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Start Blog Seite 216

Gene Simmons: Ace Frehley und Peter Criss könnten keine Kiss-Show mehr durchstehen

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In einem jüngsten Interview mit der finnischen Seite Chaoszine sprach Gene Simmons über seine ehemaligen Kiss-Kollegen Ace Frehley und Peter Criss und meinte, dass die beiden nicht mehr genügend Ausdauer hätten, um heutzutage eine ganze Kiss-Show auf der Bühne durchzustehen.

„Ich meinte zu Ace und Peter: ‚Kommt auf Tour mit uns. Ihr bekommt eure eigene Umkleide und kommt zu den Zugaben auf die Bühne.‘ Ace sagte daraufhin nur: ‚Nein, ich komme nur mit als Spaceman und wenn ihr Thommy [Thayer] rauswerft.‘ Ich nur so: ‚Nun, das wird nicht passieren.‘ Ich mag Ace wirklich, aber er ist nicht in Form – er kann so nicht mehr spielen und hat auch nicht mehr die nötige körperliche Ausdauer.“

Unsere Titelstory über den Abschied der „heißesten Band der Welt“ lest ihr in der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK.

Kiss: Live in der Schleyerhalle, Stuttgart (28.06.)

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Am 28. Juni machten Kiss im Rahmen ihrer “End Of The Road”-Abschiedstour in Stuttgart in der Schleyerhalle Halt und lieferten 115 Minuten ihres gewohnten, überlebensgroßen Rock-Feuerwerks. Unser Fotograf Frank Witzelmaier war vor Ort und hat eine der wohl letzten Shows der “heißesten Bands der Welt” auf deutschem Boden für euch festgehalten.

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Jetzt in der neuen Ausgabe von CLASSIC ROCK: Unsere große Titelstory über das Ende von Kiss!

Die Setlist:

1. Detroit Rock City

2. Shout It Out Loud

3. Deuce

4. War Machine

5. Heaven’s On Fire

6. I Love it Loud

7. Say Yeah

8. Cold Gin

9. Solo von Tommy Thayer

10. Lick it up

11. Calling Dr. Love

12. Tears Are Falling

13. Psycho Circus

14. Solo von Eric Singer

15. 100,000 Years

16. Solo von Gene Simmons

17. God Of Thunder

18. Love Gun

19. I Was Made For Lovin’ You

20. Black Diamond

21. Zugabe: Beth

22. Zugabe: Do You Love Me

23. Zugabe: Rock and Roll All Nite

24. (vom Band): God Gave Rock‘n‘Roll To You II

Dokken: Von verlorenen Liedern und Bratäpfeln

Nach knapp vierzig Jahren sind Don Dokken beim Aufräumen alte Tapes aus seiner Zeit in Deutschland in die Hände gefallen, die er prompt restauriert und veröffentlicht hat. Im Skype-Interview spricht der Hairmetal-Veteran von THE LOST SONGS:1979-1981, seinen damaligen Erlebnissen und erklärt, warum er wahrscheinlich nie wieder Gitarre spielen wird.

Wie hast du die LOST SONGS gefunden?

Während der Pandemie habe ich wie viele Leute ausgemistet. Ich räumte meine Garage auf, weil ich eine 64er Stingray Corvette gekauft habe und nicht wollte, dass die Vögel draufkacken. Dabei fand ich eine Box voller Tapes. Darauf standen Dinge wie „Hamburg 1979“ oder „Michael Wagener“. Also hab ich die Tapes gebacken, abgespielt und all diese Songs gefunden. Sieben davon waren leider kaputt, vom Rest waren manche fertig, einige Demos, andere wiederum nur mit programmierten Drums aufgenommen. Die Originalspuren von Gitarre, Gesang und Bass habe ich gelassen und den Rest fertig gestellt. Ich klinge wie ein Zwölfjähriger. (schmunzelt) Das hat viele Erinnerungen zurückgebracht.

Welche Erinnerungen?

