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CLASSIC ROCK TV Tipps: Das läuft demnächst

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Diesen Sommer glänzt vor allem Arte mit einem tollen Fernsehprogramm für Musikinteressierte. Neue Dokumentationen über AC/DC, die Beach Boys oder Bee Gees warten.

Arte

15.06. 04:28 Marianne Faithfull, Music Queens

16.06. 22:40 Scorpions, Hellfest 2022

16.06. 04:33 Dolly Parton, Music Queens

19.06. 05:30 Morricone dirigiert Morricone

27.06. 05:10 Rolling Stones: A Bigger Bang

07.07. 21:55 AC/DC – Forever Young

07.07. 22:50 AC/DC – Live At River Plate

14.07. 00:35 Brian Eno & Roger Eno live at the Acropolis

21.07. 21:45 Die Beach Boys – Genie und Wahnsinn

21.07. 22:40 CCR in der Royal Albert Hall: Travelin‘ Band

28.07. 22:45 INXS: Live Baby Live

11.08. 21:45 Bee Gees – Brüder im Discofieber

18.08. 21:45 California Dreamin‘: Die Geschichte von The Mamas & The Papa

WDR

19.06. 01:45 Rockpalast from the archives: 10.03.1979

ZDF Info

18.06. 12:45 Neue Deutsche Welle: Die Pioniere

18.06. 13:30 Neue Deutsche Welle: Der Hype

18.06. 14:15 Neue Deutsche Welle: Der Overkill

Apple TV:

Carpool Karaoke: The Series

Axel Rudi Pell: Kein seelenloser 08/15-Kram

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Dass die härtesten Rocker oft die schönsten Balladen schreiben, ist keine wirklich neue Erkenntnis – schon gar nicht im Kontext von Metal-Gitarrenheld Axel Rudi Pell. Wie sonst könnte es sein,
dass der Bochumer mit BALLADS VI nun schon die sechste (ja tatsächlich!) Zusammenstellung eher ruhiger, romantischer Stücke aus seinem enormen Repertoire präsentiert und diese dennoch von seinen zahlreichen Fans auf der ganzen Welt sehnsüchtig erwartet wird?

Axel, auch wenn die meisten Hard-&- Heavy-Fans dich als Shredder an den sechs Saiten kennen und lieben gelernt haben, bist du mittlerweile – quasi nebenher – ein veritabler Experte für sanfte Klänge geworden. Deshalb gleich zu Beginn diese Frage: Was macht für dich eine gute Rockballade aus?
Sie muss mich rühren – am besten zu Tränen. Bei Balladen geht es ganz allein um Emotionen. Du kannst den kompositorisch perfekten Song schreiben, aber wenn du dabei kein Gefühl reinlegst, kannst du ihn vergessen.

Und wie macht man das?
Ein Song muss leben, muss etwas Eigenes haben, etwas das ihn von der Norm abweichen lässt. Es ist einfach, eine „Schnulze“ am Reißbrett zu entwerfen, genauso wie einen typischen Pop-, Country- oder Reggaetrack. Herrgott, dafür gibt es mittlerweile schon Computer-Software. Das Ergebnis wäre aber seelenloser 08/15-Kram. Was ein Lied, und speziell eine Ballade außergewöhnlich macht, ist die persönliche Note. Das Ganze muss atmen und darf und soll gern ein bisschen eigenwillig anmuten. Eine Rockballade steht und fällt zudem mit ihrer Melodie. Ohne die kannst du Gefühle noch und nöcher reinhauen – es würde nichts bringen, weil sie sinnlos verpuffen. Ebenso andersrum: Eine tolle Melodie ohne ein emotional stimmiges Arrangement ist verschwendet. Die Kombination, das Zusammenspiel aus beidem, macht’s.

Wenn du dich daran machst, ein ruhiges Lied zu schreiben, gehst du dabei anders vor als bei knackigen Hardrock-Nummern?
Ich habe mich noch nie mit der Absicht hingesetzt, eine Ballade zu schreiben. Das geht nicht auf Knopfdruck. Ich komponiere ohne Plan, spiele einfach drauf los. Manchmal kommen dabei Heavy-Tracks heraus, manchmal Schleicher, oft aber auch tagelang nichts. Es war noch nie so, dass ich dachte: ‚Oh, dem neuen Album fehlt noch eine Midtempo-Nummer, ein harter Rocker oder eben ein ruhiger Titel – den schreibe ich jetzt einfach mal.‘ Das funktioniert so nicht. Wenn du auf diese
Weise Musik machst, landest du ganz flott bei der eben beschriebenen Reißbrett-Situation. (lacht)

