0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Start Blog Seite 52

Video der Woche: Type O Negative ›Black No. 1 (Little Miss Scare -All)‹

0

Am 14. April 2010 starb Peter Steele an den Folgen einer Aortendissektion. Der Frontmann von Type O Negative wurde 48 Jahre alt. Wir widmen diesem einzigartigen Künstler das Video zu einem seiner erfolgreichsten Songs. RIP.

Peter Steele war eine imposante Gestalt. Das lag nicht nur an seiner hünenhaften Größe von 2,03 Meter. Er war auch ein herausragender Musiker und Komponist. Sein von Licht und Schatten geprägtes Leben verarbeitete er in seinen Songs. Seine Band Type O Negative zählt bis heute zu den bedeutendsten Vertretern des Doom und Gothic Metal.

Schon früh begann Steeles innerer Kampf. Er litt oft an depressiven Stimmungen, die er durch seine Songs zu verarbeiten versuchte. Weitere Mittel waren Alkohol und Drogen, die seine körperliche und geistige Gesunfheit immer mehr angriffen. Im Jahr 2005 verschwand Steele plötzlich spurlos. Gerüchte über seinen Tod oder eine schwere Krankheit kursierten in der Szene. In einem Interview 2006 erklärte der Sänger, dass er sich in dieser Zeit in eine psychiatrische Klinik hatte einweisen lassen. Seine Familie hatte sich große Sorgen gemacht und ihm nahegelegt, sich behandeln zu lassen. Neben Depressionen litt er – ausgelöst durch seinen immensen Kokainkonsum – an starker Paranoia. Danach begab er sich in einen Alkohol- und Kokainentzug.

Die Chancen standen gut, dass er seine Dämonen in den Griff bekommt. 2009 konnte er sich endlich von Drogen und Alkohol lösen. Am 14. April 2010 starb Steele an den Folgen einer unbehandelten Aortendissektion. Steels langjähriger Weggefährte Sal Abruscato sagte, man war schon dabei, ihn in einen Krankenwagen zu bringen, als er noch vor Verlassen des Hauses starb. Er wurde nur 48 Jahre alt.

Einer seiner berühmtesten Songs war ›Black No. 1 (Little Miss Scare -All)‹. Steele schrieb ihn in einem Müllwagen: „Ich wartete drei Stunden lang in der Schlange, um 40 Kubikmeter menschlichen Abfalls an der Hamilton Avenue Marine Transfer Station abzuladen, und schrieb das Lied in meinem Kopf. Das ist kein Scherz.“ Das Musikvideo wurde bewusst in schwarz-weiß gehalten. Allein Steels Augen leuchten in einem Close-Up grün auf.

Das letzte Wort: Cher

0

Es mag möglicherweise eine Zeit ohne Cher gegeben haben, doch die wenigsten Menschen werden sich wohl noch daran erinnern können. 1965 feierte die in Kalifornien geborene Sängerin mit ›I Got You Babe‹ ihren Einstand als Weltstar, damals noch an der Seite ihres Ehemanns Sonny. Seither wurde es nie mehr wirklich still um die Sängerin, die auch als Schauspielerin („Mondsüchtig“, „Die Hexen von Eastwick“) erfolgreich war. Ende der 80er begann die heute 77-Jährige eine einträgliche Phase als Hardrock-Sängerin (›If I Could Turn Back Time‹), 1998 ließ sie die Disco-Epoche wieder aufleben (›Believe‹), und jetzt veröffentlicht Cher ihr allererstes Weihnachtsalbum CHRISTMAS, auf dem es angenehm wenig besinnlich zugeht.

Liebe Cher, wie ist das Befinden?
Jetzt schon viel besser als heute Morgen. Als ich aufwachte, fühlte ich mich ziemlich gerädert, weil ich ganz schön hart gearbeitet habe die letzten Tage. Eine Fashion-Show zu besuchen, klingt nicht unbedingt nach harter Arbeit, ist es aber. Ich genieße meine Zeit hier in Paris, aber ich muss echt ganz schön ackern. Trotzdem versuche ich natürlich, so gut es geht Spaß zu haben. Mein Freund ist auch hier, er begleitet mich.