Ich war damals so jung und verließ Kalifornien zum ersten Mal – ein großes Abenteuer. Die Berliner Mauer stand noch, wir mussten durch den Checkpoint Charlie und überall waren Polizisten mit Maschinengewehren. In Hamburg dann die Reeperbahn und die ganzen Prostituierten. (lacht) Das war sehr interessant für uns brave Surfer-Jungs. Dort hatten wir dann auch ’79 unser erstes Club-Arrangement bis ein Uhr nachts. Danach nahmen wir Demos in Michael Wageners Studio auf.

Wie hast du Michael Wagener kennengelernt?

Michael arbeitete gegenüber vom Sounds Club in den Tennessee Tonstudios als Toningenieur und ließ uns umsonst Demos aufnehmen. Das war lange bevor er ein erfolgreicher Produzent wurde. Eineinhalb Jahre später kam ich nochmal nach Deutschland, wo ich schließlich Dieter Dierks traf. Er meinte, dass er meine Band zwar nicht mochte, aber mich schon. Er nahm damals gerade die neue Scorpions-Platte auf, doch Klaus hatte Probleme mit den Stimmbändern, also sollte ich ein paar Background-Vocals aufnehmen, weil Klaus und ich dasselbe Vibrato haben. Ich sang also auf BLACKOUT mit und durfte im Gegenzug in seinem Studio ein paar Demos machen. Auf den LOST SONGS findet man also eine Mischung aus Takes von Dieter und Michael und aus L.A. Dort habe ich auch ein paar Songs aufgenommen, bevor ich wieder nach Deutschland bin, und alle Kopien verkauft. Die sind komplett in den Kosmos entschwunden. Nicht mal ich habe ein Exemplar davon.

Du redest aber nicht von dem Bootleg BACK IN THE STREETS, oder?

Nein, das waren Aufnahmen aus den Tennessee Tonstudios, die von den Besitzern gestohlen wurden. Erst als wir mit Dokken berühmt wurden, haben sie diese Bootlegs veröffentlicht. Ich dachte mir, mein Gott, wie viel Geld wird man mit diesen windigen Demos schon verdienen. Es stellt sich 25 Jahre später heraus, dass sie fast eine Million Dollar damit gemacht haben.

Warum bist du damals von Los Angeles nach Deutschland gereist?

Man vergisst gerne, dass Ende der 70er in Hollywood nicht viel los war. Van Halen hatten einen Plattenvertrag bekommen und wir dachten: Jetzt kriegen wir alle einen! Doch plötzlich kamen Punk und die New Wave mit Kajagoogoo und Blondie daher und die Rockmusik war außen vor. Ich mochte diese Musik überhaupt nicht, ich hörte Saxon und Priest. Zufällig traf ich einen Typen, dem damals der größte Rockclub in Hamburg gehörte und er erzählte, dass Hard Rock in Deutschland gerade total angesagt war. Und dann holte er uns tatsächlich zu sich.

War die Szene dann auch wirklich gut dort?

Klar, da waren die Scorpions, Accept hatten gerade BALLS TO THE WALL herausgebracht, es gab einen Typen namens Roy Last, der eine coole Band hatte. Bei unserem zweiten Trip nach Deutschland spielten The Police in dem selben Club, kurz vor ihrem Durchbruch. Ich wollte mit ihnen quatschen, aber sie hatten keinen Bock auf uns. Vor allem der Schlagzeuger nicht. Sting war ganz cool drauf.

Ihr habt damals in einem verschimmelten Keller geprobt…

Wir hatten keine Kohle und übernachteten in Köln im Hotel Trost. Die Besitzerin war total süß und bot uns an den alten Bunker unter dem Hotel als Proberaum an. Dann wurden wir alle richtig krank, weil da unten alles schimmelte. Also zogen wir in eine zerbombte Kirche um. Zwar hatte die Löcher im Dach, es war aber trotzdem cool.

Wie fandest du die Deutschen so?

