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Judas Priest: Live in München (Zenith, 27.06.)

Priest! Priest! Priest!

Nach einem stimmungsmachenden Warm-Up durch die Dead Daisies mit („neuem“) Frontmann Glenn Hughes kommen Judas Priest nach einer halbstündigen Umbaupause auf die Bühne des Zenith. Die Halle ist gut gefüllt, die Temperaturen auch ohne das heiße musikalische Eisen namens Priest schon an der Toleranzgrenze.

Nach einer kurzen Einstimmung mit ›War Pigs‹ von ihren Birmingham-Kollegen Black Sabbath, erhebt sich das riesige und dramatisch rot erleuchtete Priest-Kreuz in die Lüfte über der Bühne und schwebt bedrohlich über der Band, die den Abend mit ›One Shot At Glory‹ eröffnet.

Rob Halford, der mit zunehmendem Alter, seiner Glatze und den spitzen Ohren immer mehr aussieht wie eine sehr verwegene Version von Engywuck aus der Unendlichen Geschichte, erscheint standesgemäß oben ohne, mit tätowierter Plauze und schwerem Ledermantel, dessen Rückseite der prominente Schriftzug „Heavy Metal“ ziert. Gemeinsam mit seinen Kollegen, dem erst kürzlich am Herzen operierten Gitarrenhelden Richie Faulkner, dem für Glenn Tipton eingesprungenen Andy Sneap, Scott Travis an den Drums und Ian Hill am Bass, pflügt der „Metal God“ durch das letzte Jahrhundert an Hits (ohne jedoch ›Metal Gods‹ anzustimmen) und erreicht auch mit knapp 71 Jahren noch schwindelerregende Gesangshöhen, auch wenn manche Betonungen und Sprachrhythmen, z.B. bei der Bridge von ›You’ve Got Another Thing Coming‹, etwas eigentümlich wirken.

Halford spricht nicht viel mit dem Publikum, stimmt aber einige „Yeah-Yeah“-Call-and-Response-Geplänkel mit seinen ergebenen Kuttenjüngern und Jüngerinnen an. Zwischendurch werden auf der mit passenden Visuals bespielten Leinwand immer wieder Videoschnipsel und Fotos von Glenn Tipton gezeigt, der aufgrund seiner Parkison-Erkrankung nicht mehr Teil der Band sein kann.

Pünktlich zu ›Hell Bent For Leather‹ kommt Halford dann endlich auf seinem Motorrad auf die Bühne gefahren und beglückt das Publikum mit nackten Hinterteil, das die Lederchaps halbwegs in Form halten. Ein für manche Zuschauer*innen wohl etwas gewöhnungsbedürftiger Anblick, der Großteil der Fans weiß jedoch um Halfords berühmte Po-Parade bei diesem Song und skandiert weiterhin unbeirrt und lauthals „Priest! Priest! Priest!“. Nach den letzten Nummern ›Breaking The Law‹ und ›Living After Midnight‹ hat der Metalzauber dann auch ein Ende, was einerseits schade ist, da Hits wie eben beispielsweise ›Metal Gods‹ keinen Platz in der Setlist fanden, andererseits aber aufgrund des nicht mehr vorhandenen Sauerstoffes im vorderen Drittel des Zeniths hinnehmbar war. Der Sound war leider wie sooft in dieser Location vor allem ab der Mitte zunehmend Hall-geschwängert und etwas undifferenziert, der bombastischen Stimmung an jenem Sommermontag in München tat dies jedoch keinen Abbruch.

Unser Fotograf Markus Werner war vor Ort und hat die Show für visuell festgehalten:

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Scotty Moore: Rest In Peace

scotty mooreScotty Moore, der erste Gitarrist von Elvis Presley und Vorbild von Keith Richards und George Harrison, ist heute vor sechs Jahren verstorben.

Scotty Moore starb im Alter von 84 Jahren in Nashville. Bekannt wurde der Gitarrist durch seine Arbeit mit Elvis Presley. Die beiden trafen sich 1954 in den mythischen Sun-Studios in Memphis, wo sie unter der Regie von Produzent Sam Phillips ›That’s All Right‹ aufnahmen.