Du bist also zusammen mit Alexander Edwards in Paris, der Stadt der Liebe, der Stadt der Romantik.
Richtig, richtig. Hier haben wir uns vor einem Jahr kennengelernt, und daher ist es schon wirklich toll, dass wir hier jetzt auch unseren Jahrestag feiern. Er ist ein Schätzchen, aber wir haben uns echt nicht viel gesehen. Oft nur so „Hi“, schnelles Küsschen, und dann musste ich auch schon wieder weg. Gestern Abend konnten wir endlich mal zusammen essen gehen. Aber mein Freund begleitet mich zu den Shows, was bewundernswert ist, denn so wahnsinnig spannend ist das nicht für ihn – selbst, wenn er Mode an sich liebt. Egal, er kommt mit, und wir können immer ein bisschen Händchen halten.

Du sagst im Song ›Angels In The Snow‹, dass du das „wilde Kind“ in dir feiern willst. Und tatsächlich wirkt deine Musik bis heute unbeschwert und spielerisch. Ist dieses wilde Kind das Geheimnis deiner erfolgreichen Karriere und deines jugendlichen Wesens?
Also, pass auf, ich erzähle dir eine Geschichte, die nur meine Freunde kennen. Ich war neun Jahre alt, als ich von der Schule nicht nach Hause ging, sondern ausriss. Ich warf meine Butterbrotdose weg, bequatschte meine Freundin, dass wir auf einen Abenteuerausflug gehen, und hüpfte mit ihr auf einen Güterzug. Wir hatten keine Ahnung, wohin wir unterwegs waren, und später stellte sich heraus, dass meine Mutter vor allem wegen der Lunchbox sauer war, na, und wir fuhren und fuhren, bis meine Freundin anfing zu weinen, weil es dunkel wurde. Ich rief schließlich meine Mutter an, die natürlich ziemlich entgeistert war und uns abholte. Trotzdem muss ich sagen, dass sie ziemlich entspannt reagierte. Je verrückter die Sachen, die ich machte, desto ruhiger meine Mutter. Ich glaube, ich habe sie mit meiner Härte und Zähigkeit auch ein wenig beeindruckt. Ich war das Paradebeispiel eines wilden Kindes.

Wolltest du denn so richtig von zu Hause wegrennen?
Nein, nein, es war kein Weglaufen. Mir war klar, dass ich zurückkommen würde. Es war mehr wegen des Abenteuers.

Du fühlst dich in den sozialen Medien recht wohl, warst fleißig auf Twitter unterwegs. Kommst du mit dem modernen Zeitalter gut zurecht?
Ich war früher deutlich häufiger auf Twitter. Als es verkauft wurde, war ich ziemlich ambivalent. X ist nicht wirklich das Twitter, das ich gewohnt bin, es ist schon ein bisschen anders. Ich habe gerade erst angefangen, dort wieder vorbeizuschauen. Ich meine, ich habe Twitter früher geliebt, aber ich muss meine Gefühle erst neu aufbauen, um es wieder zu nutzen.

Du solltest deine eigene Social-Media-Plattform gründen.
Nee, lass mal gut sein. Von diesen Angeboten gibt es aktuell schon genug. Die Welt braucht keine weiteren Produkte mit „Cher“ im Namen.

Hast du nicht gerade erst eine Eisfirma gestartet, Cherlato?
Oh ja, das stimmt.

Hilft es, im Kopf jung zu bleiben, wenn man generell neugierig ist und immer wieder Lust hat, neue Dinge auszuprobieren?
Sicherlich. Außerdem habe ich eine Menge wirklich junger Freundinnen und Freunde, außerdem viele Patenkinder. Junge Leute mögen mich. Ich bekomme also viele Einblicke hinter die Kulissen der Jugend, des jungen Lebens. Was ich sehr schön finde. Ich genieße es, von der Jugend akzeptiert zu werden. Die wissen auch meist gar nicht, wie alt ich bin. Sie fragen nicht, sie wissen es nicht, und ich denke, wenn sie es wüssten, wären sie schockiert. (lacht) Aber es ist ihnen einfach egal.

