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Sting: Themenabend heute im TV

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stingDen heutigen Freitagabend widmet ARTE Sting, dem großen Police-Frontmann und Solokünstler. CLASSIC ROCK empfiehlt „einschalten“ und verlost eine gigantische Vinyl-Box!

Mit gleich zwei Sendungen infolge, die wir euch nur empfehlen können, dreht sich am heutigen Freitagabend bei ARTE alles um Sting.

Den Anfang macht der Sender mit dem 2016er Porträt „Sting – Beyond The Police“. Der Film erzählt von den verschiedenen Stationen seines Lebens, von seiner tristen Jugend im Industriemilieu des englischen Nordwestens, vom überwältigenden Erfolg mit The Police sowie seiner bis heute andauernden Karriere als Solokünstler. Anschließend geht es für Sting dann auf die Bühne. ARTE zeigt einen Mitschnitt seiner beiden Auftritte im Pariser Olympia vom 12. und 13. April 2017.

Freitag, 18.08., ARTE:
21.55 Uhr STING – BEYOND THE POLICE
22.55 Uhr STING – KONZERT IM PARISER OLYMPIA

CLASSIC ROCK verlost passend zum Themenabend die riesige, 16 LPs umfassende COMPLETE STUDIO COLLECTION von Sting. Ein absolutes Juwel für jeden Fan!

Hier teilnehmen:

[contact-form-7 id=“63532″ title=“Sting LP-Box“]
Hinweis: Der Einsendeschluss ist der 28. August 2017. Der Gewinner wird per E-Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Stone Temple Pilots: Exklusive Premiere von ›Plush‹ live 1993

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Hört hier eine bislang unveröffentlichte Live-Version des Stone Temple Pilots-Hits ›Plush‹ aus der bald erscheinenden Jubiläums-Edition von CORE!

Am 29. September 2017, auf den Tag genau 25 Jahre nach Erscheinen des Debüts und insgesamt erfolgreichsten Albums der Stone Temple Pilots, wird die Jubiläums-Edition von CORE mit umfangreichem Bonusmaterial veröffentlicht. Die Super-Deluxe-Edition – bestehend aus einem 4-CDs, 1-DVD und 1-LP Box-Set – wird neben dem ursprünglichen Album in remasterter Form zahlreiche Demos und B-Seiten, Live-Aufzeichnungen aus dem Jahr 1993, das MTV-Unplugged-Konzert der Stone Temple Pilots, das Album in einem 5.1-Mix sowie offizielle Video-Clips enthalten.

CLASSIC ROCK präsentiert euch daraus bereits jetzt eine bislang unveröffentlichte Live-Version des CORE-Hits ›Plush‹. Hier hört ihr, wie STP am 02. Juli 1993 vor einem aufgeheizten Publikum im südkalifornischen „Castaic Lake Natural Ampitheater“ einen der größten Songs des damaligen Sommers performten.

Meilensteine: Der Rock’n’Roll verliert seinen König

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elvis16. August 1977: Elvis Presley stirbt in Memphis.

In seinem finalen Erdenjahr verkam der King zur Karikatur seiner selbst. Selbst stark verkürzte Konzerte konnte er kaum be­­wältigen. Bühnenansagen gerieten unverständlich, manches Gastspiel fiel gleich ganz aus, weil der permanent Kränkelnde nicht aus dem Bett kam. Sein ohnehin un­­gesunder Le­­bensstil geriet nach der Scheidung von Gattin Priscilla 1973 immer mehr außer Kontrolle. Nachhaltig unterfüttert von der täglichen Ein­­nahme 14 verschreibungspflichtiger Medikamente, davon zehn in signifikanter Quantität. Allein 1977 soll Elvis Presley laut des behandelnden Arz­tes um die 10.000 Dosen an Sedativa, Am­­phetaminen und Narkotika zu sich ge­­nommen haben.

