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    Devotchka

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    DevotchkaVom Genre einer Band auf ihren Lebensstil zu schließen – das kann leicht in die Hose gehen. Vor allem, wenn die Band dem Zigeuner-Punk zugeordnet wird. Und vor allem, wenn die Band DeVotchKa heißt, die mit ihrer vorzüglichen fünften Platte, 100 LOVERS, überhaupt nicht mehr in diese Schublade passen will. Sei’s drum: Begeben wir uns auf das dünne Eis der Klischees…

    Wenn Nick Urata mit DeVotchKa auf Tour ist, lebt er ein Leben, das man durchaus zigeunerhaft nennen kann: Er zieht von Ort zu Ort, gibt Kostproben seiner fidel-melancholischen Weisen, schläft schon mal spätnachmittags und muss extra für ein Interview aufgeweckt werden. Auch die Aufnahmemethoden, derer sich die Multiinstrumentalisten-Kapelle bedient, sind nicht gerade topmodern. Bei den Recording Sessions für 100 LOVERS zog es Urata mit Tom Hagerman (Geige, Akkordeon, Piano, Melodica), Jeanie Schroder (Tuba, Kontrabass) und Shawn King (Schlagzeug, Trompete, Orgel) erneut in die Wüste Arizonas: in das Studio der befreun-deten Calexico.
    „Es ist, als ob man eine Reise in die Vergangenheit unternimmt“, schildert Urata die Erfahrung. „Ich mag das. Dort gibt es keine Computer oder digitale Hilfsmittel, da gibt es nur Röhren, Staub und analoge Bänder.“ Gemischt und produziert wird dann – nach der Digitalisierung der Tapes – aber am Computer. Denn, so der Band-Kopf mit deutlichen Worten: „Höhlenbewohner sind wir auch wieder nicht.“

    Hin und wieder aber reißt es den Frontmann, dessen Gesangsstimme diese wohlige Traurigkeit verströmt, aus dem chilligen Tour- und Aufnahme-Trott heraus. Seit DeVotchKa 2006 den Soundtrack zu „Little Miss Sunshine“ mitgestalten durften, engagieren Hollywood-Produzenten Nick Urata regelmäßig als Filmmusik-Komponist. Bislang geht u.a. die musikalische Untermalung von „I Love You Philip Morris“, „The Joneses“ und „Fat-her Of Invention“ auf sein Konto.

    Diese Auftragsarbeiten stehen im krassen Gegensatz zu Uratas Sein und Schaffen bei DeVotchKa. „Du kannst nicht einfach warten, bis dich die Muße küsst“, erinnert er sich. „Du musst wirklich jeden Tag aufstehen, ins Studio gehen und schreiben. Schließlich rückt die Deadline näher und näher.“ Urata eignete sich also eine gewisse Arbeitsmoral an, die sich jedoch nicht wirklich in den DeVotchKa-Kosmos hinüberretten konnte: „Ich habe schätzen gelernt, dass meine Band eben kein Job ist. Wenn du drei ebenbürtige Musiker neben dir hast, die sich mit einbringen, gilt es, das zu genießen. Bei 100 LOVERS sind wir viel mehr aus uns herausgegangen, haben improvisiert anstatt vor dem Gang ins Studio alles vorzubereiten.“

    Man hört es 100 LOVERS an – das Jammen, das Ab-hängen, das Sich-von-der-Muse-küssen-lassen und das Wenn-nötig-ne-Pause-einlegen-und-sich-auch-mal-bis-spätnachmittags-Ausschlafen. DeVotchKa spielen auf Augenhöhe mit Calexico, Beirut, Get Well Soon und frühen Radiohead. Manchmal schadet es also offenbar nicht, sich etwas zu entspannen.

    Lothar Gerber

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