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The Dead Daisies: John Corabi wieder an Bord

Und bei den Dead Daisies geht das muntere Line-Up-Karussell wie seit jeher weiter: Frontmann Glenn Hughes verlässt die Formation, dafür steigt ihr ehemaliger Sänger John Corabi wieder ein. Am Bass wird Michael Devin künftig mit von der Partie sein.

Erstmals war Corabi von 2015 bis 2019 Teil der Dead Daisies. Als einziges konstantes Bandmitgleid der fluiden Truppe kann Gründer David Lowey genannt werden.

Gewinnspiel: Vinyl und Tickets von The Mars Volta im Lostopf

The Mars Volta haben sich ihr siebtes, selbstbetiteltes Album nochmal vorgeknöpft. Die Zweimannband, bestehend aus Cedric Bixler-Zavala und Omar Alfredo Rodriguez-Lopez, kleidete THE MARS VOLTA in akustische Gewänder, erschienen ist die Neuversion ihres Albums am 21. April. Am 24. Juni spielt die Truppe außerdem einen Gig in der Berliner Vertigo-Music-Hall.

Wir haben ein cooles Bundle für euch im Lostopf: Wir verlosen zwei schöne Pakete, bestehend aus dem Album auf Vinyl und zwei Freikarten für die Show in Berlin. Teilnahmeschluss ist der 29. Mai 2023.

Jetzt mitmachen und gewinnen:

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L.A. Guns: Von Teufeln und Diamanten

Erst unter großem Druck entsteht aus einem Stück Kohle ein Diamant. Ähnlich läuft es bei den L.A. Guns um Phil Lewis und Tracii Guns, jenen beiden Sunset-Strip-Ikonen, die auch seit ihrer Reunion im Jahr 2017 noch immer nicht ohne Reibung auskommen. Und genau jene Reibung dürfte es sein, die die beiden zu wahren Energiekraftwerken mutieren lässt. Mit allen bisherigen Post-Reunion-Alben sind der Truppe extrem druckvolle Werke gelungen, die den Spagat zwischen der sleazigen Vergangenheit und einer gut gereiften Bandidentität mühelos schaffen. Das neue BLACK DIAMONDS reiht sich nahtlos in diese qualitativ hochwertige Serie ein und Frontmann Phil Lewis erklärt, warum die L.A. Guns noch immer so hungrig wie eh und je klingen.

All eure Post-Reunion-Albumtitel spielen auf deine Beziehung zu Tracii an. Was hat es also mit BLACK DIAMONDS auf sich?

Du hast deine Hausaufgaben gemacht! (lacht) Die erste Platte nach der Reunion hieß ja THE MISSING PEACE – davor hatten wir etwa 15 Jahre lang nicht mehr miteinander gesprochen. Das muss ein lächerlicher Streit gewesen sein, denn wir wussten nicht mal mehr genau, worum es eigentlich ging. Also beschlossen wir, das Kriegsbeil zu begraben, weil wir ein sehr gutes, musikalisches Team sind. Durch diese lange Periode der Entfremdung hatten wir sehr viel Zeit verloren, die wir nun aufholen wollten. Wir machten uns sofort an die Arbeit, um möglichst schnell neue, aufregende Musik zu veröffentlichen. Der wichtigste Faktor der Reunion für uns beide war, dass es nicht nur um Nostalgie gehen sollte. Kein „lass uns in den 80ern bleiben“, nein, der Fokus lag auf neuem Material. Tracii ist ein sehr produktiver Songwriter, er nudelt den ganzen Tag auf seiner Gitarre herum und findet tolle Akkordfolgen. Er ist wie ein Sternekoch: eine Prise Led Zeppelin hier, ein Hauch von Rolling Stones da und am Ende kommt eine sehr gute Suppe heraus. Doch wo war ich stehen geblieben? Achja, ich wollte eigentlich auf deine Frage antworten. THE MISSING PEACE, THE DEVIL YOU KNOW – ja, wir sind beide Teufel – und CHECKERED PAST sprechen ja als Titel für sich und jetzt also BLACK DIAMONDS. Ich würde sagen, wir sind Diamanten, wir sind hart im nehmen, Mann. Wir sind starke, solide, schwarze Diamanten.

Und ohne Druck und Reibung kommen Diamanten gar nicht zustande. Das ist bei den L.A. Guns vielleicht ähnlich.

