Man hätte es nicht für möglich gehalten, aber 24 Jahre nach RIVER OF RETURN ist die Krautrock-Institution Agitation Free mit einem neuen Studioalbum zurück. Zu hören gibt es ein sieben lange Tracks von durchschnittlich acht Minuten umfassendes Werk, auf dem instrumentales Können auf hohem Niveau, jedoch stets beherrscht und ohne unnötige Frickelorgien, geboten wird, zu dem es sich wunderbar in andere Sphären abtauchen lässt. Psychedelische Rundreisen und esoterische Soundeffekte mischen sich mit arabisch anmutenden Skalen (z. B. in ›Levant‹ oder dem Titeltrack), um dann wieder Ethno-Elemente ein- zubinden. Was die Gitarre betrifft, gilt die Einstellung „Ich habe ein großes Effektboard, und ich werde es benutzen“, was aber stets geschmackvoll geschieht. Die knackig-moderne Produktion tut ein Übriges, um ein Hängenbleiben in der Vergangenheit zu verhindern. Anspruchsvolle Klangkunst, die trotz gelegentlicher Längen zu unterhalten vermag. (Robert Helle)
Gerade eben haben die Rolling Stones Amerika-Konzertdaten für ihre 2024 anstehende „Hackney Diamonds Tour“ passend zum jüngst veröffentlichten neuen Album angekündigt. Im April geht es los in Houston, Texas. Fans warten jetzt darauf, dass Jagger, Richards und Wood weitere Konzerte in Europa und hoffentlich in Deutschland bekannt geben.
Beim Tributkonzert zu Ehren des früh verstorbenen Foo-Fighters-Drummers Taylor Hawkins 2022 in London gab Paul McCartney Geddy Lee und Alex Lifeson von Rush ein paar gute, beschwipste, Ratschläge. Das erzählte Geddy Lee kürzlich in einem Interview mit dem amerikanischen Rolling Stone.
Eingefädelt wurde die Begegnung zwischen dem Beatle und Rush von Foo-Fighters-Chef Dave Grohl. McCartney kannte Rushs Musik nicht wirklich und schaute sich deshalb ihre Performance von ›2112 Part 1: Overture‹ und ›Working Man‹ an.
„Nach unserer Show war er unglaublich“, erzählt Geddy Lee. „Er war so herzlich und positiv. Er kam vorbei, setzte sich hin und trank mit uns. Wir betranken uns ziemlich. Er verhielt sich sehr empathisch und meinte: ‚Weißt du, was Ringo immer zu sagen pflegt? ‚Es ist nun mal das, was wir tun‘. Und ich meinte daraufhin nur: Da musst du schon mit Alex reden, er ist der Sturkopf. Also referierte er vor Al, wie großartig es ist, auf Tour zu sein. ‚Du musst das tun, Mann. Du musst wieder da raus, Mann.‘ Und Alex erwiderte sowas wie: ‚Ich tue es, wenn du unser Manager wirst.‘ Und McCartney: ‚Ich manage euch, Mate!‘ Es war sehr sehr lustig, aber er hatte auch Recht. Das ist nun mal das, was wir tun. Und du tust es einfach. Du hinterfragst es nicht. Und ich denke, wir alle vergessen das manchmal.“
Wilko Johnson ist im Alter von 75 Jahren verstorben. Das wurde vor kurzem auf den Social-Media-Kanälen des Musikers bekannt gebeben. Johnson war in den 70er Jahren mit seiner Band Dr. Feelgood bekannt geworden, einer energiegeladenen Pub-Rock-Truppe, die zwischen Rhyhtm N‘ Blues und Punk anzusiedeln war. Johnson entwickelte einen eigenen Gitarrenstil, er spielte ohne Plektrum und orientierte sich bei seiner Spielweise an Künstlern wie Bo Diddley oder Mick Green von Johnny Kidd And The Pirates. 1977 verließ er Dr. Feelgood.
In den Jahrzehnten danach gründete Johnson die Band Solid Senders, trat den Blockheads, Ian Durys Band, bei, ließ die Wilco Johnson Band aufleben, diente als Live-Gitarrist bei den Stranglers.
In den ersten beiden Staffeln von „Game Of Thrones“ mimte Johnson den Henker Ilyn Payne. 2013 war bei ihm dann Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden und er verließ die Serie aufgrund der Krankheit. 2014 gab er bekannt, dass er nach einer Operation krebsfrei sei. 2017 veröffentlichte Johnson seine Autobiografie mit dem Titel „Das Leben geht weiter“. Am 21. November 2022 verstarb der Musiker im Alter von 75 Jahren.
