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Live: Queens Of The Stone Age und The Pretty Things

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Queens Of The Stone Age Perform In MunichQueens Of The Stone Age
München, Tonhalle

Einer der coolsten Rocker der Welt rotzt das Debütalbum seiner Band runter – plus eine Hand voll Zusatz-Hits.

Komisch eigentlich: Joshua Michael Homme und seine räudigen Wüstenrock-Königinnen haben sich längst größere Konzerthallen erspielt. Bei der Tournee zum letzten Studioalbum ERA VULGARIS etwa machten die Queens Of The Stone Age im Münchner Zenith Station, das rund 5.500 Menschen fasst. Mitte Mai durfte allerdings die Tonhalle herhalten, in die lediglich 2000 Anhänger der Kalifornier passten. Klar, es war eine der Shows zum Re-Release des Debüts im März mit drei alten, aber bislang unveröffentlichten Songs, doch wenn Homme diesen Anlass in einem intimen Rahmen feiern will, wieso dann nicht in richtiger Club-Atmosphäre vor – sagen wir – maximal 500 Nasen?
Egal, die Sause war angerichtet, die Gäste waren er-schienen und die Verstärker aufgedreht, als Homme mit seinen vier Mitstreitern die ersten Töne von QUEENS OF THE STONE AGE anschlägt: ›Regular John‹ und ›Avon‹, die sich beide ja auch regelmäßig in den Setlisten der regulären QOTSA-Gigs wiederfinden, gehen zunächst runter wie Öl. Und auch bis etwa zur Hälfte der Platte, die die Band fast chronologisch darbietet, lässt es sich gut mitnicken, dann wird jedoch deutlich: Josh Homme wusste damals bei den Albumaufnahmen 1998 nicht wirklich, wo die Reise hingehen sollte, weswegen er die Stücke – vielleicht ein bisschen zu unmotiviert und uninspiriert als nötig – auf Band rotzte.

An der mangelnden Qualität des Liedguts stört sich der Großteil des Auditoriums jedoch wenig: Extrem bewegungsfreudig gibt sich dieses Publikum, hüpft und mosht durch bis zum zwölften Song ›You Can’t Quit Me Baby‹. Noch überschwänglicher wird dagegen die Zugabe entgegengenommen: ›Burn The Witch‹ und ›Little Sister‹ von LULLABIES TO PARALYZE, ›Monsters In The Parasol‹ von RATED R sowie ›Into The Hollow‹ von ERA VULGARIS machen richtig Lust auf mehr. Doch nach dem Rausschmeißer ›A Song For The Deaf‹ vom Über-Album SONGS FOR THE DEAF ist dann leider definitiv Sense. Jammerschade, denn gerade erst hatten die Queens doch so richtig angefangen, das eigentliche Hauptgericht aufzutischen.

Aber was soll’s – sobald Josh & Co. ihren nächsten Lonplayer im Kasten und auf dem Markt haben, dürften ja wieder Gastspiele der Queens Of The Stone Age anstehen, bei denen der Best-of-Anteil des Programms deutlich üppiger ausfallen sollte. Geentert wird das Studio noch in diesem Sommer, spätestens 2012 ist es also soweit.

Lothar Gerber

Neuigkeiten zu: Kate Bush

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Kate BushUm die 52-jährige Britin ranken sich die seltsamsten Gerüchte: Sie würde komplett zurückgezogen leben, keinerlei Besuch empfangen, den ganzen Tag im Studio tüfteln und sich abends blutige Horrorfilme ansehen. Alles Quatsch – wie sich im Gespräch mit einer der innovativsten Musikerinnen aller Zeiten zeigt.

