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Start Blog Seite 132

Siouxsie And The Banshees: ›Dear Prudence‹

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Undercover: Laut Siouxsie „viel zu eingängig“, doch ihre Fassung der Beatles-Nummer sollte zu einem Wendepunkt für sie werden.

DEAR PRUDENCE
SIOUXSIE AND THE BANSHEES 1983
Erstmals aufgenommen von: The Beatles, 1968 Geschrieben von: John Lennon/Paul McCartney

1983 waren Siouxsie And The Banshees auf ihrem kommerziellen Zenit inklusive Auftritten bei „Top Of The Pops“ und hohen Chartplatzierungen angelangt. Mit Beatles-Covers hatten sie Erfahrung, denn schon auf ihrem Debüt THE SCREAM von 1978 hatten sie ihre eigene Attacke auf ›Helter Skelter‹ vom Weißen Album abgeliefert, jenen Proto-Metalsong von Paul McCartney, der von seiner unverschuldeten Assoziation mit Charles Manson befleckt/glorifiziert worden war. Die Entscheidung, ›Dear Prudence‹ aufzunehmen (geschrieben von Lennon in dem Versuch, Mia Farrows Schwester Prudence 1968 aus ihrer selbstauferlegten Meditationsisolation zu locken), wurde in einer Zeit beträchtlicher Veränderung bei den Banshees getroffen. Gitarrist John McGeoch war im Oktober zuvor nach einer Art Nervenzusammenbruch ausgestiegen. Er litt an Stress, Überarbeitung und einem endlosen Kampf mit der Alkoholsucht und wurde durch Robert Smith von The Cure ersetzt (der schon 1979 auf der „Join Hands“-Tournee der Banshees für John McKay eingesprungen war). Sie brauchten eine Single und beschlossen, ein weiteres Stück vom Weißen Album einzuspielen. Schlagzeuger Budgie bevorzugte ›Glass Onion‹, doch Bassist Steven Severin setzte sich durch: „Für mich war es sehr offensichtlich, dass ›Dear Prudence‹ das Richtige für uns war.“ Es gab auch noch einen eher praktischen Grund dafür: „Es war der einzige Song, mit dem Robert vertraut war“, sagte Budgie später in Mark Paytress’ autorisierter Biografie. „Im Gegensatz zu uns allen war er kein Fan des Weißen Albums. ›Dear Prudence‹ war eine gute Wahl, weil wir alle fanden, dass die Version der Beatles unfertig klang, eher wie eine Skizze.“ „Als wir beschlossen, ›Dear Prudence‹ als Single auszukoppeln, dachte ich, wir würden das Original verzerren“, erinnert sich Siouxsie. „Doch als wir es dann aufnahmen [die ersten Sessions fanden statt, als die Band noch in Schweden war], erkannte ich, dass es sich in eine sehr kommerzielle Richtung entwickelte. So sehr, dass ich vorschlug, es stattdessen als B-Seite zu verwenden. Mir kam das alles ein bisschen zu gefällig vor und ich war besorgt darüber, dass es tatsächlich sehr erfolgreich werden könnte.“ Und damit sollte sie Recht behalten. Nachdem es in den Angel Studios in London mit einem Cembalo-Part von Robert Smiths Schwester Janet fertiggestellt worden war, erwies es sich als eine verführerisch psychedelische, unwiderstehliche Kombination aus Lennons elegischem Original und dem typisch bedrohlichen Post-Punk-Element der Banshees, das zur Goth-Blaupause werden sollte. Dieses köstlich düstere Gebräu führte die Band zum ersten Mal seit ihrer ersten Single ›Hong Kong Garden‹ von 1978 in die britischen Top 10 und verhalf ihnen schließlich zu ihrem größten Hit überhaupt, als es Platz 3 erreichte (hinter ›Karma Chameleon‹ von Culture Club). Es geriet auch zu ihrer ersten Single, die von Geffen Records in den USA veröffentlicht wurde, und führte zu einer prestigeträchtigen Einladung zum Weihnachts-Special von „Top Of The Tops“. Doch manchen Menschen kann man es einfach nicht recht machen. Etwa der charakteristisch oppositionellen Siouxsie: „Es schien mir nicht subversiv genug zu sein und war verdammt noch mal viel zu eingängig.“

