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Lucifer: Dem Tod so nah und doch ganz fern

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Mit Lucifer hat Johanna Sadonis (J) ein kultig-schauriges Paralleluniversum erschaffen. Auf dem vierten Werk, LUCIFER IV, taucht die Kombo um die Berlinerin und ihren Angetrauten Nicke Andersson (N) erneut ein in ihren stilsicheren Kosmos aus Vintage Rock, betörenden Sirenengesängen und Gruselgeschichten. Im Zoom-Interview mit CLASSIC ROCK plaudert das gut gelaunte Ehepaar über die Entstehung des neuen Albums, ihr ambivalentes Verhältnis zum Tod und den Begräbnisort ihrer Wahl.

Ihr scheint ständig beschäftigt zu sein, veröffentlicht regelmäßig Alben, Split-Singles, gründet euer eigenes Label. Ich frage mich, wie da wohl ein normaler Tag im Leben der Anderssons aussieht.
J: Morgens gibt es erst mal sehr viel Kaffee. Dann setze ich mich wie der Big Lebowski in meinem Morgenmantel an den Schreibtisch, beantworte Mails und erledige eben den Teil des Bandlebens, der nicht ganz so viel Spaß macht.
N: Wir haben ja kein Management, keine Grafiker. So bleiben viele Aufgaben an uns hängen, nicht alle davon sind unbedingt schön.
J: Das Gute ist, dass wir zuhause ein Studio haben, in dem Nicke arbeitet. Auch für das neue Album haben wir viel dort gemacht. Dazu haben wir den Luxus, dass unser Gitarrist Linus auch noch ein Studio besitzt, wo wir alle Basic Tracks und die Drums aufnehmen konnten. Jetzt haben wir auch wieder mit dem Proben angefangen, damit wir durch die Pandemie nicht völlig einrosten. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich unser ganzes Leben um die Musik dreht. Ansonsten gärtnere ich sehr gerne und streichle die Nachbarskatzen.

Dadurch, dass ihr alles selbst macht – die Designs, das Vinyl, das Plattenlabel etc. – scheint es mir, als hättet ihr einen Weg gefunden, als Rockband in schweren Zeiten zu überleben.
N: Mit der Zeit lernt man, unnötige Ausgaben zu streichen. Ich weiß, wie viel es kostet, ein cooles Artwork gestalten zu lassen. Da wir beide sowieso ganz genau wissen, was wir haben wollen, mussten wir eben lernen, das selbst umzusetzen. Genauso lief es mit dem Studio. Ich weiß einfach, wie teuer Zeit im Studio ist, deswegen habe ich mir Stück für Stück selbst eines eingerichtet.
J: Keiner von uns hat einen regulären Beruf, wir müssen echt schauen, dass wir das Geld zusammenhalten. Das ist schon viel Arbeit, weil man sich um zahlreiche kleine Details außerhalb der Musik, wie Social Media, kümmern muss.
N: Aber bisher klappt es ganz gut. Trotzdem vermisse ich die Zeiten, als es noch keine Social Media gab. Du hast ein paar Interviews gegeben und das war’s. (lacht)


Wann habt ihr mit LUCIFER IV angefangen?
N: Ich glaube, letzten Oktober haben wir den ersten Drum-Track aufgenommen und dann immer stückweise weitergearbeitet. Insgesamt werden es wohl an die drei Wochen gewesen sein.

Wenn man ein eigenes Studio hat, kann man ja in seinem eigenen Tempo arbeiten …
N: Ja, allerdings muss man sich dann wiederum selbst disziplinieren. (lacht)
J: In einem Interview hat Nick Cave mal erzählt, dass er sich jeden Morgen in seinen Anzug wirft und dann in sein Büro geht. Da arbeitet er dann an irgendetwas, manchmal weiß er nicht mal, an was genau. Aber er braucht dieses Ritual, um sein Arbeitsethos aufrechtzuerhalten. Wahrscheinlich funktioniert das wirklich ein wenig so, wenn man viel zuhause arbeitet.


Auf LUCIFER IV haben erstmals auch eure Bandkollegen Ideen beigesteuert …
N:
Ja, Linus hat zwei Songs zusammen mit Johanna geschrieben. Das kam ganz natürlich zustande.
J: Eigentlich waren wir immer offen für mehr Zusammenarbeit. Vielleicht dachten die anderen einfach, dass nur Nicke und ich schreiben. Aber inzwischen sind wir in dieser Band so stark zusammengewachsen, dass es sich ganz organisch so ergeben hat.