Deutsche sind ein bisschen ernst. Als ich Accept traf, waren sie nicht sehr gesprächig. Ich wollte rumhängen, sie lieber arbeiten. Perfektionistisch sind sie auch: Dieter Dierks hat mich damals gefühlt tausend Gesangsspuren einsingen lassen. Das war vor dem Alles-Zerstörer Autotune. Musikalisch und sexuell waren die Deutschen hingegen sehr offen. Wenn wir Mädchen im Club trafen, nahmen sie uns meist sofort mit. Einmal habe ich mich total verlaufen, weil ich am nächsten Tag selbst heimfinden musste und nur das Wort „Straße“ wusste. Ich dachte, wenn ich sage, ich muss in die „Straße“, dann finde ich schon nach Hause. (lacht) Damals habe ich gelernt: Nur mit Mädels mitgehen, wenn man ihre Autoschlüssel hat.

Wie geht es deiner Hand heute nach deiner Wirbelsäulen-OP ?

Nicht gut, ich kann sie seit meiner OP von 2019 nicht mehr bewegen. Das ist jetzt neun Monate her und ziemlich scheiße, mein halber Arm ist betroffen. Der Arzt hat den Eingriff versaut und jetzt ist es, als hätte ich einen Schlaganfall gehabt. Niemand weiß, ob es wieder besser wird. Naja, ich spiele seit 50 Jahren Gitarre, wenn es nicht mehr geht, dann ist es eben so. Ich kann immer noch singen und Songs schreiben, aber keine Gabel halten oder im Garten arbeiten. Schon deprimierend, aber ich versuche, optimistisch zu bleiben.

Arbeitest du an neuem Material?

Ich hoffe, dass wir die Tour von diesem Jahr einfach komplett auf 2021 verschieben können. Davor soll eine neue Platte rauskommen, wenn wir diese Apokalypse hier in Amerika überleben. Auch wenn ich die „Black Lives Matter“-Bewegung verstehe, ist alles so politisch korrekt geworden, dass ich beim Texten aufpassen muss. George Lynch ändert wegen des ganzen Drucks den Namen Lynch Mob. Seine Band heißt so wegen seines Nachnamens, das kann doch nicht sein…

Sind dann auch Deutschland-Termine geplant?

Ja klar. Wo lebst du eigentlich?

In München.

Ach, München. Bei meinem letzten Besuch habe ich dort das beste Wiener Schnitzel meines Lebens gegessen. Danach brachte man mir so einen warmen Apfel mit Zimt und Vanillesauce…

Bratapfel?

Ja, genau! Bratapfel, einfach großartig! Leider habe ich mir nicht gemerkt, wo das Restaurant war. Beim nächsten Mal muss ich es wiederfinden. Weißt du, so toure ich heute gerne: Mit vielen freien Tagen dazwischen, damit ich die Welt auch wirklich kennenlernen kann. Ich habe so viel Tour-Irrsinn hinter mir, ich habe mir das verdient.

Die fünf Gesichter von Deep Purple: Ian Paice

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2019 beendeten sie ihre „Long Goodbye“-Tournee. Doch ihre letzten drei Alben haben ihnen so viel neuen Schwung gegeben, dass die Mitglieder von Deep Purple vom Ruhestand nichts wissen wollen.

Deep Purple sind zu sehr Gentlemen, um sich in Diskussionen darüber zu verlieren, wer den Namen fand, doch wenn jemand das behaupten dürfte, dann Schlagzeuger Ian Paice. Er ist das einzige Mitglied, das auf sämtlichen Alben spielte, und stieß 1967 als milchgesichtiger 19-Jähriger zur Band. Auch er ruft aus Großbritannien an, verrät uns aber nicht, von wo genau. Die erzwungene Verschiebung sämtlicher Purple-Aktivitäten scheint auch ihn nicht allzu sehr aus der Fassung zu bringen. „Was auch immer wir für dieses Jahr geplant hatten, machen wir eben nächstes Jahr. Das Problem ist nur, dass das alle anderen auch tun werden. Das wird ziemlich eng.“