Ohja, Tracii und ich blühen unter Druck erst so richtig auf.

Könnte diese Band in kompletter Harmonie künstlerisch gesehen überhaupt existieren?

Es gibt sie schon, diese gelassenen Momente. Aber die dauern nicht ewig an. Die L.A. Guns sind wie ein lebendiges Ding, stets im Wandel, voller Veränderung. Meistens sehr aufregend, manchmal auch etwas öde – das liegt in der Natur der Sache. Eine Stunde bevor man auf die Bühne geht, tropfen Vorfreude und Aufregung von der Decke. Von einer sechsstündigen Fahrt von einer Venue zur nächsten kann man das nicht unbedingt behaupten. Es gibt sie also, diese harmonischen Zeiten, aber das wäre jetzt nicht das erste, was mir zu uns einfällt.

CHECKERED PAST entstand in Isolation, für BLACK DIAMONDS konntet ihr wieder gewohnt zusammenarbeiten. Wie hast du das empfunden?

Ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich ich darüber war. CHECKERED PAST wurde ja nur über Datentransfer erschaffen – das war okay, die Platte besteht aus guten Songs, trotzdem war es eine sehr seltsame Erfahrung, ein ganzes Album an meinem Laptop aufzunehmen ohne die physische Präsenz der anderen. Es war gut, weil wir nun wissen, dass es zur Not so auch geht. Aber wie erleichternd, dass wir wieder miteinander arbeiten konnten. Die Energie, der Humor, der ganze Vibe. Tatsächlich haben wir viele Takes für BLACK DIAMONDS im Sommer im Tourbus aufgenommen.

Ich finde es viel besser, wenn Bands sich treffen, um ihre Platten aufzunehmen.

Das nennt man kochen, wir alle sind Köche, Sterneköche. Jeder von uns hat ein paar Geheimzutaten. Wir treffen uns und bereiten einen Weltklasse-Eintopf zu – ich liebe es. Ich liebe es, in einer Band zu sein, vor allem, wenn wir gemeinsam konstruktiv etwas erschaffen.

Ich denke, das hört man auch. Verglichen zu vielen eurer Kollegen klingt ihr sehr hungrig!

Ich nehme mir nicht vor, möglichst hungrig zu klingen. Aber wenn du damit umschreibst, dass ich mir meine Eingeweide aus dem Leib singe, dann stimmt das. Ich sehe das eben als meinen Job an. Außerdem sind die anderen so großartige Musiker, dass mir das als Sänger ziemlich Feuer unterm Hintern macht, das stachelt meinen Ehrgeiz an! (lacht)

Du zeigst auf BLACK DIAMONDS eine große Bandbreite in deiner Performance. Wie gehst du stimmliche und melodische Arrangements an?

Eine gute Frage! Wenn du dir die Tracklist mal anschaust, sind da viele verschiedene Stile auf diesem Album vereint. Nehmen wir mal einen Song namens ›Crying‹ …

Ziemlicher Cheap-Trick-Vibe!

Exakt! Und vielleicht sogar ein Hauch von Donnie V und Enuff Z’Nuff, sehr Beatles-mäßig. Der unterscheidet sich ja komplett von einem Track wie ›Gonna Lose‹ – gäbe es ein LED ZEPPELIN V, dann wäre dieser Song da wohl drauf! Sobald du so eine Musik hörst, willst du dich automatisch an diesen Vibe anpassen, ich komme gar nicht umhin, ein bisschen Robert Plant in meine Stimme zu integrieren. Meiner Meinung nach ist der Chorus eines der Highlights auf diesem Album.

Wie hast du die Zeit zwischen CHECKERED PAST und BLACK DIAMONDS erlebt? Tracii hatte ja ein paar private Probleme.

Es war eine schwere Zeit für ihn, er musste durch eine schlimme Trennung. Aber ich meinte zu ihm: ‚Was ist besser? Alleine zuhause zu sitzen und in Selbstmitleid zu zergehen, oder mit deinen Kumpels auf Tour zu sein?‘ Ich kann nachempfinden, wie es ihm ging, wir alle mussten so etwas schon durchmachen. Zeitweise war es hart für ihn und auch für uns, doch diese Band war seine Rettung.