Da ist Frau Bush, die pro Album bis zu zwölf Jahre benötigt (so wie zwischen THE RED SHOES von 1993 und AERIAL von 2005), fast schon erschreckend nett und normal. „Ich bin die Mutter eines kleinen Jungen und stelle mein Privatleben bewusst über meine Karriere”, betont die Engländerin. „Das heißt: Es ist mir wichtiger, mich um meine kleine heile Welt zu kümmern, als neue Songs zu komponieren. Und ich muss zugeben, dass ich in Sachen wie Kochen, Waschen und Bügeln auch regelrecht auf-gehe”, sagt Bush – und schiebt hinterher: „Ich finde das wirklich entspannend und genieße es.“

Trotzdem legt sie mit DIRECTOR’S CUT ein überraschendes neues Album vor, wo-für sie – für ihre Verhältnisse fast rekordverdächtig – gerade mal fünf Jahre benötigt hat. Und das elf überarbeitete Tracks ihrer Klassiker THE SENSUAL WORLD aus dem Jahr 1989 und THE RED SHOES birgt – mit neuem Gesang, neuer Instrumentierung und zum Teil gene­ralüberholten Texten. Wie in ›Flower Of The Mountain‹ (vormals auf THE SENSUAL WORLD zu finden), das jetzt mit einem Zitat aus James Joyces „Ulysses“ aufwartet. „Es ist einfach so, dass ich mit einigen dieser Stücke nie besonders glücklich war und jetzt Mittel und Möglichkeiten gefunden habe, um sie entsprechend zu verbessern. Quasi wie bei einem Remix-Album, nur dass ich eben ein bisschen weiter gehe.“

Dass seit dem Erst-Release 22 bzw. 18 Jahre vergangen sind, stört die Bush wenig.Und Fragen danach, ob sie sich damit beschäftigt, irgendwann einmal ein wirklich neues Studioalbum aufzunehmen und zu ver­­öffentlichen, kann oder will sie nur ausweichend beantworten: „Irgend-wann, wenn ich das Gefühl habe, mit et-was richtig Gu­­tem aufwarten zu können.“ Noch irgend­welche Fragen?

Marcel Anders

Neuigkeiten zu: Devon Townsend

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devin townsend @ erich saideAls Devin Townsend 2007 dem Musikgeschäft den Rücken kehren wollte, schien das ein Abschied auf ewig zu sein. Doch schon bald zeigte sich, dass der ehemalige Frontmann von Strapping Young Lad seine Finger nicht von der Musik lassen konnte. So arbeitete er als Produzent und häufte nebenbei eine Menge neues Material an, das er auf vier verschiedenen Alben veröffentlichen wollte: KI und ADDICTED erschienen 2009 als die ersten beiden Werke des Devin Townsend Project. Am 20. Juni folgen nun Streich drei und vier: DECONSTRUCTION und GHOST.

Die beiden Alben markieren viel mehr als nur Towns-ends Rückkehr auf die Bühne – sie sind auch das Manifest seines Lebenswandels. Denn der Kanadier wollte mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und sich selbst wieder auf die richtige Bahn lenken. „Ich musste erst ein bisschen Abstand gewinnen, um zu erkennen, dass die meisten Probleme in meinem Leben meine eigene Schuld waren“, erklärt der 39-Jährige. Dieser Erkenntnis folgten weitere, z.B. auch, dass seine Kreativität nicht auf den Konsum von Marihuana zurückzuführen ist. Ganz im Gegenteil: Das Rauchen beeinträchtigte Townsend in vielerlei Hinsicht. „Man wird leicht paranoid“, gesteht er. „Deshalb habe ich mich damals vielen Dingen verschlossen.“ Das ist heute anders. Beim Hören der Quadrologie fällt sofort auf, dass man es nicht nur mit einer geballten Ladung Einfallsreichtum, sondern auch mit vier grundverschiedenen Platten zu tun hat. Das liegt an Townsends musikalischen Einflüssen, die von Metal über New Wave bis zur Klassik reichen. Die Vielfalt ist allerdings auch ein Resultat seiner unermüdlichen Entwicklung als Musiker: „Ich wollte experimentieren. Also habe ich versucht, meine musikalischen Einflüsse zu trennen. Hätte ich das komplette Material auf einer Scheibe verarbeitet, wäre es eine durchwachsene Erfahrung für den Hörer gewesen. So ist jedes der Alben für sich betrachtet einzigartig.“

Um seine Fans auch live von dieser Einzigartigkeit überzeugen zu können, hat sich Townsend etwas Besonderes einfallen lassen: Im November wird er jedem seiner vier Werke einen kompletten Abend in London widmen. Bis jetzt stehen die KI-Show am 10. und der GHOST-Gig am 13. November in der Union Chapel fest. Für alle, die keine Karte ergattern konnten, sollen die Konzerte auf einer Live-CD und -DVD festgehalten werden.