Neben ein paar bereits von den regulären Alben bekannten Liedern hast du BALLADS VI drei neue eigene Nummern beigefügt, aber auch zwei exklusive Coverversionen – ›Diamonds And Rust‹ von Joan Baez und den Kansas-Hit ›Dust In The Wind‹. Warum gerade diese beiden Klassiker?
Ich höre im Auto viel Radio. Wenn dann ein Song kommt, der mich berührt oder den ich in meiner Jugend geliebt und jetzt aber lange nicht gehört habe, denke ich beinahe automatisch darüber nach, ob und wie er im ARP-Kontext klingen könnte. Bei diesen beiden kamen mir schnell sehr konkrete Ideen. Es ist wichtig, dass du bei einem Cover etwas anderes, etwas Eigenes einbringst. Es macht doch keinen Sinn, das Original eins zu eins nachzuspielen. Bei dem ursprünglichen Folkstück ›Diamonds And Rust‹ gibt es aber schon eine geniale Hardrockversion von Judas Priest. Es wäre also überflüssig gewesen, es in diese Richtung zu überarbeiten. Zudem hat Ritchie Blackmore das Lied mit Blackmore’s Night in ein Renaissance-Gewand gekleidet, das ebenfalls sehr gelungen ist. Meine Idee lautete nun, die drei Varianten irgendwie unter einen Hut zu bringen, und das im arenatauglichen Breitwand-Balladenformat. Das war nicht einfach, hat aber Spaß gemacht, und ich
bin mit dem Resultat sehr zufrieden.

Und wie lief es bei ›Dust In The Wind‹?
Da war der Ansatz eher gegenteilig. Hier habe ich versucht, das Stück auf seinen Kern zu reduzieren und es noch ruhiger, noch sanfter und klarer klingen zu lassen. Das haben wir erreicht, indem wir das Arrangement komplett auf Akustikgitarre, Keyboards und Gesang fokussiert haben. Inspiriert dazu wurde ich von einem YouTube-Video von Brian May, das ich mal gesehen hatte und an das ich denken musste. Bei uns kommt dann im hinteren Teil aber noch ein kerniges, elektrisches Solo dazu. Bass und Schlagzeug setzen selbst hier nicht ein, sondern sind komplett ausgespart. Was
jeden, der mich und meine Band kennt, vielleicht ein wenig überrascht.

Aber das ist ja auch mal nicht schlecht, oder? Apropos Band: Ihr geht im April und Mai auf ziemlich fette Tour durch Deutschland, aber auch andere Länder wie die Schweiz, Schweden und die Niederlande. Wirst du dabei ein paar der neuen Slow-Songs spielen?
Wir werden versuchen, zumindest ›Morning Star‹ in die Show einzubauen. Ansonsten handelt es sich bei den bevorstehenden Dates aber um die wegen der Pandemie seit 2020 mehrfach verschobenen Touren zu den Platten SIGN OF THE TIMES und LOST XXIII. Wobei wir erfreulicherweise noch ein paar zusätzliche Termine hinzufügen konnten. Aktuell ist das Live-Geschäft ja für viele Acts eine schwierige Sache. Die Leute nach fast drei Jahren auf dem Sofa wieder in die Hallen zu bekommen, scheint nicht so einfach. Bis auf einen Termin in Norditalien, den wir aufgrund schwacher Vorverkäufe wieder canceln mussten, haben wir Glück, dass auch die Tickets für unsere restlichen neu angesetzten Auftritte sehr guten Absatz finden.

Die Tour wird also eine klassische Hardrock-Show bieten. Hast du aufgrund des Erfolgs der BALLADS-Zusammenstellungen schon mal darüber nachgedacht, einen kompletten Abend mit ausschließlich ruhigen Nummern zu präsentieren – „BALLADS on Tour“ sozusagen?
Nein, das würde ich nicht machen wollen. Ich bin im Herzen Rocker. (lacht) Zwei Stunden lang nur ruhiges Material zu spielen, wäre langweilig – nicht nur für das Publikum, sondern vor allem für
mich selbst. Ich habe schon Unplugged-Konzerte mit rein akustischer Instrumentierung besucht. Nach spätestens 30 Minuten bin ich da immer abgehauen, weil mir die Dynamik fehlte. Zu Hause
eine Balladen-Platte aufzulegen, ist prima. Die lasse ich laufen, solange ich Spaß daran habe, und kann sie dann jederzeit ausmachen. Aber einen ganzen Abend nur ruhig dazusitzen und langsame Nummern anzuhören oder gar zu spielen, würde ich nicht aushalten.

Video der Woche: Suzi Quatro mit ›Can The Can‹

Zum 73. Geburtstag von Suzi Quatro blicken wir heute auf einen ihrer größten Hits zurück. ›Can The Can‹ erschien im Jahr 1973 und war Quatros erste Nummer-1-Single im UK. Suzi Quatro, bürgerlich Susan Kay Quatro, war kurz zuvor im Jahr 1971 von ihrer Heimat Detroit nach England gezogen, um dort den Durchbruch zu schaffen.