AC/DC-Drummer Phil Rudd versteigert zahlreiche Habseligkeiten und Equipment seiner Karriere, um Geld für die „New Zealand Breast Cancer Foundation“, eine Stiftung zur Brustkrebshilfe, zu sammeln. In einem Interview gab Rudd zu Protokoll, dass er Dinge wie Drumsticks, die er bei AC/DC verwendete, Gemälde sowie eines seiner vielen Sportautos stiften wolle. Grund hierfür ist seine gute Freundin Toni Wilson, die an metastasiertem Brustkrebs in Stadium IV leidet und laut Rudd vielleicht das Ende des Jahres nicht mehr erleben wird.
Gegenüber der Stuff meinte der Schlagzeuger teilweise in Tränen aufgelöst: „Das ist meine Art, damit umzugehen, denke ich. Es ist nur eine kleine Geste, aber ich wollte etwas tun, um zu helfen. Ich würde meinen ganzen Besitz aufgeben, alles in ein großes Feuer werfen, wenn das Toni nur mehr Zeit geben würde. Sie ist die Liebe meines Lebens. Meine beste Freundin.“ Weitere Details über Rudds Versteigerung sind noch nicht bekannt.
Über seine Zukunft mit AC/DC meinte der Drummer, der beim jüngsten Auftritt der Band beim „Power Trip Festival“ in Kalifornien nicht dabei war: „Ich freue mich darauf, künftig wieder mit ihnen spielen zu dürfen… weiterzurocken.“
Der Bluesrock ist im Wesentlichen das Herz des Rock’n’Roll. Seit Albert King und Andere die Musik ihrer Ahnen mit Strom und Lautstärke aufbohrten, ist er ein wichtiger Teil des Vokabulars eines jeden Rockliebhabers. Wo Vieles in der Versenkung verschwand, hat sich Blues-rock als Subgenre durchgesetzt und immer wieder neu erfunden. Manchmal mag er einem langweilig oder gar spießig erscheinen – vor allem, wenn Künstler ihn zu einem glatten, puristischen Lehrstück degradieren. Deshalb sollten wir uns wieder daran erinnern, welch großen Reichtum musikalischer Schätze er uns zu bieten hat.
The Allman Brothers Band, ›Whipping Post‹, 1969
1969 wagten sich die Brothers live erstmals aus ihrer Südstaaten-Heimat hinaus und brauchten unbedingt Material für ihr Debütalbum. Gregg Allman hätte zu keinem besseren Zeitpunkt auf seine Songwriting-Goldader stoßen können.
Kaum ein Song brachte das Thema Ärger mit Frauen je besser auf den Punkt als dieser, auf dem der Sänger eine Teufelin ins Visier nimmt, die „all mein Geld nahm und mein Auto schrottete.“ Doch der Text war zweitrangig – das Wichtigste hier war der süchtig machende, hymnische Groove, den die Allman Brothers auf LIVE AT FILLMORE EAST von 1971 auf ganzen 23 Minuten in die Länge gejammt wurde.
Unsere Story über die Wurzeln des Southern Rock und die Allman Brothers, erzählt von Billy Gibbons, findet ihr hier.
Eigentlich waren Wishbone Ash immer eine Band für Liebhaber. Kommerzielle Überflieger wie Led Zeppelin oder Deep Purple waren sie nie. „Ich denke“, so sagte mal Iron Maidens Vordenker Steve Harris, „wenn jemand unser frühes musikalisches Werk verstehen will, muss er sich nur ARGUS von Wishbone Ash anhören.“
Eine Platte, die funktioniert wie ein Handbuch für Harmonie- und Twin-Gitarren-Handwerk. Musiker von Thin Lizzy über Judas Priest bis zu Big Country und den Dire Straits haben dieses Hardrock-Meisterwerk hinreichend studiert. Heute ist Andy Powell das letzte verbleibende Ur-Mitglied der Rocker. „Ich wollte eigentlich immer in Bands spielen“, erzählt er. Schon im Alter von 14 Jahren darf er 1964 mit seiner Schülergruppe das Vorprogramm von The Who bestreiten. „Wir kauften uns hautenge Shirts und legten ungestüm los. Ich war komplett beeindruckt von The Who. Pete Townsend trug schon damals seine berühmte Union-Jack-Jacke. Darin sah er echt unfassbar gut aus.“ Bis auf ein paar Jobs, bei denen Andy als Heranwachsender in einer Milchfabrik oder als Fish-and-Chips-Verkäufer arbeitet, lebt er immer von der Musik. Powell: „Geld und Musik – das sind seit Jahrzehnten die wichtigsten Bestandteile in meinem Leben. Und da gibt es natürlich Konflikte, wenn du mal Durststrecken hast.“ In jungen Jahren hatte die Gruppe aber ordentliche Nehmerqualitäten – und vielleicht auch etwas Glück.