Wie hat sich eure Beziehung innerhalb von Lucifer entwickelt?
J: Im Großen und Ganzen bewegt sich die große Vision um Lucifer zwischen Nicke und mir.
N: Wobei das schon irgendwie deine Band ist.
J: Ich sehe uns aber als Einheit.
N: Eine Band braucht eine Anführerin. Und das ist Johanna, auch wenn sie es vielleicht selbst nicht so sieht. Sie weiß einfach genau, was sie will. Und inzwischen weiß ich auch genau, was Johanna will. Bei visuellen oder ästhetischen Fragen treffen wir uns passgenau in der Mitte. Das hat sich entwickelt.
J: Das kann man auf die ganze Band übertragen, wir kennen inzwischen die Sprache des anderen. Jeder in Lucifer weiß jetzt, was dieses Ding namens Lucifer ist, deswegen hat es vielleicht auch bis jetzt gedauert, dass wir gemeinsam schreiben können und Songs wie ›Crucifix‹ oder ›Nightmare‹ entstanden
sind.


Wie lange hast du gebraucht, um das fiese Gelächter in ›Crucifix‹ hinzubekommen?
J: (lacht) Das war echt schwierig, weil das ja eher schon in die Schauspielerei geht. Ich habe es ein paar mal vor Nicke versucht, das klang total beschissen. Dann hat er mich alleine gelassen – meistens nehme ich meine Vocals eh lieber alleine auf – und dann hab ich es hinbekommen.

Johanna, bist du ein nie versiegender Quell an schauriger Friedhofslyrik?
J: Meine ewigen Friedhofspaziergänge als Teenager zahlen sich aus! Viele der Geschichten sind im Kern persönliche Erfahrungen. Es tut gut, das aufzuschreiben und rauszulassen. Dann kleidet man das ganze noch in Horrorgewänder und Wortspiele – nicht alles davon ist ganz ernst gemeint – und es passt zu Lucifer.


Denkst du auch abseits dieses eher künstlerisch-spielerischen Ansatzes viel über den Tod nach?

J: Nicke tut mir schon richtig leid, weil ich da wirklich viel darüber nachdenke. Eigentlich täglich. Da sind nicht nur diese spannenden Horrorgedanken in Form von Spukgeschichten, Musik und Co., sondern auch ernste Überlegungen. Ich liebe das Leben wirklich und ich finde, es ist viel zu kurz. Wir leben am Meer und es ist so schön, das Wasser an den Füßen zu spüren. Und dann fiel mir letztens ein, dass Dusty Hill das beispielsweise nicht mehr erleben kann. So etwas stimmt mich traurig. Wenn ich könnte, würde ich gerne 200 Jahre alt werden, doch die Zeit vergeht immer schneller. Außerdem habe ich auch Angst
davor, jemanden zu verlieren, den ich wirklich liebe. Manchmal wünsche ich mir, ich würde weniger darüber nachdenken, aber dieses ambivalente Verhältnis zum Thema Tod habe ich schon seit meiner Teenagerzeit.


Ich denke auch manchmal über meine eigene Beerdigung nach …
J:
Ha, ich weiß schon, welche Musik bei meiner laufen wird! Als Teenager habe ich eine Liste geschrieben, wie mein Begräbnis aussehen soll. Mit schwarzem Eichensarg und so! (lacht)

Auf welchem Friedhof soll euer Mausoleum also einmal stehen?
N:
Oha, ein Mausoleum auch noch. Das wird ganz schön teuer.
J: Das ist eine Zwickmühle für mich. Wir leben ja in Schweden und ich liebe Nicke, deswegen werde ich wahrscheinlich dort sterben und neben ihm begraben werden. Aber die Friedhöfe sind nicht so schön wie
in Berlin. Die in der Bergmannstraße kenne ich in und auswendig. Ein wundervoller Ort, wo die Zeit still steht. Oder der Waldfriedhof in Stahnsdorf.
N: Ich sehe da kein Problem. Du musst dich nur für einen von den beiden entscheiden.