Im heutigen „Video der Woche“ von 1973 performt Suzi ihre Hitsingle bei „Top Of The Pops“:

https://youtube.com/watch?v=TPTsl3GQffc

Foo Fighters: BUT HERE WE ARE

Eine grandiose Rückkehr mit Herzschmerz

Taylor Hawkins’ plötzlicher Tod vor gut einem Jahr war ein tragischer Moment in der 28-jährigen Geschichte der Foo Fighters. Zum zweiten Mal musste Dave Grohl einen überlebensgroßen
Bandkollegen und in diesem Fall auch seinen besten Freund betrauern. Die positive Persönlichkeit des Schlagzeugers war der strahlende Sonnenschein über der Gruppe und sorgte für einige ihrer besten Momente, ob er nun 2006 im Hyde Park gemeinsam mit Brian May und Roger Taylor ›Tie Your Mother Down‹ von Queen darbot oder 2008 in Wembley mit Jimmy Page und John Paul Jones Led Zeps ›Rock And Roll‹ sang. Als er dann im März 2022 in Bogotá, Kolumbien, so grausam aus dem Leben gerissen wurde, hätte man es den Foo Fighters nicht verübelt, wenn sie auf der Stelle ihre Auflösung ver-kündet hätten – so groß und schmerzhaft war der Verlust dieses so wichtigen Bandmitglieds. Doch genau wie nach dem Tod von Kurt Cobain 1994 machte Grohl tapfer weiter, ehrte Hawkins mit zwei stargespickten Tribute-Konzerten in London und Los Angeles und gab schließlich Ende des Jahres bekannt, dass die Gruppe ohne ihn fortbestehen werde. Auf BUT HERE WE ARE, dem elften Studioalbum, kämpft Grohl größtenteils damit, mit Taylors Tod fertigzuwerden. Der Opener ›Rescued‹ stürmt energisch daher und beginnt mit dem schreienden, schockierten Sänger: „It came in a flash, it came out of nowhere/It happened so fast, and then it was over“, bevor er hoffnungslos zugibt: „I’m just waiting to be rescued, bring me back to life.“

Darauf folgt das hervorragende ›Under You‹, mit dem die Foos die rauen, bewegenden Klänge anschlagen, aus denen auch der Klassiker ›Monkey Wrench‹ von THE COLOUR AND THE SHAPE geschmiedet war. Darin findet sich eine der herzzerreißendsten Textzeilen der gesamten Platte, als Grohl sich daran erinnert, „Songs und Zigaretten“ mit seinem Weggefährten zu teilen, bevor er hinzufügt: „This is how I’ll always picture you.“ Das frenetische Titelstück wiederum kann mit Stadionhymnen vom Kaliber ›Best Of You‹ und ›Times Like These‹ mithalten, wenn euphorische Gitarren donnernden Trommeln weichen und Grohl stimmlich alles gibt. Auf ›The Teacher‹ offenbart er seine düstersten Momente, wenn ihm klar wird, dass ihm gezeigt wurde, wie man atmet, aber nicht, wie man Lebewohl sagt. Im sanften, abschließenden ›Rest‹ akzeptiert er Taylors Ableben dann schließlich widerwillig. BUT HERE WE ARE ist vielleicht das kathartischste aller Foos-Alben – davon abgesehen ist es auch eines ihrer besten und eine würdige Ehrung des großen Taylor Hawkins. (Damian Jones)

9 von 10 Punkten

Foo Fighters
BUT HERE WE ARE
RCA/SONY

Videopremiere: Blindstone mit ›Waste Your Time‹

Am 11. August veröffentlichen Blindstone ihre neues Studioalbum SCARS TO REMEMBER. Als Vorgeschmack auf seine zehnte Platte hält das Dänische Powertrio nun schon eine erste Single, einen bluesigen Boogie-Track, mit dem Titel ›Waste Your Time‹ bereit.

