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Live: Roadburn Festival

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Candlemass_Roadburn_MiraBorn_0164Tilburg, O13

Das Roadburn-Festival ist ein Event der Superlative, in jeglicher Hinsicht. Schon wenige Minuten nach dem offiziellen Verkaufsstart Ende November vermeldeten die Veranstalter: ausverkauft! Hotelzimmer waren zu diesem Zeitpunkt bereits schon nicht mehr zu bekommen, alles ausgebucht – für eine Veranstaltung, die erst ein halbes Jahr später stattfinden würde. Der Grund da-für: ein Programm, das es in dieser Form nirgends anders zu sehen gibt. Die Bandbreite des Roadburn reicht von Extrem-Metal bis hin zum Psychedelic Rock, dazwischen gibt es klassische Riffs, aber auch markerschütternden Drone Doom. Rund 80 Bands präsentieren im Verlauf der vier Festivaltage ihre Version von Rock’n’Roll – CLASSIC ROCK pickt die Höhepunkte des spektakulären Indoor-Riff-Marathons heraus.

Der erste Festivaltag ist weit mehr als eine Aufwärmübung: Am Donnerstag treten auf den vier Roadburn-Bühnen sowohl die spannendesten Newcomer als auch etablierte Ikonen an. Woven Hand und Pentagram zum Beispiel füllen mühelos die größte Halle des Tilburger 013-Komplexes. Über 2.000 Fans bejubeln Dave Eugene Edwards, der ein derartiges Format hat, dass er selbst a-cappella problemlos einen kollektiven Gänsehaut-Schauer erzeugt hätte. Ähnliches gelingt wenig später Bobby Liebling, der trotz jahrzehntelangem Drogenexzess noch über eine Stimme verfügt, die so vor Leidenschaft und Ausdruckskraft strotzt, dass manch einer nach der Show verstohlen die Augen trocken wischt. Doch auch die jüngeren Acts schaffen es, die Massen mitzureißen. Insbesondere Ghost, seit einigen Monaten der heißeste Okkultrock-Geheimtipp, zaubern ein Lächeln auf die Gesichter ihrer Anhänger – die Show wird zur Messe, und Jünger hängen zu Recht an den Lippen der Riff-Hohepriester. Noch stärker in den Siebzigern verhaftet sind die kultigen Blood Ceremony, die nach Ghost antreten, was vor allem die Traditionalisten im Publikum freut. Wer es etwas deftiger mag, kann sich mit den ungestümen Schweden-Riffern In Solitude vergnügen – oder aber den hypnotischen Groove von The Atomic Bitchwax genießen. Godflesh, die Headliner des ersten Tages, versuchen mit bedingungsloser Härte zu punkten, was jedoch nicht über die gesamte Länge des Sets funktioniert, sodass etliche Fans sich schon mental auf den Count Raven-Gig vorbereiten oder abwandern, um sich die Norweger Wardruna anzusehen, die mit vielerlei selbstgebauten Instrumenten, z.T. zurechtgestutzten Stämmen oder Hörnern, die Geheimnisse der Runen klanglich entschlüsseln.