Hast du deine eigene Female-Power immer in dir gehabt oder erst im Verlauf deiner Karriere entdeckt?
Ich hatte sie in mir, bevor ich Sonny traf. Aber Sonny war sehr stark, und so habe ich meine eigene Stärke ein bisschen zurückgestellt und mich darauf konzentriert, eine Künstlerin zu werden. Ich habe so viel von Sonny gelernt. Ohne ihn würde es ganz bestimmt keine Cher geben. Denn als ich ihn kennenlernte, war ich dieses wilde, ungezähmte Energiebündel ohne klare Richtung. Ich lebte mit Sonny zusammen in einer WG, mehr lief da zunächst nicht. Eines Tages kam er heim, als ich die Betten machte und dabei sang. Er steckte seinen Kopf um die Ecke und meinte: „Bist du das?“ Ich sagte nur: „Ja, klar.“ Für mich war es ganz normal zu singen, das taten alle in meiner Familie. Aber er schien superbeeindruckt und berichtete Phil Spector, dass Cher singt. Dann hatte Darlene eine Autopanne und Phil meinte zu mir: „Dann leg mal los.“ Ich sang ein Jahr lang Background für Phil und Sonny.

Man liest immer, dass du damals ziemlich introvertiert und schüchtern warst. Stimmt das wirklich?
Wenn ich nicht gerade arbeite, bin ich sehr ruhig und zurückhaltend. Außer natürlich, ich bin mit meinen Freundinnen und Freunden zusammen. Aber bei der Arbeit bin ich anders. Ich habe wirklich zwei Seiten in meiner Persönlichkeit – die eine, die auf der Bühne steht. Und die andere, die im Hintergrund sitzt und nichts sagt. Ich kenne so viele Schauspielerinnen und Schauspieler, die extrem schüchtern sind. Und so viele Leute, die sich übergeben, bevor sie auf die Bühne gehen. Ich denke, oftmals gelingt es schüchternen Menschen durch die Kunst, zu der Person zu werden, die sie sein möchten. Bei mir hat das jedenfalls so funktioniert. (Aus CLASSIC ROCK #125)

Philip Sayce: Die Wölfe sind los

0

Der 47-jährige Philip Sayce ist einer der leidenschaftlichsten Blues-Gitarristen der Gegenwart. Ohne Netz und doppelten Boden rockt er auf THE WOLVES ARE COMING – einem Album, das Sayce in seinen dunkelsten Stunden aufnahm und nun mit großer lebensbejahenden Zuversicht veröffentlicht

Philip, dein Album tönt unglaublich kraftvoll, rough und rockig. ›Backstabber‹ knallt los wie eine frühe Led-Zeppelin-Nummer und ›Black Moon‹ klingt nach rotzigen Black Keys. Woher rührt dieser stürmische Sound?
Auf der neuen Platte verarbeite ich unterschiedlichste aufwühlende Momente und Stimmungen, die mir in den vergangenen Jahren widerfahren sind. Im Jahr 2020 lief mein Major-Label-Vertrag aus und das damals veröffentlichte SPIRIT RISING erschien coronabedingt ohne jegliche Promo oder Tourneedaten. Ich wusste nicht, ob ich jemals wieder auftreten würde, oder ob die Gesellschaft damit klarkommt, mal ein paar Monate abzuwarten, wie sich die Pandemie entwickelt.

Trotz aller Umstände wurde SPIRIT RISING zu einem deiner erfolgreichsten Werke und verzeichnet um die 140.000 Streams auf Spotify. Auf Social Media ist deine Fan-Schaar in den vergangenen zwei Jahren auch um 300 Prozent gewachsen. Das sind doch gute Entwicklungen für dich, oder?
Ja, das ist positiv, aber noch mehr weiß ich es zu schätzen, in Europa auftreten zu können. Im November haben wir in London im ausverkauften Garage den größten Gig meiner Solo-Karriere gespielt. Social Media ist für mich daher eher nachrangig, aber ich habe dort auch einige tolle Künstler entdeckt. So liebe ich zum Beispiel das Songwriting und den Vibe von Ayron Jones. Kingfish ist auch klasse – ich freue mich, dass er endlich die Anerkennung findet, die er verdient. Ansonsten habe ich auch viel alte Musik entdeckt: Louis Armstrong ist für mich in den vergangen Monaten ungemein inspirierend gewesen.

Jeff Beck meinte, dass ihn Bläser zu seinen einzigartigen Phrasierungen inspiriert haben. Verhält sich das bei dir ähnlich?
Absolut! Als Gitarrist tut man gut daran, sich an der Phrasierung und dem natürlichen Flow von Bläsern zu orientieren. Ein anderer Jeff, von dem ich viel gelernt habe, war Jeff Healey. Er hörte auch wahnsinnig viel Jazz und ließ sich sowohl von Sängerinnen als auch Bläsern inspirieren.

