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Motörhead: Das faustdicke Ende einer Ära

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Es war das letzte Album des legendären „Three Amigos“-Line-ups – und nicht sein bestes. Selbst Lemmy sagte, IRON FIST sei „schlechter als alles, was wir je gemacht haben“. Es markierte das Ende der Goldenen Ära der Band.

Lemmy sollte für den Rest seines Lebens auf die Zeit nach Motörheads krönendem Meisterwerk NO SLEEP ’TIL HAMMERSMITH von 1981 zurückblicken und protestieren, dass es nicht seine Schuld war, dass sie es nie übertreffen konnten. „Das Problem ist, dass man ein Livealbum, das direkt auf Platz eins eingestiegen ist, nicht toppen kann“, sagte er. „Ich meine, was kann man da tun? Man kann nicht noch ein Livealbum veröffentlichen. Und man kann als Nächstes auch kein Studioalbum machen, denn das war der Livemitschnitt, auf den die Leute fünf Jahre lang gewartet hatten, oder? Also waren wir gefickt. Wir hätten das beste Studioalbum aller Zeiten machen können und wären immer noch gefickt gewesen. Allerdings machten wir das nicht, sondern IRON FIST.“


Tatsächlich wollte oder erwartete niemand noch eine Liveplatte. Was die Fans von Motörhead stattdessen erwarteten, war ein neues Album, das so gut war wie die drei davor: jene unheilige Dreifaltigkeit aus OVERKILL, BOMBER und ACE OF SPADES. Was niemand kommen sah, war IRON FIST – zwölf Tracks mit spärlicher Inspiration und Verve, dafür aber überladen mit Arroganz und Unzufriedenheit. Genau die Art von hastig zusammengeschustertem, außer Kontrolle geratenem und unter keinem guten Stern stehendem Machwerk, das die Ereignisse im Vorfeld seiner Entstehung praktisch garantierten.

Gitarrist „Fast“ Eddie Clarke sagte: „IRON FIST war am schwersten, denn uns gingen die Ideen aus und wir waren immer ausgelaugter.“ Laut Eddie war Schlagzeuger Phil „Philthy Animal“ Taylor mehr als die anderen von den Auswirkungen des Ruhms betroffen. „Auch Lemmy war nicht er selbst …“ In der Tat hatte Lemmy begonnen, sein Ego etwas zu sehr zu befriedigen. Als Motörhead 1981 ihre bis dato
größte Show spielten – als Headliner unter sechs Bands beim Heavy Metal Barn Dance in der Bingley Hall in Stafford –, kippte er nach der Hälfte ihres Auftritts um und das Konzert wurde vorzeitig beendet.
„Lemmy war drei Tage lang wach geblieben und hatte Wodka getrunken“, sagte ein immer noch angepisster Clarke. „Er hatte den ganzen Tag Mädels gefickt und da waren 12.000 Kids in dieser brechend vollen Halle, die auf uns warteten. Den ganzen Tag hatten mir Leute Koks-Lines angeboten, aber ich hatte nur ein einziges Heineken getrunken, weil ich für diese Show in Form sein wollte. Nach 55 Minuten unseres Sets verschwand Lemmy plötzlich nach hinten und brach auf der Bühne zusammen. Ich und Phil waren stinksauer. ‚Du hast uns hängen lassen, du Wichser!‘ Und er sagte: ‚Dass ich drei Nächte durchgemacht habe, hat nichts damit zu tun.‘ Nein, natürlich nicht!“ Ironischerweise bekam der Auftritt eine euphorische Rezension im Melody Maker, dessen Autor ihn für wunderbares Theater hielt. „Ich sagte zu Phil: ‚Plötzlich sind wir die grandioseste Liveband. Letzte Woche nannten sie uns noch Fotzen‘“, meinte Lemmy dazu. Mick Farren, der Lemmy seit seinen Hawkwind-Tagen kannte und Songs mit ihm geschrieben hatte, kommentierte: „Wir benahmen uns alle äußerst schlimm. Wir nahmen alle viel zu viele Drogen. Lemmy nahm mehr Speed als jeder andere Mensch, den ich je gesehen habe. Wir hätten es wahrscheinlich verdient, ins Gefängnis zu gehen.“

