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Start Blog Seite 188

Rückblende: Marshall Tucker Band mit ›Can’t You See‹

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Die Single musste zweimal veröffentlicht werden, um die
schwindelerregende Höhe von Platz 75 der US-Charts zu erreichen. Doch die Langlebigkeit und der Einfluss von ›Can’t You See‹ haben jegliche Enttäuschung über diese kommerzielle Bruchlandung bei Weitem aufgewogen.

Es sind fast genau 50 Jahre vergangen, aber Doug Gray erinnert sich noch an den Tag, als sein Bandkollege, Gitarrist Toy Caldwell, bei einer Probe in ihrer Heimatstadt Spartanburg, South Carolina, eine neue Komposition namens ›Can’t You See‹ vorstellte. „Toy kam rein und sagte: ‚Ich will, dass ihr diesen Song hört, an dem ich gearbeitet habe. Ich habe eine tolle erste Strophe.‘“, erzählt der Sänger nostalgisch. „Ich musste die zweite Strophe auf einem Stück braunem Papier aufschreiben, weil Toy sich nicht daran erinnern konnte. Dieses Stück Papier habe ich tatsächlich immer noch.“ Caldwells erstes Arrangement war ziemlich primitiv. Nachdem die Band beschlossen hatte, dass ein Flötenintro genau das Richtige dafür wäre, war ihr begnadeter Multiinstrumentalist Jerry Eubanks gefordert. Die Flöte findet im Southern Rock eher selten Verwendung, Eubanks’ wunderbar sommerliches Solo erinnerte an eine Lerche und wurde zum Erkennungsmerkmal des Songs. „Wir wussten, dass wir keinen gewöhnlichen Gitarren- oder Klavierpart wollten. Um es einzigartig zu machen, baten wir also unseren Kumpel Jerry und er ließ sich etwas einfallen, das passte“, erklärt Gray. Er hätte sein Recht als Leadsänger geltend machen können, doch als das Quintett in den Capri corn Sound Studios in Macon, Georgia, ankam, um mit Produzent Paul Hornsby zu arbeiten, schlug Gray vor, der Komponist des Songs, Caldwell, solle ihn an seiner Stelle auch singen. „Das Stück eignete sich besser für eine rauere Stimme als meine. Ich wusste sofort, dass es nicht mir [als Sänger] gehörte, sondern Amerika. Es gehörte dem Universum.“

Caldwell war jedoch andererMeinung. Gray machte mehr als deutlich, dass er den Song aussetzen wollte, doch Caldwell bestand darauf, ihn aus der Kehle des Frontmanns zu hören. „Ich machte es ein paar Mal und sang absichtlich schlecht“, lacht Gray. „Also gaben wir es wieder Toy und er sang es in zehn Minuten ein, viel besser, als ich es je gekonnt hätte. Er sang, als würde er Zeugnis ablegen. Und jetzt, wo es ein universeller Song geworden ist, fordere ich immer das Publikum – das aus Menschen im Alter von zehn Jahren bis zu Menschen, die älter als ich sind, besteht, und ich bin jetzt 74 – auf, die erste Strophe zu singen. Und sie legen alle Zeugnis ab. Gerade erst gestern sang ich das Stück in North Carolina, und am Tag davor in Nevada, aber wir hatten keine Ahnung, dass es so beliebt werden würde. ›Can’t You See‹ wurde in Pubs, Clubs und auf Bühnen rund um den Globus gehört.“ Mit textlichen Bezügen auf die Fahrt in einem Güterzug malt ›Can’t You See‹ ein lebendiges Bild der Südstaaten, doch mit Zeilen wie „find me a hole in the wall“ und „crawl inside and die“ hat es auch eine düstere Note. Es ist ein Song voller Kontraste. „Das ist es wirklich“, stimmt Gray zu. „Uns wurde erst vor fünf Jahren klar, dass unsere Albentitel ab dem zweiten sich alle auf einander [und auf Eskapismus im Allgemeinen] beziehen, von A NEW LIFE [1974] und SEARCHING FOR A RAINBOW [1975] bis zu unserer bislang letzten Platte [THE NEXT ADVENTURE, 2007]. Das war nicht beabsichtigt, es passierte einfach so.“ Das selbstbetitelte Debüt der Marshall Tucker Band erreichte die Top 30 der US-Charts, doch als ›Can’t You See‹ als Single veröffentlicht wurde, schaffte es keine höhere Platzierung als 108. Später versuchte es Capricorn noch mal, aber das Ergebnis fiel mit Platz 75 nur unwesentlich besser aus. Ein Bestseller wurde der Song also nie, doch er hat sich als sehr langlebig erwiesen und wird heute sehr geschätzt. „Das ist wahr, und ich weiß nicht, warum“, so Gray. Dass die Band in jenem Jahrzehnt mit ›Fire On The Mountain‹ und ›Heard It In A Love Song‹ zwei größere Hits landete, half sicher und erlaubte es ihnen zu wachsen. „Ich könnte dir eine Fassung von Waylon Jennings vorspielen, der ›Can’t You See‹ singt [1976]“, sagt Gray begeistert. „Die Zak Brown Band nahm es [2010] mit Kid Rock auf. Wir haben dadurch viele Freunde gewonnen, und dann sind da noch die ganzen Teilnehmer, die es in Sendungen wie ‚The Voice‘ singen. Momentan ist es auch in fünf Netflix-Filmen zu hören.“