THE WOLVES ARE COMING klingt unglaublich frisch und dynamisch – wie hast du diesen Sound hinbekommen?
Wir haben das Album in zwei bis drei Tagen in einer sehr kleinen Besetzung eingespielt. Im Studio waren – auch wegen der damaligen Gefahr durch Corona – nur Produzent Mark Rains, Schlagzeuger Michael Leasure und ich. Mit Mark arbeite ich quasi seit dem Anfang meiner Karriere zusammen, da er Recording Engineer unter Dave Cobb ist, von dem ich fast alle meine Platten habe produzieren lassen. Auch mit Michael Leasure, der unter anderem auch Drummer bei Walter Trout ist, verbindet mich eine jahrelange Bekanntschaft. So haben Michael und ich die meisten Songs als One-Takes eingespielt und mussten vorher einfach nur kurz die entsprechenden Riffs und Parts durchgehen – der Rest war reine Spontaneität. ›Backstabber‹ haben wir als Erstes auf-
genommen und es hat den Sound des Albums definiert, der etwas rauer und aufregender sein sollte, als meine Platten es üblicherweise sind.

Bedeutet das, dass du auch den Bass eingespielt hast? Und hast du fürs Bassspielen ein heimliches Faible – so wie Keith Richards in der Netflix-Doku „Under The Influence“?
Oh, das ist ein toller Film! Im Endeffekt war es eine rein pragmatische Entscheidung. Produktionstechnisch passte es außerdem, da es so keine Übersprechungen auf den Mikros gab. Was mich aber auch noch sehr gepackt hat, sind die PRS-Silver-Sky-Gitarren. Auf denen zu spielen, ist wie einen Tesla zu fahren, während meine 63er Strats eher wie ein alter Ford Mustang oder GTO zu handhaben sind. (Aus CLASSIC ROCK #127)

Elliott Brood: COUNTRY

Vorsicht, Etikettenschwindel: Statt Country serviert das Toronto-Trio meist nostalgischen Rock

Überall steht zu lesen, Elliott Brood seien eine Alternative-Country-Band. Dann betitelt das 2002 im kanadischen Toronto zusammengefundene Trio sein neues Werk auch noch recht eindeutig mit COUNTRY. Was erwartet man da? Jedenfalls sicher nicht ziemlich klassischen, im Stil der 70er-Jahre aufbereiteten und mit Glamrock-Anleihen aufgepeppten Rock’n’Roll. Doch genau das serviert die Gruppe um Sänger Mark Sasso ab dem Opener›Wind And Snow‹ . Dass sie als nächstes Stück ein nettes, aber auch reichlich konventionelles Cover des Stones-Klassikers ›Out Of Time‹ anbietet, wird dem Albumtitel ebenfalls nicht gerecht. Und auch der Rest ist weitaus eher im Rock und Rock’n’Roll beheimatet als im Nashville-Sound – bis auf die originelle, akustisch gehaltene Country-Ballade ›Long Since Lost‹ und das finale folkige ›French Exit‹. Doch was soll’s? Ihr Sound macht Laune, ihr Rock rollt. COUNTRY ist übrigens als zweite Hälfte des im letzten Jahr digital erschienenen Albums TOWN gedacht, das sich stilistisch nicht gravierend von COUNTRY unterscheidet. Beide Platten sind separat erhältlich, später soll es sie im Doppelpack geben.

8 von 10 Punkten

Elliott Brood
COUNTRY
SIX SHOOTER/MEMBRAN

Rückblende: ZZ TOP mit ›La Grange‹

0

Die Feier eines wirklich existierenden texanischen Bordells, dessen Besuch Billy Gibbons zufolge in seiner Zeit „eine Art Initiationsritus“ darstellte, ist 50 Jahre später immer noch einer der beliebtesten Songs der Band und ein Muss bei ihren Konzerten.

