Am 13. Februar 1970 veröffentlichten Black Sabbath ihr Debütalbum. Und sollten damit die Musikwelt unwiderruflich auf den Kopf stellen.
Freitag der 13.: Regenprasseln. Eine Kirchenglocke läutet in der Ferne. Tony Iommi entlockt seiner Gitarre einen düsteren Tritonus, das Intervall des Teufels. „What is this that stands before me? Figure in black which points at me?“, winselt Ozzy Osbourne und seine Stimme geht einem durch Mark und Bein.
Die Platte, die Black Sabbath am 13. Februar 1970 veröffentlichten, sollte die Musikgeschichte für immer verändern. Die Zeit der Hippies war vorbei: Nach dem katastrophalen Ausgang des ‚Altamont Free Concert‘ 1969 schienen die Utopien der elitären Woodstock-Generation endgültig zerplatzt. Vier junge Männer namens Ozzy, Tony, Bill und „Geezer“ aus dem von Stahlindustrie geprägten Birmingham überrollten die Blumenkinder mit ihrem harten Sound und einer durch Horrorfilme geprägten Ästhetik.
Sie warnten vor dem Satan, trugen Kreuze als Schutzsymbole und sangen über Krieg, Psychosen oder Drogen. Black Sabbath wandelten auf der dunklen Seite der musikalischen Landschaft der 70er Jahre und trafen damit genau den Nerv der Zeit. Bis heute ist ihr Erstling BLACK SABBATH mit dem gruselig-beklemmenden Coverartwork ein Meilenstein und gilt als eindeutiger Startschuss des Heavy Metal. Noch im selben Jahr veröffentlichten Black Sabbath den Nachfolger PARANOID, am 18. September.
Er besitzt ein Faible für außergewöhnliche Shows, für schrille Maskeraden und Kostüme, ohne sich als Künstler hinter ihnen zu verstecken. Ob als exzentrischer Frontmann der Progrock-Überflieger Genesis oder als späterer Solokünstler – Peter Gabriel blieb zeit seiner langen Karriere ebenso wandlungsfähig wie authentisch. Dabei spielt das 1986 erschienene Album SO eine zentrale Rolle im Schaffen des Briten. Bis dahin allerdings war es ein langer, nicht immer gerader Weg.
Das Jahr 1982 ist für den inzwischen 32-jährigen Peter Gabriel ein finanzielles Desaster. Seit seinem dritten, wegen des Covermotivs häufig MELT genannten Solowerks träumt er davon, die verschiedenartigen Weltkulturen in einem groß angelegten künstlerischen Projekt zusammenzuführen, dem er den Namen WOMAD gibt: World of Music, Arts & Dance. Der Sänger, der die Band Genesis nach der Tour zu ihrem Erfolgsalbum THE LAMB LIES DOWN ON BROADWAY überraschend verließ, träumt von einem großen Festival.
Nach langen Vorbereitungen ist es im Juli 1982 endlich soweit. Unweit seines Wohnortes Bath findet drei Tage lang das erste WOMAD-Festival statt – und beschert seinem Initiator Schulden in Höhe von 200.000 britischen Pfund. Hilfe kommt von unerwarteter Seite. Ausgerechnet seine ehemaligen Wegbegleiter, mit denen er sich überworfen hatte, organisieren ein groß angelegtes Benefiz-Konzert. Und so erleben die Besucher, die sich am 2. Oktober 1982 in der Milton Keynes Arena einfinden, ein denkwürdiges Ereignis: Peter Gabriel steht erstmals seit seinem Ausstieg wieder gemeinsam mit Tony Banks, Mike Rutherford, Phil Collins, Chester Thompson und Daryl Stuermer auf der Bühne. Die Sensation ist perfekt.
Doch die Reunion soll einmalig bleiben. Überhaupt: Nach dem Konzert wird es still um Peter Gabriel. Zwar erscheint im darauf folgenden Jahr das PLAY-LIVE-Album und hält den Sänger im Gespräch, tatsächlich aber zieht er sich für beinahe vier Jahre aus der Öffentlichkeit zurück. Im Rückblick wirkt PLAY LIVE wie eine Zwischenbilanz. Abgeschottet holt Gabriel Atem, um sich in vielfältiger Hinsicht neu zu orientieren. In den kommenden Jahren schließt er Entwicklungen ab, deren Anfänge bis weit in die Vergangenheit reichen.
