Status Quo: “Riding in a three grand Deutsche car”

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Status Quo: “Riding in a three grand Deutsche car”

Francis Rossi ist bei Gott nicht auf den Mund gefallen! Als man den Status-Quo-Mann an einem Montagnachmittag anruft, um über sein Verhältnis zu Deutschland und den deutschen Fans zu sprechen, plaudert der 74-Jährige munter drauf los, zeigt sich wie immer ungefiltert ehrlich und schweift auch mal ab. Nicht nur einmal meinte der mit britischem Humor durchtränkte Musiker während des Gesprächs scherzhaft: „Wenn du das in England abdruckst, komme ich ins Gefängnis.“

Francis, wir wollen heute ein bisschen über dich, Status Quo und Deutschland plaudern!

Meine Beziehung zu Deutschland geht ja bis auf die späten 60er Jahre zurück. Damals spielten wir zum ersten Mal hier und waren im „Central Hotel“ in Bielefeld untergebracht. Bei meinem nächsten Besuch muss ich dringend wieder ins „Block House“ gehen. Eigentlich esse ich nicht viel Fleisch, doch letztes Jahr war ich dreimal dort und hatte jedes Mal, ganz altmodisch, ein Steak mit Ofenkartoffel und Beilagensalat. Ach, Deutschland! Hier habe ich das Kickern gelernt. Hier habe ich gelernt, dass es nicht unhöflich ist, wenn jemand sagt „Gib mir eine Zigarette!“. Anfangs dachte ich mir: ‘Gleich geb ich dir eine mit!’, bis mir aufgefallen ist, dass es nicht böse gemeint ist. Wir Engländer sprechen ja andersrum, ihr Deutschen habt einen sehr zielgerichteten Ton.

Im Großen und Ganzen klingst du trotz der punktuellen Missverständnisse sehr überschwänglich!

Ich weiß schon, wenn Bands daherkommen und Zeug reden wie ‘Oh, ihr seid unser Lieblingspublikum’, denkt man sich schnell: ‘Blablabla.’ Aber es stimmt wirklich. In England dürfen wir uns das nicht so raushängen lassen, sonst werden wir gleich wieder als Verräter abgestempelt. (lacht)

Erinnerst du dich an deine erste Tour in Deutschland?

Wir waren mit den Small Faces unterwegs, spielten in Hamburg und mussten natürlich auf die Reeperbahn. Steve Mariott verirrte sich irgendwo hinein. Am nächsten Morgen ging es ihm nicht sonderlich gut. Er brachte „es“ mit nachhause, äh, sagen wir mal, er hatte sich eine Grippe eingefangen. (lacht schelmisch) Außerdem erinnere ich mich an unseren ersten Manager, ein echter Brite. Er sagte immer „Beilfeld“ statt Bielefeld. Dort lernten wir Bratkartoffeln und Gulaschsuppe kennen. Aus dieser Zeit stammt der Song ›Gerdundula‹. Die zwei waren unsere Freunde, ein tolles Paar. Jeder kannte und liebte sie. Wir bauten immer wieder Deutschland-Referenzen in unsere Songs ein. In ›Paper Plane‹ singe ich ja „riding in a three grand Deutsche car“, weil wir uns damals für 3000 Pfund, einen Haufen Geld, einen Mercedes in London kauften. Ich liebe deutsche Autos.

Was hat sich besonders eingebrannt?

Das klingt jetzt komisch, aber ihr habt überall richtig gute Eisdielen. Früher hatten die auch Sonntags auf und in so einer kleinen Bude aß ich den 70ern mal die besten Spaghetti aglio e olio meines Lebens. Am schlimmsten war es damals in Frankreich. Die Venues waren schmutzig, es gab keine Toiletten oder Duschen, der Strom fiel ständig aus… Doch die Franzosen haben sich gewehrt und heute gibt es dort tolle Konzert-Locations. Auch in jeder deutschen Stadthalle ist der Sound heute großartig. Anders in England. Wir bauten Wembley für die Olympischen Spiele. Und weil wir Briten uns von niemandem etwas sagen lassen, bauten wir es versehentlich zu kurz. Das Ding konnte also nie für seinen eigentlichen Zweck genutzt werden. Um ehrlich zu sein: Die Wembley Arena ist ein Scheiß-Gebäude!

Na, legendär wurde es ja trotzdem als Konzert-Location!