Aktuell grinst er ja recht glücklich mit Orianthi im Arm aus Social Media heraus.

(lacht) Er ist ein großes Kind! Seine Stimmungsschwankungen sind enorm, doch wenn er glücklich ist, bin ich es auch. Ich freue mich für ihn, er hat es verdient. Um ehrlich zu sein: Wir haben es verdient. (lacht)

Was hält das Jahr 2023 bereit für die L.A. Guns?

Wir spielen einige Shows in Kalifornien und Arizona. Aktuell ist nichts Großes geplant, weil wir einen Management-Wechsel hatten und nun ein bisschen Zeit brauchen, um uns einzugrooven, ein paar Scherben aufzusammeln. Damit sollten wir 2023 gut beschäftigt sein, außerdem arbeiten wir natürlich an neuer Musik.

Werkschau: The Doors

Die kalifornische Band wird oft auf den Sensationswert ihres Sängers reduziert. Zu Unrecht. Let’s swim to the moon….

Rockbands aus den Sechzigern werden bekanntlich gerne zu Legenden stilisiert, bei den Doors kommt noch der James-Dean-Faktor erschwerend hinzu: der früh vollendete Sänger Jim Morrison in der Pose des Märtyrers, um dessen Tod sich Geheimnisse ranken. Der ansonsten geschätzte Regisseur Oliver Stone ließ sich 1990 gar zum Spielfilm „The Doors“ hinreißen, bei dem Val Kilmer in der Rolle Morrisons dann aber doch eher den Hippie-Kasper gab. All das zusammengenommen sorgt bis heute für Polarisation: Für die einen sind The Doors Ikonen, deren rätselhafter und fotogener Sänger dem Rock’n’Roll die Poesie einhauchte, für die anderen sind die vier Kalifornier eine komplett überschätzte Hippiekapelle mit allzu eitlem Frontmann.

Fakt ist: Die 1965 in Los Angeles gegründete Band betrat Neuland, und das ist immer gut. Morrison mochte vielleicht nicht gerade der geniale Dichterfürst sein, seine bildhaften, teils surrealen Texte erschlossen dem Rock der späten Sechziger aber tatsächlich neue Dimensionen. Und seine drei Begleiter? Gitarrist Robbie Krieger und Organist Ray Manzarek schrieben zweifellos gute Songs, fast bemerkenswerter waren allerdings ihre instrumentalen Eskapaden: Krieger, der Blues, Jazz und Flamenco mochte, kultivierte einen sehr eigenwilligen Stil, der selbst im „Alles-ist-möglich“ jener Jahre auffiel. Ray Manzarek, der mit einem Bass-Manual die Rolle des Bassisten gleich mit übernahm, sorgte ebenfalls für charaktervolle Klänge, während Schlagzeuger John Densmore gerne abgespeckte Latin-Rhythmen trommelte. Morrison changierte stets zwischen sanftem Crooner, ruppigem Blues-Shouter und exzessivem Rock-Tier, was ein paar weitere Facetten hinzufügte.

Als Stilisten mit ganz eigenem Sound gebührt den Doors also großer Respekt. Niemand klang so wie sie. Ihre musikalischen Qualitäten werden aber noch heute gerne von ihrem Sensationswert beschattet – und der geht eindeutig auf Morrisons Konto: ein wilder Mann mit lockigem Haar, der von Vatermord sang, sich offensiv die Birne zuknallte und auf einer Bühne in Miami angeblich den kleinen Jimbo aus der Lederjeans hängen ließ. Augenzeugen äußerten sich dazu allerdings stets widersprüchlich. Jedenfalls: Als Morrison 1971 in einer Pariser Badewanne sein Leben ließ, war es mit den Doors vorbei. Sie machten dennoch weiter. Bedauerlicherweise, denn das Feuer war erloschen.

Unverzichtbar

THE DOORS (1967)


Debütalben wohnt oft ein spezieller Zauber inne, und diesem hier ganz besonders. Nicht nur, weil mit ›Light My Fire‹ ihr größter Hit an Bord ist und mit dem epischen ›The End‹ eine der Erkennungsmelodien des Sixties-Rock: Hier spielt eine Band aus der amerikanischsten aller US- Städte und klingt dennoch ganz anders als der Rest: kein Folk, keine plakative Psychedelik, kein kraftmeiernder Elektro-Blues, dafür das lakonische ›Take It As It Comes‹, das chansonhafte ›The Crystal Ship‹ und Kurt Weills ›Alabama Song‹. ›End Of The Night‹ klärt, ob Morrison nun für die „süße Lust“ oder „die endlose Nacht“ geboren war: Gothic-Pop des Jahres 1967.