Neuigkeiten zu: Judas Priest

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Judas Priest 2Ende, aus, vorbei: K.K. Downing will nicht mehr bei Judas Priest die Axt schwingen – noch nicht einmal für die bereits gebuchten und bestätigten Abschiedsgigs im Sommer. Nach 37 Jahren Mitgliedschaft bei Priest hat Downing nun die Nase voll, wie der 59-Jährige CLASSIC ROCK berichtet: „Es gibt schon seit einiger Zeit Differenzen zwischen mir und einigen Personen in der Band. Auch in der Kommunikation mit unserem Management gab es des Öfteren Meinungsverschiedenheiten, was mich dazu bewogen hat, diese Tour nicht zu absolvieren.“ Während sich Downing fortan aufs Rock-Altenteil zurückziehen möchte, steht bereits ein Ersatzmann Gitarre bei Fuß: Der frühere Lauren Harris-Saitenmann Richie Faulkner (klein im Bild) wird sowohl auf dem nächsten Studioalbum zu hören sein als auch Downings Platz bei den Sommer-Open Air-Gigs einnehmen.

Ganz so einfach können die Metal-Oberpriester jedoch nicht zur Tagesordnung zurückkehren – und so meldet sich Sänger Rob Halford nach dem Split auch mit traurigem Unterton zu Wort: „K.K. hat uns kurz vor Weihnachten von seiner Entscheidung unterrichtet. Und obwohl Glenn Tipton ihm direkt nach der Aussprache signalisiert hatte, dass er jederzeit zurückkehren könne, änderte K.K. seine Meinung nicht. Uns anderen lief die Zeit für die Tour-Planung davon, daher wird uns nun Richie Faulk­ner unterstützen. Er ist ein brillanter Gitarrist, auch wenn er natürlich nicht so schnell in K.K.s Fußstapfen treten kann!“

Neuigkeiten zu: Def Leppard

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Def Leppard @ Andrew MacPhersonFür ein brandneues Album hat es zwar nicht gereicht, doch auch MIRRORBALL wird Def Leppard-Fans glücklich machen. Denn die erste offizielle Live-Platte der britischen Rocker enthält nicht nur Konzertmitschnitte von Band-Klassikern wie ›Pour Some Sugar On Me‹, ›Hysteria‹ oder ›Photograph‹, sondern auch drei bis dato unveröffentlichte Tracks. Die Songs ›Undefeated‹, ›It’s All About Believin‘‹ und ›Kings Of The World‹, die in den vergangenen Monaten im Studio eingespielt worden sind, fügen sich nahtlos ins Gesamtbild der Platte ein – und geben den Fans aufgrund ihrer stilistischen Bandbreite zudem einen Hinweis, welche Richtung Def Leppard mit ihrem nächsten Album, das Anfang 2012 erscheinen soll, einschlagen wollen. „Ich freue mich, dass es möglich war, diese Lieder auf MIRRORBALL zu integrieren“, betont auch Frontmann Joe Elliott. „Denn obwohl wir natürlich mit der Veröffentlichung warten hätten können, bis die Arbeiten an der neuen Studioscheibe abgeschlossen sind, ist es doch ein Vorteil für uns, sie den Fans jetzt schon vorzustellen. Wir bekommen so Feedback, das uns bei den nächsten Schritten weiterhelfen wird.“ Das letzte Studioalbum, SONGS FROM THE SPARKLE LOUNGE, erschien im Jahr 2008. „Außerdem waren wir alle total aufgeregt, wie die Leute auf die Tracks reagieren würden.“

Ergänzend fügt Bassist Rick Savage hin-zu: „Die Lieder sind so unterschiedlich, dass für jeden Leppard-Maniac etwas dabei sein sollte: ›Undefeated‹ geht in eine ähnliche Richtung wie ›Pour Some Sugar On Me‹, ›It’s All About Believin‘‹ hingegen schlägt in die Melodic Rock-Kerbe von HYSTERIA und ANIMAL, während ›Kings Of The World‹ geradezu monumentale Ausmaße angenommen hat.“

Neuigekiten zu: Steve Miller

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Steve Miller GuitarLowNur ein Jahr nach der Cover-Platte BINGO! meldet sich Steve Miller mit einem weiteren Album zurück. Die Veröffentlichungspause scheint vorbei.