Auch Black Stone Cherry und, na ja, Poison coverten die Nummer. Kennt Gray auch diese Versionen? „Yeah“, bestätigt er. „Ich habe etwa 40 Covers von ›Can’t You See‹ von anderen Acts.“ Dieses Jahr feiert die Marshall Tucker Band ihr 50. Jubiläum und Gray will so lange auftreten, bis er tot umfällt. „Die Originalformation war nur acht Jahre zusammen und ich bin der Letzte, der davon noch übrig ist, doch was mich am stolzesten macht ist, dass wir immer noch gut dabei sind“, strahlt er. „Die meisten der Jungs im jetzigen Line-up sind seit 25 Jahren bei mir und es ist eine solide Band. Und so wird das sein, bis ich zum Abschied von meiner Trage winke, nachdem ich auf der Bühne gestorben bin. Ich werde mich nicht zur Ruhe setzen. Da ist noch zu viel Spaß in mir.“ Lynyrd Skynyrd drehen gerade ihre Abschiedsrunde, und der Freund und MTB-Kollaborator Charlie Daniels starb 2020. Angesprochen darauf, ob er sich Sorgen um die Zukunft des Southern Rock macht, antwortet Gray ausweichend. „Die neue Art ist die alte Art – und so sollte es sein. Blackberry Smoke machen es richtig. Sie sind keine Hardrocker, ihre Songs bedeuten etwas und sie erschaffen neue Erinnerungen aus dem, was vor ihnen kam.“ Aber warum ist die Marshall Tucker Band im Vergleich zu den Titanen des Genres nicht bekannter? „Wir haben nie Kapital aus einem Tod geschlagen“, sagt er und lässt diese Bemerkung einen Augenblick in der Luft hängen. „Das machten so viele andere Acts. Wir wurden auch dazu gedrängt [Toy Caldwell starb 1993, ein Jahrzehnt nach seinem Ausstieg, und sein Bruder, Bassist Tom, 1980 bei einem Autounfall], aber wir weigerten uns.“ In Europa ließ sich die Marshall Tucker Band kaum blicken, doch Gray bereut nichts. „Ich hätte nichts anders gemacht“, schließt er mit einem Funkeln im Auge ab. „Ich habe so ziemlich jede Droge genommen, die man finden konnte, und jede Erfahrung gemacht, die man sich wünschen könnte. Wenn die Southern-Rock-Bands zusammen auf Tour gingen, trat ich für sie ein. Ich konnte völlig nüchtern erklären, dass ein Fernseher explodierte, nachdem ein Bier reingekippt worden war: ‚Ich weiß nicht, was da passiert ist, Sir … das Ding ging einfach in die Luft!‘ Ich wusste, dass mein Bruder Ronnie [Van Zant, Lynyrd Skynyrd] es getan hatte, aber ich log wie ein Motherfucker. Jemand musste es ja tun!“

Hanoi Rocks: TWO STEPS FROM THE MOVE (1984)

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Nach Erscheinen von TWO STEPS FROM THE MOVE lag die Welt den feierfreudigen Hanoi Rocks zu Füßen. Doch gerade als sie an der Schwelle zum Weltruhm standen, kam ihr leidenschaftlicher Schlagzeuger Razzle im zu schnell fahrenden Auto des betrunkenen Vince Neil ums Leben und der Traum war vorbei. Von den fein ausgearbeiteten Balladen (›Don‘t You Ever Leave Me‹) über Killersongs wie ›Futurama‹ zum Refrain „Welcome to the jungle“ auf ›Underwater World‹ wurde jede noch so kleine Nuance dieses Glam-Metal-Meisterwerks mit Faces-Einschlag später von Guns N‘ Roses übernommen. (Text: IF)

Zeitzeugen: „Hanoi Rock spielen Rock‘n‘Roll, als hätten sie ihn gerade selbst erfunden.“ („Melody Maker“)

Aus: Die wahren 100 besten Alben der 80er…

Rückblende: Mr. Big – ›To Be With You‹

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Eine Ballade, die Eric Martin einst als Teenager geschrieben hatte, um ein Mädchen zu beeindrucken, in das er verliebt war, sollte seiner Band ihren größten Hit bescheren – und zu ihrer ewigen Visitenkarte werden.

To Be With You‹, Mr. Bigs musikalisches Aushängeschild, war eigentlich eher zweite Wahl. Schließlich wurde es doch erst als zweite Single aus ihrem zwei­­ten Album, dem 92er-Werk LEAN INTO IT, ausgekoppelt. Der ausbleibende Erfolg seines Vorgängers ›Green-Tinted Sixties Mind‹, dem der Charts-Eintritt ausschließlich in Großbritannien gelang – wo es nur auf Position 72 landete – verhieß zudem nicht viel Gutes für die Nummer.

Tatsächlich sei ihre Plattenfirma Atlantic laut Bassist Billy Sheehan nicht einmal groß daran interessiert gewesen, ›To Be With You‹ überhaupt zu veröffentlichen. Nicht davon überzeugt, dass das Stück der Band ihren ersten Hit verschaffen könnte, stimmten sie dem Release erst zu, nachdem die Radiosender begonnen hatten, es zu spielen.