In der Folge spielte Moore auf Hits wie ›Heartbreak Hotel‹, ›Jailhouse Rock‹ oder ›Hound Dog‹ und trug mit seinem Gitarrensound zum Aufstieg des Rock’n’Roll in den 50ern bei. Moore begleitete Elvis auch zu Konzerten, Fernsehshows und war in Filmen an der Seite seines berühmten Sängers zu sehen. Zum letzten Mal traten die beiden bei Elvis‘ legendärem TV-Comeback-Special 1968 gemeinsam auf.

Später arbeitete Moore als Musiker und Produzent mit Künstlern wie Ringo Starr, Dolly Parton, Ron Wood und Jerry Lee Lewis zusammen. 2000 wurde er in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen, er gilt als Vorbild zahlreicher Gitarristen, darunter George Harrison und Jeff Beck.

Keith Richards sagte einmal: „Als ich ›Heartbreak Hotel‹ hörte, wusste ich, was ich mit meinem Leben anfangen wollte… Alles, was ich mir wünschte, war, so spielen zu können und so zu klingen. Jeder wollte sein wie Elvis, ich wollte Scotty sein.“ Sein Biograf James L. Dickerson nannte Moore gegenüber „Billboard“ einen der „Miterfinder des Rock’n’Roll“.

Hier seht ihr Elvis und Scotty Moore bei einer Performance von ›Hound Dog‹ im Jahr 1956:

Elvis und Band, darunter Scotty Moore, mit ›Heartbreak Hotel‹ im TV-Special von 1968:

Junkyard Drive: Neue, alte Einflüsse

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Die Dänen Junkyard Drive lieben deftigen Rock. Das ist ELECTRIC LOVE, dem neuen, dritten Album der Burschen aus – na klar! – Roskilde sofort anzuhören. Ebenfalls wird aber auch offenbar, dass Musikliebhaber, die die 2014 gegründete Gruppe bisher einzig in eine Schublade mit der Aufschrift „Glam-Metal-Epigonen“ steckten, nun umdenken müssen.

„Der große Unterschied zwischen ELECTRIC LOVE und seinen beiden Vorgängern sind die Acts und die Sounds, die uns dieses Mal beim Schreiben am stärksten beeinflusst haben“, erklärt Sjus, seines Zeichens Bassist und obwohl erst 2019 zur Band gestoßen bereits eines der beiden Sprachrohre von Junkyard Drive. „Wir haben den 80er-Jahre-Party-Metal bis zu einem gewissen Grad hinter uns gelassen“, sagt Frontmann Kristian Johansen. „Natürlich wird man dem einen oder anderen Track, wie etwa dem Opener ›Let It Burn‹, weiterhin anhören, dass wir auf Mötley Crüe, Guns N’ Roses, L.A. Guns & Co. stehen. Während dieses Songwriting-Prozesses haben wir uns aber hauptsächlich an dem doch um einiges tiefsinnigeren 70s-Stoff orientiert, mit dem wir anhand der Plattensammlungen unserer Eltern aufgewachsen sind. Ich rede von Deep Purple, Led Zeppelin, Free und so weiter. Diese Legenden waren damals der Grund, weshalb ich und auch die anderen Jungs uns überhaupt in Rock und Hardrock verliebt haben.“

Der besagte Songwriting-Prozess dauerte für die Band diesmal außergewöhnlich lange. Die brauchbaren Einfälle brachen nicht wie bei den frühen Scheiben schwall-ähnlich über die Musiker hinein. „Ganz im Gegenteil“, lacht Kristian. „Sie tröpfelten eher. Mit der Hymne ›Home‹ haben wir etwa einen Titel dabei, der schon 2019 entstanden ist.“ „Sicher waren die Pandemie und ihre Beschränkungen in Bezug auf gemeinsames Jammen im Proberaum ein Faktor“, glaubt Sjus, bevor ihm Kristian den zweiten Teil der Antwort abnimmt: „Der Hauptgrund dürfte aber sein, dass wir im Laufe der Zeit reifer und anspruchsvoller gegenüber unserer eigenen Arbeit geworden sind.“ Ein wichtiger Teil dieses Jobs ist Junkyard Drives Stammproduzent Søren Andersen, der lange als Gitarrist mit Weltstars wie Glenn Hughes oder dem ehemaligen White-Lion-Frontmann Mike Tramp gespielt hat. Für D-A-D, Pretty Maids sowie die US – Supergroup The Dead Daisies war er dagegen im Studio-Einsatz. „Søren ist von Beginn an eingebunden. Man könnte sagen, dass er im Rahmen der Entstehung einer Platte zu einem zusätzlichen Bandmitglied wird“, sagt der Sänger.

