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Video der Woche: Slade mit ›Take Me Bak ‚Ome‹

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Don Powell wird heute 76 Jahre alt. Zum Geburtstag des Schlagzeugers von Slade blicken wir auf deren güldene Zeiten in den frühen 70er Jahren zurück und bestaunen die bunte Truppe, wie sie im Fernsehen ihren Song ›Take Me Bak ‚Ome‹ performen.

Während der Show hat jeder der vier Slade-Mitglieder eine Doppelgängerin in gleichem Outfit an seiner Seite. Auch Don Powell, der Kaugummi-kauend und in Glitzer-Jacket hinter den Drums sitzt. Glam-Flair pur!

Steamhammer: Neufassung von ›Junior’s Wailing‹

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„Nahezu 50 Jahre lang hat man kaum etwas von den legendären Steamhammer gehört. Die britische Bluesrock-Band existierte von 1968 bis 1973, nahm lediglich vier Studioalben auf, erfreute sich aber speziell in Deutschland großer Popularität. Jetzt plötzlich gibt es fast zeitgleich zwei neue Veröffentlichungen: eine mit antiquarischen Konzertmitschnitten aus den frühen 70ern, die andere mit einer nagelneuen Studioproduktion. Beide hörenswert!“ (Matthias Mineur)

Die neue 2022-er Fassung des Steamhammer-Songs ›Junior’s Wailing‹ (den Status Quo in den 70er Jahren coverten) ist die erste Singleauskopplung aus dem neuen Steamhammer Album WAILING AGAIN, das am 30. September erscheint..

The Afghan Whigs: HOW DO YOU BURN?

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Dunkle Melancholie

Seit ihrer Gründung 1986 in Cincinnati ließen sich die Herren um Mastermind Greg Dulli nur ungern in die Grunge-Schublade stecken, traten sie doch lieber in Anzügen als in zerfetzten Jeans auf und schütteten über ihre Zuhörer ein Füllhorn an Einflüssen von Hüsker Dü bis zu Soul aus. HOW DO YOU BURN? trägt den Stempel von Freund und Leidensmann Mark Lanegan, dessen Leben dieses Jahr so tragisch endete und dessen unverkennbare Stimme wir hier ein letztes Mal im Background hören. So zieht sich eine dunkle Grundmelancholie durch das ganze Album. Während der kraftvolle Opener ›I’ll Make You See God‹ nach vorne prescht, mitreißt und mit seinem Furor an ihr eigenes Frühwerk oder auch die frühen Queens of the Stone Age denken lässt, gehen die übrigen Songs deutlich in eine andere Richtung. Die Vorabsingle, bei der Dullis Piano von Streicher Rick Nelson untermalt wird, oder das hymnische ›Take You There‹, bei dem Gastsänger und Multitalent Van Hunt sich mit Greg Dulli ein stimmgewaltiges Duett liefert, sind dicht gepackte Meisterwerke voller Leidenschaft, die trotzdem nie überladen wirken. Und wenn Dulli und seine Männer bei ›Jyia‹ aus der Stille einen Tornado entfachen bleibt sowieso nur die Kapitulation. Grandios! (Tobias Wullert)

9 von 19 Punkten

The Afghan Whigs
HOW DO YOU BURN?
ROYAL CREAM/BMG ADA/WARNER

The Afghan Whigs How Do You Burn

Nickelback: Neues Album GET ROLLIN‘ erscheint im November

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Am 18. November veröffentlichen Nickelback ihr neues Album GET ROLLIN. Als Vorgeschmack haben die kanadischen Mainstream-Rocker nun die Single ›San Quentin‹ inklusive Lyric-Video ausgekoppelt.

„Wir haben die letzten Jahre damit verbracht, eine Platte in einem Tempo zu machen, das uns ermöglicht hat, etwas in völliger Freiheit zu erschaffen. Und wir können es kaum erwarten, dass jeder diese neue Musik hört. Wir haben die Fans vermisst und freuen uns darauf, die neuen Songs auf der Bühne zum Leben zu erwecken, so let’s GET ROLLING‘!“, so Nickelback über ihr zehntes Studioalbum.

Monster Truck: WARRIORS

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Knackige Kraftmeierei!