Eine ungewöhnliche Liga von Gentlemen
Der spätere Ausnahmekünstler kommt 1950 in Cobham, Surrey, in einer großbürgerlichen Familie zur Welt. Früh bringt Mutter Edith ihrem Sohn Klavierspielen bei. Sein Vater Ralph Parton Gabriel ist Elektroingenieur, wird später das Bezahlfernsehen erfinden und überträgt seine Leidenschaft für jede Form technischer Innovation auch auf seinen Sprössling. Der Vater stirbt hundertjährig im November 2012
Mit Genesis wurde er in den 70er Jahren berühmt, heute zählt er zu den größten Gitarristen seiner Generation. Hier verrät uns Steve Hackett seine fünf Lieblingsplatten.
Wie bereits in den letzten Wochen vermutet, gehen AC/DC im Jahr 2024 auf Europatournee, nämlich auf die nach ihrem jüngsten Album getaufte „Power Up Tour“. 21 Konzerte werden die australischen Hardrock Legenden dabei in 10 Ländern spielen. Natürlich sind auch einige Shows in Deutschland, Österreich und der Schweiz geplant.
Mit an Bord werden Angus Young, Brian Johnson und Stevie Young sein. Am Schlagzeug wird nicht Phil Rudd, sondern Matt Laug sitzen, der bereits am „Power Trip Festival“ hinter den Drums saß. Auch Bassist Cliff Williams wird ersetzt und zwar mit Chris Chaney (ehemals Jane’s Addiction). Der Ticketvorverkauf startet am 16. Februar.
Ein alter Gospelsong inspirierte den einstigen Beatle zu diesem Stück. Heute erinnert man sich daran ebenso aufgrund des folgenden Rechtsstreits um Plagiatsvorwürfe wie dafür, dass es einfach ein wunderschönes Lied ist.
Es war das Mantra, das die Welt eroberte. George Harrisons erste Solo-Nummer-eins steht allein auf weiter Flur in der Rockhistorie, denn sie schwamm gegen den säkularen Strom und war ein unverblümtes Liebeslied an den Schöpfer. Zwar hatte es mit ›God Only Knows‹ von den Beach Boys und Norman Greenbaums ›Spirit In The Sky‹ ähnliche Fälle gegeben, doch ›My Sweet Lord‹ war anders. Der Text bietet nichts als Lob und ist vollgepackt mit 40 „Lords“, 16 „Hallelujahs“ sowie neun „Hare Krishnas“. Harrison hatte das Songwriting Ende 1969 begonnen, als er mit Delaney & Bonnie in Schweden auf Tour war. Seine Hauptinspiration dazu: ›Oh Happy Day‹, ein altes Gospelstück, in jenem Jahr für die Edwin Hawkins Singers zu einem Hit umarrangiert. Über den freudvollen Ruf-und-Antwort-Vibe der Nummer sagte Harrison: „Das haute mich einfach um … Es gab mir dieses großartige Gefühl des Herrn. Also dachte ich mir: ‚Ich schreibe ein weiteres ›Oh Happy Day‹, und daraus entwickelte sich dann ›My Sweet Lord‹.“ Harrison wusste, dass es sowohl eine Abkehr als auch ein kommerzielles Risiko bedeutete, nicht nur wegen des spirituellen Themas an sich, sondern auch durch den Bezug auf die Hare-Krishna- Bewegung, die damals von vielen Comedians aufs Korn genommen wurde. „Ich legte meinen Hals aufs Hackbrett“, schrieb Harrison in seiner Autobiografie „I Me Mine“. „Ich überlegte lange, ob ich es machen sollte oder nicht, denn damit würde ich öffentlich Stellung bezie- hen, und ich sah voraus, dass viele damit ein Problem haben könnten.“ Er verfolgte jedoch ein weitaus höheres Ziel, als nur eine Single in den Charts zu platzieren. Harrison war katholisch erzogen worden und hatte Mitte der 60er begonnen, sich für den Hinduismus zu interessieren. 