Tina Turner: So reagiert die Musikwelt auf ihren Tod

Am 24. Mai erreichte uns die Nachricht, dass Tina Turner im Alter von 83 Jahren verstorben ist. Die Musikwelt reagierte mit großer Trauer auf diese Meldung, schließlich war Tina Turner eine der großartigsten Performerinnen und Sängerinnen ihrer Generation, sie war „The Queen Of Rock And Roll“. Zahlreiche Stars und Kolleg*innen erwiesen Tina die letzte Ehre.

Mick Jagger schrieb bei Social Media: „Ich bin so traurig über den Tod meiner wundervollen Freundin Tina Turner. Sie war wahrlich eine enorm talentierte Performerin und Sängerin. Sie war inspirierend, warm, lustig und großzügig. Sie half mir sehr, als ich noch jung war, ich werde sie nie vergessen.“

Ronnie Wood ergänzte: „Gott segne dich, Tina. Die Queen of Rock And Roll und eine gute Freundin unserer Familie. Liebe und Gebete für Tinas Familie, Freunde und Liebsten.“

Elton John schrieb bei Instagram: „Wir haben eine der aufregendsten Performerinen der Welt verloren. Eine absolute Legende, auf Platte und live auf der Bühne. Sie war unerreicht. Mein Mitgefühl an Erwin und ihre Familie. So traurig.“

Geezer Butler von Black Sabbath schrieb: „Die Nachricht von Tinas Tod stimmt mich sehr traurig. Ich sah sie auf ihrer ersten großen Tour im Birmingham Odeon, als sie 1966 die Rolling Stones supportete. Ich wurde sofort zum Fan. Ruhe in Frieden.“

Auch Bryan Adams, Ringo Starr, John Fogerty, Little Steven und viele weitere zollten der Legende Tribut.

Tina Turner: Sängerin mit 83 verstorben

Tina Turner ist im Alter von 83 Jahren verstorben. Das teilte ihr Management heute Abend mit. Die großartige Sängerin mit der noch großartigeren Stimme lebte ein bewegtes Leben. In den 60er und 70er Jahren wurde sie zusammen mit ihrem damaligen Ehemann Ike Turner berühmt. Nachdem sie sich aus der gewalttätigen Beziehung befreit hatte, feierte sie grandiose Solo-Erfolge. Nach einer Abschiedstournee im Jahr 2009 hatte sich die Entertainerin zurückgezogen. Sie lebte mit ihrem Ehemann Erwin Bach in der Schweiz. Ruhe in Frieden, Tina Turner!

Rückblende: Bob Dylan – ›Visions Of Johanna‹

Der größte aller Songwriter hat Geburtstag. Fast zeitgleich jährt sich das Erscheinen seines vielleicht besten Albums BLONDE ON BLONDE. Es war nicht zuletzt ein Song daraus, der ihn zum Vorzeigepoeten der Rockmusik machte.

Mittlerweile ist er fast zum Allgemeinplatz geworden, der berühmte Satz von Bruce Springsteen, demzufolge Bob Dylan in eben dem Maße den Geist befreit hat wie Elvis zuvor den Körper. Ein Song, der dafür einsteht wie kaum ein anderer, ist das 1966 erschienene ›Visions Of Johanna‹ – eine fiebrige siebeneinhalbminütige Ballade über Isolation, Sprach- und Ratlosigkeit, Kälte, Liebessehnsucht und diese mysteriösen Visionen.