Gutes Timing, denn kurz vor Veröffentlichung ihres vierten Albums machten die Kanadier mit einem neuen Video eines alten Songs Schlagzeilen: ›Don’t Tell Me How To Live‹ sorgte mit der Teilnahme des erzkon-
servativen Kid Rock und einigen optischen Breitseiten gegen Wokeness und Cancel Culture besonders bei Landsmann Danko Jones für Schnappatmung. Dabei sind Monster Truck alles andere als politisch. Die vier Barträger wollen nur spielen. Und das machen sie auf WARRIORS ausge- sprochen gut: Die Bässe pumpen wieder mit Verve, die Drums treiben den Hörer vor sich her. Obwohl sich noch mehr Stadionchöre als auf dem Vorgänger TRUE ROCKERS (2018) eingeschlichen haben (z. B. auf ›I Got A Feelin’‹), schlittern Monster Truck auf fast keinem der zehn Songs in die Peinlichkeitsfalle.

Das hier ist Kraftmeierei auf hohem Niveau, mal augenzwinkernd wie im Titeltrack, dann wieder post-sexistisch wie in ›Golden Woman‹. Selbst einen schwermetallischen Ausflug ins ›Country Livin’‹ wagen sie selbstbewusst, nach dem Motto der Songs ›Live Free‹ und ›Wild Man‹. Mit knapp 33 Minuten ein knackiges Statement der Heavy Rocker, das gerne länger hätte ausfallen können.

8 von 10 Punkten

Monster Truck
WARRIORS
BMG RIGHTS MANAGEMENT/WARNER

Monster Truck Warriors

Ozzy Osbourne: PATIENT NUMBER 9

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Diagnose: beste Vitalzeichen!

In den letzten Jahren gab es allerlei schlechte Nachrichten aus dem Hause Osbourne: Dauerhafte Beschwerden im Hals- und Rückenbereich, die Ozzy zunehmend Probleme beim Laufen bereiteten, waren die Nachwirkungen
des Quadunfalls von 2003. Dazu kamen eine Corona-Erkrankung, ein Treppensturz und nicht zuletzt die Bekanntmachung seiner Parkinson- Erkrankung Anfang 2020 sowie die aus all dem resultierenden Tourabsagen. Es war mit vielem zu rechnen, aber nicht mit der Meldung: „Neues Album erscheint im September“. Passenderweise für den Rekonvaleszenten PATIENT NUMBER 9 betitelt. Eine überraschende News auch deshalb, denn zwischen SCREAM und ORDINARY MAN (2020) lagen immerhin zehn Jahre, nun sind es derer lediglich zwei, trotz aller Gebrechen und Unpässlichkeiten. Der Titelsong, eine über siebenminütige Nummer über einen Patienten in einer Nervenheilanstalt, wurde zusammen mit Jeff Beck aufgenommen. Ob und wann Ozzy selbst der Protagonist, also Patient Nr. 9 war, darüber lässt sich nur spekulieren. Musikalisch lässt der Song keine Wünsche offen, die 80er-Jahre (und teils früher) winken nostalgisch aus den Boxen. Mit dem Opener wurden die Erwartungen an Soloalbum Nummer 13 mit seinen 13 Tracks so hoch- wie die Stifte in Nacken und Rücken Ozzys nun wieder festgeschraubt sind. Der zweite vorab veröffentlichte Track, ›Destination Rules‹, fegt einem wie zu besten Sabbath-Zeiten um die Ohren. Kein Wunder, denn es sind immerhin 50% der Band involviert: Tony Iommi ist erstmals auf einem Ozzy-Soloalbum zu hören und glänzt noch auf einem weiteren Titel: ›No Escape From Now‹, bei dem ein kleiner Gang runtergeschaltet wird.

Auf ›Mr Darkness laden Ozzy, Zakk Wylde und der kürzlich verstorbene Taylor Hawkins zu einer wilden Achterbahnfahrt ein: Die vermeintliche Ballade wird ganz schön biestig und flitzt, von Zakk getrieben, ab, findet sich aber schon zur nächsten Strophe in ruhigerem Gewässer wieder, ehe der Ritt von vorne losgeht und in einem „wylden“ Gitarrensolo endet. Ein weiteres Highlight ist ›Dead And Gone‹, fast eine Radionummer, auf der besonders die Rhythmussektion mit Bassist Robert Trujillo (Metallica) und Chad Smith (Red Hot Chili Peppers) an den Drums glänzt. Dazu wird noch ein ganzes Orchester aufgefahren, das ebenfalls beim eingängigen Midtempo-Track ›A Thousand Shades‹ zusammen mit Jeff Beck am Start ist. Auf ›One Of Those Days‹ mit seinem sehr eingängigen Refrain glänzt unverkennbar Eric Clapton an den Saiten. Weitere Gäste, die sich die Studio-Türklinke in die Hand gaben: Mike McCready (Pearl Jam), Duff McKagan (Guns N’ Roses) und Chris Chaney (Jane’s Addiction). Natürlich ist hier noch die Rückkehr des schon erwähnten langjährigen Weggefährten Zakk Wylde zu betonen, der auf annähernd allen Songs dabei ist. Produziert wurde das Album wie schon der Vorgänger von Andrew Watt, der sich nicht nur als Background-Sänger nützlich machte, sondern noch abwechselnd Gitarre, Bass, Piano oder Keyboards beisteuerte. Rock-and-Roll-Hall-of-Fame-Member Ozzy Osbourne liefert ein hartes, aber wie so oft auch melodiöses Album ab und hat dafür einige der besten Musiker, die auf dem Rockplaneten aktiv sind, gewinnen können. Ein weiterer Meilenstein in seiner Diskografie!