Schon. Aber unter der Arena sind Aufbewahrungsräume und ein Schwimmbecken. Wenn du dort spielst, klingt es, als würde ein Bassist irgendwo unter dem Boden spielen. Wenn du dieses Interview in Groß Britannien abdruckst, sperren sie mich ins Gefängnis, das ist dir hoffentlich klar! (lacht)

Wie hast du die frühe Musik-Szene erlebt? Viele Bands aus dem UK haben sich damals ihre Sporen in Deutschland verdient.

Was ich damals über Hamburg gehört hatte, war großartig. Als wir dann dort waren, war es eigentlich eher lahm. Selbiges gilt für den Cavern Club. So läuft das nun mal im Show-Business. Ich hab ja schon von den Small Faces erzählt, ich kannte die Jungs, weil sie als Kids immer beim Eiswagen meines Vaters einkauften. Wir rauchten einen Joint mit ihnen, danach wanderten Rick [Parfitt. Anm. d. Red.] und ich dumm grinsend durchs Hotel, voll auf Haschisch. Ohje, ich schweife wieder ab. Was wolltest du eigentlich wissen?

Wie die Musik-Szene so war damals.

Wir wurden Ende eines Jahrzehntes berühmt, was Selbstmord ist. Eigentlich schaffst du es nicht rüber in das nächste Jahrzehnt. Das passierte uns auch, aber wir haben uns zurückgekämpft. Damals gab es Bands, die Singles verkauften und Bands, die Alben verkauften. Jeder wollte Alben verkaufen, das war „groovy“. Die einzigen, die beides hatten, waren Fleetwood Mac. Das hat uns inspiriert. Wir wurden wieder etwas rockiger, weniger Pop-lastig. Wobei ich bis heute sage, dass Status Quo eine Pop-Rock-Country-Blues-Band ist. Wir schafften es in den 70ern, der Übergang in die 80er war wieder schwierig, aber auch das bekamen wir hin. Wir waren dem Band-Tod oft sehr nah, aber wir zogen es durch. Die Jahre zwischen 1971 und 1981 bilden das Fundament der europäischen Rockmusik. Auch junge Kids hören das heute noch! Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so etwas nochmal geben wird.

Kannst du dich noch an euer Bravo-Starschnitt-Foto erinnern?

Das war immer lustig mit denen! Die machten Fotos von uns und meinten ‘Nein, das gelbe Shirt kannst du nicht anziehen, das hat Jimi Hendrix letzte Woche schon getragen’, weil wir Engländer damals alle in denselben Läden in London einkauften. Einmal interviewten sie uns und der Typ fragte mich nach meinen Lieblingsbands. Ich zählte ein paar auf und nannte auch ABBA. Der Typ total perplex: ‘Wie, was? ABBA?’ Danach kam die Plattenfirma zu mir und meinte: ‘Wir denken, du solltest nicht laut über deine Liebe zu ABBA reden!’ (lacht) So ein Bullshit!

Auf dem Starschnitt-Bild tragt ihr übrigens alle Denim und schlichte Oberteile.

Jetzt mag das vielleicht nicht spektakulär wirken, aber damals kamst du in Jeans nirgends rein, vor allem in England nicht. Nicht mal ins Kino! Das war also richtig wild von uns! Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Plötzlich wollten alle Denim!

Auf was freust du dich am meisten, wenn ihr im Sommer nach Deutschland zurückkehrt?

Neben den Shows, den Fans und dem „Block House“ vor allem auf die Sonntage! Alles ist so ruhig hier am Sonntag, das ist echt wunderbar!

2 Kommentare

  1. Einfach nur zum schmunzeln !!!!!
    Der Mann hat den klassischen Humor den es so heut zu Tage wenn überhaupt nur noch selten gibt.
    Die Zeitgeist-Dunst-Schwaden verhüllen jegliche Art von gelebtem oder lebenswerten Humors.
    Alles wird nur noch kritisch hinterfragt, auf Zeit-Geist-Tauglichkeit überprüft und gegeben falls als für nicht tauglich deklariert.

    Gut zu wissen dass es noch immer Typen gibt die das Leben mit allen Widrigkeiten und Schönheiten leben und gelebt haben.
    Dazu zähle ich mich selbst………

  2. Eines meiner ersten Konzerte. Immer Party pur. Letztmalig bei Lieder am See.
    Empfehlung. Als Fan kauft Euch den 7 Jahre alten Blended Whisky ” Piledriver”. Sehr angenehm im Geschmack und für Fans ein Muss.

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