Dabei lief es zunächst gar nicht so, wie Dylan sich das vorstellte, Ende 1965, als er mit den Aufnahmen zu seinem siebten Album BLONDE ON BLONDE begonnen hatte. Im selben Jahr waren BRINGING IT ALL BACK HOME und HIGHWAY 61 REVISITED herausgekommen. Meilensteine, was Songwriting und Attitüde betrifft. Der erst 24-jährige Musiker hatte sich von seinen Wurzeln in der Folk-Protestkultur emanzipiert, hing jetzt in Andy Warhols Factory ab. Fortan war funkensprühender elektrifizierter Sound angesagt, in LSD-induzierten, wahnwitzigen Songs wie ›Subterranean Homesick Blues‹, ›Ballad Of A Thin Man‹ oder ›Like A Rolling Stone‹, die vor lauter Verweisen auf Literatur, Kunst und Popkultur zu explodieren drohten. Dylan war zum New Yorker Großstadthipster geworden – samt verspiegelter Sonnenbrille, wildem Lockenkopf und hautengen Anzügen.

In New York sollten auch die Aufnahmen zu BLONDE ON BLONDE stattfinden, zusammen mit den Hawks, einer kanadischen Truppe um den Gitarristen Robbie Robertson, die Dylan schon auf Tour begleitet hatte. Es entstanden zahlreiche verschiedene Versionen der Stücke, die schließlich auf Platte landen sollten – zur Albumreife brachte es aber nur ›One Of Us Must Know (Sooner Or Later)‹. Dylan gelang es nicht, diesen speziellen, schillernd metallischen Klang zu erreichen, den er im Kopf hatte, diesen, wie er selbst ihn nannte: „Thin, wild mercury sound.“ Von ›Visions Of Johanna‹ wurden in New York vierzehn Fassungen aufgenommen. Keine aber schien die Atmosphäre einzufangen, nach der der Song verlangte.

Auf Anraten seines Produzenten Bob Johnston ging Dylan zusammen mit Robertson und dem Organisten Al Kooper nach Nashville. Ausgerechnet in die konservative Countryhochburg, in die der New Yorker Popstar so gar nicht zu passen schien. Doch der fand offenbar Gefallen daran, dem Rummel um seine Person ein wenig zu entkommen – zumal er auf die Dienste einiger der besten Nashville-Sessionmusiker der damaligen Zeit zurückgreifen konnte, darunter Alleskönner Charlie McCoy und Schlagzeuger Kenny Buttrey.

„Die einzelnen Figuren hängen wie lose im Raum, alle wirken sie orientierungslos. Jede Unterhaltung bleibt kryptisch.“

„Ich sagte einfach jedem der Musiker, er sollte nur das spielen, was notwendig ist“, erklärte der im vergangenen Jahr verstorbene Johnston einmal. „Denn ich könnte ihnen nicht gestatten, für Overdubs ins Studio zurückzukehren.“ Die Musiker hielten sich dran – und in einem einzigen Take war ›Visions Of Johanna‹ im Kasten, am Valentinstag 1966. „Wir spielten einfach instinktmäßig“, erinnert sich Robertson an die BLONDE ON BLONDE-Sessions. In Nashville schafften es Dylan und seine Gefährten endlich, diese lakonisch karge und dennoch lebendige musikalische Atmosphäre zu erzeugen, nach der sie suchten. „Es ist dieser klare, lebhafte, flüssige und wilde Klang – wie Quecksilber“, so Dylan in einem Interview von 1978. „Ein metallischer Klang, leuchtend wie Gold, mit einer großen bildmächtigen Kraft.“

Die gespenstische Orgel, die klagende Mundharmonika nach jedem Refrain, die metallische Gitarre scheinen das Sentiment von ›Visions Of Johanna‹ perfekt einzufangen. „Es ist leichter, sich abzukapseln, als Kontakt aufzunehmen“, bekannte Dylan Ende 1965. „Ein großes Halleluja an alle, die miteinander verbunden sind, das ist schön. Ich kann das nicht.“ Es ist nicht zuletzt dieses Gefühl der Isolation, um das es im Stück geht. Um eine Ratlosigkeit dem Leben gegenüber, darum, in einer Sackgasse gefangen zu sein. Gleich die ersten Verse machen das klar: „Ain’t it just like the night to play tricks when you’re trying to be so quiet?/We sit here stranded, though we’re all doin‘ our best to deny it.“ Gestrandete in einer nächtlichen Großstadtszenerie. Der Erzähler ebenso wie die zerbrechliche, verführerische Louise, der Hausierer, der kleine verlorene Junge, der Nachtwächter, und wie sie alle genannt werden. Ein ganzes Ensemble an Figuren tritt auf, von denen sich jedoch keine wirklich um die andere zu kümmern scheint.