Am zweiten Tag eröffnet der Japaner Keiji Haino mit einer entrückten Noise-Performance, die nur noch von Attila Csihars (schlecht besuchter) Void Ov Voices-Gig an Sound-Gewalt übertroffen wird. Besser läuft es für Aluk Todolo, mit ihrem rituellen, kärglich-stimmig mit einer Glühlampe beleuchteten Set. Freunde sanftmütigerer Klänge lassen sich daher lieber von Mamiffer in epische Postrock-Sphären entführen oder geben sich die Routiniers: Place Of Skulls riffen ohne Überraschungen, aber solide, ebenso die Doom-Ikonen Winter, die angesichts der Euphorie im Vorfeld jedoch ein bisschen mehr Enthusiasmus an den Tag legen hätten können. Ein Rat, wie man ihn gerne auch Corrosion Of Conformity mit auf den Weg geben würde. Die Reunion im ANIMOSITY-Line-up verkommt zu einer öden Nummer: Es mangelt der Band komplett an Energie, zudem fehlen Über-Songs wie ›Eye For An Eye‹. Fazit: Hardcore geht anders. Dann doch lieber experimentelle Riffs mit den wie immer bodenständig-sympathischen Voivod oder klassische Melodien, zum Beispiel von Sabbath Assembly, bei der die zauberhafte Jessica Thoth wieder einmal beweist, dass sie im Moment zu den absoluten Top-Sängerinnen im Seventies-Rock-Sektor zählt. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Jesse Sykes, die später am Abend auftritt und dabei des Öfteren an Heather Nova erinnert, sorgt sie dafür, dass die Ladies heute einen Sonder-Applaus einfahren. Den bekommen auch Sunn O))), die nicht nur als Headliner auftreten, sondern auch als Kuratoren einen Teil des Festival-Programms zusammenstellen durften. Bei ihrer eigenen Show setzen die Drone-Doomer auf die pure Kraft der Verstärker: Es
wabert so nachhaltig, dass selbst im 30 Kilometer entfernten Eindhoven noch ein Nachhall zu spüren sein muss. Ihre monolithischen Sound-Wände untermauern sie auch optisch: Die Nebelmaschine räuchert nicht nur die komplette Halle ein, sondern auch den Vorraum gleich mit – die Beleuchter haben alle Hände voll zu tun, um mit den blauen Scheinwerfern überhaupt noch ein wenig Licht auf die Bühne zu bekommen. Denn es wäre jammerschade, wenn die Fans nicht mitbekommen würden, was und wer sich da tummelt. Der japanische Noise-Wizard Keiji Haino gesellt sich zusammen mit Sänger Attila Csihar zu den US-Doomern, um Stephen O’Malley und Greg Anderson zu unterstützen. Und unglaublicherweise schaffen sie es mit vereinten Kräften, trotz des sperrigen Mate-rials, ein Headliner-Set auf die Bretter zu bringen, das zu keiner Sekunde langweilig wird – große Kunst, in jeglicher Hinsicht. Von Scorn, dem Ein-Mann-Projekt von Mitch Harris, kann das keiner behaupten – innerhalb von wenigen Minuten wandern alle Fans in die Nebenhallen ab. Dort schaffen es Caspar Brötzmann Massaker und auch die coolen The Secret, die im Mastodon-Fahrwasser segeln, die letzten Energien freizusetzen, bevor die Nacht zu Ende geht.

Mit frischer Kraft geht es in die nächste Roadburn-Runde: Candlemass holen ihren EPICUS DOOMICUS METALLICUS-Sondergig nach, der im vergangenen Jahr der Vulkanasche zum Opfer gefallen ist. Und das tun sie mit vollem Einsatz: Sowohl Ur-Sänger Johan Lindquist als auch der jetzige Frontmann Robe Lowe geben alles, der Sound perlt und drückt zugleich, dazu hagelt es unsterbliche Hymnen wie ›Solitude‹ oder ›Under The Oak‹, zudem gibt’s ein SloMo-Cover von ›Don’t Fear The Reaper‹. Ein Fest, nicht nur für eingefleischte Headbanger. Währenddessen hängen im Nebenraum etliche Rocker gebannt an den Lippen von Black Math Horseman-Fronterin Sera Timms, und auch zu den orientalischen Attacken der Master Musicians Of Bukkake grooven sich einige Hundert Fans warm für den Tag. Zudem wird heute für Fans von konischen Rauchwaren einiges geboten: Lonely Kamel, Weedeater, Imaad Wasif und Stone Axe sorgen für die passende Untermalung nach der Schwaden-Inhalation. Wer lieber beim Bier bleibt, kann entweder mit den Indie-Favoriten Wolf People die Hüften schwingen oder sich etwas mehr Härte gönnen: Evoken präsentieren bitterböse Doom-Riffs, The Gates Of Slumber die schönsten schmutzstarrenden Heavy-Melodien des Festivals, und Yakuza beweisen eindrucksvoll, dass ein Saxofon im Metal-Kontext sehr wohl Sinn (und Stimmung) macht. Die Italo-Doomer Ufomammut wollen so viele Leute sehen, dass sich die Schlange vor dem zweitgrößten Roadburn-Club sogar bis ums Hauseck windet, was dazu führt, dass viele lieber noch einen weiteren Blick auf die kultigen Shrinebuilder werfen oder sich schon in der Haupthalle versammeln, um Michael Gira und den Swans zu huldigen. Doch wo die einen auf die Knie fallen, wenden sich andere gelangweilt ab: Der Gig spaltet die Roadburn-Gemeinde. Gira ist der Alleinherrscher auf der Bühne, kommandiert selbst mit minimalen Gesten und Blicken seine Musiker und auch das Publikum. Durch das repetitive Moment in der Musik wird dieser Eindruck noch verstärkt. Wem diese Dominanz gefällt, der fällt in wohlige Trance, alle anderen gehen.