In der Regel ist es ein Refrain, eine individuelle Performance oder sogar ein Titel, der einen bestimmten Track unsterblich werden lässt. Im Falle von ZZ Tops ›La Grange‹ war es Billy Gibbons lasziver Ruf von „Have mercy!“, gefolgt von einem tiefen „a how how how how“ – all das zu einem eigentlich sanft gespielten Riff, pikant genug, um tausend Barbecues zu würzen – der dem texanischen Trio ihren ersten bedeutenden Hit bescherte. Ein Track, der mittlerweile mehr als 170 Millionen YouTube-Aufrufe verzeichnet.

Inzwischen gut gereifte 50 Jahre alt, erschien ›La Grange‹ erstmals auf ZZ Tops drittem Album von 1973, TRES HOMBRES. In dem Song geht es um ein wirklich existierendes Bordell namens „The Chicken Ranch“, das von 1905 bis 1973 geöffnet war und sich am Rande jener texanischen Stadt befand, nach der das Lied benannt wurde. Die „Chicken Ranch“ wurde später ebenfalls in einem Buch mit dem Titel „The Best Little Whorehouse In Texas“ thematisiert, aus dem auch ein Film gemacht wurde (zufälligerweise mit unserem Titelstar Dolly Parton in der Hauptrolle). Unabhängig davon, wie sehr dieses Bordell mittlerweile in die Popkultur integriert ist – wenn man mit Billy Gibbons über das Lied spricht, muss man natürlich fragen, ob er dieses Etablissement wirklich jemals besucht hat. „Ganz ungeniert gesprochen: ja“, erklärt er glucksend. „Für einen jungen Mann war das damals eine Art Initiationsritus. Man musste zur berüchtigten „Chicken Ranch“ von La Grange. Fotos aus der Blütezeit der Lokalität existieren immer noch. Architektonisch war es nichts Besonderes, doch immerhin war der Laden gut gepflegt und gut geführt. [Die Madame] Miss Edna war immer bereit, die Peitsche knallen zu lassen, um alle auf Spur zu halten. Mir wurde erzählt, dass man während der Großen Depression [von 1929 bis 1939] Hausfreuden beanspruchen konnte, indem man ein Huhn mitbrachte – daher der Spitzname.“

„Jedoch“, fügt Gibbons in einem gespielt ernsthaften Ton hinzu, „könnte es auch sein, dass ich all das nur erzähle, um dem Song eine Berechtigung einzuräumen.“ Gibbons erinnert sich daran, dass die älteren Jungs früher immer von La Grange sprachen. „Einer von ihnen nannte es sogar ‚das achte Weltwunder’“, behauptet er. Deswegen hatte er diesen Ort auf dem Schirm, als ZZ Top anfingen, sich auf TRES HOMBRES vorzubereiten. Gibbons macht keinen Hehl daraus, dass John Lee Hookers ikonisches ›Boogie Chillin‹ aus dem Jahr 1948 einen ziemlichen Einfluss auf das Eröffnungsriff von ›La Grange‹ hatte. „Das ist Teil unserer Faszination für den unnachahmlichen Texas-Shuffle“, erklärt er. „Ähnliches gibt es auch in ›Thunderbird‹ [von FANDANGO! aus 1975] zu hören, aber der Shuffle in ›La Grange‹ wurde zu einer Tradition für sich, und wir haben ihn seit 1973 auf jedem ZZ Top-Konzert gespielt. Und das werden wir auch weiterhin tun. Jeden Abend zaubert es ein Lächeln auf die Gesichter des Publikums.“