Das wäre auch fast passiert, als die Band im Vorfeld der Veröffentlichung von IRON FIST im April 1982 in eine Reihe von Razzien verwickelt war. Die erste und gravierendste ereignete sich nach vier Aben den im Hammersmith Odeon in London, als Drogenfahnder bei allen drei Bandmitgliedern zu Hause Hausdurchsuchungen durchführten. „Wie sich herausstellte, waren die Bullen bei jeder der Hammersmith-Shows gewesen“, erinnert sich ihr ehemaliger Manager Doug Smith. „Sie hatten sogar am Merch-Stand T-Shirts gekauft, um wie echte Fans zu wirken. Und dann rannten um sechs Uhr morgens nach der letzten Show 26 Polizeibeamte meine Tür ein – sie brach aus den Angeln. Weitere 70 fuhren zu dem Hotel, in dem die Crew wohnte. Sie stürmten auch Lemmys Wohnung, doch er war nicht dort. Wie immer kam er ungeschoren davon, weil er im St. Moritz Club in Soho an den Spielautomaten war, sich Lines durch die Nase zog und soff. Am nächsten Morgen sagte er dann: ‚Oh, ich wusste von all dem nichts, Doug.‘“


Abseits der Bühne gab es zudem wachsende Unstimmigkeiten über Geld. Die Band fand, dass sie mit NO SLEEP gerade ein Nummer-eins-Album gelandet hatte und folglich reich sein sollte. Trotzdem bekamen sie alle nach wie vor einen Wochenlohn von 250 Pfund ausbezahlt. Trotz ausverkaufter Konzerte in Großbritannien und ganz Europa weist Smith darauf hin, dass „die Mehrheit aller Tourneen nicht viel Geld einbrachte. Das Merchandising brachte viel Geld ein. Als die Band in echte Schwierigkeiten geriet, lieh die Merch-Firma ihr 36.000 Pfund, die sie nie wieder sah. Eddie meckerte ständig: ‚Doug, was ist mit all dem Merchandising-Geld passiert?‘ ,Eddie, du hattest es.‘ ‚Nun, wir haben nie etwas davon gesehen.‘ ,Nein, ihr habt nie etwas davon gesehen. Wir haben nur eure fucking Rechnungen bezahlt!‘“ Doug hatte Motörhead „beschützt“: „Sie hatten immer Geld, um auf Tour zu gehen.“ Und das war das Einzige, was Lemmy wichtig war. „Lemmy interessierte sich nicht wirklich für Geld. Nur für das, was er in der Tasche hatte. Solange er einen unbegrenzten Betrag für Maschinen oder was auch immer ausgeben konnte …“ Und jenes „was auch immer“ waren natürlich Speed und Whisky.


Eddie wollte davon jedoch nichts wissen und drohte mehr als einmal, die Band zu verlassen. Laut Lemmy passierte das fast wöchentlich. Er erinnerte sich, wie Eddie mal auf Tour in Frankreich „ausstieg“. Die Labelbosse flogen panisch in einem gecharteten Flugzeug ein und brachten Eddie schließlich davon ab. „Und das sehr gegen seinen Willen“, wie Lemmy stirnrunzelnd sagte. „Das einzige, was sie ihm nicht versprachen, war mehr Geld. Hätte er nur ein bisschen Hirn gehabt, hätte er darauf bestanden.“
Doug berichtet von einem Vorfall in Los Angeles, als Eddie ihn anrief und vor Wut tobte. „Er zeterte: ,Die fucking Band hat den Gig ohne mich verlassen! Ich hatte keinen fucking Wagen, um zum Hotel zurückzukommen! Ich musste mir ein fucking Taxi nehmen und der Fahrer versuchte, mich zu entführen und nach Mexiko zu verschleppen! Ich verlasse die Band!‘ Ich atmete tief durch und sagte dann sehr ruhig: ,Eddie, ich verstehe das alles, aber bei meiner Frau haben gerade die Wehen eingesetzt.‘ Und er antwortete: ‚Oh, sorry, dann verlasse ich die Band eben nächste Woche …‘“


Vor diesem desaströsen Hintergrund sollte dann das unheilvolle IRON FIST entstehen, das letzte Album des klassischen „Three Amigos“-Line-ups – und zweifellos das schlechteste.
„Eddie und Phil prügelten sich ständig“, erzählte Lemmy. „Einmal hatte ich sie gerade auseinandergebracht, weil es Zeit war, auf die Bühne zu gehen, und auf dem Weg die Treppe runter schlug Phil Eddie mit einem fucking Trommelstock auf den Kopf und es ging wieder los. In Glasgow wälzten sie sich auf dem Boden in den Aufzug. Die Türen gingen zu und sie prügelten sich immer noch. Bands sind zerbrechliche Konstrukte. Wenn sie nicht genug Geld bekommen, hält sie nicht viel zusammen außer Vertrauen. Und nur sehr wenige Bands vertrauen einander noch nach dem ersten Jahr. Alle sind auf ihren eigenen Vorteil aus. Und ich versuchte bei Motörhead, dagegen anzukämpfen. Ich wollte, dass wir als Band an das glaubten, was wir machten. Und dass wir eine Daseinsberechtigung haben. Jede großartige Band macht diesen Scheiß durch. Bei uns dauerte es nur einfach länger.“