„Erst viel später fanden wir heraus, dass sie weder das Album, noch unsere Songs, nicht einmal die Band überhaupt mochten“, so Sheehan. „Sie hatten uns völlig aufgegeben. Von Anfang an hatten wir deswegen mit ihnen zu kämpfen.“ Nachdem Mr. Big vor allem durch ihre prototypischen, alles zerfetzenden Pyros wie bei ›Addicted To That Rush‹ und ›Daddy, Brother, Lover, Little Boy (The Electric Drill Song)‹ ihr Publikum angezogen hatten, war ›To Be With You‹ eine echte Anomalie. Die Soft-Rock-Powerballade – der perfekte Song, um verträumt das Feuerzeug hochzuhalten – nahm in ihrem Backkatalog eine ähnliche Position ein wie es ›More Than Words‹ bei Extreme tat. Frontmann Eric Martin, aus dessen Feder der Song stammt, fand die Nummer zufällig auf einem alten Tape wieder. „Er schenkte ihr nicht be­­sonders viel Aufmerksamkeit – eher so nach dem Motto: Ach ja, das alte Ding“ , erinnert sich Sheehan. Martin hatte den Song im Teenageralter geschrieben, um die Freundin seiner Schwester zu beeindrucken. „Ich war 16 Jahre alt, saß unter einer alten Eiche in unserem Garten und spielte Gitarre. Es war mein erster Gig“, lacht er. Er dachte dabei an Patricia Reynolds, in die er sich Hals über Kopf verliebt hatte. Patricia war jedoch zu beschäftigt mit anderen Jungs, um das überhaupt zu bemerken. Für sie war Martin einfach nur der freche Bengel von nebenan. „Sie nannte mich Satansbraten. Ich war ihr Vertrauter und ihr Ritter in der glänzenden Rüstung. Eine Schulter zum Ausweinen. Ich war völlig in diese Frau verschossen.“ Inspiriert von diesen Gefühlen nahm Martin ein akustisches Demotape von ›To Be With You‹ auf, das sich sehr nach Crosby, Stills, Nash & Young anhörte.

Jahre später, nachdem er sich in Hard- Rock-Kreisen etabliert und einen Vertrag mit Columbia Records unterschrieben hatte, wurde er mit dem Songwriter Dave Grahame zusammengebracht. Damals nahm der Song schließlich seine finale, spartanische Mitsing-Form an, gleich einer bewussten Beschwörung von John Lennons ›Give Peace A Chance‹.

Martin lebte zu dieser Zeit in San Francisco, während sich der Rest seiner Band in L.A. aufhielt. Er war ständig am Pendeln und nächtigte hin und wieder auf dem Sofa von Mr.-Big-Gitarrist Paul Gilbert in Hollywood. Eines Tages erzählte er selbigem von seinem Werk und bediente sich dabei der Zauberformel: „Es klingt ein bisschen nach den Beat­les.“ Gilbert steuerte ein „wirklich hübsches Solo“ bei und verfiel dem Song völlig, genau wie der Rest der Band. „Paul, Pat [Torpey , Drums] und ich hörten uns das an und wa­­ren sofort einer Meinung: Wow, wir müssen dieses Ding aufnehmen!“ Sheehan erzählt: „Eric war ein wenig überrascht, dass wir die Nummer mochten. Aber wir waren alle dafür, sie auf LEAN INTO IT zu packen.“

„Da war all dieses Zeug und dann hatten wir ›Yesterday‹“, wagt Martin den McCartney/Beatles Vergleich. „Ich will damit nicht sagen, dass ›To Be With You‹ und ›Yesterday‹ ebenbürtig sind, aber es war eben un­­ser ›Yesterday‹.“ Sheehan fügt hinzu: „Wir erwarteten nichts Großes. Wir dachten nicht: Oh Mann, das wird ein Riesenhit! Wir hatten nicht den blassesten Schimmer. Es war einfach nur ein süßer, kleiner Song.“

Die Mitglieder von Mr. Big mühten sich jahrelang mit anderen Projekten ab: Gilbert mit Racer X, Sheehan mit Talas und David Lee Roths Band, Martin mit seinem Soloprojekt. Dann, dank der Radiosender – „den Anrufern, die den Sendern mitteilten, dass sie die Nummer mochten“ sagt Sheehan – und mit ein wenig Hilfe von MTV (das Video war von Nancy Bennet, die auch den Led-Zeppelin-Tribut ENCOMIUM produziert hatte), landete die Band ihren „eigenen und einhundertprozentig organischen“ Hit. Der Track beginnt mit Geschrammel und krächzendem Flehen („Hold on, little girl“) und entwickelt sich dann durch eingängige Harmonien und Klatschen zu einem astreinen Lagerfeuersong: Das ›Hey Jude‹ der Ge­­neration Hair Metal. Mitreißendes Zeug.

Vor allem riss die Nummer die einkaufsfreudigen Horden mit, die sie in über zwölf Ländern an die Spitze der Charts katapultierten. Sheehan hält ›To Be With You‹ in Erinnerung als „den Song, der unser Leben völlig veränderte“. Als der Hit die Welt er­­oberte, nächtigte Martin immer noch auf dem Sofa seines Vaters. Nach zwei weiteren Erfolgen in den Jahren ’92 und ’93 – mit der Ballade ›Just Take My Heart‹ und dem Cover von Cat Stevens ›Wild World‹ – machten Mr. Big ihrem Namen alle Ehre und wurden zu Größen in Japan, Südamerika und Südostasien, um nur einige Beispiele zu nennen. „Sobald wir aus unserem Heimatland raus sind, ist die Hölle los“, witzelt Sheehan. Mr. Big sind immer noch am Touren und Aufnehmen und sich völlig einig darüber, dass sie ihren bis heute andauernden Erfolg hauptsächlich ›To Be With You‹ zu verdanken haben.