9 von 10 Punkten

Ozzy Osbourne
PATIENT NUMBER 9
SONY

In der neuen Ausgabe von CLASSIC ROCK lest ihr alles über die Entstehungsgeschichte von Black Sabbaths VOL. 4 –– jetzt hier vorbestellen.

Midland: Eine Zeitreise mit Panzertape

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Mit THE LAST RESORT: GREETINGS FROM liefern Midland erneut ein tadelloses und aus der Reihe tanzendes Neon-Country-Album ab. CLASSIC ROCK sprach mit Bassist, Sänger, Komponist und Videoregisseur Cameron Duddy über alte Inspirationsquellen, neue Einflüsse und ein ausgeklügeltes Konzept.

Cameron, hat die Kreativphase von THE LAST RESORT: GREETINGS FROM direkt nach dem pandemiebedingten Stop der Tour zu LET IT ROLL (2019) begonnen?
Die damalige Situation hat sich nicht nur wie das Ende dieser Konzertreise, sondern wie das Ende unseres gewohnten Lebens angefühlt. Wir haben nach einer Weile nicht mehr abschätzen können, ob wir jemals wieder gemeinsam als Midland auf einer Bühne stehen werden. In solchen unabwägbaren Momenten reflektiert man automatisch die Vergangenheit und lässt Gutes wie Schlechtes Revue passieren. Uns wurde dabei schnell klar, dass wir in den vier Jahren vor der Pandemie eine Menge in unserer Karriere erreicht hatten. Nach dieser Erkenntnis ist postwendend die DemotapeCompilation THE SONIC RANCH (2021) zusammengestellt worden. Parallel dazu haben Mark (Wystrach, Gesang, Gitarre), Jess (Carson, Gitarre, Gesang) und ich den Kickoff der Sessions zu THE LAST RESORT: GREETINGS FROM eingeleitet.

Gibt es zwischen THE SONIC RANCH und THE LAST RESORT: GREETINGS FROM einen Synergieeffekt?
Auf jeden Fall. Das Material von THE SONIC RANCH stammt aus der Zeit, als wir drei einfach Lieder untereinander ausgetauscht und noch nicht an eine gemeinsame Band gedacht haben. Kurzum sind wir damals
ausschließlich zum Spaß und ohne ein größeres Ziel ins Studio gegangen. Dabei ist viel Videomaterial entstanden, mit dem CMT (Country Music Television) eine klasse Doku über unsere PreMidland Karriere
geschnitten haben. Wenn du derart mit deinen Wurzeln konfrontiert wirst, beeinflusst das ohne jeden Zweifel dein Songwriting.

Zusätzlich habt ihr auf THE LAST RESORT: GREETINGS FROM euer „Neon-Country-Universum“ für frühen 70er-Jahre-Country und sogar moderne Nashville-Sounds geöffnet.
Ich kann diesen Aspekt am besten so beschreiben: Jeder besitzt ein Lieblings T-Shirt. Manchmal ist es aber super cool, wenn du einen Anzug anziehst oder dein favorisiertes Outfit mit ein paar aus der Reihe tanzenden Accessoires aufpeppst. Ich denke, dass diese kleinen Experimente eine schöne Frische zu unseren bekannten Markenzeichen hinzugefügt haben.

Den Großteil von THE LAST RESORT: GREETINGS FROM habt ihr wieder im Team mit Shane McAnally (Nashville-Hitsongwriter) und Josh Osborne von The Osborne Brothers komponiert.
Jedes Stück von uns beginnt mit einem Songtitel, den einer den anderen vorstellt. Da wir inzwischen in dieser Konstellation richtig gut einge spielt sind, hatten Shane, Josh, Mark, Jess und ich quasi im Handumdre
hen 15 Lieder auf der Habenseite. Sechs davon gibt es auf der LP zu hören.