RÜCKBLENDE: Dire Straits – ›Sultans Of Swing‹

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Dire Straits - Sultans Of SwingDer Auftritt einer hoffnungslos schlechten Jazzband in einem gähnend leeren Pub hatte die Dire Straits zu diesem Lied über Harry, Guitar George und ihre eigene herumkrebsende Band inspiriert. Der Startschuss für einen rasanten Aufstieg in den Rockolymp.

Kurz nach 18:00 Uhr am 13. Juli 1985 gingen die Dire Straits im Wembley Stadion als Teil von Live Aid auf die Bühne und spielten vor einem globalen TV-Publikum von unfassbaren 1,9 Milliarden Menschen. Angetreten zwischen U2 und Queen, fingen sie mit ›Money For Nothing‹ an – bei dem sich Sting zu ihnen gesellte – und ließen dann eine epische Ver­sion des Stücks folgen, das sie zu Superstars gemacht hatte: ›Sultans Of Swing‹. „Es war etwas Besonderes, Teil davon zu sein“, erinnert sich Bassist John Illsley. „Live Aid war für uns alle ein einmaliges Privileg. Eine wundervolle Erinnerung.“

Ihr Status als MTV-Titanen stand im krassen Gegensatz zum fast schon absurd bescheidenen Ursprung dieses Hits. Sänger/Gitarrist Mark Knopfler hatte den Song 1977 geschrieben, nachdem er sich eines verregneten Abends in einen leeren Pub geflüchtet und dort eine grauenhafte Jazzband gesehen hatte. Auch der offensichtliche Mangel an Talent sowie Publikum hielt deren Frontmann nicht davon ab, seinen Auftritt mit einem begrenzt euphorischen „Gute Nacht und vielen Dank. Wir sind die Sultans Of Swing“ zu beenden.

Wenigstens verließ Knopfler den Pub mit dem Keim einer Idee. Er kehrte in die Sozialwohnung im Stadtteil Deptford zurück, die er sich mit seinem Bruder David und Illsley teilte, und fing an, einen Song zu schreiben für die Band, die sie gerade gegründet hatten. „Wir hatten so gut wie nichts zum Leben und konnten noch nicht mal die Gasrechnung bezahlen“, so Illsley, der hinzufügt, dass der Name Dire Straits („schwere Zeiten“) nicht von ungefähr kam. „In dieser Wohnung hörte ich Mark zum ersten Mal eine Version von ›Sultans Of Swing‹ spielen, aber das war noch ein komplett anderes Lied.“ Selbst Knopfler fand, dass ihm etwas Feuer fehlte. Nachdem er aber genug Geld zusammengekratzt hatte, um sich eine Stratocaster von 1961 zu kaufen, entwickelte das Stück seinen schwelenden Blues-Groove.

„Eines Tages sagte er zu mir: ‚Erinnerst du dich noch an die Nummer, an der ich vor ein paar Tagen rumgewerkelt habe? Ich habe die Struktur komplett umgebaut.‘ Er spielte es und es klang gut. Das Ding ist ziemlich simpel, es ist die Spielweise, die es so faszinierend macht. Dieser rollende Rhythmus auf der Gitarre. Bass und Schlagzeug sind sehr einfach. Und natürlich ist es eine Geschichte. So ist das nun mal: Alle guten Songs haben eine Geschichte.“

„Es schlug unglaublich ein. Das sind die Wendepunkte, die dein Leben formen.“ (John Illsley)

Auf ›Sultans Of Swing‹ baute Knopfler die Ereignisse jenes Abends in die Erzählung ein. Während es draußen schüttet, spielt die Band drinnen Dixieland. Harry hat einen Job, aber er steht da oben und gibt alles. Genau wie Guitar George, der all die Akkorde weiß. „But it’s strictly rhythm/He doesn’t want to make it cry or sing/If any old guitar is all he can afford/When he gets up under the lights to play his thing.“ Währenddessen hängen ein paar Jugendliche in der Ecke rum. „Drunk and dressed in their best brown baggies and their platform soles/They don’t give a damn about any trumpet-playing band/It ain’t what they call rock and roll.“ Einen trostloseren Blick auf die triste Welt der Pubs in den 70ern kriegt man nirgends sonst zu hören.

