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    Rückblende: Thin Lizzy: ›The Boys Are Back In Town‹

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    Rückblende: Thin Lizzy: ›The Boys Are Back In Town‹

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    Ohne ihren Manager und dessen Gespür für einen guten Song sowie einige amerikanische DJs, die darauf ansprangen, hätte sich die Band möglicherweise nicht mal die Mühe gemacht, das Stück aufzunehmen, das zu ihrem großen Klassiker wurde.

    Es ist kaum zu glauben, aber Thin Lizzy hätten beinahe den Song weggeworfen, der zum legendärsten ihrer Karriere werden sollte. „Wir hatten Demos von etwa 15 Tracks für JAILBREAK aufgenommen und die für uns zehn besten ausgesucht“, erklärt Gitarrist Scott Gorham. „Dann kam unser Co-Manager Chris O’Donnell vorbei, um sich die Sachen anzuhören, und wir spielten ihm alle 15 vor.

    Er war besonders angetan von einer Nummer, die wir ›GI Joe‹ betitelt, aber schon als nicht gut genug aussortiert hatten. Sie gefiel ihm und er bestand darauf, dass wir sie aufs Album nehmen. Wir akzeptierten sein Urteil, doch es stand noch einiges an Arbeit an. Der Text war gegen den Krieg, das war nicht wirklich das Richtige für uns, und musikalisch war es noch nicht rund. Doch wir lösten die Probleme und aus ›GI Joe‹ wurde ›The Boys Are Back In Town‹.“


    Gorham erinnert sich noch lebhaft daran, als er zum ersten Mal die Grundidee hörte, aus der dieser so wichtige Song entstehen sollte. „Ich war bei Phil Lynott, wir saßen in seinem Wohnzimmer und gingen die Stücke durch, an denen wir für das Album gearbeitet hatten. Am Ende der Sessions spielte Phil mir diese Basslinie vor und fragte mich, was ich davon hielt. Dann fing er an, ein paar Textideen darüber zu scatten, die er im Kopf hatte. Daraus formten wir eine Strophe und einen Refrain. An dem Punkt waren nur Phil und ich beteiligt. Am nächsten Tag bei der Bandprobe spielten wir alle zu viert – mit Brian Robertson und Brian Downey – das Grundgerüst des Tracks durch.

    Brian Downey spielten diesen Shuffle auf dem Schlagzeug, und ab da nahm die Sache Gestalt an. Denn von ihm bekam ich die Idee für die Gitarrenharmonie, die man heute kennt. Wir hatten ein Achtspur-Tonbandgerät im Proberaum, mit dem wir Demos aufnahmen, und da machten wir die Version von ›GI Joe‹, die unser Manager hörte und mochte.“

    Der Song war aber immer noch nicht vollständig ausgearbeitet, als Thin Lizzy Ende 1975 in die Ramport Studios in SüdLondon gingen, um mit Produzent John Alcock JAILBREAK einzuspielen.

    „Nein, auch da war es noch kein kompletter Track“, erinnert sich Gorham. „Wir hatten tatsächlich noch nicht mal den Titel. Doch dann kam eines Tages Phil ins Studio und sagte, er wolle den Song ›The Boys Are Back In Town‹ nennen. Er hatte auch den Text geschrieben, ich las ihn und dachte: ‚Hey, das ist fucking cool!‘ Brian Robertson und ich vollendeten dann die Gitarrenharmonien.

    Der Gitarrenpart in der Mitte, der so gut funktioniert, kam aber von Phil. Er spielte ihn auf dem Bass und Brian adaptierte ihn für die Gitarre. Ich muss sagen, dass die Aufnahmen zu diesem Song ziemlich flott gingen. Es war nicht leicht, aber auch nicht allzu schwer.“ Die Band glaubte jedoch nicht im Entferntesten daran, dass sie damit einen Riesenhit landen würde. „Für uns war das ein ordentlicher Albumtrack, mehr nicht. Dass es eine Single sein könnte, wäre uns nie in den Sinn gekommen!“

    Was dann geschah, war ein glücklicher Zufall, als das fertige ›The Boys Are Back In Town‹ ein Eigenleben entwickelte. „Wir waren 1976 in den USA auf Tour. Wir hatten dort noch keine Fanbase und noch überhaupt keinen Erfolg. Doch zwei Radio-DJs in Louisville, Kentucky, hörten JAILBREAK und fingen an, es in ihren Sendungen zu spielen. Sie liebten vor allem ›The Boys Are Back In Town‹ und ließen es mehrmals am Tag laufen. Dann fingen die Leute an, die Sender anzurufen und nach dem Song zu verlangen. Und schließlich nahmen es auch andere Radiosender ins Programm auf spielten es oft. Plötzlich war es überall. Anscheinend hatten sich die USA in diese Nummer verliebt.“

    Dann beschloss Thin Lizzys US-Label Mercury, ›The Boys Are Back In Town‹ als Single zu veröffentlichen. „Wenn man sich anhört, was das Label heute sagt, behaupten sie natürlich, der Single-Release sei allein ihre Idee gewesen. Dabei war es die Unterstützung der Radiosender in ganz Amerika, die sie dazu zwang.“ Doch trotz der Begeisterung dieser DJs glaubte die Band selbst unfassbarerweise immer noch nicht an den Track, wie Gorham amüsanterweise gesteht: „Eines Abends kam Chris O’Donnell auf der US-Tournee in unsere Garderobe und sagte: ‚Nun, Jungs, es sieht so aus, als hätte wir da eine fette Hitsingle in der Hand‘. Wir entgegneten nur: ‚Hmm, vielleicht sollten wir den Song in unsere Setlist aufnehmen‘. Unglaublich, dass wir das damals nicht mal live spielten. Man kann sich immer darauf verlassen: Musiker machen es falsch!“

    Der Erfolg von ›The Boys Are Back In Town‹ veranlasste die Band aber nie dazu, auf der Suche nach einem weiteren Hit die Formel einfach zu wiederholen. „Sicher, das Label machte ein bisschen Druck, aber das hätte für uns nie funktioniert. Jedes unserer Alben war anders, und wir waren nicht die Art von Band, die einem Schema folgte, egal wie erfolgreich es uns gemacht hätte. Ich denke, das ist es, was die wahren Fans an Thin Lizzy liebten – wir waren wirklich einzigartig. Aber so blieb es uns natürlich auch verwehrt, ein Massenpublikum zu begeistern wie Styx oder Journey zu jener Zeit. Das war mit ein Grund dafür, dass wir in den USA nie ein großer Name wurden. Das wichtigste, was wir als Musiker ›The Boys Are Back In Town‹ zu verdanken hatten, war, dass wir weiter Platten machen und unseren Stil weiterentwickeln konnten.

    JAILBREAK war unser drittes Album für das Label gewesen und alles hing davon ab. Hätte es sich nicht verkauft, hätten wir sicher unseren Vertrag verloren – und wer weiß, was dann passiert wäre? Doch ›The Boys Are Back In Town‹ sorgte dafür, dass sich das Album verkaufte und wir weitermachen konnten. Wir haben dieser Single viel zu verdanken, und der Weitsicht von Chris O’Donnell und dieser DJs in Louisville, die etwas darin sahen, das uns als Band entgangen war.

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