„Dieses Riff bleibt ein fester Bestandteil dieser speziellen Blues-Rock-Tradition“, fügt er stolz hinzu. „Seine Wurzeln gehen weit zurück zu den Anfängen von Country, Hillbilly und sogar Gospel-Musik, und dabei hat es trotzdem einen großen Wiedererkennungswert. Jede Nacht, wenn wir dieses Lied anspielen, tanzt jeder ein bisschen Boogie.“ Gibbons gibt zudem offen zu, dass sein schnatterndes „a how how how how“ von einem anderen John Lee Hooker-Song entliehen ist, nämlich aus ›Boom Boom‹ von 1961, das später durch ein Cover der Animals populär wurde. Nichts im Rock’n’Roll ist mehr wirklich neu, und deswegen macht es Gibbons auch nichts aus, dass Kid Rock seinen Song ›Son Of Detroit‹ aus und auf ›La Grange‹ gebastelt hat. „Ja, in der Tat“, bekräftigt Gibbons. „Tatsächlich hat der großartige James Harman, der zu einigen ZZ Top-Alben die Mundharmonika beigesteuert hat, mir einmal vor seinem Tod einen Track aus den späten 1940ern vorgespielt, der alles in diesem Stil vorwegnahm, was wir je zuvor gehört hatten. Es war eine genaue Vorlage für das, was man jetzt den berühmten Boogie-Shuffle nennt. Ja, das geht so weit zurück, und ist so ansteckend, dass es nie verschwinden wird, Bruder.“ Gibbons ist stolz darauf, dass ›La Grange‹ von Country-Sänger und Songwriter Hank Williams Jr. gecovert wurde, der es für sein 1983er Album STRONG STUFF aufnahm. „Mann, er hat es ordentlich durchgeblasen“, schwärmt er. Vielleicht etwas überraschend gibt Gibbons zu, dass nach Abschluss der Aufnahme von ›La Grange‹ in den Robin Hood Studios in Tyler, Texas, keiner aus dem inneren Zirkel der Band – nicht einmal ihr Produzent und Manager Bill Ham, Bassist Dusty Hill oder Schlagzeuger Frank Beard – irgendeine Ahnung hatte, wie wichtig der Song werden würde.

„Wir haben es sicherlich genossen, den Backingtrack aufzunehmen, und ich hatte die Texte verfasst, nachdem ich ein Buch von einem Autor aus dem UK namens Dave Marsh gelesen hatte“, sagt er. „Es war ein Überblick über die Karriere von Buddy Holly, und eines der Kapitel beschäftigte sich mit dem berühmten Song ›Peggy Sue Got Married‹. Das Buch verwies darauf, dass der Song mit einer Frage endete, die sich nicht reimte. Das war ungewöhnlich für Buddy Holly, und das inspirierte mich, meine eigenen beiden Schlusszeilen in ›La Grange‹ zu schreiben: ‘I hear it’s tight ’most every night, but I might be mistaken’. Also: Danke dafür, Dave Marsh, und danke Buddy Holly.“ Als ›La Grange‹ 1973 als Single veröffentlicht wurde, erreichte es nur Platz 41 in den Vereinigten Staaten. Im Vergleich zur MTV-Ära der Band in der folgenden Dekade, als die Eliminator-Singles „Gimme All Your Loving“ und „Sharp Dressed Man“ dem Trio ein völlig neues Publikum einbrachten, erscheint eine solche Chartplatzierung recht bescheiden. Und das, obwohl die Popularität von ›La Grange‹ und der zugehörigen Platte ZZ Top erstmals Goldalben in den USA und Kanada bescherte. Doch mindestens genauso wichtig ist, dass ein halbes Jahrhundert an Live-Aufführungen Gibbons den wahren Wert des Songs gelehrt hat. „Dieser Track hat uns auf den richtigen Weg gebracht“, schließt er. „Wenn uns unsere Fans um Rat bitten, sagen wir immer, dass eine Band das spielen sollte, was sie selbst hören möchte. Genauso war es mit ›La Grange‹. Wir haben den Song vor fünfzig Jahren geschrieben und spielen und hören ihn immer noch gerne. Er wird so schnell nicht verschwinden.“

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

0

Blue Öyster Cult: GHOST STORIES

„Die Songs von GHOST STORIES entstanden zwischen 1978 und 2016, man kann hier also von keinem klassischen Album im herkömmlichen Sinne sprechen, sondern von einer Ansammlung verlorener „Juwelen“. Das Gros entstand zwischen 1978 und 83, lediglich der Abschluss ›If I Fell‹ ist von 2016.“

Hier geht’s zur Review…

Kriss Barras Band: HALO EFFECT

„Vieles ist also eine Spur größer, oder wie Barras sagt: „Diesmal haben wir alles auf 11 hochgedreht und aufgemotzt.“ Wäre eine Überraschung, wenn das Teil nicht in irgendwelchen Charts – Rock, Alternative oder Mainstream – landen würde.“

Hier geht’s zur Review…

Sleepmakeswaves: IT’S HERE, BUT I HAVE NO NAMES FOR IT

„Ihr neues, fünftes Album IT’S HERE, BUT I HAVE NO NAMES FOR IT beweist, dass diese Musik nicht nur zum Träumen geeignet ist, sondern auch viele tanzbare Momente hat.“