Meilensteine: Die Debütsingle ›Night Of Fear‹ von The Move erscheint

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09. Dezember 1966:

Exakt ein Jahr nach der Formierung von The Move in Birmingham erreichte das Quintett am 9.
Dezember 1966 sein erstes Etappenziel: Das Singledebüt ›Night Of Fear‹ erschien auf dem
frisch gegründeten Decca-Ableger Deram und platzierte sich auf Anhieb in den UK-Charts (#2).
Seit der gewiefte Londoner Manager Tony Secun- da Mitte 1966 das Business organisierte, nahm für Vokalist Carl Wayne, Bassist Chris Kefford, Schlagzeuger Bev Bevan sowie die Gitarristen Roy Wood und Trevor Burton der ohnehin rasante Karriereaufstieg mächtig an Fahrt auf. „Secunda steckte hinter sämtlichen cleveren Publicity-Stunts und auch der visuellen Präsentation – was den Durchbruch der Band, aber auch Skandale wie die Harold-Wilson-Affäre mit argen finanziellen Einbußen nach sich zog“, erinnerte sich Wayne anlässlich Secundas Tod 1995 mit gerade mal 54 Jahren.

Auch die Einführung in Londons Szene mit wöchentlicher Residenz im Marquee Club ging Secunda generalstabsmäßig an: Ausstaffiert mit Gangsteranzügen der Prohibitionsära, zertrümmerte Carl Wayne mit einer Axt alte Radios und TV-Geräte. Secunda nervte Roy Wood so lange, bis der anfing, eigenes Material zu komponieren – bis dahin spielten The Move mit perfekt vierstimmigen Gesangspassagen vor allem Cover von West-Coast-Bands, Motown-Hits und Rock’n’Roll-Klassiker. Bei der Vertragsunterzeichnung mit Produzent Denny Cordell, dem Label Deram und Musikverleger David Platz diente der Rücken von Oben-Ohne-Modell Liz Wilson als Unterlage. Der LSD-Alptraum ›Night Of Fear‹, eines von Woods ersten Eigenwerken, funktionierte mit einem Klassik- Zitat: Das Main-Riff wie auch die Bassline bedienten sich bei Peter Tchaikovskys ›1812 Overtüre‹.

Nie verlegen um Promoaktionen, buchte Secunda seine Schäfchen am 15. Dezember 1966 gleich für zwei Auftritte, von denen der erste am frühen Abend in der Guildford Civic Hall stattfand. Und um Mitternacht eröffneten The Move dann mit gezielter Zerstörungswut und in Anwesenheit der Presse jenen bald schon legendären, von Entrepreneur David Shamoon betriebenen Londoner Promi-Hotspot in der 48 Margaret Street, The Speakeasy Club. In Gangsteranzüge gekleidet und mit aggressivem Stageacting passten sie perfekt ins Ambiente: Benannt nach den US-Flüsterkneipen der Prohibition, zierten die psychedelischen Wände des Basement-Clubs riesige Konterfeis von Al Capone und Co. Also alles gesetzt für eine aufregende Nacht der Angst.

Jethro Tull: Neue Single ›Sad City Sisters‹

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Am 28. Januar 2022 erscheint das neue Jethro-Tull-Album THE ZEALOT GENE. Eine erste Single gab es bereits mit ›Shoshana Sleeping‹ zu hören, jetzt legt die Band einen neuen Song namens ›Sad City Sisters‹ inklusive Video nach.

Ian Anderson über den Track: „›Sad City Sisters‹ weckt Erinnerungen an eine Nacht in Cardiff, als ich vor einigen Jahren von unserem Konzert in der St. David’s Hall nachhause fuhr. Es hätte wohl jede Stadt im UK sein können, oder sogar jede Stadt der westlichen Welt. Was bringt entschlossene und verletzliche junge Menschen dazu, so leicht in den tragischen Verlust der Würde hineinzurutschen und um Mitternacht völlig betrunken in einer nassen, windigen Straße zu enden?“