„Natürlich stammen die ursprünglichen Ideen von uns selbst. Aber wir schicken ihm immer gleich unsere Entwürfe. Er weiß genau, wie wir ticken, wohin wir künstlerisch wollen und hilft uns dann, den Weg dorthin zu finden. Søren hat ein enormes Maß an Erfahrung und ist zudem am Mischpult ein absolutes Ass.“ „Weshalb wir schön blöd wären, ihm nicht zumindest zuzuhören, wenn er Vorschläge bringt, wie wir individuell oder als Kollektiv besser performen beziehungsweise unsere Lieder noch schlag- kräftiger machen können“, findet Sjus. Eine sehr gesunde Einstellung, die bei ELECTRIC LOVE zu einem mehr als erfreulichen Ergebnis geführt hat.

Dave Grohl: Gastauftritt bei Show von Paul McCartney

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Am 25. Juni erschien Dave Grohl auf der Bühne des Glastonbury Festivals, um zusammen mit Paul McCartney dessen Songs ›I Saw Her Standing There‹ und ›Band On The Run‹ zu spielen. Das kurze Intermezzo war der erste öffentliche Auftritt des Foo-Fighters-Chefs nach dem Tod seines Freundes und Schlagzeugers Taylor Hawkins im März dieses Jahres.

Def Leppard: Stadion-Tour wird nach Europa kommen

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Aktuell befinden sich Def Leppard zusammen mit Mötley Crüe, Poison und Joan Jett & The Blackhearts auf großer Stadiontour durch die Staaten. Nach ersten hoffnungsschwangeren Gerüchten, dass das Paket so auch nach Europa kommen könnte, bestätigte dies nun Joe Elliott von Def Leppard in einem Interview. Nächsten Sommer soll das Line-Up so auch auf europäischem Boden zu bewundern sein.

„Ich kann nicht sagen, wann oder wo das alles passieren wird, weil mir noch kein grünes Licht gegeben wurde“, erzählte er unseren britischen Kollegen von CLASSIC ROCK. „Ein Gig ist bereits bestätigt und wir versuchen, einen zweiten hinzuzufügen. Es werden einige Gigs bei Festivals stattfinden, aber andere werden tatsächlich so aussehen wie das, was wir hier gerade in Nordamerika tun.“

Video der Woche: Toto mit ›Africa‹

David Paich wird heute 68 Jahre. Der Keyboarder, Sänger und Songwriter ist Gründungsmitglied von Toto und als Komponist verantwortlich für einige der größten Hits der Band wie ›Rosanna‹ oder auch ›Africa‹.

Zur Feier des Tages blicken wir deshalb heute auf das Jahr 1982 und das Album IV, auf dem Africa zu finden ist. Zusammen mit Drummer Jeff Porcaro schrieb Paich die Musik, am Text arbeitete er alleine. 1983 erreichte der Track den ersten Platz der amerikanischen Billboard-Charts.

Und weil man ›Africa‹ nicht oft genug hören kann, fügen wir heute noch die Version von Weezer aus dem Jahre 2018 hinzu. Am Video wirkt außerdem Weird Al Yankovic mit. Nachdem Weezer 2018 mit zwei Toto-Coverversionen das Internet erheiterten, revanchierten sich Toto damals und coverten ihrerseits den Weezer-Song ›Hash Pipe‹.

Was machen eigentlich Air Supply?

Die PR-Agentur bittet im Zusammenhang mit Air Supply, auf den Terminus „Soft Rock“ zu verzichten, da es bei den Shows des australischen Erfolgsduos doch amtlich zur Sache geht. Aktuelle Kritiken von einem der bis zu 130 Konzerte, die Graham Russell und Russell Hitchcock jährlich mit der Band abreißen, bestätigen das. Auch
die beiden Pop-Protagonisten betonten in einem Interview von 2020, dass sie „Romantic Rock“ bevorzugen. Abgesehen davon kann man über Stil und Geschmack sowieso leidlich streiten, über Erfolg hingehen nicht. Denn der ist bei Air Supply mit Millionen Alben- und Singleverkäufen unantastbar. Graham Russell und Russell Hitchcock lernten sich am 12. Mai 1975, am ersten Probentag für die australische Produktion von „Jesus Christ Superstar“, in Sydney kennen. Der Rest ist Hit-Historie. Und die Geschichte einer echten Freundschaft. Angeblich haben sich die beiden noch nie ernsthaft gestritten. Warum auch, schließlich funktioniert die bis heute andauernde Kooperation von Sänger, Songwriter und Gitarrist Graham Russell und Leadsänger Russell Hitchcock hervorragend. Gleich die erste Single, ›Love And Other Bruises‹, schlug sich 1976 in den australischen Charts gut. Das Debütalbum, AIR SUPPLY, ebenso.