1970 sind Wishbone Ash Opener von Deep Purple. Ritchie Blackmore spielt während eines Soundchecks in Dunstable mit dem jungen Andy Powell, spricht aber als schräger Kauz die ganze Zeit kein Wort mit dem Kollegen von Wishbone Ash. „Er spielte ein Lick auf der Gitarre“, erinnert sich Powell. „Ich merkte mir die Tonart – und plötzlich jammten wir. Unser Zusammenspiel wirkte schon irgendwie magisch.“ Blackmore empfiehlt Wishbone Ash weiter an Derek Lawrence, der die ersten drei Platten von Deep Purple produziert hat – und so bekommt das Quartett um Powell den ersten Plattenvertrag bei Decca/MCA. „Blackmore hatte so einen unfassbar großen Einfluss auf unsere Karriere. Viele Jahre später traf ich ihn mal, als er bei einem Fußballturnier in Westport mitspielte, einer Kleinstadt in Connecticut. Er trat dort mit einer Hobby-Mannschaft an – und die meisten anderen Spieler waren seine Roadies oder Roadcrew-Mitarbeiter. An jenem Tag habe ich mich offiziell für seine Schützenhilfe bedankt.“
Anfang der 70er-Jahre zieht es Powells Gruppe dann nach London, wo sie probieren, Fuß zu fassen. „Das gestaltete sich schwierig. Ich zog damals in ein schäbiges Apartment in der Nähe von Camden Town, zusammen mit unserem zweiten Gitarristen Ted Turner. Ich vergesse nie, wie uns meine Eltern dort besuchten. Meine Mutter brach in Tränen aus und mein Vater scherzte, dass er uns mal den Kammerjäger vorbeischicken würde. Wir lebten völlig mittellos am äußersten Existenzminimum, aber auch diese Episode haben wir überstanden.“ Für manchen Hardrock-Liebhaber gelten Wishbone Ash neben Rainbow als die innovativste Rockformation der 70er, weil sie Heavy-Rock, Folk-Melodien und epische Improvisationen mit jazzig-swingendem Einschlag zu einer ganz eigenen Melange formten. Nicht umsonst beginnt ihr aktuelles Live-Album LIVE DATES LIVE denn auch mit drei Tracks von ARGUS (1972): ›The King Will Come‹, ›Warrior‹ und ›Throw Down The Sword‹. „Als Tontechniker bei ARGUS fungierte die spätere Produzenten-Legende Martin Birch. Er war wie wir ein großer Anhänger von Fleetwood Mac – weil sie so ein feines Gespür dafür hatten, wie man traditionellen Blues modern und zeitlos spielt. Birch verstand, wo wir musikalisch hinwollten und hat uns im Studio mit all seiner Kraft in unserer Vision unterstützt.“ Das Konzept der mehrstimmigen Twin-Gitarren wurde auf ARGUS zum Markenzeichen mit Ewigkeitsanspruch – auf LIVE DATES LIVE ist diese Essenz jetzt wieder zum Greifen nah.
RIP Malcolm Young… der musikalische Kopf von AC/DC verstarb heute vor sechs Jahren an den Folgen seiner Demenz-Erkrankung.
AC/DC sind seit ihrer Gründung 1973 eine unzertsörbare Rock’n’Roll-Maschine. Auch den Verlust von wichtigen Mitgliedern haben die Australier immer wieder überstanden. Der letzte große Verlust war der Tod ihres musikalischen Anführeres Malcolm Young, der heute vor sechs Jahren an den Folgen seiner Demenz-Erkrankung verstarb.
1980 mussten sich AC/DC nach dem Tod ihres Sängers Bon Scott in rasantem Tempo neu erfinden. Ihr Album BACK IN BLACK wurde bereits fünf Monate später veröffentlicht. Ihr neuer Sänger Brian Johnson füllte die riesigen Fußstapfen, die ihm Scott hinterlassen hatte, überraschend gut aus. Bis heute ist BACK IN BLACK nach Michael Jacksons THRILLER das zweitmeistverkaufte Album aller Zeiten. Im Bereich Hard Rock steht es unangefochten auf Platz 1.
Der Titeltrack ist einer der bekanntesten Songs von AC/DC – eröffnet von einem unverwechselbaren Gitarrenriff von Malcolm Young. RIP.