Für eine Band, die schon vor zwei Platten davon sprach, ihr letztes Album zu machen, klingt WHOOSH! ziemlich lebendig.
NOW WHAT?! war ein frischer Wind. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatten wir tatsächlich wieder Spaß im Studio. Es war außerdem erfrischend, Bob dort zu haben, der uns dazu brachte, eine Platte effektiv und schnell zu erschaffen. Ich verbrachte zehn Tage in Nashville und bin dann sofort wieder abgehauen. INFINITE entstand in sieben Tagen. Bei diesem Album war ich acht Tage vor Ort. Wenn man Alben
schnell macht, kommt in der Regel etwas Gutes dabei heraus. Wenn man dagegen ewig daran arbeitet, hat man am Ende etwas, das perfekt ist, aber nicht wirklich gut.

Habt ihr diesen Fehler in der Vergangenheit einmal gemacht?
Das kann passieren … Deep Purple sind wie ein Haufen Gefreite in einer Armee ohne Generäle. Alle laufen herum und machen, was sie wollen, aber nichts wird erledigt. Früher gab es fünf Leute, die die Regler hoch und runter schoben – „Mein Part ist wichtiger als deiner“. Mit Bob passiert das nicht. Wenn er sagt: „Wir haben den Take“, diskutiert man nicht mit ihm. Wir sind die Gefreiten, Bob ist der General.

Wenn jemand vorschlug, ein neues Album zu machen, dachtest du da jemals: „Oh nein, nicht schon wieder“?
Früher schon. Im Studio rumzuhängen und nichts zu tun, ist so demoralisierend. Vor allem, wenn man es sich dann anhört und es nicht besonders gut klingt. Ich denke, wir haben das alle eine sehr, sehr
lange Zeit nicht so sehr genossen wie jetzt.

Dieser Titel, WHOOSH! – hat sich so eure Karriere angefühlt? Sind die letzten mehr als 50 Jahre wie im Zeitraffer vergangen?
Im Privatleben schon. Was Familienangelegenheiten betrifft, ist die Zeit rasend schnell vergangen. Doch wenn es um die Band geht, nein. Ich kann mich an alles erinnern, an die guten und die schlechten Zeiten. Aber man kann den Titel auch anders betrachten: die Dinge, die wir in den letzten paar Monaten durchlebt haben, die Probleme, die wir auf dieser wundervollen kleinen Kugel erschaffen, auf der wir leben. Wir könnten hier ganz schnell wieder weg sein.

Es gibt tolle Texte auf dem Album. Bekommt Ian Gillan als Texter die Anerkennung, die er verdient hätte?
Wenn er nicht in diesem Genre arbeiten würde, hätte man ihm genauer zugehört. Doch das ändert nichts daran, dass es interessant und aufregend ist.

Purple hatten immer so viele Elemente in ihrem Sound: Rock, Jazz, R’n’B, Klassik. Frustriert es dich, dass manche Menschen nur die langen Haare und die Lautstärke sehen?
Nein, solange man es als Hardrock bezeichnet. Es störte uns, als man uns als Heavy Metal etikettierte, denn damit hatten wir nichts zu tun. Einiges von dem, was wir machten, hat zu dessen Entstehung beigetragen, und darauf bin ich ziemlich stolz, aber Purple waren nie eine Metal-Band. Wir hatten so viele Facetten. Vielleicht hat das unserem Erfolg geschadet.

Purple waren nie cool. Eure Fans lieben euch, aber die Allgemeinheit verehrt euch nicht so wie Zeppelin oder Sabbath. Stört dich das?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin froh, dass uns damals genug Leute mochten, um diesen Mythos und diese Langlebigkeit zu begründen, und dass es auch heute noch Leute gibt, die uns mögen. Man kann nicht etwas 50 Jahre lang machen, wenn man es nicht richtig macht.