So klingt also jemand, dem es richtig gut geht – weil er finanziell unabhängig und auch sonst ziemlich selbstbestimmt ist. Steve Millers Stimme kommt fröhlich und kraftvoll durch den Hörer. Kein Wunder, denn Miller muss „schon seit Jahren nach keiner Pfeife mehr tanzen. Ich mache, zumindest beruflich, nur noch das, was ich will und was ich für richtig halte.“

Und in der Tat: Der Gitarrist und Sänger aus Milwaukee hat den beachtlichen Wohlstand, den ihm Alben wie FLY LIKE AN EAGLE und ABACADABRA, vor allem aber eine allein in den USA mehr als sechs Millionen Mal verkaufte GREATEST HITS-Compilation, eingebracht haben, konsequent dazu genutzt, sich geschäftlich auf eigene Füße zu stellen:

„Ich hatte irgendwann in den Neunzigern die Nase endgültig voll von den Plattenfirmen. Diese Typen bei den Major-Companies haben um jede Albumveröffentlichung immer einen Riesen-aufstand gemacht und hinterher doch nichts gebacken bekommen. Da habe ich mir lieber mein eigenes Business aufgezogen, erst eine Booking-Agentur, dann auch ein Label aus der Taufe gehoben.“

Deshalb hat Miller jetzt auch wieder Spaß am Plattenmachen. 2010 kam nach 17-jähriger Pause das Cover-Album BINGO! auf den Markt, und mit LET YOUR HAIR HANG DOWN kehrt er jetzt Sound seiner frühen Jahre zurück: dem Blues. Denn „der ist wie eine Energietankstelle für mich!“, wie Steve Miller betont. Auf LET YOUR HAIR HANG DOWN entfaltet der 67-Jährige mit seiner Band einen erd­igen, aber dennoch raffiniert gespielten Blues-Rock-Sound und gewinnt dabei dem zwölftaktigen Schema reichlich interessante Facetten ab. Selbst eigentlich totgedudelte Standards wie ›Sweet Home Chicago‹ oder ›The Walk‹ klingen da wieder frisch – und in ›No More Doggin’‹ glänzt Steve mit ein paar geradezu magischen Gitarrenpassagen.

Bevor Steve und seine Band im Oktober wieder auf hiesigen Bühnen zu sehen sein werden, geben sie in den USA ein paar Konzerte mit einem alten Bekannten, der ebenfalls den traditionellen Blues wieder für sich entdeckt hat. „Gregg Allman ist ein Supertyp und ein großartiger Musiker, T-Bone Bur-nett ein toller Produzent – war klar, dass da was Feines dabei raus-kommen musste!“, so Miller über Allmans derzeit überall gefeiertes Soloalbum LOW COUNTRY BLUES.

Weniger klassisch als dieses Werk ist hingegen die Titelwahl sowie die Coveroptik der neuen Steve Miller Band-CD. Denn kein Song darauf heißt LET YOUR HAIR HANG DOWN und auch keine Textzeile hat etwas damit zu tun. „Nein, das bezieht sich nur auf das Foto!“, lacht Miller. Er hatte den legendären Grafiker und Fotokünstler Storm Thorgerson, unter anderem Schöpfer berühmter LP-Hüllen für Pink Floyd, gebeten, sich etwas für das neue Album auszudenken. „Storm kam also mit einem Stapel gezeichneter Skizzen für mögliche Covermotive. Und als wir dann die Zeichnung mit dem Glatzkopf und dem Hasen gesehen haben, mussten wir dermaßen lachen, dass die Auswahl sofort klar war und ich auch das Album danach benennen wollte. Ich finde dieses Bild einfach soooo lustig!“

Text: Christian Stolberg

Michael Monroe

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Michael Monroe 2011cBruchlandung

Angeschlagen, geknickt und zerbeult – Michael Monroes Knochen mögen marode sein, seine Musik ist es keineswegs. Mit seiner rundumerneuerten Mannschaft, zu der unter anderem Wildhearts-Boss Ginger zählt, bringt er nun ein neues Album auf den Markt: SENSORY OVERDRIVE.