Frontmann Martin Jepsen Andersen über den neuen Song: „Wir alle kennen diese Leute, die viel reden und doch überraschend wenig zu sagen haben. Große Klappe, nichts dahinter. Reine Zeitverschwendung. In unserem neuen Song geht es genau um solche Menschen.“

L.A. Edwards: OUT OF THE HEART OF DARKNESS

Kalifornisches Brüdertrio auf nostalgischem Westcoast-Trip

Mit den Namen ist es oft so eine Sache: L.A. Edwards zum Beispiel. Erstens handelt es sich dabei um eine Band und zweitens kommt Bandchef Edwards nicht, wie man meinen könnte, aus Los Angeles: L.A. steht schlicht für seine Vornamen Luke Andrew. Soweit wäre das geklärt. In die falsche Richtung deutet der L.A.-Fingerzeig aber nicht. Denn das aus den Geschwistern Jesse Daniel, Jerry und eben Luke Andrew Edwards bestehende Trio stammt immer- hin aus Kalifornien – und das hört man auch: Auf dem dritten, von Studio-Legende Tom Lord-Alge abgemischten Album klingen die meisten der elf Tracks unzweifelhaft nach dem amerikanischen Sonnenstaat, nach den Eagles, nach Jackson Browne oder – wie im Opener ›Little Boy Blue‹ – nach Tom Petty. Gelegentlich gelingt es dem Brüdertrio, sich aus diesen großen Schatten der Westcoast-Legenden zu befreien. Dann, ja dann, deuten sie sogar so etwas wie eine eigene musikalische Identität an. In dem wuchtigen Retro-Beat- Hammer ›Hi Rite Now!‹ etwa, im leidenschaftlichen Gitarren-Rührstück ›Time To Go‹ oder im hymnischen ›Lucky One‹. Klitzekleines Manko: Sänger L.A. könnte in den härteren Rock-Tracks ein paar PS mehr in den Stimmbändern verkraften.

6 von 10 Punkten

Ben Folds: WHAT MATTERS MOST

Gewitztes Songwriting

Die Zeiten des rumpeligen Piano-Punks sind für Ben Folds schon länger vorbei, die des gewieften
Songwriters glücklicherweise noch lange nicht. Angefangen beim romantischen ›Winslow Gardens‹, war es dem Vinyl-Fan wichtig, mit WHAT MATTERS MOST ein Album im klassischen Sinn abzuliefern. Wie schon bei früheren Songs wie ›All You Can Eat‹ übt er auf ›Kristine From The 7th Grade‹ Kritik am konservativen Amerika, er nimmt bei seinem Spott über QAnon-Schwurbler kein Blatt vor den Mund und bringt einen mit feinsinnigem Humor zum Lachen – meisterlich. Auch in ›Exhausting Lover‹, einem Stück über ein etwas peinliches sexuelles Tourerlebnis, steckt ihm voller Selbstironie der Schalk im Nacken – genauso bei ›Paddleboat‹, in dem eine Beziehung während eines sonntäglichen Bootausflugs in die Brüche geht. Immer wieder sind es diese überraschenden Wendungen und versteckten Fallstricke, die die Lieder auf WHAT MATTERS MOST so vielschichtig machen. Herzerwärmende Songs wie ›Moments‹ runden die Platte stimmig ab. (Tobias Wullert)

8 von 10 Punkten

Ben Folds
WHAT MATTERS MOST
NEW WEST/BERTUS

Rival Sons: DARKFIGHTER

Intensiv wie eh und je

Da jedes neue Werk der Rival Sons einem Erweckungserlebnis gleicht, macht es nur Sinn, DARKFIGHTER mit einer kleral klingenden Orgel zu eröffnen, bevor Scott Holiday mit dem durch den Fuzz-Wolf gezwirbelten Riff des Openers ›Mirrors‹ loslegt. Acht wundervolle Songs befinden sich auf dem neuen Album der Band aus Long Beach. Ebenso wundervoll ist die Nachricht, dass das recht konzeptuell angelegte DARKFIGHTER die erste von zwei zusammengehörenden LPs darstellt – im Herbst wird das gegensätzlich betitelte LIGHTBRINGER folgen. Das Thema Identität spielt eine übergeordnete Rolle und passt zur Lebensmitte, in der sich die Rival Sons inzwischen befinden. Der Begriff „midlife crisis“ wurde absichtlich ausgespart, denn darum geht es hier nicht. Viel mehr darum, dass die zunehmende Reife von Front- und Gesangswunder Jay Buchanan und Konsorten nun mal gut zu den spannenden und poetischen Überlegungen bezüglich Konstruktion, Verlust und Neuaufbau von Identität passen. Vom treibenden ›Nobody Wants To Die‹ über das epische ›Rapture‹ oder ›Darkside‹ bis hin zum luftigen ›Bird In The Hand‹ liefern die Rival Sons einen emotional aufgeladenen Track nach dem nächsten und gebaren sich soundtechnisch dem Albumtitel gemäß düsterer als auf dem Vorgänger FERAL ROOTS. Acht ausgezeichnete Stücke, die nach sich selbst und ihren Schöpfern klingen und keine Vergleiche mit ihren früher nicht von der Hand zu weisenden Idolen mehr brauchen. Ein Erlebnis, das mit jedem Hördurchlauf intensiver wird.

8 von 10 Punkten

Rival Sons
DARKFIGHTER
ATLANTIC/WARNER