Ab 12. Januar am Kiosk: Jethro Tull – Das Sonderheft

Mehr als 50 Jahre Bandbestehen, mehr als 50 Jahre, in denen sie die Rockwelt maßgeblich beeinflussten. 2017 feierte Ian Anderson mit seiner Langzeitliebe Jethro Tull Goldene Hochzeit. Doch wo andere ein Fass aufmachen, hielt sich Anderson bescheiden, ja beinahe ein wenig gleichgültig, im Hintergrund. Zu den Feierlichkeiten musste man den Chef quasi überreden. Dem Querflötenvirtuosen ging es eben nie um das Brimborium, sondern um die Musik, die Kunst. Sie ist es, die Jethro Tull mehr als ein halbes Jahrhundert am Leben und auf der Erfolgsspur hielt. Während Anderson beständig Soloalben veröffentlichte, erscheint nun am 28. Januar mit THE ZEALOT GENE das erste neue Studioalbum von Jethro Tull seit beinahe 20 Jahren. Damit ist dann aber endlich Anlass genug für CLASSIC ROCK, einen längst fälligen und gebührend umfangreichen Blick auf die gesamte Geschichte der Band zu werfen. Auf ganzen 148 Seiten beleuchten wir die Anfänge der Folk-Prog-Veteranen, blicken noch einmal detailliert zurück auf die musikalischen Highlights AQUALUNG (allein in den USA erreichte es Dreifachplatin) und THICK AS A BRICK (ihrem ersten US-Nummer-1-Album) und betrachten die Band im Wandel der Dekaden. Natürlich darf auch die Geschichte über Jethro Tulls GrammyGewinn in der Kategorie „Best Hard-Rock-Album“ für CREST OF A NAVE im Jahre 1989 nicht fehlen, bei dem sie selbst die damals herrschenden Heavy-MetalGiganten Metallica hinter sich ließen. Neben Interviews und Featurey aus den Archiven und vielen Specials zu allen Epochen der Tull-Historie hält dieses Sonderheft zwei weitere, ganz besondere Perlen bereit: Ian Anderson hat für uns ganz tief in seinem Bildarchiv gegraben und rares Fotomaterial an die Oberfläche gezaubert. Außerdem lest ihr darin das brandaktuelle Interview mit Anderson, in dem er nicht nur über das zukünftige Werk THE ZEALOT GENE spricht, sondern auch selbst nostalgisch in die Vergangenheit blickt.

CLASSIC ROCK präsentiert: Mammoth WVH live

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Nachdem er bereits als Support-Act für die Scorpions-Tournee im Juni 2022 bestätigt wurde, hat Wolfgang Van Halen, Multiinstrumentalist und Sohn von Eddie Van Halen, nun auch zwei exklusive Solo-Headliner-Shows mit seiner Band Mammoth WVH angekündigt.

Mammoth WVH live erleben:

11.06.2022 Freiburg, Jazzhaus

14.06.2022 Leipzig, Hellraiser

Emerson, Lake & Palmer: Live-Attraktion der 70er

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Als der Rock’n’Roll binnen einer Dekade zuerst in die Beat- dann in die Psychedelic- und schließlich in die Progressive-Rock- Ära überblendete, durchlief er im Turbogang den Weg von der rüden Adoleszenz ins gediegene Erwachsenendasein. Klassik und Jazz dominierten den Progrock ebenso wie sich der Zusammenschluss von Virtuosen zu Supergroups etablierte. Auch Emerson, Lake & Palmer, mit mehr oder minder klassisch geschulten Mitgliedern, bedienten kategorisch diesen zeittypischen Imperativ: Keyboarder Keith Emerson kam von The Nice, Vokalist und Bassist Greg Lake wechselte von King Crimson über und Schlagzeuger Carl Palmer trommelte zuvor bei The Crazy World Of Arthur Brown und Atomic Rooster.

Nach dem selbstbetiteltem Debüt (11/1970) und dessen Nachfolger, TARKUS (06/1971), erschien als dritte LP der Konzert- mitschnitt PICTURES AT AN EXHIBITION (11/1971) – und galt fortan als Nonplusultra. Bei den spektakulären Gastspielen hinterließ vor allem ein in gewagten Kostümierungen gehüllter Keith Emerson bleibenden Eindruck, wenn er seine Hammondorgel kippte, mit Dolchen malträtierte, ja regelrecht vergewaltigte. Zudem erwies sich Emerson als einer der ersten Musiker, der sich mit einem 250 Kilogramm Ungetüm an Moog Modular Synthesiser auf Tour begab. Ergo zählten die sich wie siegreiche Olympioniken der Antike gebärdeten Emerson, Lake & Palmer als eine der Live Attraktionen jener Ära schlechthin.

Dave Grohl: Witziger Kiss-Tribute bei den „Hanukkah Sessions“

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Anlässlich des Hanukkah-Festes, das vom 28. November bis zum 06. Dezember gefeiert wurde, hat Dave Grohl in diesem Jahr eine Reihe namens „The Hanukkah Sessions“ ins Leben gerufen.

Zur Feier des Festes der Lichter coverte er in diesem Rahmen Songs von jüdischen Künstlern. Als Abschluss haben sich Grohl und sein Kumpel Greg Kurstin den Hit ›Rock And Roll All Nite‹ von Kiss vorgenommen. Grohl-typisch geht es im zugehörigen Video-Clip eher lustig zu.