Die einzelnen Figuren hängen wie lose im Raum, alle wirken sie orientierungslos. Jede Unterhaltung bleibt kryptisch. Der verlorene Junge murmelt gegen eine Wand, anstatt mit dem Erzähler-Ich zu sprechen. Countrymusik dudelt vor sich hin, unsterbliche Gemälde hängen tot in Museen, die Madonna zeigt sich nicht. Alles ist sinnlos, unzusammenhängend. Wie in einem explodierenden Bewusstsein, das die Wirklichkeit nicht mehr fassen, nicht mehr ordnen kann. Dylan nutzt Methoden des Surrealismus ebenso wie das postmoderne Erzählverfahren der Neukombination von Textfragmenten, um dieses quasi halluzinatorische Zerfallen der Wahrnehmung erlebbar zu machen.

Was bleibt dem Erzähler-Ich am Ende? Es sind die titelgebenden Visionen von der mysteriösen Johanna. Dylan stellt sie der anderen großen Frauenfigur gegenüber: „Louise, she’s all right, she’s just near/She’s delicate and seems like the mirror/But she just makes it all too concise and too clear/That Johanna’s not here.“ Louise scheint sexuell verfügbar, sie ist körperlich anwesend, Johanna ist abwesend, sie ist die einzige, die außerhalb der beschriebenen desillusionierenden Realität steht. Sie dient dem Protagonisten als Ideal, womöglich als Inbegriff erfüllter Liebe und Sinnhaftigkeit, auf jeden Fall steht sie für ein vermeintliches Entkommen aus der als grausam empfundenen Wirklichkeit. Zugleich verfolgen, ja quälen den Erzähler seine Visionen, weil sie eben bis zum Ende das bleiben, was sie sind: Visionen. Ein echter Ausweg aus seinem unverstandenen Dasein sind sie nicht.

Dylan liefert in ›Visions Of Johanna‹ eine seiner stärksten Gesangsleistungen überhaupt ab. Da ist natürlich seine typische schneidende Coolness, mit der er die einzelnen Silben dehnt. Zugleich meint man, die ganze Verzweiflung, das quälende Gefühl der Langeweile, der Melancholie und des Verlassenseins zu hören, von dem der Song handelt.

Es ist unmöglich, den rätselhaften Text komplett zu entschlüsseln. Schon gar nicht lässt sich eine sogenannte „Message“ herausdestillieren. ›Visions Of Johanna‹ dreht sich um eine Stimmung des Gestrandetseins. Ist Liebe real oder eine Illusion? Muss das alles so zerrissen sein? Warum fühlen wir uns so einsam? Ist es möglich, unsere Isolation zu überwinden, Kontakt aufzunehmen, das Leben als sinnvoll zu begreifen? Letztendlich läuft alles auf die eine große Frage hinaus: Wie geht das Leben?

Text: David Numberger

Rückblende: Queen mit ›Radio Ga Ga‹

Der Song war inspiriert von Roger Taylors kleinem Sohn, der auf Französisch „Scheiße“ sagte, wurde zum Hit und einem weiteren Klassiker von Queen – inklusive legendärem Video.

Roger Taylors kleiner Sprössling Felix pflanzte unwissentlich den Keim für en wohl berühmtesten Queen-Song der 80er. Der Sohn des Schlagzeugers und seiner französischen Freundin Dominique Beyrand kam in einen Raum im Haus seiner Eltern, während die gerade Radio hörten. Wenig beeindruckt von dem, was er da vernahm, verkündete Felix ein vernichtendes Urteil: „Radio ca ca“, sagte er und benutzte den französischen Begriff für „Scheiße“. Sein Vater spitzte die Ohren: „Radio ca ca?“ Das könnte einen guten Songtitel abgeben. Und die Meinung seines Sohns zur Musikindustrie der frühen 80er spiegelte seine eigene wider. Taylor sr. missfiel es, dass Hochglanzvideos unter den Popkids jener Zeit das Radio als bevorzugtes Medium abgelöst hatten. Das Radio, so dachte er, musste sich ins Zeug legen. „Im Radio hatte ich erstmals Rock’n’Roll gehört“, grummelte Taylor 1984 in der Zeitschrift Modern Drummer.