„Ich habe dreißig oder vierzig Briefe von Menschen, die mir erzählen, dass sie schwer krank waren, sogar Selbstmordgedanken hatten und sie sich nur wegen diesem Song wieder aufrappeln konnten“, sagt Sheehan. „Das ist ziemlich großartig.“ Martin hingegen ist vor allem froh darüber, mehr Ansehen bekommen zu haben. „Ich war immer nur der Typ, der singt“, schmunzelt er. „Im Bandbus kamen die Fans ständig zu mir und riefen: ‚Hey, du bist doch der Typ, der singt. Hol doch mal Billy oder Paul!‘ Sie kannten Pat, weil er bei The Knack war. Die Leute rannten mich über den Haufen, um zu den anderen zu kommen. Das hat mich immer ein bisschen eingeschüchtert. Erst mit ›To Be With You‹ wurde ich selbstbewusster. Endlich war auch ich in der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen.“ ­­

Van Halen: Track by Track VAN HALEN I

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Eddie Van Halen war ein Visionär an der Gitarre, doch er und seine Bandkollegen waren auch grandiose Songwriter. Das zeigte die Truppe schon 1978 auf ihrem legendären Debütalbum. VAN HALEN I Track by Track:

›Runnin’ With The Devil‹


Beide Male, die Van Halen diesen Song als Demo aufnahmen – erstmals 1976 unter der Ägide von Gene Simmons, dann erneut 1977 mit Ted Templeman und Mo Ostin als Produzenten –, folgte er direkt auf ›House Of Pain‹. Der einzigartige dissonante, absteigende Klangeffekt im Intro, erzeugt durch eine Sammlung von Autohupen und Tonbandmanipulationen, war tatsächlich das Outro von ›House Of Pain‹, und die Hupen waren immer kurz in jenem Stück zu hören. Der Effekt war zwischen den Nummern etwas irritierend, doch Templeman erkannte, dass er als Intro für Aufmerksamkeit sorgen würde, also beschloss er, ›Runnin’ With The Devil‹ als Opener auf dem Debütalbum zu platzieren. Mit seiner simplen Akkordfolge und der melodischen Gitarren-„Soli“ ist es einer der schlichtesten Songs, die Van Halen je einspielten, doch genau wie ›Smoke On The Water‹ und ›Iron Man‹ zieht es aus eben dieser Tatsache einen Großteil seiner Kraft. Doch, um Roths Text etwas modifiziert wiederzugeben, die einfachen Dinge waren gar nicht so einfach. Kleine Verzierungen – der Harmoniegesang im Refrain, der tiefe Groove der
Rhythmussektion, der ebenso swingt wie stampft, und selbst die Art, wie Eddie im Intro zwischen der Brücke und dem Anschlag seiner Ibanez Destroyer über die Saiten fährt – machen diese Aufnahme praktisch unnachahmlich. Das herausragendste Element daran ist vielleicht die rohe, brutale und hungrige Attitude der Band. Etwas, das nur in diesem magischen, alles entscheidenden Moment existiert, wenn ein Act sich der großen weiten Welt vorstellt.

›Eruption‹

Der Song, der eine Generation von Möchtegern-Gitarristen verwirrte, inspirierte und einschüchterte. Die ersten paar Sekunden sind praktisch 1:1 vom Intro von ›Let Me Swim‹ der 70er-Boogierocker Cactus geklaut, doch was dann folgt, ist vielleicht das innovativste, bahnbrechendste und schlicht umwerfendste Beispiel von Rockgitarrengenie der letzten vier Jahrzehnte. Eddies Tour de Force explodiert mit blitzschnellen Läufen, heulenden Pinch-Harmonien, unglaublichen Sturzflügen, Referenzen an Geigen-Etüden aus dem 18. Jahrhundert und furiosem Tremolo-Picking – unter anderem. Und auch wenn dies nicht der erste Song war, auf dem man je Tapping hörte, war es doch das erste Mal, dass man einen Gitarristen erlebte, der es eine halbe Minute lang tat. Bis heute der Maßstab, an dem alle Shredding-Orgien gemessen werden, doch das heißt noch lange nicht, dass EVH allzu beeindruckt war. „Am oberen Ende ist ein Fehler“, sagte er in Guitar World. „Wann immer ich das höre, denke ich: ‚Mann, das hätte ich besser spielen können‘.“

›You Really Got Me‹

Diese Coverversion des Kinks-Klassikers feierte Monate vor dem Debütalbum auf dem Radiosender KMET in Los Angeles Premiere. Angeblich wurde sie hastig veröffentlicht, weil Eddie sie Barry Brandt von Angel vorgespielt hatte, die dadurch inspiriert wurden, ihre eigene Fassung aufzunehmen. „Es ärgerte mich, dass unsere erste Single ein Lied von jemand anderem war“, sagte Ed. Doch Van Halen machten sich den Song wahrlich zueigen mit dreiteiligem Harmoniegesang, Eddies knackigem Gitarrenklang und dem ersten Vorgeschmack seiner revolutionären Tapping-Technik. Kein Wunder, dass die Version von Angel nie das Licht der Welt erblickte.

›Ain’t Talkin’ ’Bout Love‹

Ebenso wie Slash sein legendäres Intro zu ›Sweet Child O’ Mine‹ als Witz abtat, spielte Eddie Van Halen ›Ain’t Talkin’ ’Bout Love‹ herunter als „nur ein dummes Stück, einfach zwei Akkorde“. Doch, um es mit den Worten von Spinal Tap zu sagen: Es ist ein schmaler Grat zwischen dumm und clever. Und dieser Klassiker vom Debütalbum von 1978 (ebenso wie Slashs Schöpfung auf ›Sweet Child‹) gehört ganz klar in letztere Kategorie. Es war einer der letzten Songs, die für VAN HALEN geschrieben wurden, und Eddie hatte diesen geradlinigen Zwei-Akkord-Hammer ursprünglich als Salve gegen die damals aufkommende Punkbewegung konzipiert. Doch „Punkrock“ nach dem Verständnis von Eddie Van Halen beinhaltet anscheinend ein eröffnendes Riff aus stark mit der Handfläche gedämpften Arpeggio-Akkorden, einen Breakdown in der dritten Strophe voller klingender Harmonien und ein eingängiges, fast gesangsartiges Solo, das er auf der Albumversion auch noch mit einer elektrischen Sitar doppelte. Über die Sitar sagte er: „Sie klang wie eine Gitarre mit unter Strom stehenden Frets. Das Ding war echt seltsam“. Am Ende ging der Witz vielleicht auf Ed, den ›Ain’t Talkin’ ’Bout Love‹ wurde zu einem der legendärsten Songs der Band, einem Dauerbrenner im Rockradio und zum festen Bestandteil der Setlist von fast jeder Tour mit Roth. Ein noch gewichtigeres Zeichen für die Beliebtheit des Stücks ist jedoch, dass es als eines von nur sehr wenigen aus der DLR-Ära auch in den Jahren mit Sammy Hagar live gespielt wurde.