Rückblende: Ozzy Osbournes ›Crazy Train‹

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Nach seinem Rauswurf bei Black Sabbath 1979 schob sich Ozzy mit einer ziemlich verrückten Rocknummer selbst wieder vom Abstellgleis. Für ihn sind damit die besten, aber auch die schlimmsten Erinnerungen verbunden. Bitte einsteigen!

Sommer 1979. Das schillernde Le Parc Hotel in West Hollywood hat einen unangenehmen Gast. In den
Monaten, seit ihn Black Sabbath vor die Tür setzten, hat sich Ozzy Osbourne hier in einer Suite eingenistet, die er sich kaum leisten kann, konsumiert „kistenweise Bier“ und fühlt sich „höllisch unglücklich“. Berichte über den Zustand des Sängers dringen nur sporadisch nach außen – sein regelmäßigster Gast ist sein Dealer –, doch das Gerücht lautet, dass nicht nur seine Karriere am Ende sei, sondern vermutlich auch bald sein Leben. „Ich glaubte wirklich: Das ist das fucking Ende für mich“, sagte er 2010. „Ich war gefeuert worden, berauschte mich jeden Tag und ging nie nach draußen. Ich öffnete nicht mal die Vorhänge.“

Die Meinungen sind geteilt über die Ursprünge der Band, die Ozzy wiederauferstehen ließ. In seiner Erinnerung war es so: „Eines Morgens kam Sharon einfach vorbei und sagte zu mir: ‚Krieg deinen Scheiß auf die Reihe, ich werde dich managen‘. Als sie auf den Plan trat, kamen die Dinge ins Rollen.“ Doch Bassist und CoSongwriter Bob Daisley erinnert sich an eine andere Abfolge der Geschehnisse und besteht darauf, dass Ozzys zukünftige Frau „rein gar nichts damit zu tun hatte“ und dass er ein Line-up mitbegründete, das als eine Band aus gleichberechtigten Musikern geplant war, nicht als Vehikel für
einen Star („Es war nicht ‚die OzzyOsbourne-Soloplatte‘“, sagte er, „das ist Schwachsinn.“). Doch keine der beiden Seiten leugnet den Einfluss des kalifornischen Gitarristen Randy Rhoads.

Daisly erinnert sich an den einstigen Gitarristen von Quiet Riot bei ihrem ersten Treffen in den Büros von Jet Records, Ende 1979, als äußerst schmächtigen Mann. „Ich komme herein und sehe diesen jungen Typen. Seine Klamotten lagen sehr eng an, sein Haar sah perfekt aus und seine Fingernägel wie nach einer Maniküre.“ Doch der Eindruck täuschte. Rhoads hatte eine ungestüme neoklassische Gitarrentechnik im Gepäck – und ein unwiderstehliches Riff, das die erste Songwriting-Session der Band sofort abheben ließ. Ungewöhnlicherweise war das Lick von ›Crazy Train‹ nicht in den üblichen Metal-Noten A oder E.

Es war das erste Mal, dass ein Gitarrist etwas speziell auf Ozzys doomiges Wehklagen zugeschnitten hatte. „Bei Sabbath“, erinnerte sich der, „schrieben sie einfach irgendwas und sagten dann: ‚Sing da mal drüber‘. Randy war der Erste, der es mir angenehm machte.“ Jahre später kamen Zweifel über die
Urheberschaft des ›Crazy Train‹-Riffs auf („Wir hingen ab und ich spielte Randy das Riff von Steve Millers ›Swingtown‹ vor“, so Greg Leon von Quiet Riot. „Ich sagte: ‚Sieh mal, was passiert, wenn du das beschleunigst‘. Wir spielten ein bisschen damit rum, und plötzlich hatte er das auf ein völlig anderes Niveau gehoben.“).

Daisley besteht jedoch darauf: „Dieses unverwechselbare Fis-moll-Riff aus ›Crazy Train‹ kam von Randy, dann schrieb ich den Part, auf den er sein Solo spielen sollte, und Ozzy hatte die Gesangsmelodie. Der Titel kam auf, weil Randy diesen Effekt hatte, der dieses psychedelische Rattern durch die Verstärker erzeugte. Randy und ich interessierten uns beide sehr für Eisenbahnen und ich sagte: ‚Das klingt wie ein verrückter Zug‘. Ozzy hatte diesen Ausdruck ‚You’re off the rails!’, also benutzte ich ihn im Text.“ Unter dem Stampfen pumpender Kolben in den Strophen befasste sich der Text von ›Crazy Train‹ jedoch mit gewichtigeren Themen als außer Kontrolle geratenen Zügen. Wie ein Echo von Geezer Butlers Beobachtungen auf Sabbaths ›War Pigs‹ transportierte dieser neue Song eine Anti-Konflikt-Botschaft, vor allem in der letzten Strophe, in der es hieß: „Heirs of a cold war, that’s we’ve become/Inheriting troubles, I’m mentally numb“.