1968 überzeugte er die anderen Beatles, das Rishikesh-Retreat von Maharishi Mahesh Yogi zu besuchen. Von den vier erwies er sich als der ernsthafteste Student, und je mehr er die Prinzipien der transzendentalen Meditation erlernte, desto tiefter tauchte er in die spirituellen Konzepte des Orients ein. Eines davon: der Monismus, das Eins-Sein mit einem höheren universellen Wesen. Für Harrison ist ›My Sweet Lord‹ sowohl ein Aufruf zum Glauben, als auch ein Weg, die Barrieren zwischen den Religionen zu überwinden. Zunächst gab er den Song Billy Preston, der ihn für seine Platte ENCOURAGING WORDS von 1970 aufnahm. Er wurde auf Apple als Single ausgekoppelt, ein kleinerer Hit in Europa. Für Harrisons eigene Version stellte Produzent Phil Spector im Trident Studio ein Allstar-Ensemble zusammen, inklusive Eric Clapton, Peter Frampton, Ringo Starr und aller vier Mitglieder von Badfinger. Das aufregende Intro darauf ist der Klang dessen, was Harrison als „eine riesige Gitarre“ bezeichnete.
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Frampton erinnerte sich im CLASSIC ROCK-Interview an die Session: „George rief an und fragte: ‚Würdest du vorbeikommen und akustische Gitarre spielen? Phil möchte 19 von allem.‘ Aber da waren nur George und ich, wir saßen mit Gitarren auf Stühlen vor der Scheibe bei Abbey Road, und da war Phil Spector. Sehr surreal. Das ist einer dieser Moment, die ich niemals vergesse.“ Über eine Wand aus geschichteten Akustikgitarren legte Harrison zwei harmonisierende elektrische Slide-Gitarren sowie kratzig wehklagenden Gesang, der durch die Tonart-Modulationen des Stücks hindurch fleht, und einen lebhaften Refrain. „Zuerst sang ich die Stimmen ein, die ‚hallelujah‘ jubeln, und dann den Wechsel zu ‚Hare Krishna‘“, erzählte er, „damit die Leute das Maha-Mantra sangen, bevor sie überhaupt wussten, was los war.“ Jeder Teil des Arrangements befeuert den nächsten, wodurch der Song in einem Crescendo immer weiter zu dem anschwillt, was Harrison als „ein mystisches Klangvibrieren“ beschrieb. Dieses Vibrieren erreichte in 18 Ländern Platz eins, darunter Großbritannien, die USA und Deutschland. Es gewann außerdem einen Grammy und einen Ivor Novello Award, was dazu beitrug, auch das Album ALL THINGS MUST PASS an die britische Chartspitze zu befördern. Doch in all dem Aufhebens fiel das Lied auch Bright Tunes Publishing auf, die in ihm eine Ähnlichkeit zu einem anderen Stück hörten, das sie verlegten: ›He’s So Fine‹, 1963 ein Hit für The Chiffons, geschrieben von Ronnie Mack. Die Firma reichte eine Urheberrechtsklage ein, während sie gleichzeitig von Macks Familie aufgrund ausstehender Tantiemen verklagt wurde. Allen Klein, der alle Beatles außer Paul McCartney vertrat, verhandelte unterdessen im Auftrag von Harrison die Übernahme von Bright Tunes, um den Streit schnell beizulegen (was fast einem schweigenden Schuldgeständnis gleichkam). Fünf Jahre vergingen, bevor der Fall vor Gericht landete. Das Highlight dabei: Harrison, der vor der Jury Gitarre spielte und so zu demonstrieren versuchte, in welchen Details sich sein Song von ›He’s So Fine‹ unterschied. Letztendlich lautete das Urteil „unbewusstes Plagiat“, was ihn 1,6 Millionen Dollar kostete und zum Präzedenzfall für ähnliche Klagen in den kommenden Jahrzehnten wurde.