Im Juli 1977 waren die Dire Straits immer noch verzweifelt auf der Suche nach einem Plattenvertrag und buchten sich in einem winzigen Achtspur-Studio ein. Das Demo mit fünf Stücken, das daraus resultierte, inklusive ›Sultans Of Swing‹, schickten sie dann dem Radio-London-DJ Charlie Gillet. „Charlie flippte total darauf aus“, erinnert sich Illsley. „In seiner Sendung sagte er: ‚Ich werde das solange spielen, bis jemand diese Band unter Vertrag nimmt‘, was ziemlich mutig war. Zum Glück wurden wir dann tatsächlich gesignt. Damals konnte eine Person bei einem Radiosender noch wirklich etwas bewegen.“

Als ›Sultans Of Swing‹ auf Dauerrotation lief, nahmen die Plattenfirmen Notiz von diesem rumpelnden Bluesrock-Stück über eine miese Jazzband. Innerhalb von zwei Monaten hatten die Dire Straits bei Phonogram unterschrieben, die sie in die Basing Street Studios schickten, um ihr Debütalbum mit Produzent Muff Winwood und Toningenieur Rhett Davies aufzunehmen. Es gab da nur ein Problem, so Illsley: „Wir schafften es nicht, dass sich ›Sultans Of Swing‹ genauso gut anhörte wie auf dem Demo. Eine Zeitlang wurde sogar in Erwägung gezogen, die Demoversion als Single zu veröffentlichen.“

Letztlich nahmen sie aber doch noch eine Version auf, mit der alle zufrieden waren. ›Sultans Of Swing‹ erschien im Mai 1978 in Großbritannien und schlug keine besonders hohen Wellen. Doch dann kamen die Dinge in Bewegung. Das selbstbetitelte Album erschien im Oktober, verkaufte sich eher schleppend, erreichte aber in den Niederlanden Goldstatus. „Ich erhielt diesen Anruf von der Plattenfirma, dass wir 25.000 Alben verkauft hatten. Dann ging es in die Staaten und lief dort sehr gut. Die Radiosender spielten ›Sultans Of Swing‹ wie verrückt, und weil es in Amerika durchstartete, wurde es noch mal in Großbritannien veröffentlicht. Es breitete sich aus wie ein Waldbrand.“

Anfang 1979 war die Single auf beiden Seiten des Atlantiks in die Top 10 geschossen, ebenso wie das Album, dessen unspektakuläre Ästhetik und zeitloses Songwriting zu Verkäufen von mehr als sieben Millionen Einheiten führten. Plötzlich wurde Knopfler als größter britischer Gitarrist seit Clapton gefeiert, und selbst Dylan klopfte an und engagierte Knopfler und Schlagzeuger Pick Withers, um auf SLOW TRAIN COMING zu spielen. Die Dire Straits wurden schließlich eine der erfolgreichsten britischen Bands der 80er. Als sie 1992 die Gitarrengurte an den Nagel hängten, hatten sie 120 Millionen Platten verkauft.

„Man könnte sagen, dass ›Sultans Of Swing‹ das Lied war, das alles ins Rollen brachte“, so Illsley. „Es schlug unglaublich ein. Das sind die Wendepunkte, die dein Leben formen. Man sagt, wir hatten Glück, aber ich sage: Was ist schon Glück? Fakt ist, dass es ein verdammt guter Song ist, die Band war auch verdammt gut und wir arbeiteten verdammt hart. Und der einzige Weg, auf dem du irgendwas erreichen wirst, ist Einsatz. Wenn dir also so etwas widerfährt, ist es fantastisch. Mann, das war aufregend!“

Larkin Poe: Harmonie(n) im Überfluss

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Megan und Rebecca Lovell im Interview über ihr neues Album BLOOD HARMONY.