„Heute scheint das Video wichtiger zu sein als die Musik selbst – zu wichtig. Musik sollte mehr ein Erlebnis für die Ohren als für die Augen sein.“ Queen standen damals selbst an einem Scheideweg. HOT SPACE von 1982 hatte mit seinen discolastigen Klängen viele ihrer Fans vor den Kopf gestoßen, während ein Jahrzehnt unablässiger Aufnahmen und Tourneen das Temperament und die Egos der vier in den roten Bereich getrieben hatte. „Eine Zeit lang hassten wir einander“, sagte Brian May später. Sie hatten sich eine ausgedehnte Pause von einander gegönnt, bevor sie im Sommer 1983 in Los Angeles für Sessions zu ihrem nächsten Album THE WORKS wieder zusammenkamen. Als Mercury Taylor davon in Kenntnis setzte, dass die Songs, die er für die Platte mitgebracht hatte, nicht gut genug waren, zog sich der Trommler in einem Raum bei Record Plant mit einer Drum-Maschine und einem Synthesizer zurück, um an einem Stück zu arbeiten, dass zu den Worten seines Sohns passte: „Radio ca ca“.

Er wusste nicht wirklich, wie diese brandneuen elektronischen Gadgets funktionierten, aber es gelang ihm, das Skelett eines Songs aufzunehmen, inklusive eines Textes, den er aus dem Songtitel entwickelt hatte. Als er das Ergebnis Mercury vorspielte, schlug das Radar für Kommerzialität des Sängers sofort aus. „Ich glaube, Roger hielt es einfach für noch einen Track, aber ich spürte sofort, dass da mehr war – eine wirklich gute, starke, verkaufsträchtige Ware“, sagte er später. Glücklicherweise beschloss Taylor dann, eine Pause von den Sessions zu machen und in den Urlaub zu fahren. Vor seiner Abreise sagte er zu Mercury: „Mach damit, was du willst.“ Und der Frontmann ließ sich das nicht zweimal sagen. „Roger hatte die Ideen schon alle beisammen“, so Mercury, der gemeinsam mit dem Session-Keyboarder Fred Mandel an dem Song arbeitete, „aber ich fand, dass einige Elemente der Konstruktion nicht passten. Ich übernahm das Stück also mehr oder weniger.“

Die Änderungen, die er vornahm, betrafen nicht nur die Struktur. Da kein Sender je einen Song mit dem Titel ›Radio Ca Ca‹ spielen würde, änderte die Band ihn zu ›Radio Ga Ga‹, obwohl Taylor später bekräftigte, der ursprüngliche Titel sei im Text immer noch intakt: „Wenn man genau hinhört, singen wir tatsächlich ‚Radio ca ca‘“. Capitol Records, das neue US-Label der Band, bestand unterdessen darauf, dass pessimistische Zeilen wie „You’ve had your time, you’ve had your power“ nicht ohne Gegengewicht bleiben sollen, also kam noch die Strophe dazu, die das Radio als „alten Freund“ feierte und warnte: „We might miss you when we grow tired of all this visual“. Der fertige Song war ein Meisterwerk des Pop-Rock Mitte der 80er, gleichermaßen eine Liebeserklärung an das Radio und eine Aufforderung daran, sich mehr anzustrengen. Es pulsierte mit einem elektronischen Beat, der nicht zu der wehmütigen Nostalgie für eine Zeit zu passen schien, als das Medium noch König war. Der Refrain im Stadionformat wurde von einem eingängigen Doppelklatschen begleitet, doch Brian Mays Gitarre war – ungewöhnlich für Queen – außer ein paar Licks am Ende kaum präsent.

