Bonamassas Hommage an Jeff Beck, Eric Clapton und Jimmy Page.
Eine der hervorstechendsten Charaktereigenschaften des amerikanischen Wundergitarristen Joe Bonamassa ist seine uneitle Art, bei offenkundigen Huldigungen die eigene Genialität komplett in den Dienst der Sache zu stellen. Trotz unbestritten grandioser Fingerfertigkeiten und einer Musikalität, die beispielhaft ist, spielt er sich niemals in den Vordergrund, sondern würdigt diejenigen, die es seiner Meinung nach verdienen. Auf BRITISH BLUES EXPLOSION LIVE sind es vor allem Jeff Beck, Eric Clapton und Jimmy Page. Diese drei haben mit ihrer visionären Gabe den Blues Rock in seiner klassischen Form erfunden und dessen Verbreitung in den späten 60ern massiv katalysiert. Fünf Shows lang interpretierte Bonamassa im Sommer 2016 Stücke wie ›Beck’s Bolero‹, ›Mainline Florida‹, ›Double Crossing Time‹ oder ›Pretending‹ voller Hingabe, immer mit dem richtigen Augenmaß für eine ausgewogene Balance zwischen purem Zitat und eigener Note. Und worauf wartet der Bonamassa-Fan jetzt umso sehnlicher? Auf eine Hommage an Paul Kossoff und seine Band Free, die in ihrer Bedeutung noch immer sträflich unterschätzt werden. Der amerikanische Gitarrenwundermann könnte dies ändern.
8/10
Joe Bonamassa
BRITISH BLUES EXPLOSION LIVE
MASCOT/ROUGH TRADE
„You know it’s okay to have a bad day“, lässt sie im missmutig ausgestatteten Opener ›Hopefulessness‹ wissen. Klar, schlechte Tage haben wir alle. Das Problem ist nur, dass die miese Stimmung in diesem Fall das ganze Album über anhält, und das ausgerechnet nach dem Durchbruch der Künstlerin. ›City Looks Pretty‹ hört sich im ersten Moment aufgeweckt an, der Einfluss von The Velvet Underground fällt positiv auf, aber in der Zeile „Friends treat you like a stranger and strangers treat you like their best friend, oh well…“ steckt Bitterkeit. Man muss da schon sehr an ihr Vorbild Kurt Cobain denken. Den musikalischen Schwung in ›Charity‹ konterkariert sie arg mimosenhaft: „You must be having so much fun, everything’s amazing, so subservient I make myself sick, are you listening?“ Man kann manches gewiss als trockenen Humor interpretieren. Das geht aber nicht mehr, wenn der Song ›Crippling Self Doubt And A General Lack Of Self Confidence‹ heißt. Besser ist es, wenn sie wie in ›I’m Not Your Mother, I’m Not Your Bitch‹ die Biestigkeit richtig herauslässt und mit ordentlich Punk und Krawall bepackt. Mehr Entschlossenheit und weniger Larmoyanz würden ihr besser stehen. Cheer up, Courtney!
6/10
Courtney Barnett
TELL ME HOW YOU REALLY FEEL
MARATHON ARTISTS/KOBALT/ROUGH TRADE
Mit einer Dosis Psychedelic überwindet Michael Rault das Konzept von Zeit und Chronologie.
Michael Rault gehört zu jenen jungen Künstlern, bei deren Musik man sofort an ältere Künstler denkt. Doch es ist immer eine Frage von Talent, Geschmack und Stil, was man aus der Vergangenheit macht. Während die einen als Epigonen enden oder gar im Plagiat versumpfen, formen die anderen etwas Neues daraus. Das New Yorker Label Daptone, das Künstlern wie den inzwischen verstorbenen Neo-Soul-Sängern Sharon Jones und Charles Bradley eine würdige Heimat gegeben hat, kümmert sich um Künstler jener zweiten Kategorie, die aus dem Vermächtnis der Geschichte etwas Eigenes formen können. So steht Michael Rault, ein kanadischer Singer/Songwriter aus Montreal, nun beim noch jungen Rock-Sublabel von Daptone, Wick Records, unter Vertrag. Sicher, man meint bei ihm Seventies-Acts wie Supertramp, Badfinger, die Wings und Big Star herauszuhören, immer wieder klingt das Album auch nach den Beatles, schwelgt in Beach-Boys-Harmonien oder erinnert an die Forschungsreisenden von Spirit. Aber mit einem stark psychedelischen Einschlag und vor allem einem grandiosen Songwriting ist Michael Rault auf dem besten Wege, seine eigene Stimme zu finden – jenseits allzu starrer Konzepte von Zeit und Chronologie.