Über eine ganz besondere Aura verfügen auch Black Mountain, die am vierten Roadburn-Tag als Headliner gebucht sind. Aus dem ehemaligen „Afterburner“, bei dem eine Handvoll Acts allen Unersättlichen noch ein paar zusätzliche Stunden Riff-Huldigung beschert haben, ist inzwischen ein eigenständiges Event geworden, das über dasselbe Qualitätsniveau verfügt wie der Rest des Roadburn-Programms. Insbesondere die Verpflichtung von Black Mountain, die ein ebenso ergreifendes wie intensives Set hinlegen, kann nur als magisch bezeichnet werden. Darum herum drapiert als weitere Klang-Leckereien: die Washington-Spacer Dead Meadow oder die japanischen Doomer Coffins, die neben den Blood Farmers und Sourvein dafür sorgen, dass die Fans sich mit einem finalen Freuden-Juchzer von Tilburg verabschieden. Und im Geiste schon beim Rausgehen mit den Reisevorbereitungen für 2012 beginnen.

Mira Born, Petra Schurer, Thorsten Zahn

Live: Favez

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FavezMünchen, Feierwerk

Zugkräftiger Headliner für ein lobenswertes Förderprogramm.

Schön, dass es so was noch gibt: Im Rahmen des „Make It Or Break It“-Events müssen Rockfans Anfang Mai drei Tage lang keinen Eintritt bei den Shows zahlen, die in den verschiedenen Feierwerk-Hallen stattfinden. Ziel ist es, die Nachwuchs-Acts zu fördern, die in dieser Zeit vor namhaften Riff-Zugpferden auftreten dürfen. Für Favez eröffnen heute die Indie-Punker The Promise, bevor The Dope mit ihrer Mischung aus Alternative und Emocore ranklotzen. Als Favez schließlich zu später Stunde antreten, ist die Menge bereits gut angewärmt.

Entsprechend hitzig fällt die Begrüßung aus, als Bandchef Chris Wicky, Gitarrist Guy, Fabrice Mentron (Drums), Yvan Lechef (Bass) und die Tasten-Meister Jeff Albelda und Maude Oswald auf die Bühne kommen. Aber was heißt hier „kommen“ – sie stürmen los, getreu dem Motto des aktuellen Albums EN GARDE! Degen, ähem, Instrumente raus und ran an den Fan – mit dieser Einstellung macht sich der Sechser aus Lausanne sichtlich Freunde in der Menge. ›Looking For Action‹? Aber sicher doch.

Denn lang suchen muss man da nämlich nicht. Favez tun so, als wäre alles immer noch ›Like In The Old Days‹, reißen mit diebischer Freude die Kilometer ab (›Tearing Down The Highway‹), natürlich im passenden Gefährt (›White Limousine‹), und tanken noch mal nach (›Naked And Gasolined‹). Am Ende versprühen sie so viel Leidenschaft, dass man ihnen Worte wie ›I Hate This Town‹ nicht mehr abnimmt.

Benedikt Mekelburg

Live: Queens Of The Stone Age und The Pretty Things

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Queens Of The Stone Age Perform In MunichQueens Of The Stone Age
München, Tonhalle

Einer der coolsten Rocker der Welt rotzt das Debütalbum seiner Band runter – plus eine Hand voll Zusatz-Hits.