Wenn der King sich nicht auf Tour befand, schloss er sich in Graceland ein, umgeben von Literatur über Spiritismus, Ok­­kultismus und Verschwörungstheorien. Als Unterhaltung favorisierte er die britische Ulk-Truppe Monty Python. Gleich zwei Konzerte im Juni wurden für das TV Special „Elvis In Concert“ aufgezeichnet: Kaum noch hörbar die einst mächtige Mehroktavenstimme, linkisch die Gestik. Vor Lampenfieber das kalkweiße Antlitz in Schweiß gebadet, umrahmt von einem blauschwarz gefärbten Haarhelm. Ein finales Konzert fand am 26. Juni im Indiana Market Square von Indianapolis statt. Bereits seit langem litt Elvis an allerlei Symp­­­tomen: Bluthochdruck, Glaukom, Herzrhythmusstörungen, Herzvergrößerung sowie schweren Leber- und Darmschäden.

Am 16. August sollte er zu einer weiteren Tournee starten. Seine Verlobte Ginger Alden fand ihn leblos auf dem Boden des Badezimmers. Wie­­derbelebungsversuche misslangen. Um 15.30 Uhr wurde der 42-Jährige im Baptist Memorial Hospital offiziell für tot erklärt.

Das letzte Wort: Corey Taylor (Stone Sour, Slipknot)

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corey taylorAls Frontmann der NuMetal-Extremisten von Slipknot gibt Corey Taylor seit zwei Jahrzehnten den maskierten Psychopathen. Eine völlig andere Seite offenbart der amerikanische Musiker und Buchautor in seiner Alternative-Rock-Formation Stone Sour. Pünktlich zur Veröffentlichung des neuen Albums ­HY­­DROGRAD hat der 43-Jährige bei uns das letzte Wort.

In unserem allerersten Interview vor 16 Jahren lautete eine Frage, ob deine gequälte Seele jemals Erlösung finden wird. Du hast damals mit „wahrscheinlich nicht“ geantwortet. Wie denkst du heute darüber?
Ich bin nicht sicher, ob überhaupt jemand Erlösung findet auf dieser Welt. Viel wichtiger ist doch der Weg dorthin und was wir auf unserer Reise erleben. Wie wir wachsen, uns entwickeln und welche Er­­fahrungen wir auf den verschiedenen Etappen machen. Wirklicher Friede be­­deutet Stillstand. Ich versuche ständig, die Balance zu halten zwischen dem Menschen, der ich sein will und dem, der ich tatsächlich bin. Man könnte es mit einem Jongleur vergleichen: Man gibt sich Mühe, alles am Laufen zu halten, während das Leben einem immer wieder neue Bälle zuwirft.

Ein Song auf dem neuen Stone Sour-Album trägt den Titel ›Knievel Has Landed‹ und ist dem berühmten Stuntman Evel Knievel gewidmet. Im Text geht es ums Scheitern …
Es geht um Menschen, die sich ihren Arsch mit guten Karma-Wünschen abwischen und einfach ihr Ding durchziehen. Manche stehen nach einem Sturz wieder auf, andere bleiben liegen. Als Kinder haben wir jeden seiner spektakulären Motorradsprünge im Fernsehen verfolgt. Fast wirkte es, als würde er bei jedem einzelnen Staub fressen und sich alle Knochen brechen. Man fragte sich, ob ihm irgendwann auch mal ein Trick gelingen würde. Man muss sich entscheiden, ob man aus seinen Fehlern lernen will, oder weiterhin in der Scheiße landet.

Hast du als Kind auch mit den Knievel-Actionfiguren gespielt?
Natürlich, wie wohl jeder Junge in meinem Alter. Er hatte auf mich eine ähnliche Faszination wie Kiss oder Elvis – große Ikonen, die man bewundert, weshalb man eines Tages selbst so sein will. Ich habe mir kürzlich die coolste Figur aller Zeiten in einem Comic-Shop gekauft: Boba Fett aus „Star Wars“ in einem Evel-Knievel-Kostüm. Und das Beste: Er leuchtet im Dunkeln! Diese Mischung aus Science-Fiction und Actionheld repräsentiert für mich die perfekte Erinnerung an meine Kindheit.