Die Kritik des Songs an der wachsenden Popularität von MTV hielt das Label nicht davon ab, mehr als 100.000 Pfund für ein beeindruckendes Video dazu aus- zugeben. Gedreht vom Musikclip-Senkrechtstarter David Mallet und inspiriert von Fritz Langs expressionistischem SciFi-Filmklassiker „Metropolis“ von 1927, düste die Band darin in einem silbernen fliegenden Auto durch eine futuristische Stadt (amüsanterweise hatte Mercury gegen die Langeweile Wodka im Handschuhfach versteckt).

Für die ikonische Schlüsselszene ließ Mallet die Band in strahlend roten Oberteilen vor 500 Kompars*innen aus dem Queen-Fanclub stehen und sie in einem choreografierten Massenklatschen im Rhythmus mit dem Refrain führen. Das Konzept war, dass diese Fans die gedankenlose Masse repräsentierten, doch der NME, nie besonders freundlich zu Queen, verglich die Szene mit einem Nazi-Aufmarsch. „Das war so absurd“, sagte Taylor genervt in der Queen-Webserie „The Greatest“. „Es sollte den Film widerspiegeln … die unterdrückten Arbeiter. Das Nazi-Ding ist lachhaft. Die Leute werden immer eine Agenda finden, wenn sie eine brauchen.“ Das Video half sicher, den Song in den britischen wie deutschen Charts bis auf Platz zwei zu bringen, doch in den USA lief es nicht ganz so gut.

Die Single erreichte dort nur Platz 16, und es half wahrscheinlich nicht, dass zu der Zeit bekannt wurde, dass Capitol einige Jahre zuvor in einen Bestechungsskandal involviert gewesen war. Unabhängige Radiopromoter ließen daraufhin alle aktuellen Acts des Labels fallen, darunter auch Queen. ›Radio Ga Ga‹ stürzte im Eiltempo in die niederen Regionen der Billboard-Charts. Doch die „finest hour“ des Songs sollte erst noch kommen. Am 13. Juli 1985 traten Queen bei Live Aid im Wembley-Stadion auf. Nachdem sie ihr Set mit einem Auszug von ›Bohemian Rhapsody‹ begonnen hatten, gingen sie direkt zu ›Radio Ga Ga‹ über und blickten auf 72.000 Menschen, die ihnen entgegen-klatschten. „Das war einer der großartigsten frühen Belege für die Macht des Fernsehens“, sagte May in „The Greatest“. „Als wir es bei Live Aid spielten, wussten alle, was sie zu tun hatten.“ Roger Taylors Botschaft hatte Gehör gefunden, wenn auch nicht unbedingt so, wie er sich das vorgestellt hatte.

The Dead Daisies: John Corabi wieder an Bord

Und bei den Dead Daisies geht das muntere Line-Up-Karussell wie seit jeher weiter: Frontmann Glenn Hughes verlässt die Formation, dafür steigt ihr ehemaliger Sänger John Corabi wieder ein. Am Bass wird Michael Devin künftig mit von der Partie sein.

Erstmals war Corabi von 2015 bis 2019 Teil der Dead Daisies. Als einziges konstantes Bandmitgleid der fluiden Truppe kann Gründer David Lowey genannt werden.

Gewinnspiel: Vinyl und Tickets von The Mars Volta im Lostopf

The Mars Volta haben sich ihr siebtes, selbstbetiteltes Album nochmal vorgeknöpft. Die Zweimannband, bestehend aus Cedric Bixler-Zavala und Omar Alfredo Rodriguez-Lopez, kleidete THE MARS VOLTA in akustische Gewänder, erschienen ist die Neuversion ihres Albums am 21. April. Am 24. Juni spielt die Truppe außerdem einen Gig in der Berliner Vertigo-Music-Hall.

Wir haben ein cooles Bundle für euch im Lostopf: Wir verlosen zwei schöne Pakete, bestehend aus dem Album auf Vinyl und zwei Freikarten für die Show in Berlin. Teilnahmeschluss ist der 29. Mai 2023.