Text: Lothar Gerber

Du denkst, du machst gerade eine harte Zeit durch? Dann solltest du mal einen Blick auf die Röntgenbilder der Brust von Michael Monroe werfen. Der ehemalige Frontmann der Hanoi Rocks, der seit deren 2009er-Auflösung als Solo-Künstler unterwegs ist, hat sich nämlich unzählige Verletzungen zugezogen. Kein Wunder, dass sein Cover von Nazareths Underdog-Hymne ›Not Fakin‘ It‹ einer seiner bekanntesten Hits ist. Jeder, der ihn einmal an der Lichtanlage baumeln sah oder ›Dead, Jail Or Rock’n’Roll‹ gehört hat, weiß, dass Monroe sich nichts schenkt – auch im gesetzteren Alter nicht. „Ich habe mir vergangenes Jahr innerhalb weniger Monate ein paar Mal die Rippen gebrochen“, schmunzelt Monroe, während er zu Hause im finnischen Turku auf der Couch sitzt. „Das erste Mal passierte es, als ich habe mit Slash im japanischen Osaka gejammt habe. Während der Show rannte ich auf das Publikum zu, rutschte aus und krachte mit dem Rücken gegen die Absperrung. Zunächst dachte ich mir nichts dabei, sondern ärgerte mich nur, dass ich auf der rechten Seite nicht mehr liegen konnte. Doch am nächsten Tag stand eine noch größere Show an, und zwar in Tokio. Ich litt Höllenqualen wäh-rend des Sets und wusste nach dem Konzert, dass etwas wirklich nicht stimmt. Also bin ich zum Arzt gegangen. Diagnose: zwei gebrochene Rippen – ich hatte Glück, dass sie mir keinen Lungenflügel durchstochen hatten.“

Man könnte meinen, Monroe hätte danach einige Zeit die Füße hochgelegt. Doch weit gefehlt: „Ein paar Monate später ging’s mir besser. Also absolvierten wir eine kleine Tour durch Skandinavien. Beim letzten Gig in Finnland kletterte ich auf die Lichtanlage – und rutschte aus. Es war das erste Mal, dass mir das passiert ist. Ich stürzte drei, vier Meter zu Boden. Unten prallte ich mit meiner unversehrten Seite auf – und brach mir erneut zwei Rippen. Das gab mir echt zu denken. War wohl nicht die cleverste Idee, mich mit dem Kopf nach unten dort hinzuhängen“, rekapituliert Monroe lachend. „Vielleicht sollte ich mein Leben lieber nicht mehr aufs Spiel setzen. Ein bisschen Akrobatik: ja. Aber das war’s dann auch. Schließlich bin ich Sänger!“

Neben den todesverachtenden Sprüngen schaffte Monroe im Jahr 2010 auch noch weiteres Kunststück: Er scharte eine neue Band mit vorzüglichem Line-up um sich – und nahm mit ihr das beste Album seiner 20-jährigen Karriere auf: SENSORY OVERDRIVE. Hanoi Rocks-Bassist Sami Yaffa ist wieder dabei, neu an Bord sind New York Dolls-Gitarrist Steve Conte und der ehemalige Danzig-Drummer Karl Rockfist. Das letzte Puzzlestück fügte sich bei einer Show von Alice Cooper ins Bild: Zu diesem Gig ging Monroe nämlich mit Ginger, dem Chef der Wildhearts. Die beiden quatschten und quatschten, Monroe berichtete von seiner neuen Musikermannschaft und machte Ginger damit scharf. Und zwar so lange, bis dieser ihn bat: „Egal, wer Rhythmus-Gitarre spielt: Schmeiß ihn raus!“ Monroe tat, wie ihm geheißen – und holte sich damit nicht nur ein famosen Gitarristen, sondern auch einen veritablen Songwriter ins Boot. „Ich will mich nicht selbst loben“, erklärt Ginger ganz und gar unbescheiden, aber fröhlich, „doch ich habe die meisten Songs auf dem neuen Album geschrieben. Das bisherige Material fand ich nämlich ein bisschen altbacken – wir brauchten dringend stärkere Songs.“ SENSORY OVERDRIVE hört man das an: Der Sound changiert zwischen Hanoi Rocks und den Sex Pistols, obendrauf gibt’s noch eine Prise Johnny Cash.