WAITING FOR THE SUN (1968)


Das dritte Album der Doors ist die häufig unterschätzte Perle. Robbie Kriegers ›Spanish Caravan‹ inklusive Flamenco-Intro und Synthesizer-Experi­ment ist der perfekte Soundtrack für eine Fahrt durch die Sierra Nevada, und obwohl ›Summer’s Almost Gone‹ ziemlich schlicht ausgefallen ist, bringt es die Melancholie der ersten kühlen Septembernacht perfekt auf den Punkt. Faszinierend sind die Atmosphären, die auf diesem Album geschaffen werden, sei es bei ›Wintertime Love‹, dem aggressiven ›Five To One‹ oder ›The Unknown Soldier‹, für dessen Promofilm sich Morrison effektvoll erschießen ließ.

Wunderbar

STRANGE DAYS (1967)

The Doors Strange Days
So war das damals: Wenn eine Band erfolgreich war, dann wurde ganz schnell das nächste Album hinterhergeschoben. Ein liebloser Schnellschuss ist STRANGE DAYS aber dennoch nicht geworden, vielmehr wirkt es tatsächlich wie die konsequente Fortsetzung des Debüts. Beide Werke hätten auch als Doppelalbum erscheinen können, so groß sind die Ähn­lichkeiten. Wer THE DOORS liebt, der liebt auch STRANGE DAYS. Und sei es nur wegen ›Love Me Two Times‹, dem psychedeli­schen Titeltrack oder ›Moonlight Drive‹: „Let’s swim to the moon, honey….“. Eine Neuerung gab es allerdings auch: In ›Horse Latitudes‹ reüssierte Morrison als Rezitator.

L.A. WOMAN (1971)


Die Abschlussarbeit der Doors, ein reifes Werk, vom Blues inspiriert. Optisch hatte sich Morrison vom Leder-Beau zum bärtigen Trapper-Typen entwickelt, und auch stimmlich hatte sich einiges getan. Welch Ironie: Der jahrelange Alkoholexzess mochte seiner Leber massiv geschadet haben, sein Organ klang jetzt aber tatsächlich so, wie man es von einem Bluessänger erwartet: tief, rau und ein wenig brüchig. ›Love Her Madly‹ mochte Pop sein, der Titeltrack und ›Riders On The Storm‹ erstaunten mit leicht jazzigen Untertönen, zu Höchstform lief Mr. Mojo jedoch bei ›Cars Hiss By My Window‹ auf: Blues, extrem wirkungsvoll.

MORRISON HOTEL (1970)


Nach den Gebläse-Attacken von THE SOFT PARADE konzentrierten sich The Doors wieder auf ihr angestammtes Territorium, frisch bepflanzt mit ein paar Blues-Gewächsen. Geerntet wurde ein gelungenes Album mit bemerkenswerten Songs: ›Indian Summer‹ erinnerte noch an die Frühphase, doch ›The Spy‹, ›Ship Of Fools‹, und ›Queen Of The Highway‹ standen für jene Weiterentwicklung, die man sich bereits beim Vorgängerwerk gewünscht hätte. Der ›Roadhouse Blues‹ lieferte dann noch einen dieser goldenen Sinnsprüche des Rock’n’Roll: „I woke up this morning and I got myself a beer.“ Es war vermutlich nicht gelogen.

ABSOLUTELY LIVE (1970)


Als Live-Band waren The Doors spektakulär. Nicht immer, aber ziemlich häufig. Es hing ganz von der Verfassung ab, in der sich Morrison befand: An einem guten Tag war er der große Zeremonienmeister, doch wenn er zu viel getankt hatte, blieben manche Textzeilen eben ungesungen. Sofern er dann in die Improvisation abglitt, konnte das absolut faszinierend sein – oder an der Grenze zur Peinlichkeit. Weshalb das Doppelalbum ABSOLUTELY LIVE auch aus meh­reren Shows zusammengestellt wurde, die zwischen August 1969 und Juni 1970 in den USA über die Bühne gegangen waren. Ein solides Live-Album.