In einem anderen Song, ›When The Fever Broke‹, sprichst du vom Begriff „Zuhause“. Wie definierst du dieses Wort?
Ich habe erst sehr spät gelernt, das Wort mit einer Bedeutung zu füllen. Erst mit weit über 30 ergab die Vorstellung, ein festes Heim zu haben, für mich überhaupt einen Sinn. Es gab in meinem Leben eine Zeit, in der ich buchstäblich kein Zuhause und noch nicht einmal ein Dach über dem Kopf hatte. Ich bin sehr viel herum gekommen. Für die längste Zeit meines Lebens bedeutete das Wort einfach nur einen Platz, an dem ich meinen Kram aufbewahrte und schlief. Sobald ich Kinder und eine Familie hatte, änderte sich das. Man fängt an, etwas aufzubauen, was über vier Wände und ein Dach hinaus geht. Etwas, was man für sich und seine Lieben erschafft und wo man sich geborgen fühlt vor der Welt da draußen. Heute bin ich sehr stolz auf mein Zuhause.

Bist du Heimwerker? Jemand, der bei Slipknot so gekonnt die Bühne zerlegt, kann sicher auch zuhause mit schwerem Gerät umgehen.
Absolut nicht! Ich bin mittlerweile smart genug, um diese Arbeiten den richtigen Experten zu überlassen. Ich habe in der Vergangenheit immer wieder versucht, hier und da kleine Reparaturen zu machen. Leider ist es jedes verdammte Mal fürchterlich in die Hose gegangen. Was ich auf der Bühne mache, beherrsche ich perfekt. Doch sobald es um handwerkliches Geschick geht, bin ich der Falsche. Auch mein Umfeld ermutigt mich in solchen Fällen, lieber einen Fachmann zu beauftragen.

In den vergangenen Monaten sind viele große Künstler von uns gegangen. Hat das deine Einstellung zum Tod verändert?
Natürlich kommt man ins Grübeln, wenn großartige Musiker, mit denen man aufgewachsen ist oder die man sogar persönlich kannte, plötzlich gehen müssen. Lemmy und ich sind in den letzten Jahren wirklich gute Freunde geworden. Niemand von uns hätte jemals auch nur im Traum daran gedacht, dass er jemals sterben würde. Er stand für mich auf der gleichen Stufe wie Keith Richards, der uns alle überleben wird. Spätestens als Prince starb, wurde mir klar, dass jetzt unsere Generation die Künstler verliert, die uns geprägt haben. Es führt einem die eigene Sterblichkeit vor Augen. Und die Tatsache, dass uns nur eine sehr begrenzte Zeit bleibt auf dieser Erde.

Du bist selbst schon haarscharf an einem frühen Rockstartod vorbei geschrammt …
Und ich bin sehr froh, immer noch hier zu sein. Das habe ich einzig und alleine dem Umstand zu verdanken, mich heute von allen schädlichen Substanzen fern zu halten. Ich habe im letzten Jahr sogar mit dem Rauchen aufgehört und mache seitdem wieder regelmäßiges Workout. Und ich ernähre mich gesünder, zumindest versuche ich es. Da ist sicher noch Luft nach oben. Es geht mir dabei aber nicht darum, unbedingt länger zu leben, sondern besser. Früher habe ich es für ein Klischee gehalten, doch je gesünder man lebt, desto höhere Lebensqualität hat man. Klingt gerade aus meinem Mund seltsam, ist aber so.

Peter Gabriel – BIRDY/PASSION/LONG WALK HOME

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Peter Gabriels Soundtracks als 45-rpm-Half-Speed-Mastering.

Peter Gabriel ging als Künstler nie den geraden Weg. Weder bei Genesis noch als Solist. Wenn seine Klangvisionen zum globalen Multiplatinbestseller avancierten wie etwa SO (1986), dann nicht, weil er etwa Konzessionen an den Zeitgeist tätigte. Gabriel konzipierte stets eigenwillig und unabhängig. Wenig verwunderlich, dass der exzentrische Brite auch Soundtracks für Kinofilme gestaltete. Im Zuge der Wiederveröffentlichungen des Gesamtkatalogs erscheinen drei Werke jeweils als 45RPM-Mehrfach-Vinyl-Editionen: Am nachhaltigsten in der kollektiven Erinnerung blieb das düstere BIRDY (2LP), Alan Parkers Geschichte um zwei heimgekehrte Vietnamsoldaten; der eine physisch, der andere psychisch beschädigt. Für den Rohschnitt des Films hatte Parker Tracks von Gabriels drittem und viertem Album unterlegt. Produzent Daniel Lanois und Gabriel nahmen den roten Faden auf, benutzten Fragmente der Alben, um mit u.a. Tony Levin, David Rhodes, Jon Hassell, Larry Fast und Jerry Marotta neues Material zu kreieren: Wiederauferstehung in ›Close Up‹ feierte ›Family Snapshot‹, die Basis für ›Under Lock And Key‹ schuf ›Wallflower‹. ›The Rhythm Of The Heat‹ kulminierte in ›The Heat‹. Ursprünglich von ›Not One Of Us‹ entstammte das heftige ›Birdy’s Flight‹.