Viele Fans würden immer noch gerne Ritchie Blackmore zur Band zurückkehren sehen. Wünscht du dir, dass sie damit endlich Ruhe geben würden?
Nein, denn Ritchie hat eine unglaublich loyale Fanbase, und viele von ihnen sind überzeugt davon, dass Ritchie der einzige Grund ist, dass Purple je Erfolg hatten. Aber die Sache ist nun mal die: Wir haben ihn nicht aus der Band geschmissen. Er beschloss, zu gehen und sein eigenes Ding zu machen. Eines seiner
Projekte, Rainbow, wurde enorm erfolgreich, und das gönne ich ihm voll und ganz. Und jetzt macht er etwas anderes, mit dem er hoffentlich glücklich ist.

Aber niemand wird jünger. Spürst du nie den Drang, ihn anzurufen und zu sagen: „Hast du Lust auf einen Plausch, um der alten Zeiten willen?“
Ritchie ist kein solcher Typ. Ich hatte in den letzten Jahrzehnten so wenig Kontakt mit ihm, dass ich nicht mal mehr wüsste, wo oder was er heute ist. Das Letzte, was ich von ihm bekam, war eine Weihnachtskarte vor etwa 20 Jahren. Ohne Absender oder irgendwas. Ich habe ihm nie den Rücken gekehrt, wir sprechen nur einfach nicht miteinander. Zwei verschiedene Menschen mit zwei verschiedenen Leben. Es würde mich sehr freuen, ihn zu treffen. Ich würde mich hinsetzen, was trinken
und über den guten Scheiß reden. Was bringt es, sich an den schlechten Scheiß zu erinnern?

Apropos guter Scheiß: Ist es wahr, dass ihr letztes Jahr nicht das 50. Jubiläum von Ians und Roger Glovers Bandeinstieg gefeiert habt?
Ich glaube, das haben wir alle vergessen. Wir haben uns nicht mal auf einen Drink getroffen. Hoffentlich können wir das zum 60. nachholen.

Denkst du, ihr schafft das?
Ich bezweifle es, aber man kann nie wissen.

Text: Daryl Easlea

Judas Priest: Live in München (Zenith, 27.06.)

Priest! Priest! Priest!

Nach einem stimmungsmachenden Warm-Up durch die Dead Daisies mit („neuem“) Frontmann Glenn Hughes kommen Judas Priest nach einer halbstündigen Umbaupause auf die Bühne des Zenith. Die Halle ist gut gefüllt, die Temperaturen auch ohne das heiße musikalische Eisen namens Priest schon an der Toleranzgrenze.

Nach einer kurzen Einstimmung mit ›War Pigs‹ von ihren Birmingham-Kollegen Black Sabbath, erhebt sich das riesige und dramatisch rot erleuchtete Priest-Kreuz in die Lüfte über der Bühne und schwebt bedrohlich über der Band, die den Abend mit ›One Shot At Glory‹ eröffnet.

Rob Halford, der mit zunehmendem Alter, seiner Glatze und den spitzen Ohren immer mehr aussieht wie eine sehr verwegene Version von Engywuck aus der Unendlichen Geschichte, erscheint standesgemäß oben ohne, mit tätowierter Plauze und schwerem Ledermantel, dessen Rückseite der prominente Schriftzug „Heavy Metal“ ziert. Gemeinsam mit seinen Kollegen, dem erst kürzlich am Herzen operierten Gitarrenhelden Richie Faulkner, dem für Glenn Tipton eingesprungenen Andy Sneap, Scott Travis an den Drums und Ian Hill am Bass, pflügt der „Metal God“ durch das letzte Jahrhundert an Hits (ohne jedoch ›Metal Gods‹ anzustimmen) und erreicht auch mit knapp 71 Jahren noch schwindelerregende Gesangshöhen, auch wenn manche Betonungen und Sprachrhythmen, z.B. bei der Bridge von ›You’ve Got Another Thing Coming‹, etwas eigentümlich wirken.

Halford spricht nicht viel mit dem Publikum, stimmt aber einige „Yeah-Yeah“-Call-and-Response-Geplänkel mit seinen ergebenen Kuttenjüngern und Jüngerinnen an. Zwischendurch werden auf der mit passenden Visuals bespielten Leinwand immer wieder Videoschnipsel und Fotos von Glenn Tipton gezeigt, der aufgrund seiner Parkison-Erkrankung nicht mehr Teil der Band sein kann.