Anhörbar

THE SOFT PARADE (1969)


Im Prinzip ist es ja lobenswert, dass sich The Doors weiterentwickeln wollten, doch mit seinen Streichern und Bläsern wirkt THE SOFT PARADE ein wenig unausgegoren. Was auch dem Zeit­geist anno 1969 geschuldet ist, etwa dem aufkommenden Jazz­rock der Marke Blood, Sweat & Tears. Und natürlich auch dem Verdikt, irgendwie „progressiv“ sein zu müssen. Der Titelsong hatte jedenfalls nicht annähernd die Kraft und Originalität anderer epischer Doors-Stücke und wirk­te trotz spannender Momente konstruiert. Aber das Album hat auch sein Gutes: den rhythmisch unkonventionellen ›Shaman’s Blues‹ etwa, oder auch das leicht exzentrische ›Runnin’ Blue‹.

Sonderbar

AN AMERICAN PRAYER (1978)


Streng genommen kein Doors-Album, sondern das Solodebüt von Jim Morrison – erschienen sieben Jahre nach seinem Tod. Der Hype um seine Person nahm Ende des Jahrzehnts wieder zu, weshalb man auf die glorreiche Idee verfiel, den toten Dichter einfach wieder auszugraben: AN AMERICAN PRAYER enthält alte Aufnahmen, auf denen Morrison seine Gedichte rezitiert. Ein bisschen Musik dazu gepackt, und fertig war das neue Album. Wer Morrisons Poeme unbedingt genießen will, sollte sie einfach lesen. Es besteht aber kein Grund, sie sich vom Maestro erzählen zu lassen, umspielt von kitschigen Keyboardklängen.

Video der Woche: Cher ›Just Like Jessie James‹

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Heute feiert eine Ikone der Pop Kultur Geburtstag: Cher wird stolze 77 Jahre alt.

Cher, gebürtig Cherilyn Sarkisian, ist ein wahres Multitalent. 1965 wurde sie mit dem Duo Sonny & Cher mit dem Megahit ›I Got You Babe‹ bekannt. In den 1980er Jahren startete sie zudem eine erfolgreiche Schauspielkarriere, erst am Broadway, dann auf der großen Leinwand. 1988 erhielt sie für ihre Rolle in „Mondsüchtig“ den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Der Musik blieb sie jedoch immer treu und gewann zahlreiche Grammys.

Der Song ›Just Like Jesse James‹ zu unserem Video der Woche stammt aus ihrem 1989 veröffentlichten Album HEART OF STONE. Geschrieben wurde er von Desmond Child (er schrieb auch zahlreiche Songs für Kiss, Bon Jovi und Alice Cooper) und Diane Warren (sie komponierte auch für Aerosmith und Celine Dion). Während der Song weltweit Charterfolge feierte, gab Cher zu, ihn selbst nicht sonderlich zu mögen. Nichts desto trotz ist ›Just Like Jesse James‹ ein herausragender Song und zurecht unser Video der Woche:

AC/DC: Happy Birthday, Phil Rudd!

Heute wird Phil Rudd 69 Jahre alt. Nach den Turbulenzen der letzten Jahre hat sich der Drummer wieder gefangen und ist wieder bei AC/DC dabei.

Vor seinem Wiedereinsteig machte Phil Rudd mit diversen Skandalen und Pöblereien auf sich aufmerksam. Zwischen 1975 und 2014 trommelte der bodenständige Kerl – mit kurzer Zwischenpause – bei den australischen Hard Rock-Legenden und sorgte für die unverkennbare Rhythmus-Maschinerie bei AC/DC.

Dann jedoch brach das Chaos los: Rudd wurde beschuldigt, Morde an zwei Personen in Auftrag gegeben zu haben. Auch wenn dieser Prozess aufgrund mangelnder Beweislage abgebrochen werden musste, hatte er einen Rauswurf bei AC/DC zur Folge. Außerdem gab es da noch weitere Anzeigen bezüglich Drogenbesitzes, einen neunmonatigen Hausarrest und den Flop sein ersten, 2014 erschienenen, Soloalbums mit dem Titel HEAD JOB.