Midland ist ein ausgeklügeltes 360-Grad-Kunstwerk. Angefangen bei eurem Logo, über die Artworks, die Liveshows oder die von dir als Regisseur gedrehten Musikvideos.
Genau das ist der Trick. Als Erstes braucht es natürlich ein absolut solides musikalisches Fundament, um das man dann ein Image aufbaut. Egal welches Puzzleteilchen wir uns von Midland hernehmen, es ist nicht über Nacht, sondern in einer langen Entwicklungsphase entstanden. Manchmal ist die Zeit jedoch knapp und du musst im Hintergrund etwas mit „Panzertape“ arbeiten, damit es perfekt aussieht … so funktioniert Showbiz.

The Who: Kauf mich!

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Ein Pop-Art-Album voller großartiger Musik, durchsetzt mit Werbespots und Jingles wie im Radio, verpackt in einer
legendären Hülle – Pete Townshend und Roger Daltrey
erzählen die Geschichte von THE WHO SELL OUT.

Inspiration kann viele Gestalten annehmen, doch kaum etwas beflügelt die Kreativität so sehr wie ein bedrohlich näher rücken der Abgabetermin. Man muss nur The Who fragen. Mitte September 1967 kehrten sie von einer ausgedehnten USA-Tournee zurück, eine Ochsentour, der ein brandheißer Auftritt beim ersten Monterey Pop Festival vorangegangen war, bei dem sie, ihre Instrumente zertrümmernd, das Publikum mit offenen Kinnladen zurückgelassen hatten. Zu Hause gewährte man ihnen jedoch keinerlei Pause, sondern teilte ihnen sehr bald mit, dass an Weihnachten neue Who-Musik in den Läden erwartet wurde. „Das war eine Überraschung, und zwar aus mehr als einem Grund“, sinniert Gitarrist und Chefsongwriter Pete Townshend. „Einer war, dass unsere Manager, Kit Lambert und Chris Stamp, gerade in beträchtlichem Maße von The Who abgelenkt waren, weil sie das Label Track Records leiteten, wo Marc Bolan und Jimi Hendrix unter Vertrag waren. Und es gab Verpflichtungen gegenüber Polydor, dem Mutterkonzern. Sie brauchten einfach ein Who-Album und wir hatten keines im Kasten, weil wir so hart gearbeitet hatten. Wir waren an allen möglichen Orten gewesen, unglaublich beschäftigt. Und obwohl ich viel Material hatte, fand ich nicht, dass das meiste davon sich für The Who eignete. Also dachte ich: ‚Oh Gott, wie kann ich das retten?‘ Eine riesige Panik stieg in mir auf.“

Sie hatten schon eine kleine Handvoll einzelner Songs aufgenommen, wenn sie während der seltenen Pausen auf der Tournee Zeit hatten, in diverse Studios in den USA zu gehen. ›Relax‹, ›Rael‹, ›I Can See For Miles‹. Townshend hatte auch schon die Grundgerüste weiterer, gleichsam unzusammenhängender Ideen. Aber die Lösung für das unmittelbare Problem der Band kam in Form eines genial einfachen Stilmittels, das diese Songs als ein Gesamt-Statement verbinden würde: der Werbe Jingle. Das neue Album begann, in den De Lane Lea
Studios in London Gestalt anzunehmen. The Who erschufen Werbespot-Fakes für Radio London, Premier Drums und Rotosound Strings, aufgenommen im forschen Werbesprech-Stil der Piratensender der 60er. Bassist John Entwistle kreierte die lustigen, eine Minute langen Oden an Heinz Baked Beans und Medac-Pickelcreme, Townshend brachte den Song ›Odorono‹ ein, in dem es oberflächlich um ein Deodorant ging. „Ich denke, die Idee mit den Werbespots war mir schon im Kopf herumgegeistert“, erinnert er sich. „Ich hatte schon zwei Songs für Kit Lambert für die American Cancer Society geschrieben – ›Little Billy‹ und ›Kids! Do You Want Kids?‹ –, und ich hatte ›Odorono‹ über ein Mädchen, das seinen Plattenvertrag verliert. Das war nicht als Werbespot gedacht, sondern einfach nur ein Song über Körpergeruch. Solche Sachen schrieb ich damals, völlig chaotisch. Und es kam beim Brainstorming einfach auf. Kit Lambert brachte es dann auf die Reihe und ließ die eine Hälfte des Albums klingen, als würde man einen Piratensender hören. Für mich war das die Rettung.“