Hier geht’s zur Review…

Freddy And The Phantoms: HEATHEN GOSPELS

„Dafür serviert der verschmitzte Dänen-Happen reichlich bluesigen Rock, nach alter Rezeptur angerührt. Weil eine Orgel neben der Gitarre das auffälligste Instrument im Arrangement ist, erinnern Freddy And The Phantoms immer wieder an Deep Purple.“

Hier geht’s zur Review…

Sleepmakeswaves: IT’S HERE, BUT I HAVE NO NAMES FOR IT

Australien scheint ein gutes Pflaster für Post-Rock zu sein. Ist es das einzigartige Klima? Die landschaftliche Schönheit? Wie auch immer, die Band Sleepmakeswaves lässt sich offenbar von alldem inspirieren und kanalisiert ihre Impressionen in einer ähnlichen Weitläufigkeit wie die ihres Kontinents. Die mittlerweile zum Trio geschrumpfte Gruppe hat in ihrer 18-jährigen Karriere zwar erst vier Platten veröffentlicht, dafür aber mehr als 20 Tourneen absolviert, allein sechs davon in Europa. Ihr neues, fünftes Album IT’S HERE, BUT I HAVE NO NAMES FOR IT beweist, dass diese Musik nicht nur zum Träumen geeignet ist, sondern auch viele tanzbare Momente hat. Weshalb den Beteiligten kein passender Name für dieses geschmackvolle Gebräu eingefallen ist, bleibt dem Hörer indes verborgen.

SLEEPMAKESWAVES
IT’S HERE, BUT I HAVE NO NAMES FOR IT
BIRD’S ROBE RECORDS/JPC/BANDCAMP

Blue Öyster Cult: GHOST STORIES

Sammlung verlorener „Juwelen“

Ein richtig gutes Album haben Blue Öyster Cult schon seit 1981 mit FIRE OF UNKNOWN ORIGIN nicht mehr abgeliefert. Ohne Fanbrille gesehen. Einige werden jetzt vielleicht IMAGINOS von 1988 ins Feld führen. Doch das ist im Prinzip kein vollwertiges BÖC-Werk, sondern begann vielmehr als Solo-Platte von Drummer Albert Bouchard, bevor das damalige Label es doch als Band-Epos vermarktete, weil sich das nun mal einfach leichter verkauft. Die Songs von GHOST STORIES entstanden zwischen 1978 und 2016, man kann hier also von keinem klassischen Album im herkömmlichen Sinne sprechen, sondern von einer Ansammlung verlorener „Juwelen“. Das Gros entstand zwischen 1978 und 83, lediglich der Abschluss ›If I Fell‹ ist von 2016 – ein seltsamer Track, der völlig untypisch für BÖC ist und eher an America erinnert. Für die übrigen elf Lieder hätte man sich gern etwas mehr Infos gewünscht, damit man sie entsprechend zuordnen kann. Enthalten ist die einzige bekannte Studioaufnahme ihres Konzertklassikers ›Kick OuThe Jams‹, ein MC5-Cover. Das Animals-Cover ›We Gotta Get Out Of This Place‹ (live zu hören auf dem erfolgreichsten BÖC-Werk SOME ENCHANTED EVENING) ist ebenfalls aus dem Studio zu belauschen. Richtig gut gelungen sind lediglich ›Gun‹ (müsste ich raten, würde ich sagen von 1981) und das ruhige ›The Only Thing‹. Auf ›So Supernatural‹ (zu dem es ein neues Video gibt) und ›Don’t Come Running To Me‹ spielt Rick Downey Schlagzeug, der nach FIRE OF UNKNOWN ORIGIN den etatmäßigen Drummer Bouchard ersetzte – folglich dürften beide Tracks aus den Sessions zum mittelmäßigen Longplayer THE REVÖLUTION BY NIGHT (1983) stammen. Als harter BÖC-Fan wird man auch den brauchen, dem Rest sei eher Früheres wie AGENTS OF FORTUNE, das vollkommen unterbewertete CULTÖSAURUS ERECTUS, eben FIRE OF UNKNOWN ORIGIN oder das tolle Live-Werk ON YOUR FEET OR ON YOUR KNEES empfohlen.

6 von 10 Punkten

Blue Öyster Cult
GHOST STORIES
FRONTIERS/THE ORCHARD