Weit experimenteller geriet PAS­SION, in Neuauflage ein 3-LP-Set: Nach SO widmete Gabriel dem Soundtrack von Martin Scorceses THE LAST TEMPTATION OF CHRIST ganze drei Jahre. Stark von den Tonleitern des Mittleren Ostens inspiriert, gelangen mit internationalen Musikern von Gabriels Festivalinitiative „Womad“ subtile Klanglandschaften und authentische Stimmungsbilder. LONG WALK HOME: MUSIC FROM THE RABBIT-PROOF FENCE (2002), eine australische Kinoproduktion von Regisseur Phillip Noyce um Abori­gines, integriert im Doppelformat abermals die „Womad“-Riege im Gespann mit u.a. Peter Green, David Sancious, Manu Katché, Will Gregory, Stephen Hague, Nusrat Fateh Ali Khan, Blind Boys Of Alabama und London Session Orchestra. Zufallsgeräusche, Naturklänge und Didgeridoo beschwören den australischen Outback. Unter den drei Soundtracks sicherlich der effektivste.

BIRDY: 7/10
PASSION: 8/10
LONG WALK HOME: 9/10

Peter Gabriel
BIRDY/PASSION/LONG WALK HOME
CAROLINE/UNIVERSAL

David Crosby: Himmlischer Stinkstiefel

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Davis CrosbyMan darf sich David Crosby nach vielen schweren Jahren heute als glücklichen Menschen vorstellen. Was ihn nicht daran hindert, freundlich zu sprechen – aber die Kollegen auf die Palme zu bringen. Sein größter Gegner ist Donald Trump: „Lieber Kanadier als Amerikaner unter diesem Präsidenten.“

Manchmal denkt man, es müsse zwei David Crosbys geben. Da ist einmal der alte Herr am Telefon, der knapp, aber freundlich mit ungewöhnlich hoher Stimme Fragen beantwortet: Ja, er habe Glück gehabt, dass die Drogen zwar großen Schaden angerichtet, ihn aber am Leben gelassen haben. Wenn auch nur knapp und nur mit einer neuen Leber, die Phil Collins für ihn bezahlt hatte – eine der bizarrsten Gesundheitsstorys der Rockwelt. Crosby redet über diese Dinge, unaufgeregt und reflektiert. Ein netter Typ.

Dass es einen anderen Crosby gibt, davon berichtet sein alter Kumpel Graham Nash. Immer wieder geraten die beiden, die so wunderbar zusammen singen und Songs schreiben können, aneinander. Einem niederländischen Magazin sagte Nash im Frühjahr über Crosby: „Ich habe ihm 45 Jahre lang den Arsch gerettet, und er behandelte mich wie ein Stück Scheiße. Wenn er mir weiterhin solche schlimmen Mails schreibt, dann bin ich fertig mit ihm. Fuck you!“ Harter Tobak. Für Nashs These spricht, dass David Crosby ein für einen 75-Jährigen erstaunlich lebhaftes Internetverhalten zeigt. Der Kalifornier erlaubt sich den Spaß, via Twitter Fragen von Fans zu beantworten, manchmal Dutzende am Tag – darunter selten dämliche. Crosby antwortet nie unfreundlich, aber manchmal gönnerhaft. Es zeigt sich dann, dass David Crosby sich für einen Songwriter hält, der das Niveau seiner Kollegen locker übertrifft.

