwendig. Wer all dies berücksichtigt, wird auch an ECHOES FROM THE PAST viel Freude haben.“

Hier geht’s zur Review…

Pyramaze: BLOODLINES

„Um im Feld der cineastischen Begrifflichkeiten zu bleiben, ist BLOODLINES am ehesten mit einem Ton gewordenen Marvel-Film zu vergleichen, wobei der Vorgänger EPITAPH eine höhere Hitdichte und mehr Experimentierfreude aufwies.“

Hier geht’s zur Review…

Vintage Trouble: HEAVY HYMNAL

Schwer hymnisch mit Soul-Schlagseite: die fünfte LP des stilistisch flexiblen L. A.-Quartetts

Mittels der Eckpfeiler Blues, Soul, Funk, Southern Rock, Hardrock und Rhythm’n’Blues liefert die vom afroamerikanischen Sänger Ty Taylor angeführte Truppe aus Los Angeles seit 2010 in manischen Konzertgastspielen, auf vier Studioalben und diversen EPs und Singles jede Menge Stilvielfalt. Gerade diese Unberechenbarkeit macht den Reiz von Vintage Trouble aus. In ihrer Uneindeutigkeit sorgen Taylor, mit seiner kaleidoskopischen Aura aus James Brown, Lenny Kravitz, Bruno Mars und Prince, und seine nicht minder exaltierten Kollegen, Sologitarrist Nalle Colt, Bassist Rick Barrio Dill und Schlagzeuger Richard Danielson – die auch einen exakten vierstimmigen Chorgesang hinlegen können –, zumindest in Teilen des Publikums für Irritation: lassen sich Vintage Trouble eben nicht auf einen Stil festlegen. Da treffen Faces und Humble Pie auf Curtis Mayfield & The Impressions und Smokey Robinson & The Miracles, aber eben auch auf Delaney, Bonnie & Friends und Sly & The Family Stone. Abermals im gewohnt zeitlosen Retro-Style verankert, bleiben Vintage Trouble ihrer Linie auf den zehn Tracks des fünften Werks HEAVY HYMNAL treu. Handfester R’n’B mischt sich mit Gospel, Soul und Funk im fulminanten zweiteiligen LP-Auftakt aus ›Who I Am‹ und ›You Already Know‹. Fifties-Doo-Wop und Motown-Vocal-Groups, von den Temptations zu den Four Tops, kennzeichnen ›Not The One‹ und ›The Love That Once Lingered‹. Verblüffend an Curtis Mayfield, Marvin Gaye, Bobby Womack und Sly & The Family Stone erinnern ›Baby What You Got‹, ›Feelin’ On‹, ›Alright Alright‹, ›Holla!‹, ›Shinin’‹ und ›Repeating History‹, aber ohne ins Plagiat zu verfallen. Ein schlicht fabelhaftes Statement zur gegenwärtigen Weltlage in all ihren vielfältigen Auswüchsen.

8 von 10 Punkten

Vintage Trouble
HEAVY HYMNAL
COOKING VINYL/INDIGO/THE ORCHARD

Tommy Stinson’s Cowboys In The Campfire: WRONGER

Spaß am Lagerfeuer

The Replacements, Soul Asylum und Guns N’ Roses – Tommy Stinson war nicht nur in einer, sondern gleich in all diesen legendären Bands lange Jahre Bassist. Praktisch nebenbei hat der heute 56-jährige Amerikaner als Frontmann von Bash & Pop und Perfect oder als Solist in den letzten drei Jahrzehnten aber auch immer wieder bewiesen, dass er mehr kann, als sich nur in der zweiten Reihe um die tiefen Töne zu kümmern. Sein gemeinsam mit Chip Roberts verwirklichtes neues Album überrascht dennoch. Denn auch wenn die raue Stimme und der bisweilen herrlich windschiefe Gesang auf Stinsons Punk-Wurzeln verweisen, kommt er musikalisch hier ohne den Wumms seiner früheren Gruppen aus. Stattdessen geht’s – der augenzwinkernde Bandname deutet es an – ganz relaxt und zumeist unplugged ans Lagerfeuer, wenn er mit viel Seele Country- und Folk-Versatzstücke für sein musikalisches Universum adaptiert und dabei am Ende auf ähnlichem Terrain landet wie Jesse Malin. Ein Platte, bei der die Freude am eigenen Tun wichtiger ist als das ganz große Statement.

7 von 10 Punkten

Tommy Stinson’s Cowboys In The Campfire
WRONGER
ICONS CREATING EVIL ART/ROUGH TRADE

Pyramaze: BLOODLINES

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Kino für die Ohren

Auf in den bequemen roten Sessel, die Tüte Popcorn zur Hand und die Ohren weit geöffnet – eine neue Veröffentlichung aus dem Hause Pyramaze steht an. Wie erwartet bringt BLOODLINES einen von Gitarrist Jacob Hansen perfekt produzierten, actiongeladenen Mix aus proggigem Power-Metal mit gelegentlich fast poppigem Beiklang, mächtigen Arrangements aus der Feder von Ausnahme-Keyboarder Jonah Weingarten und den magischen Vocals von Terje Harøy. Um im Feld der cineastischen Begrifflichkeiten zu bleiben, ist BLOODLINES am ehesten mit einem Ton gewordenen Marvel-Film zu vergleichen, wobei der Vorgänger EPITAPH eine höhere Hitdichte und mehr Experimentierfreude aufwies, man daher in vorliegendem Fall eher von „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ als von „Avengers: Endgame“ sprechen könnte. Nichtsdestotrotz geschieht all dies noch immer auf einem derart hohen Niveau, dass 90 Prozent der Mitbewerber nur den disneyglitzernden Staub der dänisch-amerikanischen Combo schlucken dürften – bevorzugt zu den Klängen der ersten Single ›Broken Arrow‹! (Robert Helle)

7 von 10 Punkten

Pyramaze
BLOODLINES
AFM/SOULFOOD

Eloy: ECHOES FROM THE PAST

Das 20. Studioalbum von Deutschlands wichtigster Progrock-Band

Für Eloy-Mastermind Frank Bornemann muss es eine riesige Genugtuung sein, nicht mehr – wie in den 70ern – den willkürlichen Anfeindungen einer selbstherrlichen deutschen Musikpresse ausgeliefert zu sein. Die Band hat ihre ärgsten Kritiker lange überlebt und straft auch mit ihrem 20. (!) Studioalbum all diejenigen Lügen, die der Gruppe Kitsch und notorische Langeweile vorgeworfen haben. Zumal: Langeweile ist bekanntlich subjektiv, und auch ECHOES FROM THE PAST lebt mehr von seiner Gesamtstimmung als von kurzlebiger Effekthascherei. Auf Eloys Musik muss man sich einlassen (wollen), in sie eintauchen. Die „Gnade der frühen Geburt“ (vor 1980) ist dabei sicherlich kein Nachteil, aber nicht zwingend notwendig. Wer all dies berücksichtigt, wird auch an ECHOES FROM THE PAST viel Freude haben, zumal Bornemann immer wieder und mit wachsendem Stolz Zitate eigener Klassiker wie POWER AND THE PASSION, DAWN, OCEAN oder SILENT CRIES AND MIGHTY ECHOES (1975 bis 1979) einarbeitet. In Verbindung mit dem spannenden Thema Jeanne d’Arc sorgt dies für ein Gesamtkunstwerk, das Progrock-Fans nicht verpassen sollten.

8 von 10 Punkten

Eloy
ECHOES FROM THE PAST
DRAKKAR/SOULFOOD