Nach erfolgreichen Proben im Clearwell Castle in der Grafschaft Gloucestershire begannen im März
1980 die Aufnahmen zu Ozzys neuem Album BLIZZARD OF OZZ in den Ridge Farm Studios in Surrey. Daisly bekam aufgrund seines Perfektionismus den Spitznamen „Sid Serious“ verliehen, doch Ozzys Verhalten war schwerer festzumachen. „Er fing ziemlich nüchtern an und nahm wohl ein Flasche Scotch mit rein“, erzählte Tontechniker Max Norman. „Während wir einen Song aufnahmen, nippte er immer wieder an einem Scotch … Und wenn er mitten in einem Take pissen musste, tat er das einfach an Ort und Stelle auf den Boden.“ Im Gegensatz dazu war Rhoads absolut nüchtern und extrem konzentriert, als es an die Aufnahmen des mächtigen Solos auf ›Crazy Train‹ ging, und spielte drei fast identische Läufe der zackig-aggressiven Passage ein. „Wenn man wirklich genau hinhört“, so Norman, „stellt man fest, dass da eine Hauptgitarre in der Mitte ist und zwei weitere, die exakt dasselbe spielen, aber nach links und rechts ausgesteuert. Doch man hört das nur als eine Gitarre. Wenn es darum ging, Solo-Overdubs einzuspielen, war Randy der Beste, den ich je erlebte habe. Er haute mich wirklich immer wieder um.“

›Crazy Train‹ erschien 1980 als Single und wurde nur zu einem kleineren Hit in den Charts (Platz 49 in Großbritannien), doch zu einem Highlight der BLIZZARD OF OZZ-Tournee, die Ozzy aus seinem Tal der Tränen zog. Sein Einfluss auf die Gitarrenszene war unermesslich. „Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal Randy hörte“, sagt Tom Morello, Gitarrist von Rage Against The Machine. „Es war in Libertyville, ich
saß auf dem Rücksitz des Kleinwagens von irgendjemandens Mom und dann lief ›Crazy Train‹. Dieses umwerfende Riff stürmte auf mich zu, gefolgt von diesem krassen Solo, und natürlich war da Ozzy – ich erkannte ihn an seiner Stimme als den Typen von Black Sabbath. Am Ende dachte ich nur noch: ‚Was ist hier gerade passiert?‘ Randy war der beste Hardrockgitarrist aller Zeiten.“

Aber leider nicht lange. Nach dem tragischen Flugzeugabsturz im März 1982, der Rhoads und zwei
andere Menschen das Leben kostete, geriet der Song zu einem bittersüßen Moment in Ozzys Katalog. Erst kürzlich wurde seine emotionale Sprengkraft schmerzhaft sichtbar in einer Folge der Vater-und-Sohn-Reise „Ozzy And Jack’s World Detour“ von 2016, in der Ozzy völlig schockiert dasitzt, als er ein lange verschollen geglaubtes und noch nicht abgemischtes Master-Tonband des Songs hörte, der ihn rettete. „Ich erinnere mich daran, wie viel Spaß wir dabei hatten, ›Crazy Train‹ zu schreiben und aufzunehmen“, sagt er in die Kamera. „Das jetzt anzuhören, ist wie in eine gute Zeit zurückzukehren, aber gleichzeitig auch in eine wirklich schreckliche.“

John Miles: Sänger, Pianist und Gitarrist mit 72 gestorben

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Am 05. Dezember 2021 ist John Miles im Alter von 72 Jahren verstorben. Zuletzt war der Popstar, der vor allem für seinen Überhit ›Music‹ vom Album REBEL dem Jahr 1976 bekannt ist, regelmäßig mit dem Format „Night Of The Proms“ unterwegs. Im Laufe seiner Karriere arbeitete er mit Tina Turner, Alan Parson’s Project, Joe Cocker und weiteren namhaften Künstlern und Künstlerinnen zusammen.

Unter einem Tribute-Video, das der Veranstalter der Konzertreihe „Night Of The Proms“ vor wenigen Stunden online gestellt hat, wird erklärt, dass Miles nach kurzer Krankheit im Kreise seiner Angehörigen verstorben ist. R.I.P., John Miles.