›I’m The One‹

In seinem Kern ist dies ein aufgebohrter Blues-Boogie, der als Sprungbrett für Eddie diente, um sein beeindruckendes Shredding vorzuführen. Dazu kam noch eine Jazz-Scat-Gesangsharmonie als humoristisches Element. Dies war die wahren Inspiration hinter Joe Satrianis ›Satch Boogie‹, denn er borgte sich hier alles aus, von Alex’ donnerndem Doppel-Lick-Shuffle zu Eddies aufsteigenden Dreierläufen. Zahlreiche Shredder folgten diesem Beispiel, aber niemand bekam es jemals so hin wie Eddie.

›Jamie’s Cryin’‹

Dieser poppige Track war einer der wenigen auf dem Debüt, die erst im Studio geschrieben wurden, und hat eines der wenigen Soli auf der Platte, die per Overdub eingespielt wurden. Der saftige Rhythmusklang im mittleren Bereich entsprang einer Ibanez Destroyer Korina, von der Eddie sagte: „Die Gitarre klang großartig – bis ich ein Stück aus ihr herausschnitt, damit sie besser aussieht. Auf dem Cover von WOMEN AND CHILDREN FIRST fehlt ein Stück. Mann, habe ich da Mist gebaut“.

›Atomic Punk‹

Eddie nannte oft Black Sabbath als frühen musikalischen Einfluss, und diese Inspiration kann man auch wirklich hören in den schnellen StakkatoAchteln in den Strophen, die an ›Paranoid‹ erinnern. Doch Tony Iommi spielte nie etwas so brutal aufgedrehtes wie EVHs Intro, wo er einen Sturm aus dissonantem Rauschen heraufbeschwörte, indem er die Saiten mit seiner Handfläche rieb und das Signal mit einem MXR Phase 90 verarbeitete. Das Ergebnis klingt wie ein Hubschrauber, der Kettensägen als Rotorblätter hat.

›Feel Your Love Tonight‹

In den 80ern kopierten zahllose Hair-Metal-Pophits die Formel dieses Songs 1:1, von Roths notgeilem Text bis zu den Nur-Gitarre-und-Gesang-Breakdowns in den Refrains. Doch keine dieser Imitationen kam an die prägnante Beschreibung von Teenager-Lust in diesem Song heran, die sehr effektiv darin war, jugendliche Pärchen zu Rücksitzsport zu animieren. Diejenigen von uns, die in den 70ern volljährig wurden, bemitleiden die Teenies von heute mit ihren Justin Biebers und wie sie nicht alle heißen. Es ist ein Wunder, dass heute überhaupt noch jemand flachgelegt wird.

›Little Dreamer‹

Dieser Live-Liebling der Anfangstage zeigt, wie vollendet und vertraut ein Song klingen kann, der ausführlich auf Tour getestet wurde. David Lee Roth darf hier beweisen, dass er mehr kann, als nur zu heulen, zu kieksen und als hyperaktiver Frontmann über die Bühne zu hüpfen. Dieser Track zeigt, dass er tatsächlich auch singen kann. Und das gut. Eddie zieht mit Stakkato-Pyrotechnik im Solo die Aufmerksamkeit auf sich, doch hält sich ansonsten klar im Hintergrund, um einen brütenden Midtempo-Groove zu kreieren, der Diamond Dave ganz das Rampenlicht überlässt.

›Ice Cream Man‹

Vor seiner Zeit bei Van Halen spielte David Lee Roth diesen notgeilen Blues aus der Mitte des Jahrhunderts – ursprünglich von John Brim – als Solo-Akustiknummer. Das Stück wurde zu einem frühen Live-Standard der Band, bis er auf dem Debüt von 1978 für die Nachwelt konserviert wurde. Daves Gesang und akustische Gitarre (auf offenes E gestimmt) sind Highlights der Studiofassung, doch Eddie ließ es sich nicht nehmen, das mit einem seiner elektrisierendsten Soli überhaupt zu torpedieren.

›On Fire‹

Der letzte Track der Platte war gleichzeitig der Eröffnungssong der zugehörigen Tour. Ein geradliniges Riff und geradlinige Lyrics mit einem Hauch von Heavy Metal. Textlich geht es in klassischer Rock’n’Roll-Manier um pures Feeling und unter anderem um… naja, um ein bisschen Körperlichkeit eben. Am Ende schreit einem David Lee Roth seine hohen „I’m On Fire“-Rufe in die Ohren und bringt diese Platte zu einer würdigen Klimax… ähm, einem würdigen Abschluss.


Werkschau: John Lennon

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Die Soloalben des legendären Beatles sind voll von zeitlosem Pop. Auf Avant-Jazz, Vogelgesang und Urschreie sollte man allerdings ebenfalls gefasst sein.

John Lennons Solokarriere war schon vor dem Ende der Beatles in vollem Gange. Bereits im Mai 1968 arbeitete er mit seiner neuen Liebe Yoko Ono zusammen. Das größtenteils improvisierte UNFINISHED MUSIC NO. 1: TWO VIR-GINS, veröffentlicht zwei Wochen vor dem legendären „Weißen Album“, schien eine Ablehnung von allem zu sein, was die Plattenkäufer von ihm erwarteten. Dass ein absolut nichts verbergendes Nacktfoto der beiden das Cover zierte, unterstrich diese Vermutung.