Komisch eigentlich: Joshua Michael Homme und seine räudigen Wüstenrock-Königinnen haben sich längst größere Konzerthallen erspielt. Bei der Tournee zum letzten Studioalbum ERA VULGARIS etwa machten die Queens Of The Stone Age im Münchner Zenith Station, das rund 5.500 Menschen fasst. Mitte Mai durfte allerdings die Tonhalle herhalten, in die lediglich 2000 Anhänger der Kalifornier passten. Klar, es war eine der Shows zum Re-Release des Debüts im März mit drei alten, aber bislang unveröffentlichten Songs, doch wenn Homme diesen Anlass in einem intimen Rahmen feiern will, wieso dann nicht in richtiger Club-Atmosphäre vor – sagen wir – maximal 500 Nasen?
Egal, die Sause war angerichtet, die Gäste waren er-schienen und die Verstärker aufgedreht, als Homme mit seinen vier Mitstreitern die ersten Töne von QUEENS OF THE STONE AGE anschlägt: ›Regular John‹ und ›Avon‹, die sich beide ja auch regelmäßig in den Setlisten der regulären QOTSA-Gigs wiederfinden, gehen zunächst runter wie Öl. Und auch bis etwa zur Hälfte der Platte, die die Band fast chronologisch darbietet, lässt es sich gut mitnicken, dann wird jedoch deutlich: Josh Homme wusste damals bei den Albumaufnahmen 1998 nicht wirklich, wo die Reise hingehen sollte, weswegen er die Stücke – vielleicht ein bisschen zu unmotiviert und uninspiriert als nötig – auf Band rotzte.

An der mangelnden Qualität des Liedguts stört sich der Großteil des Auditoriums jedoch wenig: Extrem bewegungsfreudig gibt sich dieses Publikum, hüpft und mosht durch bis zum zwölften Song ›You Can’t Quit Me Baby‹. Noch überschwänglicher wird dagegen die Zugabe entgegengenommen: ›Burn The Witch‹ und ›Little Sister‹ von LULLABIES TO PARALYZE, ›Monsters In The Parasol‹ von RATED R sowie ›Into The Hollow‹ von ERA VULGARIS machen richtig Lust auf mehr. Doch nach dem Rausschmeißer ›A Song For The Deaf‹ vom Über-Album SONGS FOR THE DEAF ist dann leider definitiv Sense. Jammerschade, denn gerade erst hatten die Queens doch so richtig angefangen, das eigentliche Hauptgericht aufzutischen.

Aber was soll’s – sobald Josh & Co. ihren nächsten Lonplayer im Kasten und auf dem Markt haben, dürften ja wieder Gastspiele der Queens Of The Stone Age anstehen, bei denen der Best-of-Anteil des Programms deutlich üppiger ausfallen sollte. Geentert wird das Studio noch in diesem Sommer, spätestens 2012 ist es also soweit.

Lothar Gerber

Neuigkeiten zu: Kate Bush

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Kate BushUm die 52-jährige Britin ranken sich die seltsamsten Gerüchte: Sie würde komplett zurückgezogen leben, keinerlei Besuch empfangen, den ganzen Tag im Studio tüfteln und sich abends blutige Horrorfilme ansehen. Alles Quatsch – wie sich im Gespräch mit einer der innovativsten Musikerinnen aller Zeiten zeigt.

Da ist Frau Bush, die pro Album bis zu zwölf Jahre benötigt (so wie zwischen THE RED SHOES von 1993 und AERIAL von 2005), fast schon erschreckend nett und normal. „Ich bin die Mutter eines kleinen Jungen und stelle mein Privatleben bewusst über meine Karriere”, betont die Engländerin. „Das heißt: Es ist mir wichtiger, mich um meine kleine heile Welt zu kümmern, als neue Songs zu komponieren. Und ich muss zugeben, dass ich in Sachen wie Kochen, Waschen und Bügeln auch regelrecht auf-gehe”, sagt Bush – und schiebt hinterher: „Ich finde das wirklich entspannend und genieße es.“