https://youtube.com/watch?v=-rSvyOcAB24


Die Platte, bald als THE WHO SELL OUT betitelt, erwies sich auch als sehr passend für das Zeit geschehen. Im August 1967 hatte die britische Regierung den Marine Broadcasting Offences Act verabschiedet, der Piratensender im Vereinigten Königreich für illegal erklärte. Diese Offshore Sender waren in den Jahren zuvor
ein Rettungsanker für Popmusikfans gewesen und hatten Bands und Künstler wie auch The Who wertvolles Airplay beschert. Die BBC versuchte dann, dieses Publikum mit dem eigenen Popsender Radio 1 zu ködern, was man als ziemlich zynisch empfinden konnte. THE WHO SELL OUT war mutig und genial, sowohl ein Abschiedsgruß an eine verlorene Kunstform als auch eine satirische Betrachtung des Konsums in den 60ern. „Es war im Wesentlichen ein Tribut an diese Schiffe, die all diese wunderbare Musik ausstrahlten“, sagt Frontmann Roger Daltrey. „Wir waren die fünf Jahre davor mit Piratensendern groß geworden. Zum ersten
Mal überhaupt hatten wir DJs, diese Rebellen, die einfach so glücklich waren, die Musik zu spielen, die sie liebten. Das war wirklich etwas Besonderes. Auch wenn wir nur eine Band sind, die die ganze Musik spielt, klingt das Album genau wie eine Sendung auf einem dieser Sender mit all den Jingles. Für mich klingt es
immer noch viel besser als das Radio von heute. Es ist eines meiner Lieblings alben von The Who.“

THE WHO SELL OUT schließt sich sicherlich keinem Trend an. Psychedelisch ist es nur in den rauschenden Farben der Songs, die sich eher wie ein Zusammenfluss von Townshends Liebe zu Pop Art, englischer Barockmusik und windmühlenhaftem Rock’n’Roll anfühlen. Viele der Arrangements und Akkordstrukturen zeigen zudem ein weitaus höheres Maß an Komplexität. Das Highlight ist ›I Can See For Miles‹, ein schwelender Kracher von einem Song voller Paranoia. Im Mai 1967, während der Promotion zu ›Pictures Of Lily‹, hatte Townshend den Sound von The Who als „Power Pop“ bezeichnet. Der Begriff wurde später zum Namen eines ganzen Genres. „Ich denke, es geht darum, Popsongs zu schreiben, die etwas mehr hergeben als die üblichen Themen“, sinniert er heute. „Power Pop war einfach der Versuch, zu sagen: ‚Hört mal, Leute, in Popsongs wird es nicht mehr nur noch um dieselben Sachen wie sonst immer gehen. Sie werden Kraft und Energie haben, Farbe und Humor. Und sie werden wichtiger sein und viel betonter. Frecher, vielleicht gefährlicher‘. In gewisser Hinsicht war das Power-Pop-Ding damals, ’67, die Anerkennung, dass die Funktion des Popsongs sich verändert hatte.“ Ein weiterer Schlüsseltrack war ›Tattoo‹, dessen vage scherzhafter Text
einen tieferen Diskurs über das Konzept der Männlichkeit verbirgt. Ein Klassiker im Stil früherer Singles wie ›Pictures Of Lily‹ und ›I’m A Boy‹, die sich beide mit einem ähnlichen Thema befasst hatten. Townshend erklärt, dass Letzteres, erschienen im August 1966, zu einer Zeit kam, als „Homosexualität in Großbritannien immer noch illegal war, diese Abenteuer mussten also in Vignetten aus Humor und Ironie versteckt werden“. Was seine eigenen Vorlieben betrifft, fügt er hinzu, dass er damals wahrscheinch pansexuell war. „Ich denke, ich war bereit, mit jeder Person ins Bett zu gehen, die mich wollte.“

THE WHO SELL OUT ohne jeden Zweifel ein Meisterwerk. Es erschien am 15. Dezember 1967 und wurde umgehend mit THEIR SATANIC MAJESTIES REQUEST von den Rolling Stones verglichen, das eine Woche zuvor veröffentlicht worden war. Doch es war Lichtjahre entfernt von des sen gekünstelter Psychedelik. The Who
widersetzten sich den Erwartungen, ohne ihre Identität zu opfern. Von den Stones konnte man das nicht behaupten. Selbst die Verpackung der Who-Platte war weit überlegen. Auf dem Cover von THEIR SATANIC MAJESTIES REQUEST stierten die Stones in lächerlichen Hüten missmutig vor einem schrillen 3D-Hintergrund. The Who akzentuierten dagegen die Pop-Art-Elemente der Musik, indem sie bei Art Director David King und Designer Roger Law (die beide für die Sunday Times arbeiteten) ein Artwork in Auftrag gaben, das zur Ikone wurde. (Text: Neil Griffith, Ken Sharp)