Pünktlich zu ›Hell Bent For Leather‹ kommt Halford dann endlich auf seinem Motorrad auf die Bühne gefahren und beglückt das Publikum mit nackten Hinterteil, das die Lederchaps halbwegs in Form halten. Ein für manche Zuschauer*innen wohl etwas gewöhnungsbedürftiger Anblick, der Großteil der Fans weiß jedoch um Halfords berühmte Po-Parade bei diesem Song und skandiert weiterhin unbeirrt und lauthals „Priest! Priest! Priest!“. Nach den letzten Nummern ›Breaking The Law‹ und ›Living After Midnight‹ hat der Metalzauber dann auch ein Ende, was einerseits schade ist, da Hits wie eben beispielsweise ›Metal Gods‹ keinen Platz in der Setlist fanden, andererseits aber aufgrund des nicht mehr vorhandenen Sauerstoffes im vorderen Drittel des Zeniths hinnehmbar war. Der Sound war leider wie sooft in dieser Location vor allem ab der Mitte zunehmend Hall-geschwängert und etwas undifferenziert, der bombastischen Stimmung an jenem Sommermontag in München tat dies jedoch keinen Abbruch.

Unser Fotograf Markus Werner war vor Ort und hat die Show für visuell festgehalten:

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Scotty Moore: Rest In Peace

scotty mooreScotty Moore, der erste Gitarrist von Elvis Presley und Vorbild von Keith Richards und George Harrison, ist heute vor sechs Jahren verstorben.

Scotty Moore starb im Alter von 84 Jahren in Nashville. Bekannt wurde der Gitarrist durch seine Arbeit mit Elvis Presley. Die beiden trafen sich 1954 in den mythischen Sun-Studios in Memphis, wo sie unter der Regie von Produzent Sam Phillips ›That’s All Right‹ aufnahmen.

In der Folge spielte Moore auf Hits wie ›Heartbreak Hotel‹, ›Jailhouse Rock‹ oder ›Hound Dog‹ und trug mit seinem Gitarrensound zum Aufstieg des Rock’n’Roll in den 50ern bei. Moore begleitete Elvis auch zu Konzerten, Fernsehshows und war in Filmen an der Seite seines berühmten Sängers zu sehen. Zum letzten Mal traten die beiden bei Elvis‘ legendärem TV-Comeback-Special 1968 gemeinsam auf.

Später arbeitete Moore als Musiker und Produzent mit Künstlern wie Ringo Starr, Dolly Parton, Ron Wood und Jerry Lee Lewis zusammen. 2000 wurde er in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen, er gilt als Vorbild zahlreicher Gitarristen, darunter George Harrison und Jeff Beck.

Keith Richards sagte einmal: „Als ich ›Heartbreak Hotel‹ hörte, wusste ich, was ich mit meinem Leben anfangen wollte… Alles, was ich mir wünschte, war, so spielen zu können und so zu klingen. Jeder wollte sein wie Elvis, ich wollte Scotty sein.“ Sein Biograf James L. Dickerson nannte Moore gegenüber „Billboard“ einen der „Miterfinder des Rock’n’Roll“.

Hier seht ihr Elvis und Scotty Moore bei einer Performance von ›Hound Dog‹ im Jahr 1956:

Elvis und Band, darunter Scotty Moore, mit ›Heartbreak Hotel‹ im TV-Special von 1968:

Junkyard Drive: Neue, alte Einflüsse

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Die Dänen Junkyard Drive lieben deftigen Rock. Das ist ELECTRIC LOVE, dem neuen, dritten Album der Burschen aus – na klar! – Roskilde sofort anzuhören. Ebenfalls wird aber auch offenbar, dass Musikliebhaber, die die 2014 gegründete Gruppe bisher einzig in eine Schublade mit der Aufschrift „Glam-Metal-Epigonen“ steckten, nun umdenken müssen.