Rebecca und Megan Lovell sind funkelnde Sterne am Himmel einer modernen Blues- und Roots-Rock-Bewegung. Mit ihrem neuen Werk BLOOD HARMONY haben die talentierten Schwestern aus Georgia nun das vielleicht „most southern“ Album ihrer Karriere veröffentlicht. Nicht nur musikalisch gesehen, auch inhaltlich beschäftigen sich die beiden inzwischen in Nashville ansässigen Künstlerinnen darauf mit Heimat, Kindheitserinnerungen, familiärem Zusammenhalt und ihrer intensiven Schwestern-Verbundenheit: „Unsere Musik ist oft von einem gewissen Heimweh geprägt, wahrscheinlich, weil wir schon sehr früh ständig unterwegs waren. Und natürlich sind wir sehr stolz auf die Musik, die im Süden entstand, das hat sich schon immer in unserem Schaffen gespiegelt.“, so Sängerin und Gitarristin Rebecca nachdenklich. „Den Track ›Blood Harmony‹ habe ich für unsere Mutter geschrieben, eine Art vertonte Liebeserklärung. Eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen ist die, wie meine Schwestern und ich mit ihr am Klavier sitzen und Harmoniegesänge übten. Als wir im Studio waren, besuchte uns Mama und sang bei den Harmonien für den Song mit, das war ein schöner Moment.“ Slide-Gitarristin und Sängerin Megan ergänzt: „Generell haben wir uns auf diesem Album von unserem gewöhnlichen Aufnahme-Prozedere entfernt. Als wir 2017 unser Label Tricki-Woo Records gründeten, machten wir alles selbst, programmierten die Drums, all das. Auf BLOOD HARMONY haben wir den Prozess geöffnet und mit Rebeccas Mann Tyler Bryant als Produzent gearbeitet – einem brillanten Künstler. Die Kommunikation zwischen Rebecca und mir funktioniert oft durch Gedankenübertragung, damit muss man als Außenstehender erst mal umgehen können. (lacht) Außerdem orientierten wir uns noch mehr am Vibe der 70er. Vieles wurde live aufgenommen, auch die Drums, die Platte versprüht mehr rohen Rock’n’Roll mit einem Hauch Nostalgie und repräsentiert so besser, was Larkin Poe auf der Bühne abliefert.“

Trotz eben jener Nostalgie und der persönlichen Erfahrungen, die von Wärme, Zuneigung und Offenheit geprägt sind, sind sich Larkin Poe der schwierigen Geschichte des Südens und des Southern Rock bewusst und wollen Teil einer neuen, diversen, reflektierten Bewegung sein, die eine positive Botschaft in die Welt trägt: „Der Süden ist mit einem schweren Stück Historie belastet, auf das wir nicht stolz sind. Doch der einzige Weg ist, selbst der Wandel zu sein, den man sehen möchte. Wir schreiben aus einer südlichen Perspektive und weben unsere eigenen Ansichten hinein. Wir lieben die Kultur und Musik, die dort entstanden ist, die zu einem großen Teil dem schwarzen Amerika entspringt – es ist uns wichtig, diesen Künstlern Respekt zu zollen und diesen Teil der Vergangenheit zu ehren, jedoch nicht darin stecken zu bleiben. Als female fronted Southern Rock und Blues-Band können wir all dies miteinander vermengen und so hoffentlich etwas verändern.“, erklärt Rebecca und wägt dabei jedes ihrer Worte sorgfältig ab. Schnell merkt man, dass bei Larkin Poe die Harmonie eine übergeordnete Rolle spielt. Nicht nur wenn es darum geht, mehrstimmig zu singen, die eigenen Familienverhältnisse zu beschreiben oder Frieden zwischen der Vergangenheit und dem Jetzt zu schließen, auch das enge Band zwischen den beiden Schwestern basiert auf dem Wunsch nach Einklang: „Auch wir streiten, auch unsere Egos standen uns schon im Weg, auch wir traten manchmal in Konkurrenz zueinander, doch wir arbeiten jeden Tag an uns. Wir gehen respektvoll miteinander um, wir nutzen unsere lebenslange Verbundenheit und das damit einhergehende Wissen nicht aus, um uns zu verletzen. So eine Dynamik wollen wir nicht. Wir lieben einander und wollen gemeinsam wachsen – wir stecken viel Energie in unsere gesunde Beziehung.“, so die Lovell-Schwestern – wie auch sonst – einhellig.

Zeitzeichen: James Brown

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James BrownHandful Of Soul: Von ärmlichen Verhältnissen zum Soul-Olymp.