7/10
Michael Rault
IT’S A NEW DAY TONIGHT
WICK/DAPTONE/GROOVE ATTACK
Aus einem neuen Pavement-Album ist trotz der erfolgreichen Reunion-Tournee leider nichts geworden. Also macht der heute 51-Jährige mit seiner Nachfolgeband, den Jicks, weiter. Und legt das inzwischen siebte Studio-Epos im 17. Jahr vor. Das hat es in sich – nicht nur wegen eines Gastauftritts von Kim Deal (Ex-Pixies) oder einer Produktion von Chris Funk (The Decemberists), sondern vor allem wegen elf Stücken, in denen Malkmus ungewöhnlich progressive Töne anschlägt. Denn wenn er nicht gerade verspielte, Brian- Wilson-mäßige Piano-Arrangements mit brachialem Indie-Rock kombiniert (wie in ›Cast Off‹ oder ›Brethren‹ ) bzw. sich an lupenreinem Country (›Refute‹) oder entrücktem Hippie-Rock (›Middle America‹) versucht, dann tendiert der kalifornische Indie-Veteran zu gewagten Stil-Brüchen, rasanten Tempowechseln, komplexen Songstrukturen und Vorstößen in groovigen Funk (›Kite‹), sinfonischen Größenwahn (›Difficulties/Let Them Eat Vowels‹) sowie tiefenspannte Westküsten-Klänge (›Solid Silk‹). Das alles garniert er mit skurrilen Texten über Fahrradwege, Flugdrachen oder Klapperschlangen, einem nerdigen Gesang und dem schon jetzt – mit Abstand – coolsten Albumcover des Jahres. Auf Malkmus ist eben auch weiterhin Verlass.
Auf seinem diesen Freitag erscheinenden Konzert-Mitschnitt „British Blues Explosion Live“ huldigt Blues-Gitarrero Joe Bonamassa Helden wie Eric Clapton, Jeff Beck oder Jimmy Page. CLASSIC ROCK verlost das Album dreimal auf CD.
Slash und Nicholas O‘ Toole haben zusammen den Titeltrack für ein Videospiel geschrieben. Das Instrumental und den Trailer gibt es hier zu sehen.
Zusammen mit Komponist Nicholas O‘ Toole hat Slash den Titelsong für das Videospiel „MX vs. ATV All Out“ kreiert. Das Game entführt einen in die Welt des Offroad-Racing, das treibende Gitarrenspiel des Guns N‘ Roses-Mannes im dafür geschriebenen Instrumental ›Vanishing Point‹ passt da natürlich optimal zum Setting.
Die drei Waliser sind in den besten Jahren angekommen. Ihre Musik aber klingt auf dem neuen Album RESISTANCE IS FUTILE so forsch und melodieverliebt wie lange nicht. Wir sprachen mit Sänger James Dean Bradfield (49) in Berlin.
Vorne auf dem neuen Album der Manic Street Preachers, es ist das sage und schreibe dreizehnte, prangt ein altes Foto des letzten Samurai. Die Schwertkampfkunst des Kriegers ist nicht mehr gefragt, seit die Schusswaffe erfunden wurde, aus seinem Blick spricht die angemessene Verzweiflung darüber, nun überflüssig zu sein. Kann sich James Dean Bradfield, der Sänger der Manics, mit dem japanischen Relikt identifizieren? „Ein bisschen, aber nicht völlig“, sagt der redefreudige und grundsympathische Frontmann und schmunzelt. „Wir erkennen das Geschäft, in dem wir uns seit mehr als dreißig Jahren bewegen, wirklich kaum noch wieder. Wir haben 1985 unseren ersten Song zusammen geschrieben, 33 Jahre später ist nichts mehr so wie damals, außer dem Livespielen.“
Bei Bradfield, einem verheirateten Vater von zwei Kindern, muss man immer ein wenig aufpassen, denn wenn er erstmal anfängt zu reden, hört er nur ungern wieder damit auf. „Uns ging es damals wirklich um die Musik. Heute wollen die Künstler gleich mit einem berühmten Songwriter-Team arbeiten und als nächstes ein Lied in der Werbung platzieren. Wir sind wirklich Dinosaurier.“
Aber die Waliser, die alle nach wie vor in Cardiff ansässig sind und dort mit ihrem Studio an den Stadtrand verdrängt wurden, weil ein Investor im alten Studio Luxuswohnungen bauen wollte, stemmen sich mehr als wacker gegen die Ausrottung.