Nach den Beatles erreichte seine Arbeit nie mehr diesen Grad von Avantgardismus, geriet aber kein bisschen weniger eigenwillig. JOHN LENNON/PLASTIC ONO BAND von 1970 war eine teils brutale Analyse der Kräfte, die ihn sowohl antrieben als auch quälten. IMAGINE (1971) und MIND GAMES (1973) zeigten ihn als klassischen Songwriter, der sich eine Welt ohne Krieg, Hunger, Religion und alles sonst vorstellte. Man könnte Lennon als Träumer bezeichnen, doch in seinen Texten fand sich auch viel Verbitterung.

Unmittelbar nach der Auflösung der Beatles, als er sich im verbalen Schlagabtausch mit Paul McCartney befand, war Lennons Groll in Stücken wie ›How Do You Sleep?‹ allzu offensichtlich. Dann gab es noch Lennon, den politischen Rebell, der sich mit Che-Guevara-Mütze und Sonnen-brille für eine Reihe von Dingen einsetzte – Frauenrechte, eine gerechte Justiz, den Frieden in Nordirland. Eine Haltung, die sich auf dem Protestalbum SOME TIME IN NEW YORK CITY (1972) manifestierte und ihm Ärger mit der Regierung Nixon einhandelte. Nachdem er sich Anfang der 70er in den USA niedergelassen hatte, wurde er vom FBI überwacht und mit Ausweisung bedroht. Die amerikanische Staatsbürger-schaft erhielt er erst 1976.

Da hatte er sich schon komplett vom Musikgeschäft zurückgezogen. Im Jahr zuvor hatte er sich mit ein paar alten 50s- und 60s-Stücken auf ROCK’N’ROLL verabschiedet – danach wurde er zum Hausmann und kümmerte sich um seinen neuen Sohn Sean.

Erst im Herbst 1980 kehrten er und Yoko Ono mit dem Album DOUBLE FANTASY zurück. Wenige Wochen nach dessen Erscheinen wurde er vor seinem Wohn-block in New York im Alter von nur 40 Jahren erschossen.

1987 wurde er in die Songwriters Hall Of Fame aufgenommen, sieben Jahre darauf auch in die Rock And Roll Hall Of Fame. Bis heute ist John Lennon eine der wichtigsten Figuren in der Popkultur der Nachkriegszeit.

Unverzichtbar

JOHN LENNON/PLASTIC ONO BAND
APPLE, 1970

Lennons erstes „richtiges“ Album nach den Beatles erstaunte durch Ehrlichkeit und Intensität. Urschreisitzungen beim US-Therapeuten Arthur Janov entfesselten die Geister in seinem Keller: Er befasst sich mit dem Verlust in seiner Kind-heit (›Mother‹, ›My Mummy’s Dead‹), dem Klassensystem (›Working Class Hero‹) und seiner Desillusionierung mit den Idealen der 60er (›I Found Out‹). Ringo Starr, Billy Preston und Phil Spector begleiteten, doch größtenteils ist dies komplett Lennons Werk. Die musikalischen Hintergründe sind passend sparsam, von minimalistischem Akustikklang zu aufpeitschendem Rock mit viel Echo. Es sollte das ehrlichste Album seines Lebens werden.

IMAGINE
APPLE, 1971


Viele große Namen – George Harrison, Nicky Hopkins, Jim Keltner und mehr – fanden sich für den reichhaltiger klingenden Nachfolger zu PLASTIC ONO BAND ein. IMAGINE wurde größtenteils in Lennons Heimstudio in Ascot aufgenommen und wird von seinem Titelstück dominiert, einem utopischen Traum, der zur meistverkauften Single seiner Karriere wurde. Auch zwei seiner besten Liebeslieder finden sich hier: ›Jealous Guy‹ und ›Oh My Love‹. Komplett weich geworden war er jedoch nicht: ›Gimme Some Truth‹, ein Überbleibsel aus den LET IT BE-Sessions, ist ein harscher Protestsong gegen die Politik der Nixon-Ära, während sich das vernichtende ›How Do You Sleep?‹ an seinen Ex-Kollegen Paul McCartney wandte.

Wunderbar

MIND GAMES
APPLE, 1973


Nach dem Flop von SOME TIME IN NEW YORK CITY war MIND GAMES eine Rückkehr zum weniger politischen Stil von IMAGINE. Die Aufnahmen fielen allerdings in den Zeitraum einer 18-monatigen Trennung von Yoko und dem Beginn von Lennons Beziehung mit der Assistentin des Paars, May Pang. Einige Stücke klingen wie die Arbeit eines Mannes, der von Eheproblemen abgelenkt ist, während sich andere – ›Out The Blue‹ und ›One Day (At A Time)‹ – mit dem Liebeskummer befassen. Am überzeugendsten ist er auf dem Titelstück, das auf ›Make Love Not War‹ aus der Beatles-Zeit zurückgeht.

WALLS AND BRIDGES
APPLE, 1974


„Wenn man sich WALLS AND BRIDGES anhört, hört man jemanden, der deprimiert ist“, sagte Lennon einige Jahre später. „Es ist ein Ausdruck seiner Zeit.“ In der Tat war er gerade mitten in seinem „verlorenen Wochenende“, als er mit Ringo Starr und Harry Nilsson durchsoff. Der Selbsthass auf ›Going Down On Love‹ oder die trostlose Schönheit von ›Nobody Loves You (When You’re Down And Out)‹ zeigen den Grad seiner Hoffnungslosigkeit. Doch diese Stimmung wurde kontrastiert von der US-Nr.-1 ›Whatever Gets Your Thru‘ The Night‹ und dem wunderschönen ›#9 Dream‹.