Nach weiteren Longplayern konnte man 1980 mit LOST IN LOVE die US-Charts knacken und Platin einfahren. Was nicht zuletzt an der gleichnamigen Single sowie an Schmachtfetzen und Trademark-Songs der Band wie ›All Out Of Love‹ und ›Every Woman In The World‹ lag. Von diesen Kalibern gab es in den 80ern noch einige weitere wie ›Even The Nights Are Better‹ oder ›Making Love Out Of Nothing At All‹. Die 90er-Jahre bescherten dem romantischen Duo Hits wie ›Without You‹ und weitere gut verkaufte Platten. Dabei konnte man sich speziell in Asien nicht über mangelnde Beliebtheit beklagen. Was vor allem mit dem dortigen, aber auch dem weltweiten Live-Engagement in den 00er-Jahren zusammenhängt. Mitte des Jahrzehnts trat man sogar in Kuba auf. 2010 gab es nach jahrelanger Release-Abstinenz mit MUMBO JUMBO neue Songs. Die jüngere Vergangenheit ist voll mit Auszeichnungen wie die Aufnahme in die „Hall Of Fame“ durch die Australian Recording Industry Association in 2013 oder 2020 eine Listung im australischen Rolling Stone unter den „50 Greatest Australian Artists Of All Time“.

Im selben Jahr begingen Air Supply ihr 45. Jubiläum. Das fünftausendste Konzert hat inzwischen auch schon stattgefunden (in Las Vegas). Aber es geht weiter, denn im Moment ist die Band wieder live in Kanada und den USA unterwegs. Termine stehen bereits über die Jahreshälfte hinaus und man plant auch globale Dates. War THE LOST IN LOVE EXPERIENCE von 2019 noch ein Live-album mit dem Prague Symphony Orchestra, entstehen derzeit wieder neue Songs. LOVE LETTERS soll der Longplayer heißen.

Ein Abend für die Ewigkeit: The Clash live 1980

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The Clash live, 27. Januar 1980, Sheffield, Top Rank.

Da waren sie: The Clash, ganz hinten auf der kaum beleuchteten Bühne des Top Rank, in Trenchcoats mit aufgestellten Krägen, grinsend wie freche Schulkinder und zum eloquenten Toasting ihres Supports Mikey Dread mitgroovend. Die meisten im Publikum konnten sie nicht sehen, aber in der ersten Reihe, wo ich stand und mich an meinem Tourprogramm „The Armagideon Times“ festklammerte, erspähte man sie. Ich war bereit zum Pogen, allerdings eher aus der Unvermeidlichkeit des Eingequetschtseins heraus denn als artistisches Statement.

Als Mick Jones 45 Minuten später das Intro zum Opener ›Clash City Rockers‹ anstimmte, sahen The Clash nicht mehr wie Schulkinder aus. Vier Jahrzehnte und hunderte Konzerte später habe ich nach wie vor niemanden gesehen, der so unter Strom stand wie die einzige Band, die jemals zählte, auf dem absoluten Zenit ihres Könnens. Jones, der Legenden bildende Rockgitarrist. Joe Strummer, der charismatische alttestamentarische Prophet der Innenstädte. Paul Simonon, cooler als cool. Und mein Gott, was für ein unfassbarer Schlagzeuger Topper Headon war. Sie peitschten durch ihre frühen Höhepunkte, die meisten Stücke von LONDON CALLING, und ich konnte kaum atmen.

Und das nicht nur, weil ich noch nie zuvor etwas so herzinfarktträchtig Aufregendes erlebt hatte, sondern auch, weil die Leute hinter mir mich erbarmungslos gegen die Bühne drückten. Am nächsten Tag ging ich in die Schule, mit reichlich blauen Flecken und irgendwie immer noch blutig. Die Wahrheit ist, dass ich mich nie mehr davon erholt habe.

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