Kraftstrotzend und energisch klingen Bradfield, Nicky Wire und Sean Moore auf RESISTANCE IS FUTILE („Widerstand ist zwecklos“), auch bissig, das jeweils knappe halbe Lebensjahrhundert hört man den Männern in keinem Moment an. Und wüsste man es nicht besser, käme man kaum auf die Idee, dass zwischen rasanten neuen Hymnen wie ›International Blue‹ oder dem hoffnungsvoll-lebensbejahend swingenden ›People Give In‹ und den alten Hits vom Schlage eines ›If You Tolerate This‹ oder ›Motorcycle Emptiness‹ locker zwanzig Jahre liegen. Die Manic Street Preachers, soviel steht fest, waren songqualitativ und vom Hymnenfaktor her ewig nicht so nah dran an ihren Großtatenalben THE HOLY BIBLE (1994) und EVERYTHING MUST GO (1996) wie dieses Mal. „Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass diese Band unendlich existieren wird“, gibt Bradfield zu bedenken, „und doch war uns von Anfang an klar, wie kostbar diese Band ist. Wir drei haben eine besondere Chemie zusammen. Die Leute hören uns sogar zu, wenn sie uns eigentlich blöd finden. Das wollten wir nie aufgeben.“
Freilich werden die Lücken zwischen den Alben eher länger. James sagt, er verbringt schon auch gern Zeit mit der Frau, den Kindern und dem Hund, außerdem befasst sich der deutlich links der Mitte positionierte Sänger geradezu exzessiv mit Politik – und driftet im Interview auch immer mal wieder in ausführliche Politdiskurse ab. „Während in Deutschland die großen Parteien der Mitte kaum noch zu unterscheiden sind, haben die Mainstreamparteien in Großbritannien die Mitte verlassen, preisen entweder den totalen Liberalismus oder den reinen Sozialismus. So erreichen sie aber nur ein paar Eliten in London oder Manchester, nicht hingegen die Leute auf dem Land. Eine Zeitlang haben wir Briten Angela Merkel wirklich bewundert, doch auch das ist vorbei. Merkel gelingt es einfach nicht, den Menschen Hoffnung zu machen, sie spricht irgendwie niemanden mehr an.“
Ganz im Gegensatz zu den Manic Street Preachers selbst. Deren Ehrgeiz ist ungebrochen, am liebsten würden sie immer in Stadien spielen. „Der Druck, Erfolg zu haben und ins Radio zu kommen, ist unvermindert da“, sagt Bradfield. „Wir wollen so viele Leute erreichen wie wir können, und auch deswegen leben wir auf diesem Album unsere traditionelle Besessenheit gegenüber prägnanten Melodien besonders schonungslos aus.“ Die walisischen Krieger geben sich noch nicht geschlagen.“
Ende des Jahres kommt das heiß diskutierte Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“ in die Kinos. Jetzt gibt es den ersten offiziellen Trailer zu sehen.
Nach langem Hin und Her steht fest, dass der Film „Bohemian Rhapsody“ über die Bandgeschichte von Queen Ende dieses Jahres in die Kinos kommt. Rami Malek wird darin Ikone Freddy Mercury mimen.
In den Staaten soll der Streifen bereits ab 01. November laufen. Heute gab die Band einen ersten längeren Trailer heraus, nachdem vorher nur kurze Teaser-Ausschnitte gezeigt worden waren.