Das gute Stück wurde 2016 aufgrund der vorhergehenden Probleme erneut veröffentlicht und mit einer folgenden Tour promoted. Nachdem es längere Zeit wieder ruhiger um Rudd geworden war, kehrte der Schlagzeuger 2018 mit seinem Live-Programm BACK TO THE BEAT zurück auf die Bühnenbretter dieser Welt, auch in Deutschland gab es einige Shows zu sehen.

Zum jüngsten AC/DC-Album POWER UP von 2020 dann die Nachricht, die viele Fans erleichtert aufatmen ließ: Rudd ist wieder an seinem gewohnten Platz am Schlagzeug zurück. Happy Birthday, Phil!

Yes: MIRROR TO THE SKY

Als ob Jon Anderson und Rick Wakeman noch immer dabei wären

Natürlich hat der Zahn der Zeit auch an der wohl einflussreichsten Progrock-Formation oder Musikgeschichte genagt und für notgedrungene Umbesetzungen gesorgt. Dass Yes anno 2023 dennoch immer noch so klingen wie vor 50 Jahren, ist wahrhaft erstaunlich und liegt natürlich vor allem an Sänger Jon Davison, der stimmlich dem legendären Jon Anderson wie ein Ei dem anderen ähnelt. Hinzu kommt die Einsicht der Beteiligten, dass vermeintlich zeitgemäße Experimente nichts für diese Band sind. Die Fans wollen Neuauflagen von CLOSE TO THE EDGE (1972) oder TalES FROM TOPOGRAPHIC OCEANS (1973). Mit MIRROR TO THE SKY wird ihnen dieser Wunsch erfüllt. Mehr noch als auf dem Vorgänger THE QUEST (2021) besitzen die neuesten Stücke zeitlosen Charme, sind verspielt und – natürlich – immer auch ein wenig kitschig. Also genau so, wie man es von Yes gewohnt ist. Im Umkehrschluss klingen vor allem die vier längeren Tracks – allein der Titelsong dehnt sich über nahezu 14 Minuten aus – wie vom Himmel gefallen, aus anderen Sphären stammend, wie warmer Anachronismus in einer ansonsten friedlosen, unsteten Welt. Yes anno 2023 sind Yes pur!

8 von 10 Punkten

Yes
MIRROR TO THE SKY
INSIDEOUT/SONY

Samantha Fish & Jesse Dayton: DEATH WISH BLUES

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Abgedrehter Bastard-Garage-Blues

Samantha Fish, eine etablierte junge Blues-Gitarristin, und Jesse Dayton, Beruf Country-Musiker, haben zusammen eine Platte gemacht. Hört sich erstmal stinknormal an. Doch Fish, die schon früh selbstbewusst aus dem Blues-Caravan- Peepshow-Zirkus ausbrach, ist seitdem ziemlich verhaltensauffällig. Stylt sich wie Marilyn Monroe, singt wie eine Rock-Emanze und hat das etwas angeschimmelte Blues-Hospiz längst hinter sich gelassen. Und Jesse Dayton wird zwar in Country einsortiert, hat aber schon viel abgedrehten Scheiß mit Rob Zombie gemacht und auch schon als
Vorband für die Supersuckers gespielt. Beide wollten jetzt, Jahre nach einer lustigen EP mit Coversongs, mal wieder etwas zusammen machen. Und hoppla, was kommt dabei heraus? Mal wieder abgedrehter Scheiß! An den Reglern saß nämlich Garagenrock-Papst Jon Spencer, der dafür
sorgte, dass der Wunsch der beiden nach einem kratzbürstigen Werk in Erfüllung ging. Ich bin ja eigentlich immer dabei, wenn musikalisch gegen den Strich gebürstet wird – und die beiden frisch gebackenen Toxic-Twins haben das auch prima hingekriegt –, leider leidet der rote Faden aber an dem crazy little thing called „Album“. Ihr Plan: Jeder Track sollte den Blues als Grundlage haben, um dann in verschiedene Genres abzudriften. Happy End: Nach 20 Durchläufen steht man schließlich auf diese originelle Hallo-Wach-Pille! Anspieltipps: ›Settle For Less‹ (Rock, yeah!) und ›Down In The Mud‹ (weird funky Blues).

7 von 10 Punkten

Samantha Fish & Jesse Dayton
DEATH WISH BLUES
ROUNDER RECORDS/CONCORD/UNIVERSAL