In bettelarmen Verhältnissen verbrachte James Brown seine Kindheit und Jugend. Er wurde am 3. Mai 1933 in einer Hütte, die aus einem einzigen Raum bestand, geboren. Seine Eltern trennten sich, als er vier Jahre alt war. Die Mutter verließ die Familie und James war den ganzen Tag über sich selbst überlassen, weil sein Vater immer arbeitete. „Ich glaube, wenn man als Kind so viel allein ist“, so sagte die Soul-Legende rückblickend in einem Interview, „dann wirkt sich das sehr stark aus.“ Niemand war für ihn da, keiner, mit dem er reden konnte. „Das hat mich für immer geprägt, das hat mich innerlich unabhängig gemacht. Ganz gleich, was mir später noch alles passierte – meine Zeit im Gefängnis, private Probleme, die Schikanen der Regierung – ich konnte mich immer in mich selbst zurückziehen.“

Mit sechs Jahren wurde James zu seiner Tante Minnie nach Augusta, Georgia, gebracht. Sie betrieb ein Bordell und der kleine James sah dort jede Menge Halbwelt: Glücksspiel, illegale Schnapsbrennereien und Prostitution. Als Jugendlicher tanzte er für kleines Geld, putzte Schuhe, sang in der Kirche und fing an zu stehlen. Ein paar mal schickten sie ihn von der Schule nach Hause, weil er nicht ordentlich gekleidet war. Klingt tragisch, und ja, im Vergleich zum Lebenslauf von Brown verblasst so manche Gangsterrapper-Biographie. Die Polizei erwischte ihn nach diversen Autoeinbrüchen und er wurde zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. „Ich war erst ein paar Monate im Knast, da stellte ich dort ein Gospelquartett zusammen. Gospel zu singen ist eine Art Hilfe für die Seele und machte mich zufrieden.“ Es dauerte nicht lange und die anderen Jungs nannten den rhythmischen Sänger einfach nur Musicbox.

Seine Karriere nahm nach dem Freiheitsentzug ordentlich Fahrt auf. Anfang der 50er Jahre lernte James den Sänger Bobby Bird kennen und dieser nahm Brown in seiner Band The Avons auf. „Du brauchst Macht, um frei zu werden und Freiheit, um kreativ sein zu können“, so lautet die Formel von James Brown über seinen Antrieb, Musiker zu werden.

Mitte der 60er Jahre politisierte sich der Sänger: Er wurde Mitglied bei Bürgerrechtsorganisationen und trat in den Südstaaten nur dann auf, wenn schwarze und weiße Besucher nicht mehr (wie sonst üblich) nach Hautfarben getrennt im Publikum saßen. Was James Brown nicht unterstützte, waren bewaffneter Aufstand und gewalttätige Revolution. Das war nicht sein Ding. Als Martin Luther King 1968 er­­mordet wurde und deshalb Unruhen in den Großstädten befürchtet wurden, rief er in den Medien zur Mäßigkeit auf. „Tun wir nichts, was Dr. King nicht ehrt“, sagte Brown. Später im Jahr 1968 nahm er dann den Song auf, der eine der Hymnen dieser Zeit werden sollte: ›Say It Loud, I‘m Black And I‘m Proud‹

Video der Woche: Motörhead ›God Save The Queen‹

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Happy Birthday, Lemmy Kilmister! Heute wäre die Rock-Kultikone 77 Jahre alt geworden. Das wollen wir mit unserem Video der Woche feiern.

Für Rockfans war Heiligabend auch immer ein musikalisches Fest. Denn Ian Fraser Kilmister, allen besser bekannt als Lemmy, erblickte am 24. Dezember 1945 das Licht der Welt. Lemmy wurde zu Lebzeiten schnell zur Ikone und sorgte vor allem mit seinem Powertrio Motörhead für Aufsehen.

Im Jahr 2000 veröffentlichten Motörhead ihr Album WE ARE MOTÖRHEAD. Um dieses zu promoten veröffentlichten sie ›God Save The Queen‹, eine Coverversion des Sex-Pistol-Klassikers, samt ironischem Video:

Titelstory: 1979 – Motörheads BOMBER

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Startklar: Gerade aus einem finnischen Gefängnis entlassen, kehrten Motörhead nach England zurück, weil sie einen Nachfolger zu ihrem Hitalbum OVERKILL aufnehmen mussten – und zwar schnell. BOMBER blies mit Pauken und Trompeten zum Sturm auf die Charts.

In jenem heißen Sommer 1979 standen Motörhead mächtig unter Druck. Ihr zweites Album OVERKILL war gerade ihr erstes geworden, das es in die britischen Top 30 geschafft hatte, und Lemmy hätte vor Freude in seinen schmutzigen weißen Stiefeln umherhüpfen müssen. Sie waren sogar zweimal bei „Top Of The Pops“ aufgetreten und über Nacht von „der schlechtesten Band der Welt“ (O-Ton „NME“, 1978) zur coolsten Rockgruppe des Planeten geworden. Na ja, zumindest der coolsten in Großbritannien. Doch statt zufrieden zu sein, war Lemmy nervöser denn je.