Mit der Platte im Kasten ging es zunächst auf UK-Tour mit Motörhead, doch die 30-Minuten-Sets waren so gar nicht nach Monroes Geschmack, wie Ginger erzählt: „Michael schaltet nach einer halben Stunde noch nicht mal in den zweiten Gang. Das ist nur ein beschissenes Vorspiel für ihn! Sicher: Es ist super, mit Lemmy zu touren. Aber dennoch wird es uns gut tun, bei unseren Solo-Gigs eine Spielzeit von anderthalb Stunden zur Verfügung zu haben. Nur so ist es möglich, Intensität aufzubauen.“ Was Michael Monroe und seine frisch formierte Crew 2011 so viel und so oft wie möglich machen will. Am besten ohne Rippenbrüche.

Special: Grunge – Die dreckige Revolution

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Soundgarden - Louder Than LoveDreckige Revolution

30 Jahre ist es her, seit Grunge seinen weltweiten Siegeszug gestartet hat. Doch obwohl der kreative Höhenflug der Seattle-Bewegung nicht mehr als circa drei Jahre andauerte, sind bis heute viele Rockfans der Ansicht, dass es allein dem Erfolg von Nirvana, Pearl Jam oder Soundgarden zuzuschreiben ist, dass der klassische Achtziger-Rock in den Neunziger einen jähen und schmerzhaften Abstieg erlebt hat. Das stimmt natürlich bedingt. Denn für den Tod eines Genres sind in erster Linie die jeweiligen Protagonisten verantwortlich – das gilt für die Haarspray-Fraktion ebenso wie später für die Flanellhemd-Anhängerschaft. CLASSIC ROCK blickt zurück auf eine Zeit, in der diese beiden Riff-Fronten noch extrem verhärtet waren.

Text: Petra Schurer

Selbst in jüngster Vergangenheit fordert die Revolution noch ihren Tribut. 2017 sorgte der Suizid von Chris Cornell für Bestürzung in der Szene. Sechs Jahre zuvor gab es ein den Tod von Mike Starr zu betrauern: Das Gründungsmitglied von Alice In Chain ist am 8. März 2011 in Salt Lake City tot in seinem Appartement aufgefunden worden. Starr verstarb im Alter von 44 Jahren an den Folgen einer Überdosis. Mit dem Bassisten verlor die Seattler Grunge-Szene, die Anfang der Neunziger ihren weltweiten Siegeszug startete, ein weiteres prominentes Mitglied.

Drogen und Grunge – das sind zwei Elemente, die untrennbar miteinander verbunden sind. Der Heroin-Tod von Mother Love Bone-Sänger Andrew Wood, aufgrund dessen sich Temple Of The Dog firmiert haben, diese brillante Kollaboration aus den späteren Pearl Jam- und Soundgarden-Stars, gilt zynischerweise als Initialzündung der Bewegung. Ein cleaner Kurt Cobain hätte vermutlich die Schrotflinte zur Jagd benutzt, aber nicht als Selbstmord-Utensil. Und Alice In Chains könnten heute zu den größten Rockacts aller Zeiten zählen, wenn sie Ende der Neunziger konsequent weiter auf Tour gegangen wären – was jedoch unmöglich war, weil Layne Staleys körperliche Verfassung dies nicht mehr zuließ.