ROCK’N’ROLL
APPLE, 1975


Eine Zeile aus Chuck Berrys ›You Can’t Catch Me‹, die in ›Come Together‹ von den Beatles verwendet wurde, führte zu einer Klage vom Verleger Morris Levy. Statt vor Gericht zu ziehen, stimmte Lennon zu, drei Stücke, deren Rechte Levy besaß, aufzunehmen für ein Album mit Coverversionen. Nachdem die ersten Sessions in L.A. von Saufexzessen geprägt waren und Produzent Phil Spector mit den Master-Bändern verschwand, stellte Lennon ROCK’N’ROLL selbst fertig. Das lebhafte ›Slippin‘ And Slidin’‹ und ›Stand By Me‹ sind die Höhepunkte.

DOUBLE FANTASY
GEFFEN, 1980


Es sollte ein triumphales Comeback werden. Stattdessen wurde DOUBLE FANTASY zu einer Elegie auf Lennon, der drei Wochen nach dessen Erscheinen ermordet wurde. Sein Erfolg gründete aber nicht nur auf Sentimentalität. Das Album stellt einen musikalischen Dialog dar, dessen simple Beteuerungen in den üppigen Arrangements und Lennons souveränem Songwriting den idealen Kontrapunkt fanden. ›Woman‹ und ›(Just Like) Starting Over‹ wurden zu Nr.-1-Hits, während ›Beautiful Boy (Dar-ling Boy)‹ und ›Watching The Wheels‹ Lennons Phase als Hausmann dokumentierten.

Anhörbar

LIVE PEACE IN TORONTO 1969
APPLE, 1969


Die eilig zusammengetrommelte Plastic Ono Band gab beim Toronto Rock And Roll Revival Festival 1969 ihr Debüt. Die Lennons hatten zwei verschiedene Geschmacksrichtungen im Angebot. John und seine Band (mit Eric Clapton) stürmten durch ein Trio alter Klassiker, z.B. ›Blue Suede Shoes‹, plus ›Yer Blues‹ von den Beatles und die die Bed-In-Hymne ›Give Peace A Chance‹. Angesichts Lennons Heroin-sucht war das neue Stück ›Cold Turkey‹ am interessantesten. Yokos zwei Songs, darunter das Avantgarde-Epos ›John, John (Let’s Hope For Peace)‹, waren weniger gelungen.

SOME TIME IN NEW YORK CITY
APPLE, 1972


Zweifellos das unterschätzteste seiner Soloalben, das oft als naive Phrasendrescherei abgetan wird. Es ist durchwachsen, aber die Mixtur aus radikaler Politik und Rock’n’Roll ist stellenweise aufregend. John und Yokos Umzug nach New York führte zu ihrem sozialen Enga-gement, was sich in kontroversen Stücken niederschlug, etwa ›Woman Is The Nigger Of The World‹ (was die US-Zensoren auf den Plan rief), ›Attica Sta-te‹, ›Sunday Bloody Sunday‹ und ›John Sinclair‹. Das High-light war jedoch ›New York City‹, eine tagebuchähnliche Erzählung aus dem Leben des Paares in ihrer neuen Heimat.

MILK AND HONEY
POLYDOR, 1984


Die Session zu DOUBLE FANTASY brachten 22 Stücke hervor, doch nach dem Tod ihres Ehemanns konnte sich Yoko nicht dazu überwinden, sich mit dem unveröffentlichten Material zu befassen. Erst 1984 ließ sie den Rest in Form von MILK AND HONEY erscheinen. Beide Lennons waren zu gleichen Teilen am Songwriting beteiligt gewesen. Johns Kompositionen waren größtenteils unfertige Skizzen, die er Anfang ’81 ausarbeiten wollte. Yoko entschied klugerweise, sie in ihrer unvollendeten Form zu belassen. Das verleiht Songs wie ›I’m Stepping Out‹ und ›Nobody Told Me‹ eine Direktheit, die Yokos aufwendigeren Stücken fehlte.

Sonderbar

UNFINISHED MUSIC NO. 2: LIFE WITH THE LIONS
ZAPPLE, 1969


Wenn es darum geht, einen großen Bogen um etwas zu machen, nehmen sich die drei Experimental-Alben, die John und Yoko in den letzten Jahren der Beatles aufnahmen, nicht viel. Auf UNFINISHED MUSIC NO. 1: TWO VIRGINS fanden sich Gesangsimprovisationen, Vogelgesang und Scherzmusik. Der Nachfolger ist noch schwerer verdaulich: ein Avant-Jazz-Kreischfest, aufgenommen an der Uni von Cambridge, sowie ein zwölfminütiges Stück, auf dem Yoko das Radio an- und ausstellt. Doch im Vergleich zum WEDDING ALBUM von 1969 klingt es fast poppig.

Video der Woche: John Lennon ›Beautiful Boy (Darling Boy)‹

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Am 09. Oktober feiern gleich zwei Lennons Geburtstag. John Lennon wäre heute 82 Jahre alt geworden, sein Sohn Sean wird heute 47.

In ihren Songs drücken Musiker oft tiefe Gefühle aus. Vor allem John Lennon nutzte seine Kunst immer als Sprachrohr. Da ist es nicht verwunderlich, dass er auch einen Song für seinen Sohn Sean komponierte.

›Beautiful Boy (Darling Boy)‹ wurde auf Lennons Album DOUBLE FANTASY (1980) veröffentlicht, dem letzten Album von Lennon und seiner Frau Yoko Ono vor seinem Tod am 08. Dezember 1980. In diesem Lied beschreibt Lennon die tiefen Gefühle, die er für seinen Sohn empfindet und die Freude, die Sean ihm jeden Tag schenkt.