Die Feinheiten der Strafen und Zahlungen wurden jahrelang ausgehandelt, und als der Fall 1998 endlich abgeschlossen war, besaß Harrison die Verlagsrechte für beide Lieder in Großbritannien und den USA, während Allen Klein sie für den Rest der Welt hatte. „Das Traurige daran ist, dass, wenn die Autoren von ›He’s So Fine‹ noch am Leben gewesen wären, es wahrscheinlich nie zu der Klage gekommen wäre“, glaubte Harrison. „Gott weiß, dass ich nie irgendjemanden verklagt habe wegen all meiner Songs, die geklaut wurden.“ Trotz des Stigmas durch dieses Gerichtsverfahren hat ›My Sweet Lord‹ die Jahrzehnte überdauert, und nicht ›He’s So Fine‹. Und tatsächlich borgte sich Harrison eigentlich nur ein paar Ziegel von einem seichten Pop-Track, um daraus sein Taj Mahal zu bauen. „Ich fühle mich nicht schuldig oder schlecht deswegen“, schrieb er in „I Me Mine“. „Tatsächlich rettete es vielen Heroinsüchtigen das Leben. Ich weiß, was das Motiv hinter der Entstehung dieses Lieds war, und seine Wirkung übertrifft die rechtlichen Querelen bei Weitem.“ 2021 erschien zum 50. Jubiläum des Stücks ein neues Video, mit Gastauftritten von unter anderem Ringo Starr, Jeff Lynne und Joe Walsh. Regisseur Lance Bangs sagte: „Das Ziel war, den Song visuell darzustellen, während diesen Agenten und Inspektoren all die metaphysische Magie um ihn herum entging.“ George wäre damit sicher zufrieden gewesen.
Heute vor 46 Jahren veröffentlichten Van Halen ihr selbstbetiteltes Debüt. Aus diesem Anlass widmen wir ihnen unser Video der Woche.
Eigentlich wurden Van Halen von Gene Simmons entdeckt. Der Kiss-Musiker nahm mit der jungen Hard-Rock-Band 1976 ein Demo auf, das allerdings nur an eine Hand voll Plattenfirmen geschickt wurde, da Eddie van Halen mit dessen Qualität nicht zufrieden war. Im Oktober 1977 begab sich das Quartett erneut ins Studio, um ihr selbstbetiteltes Debüt einzuspielen. Die Aufnahmen dauerten gerade mal drei Wochen. Alle Songs wurden live eingespielt, was der Platte ihren charakteristischen rohen Klang verlieh.
Am 10. Februar 1978 wurde VAN HALEN schließlich veröffentlicht und ist bis heute – neben dem Album 1984 – das erfolgreichste Werk der Band. Mittlerweile besitzt es Diamant-Status, hat also mehr als 10 Millionen Einheiten allein in den USA verkauft.
Die erste Singleauskopplung war damals ›You Really Got Me‹, eine Coverversion des Klassikers von The Kinks. Produzent Ted Templeman wählte es als erste Single aus, da er befürchtete, dass die Glam-Rock-Band Angel ihnen damit zuvorkommen könnte. Diese hatte nämlich ebenfalls eine Coverversion des Stücks aufgenommen und plante eine Veröffentlichung. Außerdem besitzt der Song dieses eingägige Riff, das sich jedem sofort einprägt.
Ray Davies, Bandleader der Kinks, sagte einmal, dass ihm die „Version von Van Halen besser gefalle als die eigene, da ihr Original wie ein Propellerflugzeug klingt, Van Halens aber wie ein Düsenjäger“.
In einem neuen Interview im Rahmen der „Pollstar Live! Conference“ sprach Jon Bon Jovi über die Stimmprobleme, die ihn in den letzten Jahren quälten. Während einer Frage-Antwort-Runde erklärte der Frontmann Folgendes:
„Ich hatte eine große rekonstruktive Operation an meinen Stimmbändern, und so etwas hatte ich vorher noch nie gehabt. Es war also ein schwieriger Weg, aber ich habe einen Arzt in Philadelphia gefunden, der eine so genannte Medialisierung durchgeführt hat, weil eines meiner Stimmbänder buchstäblich verkümmert war. Oft haben die Leute Knötchen auf den Stimmbändern, manchmal fordern Nasenscheidewandverkrümmungen ihren Tribut von den Stimmbändern. Doch das Einzige, was ich je in der Nase hatte, war mein Finger.“
„Und so war es in den letzten zehn Jahren sehr schwierig, weil ich mit etwas zu kämpfen hatte, das sich meiner Kontrolle entzog. Mein starkes [Stimmband] übernahm buchstäblich das, was vom schwachen übrig geblieben war. Also haben sie mir ein Plastikimplantat eingesetzt, und das schon vor fast zwei Jahren. Ich bin in Reha, um alles wieder zusammen zu bekommen, ich bin sehr nah dran.“
In den letzten Jahren war Jon Bon Jovi immer wieder durch seine zunehmend schwächer werdende Gesangs-Performance aufgefallen.