Jetzt mitmachen und gewinnen:

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L.A. Guns: Von Teufeln und Diamanten

Erst unter großem Druck entsteht aus einem Stück Kohle ein Diamant. Ähnlich läuft es bei den L.A. Guns um Phil Lewis und Tracii Guns, jenen beiden Sunset-Strip-Ikonen, die auch seit ihrer Reunion im Jahr 2017 noch immer nicht ohne Reibung auskommen. Und genau jene Reibung dürfte es sein, die die beiden zu wahren Energiekraftwerken mutieren lässt. Mit allen bisherigen Post-Reunion-Alben sind der Truppe extrem druckvolle Werke gelungen, die den Spagat zwischen der sleazigen Vergangenheit und einer gut gereiften Bandidentität mühelos schaffen. Das neue BLACK DIAMONDS reiht sich nahtlos in diese qualitativ hochwertige Serie ein und Frontmann Phil Lewis erklärt, warum die L.A. Guns noch immer so hungrig wie eh und je klingen.

All eure Post-Reunion-Albumtitel spielen auf deine Beziehung zu Tracii an. Was hat es also mit BLACK DIAMONDS auf sich?

Du hast deine Hausaufgaben gemacht! (lacht) Die erste Platte nach der Reunion hieß ja THE MISSING PEACE – davor hatten wir etwa 15 Jahre lang nicht mehr miteinander gesprochen. Das muss ein lächerlicher Streit gewesen sein, denn wir wussten nicht mal mehr genau, worum es eigentlich ging. Also beschlossen wir, das Kriegsbeil zu begraben, weil wir ein sehr gutes, musikalisches Team sind. Durch diese lange Periode der Entfremdung hatten wir sehr viel Zeit verloren, die wir nun aufholen wollten. Wir machten uns sofort an die Arbeit, um möglichst schnell neue, aufregende Musik zu veröffentlichen. Der wichtigste Faktor der Reunion für uns beide war, dass es nicht nur um Nostalgie gehen sollte. Kein „lass uns in den 80ern bleiben“, nein, der Fokus lag auf neuem Material. Tracii ist ein sehr produktiver Songwriter, er nudelt den ganzen Tag auf seiner Gitarre herum und findet tolle Akkordfolgen. Er ist wie ein Sternekoch: eine Prise Led Zeppelin hier, ein Hauch von Rolling Stones da und am Ende kommt eine sehr gute Suppe heraus. Doch wo war ich stehen geblieben? Achja, ich wollte eigentlich auf deine Frage antworten. THE MISSING PEACE, THE DEVIL YOU KNOW – ja, wir sind beide Teufel – und CHECKERED PAST sprechen ja als Titel für sich und jetzt also BLACK DIAMONDS. Ich würde sagen, wir sind Diamanten, wir sind hart im nehmen, Mann. Wir sind starke, solide, schwarze Diamanten.

Und ohne Druck und Reibung kommen Diamanten gar nicht zustande. Das ist bei den L.A. Guns vielleicht ähnlich.

Ohja, Tracii und ich blühen unter Druck erst so richtig auf.

Könnte diese Band in kompletter Harmonie künstlerisch gesehen überhaupt existieren?

Es gibt sie schon, diese gelassenen Momente. Aber die dauern nicht ewig an. Die L.A. Guns sind wie ein lebendiges Ding, stets im Wandel, voller Veränderung. Meistens sehr aufregend, manchmal auch etwas öde – das liegt in der Natur der Sache. Eine Stunde bevor man auf die Bühne geht, tropfen Vorfreude und Aufregung von der Decke. Von einer sechsstündigen Fahrt von einer Venue zur nächsten kann man das nicht unbedingt behaupten. Es gibt sie also, diese harmonischen Zeiten, aber das wäre jetzt nicht das erste, was mir zu uns einfällt.

CHECKERED PAST entstand in Isolation, für BLACK DIAMONDS konntet ihr wieder gewohnt zusammenarbeiten. Wie hast du das empfunden?

Ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich ich darüber war. CHECKERED PAST wurde ja nur über Datentransfer erschaffen – das war okay, die Platte besteht aus guten Songs, trotzdem war es eine sehr seltsame Erfahrung, ein ganzes Album an meinem Laptop aufzunehmen ohne die physische Präsenz der anderen. Es war gut, weil wir nun wissen, dass es zur Not so auch geht. Aber wie erleichternd, dass wir wieder miteinander arbeiten konnten. Die Energie, der Humor, der ganze Vibe. Tatsächlich haben wir viele Takes für BLACK DIAMONDS im Sommer im Tourbus aufgenommen.

Ich finde es viel besser, wenn Bands sich treffen, um ihre Platten aufzunehmen.

Das nennt man kochen, wir alle sind Köche, Sterneköche. Jeder von uns hat ein paar Geheimzutaten. Wir treffen uns und bereiten einen Weltklasse-Eintopf zu – ich liebe es. Ich liebe es, in einer Band zu sein, vor allem, wenn wir gemeinsam konstruktiv etwas erschaffen.

Ich denke, das hört man auch. Verglichen zu vielen eurer Kollegen klingt ihr sehr hungrig!

Ich nehme mir nicht vor, möglichst hungrig zu klingen. Aber wenn du damit umschreibst, dass ich mir meine Eingeweide aus dem Leib singe, dann stimmt das. Ich sehe das eben als meinen Job an. Außerdem sind die anderen so großartige Musiker, dass mir das als Sänger ziemlich Feuer unterm Hintern macht, das stachelt meinen Ehrgeiz an! (lacht)

Du zeigst auf BLACK DIAMONDS eine große Bandbreite in deiner Performance. Wie gehst du stimmliche und melodische Arrangements an?

Eine gute Frage! Wenn du dir die Tracklist mal anschaust, sind da viele verschiedene Stile auf diesem Album vereint. Nehmen wir mal einen Song namens ›Crying‹ …

Ziemlicher Cheap-Trick-Vibe!

Exakt! Und vielleicht sogar ein Hauch von Donnie V und Enuff Z’Nuff, sehr Beatles-mäßig. Der unterscheidet sich ja komplett von einem Track wie ›Gonna Lose‹ – gäbe es ein LED ZEPPELIN V, dann wäre dieser Song da wohl drauf! Sobald du so eine Musik hörst, willst du dich automatisch an diesen Vibe anpassen, ich komme gar nicht umhin, ein bisschen Robert Plant in meine Stimme zu integrieren. Meiner Meinung nach ist der Chorus eines der Highlights auf diesem Album.

Wie hast du die Zeit zwischen CHECKERED PAST und BLACK DIAMONDS erlebt? Tracii hatte ja ein paar private Probleme.

Es war eine schwere Zeit für ihn, er musste durch eine schlimme Trennung. Aber ich meinte zu ihm: ‚Was ist besser? Alleine zuhause zu sitzen und in Selbstmitleid zu zergehen, oder mit deinen Kumpels auf Tour zu sein?‘ Ich kann nachempfinden, wie es ihm ging, wir alle mussten so etwas schon durchmachen. Zeitweise war es hart für ihn und auch für uns, doch diese Band war seine Rettung.

Aktuell grinst er ja recht glücklich mit Orianthi im Arm aus Social Media heraus.

(lacht) Er ist ein großes Kind! Seine Stimmungsschwankungen sind enorm, doch wenn er glücklich ist, bin ich es auch. Ich freue mich für ihn, er hat es verdient. Um ehrlich zu sein: Wir haben es verdient. (lacht)

Was hält das Jahr 2023 bereit für die L.A. Guns?

Wir spielen einige Shows in Kalifornien und Arizona. Aktuell ist nichts Großes geplant, weil wir einen Management-Wechsel hatten und nun ein bisschen Zeit brauchen, um uns einzugrooven, ein paar Scherben aufzusammeln. Damit sollten wir 2023 gut beschäftigt sein, außerdem arbeiten wir natürlich an neuer Musik.