Dass er damit durchaus richtig liegt, kann man auf seinem neuen Album LIGHTHOUSE nachhören. Crosby spielt darauf vom Jazz beseelte Folksongs, wunderbar arrangiert, herrlich gesungen. Mit dem soliden Handwerk anderer Songwriter hat das wenig zu tun. „Ich suche immer nach der Harmonie, die sonst keiner nutzt. Manchmal klingt das Resultat seltsam, dann lege ich die Akkordfolge zur Seite. Klingt es gut, arbeite ich so lange an den Nuancen, bis es himmlisch wird.“ LIGHTHOUSE ist nach CROZ das zweite Album innerhalb von zwei Jahren. Eine dritte Platte, aufgenommen zusammen mit seinem Sohn, ist so gut wie fertig. „Ich habe einen Lauf, das empfinde ich selber als ungewöhnlich“, sagt er. Abseits seiner Karriere als Gründungsmitglied der Byrds sowie als Teil von Crosby, Stills, Nash (und beizeiten auch Young), trat er nur sporadisch in Erscheinung. Sein Solodebüt IF ONLY I COULD REMEMBER MY NAME… (1971) geriet wunderbar, die beiden aus den 80ern und 90ern eher schwach. Crosby kämpfte damals gegen die Drogensucht, im Rausch oder im Entzug tat er vieles, das er lieber nicht getan hätte. „Alles war Teil meiner Entwicklung. Schade ist jedoch, dass ich dadurch so unglaublich viel Zeit vergeudet habe. Das versuche ich nun wieder aufzuholen.“ Heute lebt David Crosby abstinent und umgibt sich mit genügend kreativen Leuten, um seine „glücklichen Jahre“, wie er sie nennt, voll auszukosten. „Ich halte nicht viel von der These, ein Künstler sei dann besonders kreativ, wenn er schlecht drauf ist. Meine Biografie ist der Beleg dafür, dass das Quatsch ist.“

So sehr der Mann mit sich im Einklang ist: Sein politisches Engagement zeigt, dass noch immer jede Menge Wut in ihm steckt. „Ich bin Demokrat“, sagt er. „Erst hielt ich zu Bernie Sanders, jetzt zu Hillary Clinton.“ Dann folgt das Aber: „Die politische Gesinnung darf nichts damit zu tun haben, Trump mit voller Kraft abzulehnen. Dieser Mann verkörpert einfach alles, wogegen wir in den 60er Jahren in Kalifornien auf die Straße gegangen sind. Er ist die Rache der Konservativen, die damals gegen unsere Bürgerbewegung gekämpft haben.“ Trump als Präsident? „Ich würde auswandern. Nach Kanada.“ Schon heute sage er manchmal, er sei Kanadier. „Amerikaner zu sein, ist mir im Beisein intelligenter Menschen aus aller Welt einfach zu peinlich.“

Fairport Convention – COME ALL YE – THE FIRST TEN YEARS

fairport conventionKarrierequerschnitt der ersten Jahre, live, im Studio und mit hörenswerten Raritäten.

Man kann eine Karteikarte zur Hand nehmen, „Brit-Folk“ drauf schreiben und sie gemeinsam mit der ge­­schmackvoll illustrierten, dank Begleit­büchlein informativ ausgestatteten 7-CD-Box im Plattenregal platzieren – womit man es sich eindeutig zu leicht macht. Zum einen, weil Fairport Convention in der Frühphase mit Sängerin Judy Dyble offenkundig in Richtung San Francisco blickten, zum anderen, weil sie sich auch mit Nach­folgerin Sandy Denny niemals nur auf die zwischen den Orkneys und Jersey populären Folk-Traditionen beschränkten. Anders gesagt: Diese Briten-Folkies waren stets Transatlantiker, die auch Rock’n’Roll, Blues und Country stattfinden ließen – und sogar eine denkwürdige Version von Leonard Cohens ›Suzanne‹ aufnahmen.

Wer es puristischer schätzt, kommt beim grandiosen Alternativ-Take von ›A Sailor’s Life‹ auf seine Kosten, im Original aus dem 17. Jahrhundert – nur eben gespielt von einer Rockband der späten 60er-Jahre, die mit Richard Thompson einen standesgemäß virtuosen Gitarrenhelden in ihren Reihen zählte. Was einen direkt zum faszinierendsten Aspekt dieser Band führt: ihrer professionellen Ernsthaftigkeit. Hier waren keine Bullshitter am Werk, die sich unangepasst gaben, aber insgeheim eben doch auf einen glamourösen Auftritt bei „Top Of The Pops“ hinarbeiteten, sondern wahre Überzeugungstäter. Woran auch Dylans ›If You Gotta Go, Go Now‹ nichts Wesentliches änderte, von Fairport Convention ins Französische übersetzt und als Cajun-Schunkler ›Si Tu Dois Partir‹ ihr einziger Single-Hit.