Von wegen verflixte Sieben! Sänger und Gitarrist Per Borten ist überzeugt, dass die Zahl kein Unglück bringt. Er freut sich lieber darüber, dass die Besetzung auf SPIDERGAWD VII stabiler denn je ist und vom Metal und Hardrock der 80er befeuert wird. Ein Gespräch …
Hattet ihr schon im Vorfeld der Aufnahmen einen klaren Plan? Wir setzen uns vorher immer hin und suchen nach einem Rezept. Meistens kommt nicht viel dabei heraus. Es ist wichtig, allen Mitgliedern das Gefühl zu geben, dass sie beteiligt sind. Ich sammle die Ideen, nehme sie dann Stück für Stück auseinander und verbinde sie zu etwas Neuem. Das betrifft eine Hälfte des Materials. Für die andere bin ich alleine zuständig.
Welcher Track der neuen Platte entstand zuerst, was hat er ausgelöst? ›The Tower‹ und ›Your Heritage‹ gehörten zu den ersten Titeln. Da merkten wir bereits, wie wichtig unser neuer Gitarrist Brynjar für uns ist. Mit ihm funktioniert alles reibungslos. Versteh mich nicht falsch, ich mag unsere älteren Sachen. Aber ich finde es schon wichtig, dass Kunst eine Zielrichtung hat. Für mich muss mehr rauskommen als Musik, die ich mag. Ich muss spüren, dass die Welt unsere Sachen braucht und wir etwas liefern, das sich vom Rest abhebt.
Wo liegt der Unterschied im Vergleich zum Vorgänger SPIDERGAWD VI? Bei der Tour zu unserem letzten Album fühlte es sich wie bei Kindern an, die erwachsen geworden sind. Danach wollten wir wieder ein Album machen, auf dem man Reibung spürt und es drunter und drüber geht. Gleichzeitig wollten wir die Pop-Qualität nicht vernachlässigen.
Es hört sich wieder nach der New Wave of British Heavy Metal an, oder? Dieser Stil gehörte von Anfang an zur Band. Zuerst war es immer ein Stück pro Platte. Seit SPIDERGAWD IV spielt die NWOBHM durchgängig hinein. Heute denken wir nicht mehr groß darüber nach. Es fließt alles natürlich aus uns heraus.
Oft halten es Musiker für beleidigend, wenn man sie mit anderen Künstlern vergleicht. Ihr seid anders. Im Video zu ›Sands Of Time‹ zeigt ihr Plattencover von Künstlern, die ihr liebt. Warum seid ihr offener? Wir haben überhaupt kein Problem damit, wenn es darum geht, andere Musiker als Bezugspunkte zu benennen. Melodien, Riffs oder Klangfolgen sind immer von anderen Liedern und Leuten beeinflusst. Etwas anderes zu behaupten, wäre töricht. Man kann ruhig Nachäffer sein. Es darf nur nicht in Diebstahl ausarten. Das ginge zu weit. Die Texte sind auf jeden Fall persönlicher. Sie müssen enthalten, was ich spüre. Ansonsten kann ich sie nicht singen.