Trotzdem legt sie mit DIRECTOR’S CUT ein überraschendes neues Album vor, wo-für sie – für ihre Verhältnisse fast rekordverdächtig – gerade mal fünf Jahre benötigt hat. Und das elf überarbeitete Tracks ihrer Klassiker THE SENSUAL WORLD aus dem Jahr 1989 und THE RED SHOES birgt – mit neuem Gesang, neuer Instrumentierung und zum Teil gene­ralüberholten Texten. Wie in ›Flower Of The Mountain‹ (vormals auf THE SENSUAL WORLD zu finden), das jetzt mit einem Zitat aus James Joyces „Ulysses“ aufwartet. „Es ist einfach so, dass ich mit einigen dieser Stücke nie besonders glücklich war und jetzt Mittel und Möglichkeiten gefunden habe, um sie entsprechend zu verbessern. Quasi wie bei einem Remix-Album, nur dass ich eben ein bisschen weiter gehe.“

Dass seit dem Erst-Release 22 bzw. 18 Jahre vergangen sind, stört die Bush wenig.Und Fragen danach, ob sie sich damit beschäftigt, irgendwann einmal ein wirklich neues Studioalbum aufzunehmen und zu ver­­öffentlichen, kann oder will sie nur ausweichend beantworten: „Irgend-wann, wenn ich das Gefühl habe, mit et-was richtig Gu­­tem aufwarten zu können.“ Noch irgend­welche Fragen?

Marcel Anders

Neuigkeiten zu: Devon Townsend

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devin townsend @ erich saideAls Devin Townsend 2007 dem Musikgeschäft den Rücken kehren wollte, schien das ein Abschied auf ewig zu sein. Doch schon bald zeigte sich, dass der ehemalige Frontmann von Strapping Young Lad seine Finger nicht von der Musik lassen konnte. So arbeitete er als Produzent und häufte nebenbei eine Menge neues Material an, das er auf vier verschiedenen Alben veröffentlichen wollte: KI und ADDICTED erschienen 2009 als die ersten beiden Werke des Devin Townsend Project. Am 20. Juni folgen nun Streich drei und vier: DECONSTRUCTION und GHOST.

Die beiden Alben markieren viel mehr als nur Towns-ends Rückkehr auf die Bühne – sie sind auch das Manifest seines Lebenswandels. Denn der Kanadier wollte mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und sich selbst wieder auf die richtige Bahn lenken. „Ich musste erst ein bisschen Abstand gewinnen, um zu erkennen, dass die meisten Probleme in meinem Leben meine eigene Schuld waren“, erklärt der 39-Jährige. Dieser Erkenntnis folgten weitere, z.B. auch, dass seine Kreativität nicht auf den Konsum von Marihuana zurückzuführen ist. Ganz im Gegenteil: Das Rauchen beeinträchtigte Townsend in vielerlei Hinsicht. „Man wird leicht paranoid“, gesteht er. „Deshalb habe ich mich damals vielen Dingen verschlossen.“ Das ist heute anders. Beim Hören der Quadrologie fällt sofort auf, dass man es nicht nur mit einer geballten Ladung Einfallsreichtum, sondern auch mit vier grundverschiedenen Platten zu tun hat. Das liegt an Townsends musikalischen Einflüssen, die von Metal über New Wave bis zur Klassik reichen. Die Vielfalt ist allerdings auch ein Resultat seiner unermüdlichen Entwicklung als Musiker: „Ich wollte experimentieren. Also habe ich versucht, meine musikalischen Einflüsse zu trennen. Hätte ich das komplette Material auf einer Scheibe verarbeitet, wäre es eine durchwachsene Erfahrung für den Hörer gewesen. So ist jedes der Alben für sich betrachtet einzigartig.“

Um seine Fans auch live von dieser Einzigartigkeit überzeugen zu können, hat sich Townsend etwas Besonderes einfallen lassen: Im November wird er jedem seiner vier Werke einen kompletten Abend in London widmen. Bis jetzt stehen die KI-Show am 10. und der GHOST-Gig am 13. November in der Union Chapel fest. Für alle, die keine Karte ergattern konnten, sollen die Konzerte auf einer Live-CD und -DVD festgehalten werden.