Wir saßen draußen vor einem Pub in Notting Hill am Kanal. Es war ein wunderschöner Sommerabend, doch Lemmy war verloren irgendwo in der Dunkelheit in seinem Kopf. „Es ist nicht so, dass ich jetzt mehr Geld hätte“, sagte er, als ich ihm noch mal fünf Pfund borgte (er zahlte seine Schulden übrigens immer zurück). „Wir bekommen nach wie vor alle 40 Pfund die Woche. Nur dass sie [das Label] jetzt ein neues Album noch vor Ende des Jahres wollen. Sie machen sich Sorgen, dass wir nur eine Eintagsfliege sein könnten“, grummelte er. „Ich bin seit 15 Jahren in Bands und hatte meinen ersten Hit 1972 mit Hawkwind. Doch die Plattenfirma und die Veranstalter glauben immer noch, das sei alles nur Glück gewesen – und dass es uns bald ausgehen werde. Fuck them.“

Lemmy war immer gut darin, sich kämpferisch zu geben. Doch Fakt war, dass er mit dem Rücken zur Wand stand. Der Erfolg von OVERKILL und der gleichnamigen Single hatte alle überrascht – inklusive Lemmy selbst – und nun spürte er diese Angst, die alle Helden nach ihrem ersten großen Hit empfinden, wenn von ihnen erwartet wird, dass sie einen noch besseren Nachfolger abliefern. Ich versicherte ihm, dass alles besser werden würde, wenn sie erst mal in ein paar Wochen ins Studio und an die Arbeit gehen würden. „Nun, es wird uns wohl davon abhalten, Mist zu bauen“, sagte er finster.

Er und die Band wären gerade nach drei Tagen in einem finnischen Knast nach England zurückgekehrt, wie er erklärte. Man hatte sie am Flughafen in Helsinki festgenommen, als sie nach dem Punkaroka Midnight Sun Festival nach Hause fliegen wollten. Die Festivalveranstalter hatten sich an die Polizei gewandt, nachdem sie schockiert gewesen waren von dem Schaden, den Motörhead ihrer Bühne zugefügt hatten. Lemmy hatte den Auftritt damit begonnen, dem Publikum auf Finnisch „Frieden und gute Vibes“ zu versprechen, nur um dann am Ende sämtliches Equipment auf der Bühne zu zerstören.

Doch der wahre Ärger begann, so Lemmy, als Schlagzeuger Phil „Philthy Animal“ Taylor einen Baum in eine Garderobe geworfen hatte – durch ein Fenster, das Lemmy gerade mit seiner Faust zertrümmert hatte. Dann hatte die Band besagtem Baum „ein Wikingerbegräbnis“ beschert. „Wir zündeten ihn an und schoben ihn auf den See hinaus. Es war in der Abenddämmerung und sah wirklich toll aus. Dann stiegen wir natürlich in den Bus, um zum Flughafen zu fahren, und der Fahrer beging den schrecklichen Fehler, zu sagen: ‚Ihr werdet meinen Bus nicht schmutzig machen‘. Woraufhin natürlich sofort eine Essensschlacht ausbrach… Als wir zur Zollkontrolle gelangten, sagte der Beamte: ‚Folgen Sie mir bitte in diesen Raum…‘“

Als sie nach 72 Stunden, in denen sie „wie Scheiße behandelt“ worden waren, endlich das Flugzeug nach Hause bestiegen, stürmte der Pilot den Gang entlang zu ihnen und sagte: „Ich habe von euch gehört. Ihr Typen seid eine Schande für die Gesellschaft! Wenn ihr irgendwas in meinem Flugzeug tut, sorge ich dafür, dass in Heathrow die Polizei auf euch wartet.“

Doch sobald sie in der Luft waren, schaffte es Gitarrist „Fast“ Eddie Clarke irgendwie, einen sehr großen Wodka-Orangensaft der Passagierin vor ihm in den Kragen zu schütten. „Wir dachten aber nicht, dass das so schlimm sei“, sagte Lemmy. „Doch sobald wir in Heathrow ankamen, sahen wir all diese Polizisten auf dem Rollfeld. Wir dachten: ‚Oh nein, jetzt sind wir gefickt‘. Aber stattdessen verhafteten sie den Kapitän – er war betrunken! Wenn das keine Ironie war.“

Das war Ende Juni gewesen. Bis zum Reading Festival im August hatten sie keine Auftritte gebucht, also verbrachten sie den Rest des Sommers damit, so schnell wie möglich den Nachfolger zu OVERKILL aufzunehmen.