Reden wir ein wenig über die anderen Mitglieder der Gruppe. Wie geht Kenneth als Drummer mit dem Sound um, der im Vergleich zu dem, was er früher bei Motorpsycho spielte, schneller und geradliniger ist? Niemand in der Band stürzt sich so mit Feuereifer auf den Hardrock der frühen 80er wie er. Er liebt das Zeug. Bei ihm und auch bei Bassist Hallvard spürt man Turboantrieb. Es sprudelt nur so aus ihnen heraus. Wenn sie den Rhythmus in etwa so wie bei Iron Maiden vorgeben, folgen wir gerne. Ich und Brynjar standen immer auf diese Art von Musik, hatten sie aber nie auf unseren Instrumenten gespielt. Wir mussten einen Schnellkurs machen, unser Picking auf mehr Tempo ausrichten.
Brynjar ist schon der zweite Gitarrist seit SPIDERGAWD VI von 2021. Was speziell bringt er ein? Er spielte vorher in anderen Formationen, die nichts mit dem zu tun hatten, was wir machen. Bei einer Gruppe namens El Cuero zog es ihn in Richtung Country-Rock. Das ist jetzt kein Thema mehr, er legt sich bei uns ins Zeug wie alle anderen auch. Wir haben privat alle unsere eigenen Neigungen. Wer in Spidergawd spielen will, braucht hohe Ausdauer und Lust auf Thin Lizzy. Das reicht völlig.
Natürlich müssen wir auch über Rolf Martin sprechen. Er hat wie so häufig am Ende des Albums seinen großen Auftritt. Erst ist es jazzig, dann verwandelt sich alles in einen wilden Ritt. Warum hören wir ihn nicht öfter? Ist es manchmal schwierig, das Saxofon zu integrieren? Er ist vielleicht derjenige, der angesichts der jüngsten Entwicklung bei Spidergawd den größten Verlust verspürt. Ich glaube, dass er persönlich mehr auf den Psychedelic- und Stoner-Rock der frühen Sachen steht. Aber er hat sich trotzdem auf alles eingerichtet. Das Saxofon ist immer vorhanden. Wir benutzen es nur eben nicht als Solo-Instrument. Wir nehmen es für Verzerrung und Low-End-Töne. Das ist die besondere Note im Sound von Spidergawd. Ohne sie würden wir uns anders anhören.
Euer Sound hat sich über die Jahre verändert, anderes bleibt stabil. Die Prog-Nummer am Ende, acht Songs pro Album, römische Zahlen im Titel, ähnliches Cover-Artwork. Wie oft spielt ihr mit dem Gedanken, alles mal komplett über den Haufen zu werfen? So wie Led Zeppelin mit HOUSES OF THE HOLY. HOUSES OF THE HOLY war die erste Platte, die ich mir von meinem Geld gekauft habe. Für zwei Kronen vor fast vierzig Jahren. Klar reden wir jedes Mal über mögliche Varianten. Am Ende bleiben wir aber doch immer bei den Eigenheiten, die du so schön erwähnst. Ich fürchte, es wird für den Rest unserer Karriere so bleiben. Wir sind da irgendwo Dickköpfe.
›The Tower‹ und ›Afterburner‹ sind die politischen Stücke auf der neuen Platte. Es geht um den Rechtsruck in vielen Ländern. Wie sehr beunruhigt dich das als Sänger und Texter in einer Band? Ich versuche immer, nicht zu politisch zu werden. Aber dann schleichen sich doch wieder mindestens zwei Texte in dieser Art ein. Wenn es nicht so wäre, hätte ich das Gefühl, ich würde lügen. Egal, in welchem Land man wohnt: Wir werden alle von der düsteren rechten Wolke bedroht, die über uns liegt. Kann ich auch in Zukunft noch sagen, was ich denke? Es gibt Krieg, Umweltverschmutzung, schlechte Arbeitsbedingungen, eine immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich. Es ist die große Frage, wie Kunst unter diesen Bedingungen funktionieren kann. Die stelle ich mir natürlich.
Ihr geht im ersten Quartal 2024 wieder in Europa auf Tour. Was können wir erwarten? Es geht bei einer Tour immer um die Präsentation der neuen Sachen. Acht Stücke wären aber insgesamt zu wenig. Also liefern wir einen Rundumschlag mit Material aus allen Abschnitten, die nach zehn Jahren hinter uns liegen. Man kann Jubiläumsshow dazu sagen. Wir freuen uns total darauf.