Neuigkeiten zu: Judas Priest

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Judas Priest 2Ende, aus, vorbei: K.K. Downing will nicht mehr bei Judas Priest die Axt schwingen – noch nicht einmal für die bereits gebuchten und bestätigten Abschiedsgigs im Sommer. Nach 37 Jahren Mitgliedschaft bei Priest hat Downing nun die Nase voll, wie der 59-Jährige CLASSIC ROCK berichtet: „Es gibt schon seit einiger Zeit Differenzen zwischen mir und einigen Personen in der Band. Auch in der Kommunikation mit unserem Management gab es des Öfteren Meinungsverschiedenheiten, was mich dazu bewogen hat, diese Tour nicht zu absolvieren.“ Während sich Downing fortan aufs Rock-Altenteil zurückziehen möchte, steht bereits ein Ersatzmann Gitarre bei Fuß: Der frühere Lauren Harris-Saitenmann Richie Faulkner (klein im Bild) wird sowohl auf dem nächsten Studioalbum zu hören sein als auch Downings Platz bei den Sommer-Open Air-Gigs einnehmen.

Ganz so einfach können die Metal-Oberpriester jedoch nicht zur Tagesordnung zurückkehren – und so meldet sich Sänger Rob Halford nach dem Split auch mit traurigem Unterton zu Wort: „K.K. hat uns kurz vor Weihnachten von seiner Entscheidung unterrichtet. Und obwohl Glenn Tipton ihm direkt nach der Aussprache signalisiert hatte, dass er jederzeit zurückkehren könne, änderte K.K. seine Meinung nicht. Uns anderen lief die Zeit für die Tour-Planung davon, daher wird uns nun Richie Faulk­ner unterstützen. Er ist ein brillanter Gitarrist, auch wenn er natürlich nicht so schnell in K.K.s Fußstapfen treten kann!“

Neuigkeiten zu: Def Leppard

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Def Leppard @ Andrew MacPhersonFür ein brandneues Album hat es zwar nicht gereicht, doch auch MIRRORBALL wird Def Leppard-Fans glücklich machen. Denn die erste offizielle Live-Platte der britischen Rocker enthält nicht nur Konzertmitschnitte von Band-Klassikern wie ›Pour Some Sugar On Me‹, ›Hysteria‹ oder ›Photograph‹, sondern auch drei bis dato unveröffentlichte Tracks. Die Songs ›Undefeated‹, ›It’s All About Believin‘‹ und ›Kings Of The World‹, die in den vergangenen Monaten im Studio eingespielt worden sind, fügen sich nahtlos ins Gesamtbild der Platte ein – und geben den Fans aufgrund ihrer stilistischen Bandbreite zudem einen Hinweis, welche Richtung Def Leppard mit ihrem nächsten Album, das Anfang 2012 erscheinen soll, einschlagen wollen. „Ich freue mich, dass es möglich war, diese Lieder auf MIRRORBALL zu integrieren“, betont auch Frontmann Joe Elliott. „Denn obwohl wir natürlich mit der Veröffentlichung warten hätten können, bis die Arbeiten an der neuen Studioscheibe abgeschlossen sind, ist es doch ein Vorteil für uns, sie den Fans jetzt schon vorzustellen. Wir bekommen so Feedback, das uns bei den nächsten Schritten weiterhelfen wird.“ Das letzte Studioalbum, SONGS FROM THE SPARKLE LOUNGE, erschien im Jahr 2008. „Außerdem waren wir alle total aufgeregt, wie die Leute auf die Tracks reagieren würden.“

Ergänzend fügt Bassist Rick Savage hin-zu: „Die Lieder sind so unterschiedlich, dass für jeden Leppard-Maniac etwas dabei sein sollte: ›Undefeated‹ geht in eine ähnliche Richtung wie ›Pour Some Sugar On Me‹, ›It’s All About Believin‘‹ hingegen schlägt in die Melodic Rock-Kerbe von HYSTERIA und ANIMAL, während ›Kings Of The World‹ geradezu monumentale Ausmaße angenommen hat.“

Neuigekiten zu: Steve Miller

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Steve Miller GuitarLowNur ein Jahr nach der Cover-Platte BINGO! meldet sich Steve Miller mit einem weiteren Album zurück. Die Veröffentlichungspause scheint vorbei.