Lennon selbst sagte einmal: „Ich empfinde immer noch Freude, wenn ich Sean sehe. Er kam nicht aus meinen Bauch, aber – bei Gott – ich habe seine Knochen geschaffen! Denn ich war bei jeder Mahlzeit dabei, wache über seinen Schlaf. Er schwimmt wie ein Fisch, deswegen nahm ich ihn mit zum ‚Y‘ (Swimming Pool an der 92. Straße). Deswegen habe ich ihm den Ozean gezeigt. Ich bin so stolz auf diese Dinge. Er ist mein größter Stolz.“

Im Video geben uns John und Yoko einen kleinen Einblick in ihr Privatleben:

The Ramones: ROCKET TO RUSSIA

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Ramones Rocket To Russia

Ende 1977 waren die Ramones be­­reits bei ihrem dritten Album an­­gelangt. Doch auch wenn ihre Formel dem Punk seine Blaupause verschafft hatte, führten die stetige Verfeinerung ihres Könnens auf Tour und ein größeres Budget zu einem Karriere-Highlight. Auch mit einem klaren Surf-Einfluss auf Stücken wie ›Cretin Hop‹, ›Rockaway Beach‹ und ihrer wunderbar verrückten Version des Trashmen-Klassikers ›Surfin‘ Bird‹ waren die New Yorker immer noch voller Aufregung, durchgeknallter Un­­schuld und pulverisierender Energie wie keine ihrer Nachahmer, und konnten nun auch noch einen kraftvolleren Sound und mehr Vielfalt vorweisen – mit ›Here Today, Gone Tomorrow‹ hatten sie sogar eine Ballade im Programm. (Text: Kriss Needs)

Zeitzeugen:

„ROCKET TO RUSSIA ist der beste amerikanische Rock‘n‘Roll des Jahres und vielleicht das lustigste Rockalbum aller Zeiten.“ (Rolling Stone)

Aus unserer Liste der 100 wahren besten Alben der 70er Jahre.

Starstrike: Schicksalhaft

Dass das Debüt von Starstrike acht Jahre auf sich warten ließ, hatte vor allem persönliche und gesundheitliche Gründe. Turbulente Zeiten liegen hinter den Oberpfälzer Musikern Matthias „Wauxl“ Pfaller, Martin Buchmann und Andi Gmeinwieser, doch mit LEGACY OR DESTINY wurde nun endlich gut, was ewig währte – und ein wenig Schicksalhaftigkeit findet auch ihren Platz. „Über Andi haben Wauxl und ich uns kennengelernt. Der eine im Helloween-Shirt, der andere im King-Diamond-Shirt, da war schon alles klar. Was beim Songwriting zwischen Wauxl und mir passiert, ist pure Magie, wir ergänzen uns perfekt, haben uns gesucht und gefunden. Wenn wir die Songs im Proberaum zusammen mit Andi am Schlagzeug angehen, bekommen sie nochmal einen neuen Twist. Es geht uns um die Lieder, um die Chemie und nicht darum, das eigene Ego durchzuboxen oder einen Nerv zu treffen. Wenn wir etwas geil finden, dann setzen wir es um und freuen uns wie kleine Kinder!“, so Gitarrist und Songwriter Martin Buchmann voller Elan.

Das Ergebnis dieses langen, aber fruchtbaren Prozesses ist LEGACY OR DESTINY, ein wunderbar klassisches Metal-Werk: „Ich würde unseren Sound als classic Heavy Metal betiteln, der Schnittmengen von der NWoBHM und Hard Rock bereithält: Iron Maiden trifft auf White Lion, Accept und Helloween.“; so Buchmann, während Wauxl meint: „Dabei sind unsere Songs trotzdem sehr unterschiedlich. Die gehen von Hard Rock bis Metal, weisen aber auch progressive Elemente auf.“ Die Euphorie aller Beteiligten kann wohl vor allem damit begründet werden, dass Starstrike nun nach langer Zeit wieder ihre eigene musikalische Vision umsetzen können: „Die letzten Jahrzehnte haben viele von uns in Gruppen gespielt, wo man nicht stark ins Songwriting involviert war. Da haben sich Ideen angestaut, die wir vorher nicht umsetzen konnten, weil uns das richtige Team fehlte. Als wir zueinander gefunden hatten, sprudelte es los.“, erklärt Buchmann die Dynamik des Trios, dessen Mitglieder zuvor bei Bands wie Ravenryde, Grand Sermon, The Cascades und zahlreichen Cover-Formationen gewirkt hatten. Dass für LEGACY OR DESTINY die Ideen flossen, spürt man sofort. Nicht nur an das Niveau der Arrangements wurde eine hohe Messlatte angelegt, auch textlich ist hier viel geboten, befassen sich die Songs doch mit den Verfehlungen und Versprechungen des Mensch-Seins und laut Haupttextschreiber Wauxl auch damit „dass man nicht an sein Erbe gekettet ist, sondern sein Schicksal selbst in der Hand hat.“ Und dann wäre da natürlich noch das aufwendige Cover-Artwork des New Yorker Künstlers Mike Hrubovcak, der bereits für Six Feet Under oder Megadeth gearbeitet hat. Im Grunde ist dieses Album eine Liebeserklärung an den Heavy Metal, das Ergebnis einer brennenden, geteilten Leidenschaft. Oder wie Buchmann es formuliert: „Wir dürfen, wir müssen nicht. Und das ist das Schönste daran. Wie Teenager können wir einfach den Metal machen, den wir selbst am liebsten hören wollen.“