COME ALL YE transportiert aber auch die Rastlosigkeit, von der die Band beizeiten profitierte, unter der sie mitunter aber auch litt. Musi­ker kamen und gingen, darunter auch Schlüsselfiguren wie Denny, Thompson und Gründungsmitglied Simon Nicol. Bereits im Jahr 1971 waren Fairport Convention eine komplett runderneuerte Band, deren Output fortan durchaus qualitativen Schwankungen unterlag. Neben zahlreichen erstmals erhältlichen Alternativ-Takes, BBC- und Konzert-Mitschnitten enthält COME ALL YE auch zwei komplette Bühnenshows, „Live At Fairfield Halls“ von 1973 war bislang unveröffentlicht.

In Zahlen ausgedrückt: Von den insgesamt 121 Songs hört man 56 zum ersten Mal, was für Raritäten-Fans zweifellos eine prima Quote darstellt. Klar sollte aber auch sein: Die kreativen Bestleistungen stammen zumeist aus den Jahren 1968/69, als Sandy Denny erstmals zum Line-Up gehörte. Das ist gewiss keine Einschätzung, mit der man als Rezensent Originalitäts­punkte sammeln kann. Der Wahrheit entspricht sie dennoch.

8/10

Fairport Convention
COME ALL YE – THE FIRST TEN YEARS
UMC

Ramones – LEAVE HOME 40TH ANNIVERSARY DELUXE EDITION (LIMITED NUMBERED)

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leave homeNow I wanna be a good boy: Albumklassiker Nummer zwei als Jubiläums-Luxuspaket.

Wie erklärte doch einmal Gitarrist Johnny Ramone das knappe Konzept seines New Yorker Quartetts: „We couldn’t really sing songs about cars and girls, ‘cause we had no cars and girlfriends.“ Auch beim Zweitling LEAVE HOME, er­­schienen im Januar 1977, dürften Autos und Mäd­chen Mangelware gewesen sein. Dafür geriet das an sich schon harsche Klangbild noch deftiger, zurechtgeschliffen durch unzählige Auftritte auf pausenlosen Tourneen. Optimal eingefangen vom Produzen­ten­team Tony Bongiovi (der Onkel von Jon!) und Schlagzeuger Tommy Ramone mittels des einen oder anderen Gitarren-Overdubs.

Die nach wie vor durch Turbotempo und Stakkato angetriebene Comicwelt der mit Sänger Joey Ramone und Bassist Dee Dee Ramone komplettierten Jeans-Leder­jacken-Moptop-Truppe wurde von hinterlistigen Serienkillern (›You’re Gonna Kill That Girl‹) bevölkert, glorifizierte Elektroschocks (›Gimme, Gimme Shock Treatment‹) und ließ Teenie-taugliche Freizeitbeschäftigungen (›Suzy Is A Headbanger‹) hochleben. Als obligatorische Cover-Version fungierte Joe Jones‘ putziger 60er-Surfhit ›California Sun‹. Ein Zeichen der Reue wie ›Now I Wanna Be A Good Boy‹ dürfte rein rhetorischer Natur gewesen sein.

In der 40TH ANNIVERSARY DELUXE EDITI­ON (LIMITED NUM­BER­ED) versammeln sich drei CDs plus die ins Original-Artwork verpackte, mit Ausklappcover und Buch ausgestattete Vinylplatte: Disc 1 enthält sowohl den remasterten Original-Mix als auch den 40th Anniversary Mix von Ton­ingenieur Ed Stasium. Auf CD Nummer gibt’s schließlich 33 Archivtracks, darunter Rough Mixes, Singles-A- und B-Seiten (›Sheena Is A Punk Rocker‹, ›I Don’t Care‹), den UK-Albumtrack ›Babysitter‹, Instrumental-Versionen sowie diverse weitere Mixe. Ein kompletter Livemitschnitt aus dem CBGB’s mit 19 Songs vom Frühjahr 1977 rundet das Jubiläumspaket ab.

9/10

Ramones
LEAVE HOME 40TH ANNIVERSARY DELUXE EDITION (LIMITED NUMBERED)
RHINO RECORDS/WARNER