So klingt also jemand, dem es richtig gut geht – weil er finanziell unabhängig und auch sonst ziemlich selbstbestimmt ist. Steve Millers Stimme kommt fröhlich und kraftvoll durch den Hörer. Kein Wunder, denn Miller muss „schon seit Jahren nach keiner Pfeife mehr tanzen. Ich mache, zumindest beruflich, nur noch das, was ich will und was ich für richtig halte.“

Und in der Tat: Der Gitarrist und Sänger aus Milwaukee hat den beachtlichen Wohlstand, den ihm Alben wie FLY LIKE AN EAGLE und ABACADABRA, vor allem aber eine allein in den USA mehr als sechs Millionen Mal verkaufte GREATEST HITS-Compilation, eingebracht haben, konsequent dazu genutzt, sich geschäftlich auf eigene Füße zu stellen:

„Ich hatte irgendwann in den Neunzigern die Nase endgültig voll von den Plattenfirmen. Diese Typen bei den Major-Companies haben um jede Albumveröffentlichung immer einen Riesen-aufstand gemacht und hinterher doch nichts gebacken bekommen. Da habe ich mir lieber mein eigenes Business aufgezogen, erst eine Booking-Agentur, dann auch ein Label aus der Taufe gehoben.“

Deshalb hat Miller jetzt auch wieder Spaß am Plattenmachen. 2010 kam nach 17-jähriger Pause das Cover-Album BINGO! auf den Markt, und mit LET YOUR HAIR HANG DOWN kehrt er jetzt Sound seiner frühen Jahre zurück: dem Blues. Denn „der ist wie eine Energietankstelle für mich!“, wie Steve Miller betont. Auf LET YOUR HAIR HANG DOWN entfaltet der 67-Jährige mit seiner Band einen erd­igen, aber dennoch raffiniert gespielten Blues-Rock-Sound und gewinnt dabei dem zwölftaktigen Schema reichlich interessante Facetten ab. Selbst eigentlich totgedudelte Standards wie ›Sweet Home Chicago‹ oder ›The Walk‹ klingen da wieder frisch – und in ›No More Doggin’‹ glänzt Steve mit ein paar geradezu magischen Gitarrenpassagen.

Bevor Steve und seine Band im Oktober wieder auf hiesigen Bühnen zu sehen sein werden, geben sie in den USA ein paar Konzerte mit einem alten Bekannten, der ebenfalls den traditionellen Blues wieder für sich entdeckt hat. „Gregg Allman ist ein Supertyp und ein großartiger Musiker, T-Bone Bur-nett ein toller Produzent – war klar, dass da was Feines dabei raus-kommen musste!“, so Miller über Allmans derzeit überall gefeiertes Soloalbum LOW COUNTRY BLUES.

Weniger klassisch als dieses Werk ist hingegen die Titelwahl sowie die Coveroptik der neuen Steve Miller Band-CD. Denn kein Song darauf heißt LET YOUR HAIR HANG DOWN und auch keine Textzeile hat etwas damit zu tun. „Nein, das bezieht sich nur auf das Foto!“, lacht Miller. Er hatte den legendären Grafiker und Fotokünstler Storm Thorgerson, unter anderem Schöpfer berühmter LP-Hüllen für Pink Floyd, gebeten, sich etwas für das neue Album auszudenken. „Storm kam also mit einem Stapel gezeichneter Skizzen für mögliche Covermotive. Und als wir dann die Zeichnung mit dem Glatzkopf und dem Hasen gesehen haben, mussten wir dermaßen lachen, dass die Auswahl sofort klar war und ich auch das Album danach benennen wollte. Ich finde dieses Bild einfach soooo lustig!“

Text: Christian Stolberg