Wie untrennbar Licht und Schatten beim Thema Grunge miteinander verbunden sind, beweist unter anderem die rasante Geschwindigkeit, mit der die Seattle-Szene international Fahrt aufgenommen hat. Heute ist es genau 20 Jahre her, dass junge Männer in Flanellhemden das Raue im Rock wieder salonfähig machten. Nach all den Jahren, in denen Stadionrock mit all seinem Showglitzer das Maß aller Dinge scheint, gleicht das einem Putsch. Von unten, wohlgemerkt. Denn sie findet zunächst in den kleinen Clubs statt, bevor sie sich dank Musikfernsehen, (College-)Radios und Zeitschriften immer weiter ausbreitet. Und wie bei jeder Revolution gibt es nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer. Bis heute beschweren sich etliche Hardrock-Bands gar bitterlich, dass Grunge ihre Musik getötet bzw. ihren eigenen Aufstieg gebremst oder gar verhindert hat: Lenny Wolf von Kingdom Come (siehe Interview auf Seite 42) ist nur ein Beispiel dafür. Wobei ganz klar gesagt werden muss: Nicht der Seattle-Sound an sich trägt die Schuld daran, sondern die Tatsache, dass es einen massenmedialen Aufruhr rund um die Grunge-Welle gibt – womit sich die Berichterstattung über die etablierten Acts automatisch reduziert. Dies trifft besonders diejenigen hart, die noch nicht lang im Geschäft sind und deren Fan-Basis erst wenige Jahre wachsen konnte. Aber auch Megaseller wie Poison oder Warrant geraten ins Trudeln.

Vieles von dem erinnert an den Punk, der in den späten Siebzigern den Bombast-(Prog-)Rockern das Leben schwer gemacht hat. Es war die ungezügelte Energie der Sex Pistols, die so jenseits aller gängigen Konventionen war, dass etliche etablierte Acts nur mit ungläubigem Staunen reagieren konnten. Den Satz „Die können doch gar nicht spielen!“ haben nicht nur die Sex Pistols gefühlte 4513. Mal in ihrer Karriere gehört – auch die Grunger erleben Anfang der Neunziger, was es heißt, die Musikwelt mit vergleichsweise simplen Song-Arrangements zu er-obern. Anfeindungen sind an der Tagesordnung.

DUELL DER GIGANTEN

Stellvertretend für die beiden Lager, in die sich die Rock-Gemeinde aufspaltet, stehen zwei Veröffentlichungen, die den September 1991 zu einem wichtigsten Monate in der Historie harter Sound machen: die Guns N’Roses-Zwillingsalben USE YOUR ILLUSION I und II sowie Nirvanas NEVERMIND. Die Platten erscheinen kurz hintereinander, am 17. bzw. 24. September. Im Nachhinein betrachtet erscheint diese Woche wie eine Wachablösung. Die USE YOUR ILLUSION-Scheiben sind ein letztes Aufbäumen der alten Zeit, im Grunde ein furioser, wenngleich verspäteter Abschluss der Achtziger. Mit NEVERMIND, Nirvanas zweitem Studioalbum, bricht eine neue Zeitrechnung an.

Die Neunziger präsentieren sich zunächst von ihrer unprätentiösen Seite. Während Axl Rose und seine Crew die vergangenen Jahre damit verbracht haben, die Dollars in Stringtangas, Champagnerkübeln oder Einwegspritzen zu versenken, gibt es in Seattle zunächst nur Corn Dogs, Würstchen im Maisteigmantel. „Als ich im Sommer 1990 bei Nirvana einstieg, wohnte ich zunächst bei Kurt Cobain“, erinnert sich Drummer Dave Grohl an die Zeit, in der er Dan Peters an den Drums ersetzt. „Ich schlief auf seiner Couch und ging zwei Mal am Tag in den Supermarkt ums Eck. Dort gab es drei Corn Dogs für 99 Cent. Davon habe ich mich ein Jahr lang ernährt.“ Nirvana vermeiden zudem alles, was ein Rockstar zu dieser Zeit tut. Es gibt keine Zugaben, die Band schreibt keine Autogramme, achtet nicht darauf, welche Klamotten sie auf der Bühne trägt. Aus dieser Anti-Haltung wird schnell ein Erfolgsrezept. Am 11. Januar 1992 erklimmt NEVERMIND die Spitze der US-Charts und verdrängt somit Michael Jacksons DANGEROUS von der Top-Position. Auch wenn die Band selbst davon gar nicht begeistert ist: „Wir sind nicht stolz darauf, dass auf einmal selbst Guns N’Roses-Fans unseren Sound mögen“, betont Kurt Cobain Anfang 1992 in einem Interview mit dem britischen Journalisten Everett True (u.a. „Melody Maker“). „Wir wollen uns nicht entwickeln, groß werden und in riesigen Hallen spielen. Es kotzt mich an, dass ich mich jetzt mit den geschäftlichen Aspekten unserer Musik befassen muss. Ich wäre am liebsten ein einfacher Straßenmusikant. Deshalb macht es mich regelrecht aggressiv, dass Nirvana ein Teil der Maschinerie geworden sind, und ich fange an, mich über alles Mögliche zu beschweren und mich dabei selbst wie ein Rockstar aufzuführen. Nur dass ich noch ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich mich so benehme.“

