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    Amplifier

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    Alleine ist besser. Denn dann stellt keiner Fragen. Außer wir natürlich – und dazu geben die britischen, immer progressiver werdenden Alternative-Helden Amplifier auch jede Menge Anlass.

    Gitarrist und Sänger Sel Balamir tun die Finger weh. Nicht etwa, weil er sie im Proberaum blutig gespielt hätte: „Ich hab in den letzten Tagen etwa 600 Exemplare unseres neuen Albums unterschrieben“, stöhnt er. Wenn man so will, eine Vielen-Dank-Aktion ihrer Plattenfirma, um die Fans über das vierjährige Warten nach dem letzen Album INSIDER zu trösten – nur dass die Plattenfirma Ampcorp heißt und der Band selbst gehört, lediglich den Vertrieb übernehmen Amplifier nicht in Eigenregie. „Es ist leider nicht so, dass wir tonnenweise Alben verkaufen“, versucht sich Sel an einer Erklärung für den Weg in die Selbstbestimmung. „Zumindest nicht so viele, dass wir davon leben könnten, wenn eine externe Plattenfirma was vom Kuchen ab­haben möchte. Wir haben etliche Plattenverträge hinter uns. Erst sind die Leute immer über­schwäng­lich begeistert und am Ende voller Bedauern und Enttäuschung. Was daran liegt, dass wir nicht die kommerziellste Musik der Welt machen – aber auch nie behauptet haben, es zu tun.“

    amplifier 2010Sich mal eben vier Jahre Zeit zu lassen, um dann eine Doppel-CD zu veröffentlichen, ist sicher auch kein Plan, der bei externen Geldgebern auf übertriebene Begeisterung gestoßen wäre… „Natürlich nicht“, lacht Sel. „Aber in dem Moment, wo wir niemandem mehr Rechenschaft schuldig waren, entdeckten wir wieder, wie sehr wir die Musik lieben, um die es doch letztlich geht. THE OCTOPUS ist ein Monster geworden, ich bin der Letzte, der das bestreitet – und muss gestehen, dass es mit schwerfällt, alles am Stück durchzuhören. Aber die Dynamik dahinter ließ nichts anderes zu, das war schon sehr früh im Kompositionspro­zess absehbar.“ Und auch eine Reaktion auf den Druck, den sie zuvor zu spüren bekommen hatten. „Wir haben eine Seite in uns, die große Panoramen, grandiose Spannungsbögen liebt – und die konnten und haben wir hemmungslos ausgelebt!“

    Herausgekommen ist nicht nur ein für die Band befreiender auraler Exzess, sondern –„und das ist ganz klar Zufall und Glück in einem“, so Sel – ein wunderbar in die aufblühende Landschaft des Alternative-Neo-Prog passendes Album. „Für uns ging es darum, unserem internen musikalischen Dialog freie Bahn zu lassen. So gut wie alle Songs auf THE OCTOPUS sind aus Jamsessions geboren. Wir nahmen tonnenweise Material live auf, der Rest war ein Destillationsprozess, in dem wir die essenziellen Momente extrahiert und zu Songs arrangiert haben. Wobei das diesmal kein rigoroser Prozess war: 11-Minuten-Songs schulden ihre Länge vor allem unserer Begeisterung für die Magie des Augenblicks.“

    Bei aller „Lass es fließen“-Mentalität ist aber doch eine Menge Gehirnschmalz in THE OCTOPUS geflossen – und zwar lyrisch: „Ob es ein Konzeptalbum ist?“, lacht Sel. „Aber sowas von! Das Konzept dahinter ist der Oktopus, ein mysteriöser Code unserer Existenz“, erläutert er hinreichend schwammig. Es handelt sich um eine elaborierte, auf verschiedenen Ebenen verschlüsselte Kunst-Theorie über – ja, letzten Endes – den Sinn des Lebens. „Es ist keine Story, es gibt keine Hauptfigur. Es ist ein Konzept, teils Philosophie, teils kreatives Schreiben, teils Logik. Es ist ein Buch, an dem ich seit zehn Jahren schreibe und das ich jetzt zweckentfremdet habe, über das, was… ist.“ So sei es, und so ist es: Worte ver­sagen, wo die Musik die zusätzliche Dimension des Verstehens schafft.

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