„Der große Unterschied zwischen ELECTRIC LOVE und seinen beiden Vorgängern sind die Acts und die Sounds, die uns dieses Mal beim Schreiben am stärksten beeinflusst haben“, erklärt Sjus, seines Zeichens Bassist und obwohl erst 2019 zur Band gestoßen bereits eines der beiden Sprachrohre von Junkyard Drive. „Wir haben den 80er-Jahre-Party-Metal bis zu einem gewissen Grad hinter uns gelassen“, sagt Frontmann Kristian Johansen. „Natürlich wird man dem einen oder anderen Track, wie etwa dem Opener ›Let It Burn‹, weiterhin anhören, dass wir auf Mötley Crüe, Guns N’ Roses, L.A. Guns & Co. stehen. Während dieses Songwriting-Prozesses haben wir uns aber hauptsächlich an dem doch um einiges tiefsinnigeren 70s-Stoff orientiert, mit dem wir anhand der Plattensammlungen unserer Eltern aufgewachsen sind. Ich rede von Deep Purple, Led Zeppelin, Free und so weiter. Diese Legenden waren damals der Grund, weshalb ich und auch die anderen Jungs uns überhaupt in Rock und Hardrock verliebt haben.“

Der besagte Songwriting-Prozess dauerte für die Band diesmal außergewöhnlich lange. Die brauchbaren Einfälle brachen nicht wie bei den frühen Scheiben schwall-ähnlich über die Musiker hinein. „Ganz im Gegenteil“, lacht Kristian. „Sie tröpfelten eher. Mit der Hymne ›Home‹ haben wir etwa einen Titel dabei, der schon 2019 entstanden ist.“ „Sicher waren die Pandemie und ihre Beschränkungen in Bezug auf gemeinsames Jammen im Proberaum ein Faktor“, glaubt Sjus, bevor ihm Kristian den zweiten Teil der Antwort abnimmt: „Der Hauptgrund dürfte aber sein, dass wir im Laufe der Zeit reifer und anspruchsvoller gegenüber unserer eigenen Arbeit geworden sind.“ Ein wichtiger Teil dieses Jobs ist Junkyard Drives Stammproduzent Søren Andersen, der lange als Gitarrist mit Weltstars wie Glenn Hughes oder dem ehemaligen White-Lion-Frontmann Mike Tramp gespielt hat. Für D-A-D, Pretty Maids sowie die US – Supergroup The Dead Daisies war er dagegen im Studio-Einsatz. „Søren ist von Beginn an eingebunden. Man könnte sagen, dass er im Rahmen der Entstehung einer Platte zu einem zusätzlichen Bandmitglied wird“, sagt der Sänger.

„Natürlich stammen die ursprünglichen Ideen von uns selbst. Aber wir schicken ihm immer gleich unsere Entwürfe. Er weiß genau, wie wir ticken, wohin wir künstlerisch wollen und hilft uns dann, den Weg dorthin zu finden. Søren hat ein enormes Maß an Erfahrung und ist zudem am Mischpult ein absolutes Ass.“ „Weshalb wir schön blöd wären, ihm nicht zumindest zuzuhören, wenn er Vorschläge bringt, wie wir individuell oder als Kollektiv besser performen beziehungsweise unsere Lieder noch schlag- kräftiger machen können“, findet Sjus. Eine sehr gesunde Einstellung, die bei ELECTRIC LOVE zu einem mehr als erfreulichen Ergebnis geführt hat.

Dave Grohl: Gastauftritt bei Show von Paul McCartney

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Am 25. Juni erschien Dave Grohl auf der Bühne des Glastonbury Festivals, um zusammen mit Paul McCartney dessen Songs ›I Saw Her Standing There‹ und ›Band On The Run‹ zu spielen. Das kurze Intermezzo war der erste öffentliche Auftritt des Foo-Fighters-Chefs nach dem Tod seines Freundes und Schlagzeugers Taylor Hawkins im März dieses Jahres.