The Last Rockstars: Japanische Supergroup mit neuer Single

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The Last Rockstars heißt diese nicht gerade bescheiden betitelte neue Formation, die sich aus Japans bekanntesten Rockstars Yoshiki, Hyde, Sugizo und Miyavi zusammensetzt. Die nach dem Bandnamen betitelte erste Single gibt es heute schon zu hören, weitere Musik soll im Lauf von 2023 veröffentlicht werden.

Leslie West: 22.10.1945 – 23.12.2020

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Er machte sich seinen Namen Anfang der 70er mit Mountain und wurde als Gitarrist von vielen seiner Zeitgenossen gelobt. Jeff Beck beschrieb ihn einst gar als den „größten lebenden Gitarristen der Welt“.

Am bekanntesten ist der Hit ›Mississippi Queen‹ von 1970, den so verschiedenartige Künstler wie Ozzy Osbourne und Bachman-Turner-Overdrive gecovert haben. Mountain gehörten zu den Entdeckungen des Woodstock-Festivals 1969 und wurden dann zu einem der größten Acts der frühen 70er. Ihr wuchtiger, dreckiger Blues wurde zudem zur Blaupause für den Heavy Metal. Rockstar-Extravaganzen, Drogen und außer Kontrolle geratene Egos führten dann nach nur drei Alben zur Auflösung der Band. Das letzte war FLOWES OF EVIL von 1971.

Daraufhin rief West mit Mountain-Schlagzeuger Corky Laing und Ex-Cream-Bassist/Sänger Jack Bruce das Powertrio West, Bruce & Laing ins Leben. Geboren als Leslie Weinstein, begann Wests Musiklaufbahn mit seinem Einstieg bei den Long-Island-Rock’n’Soulern The Vagrants, nachdem er sich mit den Geldgeschenken von seiner Bar Mitzvah eine E-Gitarre zugelegt hatte. Produziert wurden sie von Felix Pappalardi, der 1967 auch DISRAELI GEARS von Cream betreut hatte. Pappalardi produzierte dann 1969 das Solodebüt MOUNTAIN und wurde schließlich zum Bassisten der gleichnamigen Band.

Als sie bei Record Plant aufnahmen, stattete ihnen Jimi Hendrix einen Besuch ab. „Jimi sagte, er liebe das Riff auf ›Never In My Life‹. So eine Anerkennung gab mir das Gefühl, der heiße Scheiß zu sein – ich hörte auf, mit all meinen Freunden zu reden“, scherzte West später. Mit dem Erfolg von ›Mississippi Queen‹ gingen Mountain durch die Decke. Ihre Formel war simpel: eine Mischung aus Kraft und Subtilität, verpackt in reduzierter Form. „Ich spielte nicht schnell, ich benutzte nur den ersten und dritten Finger auf dem Fingerbrett“, sagte West 2011. „Ich wollte den besten, größten Klang und ein Vibrato wie jemand, der in einem 100-köpfigen Orchester Geige spielt.“

In Großbritannien brannten sich Mountain unwissentlich ins Bewusstsein eines großen Publikums, als ein kleiner, aber kraftvoller Sample des Titelstücks ihres zweiten Albums NANTUCKET SLEIGHRIDE zur Titelmelodie der beliebten Polit-Talkshow „Weekend World“ wurde. Die Band wusste nichts davon, bis sie 1985 in Knebworth Park als Vorgruppe der jüngst wieder vereinten Deep Purple auftrat. „100.000 Zuschauer flippten bei ›Nantucket Sleighride‹ völlig aus und mir war schleierhaft, woher sie das überhaupt kannten“, staunte West noch Jahre später. Über die Jahre er wachten Mountain immer wieder mal zum Leben, mit West als Kurator und meistens mit Laing im Schlepptau.

Ab den 70ern war Leslie abhängig von Heroin, Morphin und Kokain, doch ab 1986 bekam er die Sucht in den Griff. „Statt mich über 28 Tage zu entgiften, tat ich das über mehrere Jahre hinweg, indem ich die Dosis so minimal reduzierte, dass es keine Symptome verursachte“, erzählte er 2014. „Später wurde
mir dann klar, dass ich nur noch so winzige Mengen nahm, dass es wohl wie ein Placebo war.“ 2009 bediente sich Johnny Winters Manager Paul Nelson derselben Methode, um ihn von seiner Sucht zu befreien. Nelson fuhr die tägliche Dosis seines Bosses schrittweise herunter, bis, so West, „Johnny ihn fragte, wieviel Methadon er denn nehmen würde, und Paul antwortete: ‚gar keins. Du bist seit Monaten clean‘. Johnny war unglaublich dankbar.“