Davon ist am 9. September 1992 wenig zu spüren. Nirvana sind zu Gast bei den MTV Video Music Awards in Los Angeles und werden dort in den Kategorien „Best Alternative Music Video“ und „Best New Artist Video“ geehrt. Sie treten live auf, wobei Krist Novoselić sein Bass auf den Kopf fällt, während Cobain beim Verlassen der Bühne das Klavier von Axl Rose bespuckt. Es soll nicht der einzige Zwischenfall bleiben: Als Rose und seine damalige Freundin, das Model Stephanie Seymour, an Cobain und Courtney Love vorbeilaufen, lässt sich Love zu der sarkastischen Frage hinreißen, ob Axl nicht Patenonkel ihrer gerade geborenen Tochter Frances Bean werden möchte. Rose flippt aus und beschimpft sie. Auch Krist Novoselić und Duff McKagan geraten aneinander – der Guns N’Roses-Bassist, vollgedröhnt bis in die letzten blondierten Haarspitzen, geht auf den Nirvana-Mann los. Eine Aktion, für die er sich im vergangenen Jahr erstmals öffentlich entschuldigt. In seinem Blog für die Tageszeitung „Seattle Weekly“ schreibt er: „Ich hatte den Eindruck, dass die Nirvana-Jungs mich und meine Band verhöhnen wollten. Das machte mich tierisch wütend, und da ich zudem total auf Drogen war, hatte ich mich nicht mehr unter Kontrolle und ging auf Krist los. Das tut mir wirklich leid.“

Diese Episode zeigt: Trotz der enormen musikalischen Differenzen zwischen den beiden Bands haben sie doch im Grunde mehr miteinander gemein, als sie sich selbst eingestehen wollen. In Bezug auf die Sturheit – oder: Konsequenz –, mit der sie ihren jeweiligen Lebensstil verfolgen, unterscheiden sie sich jedenfalls keinen Deut. Und auch in Sachen Heldenverehrung gibt es Parallelen. Während Guns N’Roses auf Kiss, Led Zeppelin, Aerosmith, T.Rex oder Alice Cooper schwören, heben Nirvana Sonic Youth, die Melvins oder die Pixies in ihren Idolhimmel und werden nicht müde, in Interviews immer wieder zu betonen, wie wichtig diese Acts für ihren Sound sind. „Mit 99 Prozent aller Rock’n’Roll-Acts will ich nichts zu tun haben. Van Halen oder Warrant sind es nicht einmal wert, dass man über sie lästert“, so Cobain. „Aber es gibt einige Bands, die unsere Gesinnung teilen und die wir deshalb schätzen: Mudhoney, Sonic Youth oder Fugazi zum Beispiel.“ Doch so sehr der Nirvana-Frontmann auch auf den Underground-Wurzeln seiner Band beharrt: Zu seinen frühesten Einflüssen zählen dieselben Bands, die auch die Guns N’Roses-Belegschaft in ihrer Jugend gehört hat. Cobains Tante begeistert den Jungen zunächst für die Beatles, und von da ist der Schritt zu Kiss, Aerosmith, Led Zeppelin und Black Sabbath nicht weit.